Balanitis (Eichelentzündung)

Jucken, Brennen und sichtbare Hautveränderungen – über Infektionen im Intimbereich wird ungern gesprochen, vor allem, da sie meist mit ausgeprägtem Mangel an Hygiene konnotiert sind. Die Balanitis – eine Entzündung der männlichen Eichel – kann allerdings auf viele verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. Mehr dazu erfährst Du hier.


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Zuletzt aktualisiert: 18. März, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Balanitis?

Unter Balanitis wird eine Entzündung der Eichel des Penis bezeichnet. Häufig ist auch die aufliegende Innenseite der Vorhaut mitbetroffen, in diesem Fall spricht man von einer Balanoposthitis.

Balanitis

Welche Ursachen hat eine Balanitis?

Als Ursachen kommen sowohl infektiöse als auch nicht-infektiöse Auslöser infrage.
Zu den infektiösen Ursachen gehören unterschiedliche Arten von Krankheitserregern wie beispielsweise Bakterien, Viren oder Pilze, die grundsätzlich für typische Geschlechtskrankheiten verantwortlich sind:

 

  • bakteriell: z.B. im Rahmen einer Syphilis oder Gonorrhoe
  • viral: z.B. Herpes, HPV
  • fungal: z.B. Candida-Balanitis

Folgende sind nicht-infektiöse Ursachen der Eichelentzündung:

 

  • Mangel an Hygiene: Dieser kann zur pathologischen Vermehrung von Keimen führen, die wiederum eine Entzündung begünstigen.
  • Mechanische Irritationen und Verletzung der Eichelhaut.
  • Übermaß an hygienischen Maßnahmen: Es kommt zur Zerstörung der natürlichen Keimflora und der notwendigen Fettschicht der Haut.
  • Chemische Reize und allergische Reaktionen: Beispielsweise durch Kontakt mit Waschlotionen, Duschgelen, Waschpulver, aber auch durch Unverträglichkeit der Kondommaterialien.

Außerdem gibt es einige seltene Sonderformen, die im Rahmen anderer Grunderkrankungen auftreten. Zu nennen sind hier die Psoriasis (Schuppenflechte), der zu den Autoimmunerkrankungen zählende Lichen sclerosus oder Morbus Reiter (= postinfektiöse Gelenkentzündung).

Wie sehen die Symptome einer Eichelentzündung aus?

Typische Beschwerden sind Juckreiz, unangenehmen Schmerzen sowie sichtbare Veränderungen der Eichelhaut mit unscharf begrenzten Rötungen und Ausbildung kleiner Knötchen. Zudem kann ein eitriger Ausfluss auftreten.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Eichelentzündung?

Bei beschriebenen Symptomen sollte unbedingt entweder ein Hausarzt oder Urologe aufgesucht werden. Dieser wird in der Regel allein mittels einer Anamnese zu den Symptomen und der Inspektion der Eichel eine Balanitis diagnostizieren können. Zusätzlich kann ein Abstrich der Eichelhaut genommen werden, um einen direkten mikrobiologischen Nachweis zu erhalten.

Eichelentzündung

Wer ist am häufigsten von einer Balanitis betroffen?

Grundsätzlich können Männer aller Altersklassen betroffen sein, auch Kinder können an einer Balanitis leiden, das Erkrankungsrisiko steigt allerdings mit zunehmenden Alter an.  Bei Kindern und Jugendlichen wird die Balanitis meist durch eine Phimose (Vorhautverengung) begünstigt, da dadurch eine adäquate Reinigung und der Abfluss von Urin und Drüsensekreten eingeschränkt werden kann. Auch ein Diabetes mellitus kann begünstigend wirken und ist häufig mit einer Balanitis assoziiert.

Welche Folgen hat die Balanitis für den Betroffenen?

Eine Balanitis sollte in jedem Fall behandelt werden, denn zum einen kann es bei ungeschützten Geschlechtsverkehr zu Ansteckung der Partnerin oder des Partners kommen, zum anderen können durch die Ausbreitung der Infektion weitere Komplikationen auftreten. Zu diesen gehört ein Übergreifen der Infektion auf die Harnwege, Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen können Folge sein. Zudem kann nicht nur die Phimose zu einer Balanitis führen, sondern auch umgekehrt die Entzündung zur Vorhautverengung.

Welche nicht-operativen Behandlungen gibt es bei einer Balanitis?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Entzündung. Bei einer infektiösen Balanitis wird gezielt gegen den Keim vorgegangen, bei bakteriellen Entzündungen mit Antibiotika, die virale Entzündung wird mit Virostatika und eine Pilzbalanitis mit spezifisch pilzabtötenden Medikamenten behandelt. In der Regel ist eine lokale Therapie mit wirkstoffhaltigen Salben ausreichend, nur bei Ausbreitung auf die Harnwege muss systemisch, also durch orale Einnahme des Medikaments, behandelt werden.

 

Nichtinfektiöse Ursachen werden mit cortisonhaltigen Salben therapiert, wobei hier vor allem die Beseitigung des ursprünglichen Problems beziehungsweise die Behandlung der verantwortlichen Grunderkrankung im Vordergrund steht. In beiden Fällen ist gegebenenfalls auch eine Schmerztherapie sowie eine Aufklärung über adäquate hygienische Maßnahmen erforderlich.

Wann muss operiert werden?

Ein operativer Eingriff im Sinne einer Beschneidung ist in der Regel nur bei wiederholt auftretenden Eichelentzündungen indiziert.

Balanitis

Was muss ich vor einer operativen Behandlung beachten?

Treten immer wieder Balanitiden auf, wird der zuständige Arzt über die Möglichkeit der Zirkumzision sprechen, da dadurch nicht nur das Risiko einer Phimose wegfällt, sondern auch hygienische Aspekte verbessert werden und generell das Risiko von Infektionen geschmälert wird. Im Grunde müssen keine besonderen Vorbereitungen getroffen werden – ein persönliches Gespräch mit Aufklärung über den Eingriff und eine präoperative Routineuntersuchung mit Blutabnahme genügen.

Wie verläuft der chirurgische Eingriff?

Das Prinzip einer Zirkumzision ist eine partielle oder vollständige Entfernung der Vorhaut, die unter Allgemeinanästhesie erfolgt. Dabei gibt es unterschiedliche Arten und Instrumentarien, durch die dies geschieht, im Grunde läuft es allerdings immer so ab, dass die Vorhaut über die Eichel vorgezogen und am Übergang von Eichel und Penisschaft durchtrennt wird. Die Variationen der unterschiedlichen Beschneidungsformen liegen hierbei vor allem daran, ob inneres und äußeres Vorhautblatt abgetragen werden und wo die Narbe platziert wird. Die Wundränder werden an der Penisfurche (Sulcus coronarius) mit selbstauflösendem Material vernäht. Der Eingriff dauert in der Regel insgesamt nicht länger als eine halbe Stunde.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Im Großen und Ganzen handelt es sich um einen sehr komplikationsarmen Eingriff. Intraoperative Verletzungen der Eichel oder der Harnröhre sowie eine Abtragung von zu viel Haut werden zwar angeführt, sind jedoch extrem selten. Wie nach jeder Operation können allerdings Nachblutungen, Schwellungen und Schmerzen über eine gewisse Zeit hinweg auftreten und allergische Reaktionen auf das Narkosemittel bestehen. Auch ein Wundinfektionsrisiko ist bei suboptimaler Nachbehandlung und Pflege gegeben.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Nach der Operation wird ein Verband angelegt, der am Folgetag im Rahmen der Kontrolle entfernt wird. In den ersten ein bis zwei Tagen nach der Operation wird körperliche Schonung empfohlen, Duschen ist erst nach der ärztlichen Kontrolle wieder erlaubt. Um den Heilungsverlauf zu beschleunigen und die Schwellung zu lindern, können kühlende, antiseptische und pflegende Salben aufgetragen werden. Nach ca. zwei Wochen sollte die Wunde verheilt sein.

Kann ich eine Eichelentzündung vorbeugen?

Bis zu einem gewissen Grad, ja! Infektiöse Ursachen können durch die Verwendung von Kondomen verhindert werden, da diese meist im Rahmen von ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen werden. Auch ein richtiges Maß an Hygiene kann vorbeugend wirken.

Balanitis

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Da es sich um eine medizinisch notwendige Behandlung handelt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten vollständig. Diese Leistung umfasst sowohl Arztbesuch, als auch medikamentöse Therapie und operativen Eingriff.


Dauer Dauer

Bis zu 4 Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Dr. med. Peter Dorittke

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Dr. med. Bernd Kardorff

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Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie Allergologie

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Balanitis handelt es sich um eine Entzündung der männlichen Eichel, die zu Schmerzen, Juckreiz, Rötungen und oberflächlichen Hautveränderungen führt


Die Balanitis hat eine Reihe unterschiedlicher Ursachen, die sowohl infektiöser Natur (bakteriell, viral oder durch Pilze ausgelöst), als auch nicht-infektiöse Natur sein kann. Nicht infektiöse Eichelentzündungen können auf Hygienemängel, mechanische Reize, chemische Reize, allergische Reaktionen aber auch ein Übermaß an hygienischen Maßnahmen zurückgeführt werden


Therapiert wird die Erkrankung in der Regel durch antimikrobielle Wirkstoffe wie beispielsweise Antibiotika im Falle einer bakteriellen Entzündung, oder aber durch entzündungshemmende Salben und Beseitigung der Ursache. Ein operativer Eingriff ist normalerweise nur bei gehäuft auftretenden Entzündungen der Eichel notwendig. Der Eingriff der Wahl ist in diesem Fall die Zirkumzision (Beschneidung), da durch die Resektion der Vorhaut eine Verbesserung der Hygiene und Vermeidung von mechanisch reizender Enge behoben wird


Die Zirkumzision ist ein kurzer, komplikationsarmer Routineeingriff, von dem sich Patienten in der Regel rasch erholen und der als medizinisch-therapeutisch notwendig von der Krankenkasse übernommen wird

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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