Chlamydien

Auch wenn Chlamydien eigentlich eine Gruppe von Bakterien sind, die beim Menschen viele unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen können, wird der Begriff meist für die gleichnamige Geschlechtskrankheit verwendet. Dabei kommt es zu einer Infektion der Geschlechtsorgane und der Harnwege, die oftmals vollkommen beschwerdefrei verläuft, manchmal aber auch ernsthafte Komplikationen verursachen und mitunter sogar zu Unfruchtbarkeit führen kann. Die Erkrankung ist eine der häufigsten sexuell übertragenen Infektionen, etwa 300.000 Menschen stecken sich jährlich neu an. Wir verraten Dir unter anderem, was die Symptome von Chlamydien sind, wie Du Dich davor schützen kannst und wie die Behandlung abläuft.


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Zuletzt aktualisiert: 13. Juli, 2021

INHALTSVERZEICHNISInhaltsverzeichnis

Bei Chlamydien handelt es sich um eine Gruppe von Bakterien, die verschiedene Krankheiten auslösen können. Umgangssprachlich wird mit Chlamydien jedoch eine Geschlechtskrankheit beschrieben, die von den Chlamydien-Bakterien ausgelöst wird.

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Chlamydien werden hauptsächlich von Mensch zu Mensch während des Geschlechtsverkehrs übertragen. Je nach Chlamydien-Erreger unterscheiden sich die Inkubationszeit und der Weg der Übertragung. Für Schwangere bedeutet eine Chlamydien-Infektion ein besonderes Risiko, da sie die Erreger bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen können.

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In vielen Fällen verursachen Chlamydien gar keine Beschwerden. Treten jedoch Symptome auf, dann kommt es bei Infektionen an der Harnröhre oder den Geschlechtsorganen nach der Inkubationszeit zu einem Ausfluss aus der Harnröhre, den Geschlechtsorganen und/oder zu einem Jucken, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen.

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Da es je nach Art der Chlamydien zu einer unterschiedlichen Übertragung kommt, sind auch die Risikofaktoren für die jeweilige Form der Erkrankung verschieden. Für die Geschlechtskrankheit Chlamydien gelten vor allem Risikofaktoren wie Oralverkehr, ungeschützter Vaginalverkehr, ungeschützter Analverkehr beziehungsweise die gemeinsame Nutzung von verunreinigten und ungeschützten Sexspielzeugen.

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Bei Verdacht auf eine Infektion der Harn- oder Geschlechtsorgane mit Chlamydien sind Urologen, Gynäkologen oder auch Dermatologen die richtigen Ansprechpartner. Die wichtigste Untersuchungsmethode ist der Chlamydien-Test, wobei es verschiedene Verfahren gibt. Die im Handel erhältlichen Chlamydien-Selbsttests sind in puncto Zuverlässigkeit den ärztlichen Testverfahren unterlegen. Bei einer Chlamydien-Infektion ist es wichtig, dass sich auch die Sexualpartner testen lassen.

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Prinzipiell richtet sich die Behandlung der Chlamydien nach dem vorhandenen Krankheitsbild, wobei der Arzt stets ein geeignetes Antibiotikum verschreibt. Diese musst Du für eine Woche, manchmal auch für zwei Wochen, gewissenhaft einnehmen. Je nach Symptomatik kannst Du mit einigen Maßnahmen zu einem positiven Heilungsverlauf beitragen.

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Der beste Weg, wie Du Dich vor Chlamydien schützen kannst, ist es, beim Geschlechtsverkehr stets ein Kondom zu benutzen – sowohl beim Vaginal- als auch beim Analverkehr. Dasselbe gilt auch für den Oralverkehr, wobei hierbei zusätzlich das sogenannte Lecktuch zu erwähnen ist. Um potenzielle Chlamydien-Infektionen rechtzeitig entdecken zu können, gibt es das sogenannte Chlamydien-Screening.

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Die Kosten für die Behandlung von Chlamydien hängt vor allem vom entstandenen Krankheitsbild ab. Allerdings übernimmt die Krankenkasse in den meisten Fällen sowohl die Kosten des Chlamydien-Screenings (vorausgesetzt die getestete Frau ist unter 25 Jahre) als auch jene der Behandlung. Wenn Du Dir unsicher bist, welche Kosten Deine Krankenkasse übernimmt, wende Dich am besten an Deinen zuständigen Ansprechpartner.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Chlamydien sind Bakterien, die je nachdem um welche Chlamydien-Art es sich handelt, an bestimmten Körperregionen Entzündungen und verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen können.


Wir unterscheiden zwischen drei Arten von Keimerregern – Chlamydia trichomatis, psittaci und pneumoniae.


Je nach Art des Erregers kommt es zu einer Übertragung durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, Speichelflüssigkeit oder durch infizierte Vögel.


Um sich vor den „klassischen“ Chlamydien optimal schützen zu können, solltest Du beim Geschlechtsverkehr (Vaginal-, Anal- und Oralverkehr) stets ein Kondom benutzen.

Was sind Chlamydien?

Unter Chlamydien verstehen wir Bakterien, die Entzündungen verursachen und verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen können. Obwohl umgangssprachlich lediglich die Geschlechtskrankheit, die durch eine Übertragung der Chlamydien entsteht, bekannt ist, gibt es verschiedene Arten von Chlamydien-Erregern. Je nachdem, um welche Art von Chlamydien es sich handelt, sind am häufigsten die Schleimhäute der Harnröhre, des Gebärmutterhalses und des Enddarms betroffen. Eine Chlamydien-Infektion kann jedoch auch beispielsweise im Rachen auftreten.
 
Eine Chlamydien-Infektion betrifft Männer und Frauen gleichermaßen und gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen weltweit. Je nach Altersgruppe sind weltweit bis zu zehn Prozent der Bevölkerung mit Chlamydien infiziert. Junge und sexuell aktive Mädchen und Frauen unter 25 Jahren sind jedoch anatomisch bedingt besonders gefährdet, sich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Chlamydien anzustecken, da sich der Muttermund besonders leicht infizieren lässt.
 
Die Inkubationszeit der Chlamydien-Erreger kann einige Tage bis zu Wochen betragen. Die meisten Infizierten, rund 80 Prozent der Erkrankten, zeigen keine Symptome, was dazu führt, dass es erst spät zu einer Diagnose und der dazugehörigen Behandlung kommt. Eine rechtzeitige Krankheitsdiagnose sowie eine anschließende Behandlung sind jedoch sehr wichtig, da so bleibende Folgeschäden, wie zum Beispiel eine Unfruchtbarkeit, verhindern können.

Chlamydien - Was sind Chlamydien?

Welche Arten von Chlamydien gibt es?

Chlamydien - Welche Arten von Chlamydien gibt es?

Insgesamt gibt es drei Arten von Chlamydien-Bakterien, die verschiedene Erkrankungen beim Menschen hervorrufen können – Chlamydia trichomatis, Chlamydia (Chlamydophila) psittaci und Chlamydia (Chlamdyophila) pneumoniae.

Prinzipiell kann jede Chlamydien-Infektion grippale Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und Schwäche auslösen. Je nach Art der Chlamydien verursachen diese aber verschiedene Krankheitsbilder.
 
Von dem Bakterium Chlamydia trichomatis gibt es mehrere Untergruppen, die sogenannten Serovare, die dementsprechend auch zu verschiedenen Krankheiten führen. Zu diesen Erkrankungen gehören unter anderem Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane (=urogenitale Infektionen), eine Bindehautentzündung und eine Lymphogranuloma venereum. Außerdem ist durch das Bakterium Chlamydia trichomatis die Entstehung eines sogenannten Trachoms bedingt.
 
Die Bakterien der Chlamydia psittaci verursachen die Erkrankung Ornithose. Diese äußert sich als grippaler Infekt oder als eine atypische Lungenentzündung. Die Krankheit bringt Symptome wie Gliederschmerzen, Schüttelfrost und Fieber um die 39 Grad Celsius mit sich. Anfangs begleiten sie außerdem auch ein trockener Reizhusten, der sich mit der Zeit in einen Husten mit ein wenig Auswurf verwandelt. In schwereren Fällen kann die Chlamydia psittaci-Infektion auch auf andere Organe übergreifen, wie zum Beispiel auf den Herzmuskel – hier kann sich letztendlich auch eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) entwickeln.
 
Eine Infektion mit den Bakterien der Chlamydia pneumoniae befällt vor allem die Atemwege und ruft in diesen Bereichen Entzündungen hervor. Dabei kann zum Beispiel eine Entzündung der Nasennebenhöhlen (Sinusitis), eine Rachenentzündung (Pharyngitis) oder eine Entzündung der Schleimhäute in den Bronchien (Bronchitis) entstehen. Darüber hinaus kann auch diese Art der Chlamydien-Infektion eine atypische Lungenentzündung hervorrufen.

Chlamydien - Wie werden Chlamydien übertragen?

Wie werden Chlamydien übertragen?

Chlamydien sind unbewegliche Bakterien, die in zwei Formen vorkommen, und Schleimhäute der Genital- und Analregion sowie der Atemwege befallen. Je nachdem, um welche Art der Chlamydien es sich handelt, unterscheidet sich der Weg der Ansteckung. Bis sich erste Krankheitszeichen entwickeln, vergeht eine bestimmte Zeit – die sogenannte Inkubationszeit. Bei einer Chlamydia trachomatis beträgt diese ein bis drei Wochen, bei einer Chlamydia psittaci und einer Chlamydia pneumoniae vergehen etwa ein bis vier Wochen. Unabhängig von der Inkubationszeit sind die Krankheitserreger bereits zu diesem Zeitpunkt infektiös, das bedeutet, dass andere Sexualpartner sich unwissentlich anstecken können.

Wie erfolgt die Übertragung bei Chlamydia trichomatis?

Eine Chlamydia trichomatis ist hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragbar. Die Ansteckung erfolgt über die besiedelten Schleimhäute der Harnröhre, der Scheide, des Penis und des Enddarms. Aber auch Körperflüssigkeiten wie das Vaginalsekret, der Urin oder das Sperma sowie das Präejakulat, der sogenannte Lusttropfen, können Chlamydien-Erreger weiterverbreiten. Besonders durch Anal- und Oralverkehr können die Chlamydien bei Männern und Frauen auch in den Enddarm und den Rachen gelangen. Mit den Serovaren infizierte schwangere Frauen können die Bakterien darüber hinaus bei der Geburt auf das Neugeborene übertragen. Eine Chlamydien-Übertragung mit den Serovaren A bis C erfolgt durch infektiöse Augenflüssigkeit, aber auch über verunreinigte Hände oder Textilprodukte wie Handtücher oder Waschlappen.

Chlamydien - Wie erfolgt die Übertragung bei Chlamydia trichomatis?

Wie kann ich mich mit Chlamydia pneumoniae anstecken?

Das Bakterium der Chlamydia pneumoniae ist über Speichelflüssigkeit übertragbar. Es sammelt und vermehrt sich, genauso wie die Chlamydia trachomatis, in menschlichen Zellen. Die Bakterien sind aber auch in manchen Tieren, wie etwa Koala-Bären oder Pferden, auffindbar. In dieser Hinsicht, also vom Tier zum Menschen, sind jedoch keine Ansteckungswege bekannt.

Wie wird Chlamydia psittaci übertragen?

Chlamydia psittaci löst die Krankheit Ornithose aus, die Chlamydien-Übertragung findet dabei über infizierte Vögel statt. Zu den wichtigsten Infektionsquellen für den Menschen gehören Truthähne, Enten, Papageien und Tauben, da all diese Tiere natürlich Wirte der Bakterien sind. Auch sie können sich also mit einer Chlamydia psittaci anstecken und auch bei ihnen kann die Erkrankung vollkommen beschwerdefrei ablaufen (vor allem bei Ziervögeln). Die ausschlaggebende Übertragung der Chlamydien auf den Menschen erfolgt über den Kot und die Federn sowie über flüssige Absonderungen aus dem Schnabel beziehungsweise aus den Atemwegen der infizierten Tiere. Selbst eine bloße Berührung eines infizierten Tieres kann dabei zu einer Chlamydien-Erkrankung führen.

Was sind die Symptome von Chlamydien?

Chlamydien -  Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen

Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen

Chlamydien -  Durchfallähnliche Beschwerden

Durchfallähnliche Beschwerden

Chlamydien -  Ausfluss aus der Harnröhre bzw. den Geschlechtsorganen

Ausfluss aus der Harnröhre bzw. den Geschlechtsorganen

Chlamydien -  Bindehautentzündung

Bindehautentzündung


 
In vielen Fällen verursachen Chlamydien gar keine Beschwerden. Treten jedoch Symptome auf, dann kommt es bei Infektionen an der Harnröhre oder den Geschlechtsorganen nach der Inkubationszeit zu einem Ausfluss aus der Harnröhre, den Geschlechtsorganen und/oder zu einem Jucken, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen.
 
Auch eine Chlamydien-Infektion des Enddarms verläuft in den meisten Fällen symptomlos beziehungsweise symptomarm, führt aber zu weiteren Entzündungen. Eine Enddarmentzündung bleibt ebenso oft unbemerkt, da keine Beschwerden auftreten. Die Bakterien können aber auch zu einem schleimig-eitrigen Ausfluss, Schmerzen, Juckreiz am After, durchfallähnlichen Beschwerden, blutig-eitrigen Stuhlbeimengungen oder einem entzündlichen Ausschlag führen.
 
Gelangen die Chlamydien-Keime in den Rachen, kommt es zu einer Rachenentzündung mit den dazugehörigen Symptomen wie Hals- und Schluckschmerzen sowie einem geröteten Rachen. Die Bakterien können auch das Auge befallen und dort eine Bindehautentzündung auslösen.

Chlamydien - Was sind die Symptome von Chlamydien?

Welche Komplikationen können bei einer Chlamydien-Infektion auftreten?

Chlamydien - Welche Komplikationen können bei einer Chlamydien-Infektion auftreten?

Wenn der Arzt die Chlamydien-Infektion rechtzeitig erkennt und somit eine Behandlung anordnet, heilen die Chlamydien im Allgemeinen folgenlos aus. Da viele Erkrankungen mit den Keimen jedoch zunächst unbemerkt bleiben, da sie kaum Beschwerden verursachen, kann die Infektion chronisch werden und zu weiteren Komplikationen führen.

Aus diesem Grund ist eine rechtzeitige Behandlung umso wichtiger, denn eine nicht behandelte Infektion mit Chlamydien kann schwere Folgen mit sich führen.
 
Im Laufe der Infektion kann sich bei Männern eine Hoden- oder Nebenhodenentzündung ausbilden, was schlimmstenfalls zur Unfruchtbarkeit führen kann. Bei Frauen besteht die Gefahr, dass die Chlamydien-Infektion Entzündungen des Gebärmutterhalses, der Gebärmutterschleimhaut, der Eileiter und der Eierstöcke verursachen.
 
Eine Entzündung der Harnröhre infolge einer Chlamydia trichomatis-Infektion kann außerdem eine reaktive Arthritis mit sich ziehen, die vor allem bei Männern auftreten kann. Eine Infektion mit Chlamydia psittaci kann zu einer Entzündung des Herzmuskels, des Herzbeutels und der Herzinnenhaut (Myo-, Peri- und Endokarditis) führen.
 
Eine Infektion mit Chlamydia pneumoniae verursacht in sehr seltenen Fällen Entzündungen im Bereich des Herzens, Komplikationen wie schmerzhaft knotige Hautrötungen (Erythema nodosum), Entzündungen der Rückenmarksnerven oder der Hirnhäute (Meningoradikulitis).

Wie äußern sich Chlamydien bei Frauen?

Chlamydien - Wie äußern sich Chlamydien bei Frauen?

Die Infektion mit Chlamydia trachomatis mit den Serovaren D bis K kann bei Frauen urogenitale Entzündungen des Gebärmutterhalses (Zervizitis) und/oder der Harnröhre (Urethritis) auslösen. Ersteres kann sich durch einen schleimig-eitrigen, oft stark riechenden Ausfluss bemerkbar machen, Letzteres durch einen häufigen Harndrang begleitet von Schmerzen oder Problemen beim Wasserlassen.

Allerdings haben die meisten Frauen nach einer Ansteckung mit den Chlamydien keinerlei Beschwerden. Dadurch bleibt die Infektion meist unbemerkt und somit kommt es auch zu keiner Behandlung. Dies kann aber Folgeschäden mit sich bringen – steigen die Bakterien weiter auf, dann breitet sich die Entzündung weiter auf die Gebärmutterschleimhaut, den Gebärmutterhals, die Eileiter und die Eierstöcke aus. Einige betroffene Frauen klagen über Unterbauchschmerzen, einen untypischen Ausfluss, Blutungen in der Mitte des Zyklus oder nach dem Geschlechtsverkehr. Insgesamt kann dies zu ernsten Spätfolgen führen, wie zum Beispiel chronischen Unterbauchschmerzen und Unfruchtbarkeit.
 
Darüber hinaus steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter einnistet. Hierbei sprechen wir von einer Eileiterschwangerschaft beziehungsweise einer extrauterinen Gravidität.

Welche Symptome haben Männer mit Chlamydien?

Chlamydien - Welche Symptome haben Männer mit Chlamydien?

Wie auch Frauen verspüren viele infizierte Männer gar keine Symptome. Aber auch bei Männern können die Chlamydien mit den Serovaren D bis K urogenitale Infektionen auslösen.

Die Anzeichen infizierter Harn- und Geschlechtsorgane betreffen meist die Harnröhre, wobei es hier zu einer Entzündung kommt. Dabei verspüren die Betroffenen ein Druckgefühl und ein schmerzhaftes Brennen beim Wasserlassen. In manchen Fällen können die Chlamydien auch einen Ausfluss von Eiter aus der Harnröhre verursachen.
Kommt es zu keiner rechtzeitigen Behandlung, können die Keime bis in die Prostata, die Hoden sowie die Nebenhoden aufsteigen. Dies führt zu einer Prostataentzündung (Prostatitis), einer Hodenentzündung (Orchitis) beziehungsweise einer Nebenhodenentzündung (Epididymitis). Schlimmstenfalls sind weitere Schmerzen und Unfruchtbarkeit (Sterilität) die möglichen Folgeschäden.

Chlamydien - Symptome haben Männer

Wie zeigen sich Chlamydien bei Schwangeren und Neugeborenen?

Prinzipiell führt eine Chlamydien-Infektion in der Schwangerschaft zu den gleichen Folgen wie bei einer nicht-schwangeren Frau. Die Bakterien können sich ausbreiten und zu einer Entzündung des Gebärmutterhalses und/oder der Gebärmutterschleimhaut führen. Dies kann ernste Folgen wie zum Beispiel eine Frühgeburt oder einen vorzeitigen Blasensprung hervorrufen. Außerdem erhöht sich auch das Risiko für andere Schwangerschaftskomplikationen. Zusätzlich ist es möglich, dass schwangere Frauen die Chlamydien während der Geburt auf das Neugeborene übertragen. Das Risiko hierfür liegt bei etwa 50 bis 70 Prozent. Typische Chlamydien-Anzeichen bei Neugeborenen sind eine Bindehautentzündung oder in seltenen Fällen auch eine Mittelohrentzündung. Kommt es während der Geburt zum Einatmen der keimhaltigen Vaginalflüssigkeit, so kann der Säugling eine schwere Lungenentzündung erleiden.

Chlamydien - Wie zeigen sich Chlamydien bei Schwangeren und Neugeborenen?

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Infektion mit Chlamydien?

Chlamydien - Welche Risikofaktoren begünstigen eine Infektion mit Chlamydien?

Da es je nach Art der Chlamydien zu einer unterschiedlichen Übertragung kommt, sind auch die Risikofaktoren für die jeweilige Form der Erkrankung verschieden.

Für sexuell übertragbare Chlamydien gelten vor allem Risikofaktoren wie Oralverkehr, ungeschützter (also ohne Kondom) Vaginalverkehr, ungeschützter Analverkehr beziehungsweise die gemeinsame Nutzung von verunreinigten und ungeschützten Sexspielzeugen. Außerdem haben Betroffene, die sich bereits mit dem HI-Virus (HIV) infiziert haben, ein erhöhtes Risiko, sich zusätzlich mit Chlamydien anzustecken. Der AIDS-Erreger schwächt nämlich das menschliche Immunsystem. Dies führt dazu, dass das geschwächte Abwehrsystem Keime wie Chlamydien oder auch andere Krankheitserreger schlechter bekämpfen kann. Auch umgekehrt gilt, dass im Falle einer Chlamydien-Infektion das Risiko erhöht ist, sich zusätzlich mit HIV anzustecken.
 
Ein Risikofaktor für eine Bindehautentzündung durch die Serovare A-C und die damit verbundene Trachom-Erkrankung ist vor allem mangelhafte Hygiene.
 
Für eine Chlamydien-Übertragung durch die Chlamydia pneumoniae gibt es keine speziellen Risikofaktoren. Wie bei den meisten anderen Infektionskrankheiten erhöht sich das Ansteckungsrisiko durch ein geschwächtes Immunsystem, steigendes Alter und den direkten Kontakt zu Infizierten.
Bei der Chlamydien-Form Chlamydia psittaci besteht ein Ansteckungsrisiko besonders für Vogelzüchter und -händler sowie Ziervogelhalter. Denn selbst ausgetrocknete Vogelexkremente und Federn können bis zu vier Wochen lang ansteckend sein, auch wenn der infizierte keine Anzeichen der Erkrankung zeigt.

Wie lassen sich Chlamydien diagnostizieren?

Chlamydien - Wie lassen sich Chlamydien diagnostizieren?

Bei Verdacht auf eine Infektion der Harn- oder Geschlechtsorgane mit Chlamydien (vor allem nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr und ersten Chlamydien-ähnlichen Symptomen), sollte der Betroffene unbedingt einen Arzt aufsuchen – Männer einen Urologen und Frauen einen Gynäkologen (Frauenarzt).

Aber auch ein Dermatologe kann als Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten ein geeigneter Ansprechpartner sein. Bei anderen Chlamydien-bedingten Erkrankungen kann auch ein Hausarzt oder ein Augenarzt die erste Anlaufstelle sein.
 
Nach der ausführlichen Befragung zur Anamnese des Patienten folgt eine körperliche Untersuchung. Bei Beschwerden im Urogenitalbereich untersucht der Arzt die Geschlechtsteile, den After und tastet die umliegenden Lymphknoten und den Bauch ab.
 
Danach kann der behandelnde Arzt bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder einen Ultraschall (Sonographie) durchführen, obwohl dies in der Regel meist gar nicht nötig ist. Als wichtigste Untersuchungsmethode gilt der sogenannte Chlamydien-Test. Dabei unterscheiden wir zwischen direkten Verfahren (Erreger selbst in Probenmaterial des Patienten nachweisbar) und indirekten Verfahren (Suche nach Antikörpern gegen Chlamydien im Blut). Chlamydien lassen sich mithilfe eines Abstriches oder eines Urintests feststellen. Wichtig ist zu beachten, dass sich auch die jeweiligen Sexualpartner des Patienten (mindestens jene der letzten sechs Monate) den Untersuchungen unterziehen sollten. Diese könnten sich nämlich unbemerkt infiziert haben und könnten den Betroffenen nach Abschluss der Behandlung erneut anstecken, obwohl sie selbst vielleicht gar keine Beschwerden aufweisen.

Wie funktionieren die verschiedenen Chlamydien-Tests?

Der Chlamydien-Test zum direkten Nachweis der Bakterien dient dazu, den Verdacht auf eine mögliche Chlamydien-Infektion zu prüfen und die Diagnose zu bestätigen. Dabei kann der Arzt Chlamydien in einem Abstrich nachweisen, den er beispielsweise von der Gebärmutterhalsschleimhaut, aus der Harnröhre oder dem Mastdarm entnimmt. Außerdem gibt es auch einen Chlamydien-Urintest, der sich besonders für das Nachweisen einer urogenitalen Infektion bei Männern eignet. Im Rahmen eines sogenannten ELISA-Antigen-Tests lassen sich im Labor mithilfe von Immunfluoreszenz markierte Antikörper sichtbar machen. Bei einem positiven ersten Test sollte der Arzt den Infektionstest unbedingt noch einmal wiederholen, um das Ergebnis auch tatsächlich bestätigen zu können. Mittels des ELISA-Tests kann der Arzt unter anderem auch HIV diagnostizieren.

Als indirekter Nachweis einer Infektion mit Chlamydien gilt die Reaktion des Immunsystems auf die Erkrankung (=Antikörpernachweis). Das Abwehrsystem des Patienten bildet bei einer Chlamydien-Infektion spezifische Antikörper. Allerdings kann es einige Wochen in Anspruch nehmen, bis diese im Blut des Betroffenen nachzuweisen sind, deshalb eignet sich diese Testmethode nicht, um eine akute Infektion festzustellen. Wenn jedoch die Keime im Rahmen einer unbemerkten urogenitalen Chlamydien-Infektion auch Becken- und Bauchorgane infizieren, kann der Arzt sie nicht mehr mit Abstrichen, etwa vom Gebärmutterhals oder von der Harnröhre, nachweisen und benötigt die Methode der Antikörper im Blut. Ein sogenannter serologischer Chlamydien-Test macht also vor allem dann Sinn, wenn der Arzt aufsteigende, komplizierte Chlamydien-Infektionen abklären möchte beziehungsweise um die Ursache einer möglichen Unfruchtbarkeit festzustellen, die als Folge einer unbehandelten Chlamydien-Infektion eintreten kann.

Chlamydien - Wie funktionieren die verschiedenen Chlamydien-Tests?

Was kann der Chlamydien-Selbsttest?

Die im Handel erhältlichen Chlamydien-Selbsttests sind in puncto Zuverlässigkeit den ärztlichen Testverfahren unterlegen. Das bedeutet, dass sie nicht eindeutig beziehungsweise sehr aussagekräftig sind. Es gibt zwei Arten des Selbsttests – ein Abstrich- und ein Urintest. Im Rahmen des Abstrichtests kann die Patientin den erforderlichen Abstrich mithilfe des beigefügten Abstrichtupfers aus dem Gebärmutterhals entnehmen. Bei einem Urintest muss der Patient lediglich ein Teststäbchen in den Morgenurin eintauchen. Beide Methoden liefern innerhalb weniger Minuten auf den mitgelieferten Testkassetten ein Ergebnis – in der Regel dauert dies um die 15 Minuten. Sollte der Test ein positives Ergebnis anzeigen, so sollten die Betroffenen unbedingt auch einen Arzt aufsuchen und sich professionell untersuchen lassen.

Wie werden Chlamydien behandelt?

Chlamydien - Wie werden Chlamydien behandelt?

Prinzipiell richtet sich die Behandlung der Chlamydien nach dem vorhandenen Krankheitsbild, wobei der Arzt stets ein geeignetes Antibiotikum verschreibt. Im Regelfall kommt hierbei Doxycyclin zum Einsatz, denn diese Vertreter der Tetrazykline blockieren das Wachstum der Chlamydien.

Das Antibiotikum muss der Patient zweimal täglich und sieben Tage lang einnehmen. Darüber hinaus können auch Medikamente wie zum Beispiel Azithromycin, Erythromycin und Ofloxacin zum Einsatz kommen. Welche Art der Antibiotika und wie hoch diese dosiert sein müssen, entscheidet der behandelnde Arzt je nach Krankheitsbild. Bei Frauen muss er außerdem berücksichtigen, ob diese schwanger sind oder noch stillen. Sollten sich die Entzündungen bei Männern auf die Samenbläschen oder den Nebenhoden ausbreiten, so muss der Arzt die Antibiotika auf vierzehn Tage verlängern. Wenn sich die Infektion bei Frauen auf die Eileiter und/oder auf die Eierstöcke ausgeweitet hat, so muss der Arzt eine kombinierte Chlamydien-Therapie aus mehreren Antibiotika verordnen (meist Ceftriaxon, Doxycyclin und Metronidazol). Dabei beträgt die Behandlungsdauer je nach Krankheitsverlauf ein bis zwei Wochen.
 
Wichtig ist, dass sich bei allen urogenitalen Chlamydien-Infektionen auch der Sexualpartner mitbehandeln lässt. So können die Betroffenen verhindern, dass sie sich gegenseitig immer wieder neu mit Chlamydien anstecken.

Chlamydien - Wie kann ich die Beschwerden bei Chlamydien lindern?

Wie kann ich die Beschwerden bei Chlamydien lindern?

Je nachdem, wie das jeweilige Krankheitsbild aussieht, können Betroffene die antibiotische Chlamydien-Behandlung auch mit weiteren Selbstmaßnahmen unterstützen. Beispielsweise ist bei einer urogenitalen Chlamydien-Infektion empfehlenswert, während der Behandlung auf Geschlechtsverkehr jeglicher Art zu verzichten. Außerdem kann der behandelnde Arzt bei besonders schweren urogenitalen Infektionen zusätzlich zur Antibiotika-Therapie auch für einige Zeit Bettruhe und Schonung anordnen.
Für Männer, die unter Chlamydien-Beschwerden einer Nebenhoden- oder Hodenentzündung leiden, empfiehlt es sich, die Hoden hochzulagern. Dafür können sie beispielsweise aus einem zusammengerollten Handtuch ein „Hodenbänkchen“ bilden und die Hoden zusätzlich mit feucht-kalten Umschlägen kühlen. Bei einer infolge einer Chlamydien-Infektion entstandenen Harnröhrenentzündung sollten die Betroffenen in erster Linie sehr viel trinken. Dazu empfehlen sich neben reinem Wasser auch mild desinfizierende Nierentees.

Wie kann ich mich vor Chlamydien schützen?

Der beste Weg, wie Du Dich vor Chlamydien schützen kannst, ist es, beim Geschlechtsverkehr stets ein Kondom zu benutzen – sowohl beim Vaginal- als auch beim Analverkehr. Darüber hinaus solltest Du auch beim Oralverkehr, um eine Ansteckung vorzubeugen, entweder ein Kondom oder ein sogenanntes „Lecktuch“ (Dental Dam) verwenden. Verwende am besten auch nie Sexspielzeug ohne Kondom, wenn Du dieses mit Deinem Sexualpartner teilst. Außerdem solltest Du (gerade in Ländern mit schlechten Hygienestandards) besonders auf Hygiene und Sauberkeit achten.
Leider gibt es trotz allem keinen vollständigen Schutz vor einer Infektion mit Chlamydien, allerdings kann die Verwendung von Kondomen das Risiko einer Ansteckung stark senken.

Chlamydien - Wie kann ich mich vor Chlamydien schützen?

Für wen empfiehlt sich ein jährliches Chlamydien-Screening?

Chlamydien - Für wen empfiehlt sich ein jährliches Chlamydien-Screening?

Um potenzielle Chlamydien-Infektionen rechtzeitig entdecken zu können, gibt es das sogenannte Chlamydien-Screening. Sexuell aktive junge Frauen bis 25 Jahre können einmal im Jahr eine Urinuntersuchung auf Chlamydien durchführen lassen.

Die Kosten für die Untersuchung übernimmt in Österreich unter bestimmten Voraussetzungen (es muss sich um eine Urinprobe handeln und es muss als Nachweismethode ein PCR-Test zur Anwendung kommen) die zuständige Krankenkasse. Ab dem 25. Lebensjahr müssen die Betroffenen die Kosten selber tragen, genauso wie Männer jeden Alters. Eine Ausnahme stellt ein ärztlich verordneter Chlamydien-Test dar – dabei erhalten Männer und Frauen jeden Alters eine kostenlose Testung und Untersuchung.
 
Auch in Deutschland übernimmt der Krankenversicherungsträger unter gewissen Bedingungen die Kosten der Untersuchung, in der Schweiz können sich getestete Patienten im Nachhinein einen Krankenkassen-Rückforderungsbeleg erstellen lassen.

Was kostet die Behandlung von Chlamydien und übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Chlamydien - Kosten

Wie viel die Behandlung einer Chlamydien-Infektion kostet, hängt vor allem vom entstandenen Krankheitsbild ab. Allerdings übernimmt die Krankenkasse sowohl die Kosten des Chlamydien-Screenings (vorausgesetzt die getestete Frau ist unter 25 Jahre) als auch jene der Behandlung. Informiere Dich dennoch am besten gleich bei Deiner Krankenkasse und hole Dir Details bezüglich des Behandlungsplans und der damit verbundenen Kosten ein (insbesondere bei privaten Krankenkassen). Der Kostenzuschuss kann von Krankenkasse zu Krankenkasse nämlich unterschiedlich ausfallen.


Über den Autor: Dr. med. Benjamin Gehl

Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie


Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion.

Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind.

Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Chlamydien sind Bakterien, die je nachdem um welche Chlamydien-Art es sich handelt, an bestimmten Körperregionen Entzündungen und verschiedene Krankheitsbilder hervorrufen können.


Wir unterscheiden zwischen drei Arten von Keimerregern – Chlamydia trichomatis, psittaci und pneumoniae.


Je nach Art des Erregers kommt es zu einer Übertragung durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, Speichelflüssigkeit oder durch infizierte Vögel.


Um sich vor den „klassischen“ Chlamydien optimal schützen zu können, solltest Du beim Geschlechtsverkehr (Vaginal-, Anal- und Oralverkehr) stets ein Kondom benutzen.

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