Zungenbelag

Bei einem Zungenbelag handelt es sich um sichtbare Veränderungen auf dem Zungenrücken, die das normale Rot der Zungenschleimhaut überdecken. Viele von uns kennen den Zungenbelag vor allem nach dem Aufstehen: Eine weißliche Schicht auf der Zunge, die sich leicht pelzig anfühlt, die in der Regel harmlos und leicht entfernbar ist. Es gibt aber auch Formen des Zungenbelags, die auf verschiedene Krankheiten hinweisen können.


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Zuletzt aktualisiert: 19. Mai, 2020



Was versteht die Medizin unter Zungenbelag?

Unter Zungenbelag versteht die Medizin jede sichtbare Veränderung auf dem Zungenrücken, die das normale Rot der Zungenschleimhaut überdeckt. Man unterscheidet zwischen abstreifbarem und nicht abstreifbarem Zungenbelag. Der abstreifbare Zungenbelag hat meist keinen Krankheitswert, sondern verursacht meist nur verstärkten Mundgeruch. Der nicht abstreifbare Belag hingegen spricht meist für das Vorliegen einer pathologischen Schleimhautveränderung.

Welche Funktionen hat die Zunge?

Die Zunge hat viele wichtige Funktionen für den Menschen. Beispielsweise sorgt sie dafür, dass beim Essen die Nahrung durch den Mund bewegt wird und dadurch zusätzlich zum Kauen auch eingespeichelt wird.

Wie sieht eine gesunde Zunge aus?

Eine gesunde Zunge hat aufgrund der sie durchziehenden Blutgefäße typischerweise eine rosafarbene oder rote Färbung. Auf der Zungenoberfläche kann man auch normalerweise eine dünne weiße Schicht sehen. Dieser Belag setzt sich aus Papillenspitzen, Speiseresten, alten Zellen, Keimen und körpereigenem Schleim zusammen.

Eine gesunde Zunge hat eine rosa Farbe.

Wie entsteht Zungenbelag?

Ein Belag auf der Zunge entsteht, wenn sich Nahrungsreste, Zellen oder Bakterien auf dem Zungenrücken ablagern. Wenn Du feste Nahrung kaust oder Dir die Zähne putzt, verschwindet dieser natürliche Zungenbelag normalerweise. Wenn die Zunge allerdings ständig belegt ist, kann dies ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Erkrankung sein.

Welche Formen von Zungenbelag gibt es?

Der Zungenbelag kann verschiedene Farben annehmen. Meist ist er weiß oder rot, möglich ist allerdings auch eine gelb, grau, braun oder schwarz verfärbte Zunge. Die Farbe Deines Zungenbelages gibt Aufschluss über die zugrunde liegende Ursache.

Welche Ursachen hat Zungenbelag?

Was die Ursache Deines Zungenbelags sein könnte, ist abhängig davon, welche Farbe er hat. Eine weiß belegte Zunge resultiert meist aus abgestorbenen Zellen, Mikroorganismen, und Nahrungsresten, die sich an der rauen Zungenoberfläche festsetzen. Es gibt auch Erkrankungen, die zu einem weißen Zungenbelag führen können.
 
Bei Erkältung und Fieber kann eine weiß belegte Zunge auftreten, sowie bei Mundsoor, einer Infektion mit dem Pilz Candida albicans. Die durch den Pilz hervorgerufenen Beläge lassen sich abstreifen, wodurch dann eine leicht blutende und gerötete Schleimhaut sichtbar wird. Verdauungsstörungen wie eine Magenschleimhautentzündung oder andere Erkrankungen der Verdauungsorgane können ebenfalls zu einem weißen Zungenbelag führen.
 
Wenn Du bei Dir weißliche, feste Beläge am Zungenuntergrund oder am Zungenrand feststellst, kann dies auf eine Leukoplakie hinweisen. Bei dieser Krankheit produziert die Schleimhaut vermehrt Hornzellen. Auch Morbus Bowenoder die Leukoplakie können eine Ursache des weißen Zungenbelags sein.
 
Die Hautkrankheit Lichen ruber planus kann sich unter anderem in weißen Belägen an der Zungenunterseite und an den Wangeninnenseiten äußern. Leidest Du an einer Eisenmangelanämie, wirkt Deine Zunge ungewöhnlich blass.
 
Bei Personen, die an Typhus erkrankt sind, ist die Zunge in der Mitte grau-weiß belegt, die betroffenen Bereiche sind von ihrer Umgebung rot abgegrenzt. Gelblicher Zungenbelag wird meist durch Erkrankungen der Verdauungsorgane wie Gelbsucht und Gallenerkrankungen verursacht.

Eine rotbelegte Zunge weist oft auf Scharlach hin.

Eine rot belegte Zunge ist meist ein Zeichen von Infektionskrankheiten wie beispielsweise Scharlach. Diese Erkrankung wird durch Streptokokken verursacht und geht mit Symptomen wie Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und Hautausschlag einher. Zunächst ist die Zunge weiß belegt, im weiteren Verlauf färbt sie sich himbeerrot. Auch das Kawasaki-Syndrom äußert sich durch Fieber und eine himbeerrote Zunge.
 
Aus einem Vitamin-B-12-Mangel kann eine Blutarmut entstehen, die sich unter anderem durch eine glatte, rote, entzündete Zunge und Zungenbrennen bemerkbar macht. Eine entzündete Zunge kann außerdem das Ergebnis von bakteriellen oder viralen Infekten, einseitiger Ernährung, systemischer Erkrankungen oder regelmäßigem Alkohol- oder Nikotinkonsum sein. Dadurch bildet sich ein rötlicher Zungenbelag. Eine weitere Ursache für roten Zungenbelag ist das Sjörgen-Syndrom, eine Autoimmunerkrankung, die die Speicheldrüsen zerstört und so zu Mundtrockenheit führt. Daraus resultiert dann eine rot glänzende „Lackzunge“.
 
Ein brauner Zungenbelag tritt meist bei der Einnahme bestimmter Medikamente, bei Nierenschwäche oder bei einer häufigen und intensiven Nutzung von chlorhexidinhaltigen Mundwasser auf. Auch ein schwarzer Belag auf der Zunge ist möglich. Er kann durch regelmäßigen Konsum von Tabak, Kaffee oder bestimmten färbenden Nahrungsmitteln entstehen, aber auch durch die Nutzung von Mundwasser.
 
Auch bei Personen, bei denen spezielle Zungenpapillen verstärkt wachsen, kann es zu einem schwarzen Zungenbelag kommen. Die vergrößerten Papillen wirken optisch so, als wäre die Zunge von feinen Härchen überzogen. Durch Nahrungseinflüsse kann sich die Zunge dann dunkel verfärben. Allerdings ist die schwarze Haarzunge harmlos.
 
Weitere Faktoren, die eine belegte Zunge verursachen können sind Parodontitis, Syphilis, Diphtherie, Immunschwäche, bestimmte Gifte und Metalle, mangelnde Mundhygiene oder falsche Ernährung.

Welche Anomalien können den Belag auf der Zunge fördern?

Abgesehen von den bereits genannten Faktoren, kann die Zunge bestimmte harmlose Anomalien, also Abweichungen bezüglich der Form und der Beschaffenheit aufweisen, die Zungenbelag fördern können.
 
Die Lingua geografica, die auch unter dem Namen „Landkartenzunge“ bekannt ist, kann die Entstehung von Zungenbelag begünstigen. Die Zunge verliert vorübergehend bestimmte Papillen, wodurch weißliche und rötliche Bereiche auf der Zungenoberfläche entstehen, die einer Landkarte ähneln.
 
Bei der Lingua plicata, der Faltenzunge, haben manche Menschen aufgrund erblicher Faktoren starke Falten in der Zunge, die ideale Bedingungen für Bakterienwachstum schaffen. Dadurch entsteht Zungenbelag leichter.
 
Auch die Glossitis mediana rhombica kann zu vermehrtem Belag auf der Zunge führen. Dabei ist ein Teil der mittleren und hinteren Zungenoberfläche nicht von Papillen bedeckt. Dort findet sich dann häufig ein weißer oder rötlicher Zungenbelag.

Zungenbelag kann durch verschiedene Anomalien und Risikofaktoren begünstigt werden.

Auf welche Krankheiten kann eine belegte Zunge hinweisen?

Eine belegte Zunge kann auf verschiedene Krankheiten hinweisen. Dazu zählt zum einen die Parodontitis, eine Entzündung des Zahnhalteapparates, die durch bakteriellen Zahnbelag entsteht. Neben der belegten Zunge können die Zähne schmerzen und das Zahnfleisch blutet leichter. Unbehandelt führt die Parodontitis oft zum Zahnausfall.
 
Typhus ist eine durch Salmonellenbakterien verursachte Infektionskrankheit, die unbehandelt sehr gefährlich sein kann. Neben grippeähnlichen Symptomen, Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall und selten auch Hautausschlag kann Typhus zu einem dicken, weißlichen oder grauweißlichen Belag auf der Zungenmitte führen, an den Rändern und an der Spitze ist die Zunge himbeerrot verfärbt.
 
Auch Hautpilz, also eine Pilzinfektion der Haut, der Nägel oder der Haare kann als Symptom eine belegte Zunge verursachen. Der Hautpilz wird durch Fadenpilze, Hefepilze oder Schimmelpilze hervorgerufen und führt meist zu Rötungen und Jucken. Die Haut kann auch aufgequollen und eingerissen sein.
 
Eine weitere Krankheit, bei der eine belegte Zunge ein Symptom sein kann, ist Soor. Soor ist eine Sammelbezeichnung für alle Krankheiten, die durch eine bestimmte Pilzgattung, die Candida, hervorgerufen werden. Meist verursacht der sogenannte weiße Hefepilz, Candida albicans, den Soor, seltener wird er durch Candida tropicalis oder Candida krusei verursacht. Fast alle Körperpartien können von Soor betroffen sein.

Wie diagnostiziert der Zahnarzt einen Zungenbelag und dessen Ursachen?

Wenn Du neben der belegten Zunge auch Symptome wie Zungenbrennen, Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl verspürst, oder sich der Zungenbelag stark verändert, solltest Du Deinen Hausarzt oder Deinen Zahnarzt aufsuchen. Der Arzt befragt Dich zunächst zu Deiner Krankengeschichte, wobei Du ihm Deine Symptome schilderst. Außerdem möchte Dein Arzt wissen, wie lange Du diese Symptome schon hast und ob Dir irgendwelche Grunderkrankungen bekannt sind.
 
Im Anschluss daran folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt untersucht die belegte Zunge, die Mundschleimhaut und die Zähne gründlich, um Erkrankungen des Zahnfleischs und Zahnprobleme auszuschließen. Danach nimmt der Arzt einen Abstrich vom Zungenbelag und lässt ihn im Labor auf Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen untersuchen. In manchen Fällen muss Dein Arzt noch weitere Untersuchungen durchführen. Dazu zählt beispielsweise eine Blutentnahme, eine Magenspiegelung oder bildgebende Verfahren wie Röntgen oder eine Magnetresonanztomographie (MRT).

Wie behandelt der Zahnarzt eine belegte Zunge?

Die Behandlung der belegten Zunge ist abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. Bei einer Infektion mit Bakterien bekommst Du ein Antibiotikum verschrieben, bei einer viralen Infektion antivirale Medikamente. Bei einer Besiedlung der Zunge mit Pilzen behandelt der Arzt sie mithilfe von Antipilzmitteln, sogenannten Antimykotika. Der Zahnarzt sollte außerdem Zahn- oder Zahnfleischprobleme, die möglicherweise für den Zungenbelag verantwortlich sind, behandeln.

Wie kann ich die Gesundheit meiner Zunge selbst kontrollieren?

Schon morgens direkt nach dem Aufstehen kannst Du Deine Zunge auf Auffälligkeiten oder Veränderungen bezüglich der Farbe oder der Form des Zungenbelags untersuchen.

Welche Folgen hat eine belegte Zunge für Betroffene?

Eine belegte Zunge ruft oft ein pelziges Gefühl und Mundgeruch hervor. Dies ist zwar unangenehm aber an sich noch kein Grund, einen Arzt aufzusuchen.

Harmloser Zungenbelag kannst Du auch selbst mit einem Schaber oder Löffel entfernen.

Welche Risikofaktoren begünstigen das Entstehen von einem Belag auf der Zunge?

Risikofaktoren, die die Entstehung von Zungenbelag begünstigen, sind beispielsweise Rauchen, falsche und einseitige Ernährung und schlechte Mundhygiene.

Welche Hausmittel helfen gegen Zungenbelag?

Gegen harmlosen Zungenbelag kannst Du selbst schon viel tun. Essenziell ist dafür eine spezielle Zungenhygiene, da die raue Zungenoberfläche ein ideales Milieu für Bakterien, Viren und Pilze schafft. Um die Zunge zu reinigen, gibt es verschiedene Methoden.
 
In vielen Drogeriemärkten findest Du spezielle Zungenreiniger mit einer Bürstchen- und einer Schabseite. Streiche zunächst mit dem Bürstchen über die Zunge, um den Zungenbelag aufzulockern. Mit dem Schaber kannst Du den Belag nun entfernen. Im Anschluss solltest Du Deinen Mund mit Wasser oder einer geeigneten Mundspülung ausspülen. Die Mundspülung desinfiziert den Mundinnenraum nach dem Zähneputzen und reduziert die Zahl der Keime im Mund. Manchmal kann es allerdings vorkommen, dass die darin enthaltenen Pflanzenwirkstoffe die Zunge bräunlich verfärben.
 
Hast Du keinen Zungenreiniger, kannst Du auch einen Esslöffel zur Zungenreinigung verwenden. Streiche dazu mit der Kante der hohlen Seite mehrmals über den Zungenrücken, um den Belag zu entfernen. Im Notfall kannst Du auch Deine Zahnbürste verwenden, allerdings solltest Du sie danach sehr gründlich ausspülen.
 
Eine weitere Methode, um Zungenbelag zu entfernen, ist Kauen. Du solltest möglichst viel feste Nahrung wie beispielsweise Rohkost zu Dir nehmen, da das Kauen von harten Krusten und knackigem Gemüse die Beläge von selbst beseitigt.

Wie kann ich einem Zungenbelag vorbeugen?

Zungenbelag tritt bei jedem Menschen in irgendeiner Form einmal auf, Vorbeugung ist also schwierig. Handelt es sich um abstreifbaren Zungenbelag, kannst Du durch gründliche Mundhygiene dafür sorgen, dass er sich auf ein normales Maß beschränkt und keine unerwünschten Nebenwirkungen wie Mundgeruch verursacht. Bei einem Zungenbelag, der als Symptom einer anderen Erkrankung auftritt, kann man je nach Krankheit vorbeugen, in manchen Fällen geht dies aber auch nicht.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung einer belegten Zunge?

Wenn die belegte Zunge Ursache oder Symptom einer Erkrankung ist, die ihrerseits einer ärztlichen Behandlung bedarf, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung. Ansonsten fallen bei der Behandlung oder Entfernung des Zungenbelages keine größeren Kosten an.


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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei Zungenbelag handelt es sich um sichtbare Veränderungen auf dem Zungenrücken, die in den meisten Fällen harmlos sind


Du kannst Zungenbelag reduzieren, indem Du auf eine gründliche Mundhygiene achtest und harte Speisen wie Rohkost auf Deinen Speiseplan setzt


Es gibt verschiedene Krankheiten oder harmlose Zungenanomalien, die Zungenbelag begünstigen


Risikofaktoren zur Entstehung des Belags sind Rauchen, falsche Ernährung und schlechte Mundhygiene

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