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Blutwäsche gegen das Altern: Der Plasmapherese-Trend aus den USA
Longevity

Blutwäsche gegen das Altern: Der Plasmapherese-Trend aus den USA

13.10.2026 20 Min. Lesezeit
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In den USA gilt die Plasmapherese als neuer Longevity-Trend, doch die Studienlage zur Verjüngung ist noch jung.

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Blutplasma entfernen und durch eine Ersatzlösung austauschen, um damit möglicherweise Alterungsprozesse zu beeinflussen? Was zunächst ungewöhnlich klingt, wird in den USA inzwischen auch als Longevity-Behandlung angeboten. Dahinter steckt der therapeutische Plasmaaustausch, kurz TPE. Das Verfahren wird in der Medizin seit Jahrzehnten bei bestimmten Erkrankungen eingesetzt. Neu ist die Idee, es auch bei gesunden Menschen mit dem Ziel anzuwenden, biologische Alterungsprozesse zu beeinflussen. Für Aufmerksamkeit sorgte 2025 eine kleine klinische Studie, in der sich nach wiederholtem Plasmaaustausch bestimmte Messwerte des biologischen Alters veränderten. Ob Menschen dadurch tatsächlich langsamer altern, länger gesund bleiben oder länger leben, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Andere aktuelle Untersuchungen liefern zudem deutlich zurückhaltendere Ergebnisse.

Auf einen Blick:

  • Beim therapeutischen Plasmaaustausch wird ein Teil Deines Blutplasmas entfernt und durch eine Ersatzflüssigkeit ersetzt. Häufig kommt eine Albuminlösung zum Einsatz, bei bestimmten medizinischen Indikationen auch Spenderplasma.
  • Eine kleine Studie mit Erwachsenen über 50 berichtete 2025 über Veränderungen verschiedener biologischer Altersmarker. Bei der Kombination aus Plasmaaustausch und intravenösen Immunglobulinen errechneten die Forscher zu einem Messzeitpunkt eine durchschnittliche Abnahme des biologischen Alters um 2,61 Jahre.
  • Eine weitere Humanstudie aus dem Jahr 2025 fand dagegen keine überzeugende Verjüngung anhand epigenetischer Uhren. Ob Plasmaaustausch bei gesunden Menschen das Altern tatsächlich beeinflusst, ist deshalb bisher nicht geklärt.
  • Medizinisch ist der therapeutische Plasmaaustausch bei bestimmten Erkrankungen etabliert. Als Longevity-Behandlung bei gesunden Menschen ist er dagegen experimentell und mit möglichen Nebenwirkungen verbunden.

Was ist eine Plasmapherese und wie funktioniert sie?

Dein Blut besteht aus Blutzellen und Blutplasma. Zu den Blutzellen gehören rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen. Das Blutplasma ist der flüssige Anteil des Blutes und besteht größtenteils aus Wasser. Darin befinden sich unter anderem Eiweiße, Antikörper, Gerinnungsfaktoren, Hormone, Elektrolyte und verschiedene Botenstoffe.

Die Begriffe Plasmapherese und therapeutischer Plasmaaustausch werden häufig synonym verwendet, medizinisch gibt es jedoch einen Unterschied. Bei der Plasmapherese wird Plasma von den Blutzellen getrennt und entnommen. Beim therapeutischen Plasmaaustausch, international Therapeutic Plasma Exchange oder kurz TPE genannt, wird eine größere Menge Plasma entfernt und gleichzeitig durch eine Ersatzflüssigkeit ausgeglichen.

Dafür wird Dein Blut durch ein Apheresegerät geleitet. Das Gerät trennt Plasma und Blutzellen entweder mithilfe einer Zentrifuge oder eines speziellen Membranfilters. Die Blutzellen gelangen anschließend zurück in Deinen Kreislauf. Das entfernte Plasma wird durch eine geeignete Ersatzlösung ersetzt. Häufig wird dafür Humanalbumin verwendet, also eine Lösung mit dem mengenmäßig wichtigsten Eiweiß des Blutplasmas. Bei bestimmten Erkrankungen kann stattdessen Spenderplasma notwendig sein.

Damit das Blut während der Behandlung außerhalb des Körpers nicht gerinnt, wird ein Gerinnungshemmer eingesetzt. Bei zentrifugenbasierten Verfahren kommt häufig Citrat zum Einsatz. Bei anderen Verfahren kann auch Heparin verwendet werden.

Warum wird Plasma überhaupt ausgetauscht?

Der therapeutische Nutzen beruht darauf, dass sich bestimmte krankheitsauslösende oder krankheitsfördernde Stoffe im Plasma befinden. Dazu können beispielsweise Autoantikörper gehören. Das sind Antikörper, die sich fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen richten. Auch Immunkomplexe, bestimmte Eiweiße oder andere lösliche Substanzen können durch einen Plasmaaustausch aus dem Blut entfernt werden.

Genau deshalb ist TPE seit Langem Bestandteil der Behandlung bestimmter neurologischer, immunologischer und hämatologischer Erkrankungen. Die Anwendung als Anti-Aging oder Longevity-Behandlung verfolgt dagegen ein anderes Ziel. Hier sollen nicht bekannte krankheitsauslösende Stoffe entfernt werden, sondern Bestandteile des Plasmas, die möglicherweise mit Alterungsprozessen zusammenhängen.

Warum gilt die Blutwäsche als mögliche Anti-Aging-Behandlung?

Die wissenschaftliche Grundlage für diese Idee stammt zunächst aus Tierversuchen. Bereits 2005 untersuchten Forscher, was passiert, wenn junge und alte Mäuse einen gemeinsamen Blutkreislauf erhalten. Dieses Versuchsmodell wird als heterochrone Parabiose bezeichnet. Bei den älteren Mäusen verbesserten sich unter anderem bestimmte Prozesse der Muskelregeneration und der Regeneration in der Leber.

Diese Beobachtung führte zunächst zu der Vermutung, dass junges Blut Stoffe enthalten könnte, die regenerative Prozesse fördern. Spätere Experimente legten jedoch eine andere Erklärung nahe.

Ist junges Blut überhaupt notwendig?

Im Jahr 2020 untersuchte dieselbe Forschungsgruppe ein Verfahren, bei dem bei alten Mäusen ungefähr die Hälfte des Plasmas entfernt und durch eine Kochsalzlösung mit Albumin ersetzt wurde. Es kam dabei kein Blut oder Plasma junger Tiere zum Einsatz. Trotzdem beobachteten die Forscher günstige Veränderungen in verschiedenen Geweben und bei molekularen Signalwegen.

Daraus entstand die sogenannte Verdünnungshypothese. Ihr zufolge könnte weniger entscheidend sein, dem Körper vermeintlich verjüngende Stoffe zuzuführen. Stattdessen könnte es eine Rolle spielen, altersabhängig veränderte Plasmabestandteile zu verdünnen oder zu entfernen.

Welche einzelnen Stoffe dafür verantwortlich sind und ob sich dieser Mechanismus beim Menschen therapeutisch nutzen lässt, ist allerdings nicht abschließend geklärt. Alterungsprozesse sind komplex und lassen sich nicht auf einige wenige schädliche Substanzen im Plasma reduzieren.

Auch chronische, niedriggradige Entzündungsprozesse werden in diesem Zusammenhang untersucht. Dafür wird häufig der Begriff Inflammaging verwendet, eine Kombination aus den englischen Begriffen „inflammation“ für Entzündung und „aging“ für Altern. Die Hypothese lautet, dass Veränderungen verschiedener entzündungsfördernder und regulatorischer Proteine im Blut zu altersbedingten Veränderungen beitragen könnten.

Was unterscheidet Plasmaaustausch von jungem Spenderplasma?

Therapeutischer Plasmaaustausch darf nicht mit Infusionen von Plasma junger Spender verwechselt werden. Bei solchen Angeboten wird fremdes Plasma verabreicht, ohne zuvor das eigene Plasma im Rahmen eines therapeutischen Austauschs zu entfernen.

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnte bereits 2019 vor kommerziell angebotenen Infusionen mit Plasma junger Spender für Anti Aging und andere nicht zugelassene Anwendungen. Im Dezember 2024 erneuerte sie diese Warnung. Nach Angaben der Behörde gibt es keinen nachgewiesenen klinischen Nutzen von jungem Spenderplasma für solche Anwendungen.

Bekannt wurde das Thema auch durch den Tech-Unternehmer Bryan Johnson, der zeitweise Plasma seines Sohnes erhielt. Später erklärte Johnson selbst, dass er diese Behandlung beendet habe, weil er bei sich keinen Nutzen feststellen konnte. Mehr über seine Longevity-Experimente erfährst Du in unserem Beitrag über Bryan Johnson und Rapamycin.

Was zeigen Studien zur Plasmapherese als Longevity-Therapie?

2025 veröffentlichte die Fachzeitschrift Aging Cell eine randomisierte und placebokontrollierte Studie zum therapeutischen Plasmaaustausch bei gesunden Erwachsenen über 50 Jahren. Insgesamt 42 Teilnehmer schlossen die Untersuchung ab. Sie erhielten je nach Studiengruppe einen Plasmaaustausch alle zwei Wochen, einen monatlichen Plasmaaustausch, eine Kombination aus Plasmaaustausch und intravenösen Immunglobulinen oder eine Scheinbehandlung.

Intravenöse Immunglobuline, kurz IVIG, sind aufbereitete Antikörper aus menschlichem Spenderplasma. Sie werden bei verschiedenen immunologischen und neurologischen Erkrankungen eingesetzt.

Die Forscher untersuchten zahlreiche biologische Marker. Dazu gehörten epigenetische Uhren, Proteine, Stoffwechselprodukte, Entzündungsmarker und Veränderungen verschiedener Immunzellen.

Was bedeuten die 2,61 Jahre Verjüngung?

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt ein Ergebnis der Gruppe, die alle zwei Wochen TPE in Kombination mit IVIG bekam. Zu einem Messzeitpunkt errechneten die Forscher über die untersuchten biologischen Altersmaße eine durchschnittliche Abnahme von 2,61 Jahren gegenüber der Ausgangsmessung. Bei einem monatlichen Plasmaaustausch ohne IVIG betrug die durchschnittliche Veränderung zu diesem Zeitpunkt 1,32 Jahre.

Diese Zahlen dürfen jedoch nicht mit einer tatsächlichen Verjüngung um 2,61 beziehungsweise 1,32 Lebensjahre gleichgesetzt werden. Gemessen wurde nicht, ob die Teilnehmer länger lebten, seltener krank wurden oder körperlich leistungsfähiger waren. Untersucht wurden vor allem Biomarker und verschiedene mathematisch berechnete Maße des biologischen Alters.

Hinzu kommt eine wichtige Einschränkung: Bei einem späteren Messzeitpunkt waren die Unterschiede des biologischen Alters gegenüber der Kontrollgruppe nicht mehr statistisch signifikant. Schon innerhalb dieser kleinen Studie waren die Ergebnisse also nicht über alle Zeitpunkte hinweg gleich.

Eine zweite Studie kam zu einem anderen Ergebnis

Ebenfalls 2025 erschien in Scientific Reports eine Studie mit gesunden Blutspendern, die über 18 Wochen entweder vier oder acht Plasmapheresen erhielten. Anders als bei einem therapeutischen Plasmaaustausch wurde das entnommene Plasma dabei nicht durch eine Albuminlösung oder junges Plasma ersetzt.

Die Forscher fanden Veränderungen verschiedener Blutwerte, darunter Gesamtcholesterin, Triglyceride, Gesamtprotein und Albumin. Eine überzeugende epigenetische Verjüngung zeigte sich jedoch nicht. Mehrere untersuchte epigenetische Altersmaße entwickelten sich sogar in die entgegengesetzte Richtung. Die Autoren kamen deshalb zu dem Schluss, dass ihr untersuchtes Verfahren keinen eindeutigen Nutzen hinsichtlich der Alterungsmarker gezeigt hatte.

Die beiden Arbeiten untersuchten nicht dasselbe Verfahren und lassen sich deshalb nicht direkt gegeneinander aufrechnen. Gemeinsam zeigen sie aber, wie unsicher die Datenlage bisher ist.

Ein verändertes Ergebnis auf einer epigenetischen Uhr oder bei anderen Biomarkern ist noch kein Beweis dafür, dass eine Behandlung das menschliche Altern verlangsamt. Dafür wären größere, unabhängige Studien mit längerer Nachbeobachtung und klinisch relevanten Endpunkten nötig. Solche Endpunkte wären beispielsweise das Auftreten altersbedingter Erkrankungen, körperliche Leistungsfähigkeit, Pflegebedürftigkeit oder letztlich die Lebensdauer.

Welche Rolle spielt Albumin beim Plasmaaustausch? KI-generiertes Bild

Welche Rolle spielt Albumin beim Plasmaaustausch?

Beim therapeutischen Plasmaaustausch muss das entfernte Flüssigkeitsvolumen ersetzt werden. Häufig wird dafür eine Lösung mit Humanalbumin verwendet. Albumin ist das häufigste Eiweiß im Blutplasma und erfüllt mehrere wichtige Funktionen. Es trägt dazu bei, Flüssigkeit in den Blutgefäßen zu halten, und transportiert unter anderem Hormone, Fettsäuren, Medikamente und andere Moleküle.

Albumin besitzt außerdem antioxidative Eigenschaften. Das bedeutet, dass es an der Abwehr beziehungsweise Bindung reaktiver chemischer Verbindungen beteiligt ist. Seine Struktur und sein sogenannter Redoxzustand können sich durch Oxidationsprozesse verändern. Studien zeigen, dass der Anteil oxidierter Albuminformen unter anderem mit dem Alter und verschiedenen Erkrankungen zusammenhängen kann.

Ob die Gabe von Albumin beim Plasmaaustausch jedoch selbst einen Longevity-Effekt verursacht, ist nicht geklärt. Im Mausversuch von 2020 wurde Albumin vor allem eingesetzt, um das durch die Plasmaverdünnung verlorene Eiweiß zu ersetzen. Die Forscher betonten selbst, dass die zusätzliche Albumingabe wahrscheinlich nicht allein für die beobachteten Veränderungen verantwortlich war.

Für die Longevity-Forschung kommen deshalb mehrere mögliche Mechanismen infrage. Denkbar sind sowohl die Verdünnung bestimmter Plasmabestandteile als auch Veränderungen komplexer Signalwege nach dem Plasmaaustausch. Welcher Mechanismus beim Menschen tatsächlich relevant ist und ob daraus überhaupt ein gesundheitlicher Nutzen entsteht, muss erst weiter untersucht werden.

Wie läuft ein therapeutischer Plasmaaustausch ab?

Vor einem therapeutischen Plasmaaustausch steht eine ärztliche Untersuchung. Dabei wird geprüft, ob das Verfahren für Dich geeignet ist und ob Faktoren vorliegen, die das Risiko erhöhen könnten. Welche Laborwerte dafür bestimmt werden, hängt von Deiner gesundheitlichen Situation und vom geplanten Verfahren ab. Häufig werden unter anderem Blutbild, Gerinnungswerte und der Eiweißhaushalt kontrolliert.

Für die Behandlung benötigt das Apheresegerät einen ausreichenden venösen Zugang. Häufig können dafür Venen an den Armen genutzt werden. Reichen diese nicht aus, kann bei medizinisch notwendigen Behandlungen ein zentraler Venenkatheter erforderlich sein.

Während der Behandlung wird Dein Blut in das Apheresegerät geleitet. Dort werden Blutzellen und Plasma voneinander getrennt. Die Blutzellen gelangen zusammen mit der Ersatzflüssigkeit zurück in Deinen Kreislauf. Je nach Erkrankung und Behandlungsschema wird meist ungefähr das ein bis eineinhalbfache des errechneten Plasmavolumens ausgetauscht. Die genaue Menge richtet sich unter anderem nach Körpergewicht, Größe und medizinischer Fragestellung.

Eine Sitzung dauert häufig etwa zwei bis drei Stunden, kann je nach Verfahren und Austauschvolumen aber auch kürzer oder länger sein. Währenddessen werden unter anderem Blutdruck, Puls und Dein Befinden überwacht.

Was ist nach dem Plasmaaustausch zu beachten?

Wie Du Dich nach dem Plasmaaustausch verhalten solltest, hängt vom individuellen Verlauf ab. Bei Schwindel oder Kreislaufproblemen solltest Du Dich körperlich schonen. Die behandelnde Praxis oder Klinik gibt Dir außerdem konkrete Hinweise zur Flüssigkeitszufuhr, zu Medikamenten und zu körperlicher Belastung.

Für die Anwendung bei gesunden Menschen mit Longevity-Ziel gibt es bisher kein wissenschaftlich etabliertes Behandlungsschema. Weder die optimale Zahl der Sitzungen noch die Abstände zwischen den Behandlungen oder der langfristige Nutzen sind geklärt. Protokolle einzelner Anbieter oder aus kleinen Studien sollten deshalb nicht als allgemein anerkannte Empfehlung verstanden werden.

Welche Risiken und Nebenwirkungen hat die Plasmapherese?

Der therapeutische Plasmaaustausch ist ein seit Jahrzehnten eingesetztes medizinisches Verfahren und gilt in erfahrenen Händen insgesamt als gut beherrschbar. Risikofrei ist er dennoch nicht. Welche Nebenwirkungen auftreten können, hängt unter anderem von der verwendeten Ersatzflüssigkeit, der Art der Gerinnungshemmung, dem Gefäßzugang und dem Gesundheitszustand des Patienten ab.

Kreislauf und Kalziumhaushalt

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Blutdruckabfall, Schwindel, Übelkeit und Schwäche. Veränderungen des Flüssigkeitshaushalts während des Austauschs können den Kreislauf belasten.

Bei vielen Aphereseverfahren wird Citrat eingesetzt, damit das Blut außerhalb des Körpers nicht gerinnt. Citrat bindet ionisiertes Kalzium. Dadurch kann der Kalziumspiegel vorübergehend sinken. Typische Beschwerden sind Kribbeln an Lippen, Fingern oder Zehen. Bei ausgeprägteren Reaktionen können Muskelkrämpfe oder andere Beschwerden auftreten. Das Behandlungsteam überwacht entsprechende Symptome und kann bei Bedarf Kalzium zuführen.

Verlust wichtiger Plasmabestandteile

Beim Plasmaaustausch werden nicht nur möglicherweise unerwünschte Substanzen entfernt. Auch körpereigene Proteine verlassen den Kreislauf. Dazu gehören Gerinnungsfaktoren und Immunglobuline, also Antikörper des Immunsystems.

Besonders bei wiederholten Behandlungen kann die Konzentration solcher Proteine sinken. Das muss bei der Planung und Überwachung berücksichtigt werden. Ein allgemeines relevantes Infektionsrisiko nach einzelnen Sitzungen lässt sich daraus jedoch nicht automatisch ableiten.

Wird Albumin als Ersatzlösung verwendet, können Gerinnungsfaktoren wie Fibrinogen vorübergehend abnehmen. Bei bestimmten Erkrankungen oder einem erhöhten Blutungsrisiko kann deshalb eine andere Zusammensetzung der Ersatzflüssigkeit notwendig sein.

Reaktionen auf Spenderplasma und Gefäßzugänge

Wenn Spenderplasma eingesetzt wird, können allergische beziehungsweise transfusionsbedingte Reaktionen auftreten. Diese reichen von milden Hautreaktionen bis zu seltenen schweren Komplikationen. Humanalbumin verursacht solche Reaktionen seltener, ist aber ebenfalls nicht völlig frei von Nebenwirkungen.

Auch der Gefäßzugang birgt Risiken. Möglich sind Blutergüsse, Schmerzen oder Verletzungen an der Einstichstelle. Bei einem zentralen Venenkatheter kommen weitere Risiken wie Infektionen, Blutungen oder Gefäßkomplikationen hinzu.

Ob ein therapeutischer Plasmaaustausch durchgeführt werden kann, muss deshalb immer individuell beurteilt werden. Für einen gesunden Menschen ist diese Nutzen-Risiko-Abwägung besonders wichtig, da dem Eingriffsrisiko bei einer Longevity-Anwendung bislang kein nachgewiesener gesundheitlicher Langzeitnutzen gegenübersteht.

Für welche Erkrankungen ist der Plasmaaustausch medizinisch etabliert? KI-generiertes Bild

Für welche Erkrankungen ist der Plasmaaustausch medizinisch etabliert?

Der therapeutische Plasmaaustausch ist keine experimentelle Behandlung an sich. Bei bestimmten Erkrankungen gehört er seit Langem zum medizinischen Behandlungsspektrum. Die American Society for Apheresis, kurz ASFA, bewertet regelmäßig, für welche Erkrankungen Aphereseverfahren empfohlen werden und wie gut die wissenschaftliche Evidenz dafür ist.

Zu den Erkrankungen, bei denen ein therapeutischer Plasmaaustausch je nach Situation eine wichtige Rolle spielen kann, gehören beispielsweise das Guillain-Barré-Syndrom, eine akute entzündliche Erkrankung des peripheren Nervensystems, schwere Verläufe der Myasthenia gravis sowie die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura, kurz TTP. Bei der TTP bilden sich kleine Blutgerinnsel in den Gefäßen, die verschiedene Organe schädigen können.

Auch bei weiteren neurologischen, hämatologischen, immunologischen und nephrologischen Erkrankungen kann der Plasmaaustausch eingesetzt werden. Entscheidend ist jedoch die konkrete Diagnose. Dass ein Verfahren bei bestimmten Autoimmunerkrankungen wirksam ist, bedeutet nicht, dass es bei Autoimmunerkrankungen allgemein empfohlen wird.

Von diesen medizinischen Indikationen muss die Anwendung bei gesunden Menschen klar getrennt werden. Für den Einsatz mit dem Ziel, Alterungsprozesse zu verlangsamen oder das biologische Alter zu reduzieren, gibt es derzeit keine etablierte Leitlinienempfehlung. Die Anwendung befindet sich wissenschaftlich weiterhin in einem experimentellen Bereich.

Wer bietet Plasmapherese als Longevity-Behandlung im DACH-Raum an?

Therapeutische Plasmaaustauschverfahren werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor allem in Universitätskliniken, transfusionsmedizinischen Einrichtungen und spezialisierten Apheresezentren durchgeführt. Dort kommen sie in erster Linie bei medizinisch anerkannten Indikationen zum Einsatz.

Daneben gibt es einzelne private Einrichtungen, die Plasmaaustausch oder verwandte Aphereseverfahren im Rahmen von Longevity- und Präventionskonzepten anbieten. Das Angebot verändert sich jedoch laufend, und es gibt kein einheitliches Behandlungsprotokoll für gesunde Menschen.

Wenn Du Dich für eine solche Behandlung interessierst, solltest Du deshalb genauer hinsehen. Wichtig sind vor allem eine ärztliche Voruntersuchung, Erfahrung mit therapeutischen Aphereseverfahren, eine nachvollziehbare Auswahl des Verfahrens sowie eine transparente Aufklärung darüber, dass ein Anti-Aging-Nutzen bislang nicht nachgewiesen ist.

Was kostet eine Blutwäsche für Longevity?

Die Kosten hängen stark vom Verfahren und Anbieter ab. Aktuell veröffentlichte Selbstzahlerpreise zeigen eine große Spannbreite: In Deutschland werden Plasmapherese beziehungsweise Aphereseverfahren beispielsweise für etwa 1.800 bis 2.700 Euro pro Sitzung angeboten. In der Schweiz kann ein therapeutischer Plasmaaustausch im Longevity-Bereich rund 6.800 Schweizer Franken pro Sitzung kosten.

Andere Aphereseverfahren liegen teilweise bei etwa 1.300 bis 2.600 Euro pro Behandlung, sind aber nicht direkt mit einem therapeutischen Plasmaaustausch vergleichbar. Bei mehreren Sitzungen können daher schnell Gesamtkosten von mehreren Tausend Euro entstehen.

Zusätzlich können Kosten für Voruntersuchungen, Labor, Ersatzlösungen und Nachkontrollen anfallen. Wird die Behandlung ausschließlich aus Longevity- oder Anti-Aging-Gründen durchgeführt, ist sie in der Regel eine Selbstzahlerleistung.

Wie sinnvoll ist Plasmapherese als Anti-Aging-Maßnahme?

Nach heutigem Wissensstand lässt sich nicht sagen, dass ein therapeutischer Plasmaaustausch bei gesunden Menschen das Altern verlangsamt. Es gibt interessante biologische Hypothesen und erste Studien am Menschen, aber noch keinen Nachweis für einen langfristigen gesundheitlichen Nutzen.

Die 2025 veröffentlichte Studie aus dem Umfeld des Buck Institute zeigte Veränderungen verschiedener Biomarker und epigenetischer Altersmaße. Gleichzeitig fand eine andere Humanstudie aus demselben Jahr keine epigenetische Verjüngung und bei einigen Messverfahren sogar Veränderungen in die entgegengesetzte Richtung.

Diese Ergebnisse machen deutlich, warum Biomarker und klinischer Nutzen getrennt betrachtet werden müssen. Selbst wenn sich eine epigenetische Uhr nach einer Behandlung in eine günstigere Richtung verändert, bedeutet das nicht automatisch, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Demenz sinkt oder dass die Lebenserwartung steigt.

Was bedeutet das für Deine Entscheidung?

Für eine Empfehlung als Anti-Aging-Behandlung fehlen derzeit vor allem größere unabhängige Studien, längere Nachbeobachtungszeiten und klinisch relevante Endpunkte. Unklar ist außerdem, welches Verfahren überhaupt sinnvoll wäre, wie häufig es durchgeführt werden müsste und welche möglichen Folgen wiederholte Behandlungen über Jahre haben könnten.

Gut belegt für gesundes Altern sind dagegen Maßnahmen wie regelmäßige körperliche Aktivität, Nichtrauchen, ausgewogene Ernährung sowie die Behandlung von Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten und anderen etablierten Risikofaktoren.

Wenn Du Dich trotzdem für einen therapeutischen Plasmaaustausch aus Longevity-Gründen interessierst, solltest Du Nutzen, Unsicherheiten und Risiken mit einem Arzt besprechen, der Erfahrung mit Aphereseverfahren hat. Bei einer experimentellen Anwendung an gesunden Menschen sollte die entscheidende Frage nicht sein, ob sich einzelne Biomarker verändern, sondern ob der zu erwartende Nutzen das Eingriffsrisiko tatsächlich rechtfertigt.

Mehr zu verwandten Themen liest Du in unseren Beiträgen zu NAD+ Infusion.

Häufige Fragen zur Plasmapherese und Longevity

Was ist der Unterschied zwischen Plasmapherese und jungem Spenderplasma?
Wie oft müsste eine Plasmapherese durchgeführt werden?
Ist Plasmapherese als Anti-Aging-Behandlung zugelassen?
Was kostet eine Plasmapherese als Longevity-Behandlung?
Welche Nebenwirkungen sind möglich?
Macht Plasmapherese biologisch jünger?

Quellen

Fuentealba M, Kiprov D, Schneider K, et al. Multi-Omics Analysis Reveals Biomarkers That Contribute to Biological Age Rejuvenation in Response to Single-Blinded Randomized Placebo-Controlled Therapeutic Plasma Exchange. Aging Cell. 2025;24(8):e70103. doi:10.1111/acel.70103.

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Borsky P, Holmannova D, Parova H, et al. Human clinical trial of plasmapheresis effects on biomarkers of aging (efficacy and safety trial). Sci Rep. 2025;15:21059. doi:10.1038/s41598-025-05396-0.

Connelly-Smith L, Alquist CR, Aqui NA, et al. Guidelines on the Use of Therapeutic Apheresis in Clinical Practice: Evidence-Based Approach from the Writing Committee of the American Society for Apheresis: The Ninth Special Issue. J Clin Apher. 2023;38(2):77–278. doi:10.1002/jca.22043.

Conboy IM, Conboy MJ, Wagers AJ, Girma ER, Weissman IL, Rando TA. Rejuvenation of aged progenitor cells by exposure to a young systemic environment. Nature. 2005;433(7027):760–764. doi:10.1038/nature03260.

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