Systemischer Lupus erythematodes

Der systemische Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronisch entzündliche, rheumatische Autoimmunkrankheit, bei der das Bindegewebe und innere Organe angegriffen werden. Die Krankheit zählt zu den Bindegewebserkrankungen, verläuft in Schüben und zeigt unterschiedliche Krankheitsbilder. Neben den Entzündungsprozessen im Körper tritt eine schmetterlingsförmige Hautrötung im Gesicht auf, weshalb die Krankheit im Volksmund auch Schmetterlingsflechte genannt wird.


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Zuletzt aktualisiert: 23. März, 2020



Was versteht die Medizin unter Lupus erythematodes?

Medizinisch gesehen ist der systemischen Lupus erythematodes eine der beiden Formen der chronisch-entzündlichen Autoimmunkrankheit des Lupus erythematodes. Anders als beim kutanen Lupus erythematodes, der typischerweise nur die Haut befällt, können beim SLE neben dem Bindegewebe und Blutgefäßen im ganzen Körper auch innere Organe betroffen sein.
 
Das Immunsystem greift dabei körpereigene Zellen beziehungsweise Organe an. Dabei werden Antikörper produziert, die sich zu Immunkomplexen zusammenschließen, welche über den Blutkreislauf in sehr gut durchblutete Organe gelangen und dort abgelagert werden. Dadurch entstehen Entzündungsprozesse, die dann zu den typischen Beschwerden führen. Diese treten in Schüben auf und werden meist chronisch.

Die Symptome des SLE sind sehr vielfältig, da unterschiedliche Organe und Organsysteme befallen werden.

Was sind die Symptome von SLE?

Die Symptome des SLE sind sehr vielfältig, da unterschiedliche Organe und Organsysteme befallen werden. Nicht bei jedem Patienten treten die gleichen Beschwerden auf, weshalb die Krankheit recht individuell verläuft.
 
Anfangs fühlen sich Betroffene oft müde und abgeschlagen, bekommen Fieber und nehmen ab. Bei etwa der Hälfte der Patienten treten auch Lymphknotenschwellungen auf. Daneben kann es zu folgenden Organsymptomen kommen:
 
Haut/Haare: An sonnenexponierten Hautstellen treten etwa nach zwei bis drei Wochen Hautrötungen auf, weswegen Betroffene den Zusammenhang mit Sonnenlicht nicht gleich erkennen.
 
An Wangen und an der Nase entsteht zu 80 Prozent eine schmetterlingsförmige Rötung sowie Schuppungen und kleine Wunden, welche in der Regel spurlos abheilen. Zudem tritt häufig ein masernähnlicher Hautausschlag auf.
 
Die Hautveränderungen können aber auch an anderen Stellen wie dem Brustkorb, den Handrücken, den Fingern sowie der Nagelfalz auftreten. Nur selten kommt es zu einer Narbenbildung. Außerdem kann es zu einer Mundschleimhautentzündung sowie einem kreisrunden Haarausfall (Alopezie) kommen.
 
Blutgefäße: Als Reaktion auf Kälteeinwirkung kann es zu einem sogenannten „Raynaud-Syndrom“ kommen, bei dem die Gefäße in den Fingern verkrampfen, wodurch diese eine weiße oder bläuliche Färbung annehmen. Das Syndrom kann aber auch bei Gesunden oder anderen Krankheiten auftreten.
 
Zudem können sich die kleinen Blutgefäße entzünden, was zu kleinen punkt- oder fleckenförmigen Einblutungen der Haut im Bereich der Unterschenkeln, Hände oder Schleimhäute führt. Die Blutgefäße am Augenhintergrund können sich ebenfalls entzünden, wodurch es zu einem Schleiersehen oder Gesichtsfeldausfällen kommen kann.
 
Gelenk- und Muskelschmerzen oder Gelenkschwellungen: Diese treten bei fast allen Patienten auf, wobei die Schmerzen aufgrund der Entzündungen in Gelenken – hier vor allem Finger-, Hand- und Kniegelenke – Sehnen und der Muskulatur entstehen und anders als bei rheumatischen Erkrankungen werden die Gelenke meist nicht zerstört.
 
Blutveränderungen: Die Krankheit geht mit Blutveränderungen einher, bei der weniger weiße und/oder rote Blutkörperchen und/oder Blutplättchen vorhanden sind. Weiters kann sich die Zahl verschiedener anderer Zellen aufgrund der Zerstörung durch die Antikörper vermindern oder es entstehen sogenannte Antinukleären Antikörper, abgekürzt ANA.
 
Lunge und Herz: Drei Viertel der Lupus-Patienten entwickeln eine Rippenfellentzündung. Auch eine Lungenentzündung oder eine Herzbeutelentzündung sind möglich.
 
Niere: Circa bei der Hälfte der Betroffenen tritt eine Nierenentzündung auf, die am Eiweiß im Urin und eventuellen Wassereinlagerungen im Gewebe erkannt werden kann und in weiterer Folge zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion sowie eventuell sogar zu einem Nierenversagen führt. In diesem Fall müssen Patienten zu einer regelmäßigen Blutwäsche (Dialyse) gehen. Dieser Faktor ist für den Krankheitsverlauf deshalb prognosebestimmend.
 
Zentrales Nervensystem: Weitere Symptome der Krankheit können ein Schlaganfall, Migräne, Krampfanfälle, Konzentrationsstörungen, Depressionen und seltener Wesensveränderungen bis hin zu Psychosen sein.
 
Bauchraum: Auch im Bauchraum kann der Lupus zu Entzündungen des Bauchfells führen, wodurch Patienten an Magenschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen leiden.
 
Speichel- und Tränendrüsen: Teilweise wird eine Abnahme an Speichel- oder Tränenflüssigkeit beobachtet.

Die genauen Ursachen sind bislang noch nicht geklärt, wobei Wissenschaftler einige mögliche auslösende oder beteiligte Faktoren ausgemacht haben.

Welche Ursachen hat ein systemischer Lupus erythematodes?

Die genauen Ursachen sind bislang noch nicht geklärt, wobei Wissenschaftler einige mögliche auslösende oder beteiligte Faktoren ausgemacht haben. So dürften bestimmte Erbanlagen, wie eine vererbte Funktionsunfähigkeit eines für die Immunabwehr wichtigen Eiweißes im Blut, dem sogenannten C1 Komplement, den Ausbruch der Krankheit begünstigen.
 
Auch das weibliche Geschlechtshormon Östrogen scheint einen bedeutenden Einfluss auf die Entstehung zu haben, da etwa 80 Prozent der Patienten Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren sind. Für Betroffene ist es deshalb wichtig, auf eine hormonelle Empfängnisverhütung zu verzichten und während einer Schwangerschaft von einem Spezialisten begleitet zu werden.
 
Als weiteren möglichen Verursacher von SLE wurden Infektionen wie beispielsweise das Pfeiffersche Drüsenfieber, Stress, extreme psychische Belastungen, Umweltfaktoren, bestimmte Medikamente und auch Sonnenlicht ausgemacht. So sollten Patienten eine UV-Bestrahlung jeglicher Art meiden, da dies zu einer Verschlechterung der Symptome führen kann.

Wie ist der Krankheitsverlauf von SLE?

Der Krankheitsverlauf ist individuell und schwer vorhersehbar, da sich akute und beschwerdefreie Phasen schubartig abwechseln. Dazwischen können durchaus Monate oder sogar Jahre vergehen, wobei die Schübe im Alter bei vielen Patienten abnehmen und sich die Symptome des systemische Lupus erythematodes abmildern.
 
Heilbar ist die Krankheit dennoch nicht, lässt sich aber mit verschiedenen Medikamenten gut kontrollieren. Wie immer gilt, je schneller die Krankheit diagnostiziert und behandelt wird, desto besser lässt sich der Verlauf beeinflussen. Die meisten Betroffenen müssen ihr Leben lang behandelt werden, doch hat sich die Lebenserwartung aufgrund besserer Behandlungsmethoden deutlich erhöht.
 
So überleben mehr als 95 Prozent der Patienten die Diagnose um mindestens 10 Jahre. Die häufigste Todesursache ist nicht mehr die Erkrankung selbst, sondern mögliche daraus folgende Komplikationen. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt, haben Betroffene eine annähernd normale Lebenserwartung.

Wie diagnostiziert der Arzt einen systemischen Lupus erythematodes?

Eine Diagnose der Krankheit kann sehr schwierig sein, da die Krankheit oft unspezifisch beginnt und sehr selten vorkommt. Erschwerend kommt hinzu, dass es neben den reinen Formen Mischformen mit anderen rheumatischen Erkrankungen gibt.
 
Amerikanische Rheumatologen haben zur Erleichterung der Diagnose einen Kriterienkatalog erstellt (ACR- Kriterien), wobei vier von elf Symptomen wie schmetterlingsförmige Hautrötung im Gesicht, wiederholte Geschwüre im Mund ohne sonstige Ursache, nicht geklärte Gelenkschwellungen, Rippen- oder Brustfellentzündung, Herzbeutelentzündung und der Nachweis bestimmter Antikörper gegeben sein müssen, um von einem SLE ausgehen zu können.
 
Bei Verdacht auf einen Lupus solltest Du Dich deshalb sofort mit einem Rheumatologen in Verbindung setzen. Da aufgrund der vielfältigen Symptome eine Abklärung mit anderen Fachärzten sinnvoll ist, findet die Diagnostik stationär statt.

Eine vollständige Genesung und damit ein Ende der autoimmunen Fehlsteuerung und Wiederherstellung schon geschädigter Zellen gibt es für den SLE nicht.

Welche Behandlungs- und Therapieformen gibt es?

Eine vollständige Genesung und damit ein Ende der autoimmunen Fehlsteuerung und Wiederherstellung schon geschädigter Zellen gibt es für den SLE nicht. Das Ziel der Behandlung ist deshalb Symptome zu reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen um Folgeschäden so gering wie möglich zu halten.
 
Da jeder Patient andere Symptome haben kann, ist auch die Behandlung sehr individuell. Allen gleich ist aber, dass die schubauslösenden Faktoren beseitigt werden sollen. Betroffene werden medikamentös mithilfe eines Stufenschemas behandelt und richtet sich nach Stärke der Beschwerden, aktuellen Krankheitsaktivität und Organbeteiligung.
 
Hierbei werden Medikamente wie Antirheumatika gegen Gelenkschmerzen, Kortison in Form von Salben und Cremen oder Immunsuppressiva, Zytostatika und Antimalariamitteln um den Krankheitsverlauf zu regulieren, eingesetzt. Auch Biologika sind bei der Bekämpfung der Beschwerden zugelassen. Das sind Arzneimittel, die in lebenden Zellen gentechnisch hergestellt werden.
 
Neben der Gabe von Medikamenten können noch andere Behandlungsmethoden wie TCM, Akupunktur, physikalische Therapien wie Kälteanwendungen oder Atemtherapie sowie das Meiden von Sonnenlicht helfen.

Was kann ich selbst tun?

Um die Folgen einer Lupus-Erkrankung zu mildern, solltest Du alle Faktoren, die zu einer Gefäßverkalkung führen, meiden. Auch solltest Du Dich viel bewegen, auf Dein Gewicht, Blutdruck und Blutfette und eine gesunde Ernährung achten. Dabei solltest Du auf industriell verarbeitete Produkte wie Zucker, Drogen, Alkohol und Nikotin völlig verzichten.
 
Um Deine Schmerzen zu lindern, haben sich Massagen bewährt, die den Stoffwechsel anregen, Stress reduzieren und Entzündungen hemmen. Auch die Einnahme von Olivenöl, Leinöl und Traubenkernextrakt soll entzündungshemmend wirken. Apfelessig ist entgiftend und kann die Anteile an Salzsäure im Organismus reduzieren. Beschwerden infolge Arthritis und Gelenkschmerzen können durch Ingwer reduziert werden.
 
Wenn Du an die Sonne gehst, verwende Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor sowie Kopfbedeckungen und Schutzkleidung. Da der SLE auch auf Dein psychisches Befinden große Auswirkungen hat, empfiehlt es sich, eine möglichst positive Lebenseinstellung mithilfe von Entspannungstechniken, Psychotherapie oder Selbsthilfegruppe aufrecht zu erhalten.

Viele Betroffene begegnen vor allem aufgrund der sichtbaren Hautveränderungen immer wieder Vorurteilen und schlimmstenfalls soziale Ausgrenzung.

Welche Folgen hat SLE für den Betroffenen?

Viele Betroffene begegnen vor allem aufgrund der sichtbaren Hautveränderungen immer wieder Vorurteilen und schlimmstenfalls soziale Ausgrenzung. Deshalb sei an dieser Stelle gesagt, dass ein systemischer Lupus erythematodes nicht ansteckend ist.
 
Viele Patienten sind häufig müde, leiden unter Hautveränderungen oder Infekten und sind von einer regelmäßigen Blutwäsche abhängig, wodurch ihr gesamter Alltag beeinflusst wird. Sie müssen auf eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung achten und einen gesunden Lebensstil führen. Auch brauchen einige psychotherapeutische Betreuung, da sie sehr unter der Krankheit leiden.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten für notwendige Untersuchungen und notwendige Medikamenten werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Im Falle eines Krankenhausaufenthalts kann es zu geringfügigen Kosten kommen. Die Informationen dazu entnimmst Du den Websites der Krankenhäuser. Für eventuelle alternative Behandlungsmethoden können Selbstbehalte anfallen.


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Der systemische Lupus erythematodes ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung und zählt zu den rheumatischen Bindegewebserkrankungen.


Die Krankheit verläuft chronisch fortschreitend in unregelmäßigen Schüben und zeigt sich sehr individuell in ihrer Symptomatik. Neben dem Bindegewebe können auch sämtliche Organe befallen werden.


Etwa 80 Prozent der Erkrankten sind Frauen im gebärfähigen Alter.


Zum jetzigen Zeitpunkt ist SLE nicht heilbar, die Beschwerden können aber mithilfe von Medikamenten gemildert werden.

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