Arzneimittelexanthem

Ein Ausschlag auf der Haut kann verschiedene Ursachen haben und oft sind diese nicht so einfach zu finden. Sollte sich bei Dir ein solcher Ausschlag zeigen, kurz nachdem Du ein neues Medikament begonnen hast, kann dies ein Anzeichen für ein Arzneimittelexanthem sein, also eine Allergie auf die enthaltenen Wirkstoffe. In diesem Artikel liest Du alles, was Du über diese Hautreaktion wissen solltest.


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Zuletzt aktualisiert: 2. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Arzneimittelexanthem?

Unter Arzneimittelexanthem versteht man eine allergische Hautreaktion auf einen Medikamentenwirkstoff, die gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt (generalisierte Form) oder auch nur an bestimmten Körperstellen (lokalisierte Form) auftreten kann. Bei einer allergischen Reaktion kommt es zu einer übersteigerten Antwort des Immunsystems auf ein Antigen, oft auch Allergen genannt, der Körper reagiert also überempfindlich auf bestimmte Inhaltsstoffe der Arzneimittel.

Diese Allergene können vielfältige körperfremde Stoffe sein und obwohl grundsätzlich alle Medikamente eine Arzneimittelallergie auslösen können, zeigen sich verschiedene Auftretenshäufigkeiten, je nach verwendetem Arzneimittel. So tritt bei bis zu zehn Prozent aller Penicillin-Behandlungen eine Penicillin-Allergie auf, während bei anderen häufig verabreichten Arzneimitteln Allergien sehr selten sind. In aller Regel bilden sich die Symptome nach Absetzen des Medikaments ohne bleibenden Schaden zurück, solange keine schwere und den gesamten Körper betreffende Reaktion vorliegt.

Unter Arzneimittelexanthem versteht man eine allergische Hautreaktion auf einen Medikamentenwirkstoff

Welche Formen werden unterschieden?

Neben der am häufigsten vorkommenden arzneimittelinduzierten Form der Hautreaktionen, das sogenannte makulopapulöse Arzneimittelexanthem, welches in seiner Erscheinungsform sehr verschiedenartig auftreten kann und häufig mit Juckreiz an den betroffenen Stellen einhergeht, gibt es noch eine Reihe anderer (seltenere) Sonderformen:

Das fixe Arzneimittelexanthem heißt so, weil es bei wiederholter Einnahme eines Medikamentes immer wieder dieselbe Körperstelle betrifft, also einen Ausschlag an einem fixen Ort auslöst. Typisch sind rundliche, gräuliche Blasen und circa münzgroße rötliche Flecken, die sich sowohl auf der Haut (in Gelenknähe), als auch an den Schleimhäuten im Mund, auf der Zunge und sogar am Penis bilden. Die Flecken bleiben häufig nach Absetzen des auslösenden Medikaments für Monate bis sogar Jahre bestehen, wobei kortisonhaltige Salben bei der Abheilung helfen können.

Zur akuten generalisierten Pustulose kommt es etwa ein bis zwölf Tage nach Einnahme eines Medikaments. Betroffen sind vorwiegend das Gesicht und Gelenkbeugen, dort kommt es zu Rötungen, Pusteln und Schuppungen, die Schleimhäute sind hierbei selten betroffen. Fieber und Abgeschlagenheit sind typische Symptome, denn im Blut sind die weißen Blutkörperchen erhöht. Die Erkrankung wird meist mit Kortison therapiert, sie weist jedoch eine Tendenz zur spontanen Abheilung auf.

Besonders starke Ausprägungen der Sonderform Erythema exsudativum multiforme (EEM) sind das Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und die Toxische Epidermale Nekrolyse (TEN) oder auch als medikamentöses Lyell-Syndrom bekannt. Hierbei kommt es zu einer Hautreaktion mit Ablösung und Absterben von großen Arealen. Die Hautveränderung ähnelt einer Verbrennung zweiten Grades. Vom Stevens-Johnson-Syndrom spricht man, wenn unter zehn Prozent der Haut betroffen sind, bei einem Hautbefall von über 30 Prozent bezeichnet man dies als toxische-epidermale Nekrolyse. Neben der starken Hautreaktion kommen oft Symptome wie Fieber, Leber-, Darm- und Lungenbeschwerden sowie schwerwiegender Flüssigkeits- und Elektrolytverlust hinzu. Diese Formen sind insgesamt selten, können aber lebensbedrohlich sein.

Wie sehen die Symptome eines Arzneimittelexanthems aus?

Symptome und Beschwerden variieren abhängig von der Ursache und der spezifischen Reaktion, die Dein Körper zeigt. Ein wichtiger Hinweis auf ein arzneimittelinduziertes Exanthem ist aber der zeitliche Abstand zwischen der Einnahme eines (neuen) Medikaments und dem Auftreten einer Reaktion. Die Hautreaktion kann dabei an Haut und Schleimhäuten, aber auch an den Haaren, den Schweiß- und Talgdrüsen oder an den Nägeln auftreten und ist meist von einem Juckreiz begleitet.

Bei einem Arzneimittelexanthem kommt es häufig zu einem juckenden Ausschlag

Auch auf den Ort des Ausschlags solltest Du achten: Ein Arzneimittelexanthem findet sich typischerweise an Extremitäten und am Körperstamm und breitet sich von dort entweder nach außen oder nach innen aus.

Zudem kann das Aussehen des Ausschlags stark variieren: In den meisten Fällen zeigt sich das Arzneimittelexanthem als rötliche Erhebung, oft auch ähnlich einem Mückenstich. Häufig tritt es aber auch als Quaddel auf und sogar die Bildung teils großer und platzender Blasen ist bei einem Arzneimittelexanthem möglich.

Weitere Erscheinungsbilder können sein:

  • fleckige Hautrötung (Purpura)
  • Nesselsucht (Urtikaria)
  • fleckig aussehender entzündlicher Hautausschlag mit kleinen Knötchen (makulopapulöses Exanthem)
  • photoallergische Dermatitis

Insgesamt handelt es sich also um eine sehr vielgestaltige Hauterscheinung, weshalb Du vom Aussehen allein nicht auf eine Arzneimittelunverträglichkeit schließen kannst.
Zu der Hautreaktion kommen manchmal auch Allgemeinsymptome wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Schleimhautschwellungen im Mund- und Rachenbereich.

Wie ist der Verlauf eines Arzneimittelexanthems?

Die Hauterscheinungen treten nach dem ersten Einnehmen eines Medikamentes meist zwischen dem siebten und zwölften Tag auf. Bei wiederholter Einnahme des auslösenden Medikaments tritt das Arzneimittelexanthem oft schon innerhalb von 48 Stunden auf. Zusätzlich kommt es häufig, aber nicht zwingend, zu Juckreiz an den geröteten Stellen. Nach Absetzen des Wirkstoffes bilden sich die Beschwerden in der Regel innerhalb weniger Tage (maximal eine Woche) zurück. Ist die Hypersensitivitätsreaktion sehr stark, kann die Abheilung bis zu sechs Wochen andauern.

Diagnose eines Arzneimittelexanthems und deren mögliche Komplikationen

Ein Arzneimittelexanthem ist grundsätzlich wahrscheinlich, wenn nach erstmaliger Einnahme eines Medikaments Exantheme auftreten. Die Diagnose gilt aber erst als gesichert, wenn das Exanthem nach Absetzen des vermutlich auslösenden Arzneimittels wieder zurückgeht. Oft ist eine ausführliche Anamnese zur Diagnosefindung bezüglich der kürzlichen Medikamenteneinnahme erforderlich.

Ein Arzneimittelexanthem ist grundsätzlich wahrscheinlich, wenn nach erstmaliger Einnahme eines Medikaments Exantheme auftreten

Einige Faktoren können ein eindeutiges Zurückführen der Hautreaktion auf die Medikamenteneinwirkung jedoch erschweren:

Die Reaktion kann unter Umständen erst mehrere Tage oder sogar Wochen nach der ersten Einnahme des Medikamentes auftreten. Daher ist es wichtig, dass Du dem Arzt bei der Anamnese alle neuen Medikamente berichtest und nicht nur das zuletzt eingenommene. Es kann nur selten von der Art des Exanthems auf ein bestimmtes Arzneimittel geschlossen werden.

Auch Hautveränderungen, die nach Absetzen des Arzneimittels zunächst noch fortbestehen, können den Zusammenhang zwischen Einnahme des Arzneimittels und der allergischen Hautreaktion verschleiern.

Zu bedenken ist auch, dass Arzneimittelallergien andere Krankheiten imitieren können: Nicht immer handelt es sich um ein auslösendes Medikament, wenn Deine Haut mit Ausschlag reagiert. Es kann vorkommen, dass eine (anderweitige) Allergie als Ursache nicht erkannt wird. Eine fast 100-prozentige Gewissheit über den Auslöser liefert eine Exposition mit dem vermuteten Allergen. Dies kann jedoch lebensgefährliche sein, wenn Du eine sehr starke Reaktion zeigst und sollte daher nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

In etwa zehn bis 20 Prozent aller Patienten in Krankenhäusern und ein bis fünf Prozent der Patienten in allgemeinmedizinischen Praxen zeigen nach einer medikamentösen Therapie Nebenwirkungen. Hautreaktionen machen dabei rund 15% dieser Nebenwirkungen aus.
Hautreaktionen, die durch Medikamente verursacht werden, treten bei Frauen häufiger auf als bei Männern. Außerdem ist das Risiko umso höher, je älter die Patienten sind und je mehr Medikamente sie einnehmen.

Die häufigste Ursache von Nebenwirkungen in Form von Hautausschlägen sind Antibiotika und allen voran Penicillin. Aber auch Schmerzmittel, wie Acetylsalicylsäure und NSAR, Medikamente zur Behandlung von Gicht und Epilepsie (Phenytoin) sowie Neuroleptika und Antidepressiva können Hautreaktionen auslösen.
Wie lässt sich ein Arzneimittelexanthem behandeln?

Der erste und wichtigste Schritt der Behandlung besteht darin, das auslösende Arzneimittel zu identifizieren und abzusetzen. In der absoluten Mehrzahl der Fälle geht der Medikamentenausschlag dann innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen zurück. In der Zwischenzeit können Symptome der Allergie (z.B. das Arzneimittelexanthem oder sonstige Hautreaktionen, aber auch andere Beschwerden, vor allem Juckreiz) durch Medikamente behandelt werden, beispielsweise durch Antihistaminika.

Nur wenn die Arzneimittelallergie zu schwerwiegenden allergischen Reaktionen führt, werden zur Therapie gegebenenfalls intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich.

Nur wenn die Arzneimittelallergie zu schwerwiegenden allergischen Reaktionen führt, werden zur Therapie gegebenenfalls intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich

Kann man ein Arzneimittelexanthem vorbeugen?

Wirklich vorbeugen kannst Du einem Arzneimittelexanthem leider nicht, da der Körper grundsätzlich gegen sämtliche Stoffe eine Allergie entwickeln kann und dies meistens erst anhand der bereits bestehenden Symptome bemerkt wird.Sollte es bei Dir schon bekannte Allergien auf bestimmte Medikamente oder Inhaltsstoffe geben, ist es sinnvoll, Dir einen Allergiepass beim Arzt ausstellen zu lassen. In jedem Fall solltest Du aber Deinen Arzt darüber informieren, wenn er Dir ein neues Medikament verordnet.

Reaktionen auf und Nebenwirkungen von Medikamenten sind vergleichsweise häufig bei älteren Menschen und bei solchen, die viele unterschiedliche Medikamente gleichzeitig einnehmen. Sollte dies auf Dich zutreffen, kannst Du Deinen Arzt zudem nach einem Medikationsplan fragen, der Dir die Übersicht über Deine Einnahmen und deren Zeiten erleichtert.


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Das Wichtigste zusammengefasst

 Ein Arzneimittelexanthem bezeichnet eine überschießende Immunantwort des Körpers auf ein Arzneimittel, äußert sich in verschiedenartigen Hautirritationen und wird oft von Juckreiz an den betroffenen Hautarealen begleitet


Die Hautirritationen treten meist zwischen dem siebten und zwölften Tag nach Einnahme auf. Bei wiederholter Einnahme des auslösenden Medikaments oft schon innerhalb von 48 Stunden


Vor allem ältere Menschen und Menschen, die mehrere Medikamente zur gleichen Zeit nehmen, sind betroffen


Behandlung erfolgt hauptsächlich im Absetzen des allergieauslösenden Arzneimittels

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