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Glass Skin: Was der K-Beauty-Trend mit der Hautbarriere macht
Skincare

Glass Skin: Was der K-Beauty-Trend mit der Hautbarriere macht

25.10.2026 22 Min. Lesezeit

Zwei Studien vom EADV-Kongress 2026 zeigen, wie Glass-Skin-Routinen aus sozialen Medien die Hautbarriere überfordern können.

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Glass Skin beschreibt eine glatte, ebenmäßige Haut mit einem feuchten Glanz, der an poliertes Glas erinnert. Der Trend stammt aus der koreanischen Kosmetikkultur und wurde durch soziale Medien weltweit bekannt. Häufig wird das gewünschte Hautbild mit aufwendigen Routinen aus mehreren Reinigungsschritten, Peelings, Seren, Cremes und Masken verbunden.

Zwei Studien, die 2026 auf dem Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) in Wien vorgestellt wurden, untersuchten die Qualität solcher Pflegeempfehlungen und mögliche Hautprobleme. Die Ergebnisse zeigen, dass in sozialen Medien häufig Sicherheitshinweise fehlen und manche Menschen mehrere reizende Wirkstoffe gleichzeitig verwenden. Doch was bedeutet Glass Skin genau, welche Risiken bestehen für die Hautbarriere und welche Pflege ist tatsächlich sinnvoll?

Das Wichtigste in Kürze

Glass Skin beschreibt besonders glatte, ebenmäßige und gut durchfeuchtete Haut. Es ist ein Schönheitsideal und kein eigener Hauttyp.

Eine Studie vom EADV-Kongress 2026 untersuchte 38 beliebte Videos zu koreanischer Hautpflege. Rund 95 Prozent enthielten mindestens eine potenziell irreführende Aussage.

Eine weitere Studie untersuchte 94 Menschen mit Hautproblemen nach der Anwendung von Pflegeprodukten aus sozialen Medien. Rund 63 Prozent verwendeten mehr als drei Wirkstoffe gleichzeitig.

Hautärzte und Hautärztinnen empfehlen eine einfache Routine mit milder Reinigung, Feuchtigkeitspflege und täglichem Sonnenschutz. Zusätzliche Wirkstoffe sollten langsam und einzeln eingeführt werden.

Was bedeutet Glass Skin?

Glass Skin beschreibt ein kosmetisches Hautbild mit einer feinen Struktur, wenig sichtbaren Poren, einem gleichmäßigen Hautton und hoher Feuchtigkeit. Die Haut reflektiert dadurch das Licht und wirkt besonders glatt und glänzend. Ob dieser Effekt erreicht werden kann, hängt unter anderem von der genetischen Veranlagung, der Porengröße, der Talgproduktion und dem Alter ab. Hautpflege kann das Erscheinungsbild verbessern, aber Poren nicht vollständig verschwinden lassen.

Woher kommt der Begriff Glass Skin?

Der Begriff stammt aus Südkorea, wo gleichmäßige und gut durchfeuchtete Haut schon lange als Schönheitsideal gilt. Durch koreanische Musik, Serien und Kosmetikmarken verbreitete sich der Trend in den 2010er-Jahren auch international. Besonders auf TikTok und anderen sozialen Medien gewann Glass Skin zunehmend an Bekanntheit. Seit Ende 2025 stieg das Interesse an diesem Hautbild weiter an.

Welche Schritte gehören zu einer Glass-Skin-Routine?

Glass Skin wird häufig mit einer Hautpflegeroutine aus sechs bis zehn Schritten verbunden. Dazu gehören die doppelte Reinigung mit einem Reinigungsöl und einem wasserbasierten Reiniger sowie ein chemisches Peeling mit Alpha-Hydroxysäuren (AHA) oder Beta-Hydroxysäuren (BHA). Diese Säuren lösen abgestorbene Hautzellen und können das Hautbild glätten.

Anschließend werden häufig Toner, Essenzen und mehrere Seren mit Wirkstoffen wie Vitamin C, Niacinamid oder Retinol aufgetragen. Toner und Essenzen sind meist leichte, wasserbasierte Pflegeprodukte, während Seren bestimmte Inhaltsstoffe in konzentrierter Form enthalten. Ergänzt wird die Routine durch Feuchtigkeitscreme, gelegentlich Gesichtsöl oder Tuchmasken und tagsüber Sonnenschutz. Viele Videos empfehlen diese Schritte täglich, ohne ausreichend auf unterschiedliche Hauttypen oder bestehende Hauterkrankungen einzugehen.

Was unterscheidet Glass Skin von gesunder Haut?

Gesunde Haut muss weder porenlos noch spiegelglatt aussehen. Sichtbare Poren, eine natürliche Hautstruktur und unterschiedlich starker Glanz sind vollkommen normal. Das Glass-Skin-Ideal wird in sozialen Medien häufig zusätzlich durch Beleuchtung, Filter und Make-up verstärkt. Wer versucht, dieses Aussehen durch immer mehr Pflegeprodukte zu erreichen, riskiert Hautreizungen, Rötungen und Schuppungen.

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Was zeigen die Studien vom EADV-Kongress 2026?

Der Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology fand vom 30. September bis 3. Oktober 2026 in Wien statt. Dort wurden zwei Arbeiten vorgestellt, die sich mit Hautpflegetrends aus sozialen Medien beschäftigten. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 30. September 2026 über die Ergebnisse. Bisher handelt es sich um Kongressbeiträge mit wissenschaftlichen Kurzfassungen, sogenannten Abstracts, und nicht um vollständig begutachtete Studienpublikationen.

Was ergab die Analyse von 38 Videos?

Ein Forschungsteam um die brasilianische Dermatologin Maria Lúcia Paysano untersuchte im Mai 2026 besonders erfolgreiche TikTok-Videos zu fünf Suchbegriffen rund um koreanische Hautpflege und Glass Skin. Dafür verwendete das Team ein neu angelegtes Konto ohne bisherigen Suchverlauf, um den Einfluss personalisierter Empfehlungen zu verringern. Nach dem Ausschluss doppelter und nicht englischsprachiger Beiträge blieben 38 Videos übrig. Ihre Qualität wurde mit der Global Quality Scale und einem angepassten DISCERN-Fragebogen bewertet, zwei Verfahren zur Einschätzung der Qualität von Gesundheitsinformationen.

Laut einer Pressemitteilung der EADV vom 30. September 2026 enthielten rund 95 Prozent der Videos mindestens eine potenziell irreführende Aussage. Rund 84 Prozent berücksichtigten unterschiedliche Hauttypen nicht, etwa 45 Prozent empfahlen mehrere Wirkstoffe ohne ausreichende Sicherheitshinweise und rund 32 Prozent versprachen sofortige Ergebnisse.

Nur ein Video erwähnte mögliche Hautreizungen und lediglich zwei Videos gingen auf Sonnenschutz ein. Keines wies auf das Risiko eines Kontaktekzems hin, also einer entzündlichen Hautreaktion durch den Kontakt mit reizenden oder allergieauslösenden Stoffen. Auch der Besuch bei einem Hautarzt oder einer Hautärztin wurde nicht empfohlen.

Rund 82 Prozent der Videos stammten von Influencern und Influencerinnen ohne medizinische Ausbildung. Die übrigen Beiträge kamen von Kosmetikmarken oder anderen Beauty-Kanälen. Keines der untersuchten Videos wurde von einem Hautarzt oder einer Hautärztin veröffentlicht oder verwies auf eine externe wissenschaftliche Quelle.

Was ergab die Beobachtungsstudie mit 94 Betroffenen?

Eine zweite Studie unter der Leitung der Dermatologin Ouissal Hormi untersuchte 94 Patienten und Patientinnen, die nach der Anwendung von Hautpflegeprodukten aus sozialen Medien neue oder verschlechterte Hautprobleme entwickelt hatten. Am häufigsten wurden Peelings mit Alpha- oder Beta-Hydroxysäuren verwendet, die in rund 34 Prozent der Fälle vorkamen. Danach folgten frei verkäufliche Retinoide mit 27 Prozent, Vitamin-C-Seren mit 14 Prozent und Niacinamid-Produkte mit elf Prozent.

Retinoide sind Vitamin-A-Abkömmlinge, die unter anderem die Erneuerung der Hautzellen beeinflussen. Niacinamid ist eine Form von Vitamin B3, die häufig zur Hautpflege eingesetzt wird. Knapp die Hälfte der Betroffenen hatte eine vollständige Pflegeroutine aus sozialen Medien übernommen. Rund 63 Prozent verwendeten gleichzeitig mehr als drei Wirkstoffe.

Welche Hautprobleme traten auf?

Die häufigste Diagnose war mit rund 42 Prozent ein irritatives Kontaktekzem, also eine entzündliche Hautreaktion durch reizende Stoffe. Danach folgten neu aufgetretene oder deutlich verschlechterte Akne mit rund 28 Prozent sowie Rosazea-Schübe oder rosazeaähnliche Hautentzündungen mit rund zwölf Prozent. Rosazea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die häufig mit Rötungen und entzündlichen Hautveränderungen im Gesicht einhergeht.

Bei rund elf Prozent trat eine postinflammatorische Hyperpigmentierung auf. Dabei entstehen nach einer Hautentzündung dunklere Hautstellen durch eine verstärkte Bildung oder Ablagerung von Hautpigmenten. Weitere sieben Prozent hatten oberflächliche chemische Verätzungen.

Die Studienleiterin betonte, dass vor allem die Art der Anwendung auffällig war. Viele Betroffene hatten mehrere Wirkstoffe gleichzeitig verwendet und sich dabei an Empfehlungen von Personen ohne medizinische Ausbildung orientiert. Ob einzelne Produkte oder deren Kombination die Beschwerden tatsächlich verursacht haben, lässt sich aus der Studie jedoch nicht sicher nachweisen.

Wie aussagekräftig sind die Studienergebnisse?

Beide Studien haben Einschränkungen. Die Videoanalyse untersuchte lediglich 38 englischsprachige Beiträge, die zu einem bestimmten Zeitpunkt über ein neu angelegtes Konto ausgewählt wurden. Der Plattformbetreiber kritisierte die geringe Anzahl der untersuchten Videos öffentlich.

Die Beobachtungsstudie umfasste ausschließlich Menschen, die wegen Hautbeschwerden medizinische Hilfe suchten. Eine Kontrollgruppe zum Vergleich fehlte und Angaben zur weiteren Entwicklung der Beschwerden liegen nicht vor. Deshalb lässt sich nicht feststellen, wie häufig Glass-Skin-Routinen insgesamt Hautprobleme auslösen oder wie viele Menschen sie problemlos vertragen.

Bisher liegen zu beiden Arbeiten nur Kongressabstracts und keine vollständig begutachteten Veröffentlichungen vor. Die Ergebnisse sollten daher vorsichtig interpretiert werden und erlauben keine allgemeinen Aussagen über die Sicherheit koreanischer Kosmetik. Dass die gleichzeitige Anwendung mehrerer reizender Wirkstoffe die Hautbarriere belasten kann, ist allerdings bereits aus früheren dermatologischen Untersuchungen bekannt.

Warum können Säuren, Retinoide und Vitamin C die Hautbarriere belasten?

Die Hautbarriere befindet sich in der Hornschicht, der obersten Schicht der Haut. Sie besteht aus abgeflachten Hautzellen und einer schützenden Fettschicht mit Ceramiden, Cholesterin und Fettsäuren. Diese Struktur verhindert übermäßigen Wasserverlust und schützt die Haut vor Reizstoffen, Allergenen und Krankheitserregern. Ein Hinweis auf ihren Zustand ist der transepidermale Wasserverlust, also die Wassermenge, die über die Haut verdunstet. Ein erhöhter Wert kann auf eine geschwächte Hautbarriere hinweisen.

Was passiert bei Peelings mit Fruchtsäuren?

Alpha-Hydroxysäuren (AHA) wie Glykol- und Milchsäure lösen Verbindungen zwischen abgestorbenen Hautzellen und fördern deren Ablösung. Beta-Hydroxysäuren (BHA) wie Salicylsäure sind fettlöslich und können auch in talgreichen Poren wirken. Bei zu häufiger Anwendung oder hohen Konzentrationen können diese Wirkstoffe die Hautbarriere beeinträchtigen.

Der EU-Wissenschaftsausschuss für Kosmetikprodukte stellte bereits 2004 fest, dass Säurepeelings die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung machen können. Er empfahl deshalb entsprechende Hinweise zum Sonnenschutz und zur Vermeidung von Augenkontakt. Bei geeigneten Konzentrationen und einem angepassten pH-Wert, der den Säuregrad eines Produkts beschreibt, blieb der Wasserverlust in den untersuchten Anwendungen begrenzt. Wie stark ein Peeling reizt, hängt von seiner Konzentration, dem pH-Wert, der Anwendungshäufigkeit und dem Hautzustand ab.

Was passiert bei Retinoiden?

Retinol und seine Ester gehören zu den Retinoiden, einer Gruppe von Vitamin-A-Abkömmlingen. Sie werden in der Haut über mehrere Schritte in wirksame Verbindungen wie Retinsäure umgewandelt und beeinflussen die Erneuerung der Hautzellen. Besonders zu Beginn können Rötungen, Schuppungen, Brennen und Juckreiz auftreten. Diese Reaktion wird als Retinoid-Dermatitis bezeichnet.

Eine Übersichtsarbeit von Narsa und Kollegen aus dem Jahr 2024 beschreibt verschiedene Ursachen dieser Reizungen. Dazu gehören entzündliche Reaktionen, Veränderungen der Hornschicht und eine vorübergehend beeinträchtigte Hautbarriere. Die Beschwerden hängen unter anderem von der Wirkstoffkonzentration und der Formulierung ab. Deshalb wird häufig eine schrittweise Eingewöhnung empfohlen.

Warum kann die Kombination mehrerer Wirkstoffe problematisch sein?

Säuren, Retinoide und Vitamin C wirken auf unterschiedliche Weise. Säuren fördern die Ablösung abgestorbener Hautzellen, während Retinoide die Zellerneuerung beeinflussen. Reine Ascorbinsäure, eine Form von Vitamin C, wird häufig in Produkten mit niedrigem pH-Wert eingesetzt und kann auf gereizter Haut brennen.

Werden mehrere dieser Wirkstoffe häufig oder direkt nacheinander aufgetragen, kann das Risiko für Hautreizungen steigen. Eine geschwächte Hautbarriere kann außerdem durchlässiger für bestimmte Stoffe werden, wodurch Beschwerden verstärkt werden können. In der EADV-Beobachtungsstudie 2026 verwendeten rund 63 Prozent der Betroffenen mehr als drei Wirkstoffe gleichzeitig. Niacinamid, eine meist gut verträgliche Form von Vitamin B3, gehörte ebenfalls zu den verwendeten Inhaltsstoffen. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass Niacinamid selbst die Beschwerden verursacht hat.

Woran erkennt man eine überpflegte Haut?

Eine gereizte Hautbarriere macht sich häufig erst nach mehreren Tagen oder Wochen bemerkbar. Erste Beschwerden werden manchmal fälschlicherweise als normale Reaktion auf wirksame Pflegeprodukte verstanden. Dabei können folgende Anzeichen auf eine Überreizung hinweisen:

  • Spannungsgefühl nach der Reinigung, das länger anhält
  • Brennen oder Stechen bei zuvor gut verträglichen Produkten
  • Rötungen an Wangen, Nase oder Stirn
  • Feine Schuppungen, besonders um Nase und Mund
  • Neue kleine Pickel oder entzündliche Hauterhebungen, sogenannte Papeln
  • Juckreiz oder ungewöhnliches Wärmegefühl
  • Fettiger Hautglanz bei gleichzeitigem Trockenheitsgefühl

Treten mehrere dieser Beschwerden auf, sollten reizende Wirkstoffe zunächst pausiert werden. Halten die Beschwerden länger als ein bis zwei Wochen an oder verschlimmern sie sich, ist eine dermatologische Abklärung sinnvoll. Bei Bläschen, Nässen oder Schwellungen sollte die Haut früher untersucht werden. Dahinter können beispielsweise ein Kontaktekzem, eine periorale Dermatitis mit Entzündungen rund um den Mund oder eine Rosazea stecken.

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Wer sollte bei Glass Skin besonders vorsichtig sein?

Nicht jede Haut verträgt dieselben Pflegeprodukte. Besonders Menschen mit empfindlicher Haut oder chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen können auf umfangreiche Glass-Skin-Routinen mit Reizungen reagieren. Das betrifft vor allem Personen mit Rosazea, Akne oder Neurodermitis.

Was gilt bei Rosazea?

Rosazea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die vor allem das Gesicht betrifft. Typisch sind Rötungen, sichtbare erweiterte Blutgefäße sowie entzündliche Papeln und Pusteln, also kleine Hauterhebungen und Eiterbläschen. Verschiedene Kosmetikprodukte können bestehende Beschwerden verstärken.

Die S2k-Leitlinie Rosazea der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft aus dem Jahr 2022 empfiehlt, starke Reibung sowie mechanische und chemische Peelings zu vermeiden. Auch Alkohol, ätherische Öle, Menthol und Kampfer können die Haut reizen. Besonders bei Produkten gegen unreine Haut mit Glykol- oder Salicylsäure ist Vorsicht geboten. Sehr fettreiche, stark abdeckende Pflegeprodukte können ebenfalls Beschwerden verstärken.

Empfohlen werden eine sanfte Reinigung mit lauwarmem Wasser und milden, seifenfreien Waschprodukten sowie eine gut verträgliche Feuchtigkeitspflege. Diese sollte zur individuellen Hautbeschaffenheit passen und möglichst wenig reizende Inhaltsstoffe enthalten. Hinzu kommt ein täglicher Breitspektrum-Sonnenschutz gegen UV-A- und UV-B-Strahlung. Zusätzliche Seren oder Toner sind möglich, sollten die Haut aber nicht überfordern. In der EADV-Beobachtungsstudie 2026 entfielen rund zwölf Prozent der Hautprobleme auf Rosazea-Schübe oder ähnliche Entzündungen.

Was gilt bei Akne?

Bei Akne können Salicylsäure, Retinoide und ergänzend Niacinamid sinnvoll sein. Werden jedoch mehrere Wirkstoffe unkontrolliert kombiniert, können Reizungen entstehen und bestehende Beschwerden zunehmen. Auch bestimmte stark fettende oder porenverstopfende Produkte können Akne verschlechtern, wobei nicht jedes Gesichtsöl oder jede reichhaltige Creme problematisch ist.

In der EADV-Beobachtungsstudie 2026 waren neu aufgetretene oder verschlechterte Aknebeschwerden mit rund 28 Prozent die zweithäufigste Diagnose. Bei akneanfälliger Haut sollte die Wirkstoffauswahl deshalb möglichst mit Hautärzten und Hautärztinnen abgestimmt werden. Das gilt besonders, wenn bereits verschreibungspflichtige Retinoide verwendet werden. Zusätzliche Retinolprodukte oder Säurepeelings können dann unnötige Reizungen verursachen.

Was gilt bei Neurodermitis?

Bei Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, ist die Hautbarriere häufig geschwächt. Teilweise hängt das mit Veränderungen im Filaggrin-Gen zusammen, das die Bildung eines wichtigen Proteins für die Hautbarriere beeinflusst. Nicht alle Betroffenen weisen solche genetischen Veränderungen auf. Häufig verliert die Haut mehr Feuchtigkeit und reagiert empfindlicher auf Säurepeelings oder Retinoide.

Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von van Zuuren und Kollegen aus dem Jahr 2017 untersuchte 77 randomisierte Studien mit 6.603 Teilnehmenden. Regelmäßige Feuchtigkeitspflege konnte die Zahl der Ekzemschübe und den Bedarf an kortisonhaltigen Cremes gegenüber keiner Basispflege verringern. Die Qualität vieler Studien war allerdings eingeschränkt und keine bestimmte Produktgruppe erwies sich als eindeutig überlegen.

Für Menschen mit Neurodermitis empfiehlt sich daher eine regelmäßige, reizarme Basispflege. Sie soll die Haut mit Feuchtigkeit versorgen und den Verlust von Wasser begrenzen. Umfangreiche Glass-Skin-Routinen mit häufigen Peelings und mehreren Wirkstoffen sind bei empfindlicher oder entzündeter Haut dagegen wenig geeignet.

Welche Hautpflege empfehlen Hautärzte und Hautärztinnen?

Eine gute Hautpflegeroutine muss nicht aus vielen Produkten bestehen. Wichtiger sind gut verträgliche Inhaltsstoffe, die zum Hauttyp passen und regelmäßig angewendet werden. Auch die American Academy of Dermatology erklärte im Oktober 2024, dass Feuchtigkeitspflege und täglicher Sonnenschutz sinnvoll sind. Der Glass-Skin-Look sei jedoch nicht für jede Haut realistisch und zu viele Produkte könnten Reizungen, verstopfte Poren und Unreinheiten verursachen.

Welche Schritte gehören zu einer einfachen Hautpflegeroutine?

Eine hautschonende Routine besteht aus drei grundlegenden Schritten. Diese lassen sich an die individuellen Bedürfnisse der Haut anpassen und bei Bedarf ergänzen:

Milde Reinigung

Das Gesicht wird mit lauwarmem Wasser und einem sanften, seifenfreien Reinigungsprodukt gereinigt. Bei trockener oder empfindlicher Haut kann morgens auch Wasser allein ausreichen.

Feuchtigkeitspflege

Leichte, wasserbasierte Produkte eignen sich häufig bei fettiger Haut oder Rosazea. Trockene Haut profitiert oft von reichhaltigeren Cremes mit Ceramiden, Glycerin oder gegebenenfalls Harnstoff, sofern dieser gut vertragen wird.

Täglicher Sonnenschutz

Ein Breitspektrum-Sonnenschutz mit mindestens Lichtschutzfaktor 30 schützt vor UV-A- und UV-B-Strahlung. Er sollte morgens als letzter Pflegeschritt aufgetragen werden.

Wie führt man neue Wirkstoffe richtig ein?

Neue Wirkstoffe sollten einzeln und schrittweise in die Hautpflegeroutine aufgenommen werden. Bei Retinol empfiehlt sich häufig eine niedrige Konzentration, die zunächst nur an wenigen Abenden pro Woche auf trockener Haut verwendet wird. Anschließend kann eine Feuchtigkeitscreme aufgetragen werden. Die Übersichtsarbeit von Narsa und Kollegen aus dem Jahr 2024 beschreibt zudem, dass verkapselte Wirkstoffe und pflegende Zusätze Hautreizungen verringern können.

Bei Säurepeelings kann zunächst eine Anwendung pro Woche oder seltener sinnvoll sein. Besonders empfindliche Haut sollte nicht gleichzeitig mit Retinoiden und Säuren behandelt werden. Vitamin C kann morgens unter dem Sonnenschutz verwendet werden, sofern die Haut das Produkt gut verträgt.

Während der Eingewöhnung sollten möglichst keine weiteren reizenden Wirkstoffe ergänzt werden. Bleibt die Haut über mehrere Wochen beschwerdefrei, kann bei Bedarf ein zweiter Wirkstoff an getrennten Tagen oder zu unterschiedlichen Tageszeiten eingeführt werden. Bei bestehenden Hauterkrankungen oder einer laufenden dermatologischen Behandlung sollten Hautärzte und Hautärztinnen die Anwendung abstimmen.

Wann sollte man Hautärzte und Hautärztinnen aufsuchen?

Eine dermatologische Untersuchung ist sinnvoll, wenn Rötungen, Schuppungen oder Pusteln trotz einer Pflegepause länger als zwei Wochen bestehen bleiben. Auch bei Bläschen, Nässen, Schwellungen, zunehmenden Beschwerden oder einer Verschlechterung von Rosazea, Akne oder Neurodermitis sollte die Haut untersucht werden. Dunkle Flecken nach einer Hautreizung können ebenfalls eine Abklärung erforderlich machen.

Hautärzte und Hautärztinnen können unterscheiden, ob beispielsweise ein irritatives oder allergisches Kontaktekzem vorliegt. Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie kann ein Epikutantest durchgeführt werden, bei dem mögliche Allergieauslöser mit Testpflastern auf die Haut aufgebracht werden. Falls notwendig, können entzündungshemmende Cremes verordnet werden. Bei bestehenden Hauterkrankungen ist eine ärztliche Beratung auch vor der Anwendung neuer Wirkstoffe sinnvoll.

Welche gesetzlichen Regeln gelten für Wirkstoffe in Kosmetik?

Kosmetikprodukte mit Säuren, Retinol oder Vitamin C dürfen in Europa grundsätzlich frei verkauft werden, sofern sie die jeweiligen gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Für bestimmte Inhaltsstoffe gelten Höchstkonzentrationen, Kennzeichnungspflichten und weitere Sicherheitsvorgaben. Anders als Arzneimittel benötigen Kosmetikprodukte keine behördliche Zulassung vor dem Verkauf. Dennoch können auch rechtmäßig angebotene Produkte bei ungeeigneter Kombination Hautreizungen verursachen.

Welche Regeln gelten in Deutschland?

In Deutschland gilt die EU-Kosmetikverordnung unmittelbar. Die Verordnung (EU) 2024/996 vom 3. April 2024 begrenzt Retinol, Retinylacetat und Retinylpalmitat auf 0,05 Prozent Retinoläquivalent in Körperlotionen und 0,3 Prozent in anderen Kosmetikprodukten, einschließlich Gesichtsseren und Cremes. Seit dem 1. November 2025 dürfen Produkte, die diese Vorgaben nicht erfüllen, nicht mehr neu auf den EU-Markt gebracht werden. Ab dem 1. Mai 2027 dürfen sie auch nicht mehr verkauft werden.

Zusätzlich ist der Warnhinweis „Enthält Vitamin A. Berücksichtigen Sie Ihre tägliche Aufnahme vor der Anwendung“ vorgeschrieben. Für Alpha-Hydroxysäuren bestehen im entsprechenden Anhang der EU-Kosmetikverordnung keine allgemeinen Höchstkonzentrationen. Der zuständige Wissenschaftsausschuss bewertete 2004 unter bestimmten Bedingungen bis zu vier Prozent Glykolsäure und 2,5 Prozent Milchsäure als vertretbar und empfahl Hinweise zum Sonnenschutz. Die Produktsicherheit muss von der verantwortlichen Person gewährleistet werden, während die zuständigen Landesbehörden den Markt überwachen.

Welche Regeln gelten in Österreich?

In Österreich gilt dieselbe EU-Kosmetikverordnung wie in Deutschland. Damit gelten auch die Retinolgrenzwerte von 0,05 Prozent für Körperlotionen und 0,3 Prozent für andere Kosmetikprodukte sowie die entsprechenden Übergangsfristen. Die amtliche Marktüberwachung erfolgt durch die zuständigen Landesbehörden, während die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und weitere Untersuchungsanstalten die Produkte analysieren und begutachten.

Kosmetikprodukte dürfen keine irreführenden Aussagen über ihre Eigenschaften oder medizinische Heilwirkungen enthalten. Werden gesetzliche Konzentrationsgrenzen überschritten, kann das Produkt gegen die Kosmetikvorschriften verstoßen. Es wird dadurch jedoch nicht automatisch zu einem verschreibungspflichtigen Arzneimittel. Die rechtliche Einstufung hängt unter anderem von der Zusammensetzung, Wirkungsweise und Zweckbestimmung ab.

Welche Regeln gelten in der Schweiz?

Die Schweiz ist kein Mitglied der Europäischen Union, orientiert sich bei kosmetischen Mitteln jedoch weitgehend an deren Vorschriften. Die Schweizer Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung verweist auf die geltenden EU-Regelungen zu verbotenen und eingeschränkt zugelassenen Stoffen. Nationale Ausnahmen sind in der Schweizer Verordnung über kosmetische Mittel geregelt.

Damit sind auch die EU-Beschränkungen für Retinol, Retinylacetat und Retinylpalmitat für die Schweizer Rechtslage relevant. Die konkreten Vorgaben und Übergangsfristen müssen anhand der geltenden Schweizer Bestimmungen berücksichtigt werden. Zuständig für die Marktüberwachung sind die kantonalen Vollzugsbehörden und Laboratorien, während das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) über die rechtlichen Anforderungen informiert.

Medizinisch eingesetzte Retinoide wie Tretinoin oder Adapalen sind von frei verkäuflichen kosmetischen Retinolprodukten zu unterscheiden. Sie unterliegen als Arzneimittel den entsprechenden Zulassungs- und Abgabebestimmungen. Ihre Anwendung richtet sich nach der jeweiligen medizinischen Indikation und den geltenden Verschreibungsvorschriften.

Häufige Fragen zu Glass Skin

Ist Glass Skin ein medizinischer Begriff?
Kann man Retinol und Fruchtsäure am selben Tag anwenden?
Wie lange braucht eine gereizte Hautbarriere zur Erholung?
Sind koreanische Kosmetikprodukte gefährlicher als europäische?
Welche Schritte einer Glass-Skin-Routine sind sinnvoll?

Quellen

Paysano, M. L. et al. (2026): Glass skin or barrier breakdown? Evaluating the quality and safety of viral Korean skincare routines on TikTok. Poster 2814, EADV Congress 2026, Wien, 30. September bis 3. Oktober 2026. Fachbericht in Dermatology Times

Hormi, O. et al. (2026): When skincare trends go wrong: Dermatologic complications of viral social media products. Poster 2330, EADV Congress 2026, Wien, 30. September bis 3. Oktober 2026. Fachbericht in EMJ Dermatology

European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) (2026): Almost 95% of viral Korean skincare and ‚glass skin‘ TikTok videos contain misleading claims, new study shows. Pressemitteilung vom 30. September 2026. Zur Pressemitteilung

Deutsches Ärzteblatt (2026): Studien zeigen Risiken populärer Social-Media-Hautpflegetrends auf. Meldung vom 30. September 2026. Zum Artikel

Healio Dermatology (2026): Most viral Korean ‚glass skin‘ videos on TikTok include misleading claims. Bericht vom 7. Oktober 2026. Zum Fachbericht

Reinholz, M., Clanner-Engelshofen, B. et al. (2022): S2k-Leitlinie Rosazea. AWMF-Registernummer 013-065, Deutsche Dermatologische Gesellschaft. Zur Leitlinie

Narsa, A. C., Suhandi, C., Afidika, J., Ghaliya, S., Elamin, K. M., Wathoni, N. (2024): A Comprehensive Review of the Strategies to Reduce Retinoid-Induced Skin Irritation in Topical Formulation. Dermatology Research and Practice, 2024, Artikel 5551774. Zur Publikation

van Zuuren, E. J., Fedorowicz, Z., Christensen, R., Lavrijsen, A., Arents, B. W. M. (2017): Emollients and moisturisers for eczema. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017, Issue 2, CD012119. Zur Übersichtsarbeit

Scientific Committee on Cosmetic Products and Non-Food Products intended for Consumers (SCCNFP) (2004): Updated position paper concerning consumer safety of alpha-hydroxy acids. SCCNFP/0799/04, Europäische Kommission. Zum Positionspapier

Europäische Kommission (2024): Verordnung (EU) 2024/996 vom 3. April 2024 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich Vitamin A, Alpha-Arbutin, Arbutin und bestimmter weiterer Stoffe in kosmetischen Mitteln. Zum Verordnungstext

American Academy of Dermatology (AAD) (2024): Social media skin care trends: Dermatologists reveal the facts. Pressemitteilung vom 29. Oktober 2024. Zur Pressemitteilung

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES): Kontrolle kosmetischer Mittel, Analytik und Begutachtung. Zu den Informationen der AGES

Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) (2026): Geregelte Stoffe in kosmetischen Mitteln. Informationen zu den Schweizer Rechtsgrundlagen und der Übernahme europäischer Stoffbeschränkungen. Zu den Informationen des BLV

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