Seborrhoisches Ekzem

Unter dem seborrhoischen Ekzem ist eine unangenehme Erkrankung der Haut zu verstehen, die mit Schuppungen und Juckreiz einhergeht. Die Krankheit lässt sich nicht vollständig heilen, da noch nicht ganz geklärt werden konnte, weshalb sie ausbricht. Es gibt jedoch gute Behandlungsmöglichkeiten.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 12. November, 2019



Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über das seborrhoische Ekzem. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter dem seborrhoischen Ekzem?

Beim seborrhoischen Ekzem handelt es sich um eine bei bis zu 5% der Gesamtbevölkerung auftretende, chronisch entzündliche Hauterkrankung, die sowohl beim Erwachsenen als auch bei Jugendlichen und Säuglingen auftreten kann. Unter dem Begriff „Seborrhoe“ versteht der Mediziner eine Überproduktion von Hautfetten durch die Talgdrüsen. Betroffene Regionen sind daher vor allem solche, die eine hohe Talgproduktion aufweisen, beispielsweise die Kopfhaut, aber auch Gesicht, Brust und Rücken. Die Erkrankung tritt typischerweise bei Männern häufiger auf als bei Frauen, was auf eine durch Androgene beeinflusste erhöhte Talgproduktion zurückzuführen ist.

Seborrhoisches Ekzem

Welche Ursache hat das seborrhoische Ekzem?

Ursache und Entstehungsweise des seborrhoischen Ekzems sind bisher ungeklärt, vermutet wird ein Zusammenspiel aus hormonellen sowie immunologischen Defiziten und der Besiedelung des Hautpilzes Malassezia furfur. Für diese Annahmen spricht einerseits, dass diese schubhaft verlaufende Erkrankung vor allem in emotionalen und psychischen Stresssituationen, hormonellen Umstellungsphasen und Erkrankungen des Immunsystems (z.B. AIDS) besonders aktiv wird, andererseits, dass antimykotische, also pilzbekämpfende Mittel therapeutisch wirksam sind.

Der Hefepilz Malassezia ist natürlicher Bestandteil der menschlichen Hautflora. Bei Betroffenen allerdings kommt diese Pilzform vor allem in Bereichen mit hoher Talgproduktion gehäuft vor und führt durch ihre Stoffwechselprodukte zu einer gestörten Zellfunktion, die in entzündlichen Veränderungen resultiert. Es wird daher auch eine genetische Prädisposition angenommen.

Wie sehen die Symptome der Erkrankung aus?

Die Erkrankung zeigt sich anhand von Hautrötungen, fettiger Haut und einem starken, gelblich schuppenden Hautausschlag. In einigen Fällen ist das seborrhoische Ekzem auch mit Juckreiz verbunden, wobei das Kratzen auf schon vorgeschädigter Haut weitere Entzündungen und bakterielle Infektionen begünstigen kann.

Wie diagnostiziert der Arzt die Erkrankung?

Die Diagnose wird in der Regel durch einen Dermatologen oder im Falle der Erkrankung eines Säuglings durch den Kinderarzt gestellt. Dazu sind im Normalfall keine technischen Hilfsmittel oder aufwendigen Untersuchungen notwendig, meist kann der Spezialist durch genaue Inspektion der Haut und Befragung über den Verlauf der Erkrankung und die Symptomatik die Diagnose stellen. Nur in Ausnahmefällen muss die Diagnostik durch eine Biopsie, also eine Entnahme einer Gewebeprobe, und anschließende Mikroskopie ergänzt werden, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Wie verläuft die Erkrankung?

Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft. Während dieser Schübe zeigen sich die entzündlichen Veränderungen der Haut besonders stark, ausgelöst werden sie durch psychischen und physischen Stress oder durch immunologische Einschränkungen in Folge anderer Erkrankungen. Eine langfristige und fortlaufende Therapie ist daher notwendig, um die Ausprägung der Erkrankung möglich gering zu halten.

Seborrhoisches Ekzem

Welche Folgen hat das seborrhoische Ekzem für die Patienten?

Das seborrhoische Ekzem verursacht zwar keine Schmerzen, ist nicht ansteckend und bringt keine weitreichenden Komplikationen mit sich, ist aber aufgrund seines chronifizierten Verlaufes, der ständigen Hochs und Tiefs und der Abhängigkeit von einer dauerhaft guten medikamentösen Einstellung für die Patienten dennoch sehr belastend. Die entzündeten und schuppenden Areale vor allem im Gesicht und Dekolleté-Bereich stellen meist einen erheblichen ästhetischen Makel dar, weshalb ein Empfinden von Scham und ein dauerhaftes Unwohlsein in der eigenen Haut nicht selten sind.

Welche unterschiedlichen Arten des seborrhoischen Ekzems gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der frühkindlichen Form des seborrhoischen Ekzems und der Form im Erwachsenenalter. Die frühkindliche Form tritt in der Regel innerhalb der ersten Lebenswochen durch eine Stimulierung der Talgdrüsen noch durch mütterliche Hormone auf. Da dieser Stimulus schon bald nachlässt, limitiert sich diese Form nach einigen Wochen selbst. Die adulte Form tritt ab der Pubertät mit dem Einsetzen der hormonellen Umstellung ein und erreicht seinen Höhepunkt zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahrzehnt.

Wie lässt sich das seborrhoische Ekzem behandeln?

Wie bereits erwähnt, benötigt das seborrhoische Ekzem meist eine gezielte, langfristige Therapie, die zum Ziel hat, sichtbare Läsionen und Rötungen zu vermindern sowie starke Schuppung und Juckreiz zu reduzieren. Man unterscheidet zwischen äußerer (topischer) und innerer (systemischer) Therapie, wobei Letztere nur in Ausnahmefällen und besonders starken und therapieresistenten Verläufen zur Anwendung kommt. Folgende Substanzen und Substanzgruppen werden in der Therapie angewendet:

Antimykotika

Dabei handelt es sich um gezielt gegen Pilze eingesetzte antimikrobielle Arzneimittel. Da das seborrhoische Ekzem scheinbar im Zusammenhang mit einer Pilzerkrankung steht, ist die Reduktion des Hautpilzes Malassezia wesentlicher Bestandteil der Therapie. Als Wirkstoffe stehen beispielsweise Ketokonazol oder Clotrimazol zu Verfügung, die in Form von speziellen Cremes auf die entzündeten Areale aufgetragen werden.

Kortikosteroide

Kortison ist eine hochwirksame, antientzündliche Substanz, die eine schnelle Linderung der Symptomatik bewirken kann. Für eine langfristige Therapie ist sie allerdings aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen, unter anderem auch auf die Haut, nicht indiziert.

Seborrhoisches Ekzem

Calcineurin-Inhibitoren

Dabei handelt es sich um immunsuppressive und antientzündliche Wirkstoffe, die topisch angewendet nebenwirkungsarm sind und sich dabei als sehr wirksam gegen das seborrhoische Ekzem gezeigt haben. Vor allem in der Langzeittherapie werden sie daher angewendet.

Medizinische Haut- und Haarpflege

Da die Kopfhaut eine häufige Läsionsstelle darstellt, ist eine regelmäßige und kontinuierliche Pflege mit speziellen Shampoos unerlässlich. Neben antimykotischen Shampoos kommen auch solche mit Inhaltsstoffen wie Salicylsäure, Zink-Pyrithion, Teebaumöl oder Selensulfid zum Einsatz. Diese werden in der Regel jeden zweiten bis dritten Tag angewendet, helfen Schuppen zu reduzieren und haben außerdem antibakterielle und antientzündliche Effekte. Auch Haut und Gesicht benötigen intensive Pflege, die Reinigung des Gesichts sollte mit Waschlotionen erfolgen, die die Talgproduktion hemmen (Zusatz von Salicylsäure), außerdem sollte die Haut nur mit fettarmen Cremes und Gels behandelt werden. Kosmetische Produkte mit dem Zusatz von Urea (Harnstoff) haben sich ebenfalls als erfolgreich bewiesen.

Welche Risiken und Komplikationen können die Behandlungen mit sich bringen?

Komplikationen und Nebenwirkungen der Behandlung variieren von Wirkstoff zu Wirkstoff. Zu den häufigsten Nebenwirkungen der äußerlich aufgetragenen Antimykotika gehören Hautreaktionen wie Juckreiz, Brennen oder leichte Schmerzen.

Kortison und dessen Abkömmlinge sind bei akuter und kurzfristiger Behandlung unbedenklich, sollten allerdings wirklich nicht länger als einige wenige Tage angewendet werden, da sich sonst vor allem an der Haut Komplikationen wie Akne, Hautrötungen und Überempfindlichkeitsreaktionen, Verdünnung der Haut (Hautatrophie), Dehnungsstreifen, Pigmentierungsstörungen, Wundheilungsstörungen und Erweiterungen der oberflächlichen Gefäße (Teleangiektasien) entwickeln können.

Gibt es Hausmittel, die beim seborrhoischen Ekzem helfen?

Als einfach zu bekommende und anzuwendende Hausmittel gegen die enorme Schuppenbildung beim seborrhoischen Ekzem hat sich beispielsweise Apfelessig erwiesen. Dieser wirkt auf Haut und Kopfhaut wie ein Peeling und löst die oberste Hautschicht auf, wodurch diese toten Hautzellen leichter abgetragen werden können. Um einen größtmöglichen Effekt zu erlangen, sollte der Apfelessig 15-20 Minuten einwirken, bevor er wieder abgespült wird.

Auch die Anwendung von Honigkuren wird im Zusammenhang mit dem seborrhoischen Ekzem als symptomlindernd beschrieben. Dabei soll eine Mischung aus Bienenhonig und Wasser im Verhältnis 90:10 hergestellt werden, die dann in Haut und Kopfhaut einmassiert werden soll. Die Kur soll jeden bis jeden zweiten Tag durchgeführt werden und soll langfristig sichtbare Entzündungen und gerötete Areale reduzieren.

Seborrhoisches Ekzem

Kann ich dem seborrhoischen Ekzem vorbeugen?

Ein Vorbeugen im Sinne eines Verhinderns, das die Krankheit erstmalig ausbricht ist, da die Ursachen nicht eindeutig geklärt sind und viele verschiedene Faktoren bei der Entstehung zusammenzuspielen scheinen, nicht möglich. Allerdings können durch die richtige Hautpflege (fettarme Cremes und Lotionen), eine gute medizinische Betreuung (langfristige Erhaltungstherapie) und eine gesunde und ausgewogene Ernährung (Verzicht auf tierische Fette und Vorsicht beim Konsum von Lebensmittel mit Zusatz von industriellem Zucker) Schübe mit besonders ausgeprägten Entzündungsphasen eingedämmt werden. Auch das Erkennen von Stressfaktoren und Erlernen, mit diesen einerseits umzugehen und andererseits diese effektiv abzubauen, kann Entzündungsschübe verhindern. Empfohlen werden außerdem ausgiebige Sonnenaufenthalte, da UV-Licht Wachstum und Stoffwechselvorgänge der Malassezia-Pilze unterbindet.

 

Quellen

Universität Ulm

MSD Manual

AMBOSS


Dauer Dauer

Bis zu 4 Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Beim seborrhoischen Ekzem handelt es sich um eine nicht ansteckende, chronisch entzündliche Hauterkrankung, die sowohl bei Säuglingen bis zum dritten Lebensmonat als auch beim Erwachsenen in Form eines schubhaften Verlaufes auftreten kann


Ursächlich für das seborrhoische Ekzem scheint eine erhöhte Talgproduktion in Kombination mit einem übermäßigen Befall des Hautpilzes Malassezia sowie hormonellen und immunologischen Faktoren zu sein. Aus diesem Grund scheinen vor allem Areale mit besonders hohem Anteil an talgbildenden Drüsen wie beispielsweise Kopfhaut, Gesicht, Hals, Brust und Rücken betroffen zu sein


Symptome des seborrhoischen Ekzems sind entzündliche Veränderungen und Rötungen der Haut, die in Kombination mit gelblich-fettigen Schuppen auftreten. Schmerzen verursacht das seborrhoische Ekzem keine, manche Patienten klagen allerdings über Juckreiz


Die Behandlung der Erkrankung setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen: Kombiniert werden antimykotische, entzündungshemmende und schuppenlösende Wirkstoffe, die die Patienten in Form von Shampoos oder Cremes anwenden und nur im Ausnahmefall oral einnehmen müssen. Personen mit seborrhoischem Ekzem sollten auf eine angemessene Hautpflege achten und bestimmte Produkte wie beispielsweise sehr fettige Öle und Cremes meiden