Erythema nodosum (Knotenrose)

Ein Erythema nodosum ist eine Entzündung des Unterhautfettgewebes. Diese geht mit der Bildung von schmerzhaften, rötlich-violetten, stark druckempfindlichen Knötchen einher und wird aufgrund dieser Symptomatik auch Knotenrose genannt. Hauptsächlich sind die Schienbeine davon betroffen, wobei die Knötchen zusätzlich an anderen Körperstellen auftauchen können. Die Erkrankung tritt vor allem bei Frauen im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Die Diagnose ist oft sehr schwierig, da die Knotenrose unterschiedliche Ursachen haben kann und häufig als Begleiterscheinung von anderen Erkrankungen auftritt. Deshalb muss der Arzt einige Laboruntersuchungen durchführen. Häufige Auslöser der Krankheit sind Infektionen, Allergien oder Unverträglichkeiten in etwa gegen Medikamente. Eine spontane Ausheilung findet zwar im Normalfall innerhalb von acht Wochen statt, jedoch sollte die zugrunde liegende Ursache geklärt und behandelt werden.


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Zuletzt aktualisiert: 10. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Erythema nodosum?

Die Medizin versteht unter einem Erythema nodosum eine entzündliche Erkrankung des Unterhautfettgewebes (Subkutis). Das Erythema nodosum ist eine Art allergische Überreaktion (Typ III) in der Unterhaut aufgrund einer anderen Erkrankung. Dabei entsteht eine Entzündung des Bindegewebes im Unterhautfettgewebe mit Beteiligung der Gefäßwände (Kapillaren), eine sogenannte Pannikulitis.

Die Medizin versteht unter einem Erythema nodosum eine entzündliche Erkrankung des Unterhautfettgewebes

Was sind die Symptome bei einem Erythema nodosum?

Die Symptome sind geschwollene rote druckempfindliche Knoten an den Vorderseiten der Unterschenkel, der Knie sowie der Sprunggelenke. In der Medizin gilt das Erythema nodosum als wahres Chamäleon, da eine Vielzahl an unterschiedlicher, harmloser oder schwerer Grunderkrankungen hinter der eigentlichen Krankheit stecken können. Häufig tritt die Erkrankung als Begleiterscheinung akuter Infektionen oder bestimmter Autoimmunerkrankungen auf. Diese gilt es herauszufinden und zu behandeln, dann heilt auch das Erythema nodosum von selbst wieder ab.

Welche Ursachen hat ein Erythema nodosum?

Die Ursachen für das Erythema nodosum können sehr vielseitig sein. Im Wesentlichen lassen sie sich in folgende Gruppen einteilen:
 

  • Infektionserkrankungen: Circa 68 Prozent aller Fälle bei Kindern gehen auf eine Infektion mit Streptokokken zurück. Bei Erwachsenen sind es nur 30 Prozent. In Ländern, wie Indien, der Türkei, Thailand oder Südafrika, kann auch Tuberkulose zu Erythema nodosum führen. Daneben gibt es noch eine Vielzahl anderer Bakterien, die Erythema nodosum auslösen können. Auch Pilzinfektionen und virale Infekte wie Hepatitis B und C oder HIV sollte Dein Arzt bei der Diagnose in Erwägung ziehen.
  • Sarkoidose: Die Sarkoidose ist unter den nicht-infektiösen Auslösern am häufigsten vertreten. Dabei handelt es sich um Knötchen im Bindegewebe, die durch ein fehlreguliertes Immunsystem entstehen.
  • Immunologische Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen: Zum Beispiel bei Zöliakie, einer durch Glutenunverträglichkeit verursachte Erkrankung des Magen-Darm-Trakts, rheumatoide Arthritis oder Morbus Behçet, einer systemischen Entzündung der Blutgefäße, kann es auch zur typischen Symptomatik von Erythema nodosum kommen. Selten treten die Beschwerden auch bei Krebspatienten auf.
  • Entzündliche Darmerkrankungen: Patienten mit entzündlichen Darmerkrankungen, wie in etwa Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, entwickeln in vier bis 15 Prozent der Fälle ein Erythema nodosum.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Früher wurde vor allem bei Frauen, die die Antibabypille genommen haben, Fälle von Erythema nodosum beobachtet. Durch die Reduktion der Östrogendosis konnten die Neuerkrankungen verringert werden. Bei hohen Östrogenwerten kann es jedoch im Zuge einer Schwangerschaft immer noch zu einer Erkrankung kommen. Weitere Medikamente, die Erythema nodosum auslösen können sind: Antibiotika wie Sulfonamide und Penicillin, Aspirin, Thiamazol zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion, das Immunsuppressivum Azathioprin, die Antikrebsmedikamente Sorafenib und Lenalidomid sowie die beiden Antiepileptika Phenytoin und Valproinsäure.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Das Erythema nodosum tritt im Erwachsenenalter deutlich häufiger bei jungen Frauen auf als bei Männern. Bei Kindern gibt es kaum Unterschiede beim Geschlecht. Am häufigsten beginnt die Erkrankung im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Grundsätzlich kann sie aber in jedem Alter auftreten.  Die Erkrankung tritt saisonal gehäuft im Frühjahr und Herbst auf.

Die Krankheit beginnt mit dem plötzlichen Auftreten von schmerzhaften, rötlich-violetten, rund bis ovalen Knötchen im Unterhautfettgewebe

Wie ist der Krankheitsverlauf einer Knotenrose?

Die Krankheit beginnt mit dem plötzlichen Auftreten von schmerzhaften, rötlich-violetten, rund bis ovalen Knötchen im Unterhautfettgewebe. Häufig gehen dem – vor allem bei erwachsenen Patienten – andere Symptome wie Fieber, Gelenkschmerzen, ein berührungsempfindlicher Hautausschlag an den Unterschenkeln und Abgeschlagenheit voraus. Die Knötchen sind zwischen zwei und zehn Zentimetern groß und befinden sich hauptsächlich am Schienbein, Knie und Sprunggelenk aber auch andere Regionen wie Oberschenkel, Arme, Rumpf oder Gesicht können davon betroffen sein.
 
Grundsätzlich treten die Symptome beidseitig auf, wobei auch einseitige Formen beobachtet wurden. Aufgrund der Entzündung fühlen sich die betroffenen Stellen warm an. Die Knötchen sind anfangs eher fest Dein Arzt kann diese gut ertasten, später werden sie weicher. Auch die Farbe ändert sich von Rötlich-violett bis Gelb-grünlich aufgrund des Abbaus des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin). Am Ende ähneln sie Blutergüssen, wodurch Erythema nodosum auch in einem späteren Stadium diagnostiziert werden kann. Die Knötchen heilen im Normalfall ohne Vernarbung innerhalb von sechs bis acht Wochen aus, wobei noch bis zu sechs Wochen später neue hinzukommen können. Dennoch liegt die Rückfallquote bei einem Drittel und ist damit relativ hoch. Dies passiert vor allem dann, wenn der zugrunde liegende Auslöser nicht gefunden werden konnte.

Wie lässt sich ein Erythema nodosum diagnostizieren?

Der Arzt kann eine Diagnose nur aufgrund der vorliegenden Symptome des Betroffenen stellen. Er muss verschiedene Laboruntersuchungen vornehmen, um zu einem endgültigen Resultat zu kommen. Je nachdem, welche Symptomatik gegeben ist, wird der Spezialist nach einem ausführlichen Anamnesegespräch über Vorerkrankungen und eingenommene Medikamente Deinen ganzen Körper untersuchen. Er wird Dir Blut abnehmen, um zu schauen, ob eine Infektion, eine allergische Reaktion oder nicht-infektiöse Erkrankungen vorliegen. Da der häufigste Auslöser einer Knotenrose eine Halsentzündung ist, die durch Streptokokken verursacht wurde, wird der Arzt einen Halsabstrich bei Dir machen.
 
Bei Verdacht auf eine Tuberkulose oder andere Infektionen der Lunge können Röntgenbilder des Brustkorbs Aufschluss geben. Bei Tuberkulose kann der Arzt auf einen diagnostischen Tuberkulin-Hauttest beziehungsweise ein immunologisches Nachweisverfahren, den sogenannten Quantiferon-Test, zurückgreifen. Eine eventuelle Sarkoidose lässt sich durch das Röntgen des Brustkorbs nachweisen, da hierbei die Lungen und Lymphknoten um die Lunge betroffen sind. Solltest Du zudem an Durchfall und Erbrechen leiden, wird der Arzt eine mikrobiologische Untersuchung Deines Stuhls anordnen. Bei Frauen ist im gebärfähigen Alter zudem ein Schwangerschaftstest sinnvoll, da Erythema nodosum auch während der Schwangerschaft auftreten kann.
 
In unklaren Fällen führt der Spezialist eine Biopsie des Unterhautfettgewebes durch. Dieses Verfahren wendet der Arzt jedoch in der Regel nur im äußersten Notfall an, da es unschöne Narben im Schienbeinbereich hinterlässt.

Manchmal verordnet der Arzt komplette Bettruhe, um die Beine zu schonen, und ein entzündungshemmendes Schmerzmittel, wie Indometacin

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Bei plötzlich auftretenden rötlichen, später grünlichen, schmerzenden und stark druckempfindlichen Knötchen vor allem im Bereich der Schienbeine, solltest Du in den nächsten Tagen einen Hautarzt aufsuchen. Begleitend können Fieber und Gelenkschmerzen auftreten.

Wie lässt sich ein Erythema nodosum behandeln?

Normalerweise heilt die Knotenrose innerhalb von acht Wochen wieder selbstständig aus und Du musst sie nich behandeln lassen. In schwereren Fällen kann die Genesung bis zu zwölf Wochen dauern. Bei Beschwerden lassen sich die Symptome durch verschiedene Maßnahmen lindern. So kannst Du die Beine öfters hochlagern oder Stützstrümpfe beziehungsweise elastische Binden tragen. Außerdem kannst Du die betroffenen Stellen kühlen. Manchmal verordnet der Arzt komplette Bettruhe, um die Beine zu schonen, und ein entzündungshemmendes Schmerzmittel (nicht- steroidales Antiphlogistikum) wie Indometacin.
 
Falls Medikamente Auslöser der Symptomatik waren, werden diese sofern möglich abgesetzt. Infektionen werden mit Antibiotika behandelt, für viele andere Krankheiten gibt es spezielle Therapien. Gegen Schmerzen und die Entzündung wird Dir der Arzt schmerzstillende und entzündungshemmende Mitteln verschreiben. Selten ist eine Behandlung mit Kortison notwendig.

Welche Folgen hat ein Erythema nodosum für den Betroffenen?

Für die Dauer der Erkrankung ist die Bewegungsfähigkeit der Betroffenen stark eingeschränkt. Gehen ist nur unter Schmerzen möglich und schon das Gewicht der Bettdecke kann sich sehr unangenehm auf der Haut anfühlen. Gerade immunschwache Patienten müssen zudem aufpassen, dass sich die Krankheitserreger nicht im gesamten Körper ausbreiten und somit zu einer Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands führen. Beim Auftreten von Komplikationen kann es zur Beeinträchtigung des Heilungsprozesses kommen. Dazu kommen oft emotionale Probleme, die in schweren Fällen zu psychischen Störungen führen können.

Welche Komplikationen können auftreten?

In den meisten Fällen verläuft die Krankheit komplikationslos, jedoch kann die Symptomatik chronisch werden, sofern andere Grunderkrankungen oder Überreaktionen vorliegen. Bleibt ein Erythema nodosum unbehandelt, können die Knötchen handflächengroß anschwellen und starke Hautrötungen und Hämatome verursachen. Die Beine fühlen sich dann heiß an, sind aufgedunsen, schwer und schmerzen. Bei einigen Betroffenen zeigen sich auch Fieberschübe und ein erheblicher Leistungsabfall. Zudem kann als Spätfolge noch monatelang nach Abklingen der Krankheit eine Hyperpigmentierung bestehen bleiben oder Gelenkschmerzen auftreten, die bis zu zwei Jahre lang andauern können.

Wie ist die Prognose bei einer Knotenrose?

Die Prognose ist bei der Knotenrose sehr günstig und bedarf bei vielen Betroffenen keiner Therapie. Im Normalfall klingen die Symptome der Erkrankung innerhalb von sechs bis acht Wochen von selbst wieder ab. Sollte die zugrunde liegende Ursache aber weiterhin bestehen, kann es im Einzelfall zu einem längeren Verlauf kommen. Gegen Schmerzen verabreicht der Arzt Medikamente, welche den Heilungsprozess unterstützen. Auch werden Salben eingesetzt, die zu einer Rückbildung der Hautveränderungen führen.

Im Normalfall klingen die Symptome der Erkrankung innerhalb von sechs bis acht Wochen von selbst wieder ab

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Österreichische Gesundheitskasse übernimmt alle Kosten der notwendigen Untersuchungen, sofern Du zu einem Kassenarzt gehst. Bei einem Wahlarzt erstattet Dir die ÖGK einen Teilbetrag.


Dauer Dauer

Bis zu 12 Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 12 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Das Erythema nodosum ist eine Entzündung des Unterhautfettgewebes mit Beteiligung der Gefäßwände der Kapillaren


Typische Symptome sind rötlich-violette, schmerzhafte, druckempfindliche Knötchen im Bereich der Schienbeine, weshalb die Krankheit auch Knotenrose genannt wird


Als häufige Ursache gelten Infektionskrankheiten, Allergien oder Unverträglichkeiten wie in etwa gegen Medikamente. Oft tritt die Krankheit aber als Begleiterscheinung von anderen Erkrankungen auf


Im Normalfall muss die Knotenrose nicht behandelt werden und heilt innerhalb von sechs bis acht Wochen wieder aus

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