Scharlach

Halsweh, Schluckbeschwerden, Rachenschmerzen und feinfleckiger Hautausschlag: Scharlach ist als klassische Kinderkrankheit bekannt und gilt als häufigste, durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit in dieser Alterskategorie. Doch nicht nur Kinder können von den Bakterien infiziert werden: Scharlach wird häufig auch bei Erwachsenen diagnostiziert und muss umgehend behandelt werden, um Komplikationen und Spätfolgen zu vermeiden. Aufgrund von typischen Symptomen lässt sich Scharlach meist leicht erkennen. Bei zeitiger und angemessener Behandlung verläuft die Krankheit in der Regel harmlos.


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Zuletzt aktualisiert: 19. März, 2020



Was versteht die Medizin unter Scharlach?

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, die von Bakterien – den sogenannten „Streptokokken“ – verursacht und mittels Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen wird. Überwiegend tritt Scharlach bei Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren auf. Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass sich auch Erwachsene mit Streptokokken infizieren.  Etwa 10-20% der Bevölkerung tragen diese Bakterien dauerhaft in sich, ohne, dass sie Symptome verspüren. Gegen die Streptokokken im Rachenraum muss aus diesem Grund nicht vorgegangen werden, aber es kann durchaus vorkommen, dass dadurch andere Menschen mit dem Krankheitserreger angesteckt werden.

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, die von Bakterien verursacht und mittels Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen wird

Welche Ursachen hat Scharlach?

Der Auslöser von Scharlach sind Streptokokken, die durch die Nase oder den Rachenraum eintreten und sich dann vordergründig im Rachenraum ansiedeln. Scharlach gilt als hochansteckend und tritt daher häufig in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten oder Schulen auf, wo sich die Krankheitserreger gut ausbreiten können. In der kälteren Jahreszeit, etwa von Oktober bis März, häufen sich die Vorfälle. Die Bakterien bilden Giftstoffe, die auch Toxine genannt werden. Wenn Du Scharlach bereits einmal überwunden hast, bist Du vor dem jeweiligen Giftstoff des Erregers eine Zeit lang geschützt. Da es aber verschiedene Toxintypen gibt, kannst Du Dich nach überstandener Krankheit trotzdem jederzeit erneut anstecken.

Wie überträgt sich Scharlach?

Scharlach wird mittels Tröpfchen – also Husten, Niesen und/oder Sprechen – von Mensch zu Mensch  übertragen. Seltener kommt es zu einer Übertragung durch verunreinigte, befallene Oberflächen oder Hautwunden, was auch „Wundscharlach“ genannt wird. Durch regelmäßiges Händewaschen kann eine Schmierinfektion vorgebeugt werden.

Wer ist am häufigsten betroffen?

Vorrangig sind Kinder zwischen drei und zwölf Jahren betroffen, Scharlach kann aber in jedem Alter auftreten. Lediglich Säuglinge sind vor einer Infektion relativ sicher, da diese von der Mutter erhaltene Antikörper in sich tragen.

Wie ist der Verlauf von Scharlach?

Die ersten Anzeichen treten meist zwei bis sieben Tage nach der Ansteckung auf. Nach Auftreten der Symptome solltest Du umgehend ein Arzt heranziehen, sodass mit der Behandlung begonnen werden kann, um Spätfolgen zu vermeiden. Es ist möglich, dass Du Dich erneut an Krankheitserregern infizierst, der Krankheitsverlauf ist bei späteren Infektionen aber meistens schwächer ausgeprägt. Häufig bleibt der typische Hautausschlag bei Wiederansteckung aus. Selten kommt es zu einem septischen Verlauf der Erkrankung, der eine sehr gefährliche und eventuell sogar tödliche Form von Scharlach darstellt. Dabei tritt plötzlich sehr hohes Fieber ein und weitere Beschwerden wie Erbrechen, Durchfall, Bewusstseinstrübungen bis hin zu schweren Herzschädigungen können die Folgen sein.

Die ersten Anzeichen treten meist zwei bis sieben Tage nach der Ansteckung auf

Welche Symptome treten bei Scharlach auf?

Etwa zwei bis vier Tage nach der Ansteckung machen sich die ersten Beschwerden wie Kopf-, Hals- und Schluckschmerzen, Entzündungen der Rachenmandeln (Angina), Fieber und Schüttelfrost bemerkbar. Hinzu kommt, meist ab Tag zwei, ein Hautausschlag, der sich vorwiegend in den Achselhöhlen, Leistenbeugen und an den Oberschenkelinnenseiten, später auch auf den ganzen Körper, ausbreitet. Die Flecken sind intensiv gerötet, ungefähr so groß wie Stecknadeln und fühlen sich samtig an.

Der Ausschlag juckt, im Vergleich zu anderen Hautausschlägen wie bei Masern oder Röteln, aber nicht. Besonders auffällig ist die stark rot gefärbte Zunge von Betroffenen, die auch als „Erdbeer- oder Himbeerzunge“ bezeichnet wird sowie intensiv gerötete Wangen. Nach zirka einer Woche schuppt sich Haut von den Fußsohlen und Handinnenflächen großflächig ab, was zwar unangenehm, aber nicht gefährlich, ist. Oft äußern sich nicht alle Symptome gleichzeitig.

Welche Folgen hat Scharlach für die Betroffenen?

Scharlach ist zwar hochansteckend, verläuft bei angemessener Therapie in der Regel aber unbedenklich. Als die Medizin noch nicht so fortgeschritten war, war Scharlach aber aufgrund schwerwiegender Spätfolgen eine äußerst gefürchtete Krankheit. Mögliche Folgekrankheiten wie zum Beispiel Entzündungen der Nasennebenhöhle, Gelenke, Nieren und des Herzmuskels treten erst einige Wochen nach der Erkrankung auf. Außerdem kann es zu einer eitrigen Mittelohrentzündung kommen, die ohne Behandlung zu Schwerhörigkeit führen kann. In seltenen Fällen führt Scharlach sogar zu rheumatischen Fieber und kann bleibende Schäden verursachen.

Wie diagnostiziert der Arzt Scharlach?

Scharlach lässt sich aufgrund seines typischen Krankheitsverlaufs meist schnell diagnostiziert. Für eine sichere Diagnose wird neben einem auffälligen Anzeichen, wie zum Beispiel dem schnell ansteigenden Fieber, mindestens ein weiteres Symptom benötigt, um Scharlach festzustellen. Bei Unklarheit bietet ein Rachenabstrich schnelle Sicherheit über die Vermutung. Innerhalb weniger Minuten kann Dein Arzt sagen, ob eine Infektion mit Streptokokken vorliegt oder nicht.

Besonders auffällig ist die stark rot gefärbte Zunge von Betroffenen, die auch als „Erdbeer- oder Himbeerzunge“ bezeichnet wird

Wie wird Scharlach behandelt?

Scharlach kann wirksam mit Penicillin behandelt werden, wobei Kinder das Penicillin meist in Form von Saft verabreicht bekommen. Bei einer Penicillin-Unverträglichkeit kann auf andere Antibiotika ausgewichen werden. Um Dich vor Spätfolgen zu schützen, ist eine frühzeitige Einnahme erforderlich. Außerdem solltest Du nach gut einem Monat zu einer Kontrolluntersuchung, sodass Dich Dein Arzt gründlich untersuchen kann, um mögliche Folgeerkrankungen auszuschließen. Unbehandelt kann es bis zu drei Wochen dauern, bis Du die Bakterien nicht mehr übertragen kannst. Mithilfe von Antibiotika bist Du bereits 24 Stunden nach der Ersteinnahme nicht mehr ansteckend und die Symptome klingen langsam ab. Menschen, die Streptokokken in sich tragen, aber keine Symptome aufweisen, werden nicht behandelt.

Wie lange dauert die Behandlung?

Die medikamentöse Behandlung mittels Antibiotika dauert mindestens zehn Tage, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Nach Einnahme des ersten Antibiotikums dauert es ungefähr 24 Stunden, bis Du nicht mehr ansteckend bist. Wenn es zu Komplikationen kommt, wie etwa durch rheumatisches Fieber, verlängert sich die Antibiotikaeinnahme meist auf mehrere Jahre. Am ersten Krankheitstag ist Bettruhe unumgänglich. Vor allem, wenn Du Fieber hast, musst Du Dich schonen. Außerdem solltest Du aufgrund der Ansteckungsgefahr Kontakt zu Personen einschränken bzw. im besten Falle gänzlich vermeiden. Obwohl die ansteckende Phase 24 Stunden nach der ersten Behandlung grundsätzlich vorbei ist, solltest Du trotzdem lieber noch zu Hause bleiben und Dich auskurieren.

Was kann ich selbst dagegen tun?

Die Krankheitserreger werden am effektivsten mit der regelmäßigen Einnahme von Antibiotikum zerstört, dennoch gibt es Möglichkeiten, um die Begleiterscheinungen von Scharlach zu lindern. Gegen die Halsschmerzen kannst Du beispielsweise Salbeitee mit Honig trinken. Um Rachenschmerzen zu vermindern, kannst Du mit Salbei-, Kamillentee oder einer geeigneten Mundspülung gurgeln. Wenn Du auch an Fieber leidest, ist es essenziell, dem Körper ausreichend Flüssigkeit zuzuführen. Da Fieber ein Schutzmechanismus vom Körper ist, der die eigene Immunabwehr erhöht um Erreger besser bekämpfen zu können, sollte es nicht zu früh gesenkt werden.

Wenn das Fieber aber nicht von selbst weggeht, kannst Du mit Deinem Arzt sprechen, ob Du zusätzlich fiebersenkende Mittel einnehmen solltest. Alternativ sorgt ein Wadenwickel für eine angenehme Abkühlung. Da die meisten Patienten über Schluckbeschwerden klagen, empfehlen sich weiche oder flüssige Speisen wie beispielsweise Brei oder Suppen. Außerdem ist es wichtig, auf Hygiene-Maßnahmen zu achten: Du solltest Deine Hände immer gründlich mit Seife waschen und nicht in den Raum oder die Handflächen husten oder niesen. Am besten benutzt Du dafür ein Papiertaschentuch, dass Du danach umgehend entsorgen kannst.

Da es für Scharlach noch keine Impfung gibt und es sich um eine Tröpfchenkrankheit handelt, lässt sich Scharlach nicht, beziehungsweise nur bedingt, vorbeugen

Kann ich Scharlach vorbeugen?

Da es für Scharlach noch keine Impfung gibt und es sich um eine Tröpfchenkrankheit handelt, lässt sich Scharlach nicht, beziehungsweise nur bedingt, vorbeugen. Allerdings solltest Du den Kontakt zu Erkrankten meiden, die die Krankheitserreger noch übertragen können. Außerdem hilft regelmäßiges Händewaschen, um Schmierinfektionen zu vorzubeugen.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

In der Regel werden die Kosten für den Test auf Scharlach und die Behandlung von den Krankenkassen übernommen, sofern es von den Ärzten als medizinisch notwendig eingestuft wird. Um auf Nummer sicher zu gehen, wendest Du Dich am besten an Deine Krankenkasse und klärst ab, in welchem Umfang die Krankenkasse für die Behandlungskosten aufkommt.


Dauer Dauer

Mindestens 10 Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Scharlach ist eine Infektionserkrankung, die vorwiegend bei Kindern zwischen drei und zwölf Jahren auftritt, aber grundsätzlich Menschen aller Altersgruppen betreffen kann


Die Bakterien heißen Streptokokken und werden mittels Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Gegen diese Krankheitserreger wird man nach überstandener Erkrankung nicht immun und kann sich im Laufe des Lebens mehrmals anstecken


Obwohl Scharlach hochansteckend ist und die Begleiterscheinungen unangenehm sind, ist die Infektion bei frühzeitiger und angemessener Behandlung meist ungefährlich


Es gibt noch keine Impfung gegen Scharlach, daher kann eine Ansteckung auch nur schwer vorgebeugt werden

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