Zum Hauptinhalt springen
Trendmagazin
Mein MOOCI
Spezialist:innen finden

Neueste Beiträge

Alle ansehen
Kategorien
Longevity Neu Plastische Chirurgie Dermatologie Zahnmedizin Ästhetische Dermatologie Alle Themen von A-Z
Über MOOCI Qualitätssicherung Für Ärzt:innen Einloggen
Spezialist:innen Mit MIA chatten
Haare klonen: Was hinter der Forschung und dem Follicle Banking steckt
Ästhetische Behandlungen

Haare klonen: Was hinter der Forschung und dem Follicle Banking steckt

05.10.2026 21 Min. Lesezeit
KI-generiertes Bild

Haare klonen gilt als Zukunft der Haarmedizin, ist aber noch nicht verfügbar und in der EU nicht zugelassen.

War dieser Beitrag hilfreich für Dich?

Für Menschen mit erblich bedingtem Haarausfall klingt die Idee verlockend: Statt die begrenzte Zahl vorhandener Haare lediglich vom Hinterkopf in kahle Bereiche zu verpflanzen, könnten im Labor aus wenigen Zellen neue Haarfollikel entstehen. Genau daran arbeiten Forschungsteams seit Jahren. Meldungen über Haarfollikel-Organoide, Stammzellen und im Labor erzeugte haarähnliche Strukturen lassen immer wieder den Eindruck entstehen, die Behandlung stehe unmittelbar vor dem Durchbruch.

Ganz so weit ist die Forschung noch nicht. Sie hat aber wichtige Fortschritte gemacht. Mittlerweile werden nicht mehr nur Mausmodelle untersucht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten mit menschlichen Haarfollikelzellen und menschlichen Stammzellmodellen, und eine frühe klinische Studie hat bereits vermehrte körpereigene Follikelzellen bei Menschen mit erblich bedingtem Haarausfall getestet. Was weiterhin fehlt, ist ein Verfahren, mit dem sich zuverlässig viele neue, vollständige Haarfollikel erzeugen lassen, die nach der Implantation dauerhaft Haare in der gewünschten Dichte, Richtung und Qualität bilden.

Parallel dazu wird sogenanntes Follicle Banking angeboten. Dabei lässt Du heute Haarfollikel entnehmen und einfrieren, damit ihre Zellen möglicherweise für zukünftige regenerative Verfahren zur Verfügung stehen. Ob solche eingelagerten Follikel eines Tages tatsächlich für eine zugelassene Therapie benötigt werden, kann derzeit allerdings niemand garantieren.

Auf einen Blick:

  • Verfügbarkeit: Haarklonen ist derzeit keine regulär verfügbare Behandlung
  • Forschungsziel: aus wenigen Zellen neue, dauerhaft funktionsfähige Haarfollikel erzeugen
  • Aktueller Stand: Zelltherapien wurden bereits am Menschen untersucht, echte Follikelneubildung ist aber noch experimentell
  • Forschungsschwerpunkte: unter anderem Japan, Südkorea, Europa und die USA
  • Follicle Banking: Haarfollikel können bei einzelnen Anbietern für mögliche spätere Anwendungen eingefroren werden
  • Zeitpunkt einer verfügbaren Therapie: derzeit nicht verlässlich vorhersehbar

Das Wichtigste in Kürze

„Haare klonen“ ist kein einzelnes Verfahren. Erforscht werden unter anderem die Vermehrung haarbildender Zellen, dreidimensionale Zellkulturen und sogenannte Organoide, aus denen künftig neue Haarfollikel entstehen sollen.

Die Forschung ist inzwischen über reine Mausmodelle hinaus. Es gibt Modelle mit menschlichen Haarfollikelzellen, Organoide aus menschlichen Zellen und erste klinische Untersuchungen mit vermehrten körpereigenen Follikelzellen. Eine Behandlung, die beim Menschen zuverlässig viele neue Haarfollikel erzeugt, existiert jedoch noch nicht.

Beim Follicle Banking werden eigene Haarfollikel entnommen und kryokonserviert. Damit sicherst Du Dir möglicherweise Ausgangsmaterial für zukünftige Zelltherapien, nicht aber einen Anspruch auf eine spätere Behandlung.

Wann echtes Haarklonen regulär verfügbar sein könnte, lässt sich derzeit nicht seriös vorhersagen. Entscheidend sind weitere Fortschritte bei Sicherheit, kontrolliertem Haarwachstum, Herstellung und klinischer Wirksamkeit.

Was bedeutet es eigentlich, Haare zu klonen?

Der Begriff „Haare klonen“ ist eingängig, wissenschaftlich aber ungenau. Es wird weder ein einzelnes Haar kopiert noch ein genetischer Klon erzeugt. Das eigentliche Ziel der Forschung besteht darin, Zellen mit haarbildenden Eigenschaften zu vermehren und daraus neue funktionsfähige Haarfollikel entstehen zu lassen. Fachlich spricht man unter anderem von Haarfollikel-Regeneration oder Haarfollikel-Neogenese, also der Neubildung eines Follikels.

Ein Haarfollikel ist ein kleines, komplex aufgebautes Organ in der Haut, aus dem das Haar wächst. Eine entscheidende Rolle spielt die dermale Papille am unteren Ende des Follikels. Ihre spezialisierten Bindegewebszellen senden Signale an benachbarte Zellen und steuern dadurch Wachstum und Zyklus des Haares. Diese Fähigkeit wird als Haarinduktivität oder trichogene Aktivität bezeichnet.

Die Idee hinter vielen Ansätzen ist deshalb, solche steuernden Zellen aus wenigen entnommenen Follikeln zu gewinnen, im Labor zu vermehren und anschließend wieder in die Kopfhaut einzubringen. Dort sollen sie bestehende geschwächte Follikel unterstützen oder gemeinsam mit anderen Zelltypen neue Follikel entstehen lassen. Andere Forschungsansätze gehen noch weiter und versuchen, komplette Mini-Haarfollikel im Labor aufzubauen und anschließend zu transplantieren.

Gelingt das eines Tages zuverlässig, könnte damit eine zentrale Grenze der klassischen Haartransplantation überwunden werden. Bei einer Haartransplantation werden bestehende Follikel lediglich umverteilt. Wie viele Haare verpflanzt werden können, hängt deshalb von der Qualität und Größe des Spenderbereichs ab. Eine echte Follikelneubildung könnte theoretisch deutlich mehr Ausgangsmaterial schaffen.

Wie soll das Haarklonen im Labor funktionieren?

Einen einzigen Weg zum geklonten Haar gibt es bislang nicht. Mehrere Forschungsstrategien werden parallel verfolgt. Ein Ansatz beginnt mit der Entnahme weniger Haarfollikel. Daraus werden beispielsweise Zellen der dermalen Papille oder der umgebenden dermalen Scheide isoliert und im Labor vermehrt. Anschließend könnten diese Zellen wieder in die Kopfhaut injiziert werden, um vorhandene Follikel zu beeinflussen oder gemeinsam mit anderen Zellen neues Haarwachstum anzustoßen.

Eine zweite Strategie versucht, aus verschiedenen Zelltypen komplette neue Haarfollikel aufzubauen. Dafür müssen Zellen aus dem epithelialen Anteil des Follikels und Zellen aus seinem Bindegewebe räumlich so zusammengebracht werden, dass sie miteinander kommunizieren können. In dreidimensionalen Kulturen können daraus follikelähnliche Strukturen beziehungsweise Organoide entstehen. Auch menschliche induzierte pluripotente Stammzellen, kurz iPS-Zellen, werden inzwischen als mögliche Ausgangsbasis untersucht. Dabei handelt es sich um Körperzellen, die im Labor in einen stammzellähnlichen Zustand zurückversetzt wurden.

Warum ist das so schwierig?

Eine der größten Herausforderungen sind die Zellen der dermalen Papille. Werden menschliche Papillenzellen über längere Zeit in einer herkömmlichen zweidimensionalen Zellkultur vermehrt, verlieren sie zunehmend ihre Fähigkeit, die Entstehung eines Haarfollikels anzustoßen. Dreidimensionale Zellverbände, spezielle Biomaterialien und Organoidtechniken sollen helfen, diese Eigenschaften besser zu erhalten.

Doch selbst ein im Labor entstandener Follikel reicht noch nicht aus. Damit eine Behandlung kosmetisch überzeugt, müsste jeder neue Follikel korrekt in die Haut integriert werden, regelmäßig Wachstumszyklen durchlaufen und ein Haar mit passender Dicke, Farbe und Wuchsrichtung hervorbringen. Außerdem müsste sich die Zahl und Position der neuen Follikel exakt kontrollieren lassen. Diese Anforderungen gehören zu den Gründen, weshalb der Schritt von einem beeindruckenden Laborergebnis zu einer zuverlässigen Behandlung so schwierig ist.

Wo steht die Forschung in Japan und international heute?

Japan gehört zu den wichtigen Zentren der regenerativen Haarforschung. Bereits 2012 gelang einem Team um Takashi Tsuji die Regeneration funktionsfähiger Haarfollikel im Mausmodell. Die neu gebildeten Follikel produzierten Haare und durchliefen wiederkehrende Wachstumszyklen. Im Jahr 2022 zeigte eine Arbeitsgruppe der Yokohama National University, dass sich in einer dreidimensionalen Kultur follikelähnliche Organoide mit sichtbaren Haarschäften erzeugen lassen. Diese viel beachtete Arbeit beruhte allerdings auf Zellen von Mäusen.

Inzwischen ist die Forschung auch bei menschlichen Zellen deutlich weiter. 2024 wurde ein komplexes dreidimensionales Haarfollikelmodell aus menschlichen Zellen beschrieben. Die erzeugten Strukturen bildeten wichtige Bestandteile eines menschlichen Follikels nach und zeigten nach der Übertragung in Hautgewebe Anzeichen von Integration und Haaranlagen. Solche Modelle dienen derzeit vor allem der Forschung und sind noch keine transplantierbaren Ersatzfollikel für Patientinnen und Patienten.

Auch in Japan wurden die Ansätze weiterentwickelt. Eine 2026 veröffentlichte Arbeit der Yokohama National University beschreibt Haarfollikel-Organoide unter Einbeziehung von Vorläuferzellen, die aus menschlichen iPS-Zellen gewonnen wurden. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung patientenunabhängiger menschlicher Zellquellen. Gleichzeitig bleiben Fragen zur vollständigen Reifung, reproduzierbaren Herstellung und späteren Transplantation offen.

Zelltherapien wurden bereits am Menschen getestet

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen echten neu gezüchteten Haarfollikeln und Zelltherapien. Bereits in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie wurden 65 Frauen und Männer mit erblich bedingtem Haarausfall mit kultivierten körpereigenen Zellen aus der dermalen Follikelscheide behandelt. Bei einer der untersuchten Zelldosen nahmen Haardichte und Gesamtdurchmesser der Haare nach sechs und neun Monaten gegenüber Placebo zu. Der Effekt war allerdings vorübergehend und die Behandlung erzeugte keine beliebig vielen neuen Follikel.

Die Studie zeigt trotzdem, dass die regenerative Haarmedizin den Schritt zum Menschen bereits gemacht hat. Was weiterhin fehlt, ist das eigentliche Ziel des „Haarklonens“: eine reproduzierbare Methode, mit der aus wenigen Ausgangszellen zahlreiche vollständige Follikel entstehen, die nach der Implantation langfristig kosmetisch überzeugende Haare produzieren.

Haare klonen: Was hinter der Forschung und dem Follicle Banking stecktKI-generiertes Bild

Ab wann könnten geklonte Haare wirklich verfügbar sein?

Darauf gibt es derzeit keine seriöse Jahreszahl. Angaben wie „in fünf Jahren“ oder „spätestens in zehn Jahren“ sind Prognosen und keine wissenschaftlich belastbaren Termine. Trotz erheblicher Fortschritte beschreiben aktuelle Übersichtsarbeiten weiterhin zentrale Hürden bei Reifung, Skalierung und Standardisierung von Haarfollikel-Organoiden.

Bevor eine solche Behandlung regulär angeboten werden könnte, müssten mehrere Schritte erfolgreich abgeschlossen sein. Zunächst muss zuverlässig gezeigt werden, dass menschliche Follikel in ausreichender Zahl und reproduzierbarer Qualität hergestellt werden können. Danach müsste in klinischen Studien belegt werden, dass sie sicher in die Kopfhaut integriert werden, dort langfristig normale Wachstumszyklen durchlaufen und keine unerwünschten Gewebeveränderungen verursachen.

Hinzu kommt die Herstellung. Für eine kosmetisch relevante Behandlung wären nicht einige wenige, sondern möglicherweise Tausende kontrolliert erzeugte Follikel erforderlich. Sie müssten unter standardisierten Bedingungen hergestellt werden und nach der Implantation hinsichtlich Dichte, Wuchsrichtung und Haarqualität ein natürliches Ergebnis liefern. Erst wenn diese wissenschaftlichen und regulatorischen Hürden genommen sind, lässt sich sinnvoll über eine breite Verfügbarkeit und Kosten sprechen.

Für Dich heißt das: Auf eine unmittelbar bevorstehende Klon-Therapie solltest Du Deine heutige Behandlung nicht ausrichten. Die Technologie entwickelt sich weiter und hat in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht, aber ein belastbarer Termin für die Markteinführung existiert im Jahr 2026 nicht.

Was ist Follicle Banking und wie funktioniert es?

Während eine echte Haarfollikel-Vermehrung noch nicht als reguläre Behandlung verfügbar ist, kannst Du bei einzelnen Anbietern bereits Haarfollikel für eine mögliche spätere Nutzung einfrieren lassen. Dieses sogenannte Follicle Banking funktioniert ähnlich wie eine sehr kleine Haartransplantation: Unter örtlicher Betäubung werden meist rund 100 Haarfollikel aus einem geeigneten Spenderbereich entnommen. Anschließend werden sie in einer spezialisierten Einrichtung kryokonserviert, also bei sehr niedrigen Temperaturen langfristig gelagert.

Das Ziel besteht darin, Zellen aus den eingelagerten Follikeln später für regenerative Haartherapien verwenden zu können. Bei der Kryokonservierung werden Stoffwechselvorgänge weitgehend zum Stillstand gebracht, sodass lebensfähiges Zellmaterial möglichst langfristig erhalten werden kann. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass eingefrorene Follikel automatisch Jahrzehnte später für eine bestimmte Therapie geeignet sein werden.

Follicle Banking wird bislang nur von wenigen spezialisierten Anbietern angeboten. Die Kosten liegen je nach Land, Entnahmemethode und Anbieter bei mehreren Tausend Euro beziehungsweise Pfund. Ein britischer Anbieter verlangt derzeit beispielsweise rund 2.300 Pfund, wenn die Entnahme im Rahmen einer Haartransplantation erfolgt, und etwa 2.900 Pfund für eine eigenständige Entnahme. Hinzu kommen jährliche Lagergebühren von rund 150 Pfund. Solche Preise sind Anbieterangaben und keine einheitlichen Marktpreise.

Wichtig ist die Trennung zwischen Einlagerung und Behandlung: Mit dem Follicle Banking kaufst Du heute die Lagerung Deines Gewebes. Eine spätere Zelltherapie, ihre Zulassung, ihre Wirksamkeit und ihre zusätzlichen Kosten sind darin nicht enthalten.

Lohnt sich das Einfrieren der Haarfollikel schon heute?

Follicle Banking ist vor allem eine Option auf eine mögliche zukünftige Therapie. Wissenschaftlich ist die Idee nachvollziehbar, weil aus Haarfollikeln verschiedene Zellpopulationen gewonnen werden können, die für regenerative Verfahren interessant sind. Ob genau die heute eingelagerten Follikel für zukünftige Behandlungen benötigt werden, ist jedoch offen.

Künftige Verfahren könnten beispielsweise frische Haarfollikel verwenden, andere Zellquellen benötigen oder sogar vollständig auf im Labor erzeugte Stammzellmodelle setzen. Auch ist nicht bekannt, ob eine spätere Therapie mit eingefrorenem Ausgangsmaterial bessere Ergebnisse erzielen würde als eine Entnahme zum Zeitpunkt der Behandlung.

Bevor Du Dich für Follicle Banking entscheidest, solltest Du deshalb nicht nur auf den Preis schauen. Kläre unter anderem:

  • wo und unter welchen Qualitätsstandards Deine Follikel gelagert werden
  • wem das eingelagerte Gewebe rechtlich gehört
  • was bei einem Betreiberwechsel oder einer Insolvenz passiert
  • ob die Probe an eine andere Einrichtung übertragen werden kann
  • welche laufenden Lagerkosten entstehen
  • was tatsächlich passiert, wenn die erhoffte Therapie nie verfügbar wird

Follicle Banking ist damit weder sinnlos noch eine Garantie auf zukünftiges Haarwachstum. Wenn Du Dich dafür entscheidest, solltest Du es als spekulative Vorsorge verstehen und nicht als bereits begonnenen Teil einer nachweislich wirksamen Behandlung.

Haare klonen: Was hinter der Forschung und dem Follicle Banking stecktKI-generiertes Bild

Ist das Klonen von Haaren in der EU erlaubt?

Forschung an zellbasierten Haartherapien ist in der EU grundsätzlich möglich. Entscheidend ist jedoch, wie die Zellen verarbeitet und anschließend eingesetzt werden. Werden menschliche Zellen im Labor wesentlich bearbeitet, beispielsweise kultiviert und stark vermehrt, oder sollen sie im Körper eine andere wesentliche Funktion erfüllen, können sie als Arzneimittel für neuartige Therapien, sogenannte ATMP, eingestuft werden.

Für ATMP gelten strenge Anforderungen an Herstellung, Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit. Bevor ein solches Produkt regulär auf dem europäischen Markt angeboten werden darf, benötigt es grundsätzlich eine entsprechende Zulassung. Nicht zugelassene Zelltherapien können im Rahmen genehmigter klinischer Studien untersucht werden. Daneben gibt es eng begrenzte nationale Ausnahmeregelungen, etwa die sogenannte Hospital Exemption für individuell hergestellte ATMP.

Eine regulär zugelassene Behandlung, bei der Dir heute Haarfollikel geklont und anschließend neue Follikel implantiert werden, gibt es derzeit nicht. Deshalb solltest Du Angebote, die bereits jetzt mit einer fertigen „Haarklon-Therapie“ werben, besonders kritisch prüfen.

Wie ist Follicle Banking rechtlich einzuordnen?

Die reine Kryokonservierung ist von einer späteren Zelltherapie zu unterscheiden. Menschliche Zellen und Gewebe, die für eine spätere Anwendung am Menschen vorgesehen sind, unterliegen in der EU Vorgaben zu Entnahme, Verarbeitung, Lagerung, Rückverfolgbarkeit und Qualität. Für die praktische Umsetzung sind die zuständigen Behörden der einzelnen Mitgliedstaaten verantwortlich.

Das bedeutet: Follicle Banking kann grundsätzlich angeboten werden, wenn die jeweils geltenden nationalen Anforderungen eingehalten werden. Die Tatsache, dass Deine Haarfollikel rechtmäßig entnommen und gelagert werden können, bedeutet aber nicht automatisch, dass daraus später eine bestimmte Zelltherapie hergestellt oder angewendet werden darf. Für diese spätere Behandlung gelten eigene regulatorische Anforderungen.

Wenn Du Follikel einlagern lassen möchtest, solltest Du deshalb konkret fragen, welche Einrichtung das Gewebe lagert, welche behördlichen Genehmigungen beziehungsweise Registrierungen vorliegen und wie die Rückverfolgbarkeit Deiner Probe sichergestellt wird.

Was hilft heute wirklich gegen Haarausfall?

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt zunächst von der Ursache des Haarausfalls ab. Deshalb steht am Anfang eine ärztliche Diagnose. Neben der androgenetischen Alopezie, also erblich bedingtem Haarausfall, können unter anderem hormonelle Veränderungen, Schilddrüsenerkrankungen, Nährstoffmängel, Medikamente, Entzündungen oder Autoimmunerkrankungen hinter verstärktem Haarverlust stecken.

Bei androgenetischer Alopezie gehören Minoxidil und Finasterid zu den am besten untersuchten medikamentösen Möglichkeiten. Minoxidil wird äußerlich angewendet und kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen das Haarwachstum unterstützen. Finasterid hemmt die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron, kurz DHT, und wird vor allem bei Männern mit erblich bedingtem Haarausfall eingesetzt. Für Frauen gelten andere Voraussetzungen und Einschränkungen, insbesondere wenn eine Schwangerschaft möglich ist. Welche Behandlung geeignet ist, sollte deshalb individuell ärztlich entschieden werden.

PRP, also plättchenreiches Plasma aus Eigenblut, kann als ergänzende Therapie infrage kommen. Aktuelle Metaanalysen zeigen einen möglichen positiven Effekt auf die Haardichte. Die Ergebnisse der einzelnen Studien unterscheiden sich jedoch deutlich, unter anderem weil Herstellung und Anwendung von PRP nicht einheitlich standardisiert sind.

Wenn bereits dauerhaft kahle Bereiche entstanden sind und ein ausreichend guter Spenderbereich vorhanden ist, kann eine Haartransplantation infrage kommen. Dabei werden bestehende Follikeleinheiten aus dem Spenderareal in kahle oder ausgedünnte Bereiche verpflanzt. Moderne Verfahren können langfristige und natürliche Ergebnisse ermöglichen, schaffen aber keine neuen Follikel. Die Zahl der verfügbaren Grafts bleibt deshalb durch den Spenderbereich begrenzt.

Entscheidend ist die richtige Reihenfolge: zuerst die Ursache bestimmen, dann den weiteren Haarverlust möglichst stabilisieren und erst danach entscheiden, ob zusätzliche Verfahren oder eine Haartransplantation sinnvoll sind.

Was ist von Exosomen-Behandlungen für die Kopfhaut zu halten?

Exosomen gehören ebenfalls zu den stark beworbenen regenerativen Ansätzen gegen Haarausfall. Dabei handelt es sich um sehr kleine extrazelluläre Vesikel, also Bläschen, die Zellen zur Übertragung von Proteinen, RNA und anderen Signalmolekülen nutzen. Experimentell gibt es gute Gründe zu untersuchen, ob solche Vesikel Prozesse im Haarfollikel beeinflussen können.

Die Forschung ist inzwischen weiter, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 fand elf klinische Untersuchungen zu exosomenbasierten Behandlungen bei verschiedenen Formen von Haarausfall, darunter zwei randomisierte Studien. Weitere kontrollierte Untersuchungen laufen oder wurden inzwischen abgeschlossen. Einige Studien berichten über eine Zunahme von Haardichte oder Haardicke.

Damit ist die Wirksamkeit jedoch noch nicht ausreichend geklärt. Die Studien verwenden sehr unterschiedliche Exosomenquellen, Aufbereitungsverfahren, Dosierungen und Anwendungen. Teilweise werden reine Exosomen untersucht, teilweise komplexe Gemische oder zusätzliche Wirkstoffe. Auch die Teilnehmerzahlen und Nachbeobachtungszeiten sind meist begrenzt. Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich deshalb noch kein einheitlicher Behandlungsstandard ableiten.

Auch regulatorisch ist Vorsicht nötig. In den USA gibt es nach Angaben der FDA weiterhin kein zugelassenes Exosomenprodukt. Die Behörde warnt ausdrücklich vor nicht zugelassenen Produkten, die als regenerative Therapien vermarktet werden.

In der EU hängt die rechtliche Einstufung vom konkreten Produkt und seiner vorgesehenen Wirkung ab. Exosomen beziehungsweise extrazelluläre Vesikel, die zur Behandlung einer Erkrankung eingesetzt werden sollen, können als biologische Arzneimittel oder je nach Zusammensetzung als andere regulierte Arzneimittel eingeordnet werden. Solche Produkte benötigen vor einer regulären Vermarktung eine entsprechende Zulassung. Ein Angebot aus einer ästhetischen Praxis ist daher nicht automatisch rechtlich zulässig oder wissenschaftlich belegt, nur weil es als „regenerativ“ oder „zellfrei“ beworben wird.

Sollte man auf geklonte Haare warten?

Haarklonen ist ein ernsthaftes Forschungsgebiet und längst mehr als eine theoretische Idee. Menschliche Zellmodelle, Organoide und erste klinische Zelltherapien zeigen, dass sich die regenerative Haarmedizin weiterentwickelt. Trotzdem gibt es derzeit keine regulär verfügbare Therapie, mit der sich aus wenigen Follikeln zuverlässig eine große Zahl neuer, dauerhaft funktionierender Haarfollikel erzeugen lässt.

Deshalb ist es nicht sinnvoll, eine notwendige Behandlung des heutigen Haarausfalls aufzuschieben, nur weil in Zukunft eine bessere Technologie verfügbar sein könnte. Bei androgenetischer Alopezie schreitet die Miniaturisierung der betroffenen Follikel häufig weiter fort. Eine frühe Diagnose und geeignete Behandlung können helfen, vorhandenes Haar möglichst lange zu erhalten.

Follicle Banking kannst Du zusätzlich erwägen, wenn Du die Kosten und die Unsicherheit bewusst akzeptierst. Es ersetzt jedoch weder eine Diagnose noch eine heutige Behandlung. Sollte echtes Haarklonen eines Tages verfügbar werden, wird sich erst dann zeigen, welche Patientinnen und Patienten davon profitieren und welches Ausgangsmaterial dafür tatsächlich benötigt wird.

Häufige Fragen zum Haarklonen

Ab wann kann man Haare klonen lassen?
Ist das Klonen von Haaren in der EU erlaubt?
Wie weit ist die Forschung zum Haarklonen in Japan?
Was kostet Follicle Banking?
Was bringt das Einfrieren von Haarfollikeln wirklich?
Helfen Exosomen-Behandlungen gegen Haarausfall?

Quellen

Kageyama T et al.: Reprogramming of three-dimensional microenvironments for in vitro hair follicle induction. Science Advances, 2022. PMID: 36269827.

Toyoshima K et al.: Fully functional hair follicle regeneration through the rearrangement of stem cells and their niches. Nature Communications, 2012. DOI: 10.1038/ncomms1784.

Castro AR, Logarinho E: Tissue engineering strategies for human hair follicle regeneration: How far from a hairy goal? Stem Cells Translational Medicine, 2020. PMID: 31876379.

RepliCel Life Sciences et al.: Randomisierte klinische Untersuchung kultivierter autologer Dermal-Sheath-Cup-Zellen bei androgenetischer Alopezie. 2020. PMID: 32147390.

European Medicines Agency: Advanced therapy medicinal products: Overview. Informationen zur Einordnung wesentlich bearbeiteter Zell- und Gewebeprodukte als ATMP.

European Commission: Tissues and cells. EU-Rechtsrahmen für Entnahme, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung und Verteilung menschlicher Zellen und Gewebe, Richtlinie 2004/23/EG und Folgeregelungen.

European Commission: Single European Code for tissues and cells. Vorgaben zur Rückverfolgbarkeit menschlicher Zellen und Gewebe für die Anwendung am Menschen.

Farjo Hair Institute: Hair Follicle Banking. Aktuelle Anbieterinformationen zu Entnahme, Kryokonservierung und Kosten des Follicle Banking, abgerufen 2026.

Xiao R, Lee LN: Updated Review of Treatment of Androgenetic Alopecia. Facial Plastic Surgery Clinics of North America, 2024. PMID: 38936999.

Gupta AK et al.: Advances in the treatment of male androgenetic alopecia: current options and emerging therapies. 2025. PMID: 40338197.

Kieling L et al.: Is autologous platelet-rich plasma capable of increasing hair density in patients with androgenic alopecia? A systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials. Anais Brasileiros de Dermatologia, 2024. PMID: 39013743.

Hair Transplantation: State of the Art. Dermatologic Surgery, 2025. PMID: 40354670.

Exosomes and Hair Regeneration: A Systematic Review of Clinical Evidence Across Alopecia Types and Exosome Sources. 2025.

U.S. Food and Drug Administration: Consumer Alert on Regenerative Medicine Products Including Stem Cells and Exosomes. Die FDA weist darauf hin, dass derzeit keine Exosomenprodukte zugelassen sind.

European Medicines Agency: Questions and answers for biological medicinal products. Regulatorische Qualitätsanforderungen für Arzneimittel mit Sekretomen und extrazellulären Vesikeln, aktualisiert 2026.

War dieser Beitrag hilfreich für Dich?
Redaktionelle Verantwortung

Dieser Beitrag wurde von der internen MOOCI-Redaktion erstellt, inhaltlich geprüft und freigegeben. Bei der Recherche und Aufbereitung setzen wir auch KI-gestützte Werkzeuge ein; jeder Text wird vor der Veröffentlichung von unserer Redaktion fachlich gegengelesen. Die redaktionelle Verantwortung trägt Nadja Sukalia, Content Managerin bei MOOCI. Die medizinische Prüfung erfolgt durch Ärztinnen und Ärzte aus unserem Fachnetzwerk.

MIA

KI-Assistentin · MOOCI Informational Agent

Hallo! Ich bin MIA, die KI-Assistentin von MOOCI. 👋

Damit Du es weißt: Du schreibst hier mit einer künstlichen Intelligenz, nicht mit einem Menschen. Meine Antworten können Fehler enthalten und ersetzen keine ärztliche Beratung.

Wie kann ich Dir heute helfen?
Gerade eben

Arzt in deiner Nähe finden

🩺

MIA

Deine KI-Beratung von MOOCI

Hallo! Ich bin MIA, deine KI-Beratung von MOOCI. Ich beantworte deine Fragen zu ästhetischen und medizinischen Behandlungen. Was möchtest du wissen?

Arzt in deiner Nähe finden