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Cell Banking: Junge Zellen einfrieren als Wette auf die Zukunft?
Longevity

Cell Banking: Junge Zellen einfrieren als Wette auf die Zukunft?

05.10.2026 22 Min. Lesezeit
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Cell Banking verspricht, junge Zellen für künftige Therapien einzufrieren, doch eine zugelassene Rückanwendung gibt es bisher nicht.

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Eizellen, Samenzellen und Nabelschnurblut werden schon lange kryokonserviert. Inzwischen wird dasselbe Prinzip auch als Longevity-Konzept vermarktet: Beim sogenannten Cell Banking lässt Du eigene Körperzellen möglichst früh entnehmen und einfrieren, damit sie möglicherweise Jahre oder Jahrzehnte später für regenerative Therapien zur Verfügung stehen.

Technisch ist das Einfrieren von Zellen nichts Neues. Forschungslabore und medizinische Einrichtungen lagern Zellkulturen seit Jahrzehnten bei sehr niedrigen Temperaturen. Neu ist vor allem das Versprechen dahinter: Gesunde Menschen sollen heute Zellmaterial sichern, obwohl noch gar nicht feststeht, für welche Therapie sie es später einmal benötigen könnten.

Besonders häufig werden dafür Fibroblasten verwendet. Diese Bindegewebszellen spielen eine wichtige Rolle für die Struktur der Haut und bilden unter anderem Kollagen und andere Bestandteile der extrazellulären Matrix. Mit zunehmendem Alter verändert sich ihre Funktion. Die Idee des Cell Banking lautet deshalb: Wer früher Zellmaterial einlagert, könnte später auf Zellen zurückgreifen, die zu einem jüngeren Zeitpunkt entnommen wurden. Ob daraus tatsächlich ein medizinischer Vorteil entsteht, ist bisher jedoch nicht belegt.

Auf einen Blick:

  • Prinzip: eigene Zellen entnehmen und für eine mögliche spätere Nutzung kryokonservieren
  • Häufig verwendete Zellen: Fibroblasten aus einer kleinen Hautprobe
  • Entnahme: meist kleine Hautbiopsie unter örtlicher Betäubung
  • Lagerung: bei sehr niedrigen Temperaturen, meist in oder über flüssigem Stickstoff
  • Nutzen heute: für gesundheitsbezogenes oder ästhetisches Cell Banking nicht gesichert
  • Ziel: Zellmaterial für mögliche regenerative Therapien der Zukunft erhalten

Das Wichtigste in Kürze

Beim Cell Banking werden eigene Körperzellen entnommen und tiefgefroren gelagert. Im Bereich Longevity stehen häufig Fibroblasten im Mittelpunkt, also Bindegewebszellen der Haut.

Mit zunehmendem Alter verändern sich Fibroblasten. Unter anderem nehmen zelluläre Seneszenz, DNA-Schäden und Veränderungen des Zellstoffwechsels zu, während ihre Funktion im Hautgewebe nachlassen kann.

Kryokonservierung kann Zellen langfristig lebensfähig erhalten. Daraus folgt aber nicht, dass heute eingelagerte Zellen Jahrzehnte später tatsächlich für eine zugelassene Therapie benötigt oder geeignet sein werden.

Besonders wichtig ist die rechtliche Unterscheidung zwischen reiner Lagerung und weiterverarbeiteten Zellprodukten. Werden Zellen beispielsweise im Labor stark vermehrt und später therapeutisch eingesetzt, können sie in der EU als Arzneimittel für neuartige Therapien, sogenannte ATMP, eingestuft werden.

Was versteht man unter Cell Banking?

Cell Banking bedeutet zunächst nichts anderes als die kontrollierte Lagerung von Zellen. Dabei werden Zellen mit einem sogenannten Kryoprotektivum behandelt. Diese Gefrierschutzmittel sollen verhindern, dass beim Abkühlen schädliche Eiskristalle entstehen. Anschließend wird das Material kontrolliert heruntergekühlt und bei sehr niedrigen Temperaturen gelagert, häufig in der Gasphase über flüssigem Stickstoff oder direkt in entsprechenden Kryotanks.

Unter diesen Bedingungen laufen Stoffwechselprozesse nur noch in äußerst geringem Umfang ab. Zellen können dadurch langfristig erhalten und später wieder aufgetaut und weiterkultiviert werden. Wie gut sie diesen Prozess überstehen, hängt jedoch vom Zelltyp, vom verwendeten Gefrierverfahren, vom Zeitpunkt der Einlagerung und von den Lagerbedingungen ab. Die Kryokonservierung ist also eine etablierte Labortechnik, aber keine Garantie dafür, dass jede Probe auch nach sehr langer Lagerdauer unverändert verwendet werden kann.

Warum werden häufig Fibroblasten eingelagert?

Beim Cell Banking für gesunde Erwachsene stehen häufig Fibroblasten im Mittelpunkt. Sie befinden sich im Bindegewebe der Haut und produzieren wichtige Bestandteile der extrazellulären Matrix, darunter Kollagen. Außerdem lassen sie sich aus einer kleinen Hautprobe gewinnen, im Labor vermehren und kryokonservieren.

Fibroblasten sind auch deshalb für die Forschung interessant, weil sie sich unter bestimmten Laborbedingungen zu sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen, kurz iPS-Zellen, zurückprogrammieren lassen. Diese können sich wiederum in unterschiedliche Zelltypen entwickeln. Das ist für Forschung und regenerative Medizin von großer Bedeutung, bedeutet aber nicht, dass heute eingelagerte Hautzellen später automatisch zur Reparatur beliebiger Organe eingesetzt werden können. Zwischen dieser Möglichkeit im Labor und einer sicheren zugelassenen Therapie liegt ein langer Entwicklungsweg.

Andere Formen des Bankings verwenden beispielsweise Haarfollikel oder andere Gewebe. Das zugrunde liegende Prinzip ist ähnlich, die möglichen späteren Anwendungen unterscheiden sich jedoch deutlich. Follicle Banking für zukünftige Haartherapien ist deshalb ein eigenes Thema und nicht mit dem allgemeinen Fibroblasten-Banking gleichzusetzen.

Wie läuft die Einlagerung eigener Zellen ab?

Bei einem Fibroblasten-Banking wird zunächst eine kleine Hautprobe entnommen. Dafür kann beispielsweise eine sogenannte Stanzbiopsie verwendet werden, bei der unter örtlicher Betäubung wenige Millimeter Haut entfernt werden. Häufig wird eine möglichst wenig sonnenexponierte Stelle gewählt, weil UV-Strahlung Hautzellen schädigen kann. Wo genau die Probe entnommen wird und wie groß sie sein muss, hängt vom jeweiligen Verfahren ab.

Im Labor werden anschließend Fibroblasten aus dem Gewebe gewonnen. Je nach Banking-Modell können diese direkt in einer frühen Kulturphase eingefroren oder zunächst vermehrt werden. Gerade dieser Schritt ist rechtlich wichtig: Die Kultivierung und starke Vermehrung von Zellen ist nicht dasselbe wie die reine Lagerung unveränderten Gewebes und kann für eine spätere medizinische Verwendung eine andere regulatorische Einstufung nach sich ziehen.

Vor der Kryokonservierung werden die Zellen portionsweise abgefüllt und mit einem Gefrierschutzmittel versetzt. Anschließend erfolgt die kontrollierte Abkühlung und Lagerung bei sehr niedrigen Temperaturen. Professionelle Zellbanken dokumentieren die Herkunft und Verarbeitung der Probe, kontrollieren Lagerbedingungen und Rückverfolgbarkeit und führen je nach Verwendungszweck unterschiedliche Qualitäts- und Sicherheitstests durch.

Wenn Du Cell Banking in Betracht ziehst, solltest Du deshalb konkret fragen, ob Gewebe oder bereits kultivierte Zellen eingelagert werden, welche Qualitätsprüfungen durchgeführt werden und wo sich die Probe tatsächlich befindet. Auch die Bedingungen für eine spätere Herausgabe oder Übertragung an ein anderes Labor sollten im Vertrag eindeutig geregelt sein.

Warum sollen junge Zellen wertvoller sein als alte?

Hinter dem Cell Banking steht eine grundsätzlich nachvollziehbare biologische Überlegung. Mit zunehmendem Alter verändern sich Zellen und ihr Umfeld. Zu den sogenannten Kennzeichen des Alterns gehören unter anderem DNA-Schäden, Veränderungen der Mitochondrien, Telomerverkürzung und zelluläre Seneszenz.

Seneszenz bedeutet, dass eine Zelle dauerhaft aufhört, sich zu teilen. Solche Zellen verschwinden nicht zwangsläufig sofort aus dem Gewebe, sondern können verschiedene Signalstoffe freisetzen und dadurch ihre Umgebung beeinflussen. Auch in der Haut nimmt die Zahl seneszenter Fibroblasten mit dem Alter zu. Gleichzeitig verändern sich Kollagenstoffwechsel, Zellkommunikation und die Fähigkeit der Fibroblasten, die extrazelluläre Matrix zu erhalten.

Jüngere Fibroblasten besitzen im Durchschnitt daher andere biologische Eigenschaften und häufig ein größeres Teilungspotenzial als gealterte Zellen. Das spricht grundsätzlich dafür, dass der Zeitpunkt der Zellgewinnung für bestimmte spätere Laboranwendungen relevant sein könnte.

Was sich daraus nicht ableiten lässt, ist ein garantierter therapeutischer Vorteil. Eine mit 25 Jahren eingefrorene Zellprobe ist nicht automatisch eine „25-jährige Version von Dir“, die Jahrzehnte später verjüngend wirkt. Alterung findet nicht nur innerhalb einzelner Zellen statt, sondern auch im Gewebe, im Immunsystem, in der extrazellulären Matrix und im gesamten Organismus. Ob früh eingelagerte Fibroblasten deshalb für zukünftige Behandlungen tatsächlich bessere Ergebnisse ermöglichen, muss erst durch entsprechende Therapien und klinische Studien gezeigt werden.

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Was ist mit eingelagerten Zellen heute schon möglich?

Für gesundheitsbezogenes oder ästhetisches Cell Banking ist der unmittelbare Nutzen heute sehr begrenzt. Es gibt derzeit keine etablierte Standardtherapie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, für die gesunde Erwachsene vorsorglich eingelagerte Fibroblasten benötigen.

Dass kultivierte körpereigene Fibroblasten grundsätzlich therapeutisch eingesetzt werden können, ist allerdings keine reine Zukunftsidee. In den USA wurde 2011 Azficel-T zugelassen, ein Präparat aus kultivierten eigenen Fibroblasten zur Behandlung moderater bis ausgeprägter Nasolabialfalten. Dafür wurde zunächst Haut entnommen, die Fibroblasten wurden im Labor vermehrt und anschließend wieder in die Haut injiziert. In einer großen kontrollierten Studie mit 372 Teilnehmenden war die Behandlung nach sechs Monaten wirksamer als Placebo.

Das Produkt wird heute nicht mehr vermarktet. Die FDA führt Azficel-T weiterhin als zugelassenes, aber nicht mehr vermarktetes Produkt. Wichtig ist deshalb die Unterscheidung: Es gab bereits eine konkrete zugelassene Therapie mit kultivierten körpereigenen Fibroblasten. Daraus folgt aber nicht, dass heute kommerziell eingelagerte Zellen ohne Weiteres für eine vergleichbare oder andere Behandlung verwendet werden könnten.

Auch in anderen Bereichen werden Fibroblasten, Stammzellmodelle und daraus gewonnene Zelltypen intensiv erforscht. Dazu gehören beispielsweise Wundheilung, Hautregeneration und die Herstellung patienteneigener iPS-Zellen. Welche dieser Ansätze zu regulär verfügbaren Therapien werden und welches Ausgangsmaterial dafür benötigt wird, lässt sich derzeit nicht vorhersehen.

Genau darin liegt die Unsicherheit des Cell Banking: Du lagerst heute Zellen ein, ohne zu wissen, ob eine spätere Therapie genau diese Zellen, einen anderen Zelltyp oder überhaupt kein zuvor konserviertes Material benötigen wird.

Was unterscheidet Cell Banking von Collagen Banking?

Cell Banking und Collagen Banking klingen ähnlich, beruhen aber auf völlig unterschiedlichen Konzepten. Beim Cell Banking werden tatsächlich Zellen entnommen und kryokonserviert. Der mögliche Nutzen liegt in der Zukunft, weil das eingelagerte Material erst dann relevant wird, wenn eine passende medizinische Anwendung verfügbar ist.

Collagen Banking ist dagegen ein Begriff aus der ästhetischen Medizin. Gemeint ist damit die Strategie, frühzeitig auf Hautschutz und Behandlungen zu setzen, die den Kollagenstoffwechsel unterstützen oder die Bildung neuen Kollagens anregen sollen. Dazu können je nach Hautbild beispielsweise Microneedling, bestimmte Laserbehandlungen oder andere kollagenstimulierende Verfahren gehören. Es wird dabei nichts für später eingelagert.

Der entscheidende Unterschied liegt also im Zeitpunkt des möglichen Nutzens. Collagen Banking soll bereits heute Veränderungen in der Haut bewirken oder altersbedingten Veränderungen entgegenwirken. Beim Cell Banking zahlst Du dagegen für die Möglichkeit, Dein Zellmaterial in einer noch unbekannten medizinischen Zukunft nutzen zu können.

Beide Konzepte greifen die Longevity-Idee auf, möglichst früh vorzusorgen. Beim Cell Banking ist allerdings noch offen, ob die dafür notwendige spätere Anwendung überhaupt verfügbar sein wird.

Wie unterscheidet sich Cell Banking von Stammzell- und Nabelschnurbanken?

Nicht jede Form des Cell Banking ist dasselbe. Besonders wichtig ist die Abgrenzung zu Nabelschnurblutbanken. Nabelschnurblut enthält hämatopoetische Stammzellen, also Stammzellen, aus denen die verschiedenen Blutzellen hervorgehen. Solche Zellen werden seit Jahrzehnten für Stammzelltransplantationen eingesetzt, beispielsweise bei bestimmten Leukämien, Lymphomen, angeborenen Immundefekten und Stoffwechselerkrankungen. Für Nabelschnurblut gibt es damit reale und etablierte medizinische Anwendungen.

Beim vorsorglichen Cell Banking gesunder Erwachsener ist die Situation anders. Fibroblasten sind keine Stammzellen, sondern ausgereifte Bindegewebszellen. Sie können sich vermehren und wichtige Bestandteile des Hautgewebes bilden, besitzen aber nicht von sich aus die Fähigkeit, sich in beliebige andere Zelltypen zu verwandeln.

Im Labor können Fibroblasten allerdings zu sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen, kurz iPS-Zellen, zurückprogrammiert werden. Diese Zellen können anschließend in unterschiedliche spezialisierte Zelltypen weiterentwickelt werden. Die medizinische Forschung auf diesem Gebiet ist inzwischen weit fortgeschritten: Weltweit laufen klinische Studien mit aus pluripotenten Stammzellen gewonnenen Zellprodukten, unter anderem bei Augen-, neurologischen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie in der Krebsmedizin. Das bedeutet jedoch nicht, dass heute vorsorglich eingelagerte Hautzellen bereits für solche Therapien eingesetzt werden könnten.

Wer heute mit dem Versprechen wirbt, eingelagerte Fibroblasten könnten Dir später automatisch neue Organe, jüngere Haut oder eine umfassende körperliche Verjüngung ermöglichen, geht deshalb weit über den aktuellen Stand der Medizin hinaus. Cell Banking schafft zunächst nur die Möglichkeit, eigenes Zellmaterial aufzubewahren. Ob dieses Material später für eine konkrete Therapie geeignet sein wird, ist offen.

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Ist Cell Banking in der EU erlaubt?

Bei der Rechtslage muss zwischen Entnahme, Lagerung, Vermehrung und späterer medizinischer Anwendung unterschieden werden. Für menschliche Gewebe und Zellen, die für eine spätere Anwendung am Menschen bestimmt sind, gilt in der EU derzeit noch die Geweberichtlinie 2004/23/EG mit ihren ergänzenden Vorschriften. Sie regelt unter anderem Entnahme, Testung, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung, Verteilung und Rückverfolgbarkeit. Die konkrete Umsetzung und Genehmigung der Einrichtungen erfolgt durch die zuständigen Behörden der einzelnen Mitgliedstaaten.

Ab dem 7. August 2027 wird dieser Rechtsrahmen größtenteils durch die neue europäische SoHO-Verordnung ersetzt. Sie regelt Substanzen menschlichen Ursprungs, also unter anderem Zellen und Gewebe, europaweit neu und soll Qualitäts-, Sicherheits- und Rückverfolgbarkeitsanforderungen stärker vereinheitlichen.

Warum ist die Zellvermehrung rechtlich besonders wichtig?

Die Aussage „Einlagern ist Geweberecht, erst die spätere Anwendung wird zum ATMP“ wäre zu einfach. Auch die Art der Verarbeitung ist entscheidend. Werden Fibroblasten im Labor kultiviert und stark vermehrt, handelt es sich nach den europäischen ATMP-Regeln um eine substanzielle Bearbeitung. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat in vitro vermehrte autologe Fibroblasten für verschiedene therapeutische Anwendungen ausdrücklich als biotechnologisch bearbeitete Gewebeprodukte und damit als ATMP eingestuft.

ATMP steht für Advanced Therapy Medicinal Product, also Arzneimittel für neuartige Therapien. Soll aus den eingelagerten Zellen später ein solches therapeutisches Zellprodukt hergestellt und regulär angeboten werden, gelten wesentlich strengere Anforderungen als für eine reine Zelllagerung. Qualität, Herstellung, Sicherheit und Wirksamkeit müssen entsprechend belegt werden.

Eine reguläre Vermarktung eines ATMP erfordert in der EU grundsätzlich eine entsprechende Zulassung. Daneben können solche Therapien in genehmigten klinischen Studien untersucht werden. Für bestimmte individuell hergestellte Präparate gibt es außerdem die eng begrenzte sogenannte Hospital Exemption nach nationalem Recht. Die Aussage, Zelltherapien seien ausschließlich innerhalb klinischer Studien möglich, wäre daher ebenfalls zu pauschal.

Ein für die allgemeine ästhetische Hautverjüngung bestimmtes zugelassenes ATMP, das auf Deinen heute vorsorglich eingelagerten und kultivierten Fibroblasten basiert, steht derzeit nicht als Standardbehandlung zur Verfügung.

Und wie sieht es in der Schweiz aus?

Die Schweiz gehört nicht zur Europäischen Union und hat einen eigenen Rechtsrahmen. Auch dort werden zellbasierte Produkte jedoch streng reguliert. Swissmedic weist darauf hin, dass Produkte aus wesentlich bearbeiteten menschlichen Zellen oder Geweben als Transplantatprodukte beziehungsweise ATMP eingestuft werden können und entsprechende Betriebsbewilligungen und Produktzulassungen benötigen. Reines Einfrieren und Kryokonservieren zählt dabei für sich genommen nicht zu den substanziellen Bearbeitungsschritten.

Für Dich bedeutet das: Entscheidend ist nicht nur, ob ein Unternehmen Zellen einfrieren kann. Relevant ist auch, welche behördliche Grundlage für Entnahme, Verarbeitung und Lagerung besteht und was mit diesen Zellen später rechtlich überhaupt gemacht werden darf.

Welche Risiken und offenen Fragen sollte man kennen?

Die medizinischen Risiken einer kleinen Hautbiopsie sind überschaubar, aber nicht null. Möglich sind unter anderem Schmerzen, Blutergüsse, eine kleine Narbe, Nachblutungen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen. Je nach verwendeter Zellquelle kann die Entnahme auch aufwendiger sein. Wird beispielsweise Knochenmark oder Fettgewebe gewonnen, unterscheidet sich das Risikoprofil deutlich von einer kleinen Hautbiopsie.

Die größeren Unsicherheiten des Cell Banking liegen jedoch weniger in der Entnahme als in der Zukunft.

Qualität der eingelagerten Zellen

Kryokonservierung ist eine etablierte Technik. Ob Zellen nach langer Lagerung in ausreichender Qualität zur Verfügung stehen, hängt aber von mehreren Faktoren ab, darunter Zelltyp, Ausgangsqualität, Verarbeitung, verwendetes Gefrierschutzmittel, Einfrierprotokoll und konstante Lagerbedingungen. Deshalb sind dokumentierte und validierte Prozesse wichtiger als das bloße Versprechen einer Lagerung bei minus 196 Grad Celsius.

Entwicklung der Medizin

Noch größer ist die wissenschaftliche Unsicherheit. Niemand weiß, welche Zellquellen zukünftige regenerative Therapien verwenden werden. Vielleicht werden eigene Fibroblasten benötigt. Denkbar ist aber ebenso, dass standardisierte iPS-Zelllinien, direkt im Körper wirkende Verfahren oder andere Zellquellen eine größere Rolle spielen. Fortschritte bei der zellulären Reprogrammierung könnten die Bedeutung einer Jahrzehnte zuvor eingelagerten Probe ebenfalls verändern.

Fortbestand des Anbieters

Cell Banking ist häufig auf jahrzehntelange Lagerung ausgelegt. Damit entsteht ein unternehmerisches Risiko. Ein Vertrag sollte deshalb klar regeln, was mit Deinen Proben geschieht, wenn das Unternehmen verkauft wird, seine Geschäftstätigkeit einstellt oder insolvent wird. Ebenso wichtig ist, ob Du Deine Zellen zu einer anderen geeigneten Einrichtung übertragen lassen kannst.

Cell Banking ist deshalb keine klassische medizinische Investition mit einem vorhersehbaren Nutzen. Du zahlst für eine Option, deren späterer Wert heute nicht bestimmt werden kann.

Woran erkennt man einen seriöses Angebot?

Ein seriöser Anbieter sollte vor allem transparent mit den Grenzen des Konzepts umgehen. Er sollte nicht behaupten, dass heute eingelagerte Zellen später sicher für Hautverjüngung, Haarwachstum, Organreparatur oder andere regenerative Therapien verwendet werden können.

Vor Vertragsabschluss solltest Du insbesondere klären:

  • welche Zellen oder welches Gewebe tatsächlich eingelagert werden und ob die Zellen vorher kultiviert werden
  • wo die Probe verarbeitet und gelagert wird und welche behördlichen Genehmigungen oder Akkreditierungen dort gelten
  • welche Qualitätskontrollen vor der Einlagerung durchgeführt werden
  • wie Temperatur, Rückverfolgbarkeit und Probenidentität langfristig überwacht werden
  • welches Notfall- und Ausfallkonzept für die Kryolagerung besteht
  • was bei Insolvenz, Verkauf oder Schließung des Unternehmens mit Deinen Zellen geschieht
  • ob die Probe zu einer anderen Einrichtung übertragen werden kann und welche Kosten dafür anfallen
  • wer über eine spätere Verwendung Deiner Probe entscheiden darf

Besonders wichtig ist außerdem die Frage, ob das Unternehmen zwischen der sicheren Lagerung einer Probe und den möglichen zukünftigen Anwendungen klar unterscheidet. Aussagen wie „Deine Zellen können später zur Verjüngung verwendet werden“ sollten immer mit der Frage beantwortet werden: Welche konkrete zugelassene Therapie ist damit gemeint?

Was kostet es, eigene Zellen einfrieren zu lassen?

Ein verlässlicher Durchschnittspreis für Cell Banking lässt sich derzeit nicht nennen. Der Markt ist klein und die angebotenen Leistungen unterscheiden sich erheblich. Manche Unternehmen lagern Fibroblasten aus einer Hautbiopsie ein, andere adulte Stammzellen aus Knochenmark oder Fettgewebe. Teilweise sind Entnahme, Zellvermehrung und mehrere Jahre Lagerung im Preis enthalten, teilweise werden diese Leistungen separat berechnet.

Aktuelle öffentlich zugängliche Angebote zeigen die Größenordnung. Ein britisches Programm für Fibroblasten-Banking verlangt derzeit einen Einführungspreis von 1.500 Pfund und nennt für das reguläre Angebot einen Preis von mehr als 2.000 Pfund. Ein US-amerikanisches Programm für adultes Stammzell-Banking verlangt aktuell 3.000 US-Dollar für Entnahme, Verarbeitung und das erste Lagerjahr sowie anschließend 300 US-Dollar pro Jahr. Eine lebenslange Lagerung wird dort als Paket für 10.000 US-Dollar angeboten. Da es sich um unterschiedliche Zelltypen und Verfahren handelt, sind diese Preise nicht direkt miteinander vergleichbar.

Gerade deshalb solltest Du Dir vor Vertragsabschluss genau aufschlüsseln lassen, was im Preis enthalten ist. Dazu gehören die Gewebeentnahme, Laborverarbeitung, mögliche Zellvermehrung, Qualitätskontrollen, Kryokonservierung, jährliche Lagerung sowie die spätere Herausgabe oder Übertragung der Probe.

Auch die Gesamtkosten über mehrere Jahrzehnte solltest Du berücksichtigen. Bei einer jährlichen Lagergebühr können über 20 oder 30 Jahre erhebliche zusätzliche Kosten entstehen. Die Kosten einer möglichen zukünftigen Therapie kommen noch hinzu und lassen sich heute nicht abschätzen.

Da Cell Banking für gesunde Menschen derzeit in erster Linie als private Zukunftsvorsorge angeboten wird und keine etablierte medizinische Standardbehandlung darstellt, musst Du die Kosten in der Regel selbst tragen.

Häufige Fragen zu Cell Banking

Was ist Cell Banking?
Ist Cell Banking in der EU erlaubt?
Warum sollte man Zellen möglichst jung einfrieren lassen?
Was kostet es, eigene Zellen einfrieren zu lassen?
Was ist der Unterschied zwischen Cell Banking und Collagen Banking?
Kann man mit eingelagerten Zellen später Haut oder Haare verjüngen?

Quellen

López-Otín C et al.: Hallmarks of Aging: An Expanding Universe. Cell, 2023. PMID: 36599349.

Jang TH et al.: Cryopreservation and its clinical applications. Integrative Medicine Research, 2017.

Kirkeby A, Main H, Carpenter M.: Pluripotent stem-cell-derived therapies in clinical trial: A 2025 update. Cell Stem Cell, 2025. PMID: 39753110.

Thomas L et al.: The emerging promise of induced pluripotent stem cells in clinical studies: a systematic scoping review of the literature and registered clinical trials. Cytotherapy, 2026. PMID: 41160002.

NHS Blood and Transplant: What is cord blood? Informationen zu etablierten medizinischen Anwendungen von Blutstammzellen aus Nabelschnurblut.

U.S. Food and Drug Administration: Cord Blood Banking: Information for Consumers. Informationen zu zugelassenen Anwendungen von Nabelschnurblut bei Erkrankungen des blutbildenden Systems.

U.S. Food and Drug Administration: LAVIV, Azficel-T. Zulassung 2011. Der aktuelle FDA Purple Book führt das Produkt als „Discontinued“.

European Commission: Directive 2004/23/EC on setting standards of quality and safety for human tissues and cells.

European Commission: Tissues and Cells. Überblick über die europäischen Vorgaben zu Entnahme, Testung, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung und Verteilung menschlicher Zellen und Gewebe.

European Medicines Agency: Scientific recommendations on classification of advanced therapy medicinal products. Unter anderem Einstufung in vitro vermehrter autologer Fibroblasten als Tissue Engineered Product.

European Medicines Agency: Advanced Therapy Medicinal Products, Overview.

Europäische Union: Verordnung (EU) 2024/1938 über Qualitäts- und Sicherheitsstandards für zur Verwendung beim Menschen bestimmte Substanzen menschlichen Ursprungs. Die meisten Vorschriften gelten ab 7. August 2027.

Swissmedic: Umgang mit Geweben und Zellen, rechtliche Grundlagen.

Swissmedic: Advanced Therapy Medicinal Products.

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