Nagelpilz (Nagelmykose, Onychomykose, Tinea unguium)

Niemand wünscht ihn sich und doch ist die Erkrankung sehr viel häufiger, als man vielleicht denken mag. Bis zu 5% der Gesamtbevölkerung leiden einmal im Leben unter Nagelpilz. Sieht man sich nur die Personen über 60 Jahren an, liegt der Prozentsatz noch viel höher. Nagelpilzerkrankungen gehören damit zu den häufigsten Pilzinfektionen weltweit, dennoch scheint es oft ein Problem zu sein. Betroffene sind häufig mit Scham behaftet ist und sprechen die Erkrankung möglichst lange nicht an, womit die Erkrankungsdauer unnötig in die Länge gezogen wird.


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Online-Redaktion

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Zuletzt aktualisiert: 30. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Nagelpilz?

Unter Nagelpilz wird eine Infektion der Nägel (sowohl Zehen- als auch Fingernägel, wobei das Verhältnis ca. 5:1 beträgt) verstanden. Erreger sind unterschiedliche Pilzarten, wobei Trichophyton rubrum und Trichophyton interdigitale (beide gehörten zur Gruppe der Dermatophyten) zu den häufigsten zählen.
 
Unter Nagelpilz wird eine Infektion der Nägel verstanden
 

Wie sehen die Symptome bei Nagelpilz aus?

Der Nagelpilz gehört zu den sehr langsam fortschreitenden Infektionen, lange bleibt die Erkrankung unbemerkt und macht keine Probleme. Bemerkbar ist eine langsam zunehmende Veränderungen der Nageloberfläche, die Nägel verlieren ihren Glanz, nehmen eine gelbliche bis bräunliche Verfärbung an und werden zudem vermehrt brüchig und aufgeraut. Insgesamt kommt es zu einer Verdickung der Nagelplatte. Die Haut rund um den Finger erscheint in vielen Fällen gerötet und sehr trocken. Ungefähr die Hälfte der Betroffenen klagt außerdem über Schmerzen, die vor allem bei Belastung im Falle einer Infektion der Zehennägel auftritt.

Welche Folgen hat Nagelpilz für die Patienten?

Abgesehen davon, dass eine Nagelpilzinfektion für Betroffene meist sehr unangenehm ist und ein hygienisches und kosmetisches Problem darstellt, besteht bei Nichtbehandlung die Gefahr einer übergreifenden Infektion sowohl auf weitere Nägel als auch tieferliegende Strukturen bis hin zu einer Zerstörung des Nagelbetts. Außerdem kann das Eindringen anderer Erreger, allen voran von Bakterien, begünstigt werden.

Welche Ursachen hat Nagelpilz?

Ursache der Infektion ist ein Pilz, in den meisten Fällen handelt es sich um Trichophyten, die zu den Fadenpilzen gehören und sich vom Keratin, das maßgeblich am Aufbau von Nägeln, Hornhaut und Haaren des Menschen beteiligt ist, ernähren. Trichophyton besitzen bestimmte Enzyme, mit denen sie die Hornschicht der Nägel aufspalten und sich dadurch im Nagel festsetzen und ausbreiten können.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Grundsätzlich kann jede Person einen Nagelpilz entwickeln, es gibt allerdings besonders gefährdete Risikogruppen. Dazu zählen zum einen Personen mit Fußfehlstellungen, die falsche und zu enge Schuhe tragen, was zu Reibungen und kleinsten Verletzungen führt und damit das Eindringen von Pilzen begünstigt. Selbiges gilt auch für Profisportler, die viel Zeit in engen Sportschuhen verbringen, was darüber hinaus mit einem erheblichen Maß an Schweiß einhergeht. Auch Personen mit bestimmten internistischen Erkrankungen, wie beispielsweise Diabetes mellitus, gehören zur Risikogruppe, da sie zum einen eine schlechtere Wundheilung als andere Menschen besitzen, zum anderen häufig durch Nervenschädigungen schmerzhafte Veränderungen an den Füßen nicht mehr spüren.
 
Bemerkbar ist eine langsam zunehmende Veränderungen der Nageloberfläche, die Nägel verlieren ihren Glanz, nehmen eine gelbliche bis bräunliche Verfärbung an und werden zudem vermehrt brüchig und aufgeraut
 

Heilt Nagelpilz von alleine und ab wann muss ich zum Arzt?

Nagelpilzinfektionen heilen nicht von alleine und Du solltest sie daher so früh wie möglich von einem  Spezialisten diagnostizieren und behandeln lassen. Ewiges Aufschieben, Selbstbehandlungsversuche oder sich einreden, dass es schon von alleine besser wird, ist meist zwecklos und führt nur zu einem Fortschreiten der Erkrankung.

Wie diagnostiziert der Arzt Nagelpilz?

Häufig kann der Arzt durch eine sogenannte Blickdiagnose, also alleine durch die Begutachtung des Nagels, typische Veränderungen feststellen. Besteht die Notwendigkeit eines genauen Erregernachweises, beispielsweise um das passende Medikament zu finden, kann der Arzt ein wenig Nagelsubstanz abschaben. Unter dem Mikroskop betrachtet der Arzt diese oder er kann durch unterschiedliche Tests den verantwortlichen Pilz nachweisen.

Welche Formen können unterschieden werden?

Je nachdem wie die Veränderungen des betroffenen Nagels aussehen, können verschiedene Formen unterschieden werden:
 

  • Distolateral subunguale Onychomykose: Hier liegen vor allem randständige Veränderungen vor.
  • Proximale subunguale Onychomykose: Dabei dringt der Erreger unter die Nagelplatte, typische Veränderungen finden sich vor allem am Hautansatz, was häufig mit Schmerzen einhergeht.
  • Weiße superfizielle Onychomykose: Hier ist der Erreger Trichophyton interdigitale und es kommt meist zwischen den Zehen und Fingern zu oberflächlichen, weißen Verfärbungen.
  • Totale dystrophische Onychomykose: Dabei ist bereits die gesamte Nagelplatte betroffen, zeigt sich verdickt, gelblich verfärbt und aufgefächert.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Die Therapie des Nagelpilzes gestaltet sich in vielen Fällen sehr langwierig. Zwar gibt es Medikamente, die spezifisch Pilzerreger angreifen und an der Vermehrung hindern – diese werden auch Antimykotika genannt – doch greifen diese häufig nur sehr verzögert. Solche antimykotischen Substanzen können einerseits lokal durch direktes Auftragen auf den Nagel in Form von Salben oder Nagellack appliziert werden. Dies wird häufig durch wiederholtes Auffräsen der Nageloberfläche unterstützt, um ein besseres Eindringen der Substanzen zu erlauben. Andererseits können Antimykotika durch orale Einnahme zugeführt werden.
 
Da der Wirkstoff durch die Einnahme von Tabletten auch ins Blut und in den gesamten Körper gelangen kann und damit Nebenwirkungen einhergehen können, wird die Nagelpilzbehandlung in erster Linie mit lokalen Anwendungsformen probiert. Erst, wenn diese nicht ausreichend greifen oder mehrere Nägel betroffen sind, kann auf orale Medikamente ausgewichen werden.
 
Die Therapie des Nagelpilzes gestaltet sich in vielen Fällen sehr langwierig
 
Ein neuer, alternativer Therapieansatz kann die Laserbehandlung von Nagelpilz sein. Der Vorteil hierbei ist, dass für Patienten keine unangenehmen Nebenwirkungen zu erwarten sind und eine Verbesserung meist sehr rasch sichtbar ist. Die Forschung über die Lasertherapie von Nagelpilz steht allerdings noch am Anfang, sodass Langzeiteffekte bisher noch nicht eindeutig untersucht werden konnten.
 
Ist auch die sämtliche Therapien beziehungsweise die Kombination aus unterschiedlichen lokalen und oralen Substanzen nicht erfolgreich, muss der betroffene Nagel entfernt werden. Dies geschieht entweder durch keratolytische Salben, die die Nagelsubstanz komplikationsarm und meist schmerzfrei auflösen, oder durch Laserbehandlungen – beide Methoden unterstützen eine schonende Ablösung und ein korrektes Nachwachsen des neuen Nagels.

Was muss ich während der Nagelpilzerkrankung beachten? (Ansteckung?)

Vor allem in Schwimmbädern oder Saunen hast Du bestimmt schon des Öfteren Aufforderungen gelesen, Badeschlappen zu tragen und nicht barfuß zu gehen. Dies ist nicht ohne Grund, denn Nagelpilz ist ansteckend und dabei sowohl von Mensch zu Mensch, als auch über Objekte wie Badeschlappen oder Schuhe beziehungsweise direkt über den Boden übertragbar. Bei bekannter Nagelpilzinfektion solltest Du daher insbesondere auf vermehrte Hygienemaßnahmen achten und Schuhe, Socken oder Handtücher möglichst nicht mit anderen Personen teilen.

Was kann ich selbst tun, um die Heilung zu verbessern?

Die wichtigste Maßnahme ist wohl das frühzeitige Aufsuchen eines Spezialisten, denn je früher Du den Pilz entdeckst und behandelst, desto größer sind die Chancen auf einen raschen Therapieerfolg.

Wie sieht die Prognose aus?

Die Prognose hängt vor allem von einem raschen Erkennen und Einsetzen der Therapie ab. Je früher eine Behandlung stattfindet, desto sicherer wirst Du den Keim auch wieder los. Nichtsdestotrotz musst Du mit einem langwierigen Verlauf rechnen, eine Therapiedauer bis zu 18 Monate kann dabei durchaus vorkommen.

Kann ich Nagelpilz vorbeugen?

Durch einige grundlegende hygienische Maßnahmen kannst Du das Risiko einer Infektion beziehungsweise der Übertragung auf andere durchaus reduzieren. Dazu gehören die regelmäßige Fußpflege, das Vermeiden von Barfußgehen in öffentlichen Anlagen wie Schwimmbädern, Saunen oder Fitnessstudios, ein regelmäßiges, hochtemperiertes Waschen von Socken, Strümpfen aber auch Schuhen sowie die Verwendung atmungsaktiver Materialien, vor allem bei sportlicher Betätigung.
 
Durch einige grundlegende hygienische Maßnahmen kannst Du das Risiko einer Infektion beziehungsweise der Übertragung auf andere durchaus reduzieren
 

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Grundsätzlich werden hautärztliche Begutachtung, Diagnostik und grundlegende Behandlungsschritte sowohl medikamentöser als auch praktischer Natur von den Krankenkassen übernommen. Bei weiterführenden Maßnahmen, wie beispielsweise lasertherapeutischen Behandlungen, ist allerdings mit einem Selbstbehalt zu rechnen.


Dauer Dauer

Bis zu einem Jahr

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Beim Nagelpilz, auch Nagelmykose oder Onychomykose genannt, handelt sich um eine Infektion mit einem Pilzerreger, in der Mehrzahl der Fälle sind die Verantwortlichen Trichophyton, in seltenen Fällen können auch Hefepilze oder Schimmelpilze die Erkrankung hervorrufen


Typische Symptome sind eine Gelbverfärbung sowie eine Oberflächenveränderung der Nägel, diese werden spröde und brüchig, das Nagelgewebe beginnt sich aufzulockern und abzuheben und die Nägel verlieren ihren Glanz. Je nach betroffener Stelle können auch Schmerzen auftreten


Ziel der Therapie ist es, die Ausbreitung des Pilzes möglichst einzudämmen und den betroffenen Nagel einmal vollständig herauswachsen zu lassen. Zur Anwendung kommen sowohl orale und lokale antimykotische (pilzabtötende) Substanzen als auch mechanische Eingriffe, die den Nagel auflösen


Die Therapie ist sehr langwierig und kann auch in leichten Verlaufsformen mehrere Wochen andauern. Bei hartnäckigen Formen gilt es viel Durchhaltevermögen zu beweisen, bis zu 18 Monate kann die Behandlung dauern

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