Fast jeder Mensch kennt den blauen Fleck, der nach einem Sturz, einem Stoß gegen die Tischkante oder einem Schlag auf der Haut erscheint. Medizinisch wird eine solche Einblutung als Bluterguss oder Hämatom bezeichnet. Sie entsteht, wenn Blutgefäße verletzt werden und Blut in das umliegende Gewebe austritt. In den meisten Fällen ist ein Hämatom harmlos und bildet sich innerhalb einiger Wochen von selbst zurück. Trotzdem lohnt es sich zu verstehen, wie ein Bluterguss entsteht, warum er seine Farbe verändert und was Du unmittelbar nach einer Verletzung tun kannst. Ebenso wichtig ist es zu erkennen, wann ein Hämatom ein Warnzeichen sein kann, etwa nach einer Kopfverletzung, bei Beschwerden am Auge oder wenn häufig blaue Flecken ohne erkennbaren Anlass auftreten.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Bluterguss, auch Hämatom genannt, entsteht, wenn Blut aus verletzten Gefäßen in das umliegende Gewebe austritt. Häufig sind Stöße, Stürze, Prellungen oder Quetschungen die Ursache. Die Farbe eines Blutergusses kann sich während der Heilung von rötlich oder violett über grünliche bis hin zu gelblichen oder bräunlichen Tönen verändern. Anhand der Farbe lässt sich das genaue Alter eines Hämatoms jedoch nicht zuverlässig bestimmen.
Frühzeitiges Kühlen, Hochlagern und bei geeigneten Verletzungen eine vorsichtige Kompression können vor allem Schmerzen und Schwellung verringern. Ein Mittel, das einen bestehenden Bluterguss zuverlässig besonders schnell verschwinden lässt, gibt es nicht. Nach einer Kopfverletzung mit neurologischen Beschwerden, bei Verletzungen am Auge, sehr großen oder stark schmerzenden Hämatomen sowie bei häufigen blauen Flecken ohne erkennbaren Anlass solltest Du ärztlichen Rat einholen.
Was ist ein Bluterguss?
Ein Bluterguss ist eine Einblutung ins Gewebe, die durch verletzte Blutgefäße entsteht. Wenn Du Dich stößt oder stürzt, können feine Blutgefäße unter der Haut verletzt werden. Das ausgetretene Blut sammelt sich daraufhin im umliegenden Gewebe und kann durch die Haut als blauer, violetter oder andersfarbiger Fleck sichtbar werden.
Solange die Haut selbst nicht verletzt ist, bleibt das Blut im Gewebe und wird nach und nach vom Körper abgebaut und aufgenommen. Von einer offenen Wunde unterscheidet sich ein Bluterguss dadurch, dass keine Verletzung der Hautoberfläche bestehen muss und deshalb auch keine klassische Wundversorgung notwendig ist.
Wie stark ein Bluterguss ausfällt, hängt unter anderem davon ab, welche Gefäße verletzt wurden, wie stark die Verletzung war und in welchem Gewebe sich das Blut verteilt. In lockerem Gewebe, etwa rund um die Augen, kann sich Blut leichter ausbreiten, weshalb dort bereits eine vergleichsweise kleine Verletzung zu einer deutlichen Verfärbung führen kann.
Wie entsteht ein Bluterguss?
Der häufigste Auslöser für ein Hämatom ist eine stumpfe Gewalteinwirkung. Ein Stoß, eine Prellung, eine Quetschung oder ein Sturz kann Blutgefäße unter der Haut oder in tieferen Gewebeschichten verletzen. Auch nach Operationen, Blutabnahmen oder Injektionen können kleinere Hämatome entstehen.
Manche Menschen bekommen schneller blaue Flecken als andere. Mit zunehmendem Alter werden Haut und stützendes Gewebe dünner und Blutgefäße verletzlicher. Dadurch können bereits kleinere Belastungen sichtbare Hämatome verursachen. Mehr dazu findest Du auch im Beitrag über dünne Haut.
Auch die Blutgerinnung beeinflusst die Hämatomneigung. Medikamente wie Antikoagulanzien oder bestimmte Hemmer der Blutplättchen können dazu führen, dass leichter oder länger Blut ins Gewebe austritt. Weitere mögliche Ursachen sind Erkrankungen der Blutplättchen oder Gerinnungsfaktoren, Lebererkrankungen und einige seltenere Mangelzustände. Eine gewöhnliche Blutarmut allein ist dagegen keine typische Ursache für häufige blaue Flecken.
Wenn Du häufig größere Hämatome ohne nachvollziehbaren Anlass bekommst oder zusätzlich beispielsweise Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder andere ungewöhnliche Blutungen auftreten, solltest Du die Ursache ärztlich abklären lassen.
Warum verändert ein Bluterguss seine Farbe?
Der Farbwechsel eines Blutergusses entsteht, während das ausgetretene Blut und insbesondere der Blutfarbstoff Hämoglobin im Gewebe abgebaut werden. Dabei können im Verlauf rötliche, violette, blaue, grünliche, gelbliche oder bräunliche Farbtöne sichtbar werden.
Die Farbe verändert sich allerdings nicht bei jedem Hämatom nach demselben Zeitplan. Größe und Tiefe des Blutergusses, Hautfarbe, Körperregion und individuelle Unterschiede beeinflussen das Erscheinungsbild. Deshalb lässt sich anhand der Farbe nicht zuverlässig bestimmen, wie viele Tage alt ein Bluterguss ist.
Während der Heilung bauen Zellen des Immunsystems die ausgetretenen Blutbestandteile nach und nach ab. Kleinere oberflächliche Blutergüsse verschwinden häufig innerhalb einiger Wochen. Größere oder tiefer gelegene Hämatome können deutlich länger sichtbar oder tastbar bleiben.
Auch die Verfärbung muss nicht genau an der ursprünglichen Verletzungsstelle bleiben. Besonders an Armen und Beinen kann sich Blut im Gewebe unter dem Einfluss der Schwerkraft etwas verlagern. Dadurch kann beispielsweise nach einer Verletzung weiter oben am Bein später eine Verfärbung in Richtung Knöchel auftreten.
Welche Arten von Blutergüssen gibt es?
Blutergüsse können in unterschiedlichen Gewebeschichten entstehen. Besonders häufig sind oberflächliche Einblutungen unter der Haut, die als typische blaue Flecken sichtbar werden.
Tiefer gelegene Hämatome können beispielsweise in einem Muskel auftreten, etwa nach einer stärkeren Prellung beim Sport. Sie müssen äußerlich nicht deutlich verfärbt sein und können sich eher durch Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Schwellung bemerkbar machen.
Eine besondere Form ist der Bluterguss unter einem Finger oder Zehennagel. Wenn Du Dir beispielsweise den Finger in einer Tür einklemmst, kann sich Blut unter der Nagelplatte ansammeln. Dieses sogenannte subunguale Hämatom erscheint dunkel und kann durch den entstehenden Druck stark schmerzen.
Auch am Kopf und im Gesicht können Hämatome entstehen. Ein Bluterguss im Gewebe rund um das Auge, umgangssprachlich ein blaues Auge, ist von Blutungen im Auge oder innerhalb des Schädels zu unterscheiden. Solche tiefer gelegenen Blutungen können ernst sein und müssen entsprechend der Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.
Was hilft, einen Bluterguss schneller loszuwerden?
Ein bestehender Bluterguss lässt sich nicht innerhalb kurzer Zeit auflösen. Direkt nach einer Prellung oder Quetschung können jedoch einige Maßnahmen helfen, Schmerzen und Schwellung zu verringern.
Kühlen und Hochlagern
Kühle den verletzten Bereich möglichst früh mit einem Kühlpack, das Du in ein dünnes Tuch wickelst. Eis sollte nicht direkt auf der Haut liegen, da sonst Kälteschäden entstehen können. Eine Kühlung für etwa 15 bis 20 Minuten kann mehrmals wiederholt werden. Vor allem Schmerzen und Schwellung können dadurch reduziert werden.
Wenn möglich, kannst Du den verletzten Körperteil außerdem hochlagern. Das kann ebenfalls helfen, die Schwellung zu begrenzen. Bei stärkerer Schwellung kann in geeigneten Fällen zusätzlich eine vorsichtige Kompression mit einem elastischen Verband sinnvoll sein. Der Verband darf dabei nicht so fest sitzen, dass Durchblutung oder Gefühl beeinträchtigt werden.
Wärme in den ersten Tagen vermeiden
In der frühen Phase nach einer Verletzung werden Wärme, kräftige Massagen und Alkohol häufig gemieden, weil sie die Durchblutung erhöhen und Schwellung beziehungsweise Blutung verstärken können. Später kann Wärme als angenehm empfunden werden. Dass sie den Abbau eines Hämatoms zuverlässig beschleunigt, ist jedoch nicht ausreichend belegt. Deshalb sollte sie nicht als notwendige Maßnahme zum schnelleren Verschwinden eines Blutergusses dargestellt werden.
Salben und Gele
In der Apotheke werden verschiedene Salben und Gele gegen Blutergüsse angeboten, beispielsweise mit Heparinoiden oder pflanzlichen Wirkstoffen wie Arnika. Die Studienlage ist allerdings uneinheitlich und bezieht sich teilweise auf künstlich erzeugte oder postoperative Blutergüsse. Ein zuverlässiger deutlicher Effekt auf die Heilungsdauer gewöhnlicher Hämatome ist nicht belegt.
In den meisten Fällen braucht ein Bluterguss deshalb vor allem Zeit. Sobald die akuten Schmerzen und die Schwellung nachlassen, kann die betroffene Region im Rahmen der Beschwerden wieder normal bewegt werden.
Was tun bei einem Bluterguss am Finger oder unter dem Nagel?
Eine Quetschung am Finger kann stark schmerzen. Direkt nach der Verletzung können Kühlen und Hochlagern helfen, Schmerzen und Schwellung zu verringern.
Sammelt sich Blut unter dem Nagel, entsteht ein dunkler Fleck. Kleine subunguale Hämatome müssen meist nicht behandelt werden und wachsen mit dem Nagel allmählich heraus.
Ist das Hämatom jedoch stark schmerzhaft und erzeugt deutlichen Druck unter einem ansonsten intakten Nagel, kann der Arzt eine kleine Öffnung in der Nagelplatte anlegen, damit das Blut abfließt. Dieses Verfahren wird als Nageltrepanation bezeichnet und kann den Druck rasch lindern.
Du solltest den Nagel nicht selbst aufbohren oder aufstechen. Bei einer stärkeren Quetschung können zusätzlich Verletzungen des Nagelbetts oder ein Knochenbruch vorliegen. Bleibt der Finger stark geschwollen, ist deutlich verformt oder lässt er sich kaum bewegen, sollte er deshalb ärztlich untersucht werden.
Wann ist ein Bluterguss gefährlich?
Die meisten Hämatome sind harmlos. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Bluterguss auf eine stärkere Verletzung oder eine Blutung hinweisen kann, die ärztlich abgeklärt werden sollte.
Bluterguss nach einer Kopfverletzung
Nach einem stärkeren Sturz oder Schlag gegen den Kopf kann neben einem äußeren Hämatom auch eine Verletzung innerhalb des Schädels vorliegen. Warnzeichen sind unter anderem zunehmende oder starke Kopfschmerzen, wiederholtes Erbrechen, zunehmende Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Seh- oder Sprachstörungen, Schwäche oder Taubheitsgefühle sowie Probleme beim Gehen oder Gleichgewicht. Solche Beschwerden können auch verzögert auftreten und erfordern eine rasche medizinische Abklärung.
Besondere Vorsicht ist nach einer Kopfverletzung auch geboten, wenn Du Medikamente einnimmst, die die Blutgerinnung beeinflussen.
Bluterguss am Auge
Ein blaues Auge betrifft häufig nur das Gewebe rund um das Auge und ist nach einer leichten Verletzung meist harmlos. Bei Sehstörungen, Doppelbildern, starken Schmerzen im Auge oder anderen Auffälligkeiten nach einer Augenverletzung solltest Du jedoch zeitnah ärztlichen Rat einholen.
Große oder stark schmerzende Hämatome
Sehr große Blutergüsse, starke Schmerzen, eine ausgeprägte Schwellung oder eine deutliche Bewegungseinschränkung können auf eine stärkere Verletzung hinweisen. Möglich sind beispielsweise Verletzungen von Muskeln, Bändern oder Knochen. Ein Hämatom am Bauch oder Brustkorb nach einem stärkeren Unfall sollte ebenfalls ärztlich beurteilt werden, wenn Schmerzen, Kreislaufprobleme, Atembeschwerden oder andere auffällige Symptome hinzukommen.
Häufige Blutergüsse ohne erkennbare Ursache
Treten immer wieder größere blaue Flecken ohne nachvollziehbaren Anlass auf, sollte die Ursache abgeklärt werden. Das gilt besonders, wenn zusätzlich häufiges Nasenbluten, Zahnfleischbluten, punktförmige Hautblutungen oder ungewöhnlich lang anhaltende Blutungen auftreten. Dahinter können unter anderem Medikamente, Störungen der Blutplättchen oder der Blutgerinnung sowie bestimmte andere Erkrankungen stecken.
Nicht jede bläuliche Veränderung am Bein ist ein Bluterguss. Sichtbar erweiterte kleine Gefäße wie Besenreiser haben beispielsweise eine andere Ursache und verschwinden nicht wie ein gewöhnliches Hämatom innerhalb einiger Wochen.
Was ist ein organisiertes Hämatom?
Normalerweise baut der Körper das ausgetretene Blut eines Hämatoms nach und nach ab. Größere oder tiefer gelegene Hämatome können jedoch länger bestehen bleiben. Dabei können sich Blutbestandteile verändern und es kann sich Bindegewebe bilden. Umgangssprachlich wird dann teilweise von einem organisierten oder verkapselten Hämatom gesprochen.
Eine länger bestehende Verhärtung oder ein Knubbel unter der Haut nach einer Verletzung muss allerdings nicht automatisch ein organisiertes Hämatom sein. Auch andere Ursachen können dahinterstecken. Eine Schwellung, die nach mehreren Wochen nicht kleiner wird, deutlich wächst oder Beschwerden verursacht, sollte deshalb ärztlich untersucht werden.
Zur Abklärung kann beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung eingesetzt werden. Je nach Lage und Befund können auch andere bildgebende Verfahren sinnvoll sein. In vielen Fällen genügt es, den Verlauf zu beobachten. Eine Punktion oder operative Entfernung ist nur bei bestimmten Befunden notwendig.
Eine seltene Sonderform ist das chronisch expandierende Hämatom. Dabei bleibt eine Blutansammlung länger als einen Monat bestehen und nimmt im Verlauf sogar an Größe zu. Da ein solcher Befund anderen Weichteilveränderungen ähneln kann, ist eine genaue ärztliche Diagnostik erforderlich.
Wie kann man Blutergüssen vorbeugen?
Ganz vermeiden lassen sich Blutergüsse nicht. Beim Sport, bei handwerklichen Tätigkeiten oder anderen Aktivitäten mit Verletzungsrisiko können geeignete Schutzkleidung und Schutzausrüstung gefährdete Körperstellen schützen. Im Alltag helfen außerdem eine gute Beleuchtung und möglichst freie Laufwege, Stöße und Stürze zu vermeiden.
Gerade im höheren Alter treten blaue Flecken leichter auf, weil Haut und Blutgefäße empfindlicher werden. Eine spezielle Ernährung oder Hautpflege kann diese altersbedingte Hämatomneigung jedoch nicht zuverlässig verhindern. Eine ausgewogene Ernährung ist allgemein sinnvoll, zusätzliche Vitamine sollten aber nicht ohne nachgewiesenen Mangel zur Vorbeugung von Blutergüssen eingenommen werden.
Wenn Du Medikamente einnimmst, die die Blutgerinnung beeinflussen, können Hämatome leichter entstehen. Besprich auffällig häufige oder große Blutergüsse mit Deinem Arzt. Solche Medikamente solltest Du keinesfalls eigenmächtig absetzen oder in der Dosierung verändern.
Wann sollte man mit einem Bluterguss zum Arzt?
Ein gewöhnlicher kleiner Bluterguss benötigt meist keine ärztliche Behandlung. Eine Untersuchung ist jedoch sinnvoll, wenn ein Hämatom sehr groß ist, starke oder zunehmende Schmerzen verursacht, deutlich anschwillt oder die Beweglichkeit erheblich einschränkt.
Nach einer Kopfverletzung solltest Du besonders auf Beschwerden wie zunehmende Kopfschmerzen, wiederholtes Erbrechen, Benommenheit, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle sowie Seh-, Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen achten. Bei solchen Warnzeichen ist eine rasche medizinische Abklärung notwendig.
Auch Verletzungen rund um das Auge sollten ärztlich beurteilt werden, wenn Sehstörungen, Doppelbilder oder starke Augenschmerzen auftreten.
Wiederkehrende größere Blutergüsse ohne erkennbaren Anlass sollten ebenfalls untersucht werden, insbesondere wenn weitere Blutungszeichen wie Nasenbluten, Zahnfleischbluten oder punktförmige Hautblutungen hinzukommen.
Erster Ansprechpartner ist häufig der Hausarzt. Nach stärkeren Verletzungen können je nach Befund Unfallchirurgie oder Orthopädie zuständig sein. Über MOOCI findest Du passende Ärzte und Praxen in Deiner Nähe.
Quellen
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