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Inflammaging

Inflammaging beschreibt eine niedriggradige Entzündung im höheren Alter: wie sie entsteht, was Marker aussagen und…

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Mit zunehmendem Alter verändert sich das Immunsystem auf mehreren Ebenen. Bestimmte Abwehrreaktionen auf neue Erreger können schwächer werden, während gleichzeitig bei vielen Menschen eine erhöhte entzündliche Grundaktivität messbar ist. Für diesen zweiten Aspekt hat die Alternsforschung den Begriff Inflammaging geprägt, zusammengesetzt aus den englischen Begriffen für Entzündung und Altern.

Inflammaging ist keine eigenständige Krankheit und verursacht kein typisches Symptom. Es beschreibt vielmehr ein Muster chronischer, niedriggradiger Entzündungsaktivität, das mit verschiedenen altersassoziierten Erkrankungen verbunden sein kann. Die Grundlagen zu hs-CRP, Risikobereichen und der klinischen Einordnung findest Du auf unserer Seite zur stillen Entzündung.

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Das Wichtigste in Kürze

Inflammaging bezeichnet altersassoziierte chronische Entzündungsprozesse und ist nicht dasselbe wie Immunoseneszenz.

Das Immunsystem verändert sich mit dem Alter auf mehreren Ebenen, unter anderem bei T-Zellen, angeborener Abwehr und Impfantwort.

hs-CRP ist klinisch deutlich besser etabliert als NLR, LMR, IL-6, TNF-α oder eine Glykan-Uhr.

Ein erhöhter Entzündungswert sollte nicht vorschnell dem Alter zugeschrieben werden, weil auch behandelbare Erkrankungen dahinterstecken können.

Was ist Inflammaging und was passiert dabei im Körper?

Der italienische Immunologe Claudio Franceschi prägte den Begriff Inflammaging um das Jahr 2000. Gemeint war die Beobachtung, dass sich im Laufe des Lebens eine chronische, niedriggradige Entzündungsaktivität entwickeln kann, auch ohne dass eine akute Infektion vorliegt. Lebenslange Belastungen durch Infektionen, Zellschäden, Stoffwechselveränderungen und andere Reize können dazu beitragen.

Entzündung ist grundsätzlich eine notwendige Schutzreaktion. Sie hilft dem Körper, Infektionen zu kontrollieren und geschädigtes Gewebe zu reparieren. Problematisch kann eine dauerhaft erhöhte Aktivität werden, wenn entzündliche Signale nicht vollständig abklingen und über längere Zeit auf Gewebe einwirken.

Im erweiterten Modell der zwölf Hallmarks of Aging wird chronische Entzündung seit 2023 als eigener integrativer Hallmark geführt. Zu dieser Gruppe gehören außerdem Stammzellerschöpfung, veränderte interzelluläre Kommunikation und Dysbiose. Diese Prozesse beeinflussen sich gegenseitig, weshalb Inflammaging nicht als Endpunkt einer einfachen Kette verstanden werden sollte.

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Wie unterscheiden sich Inflammaging und Immunoseneszenz?

Inflammaging und Immunoseneszenz hängen eng zusammen, sind aber nicht identisch. Inflammaging beschreibt vor allem die chronische entzündliche Grundaktivität. Immunoseneszenz umfasst dagegen den gesamten altersabhängigen Umbau des Immunsystems.

Ein Teil dieser Veränderungen betrifft die T-Zellen. Der Thymus, in dem T-Zellen heranreifen, bildet sich schon ab dem jungen Erwachsenenalter zurück. Dadurch verändert sich im Laufe des Lebens unter anderem die Zusammensetzung von naiven, Gedächtnis- und stärker differenzierten T-Zellen.

Auch lebenslange Infektionen können dieses Muster beeinflussen. Besonders das Zytomegalievirus, kurz CMV, wird mit deutlichen Veränderungen bestimmter T-Zell-Populationen in Verbindung gebracht. Wie stark solche Veränderungen ausfallen, unterscheidet sich jedoch erheblich zwischen einzelnen Menschen.

Auch das angeborene Immunsystem verändert sich mit dem Alter. Bestimmte entzündliche Signalwege können häufiger aktiviert sein, während gleichzeitig einzelne Abwehrfunktionen weniger effizient werden. Die einfache Formel „mehr angeborene Aktivität, weniger adaptive Abwehr“ beschreibt deshalb nur einen Teil der Veränderungen.

Das Verhältnis von CD4- zu CD8-T-Zellen kann sich ebenfalls verändern. Ein umgekehrtes Verhältnis wurde in älteren Forschungsarbeiten als Teil bestimmter Immunrisikoprofile beschrieben, ist aber kein allgemeines Kennzeichen normalen Alterns. Ein einzelner CD4/CD8-Wert erlaubt deshalb keine Diagnose eines „alten Immunsystems“.

Im Ergebnis kann das Immunsystem gleichzeitig entzündlicher und in bestimmten Bereichen weniger anpassungsfähig werden. Das hilft zu erklären, warum einige Infektionen im höheren Alter schwerer verlaufen und die Reaktion auf manche Impfstoffe schwächer ausfallen kann. Andere Impfstoffe, etwa moderne Gürtelroseimpfstoffe, erreichen dagegen auch bei älteren Menschen eine hohe Wirksamkeit.

Welche Prozesse können Inflammaging fördern?

Inflammaging entsteht wahrscheinlich nicht aus einer einzigen Quelle. Mehrere Veränderungen können sich gegenseitig verstärken und gemeinsam zu einer höheren entzündlichen Grundaktivität beitragen. Welche Faktoren bei einem einzelnen Menschen besonders relevant sind, lässt sich derzeit nicht anhand eines Hallmark-Tests bestimmen.

Seneszente Zellen

Seneszente Zellen teilen sich dauerhaft nicht mehr, bleiben aber stoffwechselaktiv. Einige dieser Zellen geben entzündliche Botenstoffe, Wachstumsfaktoren und Enzyme an ihre Umgebung ab. Dieses als SASP bezeichnete Sekretionsmuster kann lokale und systemische Entzündungsprozesse beeinflussen.

Nicht jede seneszente Zelle produziert jedoch dieselben Botenstoffe. Das Muster hängt unter anderem vom Zelltyp und vom auslösenden Stress ab. Zelluläre Seneszenz und Inflammaging überschneiden sich deshalb, sind aber nicht dasselbe.

Viszerales Fett

Viszerales Fettgewebe im Bauchraum ist metabolisch aktiv und kann verschiedene entzündliche Botenstoffe freisetzen. Bei Übergewicht und Adipositas verändert sich zusätzlich die Zusammensetzung der Immunzellen im Fettgewebe. Dadurch können Entzündung, Insulinresistenz und Stoffwechselstörungen miteinander verstärkt werden.

Viszerales Fett ist deshalb ein wichtiger modifizierbarer Risikofaktor für metabolische Erkrankungen. Es ist aber keine Voraussetzung für Inflammaging und erklärt nicht jede altersabhängige Entzündungsveränderung. Auch normalgewichtige ältere Menschen können veränderte Entzündungsmarker aufweisen.

Darmbarriere und Mikrobiom

Auch Veränderungen von Darmbarriere und Mikrobiom werden als mögliche Quellen altersassoziierter Entzündung untersucht. Unter bestimmten Bedingungen können mikrobielle Bestandteile leichter mit dem Immunsystem in Kontakt kommen und entzündliche Signale auslösen. Wie wichtig dieser Mechanismus für gesund alternde Menschen tatsächlich ist, wird weiter erforscht.

Eine generell „durchlässige Darmbarriere“ sollte deshalb nicht als normale Folge des Alterns dargestellt werden. Ernährung, Medikamente, Erkrankungen und Zusammensetzung des Mikrobioms beeinflussen die Darmbarriere ebenfalls. Ein einzelner kommerzieller Darmmarker kann diesen komplexen Prozess nicht zuverlässig abbilden.

Zellschäden und Mitochondrien

Beschädigte Zellen können körpereigene Gefahrensignale freisetzen, die das Immunsystem aktivieren. Dazu gehören Bestandteile geschädigter Mitochondrien oder anderer Zellstrukturen. Solche Signale können mit Entzündungswegen interagieren, wenn Reparatur- und Abbaumechanismen nicht ausreichend greifen.

Auch hier bestehen enge Verbindungen zu anderen Hallmarks of Aging. Mitochondriale Dysfunktion, Autophagie, Proteostase und Entzündung lassen sich biologisch nicht vollständig voneinander trennen. Der Hallmarks-Rahmen hilft vor allem dabei, diese Überschneidungen zu ordnen.

Klonale Hämatopoese

Mit zunehmendem Alter können einzelne Blutstammzellklone erworbene Mutationen tragen und sich gegenüber anderen Zellen ausbreiten. Wenn eine solche klonale Hämatopoese ohne manifeste hämatologische Krebserkrankung bestimmte Kriterien erfüllt, spricht man häufig von CHIP. Der Befund wird mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Blutkrebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Nicht jede CHIP-Mutation beeinflusst Entzündungswege auf dieselbe Weise. Für bestimmte Veränderungen, etwa in TET2, gibt es besonders gute mechanistische Hinweise auf veränderte entzündliche Signalwege. Deshalb sollte CHIP nicht pauschal als direkte Ursache von Inflammaging beschrieben werden.

In einer großen Analyse war klonale Hämatopoese mit einem ungefähr 1,9-fach erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheit verbunden. Solche Daten zeigen eine relevante Assoziation, beweisen aber nicht, dass bei jedem Menschen mit CHIP Entzündung die Ursache der Gefäßerkrankung ist. CHIP gehört zudem nicht zu einem allgemeinen Inflammaging-Screening gesunder Menschen.

Wie gut ist der Zusammenhang mit dem Altern beim Menschen belegt?

Für einige Entzündungsmarker gibt es umfangreiche Beobachtungsdaten. Höhere Konzentrationen von CRP und IL-6 sind in vielen Kohorten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gebrechlichkeit, metabolischen Erkrankungen und höherer Sterblichkeit verbunden. Solche Zusammenhänge machen die Marker prognostisch interessant, beweisen aber noch keine Ursache.

Auch das Verhältnis von Neutrophilen zu Lymphozyten, kurz NLR, wurde in großen Bevölkerungsstudien untersucht. In einer niederländischen Kohorte mit 8.715 Menschen war eine höhere NLR über knapp zwölf Jahre mit einer höheren Gesamtsterblichkeit verbunden. Für gesunde Menschen existiert daraus jedoch kein allgemein akzeptierter Grenzwert für Inflammaging.

Einen stärkeren Hinweis auf eine ursächliche Beteiligung von Entzündung liefert die Kardiologie. In der CANTOS-Studie senkte eine gezielte Hemmung von Interleukin-1β bei Menschen nach Herzinfarkt weitere kardiovaskuläre Ereignisse, ohne die Blutfette zu verändern. Das zeigt, dass bestimmte Entzündungswege bei Atherosklerose therapeutisch relevant sein können.

Diese Ergebnisse dürfen trotzdem nicht auf gesundes Altern übertragen werden. Die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer waren bereits kardiovaskulär erkrankt und hatten ein erhöhtes Entzündungsniveau. Daraus folgt keine Empfehlung, Entzündungswege bei gesunden Menschen vorbeugend mit Medikamenten zu hemmen.

Viele weitere mechanistische Erkenntnisse stammen aus Tierexperimenten. Das Entfernen bestimmter seneszenter Zellen oder Eingriffe in Entzündungssignalwege können bei Mäusen Gesundheit und teilweise Lebensspanne beeinflussen. Ob damit beim Menschen normales Altern verlangsamt werden kann, ist offen.

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Woran merkt man Inflammaging im Alltag?

Inflammaging selbst verursacht keine charakteristischen Beschwerden. Müdigkeit, Gelenkschmerzen, schlechter Schlaf oder Leistungsknick sind viel zu unspezifisch und haben häufig andere, behandelbare Ursachen. Ein solches Symptom sollte deshalb nicht vorschnell einer altersbedingten Grundentzündung zugeschrieben werden.

Auch Veränderungen des Immunsystems lassen sich im Alltag nicht zuverlässig diagnostizieren. Häufige oder ungewöhnlich schwere Infektionen können beispielsweise auf eine Immunstörung hinweisen, haben aber zahlreiche mögliche Ursachen. Solche Auffälligkeiten gehören in die medizinische Abklärung durch Ärzte und Ärztinnen.

Herz und Gefäße

Entzündung ist an der Entstehung und Progression von Atherosklerose beteiligt. Immunzellen und entzündliche Botenstoffe beeinflussen die Gefäßwand und können zur Instabilität atherosklerotischer Plaques beitragen. Diese Mechanismen sind durch klinische und experimentelle Forschung gut belegt.

Ein erhöhter Entzündungsmarker bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Gefäßerkrankung vorliegt. Blutdruck, LDL-Cholesterin, Rauchen, Diabetes und weitere Faktoren bleiben für die kardiovaskuläre Risikobeurteilung zentral. Entzündungsmarker können in bestimmten Situationen zusätzliche Informationen liefern.

Stoffwechsel

Chronische Entzündungsprozesse sind eng mit Adipositas und Insulinresistenz verbunden. Besonders viszerales Fett kann entzündliche Signale verstärken und damit den Stoffwechsel beeinflussen. Gleichzeitig können Stoffwechselstörungen wiederum Entzündungsprozesse fördern.

Die Richtung ist deshalb nicht eindeutig. Inflammaging ist weder die einzige Ursache von Typ-2-Diabetes noch dessen notwendige Voraussetzung. Für die klinische Behandlung bleiben Blutzucker, Gewicht, Blutdruck, Bewegung und weitere etablierte Risikofaktoren wesentlich wichtiger.

Muskel und Gebrechlichkeit

Höhere Entzündungsmarker werden in Beobachtungsstudien mit geringerer Muskelkraft, Sarkopenie und Frailty in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich greifen dabei Entzündung, Bewegungsmangel, chronische Erkrankungen, hormonelle Veränderungen und Ernährung ineinander. Eine direkte Messung eines entzündlichen Muskelabbaus gibt es im Alltag nicht.

Kraftverlust oder Schwierigkeiten beim Gehen sollten deshalb nicht als typische Symptome von Inflammaging interpretiert werden. Sie gehören anhand etablierter funktioneller Kriterien abgeklärt. Häufig lassen sich konkrete Ursachen und therapeutische Ansatzpunkte finden.

Schlaf und Gehirn

Schlaf und Entzündung beeinflussen sich gegenseitig. In einer großen Übersichtsarbeit über 72 Studien mit mehr als 50.000 Teilnehmenden waren Schlafstörungen mit höheren CRP- und IL-6-Werten verbunden. Solche Beobachtungen beweisen jedoch nicht, dass schlechter Schlaf allein Inflammaging verursacht.

Auch für das Gehirn werden Zusammenhänge zwischen chronischer Entzündung, Gefäßgesundheit und neurodegenerativen Erkrankungen untersucht. Die Mechanismen sind komplex und nicht auf einen einzelnen Entzündungsmarker reduzierbar. Ein erhöhter CRP- oder IL-6-Wert ist deshalb kein Demenztest.

Was bedeutet Inflammaging für die Haut?

Auch die Haut verändert sich mit dem Alter auf vielen Ebenen. UV-Strahlung, intrinsisches Altern, Barriereveränderungen, oxidativer Stress und zelluläre Seneszenz können entzündliche Prozesse im Gewebe fördern. Sichtbare Hautalterung ist trotzdem kein Beweis für systemisches Inflammaging.

Seneszente Hautzellen können Botenstoffe und Enzyme abgeben, die ihre Umgebung und den Abbau von Kollagen beeinflussen. Gleichzeitig wird die Hautbarriere im höheren Alter bei manchen Menschen trockener und störanfälliger. Diese Veränderungen können lokale Entzündungsreaktionen begünstigen.

Interessant ist eine kleine Pilotstudie mit 33 älteren Menschen, die über 30 Tage zweimal täglich eine barrierestärkende Hautpflege verwendeten. Danach waren Interleukin-1β und Interleukin-6 im Blut niedriger als zuvor, während die Ergebnisse für andere Marker weniger eindeutig waren. Wegen der kleinen Teilnehmerzahl und des Studiendesigns lässt sich daraus keine allgemeine Therapie gegen Inflammaging ableiten.

Wie lässt sich Inflammaging messen?

Einen klinisch validierten Inflammaging-Wert gibt es nicht. Auch mehrere Entzündungsparameter zusammen ergeben derzeit keinen anerkannten Score, mit dem Ärzte und Ärztinnen feststellen könnten, wie „entzündet“ Dein Immunsystem biologisch gealtert ist. Laborwerte sollten deshalb immer eine konkrete medizinische Frage beantworten.

Am besten etabliert ist das hochsensitive CRP, besonders im Zusammenhang mit kardiovaskulärem Risiko. Weitere Marker wie NLR, LMR, IL-6, TNF-α oder Immunzellprofile werden in Forschung und ausgewählten klinischen Situationen eingesetzt. Für ein allgemeines Longevity-Screening fehlen dagegen validierte Ziel- und Grenzwerte.

Was sagt hs-CRP aus?

CRP ist ein Akutphaseprotein, das vor allem in der Leber gebildet wird. Das hochsensitive Verfahren, kurz hs-CRP, kann auch niedrige Konzentrationen erfassen und wird unter anderem in der kardiovaskulären Risikobeurteilung eingesetzt. Es ist jedoch kein spezifischer Marker für Inflammaging.

Ein erhöhter Wert kann zahlreiche Ursachen haben. Infekte, Adipositas, Rauchen, chronisch entzündliche Erkrankungen und andere Faktoren können CRP beeinflussen. Die Grundlagen zur Messung und Einordnung findest Du ausführlich auf unserer Seite zur stillen Entzündung.

Was sagen NLR und LMR aus?

Die Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio, kurz NLR, und die Lymphozyten-Monozyten-Ratio, kurz LMR, lassen sich aus einem Differenzialblutbild berechnen. Beide wurden in vielen Beobachtungsstudien als prognostische Marker untersucht. Sie können sich bei Infektionen, Stress, Medikamenten, Rauchen und zahlreichen Erkrankungen verändern.

Für gesunde Menschen gibt es keine verbindlichen Grenzwerte, mit denen sich Inflammaging diagnostizieren ließe. Eine hohe NLR bedeutet auch nicht automatisch, dass die angeborene Immunabwehr „zu aktiv“ und die adaptive Abwehr „zu schwach“ ist. Dafür sind die zugrunde liegenden Zellpopulationen und Krankheitsprozesse zu komplex.

Was sagt Ferritin aus?

Ferritin ist in erster Linie ein Eiweiß des Eisenstoffwechsels und spiegelt die Eisenspeicher mit wider. Gleichzeitig gehört es zu den Akutphaseproteinen und kann bei Entzündungen ansteigen. Ein hoher Wert hat deshalb zahlreiche mögliche Ursachen.

Dazu gehören beispielsweise Eisenüberladung, Lebererkrankungen, Alkohol, metabolische Erkrankungen oder akute und chronische Entzündungen. Ferritin allein eignet sich deshalb nicht als Inflammaging-Marker. Seine Interpretation erfolgt zusammen mit weiteren Eisenparametern und der klinischen Situation.

Was sagen IL-6, TNF-α und Fibrinogen aus?

Interleukin-6 und TNF-α sind wichtige Botenstoffe des Immunsystems und für die Forschung zum Inflammaging relevant. Sie schwanken biologisch und können durch Bewegung, Infekte, Erkrankungen und andere Einflüsse verändert werden. Für gesunde Menschen existieren keine allgemein anerkannten Longevity-Zielwerte.

IL-6 stimuliert unter anderem die Bildung von CRP in der Leber. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Messung von IL-6 automatisch genauer oder klinisch sinnvoller ist als hs-CRP. In der Routine liefert sie bei beschwerdefreien Menschen meist keine zusätzliche handlungsrelevante Information.

Fibrinogen ist sowohl an der Blutgerinnung als auch an Entzündungsreaktionen beteiligt. Der Wert kann bei Entzündungen steigen und ist mit kardiovaskulärem Risiko assoziiert. Auch er ist jedoch kein spezifischer Marker für Inflammaging.

Können Immunzellprofile Immunoseneszenz messen?

Mit der Durchflusszytometrie lassen sich T-Zellen, B-Zellen, natürliche Killerzellen und weitere Immunzellpopulationen sehr detailliert bestimmen. Solche Untersuchungen sind bei bestimmten immunologischen und hämatologischen Erkrankungen klinisch wichtig. In der Alternsforschung werden sie zusätzlich genutzt, um altersabhängige Veränderungen des Immunsystems zu untersuchen.

Daraus entsteht aber kein standardisiertes persönliches Immunalter. Auch das CD4/CD8-Verhältnis ist allein nicht ausreichend, weil es durch Alter, Infektionen, Medikamente und viele weitere Faktoren beeinflusst wird. Für gesunde Menschen folgt aus einem vermeintlich „alten“ Immunprofil derzeit keine etablierte Therapie.

Was ist die Glykan-Uhr?

Die Glykan-Uhr untersucht bestimmte Zuckerstrukturen auf Immunglobulin G. Diese Glykane beeinflussen verschiedene Eigenschaften und Immunfunktionen des Antikörpers und verändern sich im Laufe des Lebens. Dadurch lassen sich statistische Modelle entwickeln, die mit dem chronologischen Alter korrelieren.

In einer Untersuchung mit 5.117 Menschen aus vier europäischen Populationen erklärten drei IgG-Glykane bis zu 58 Prozent der Unterschiede im Lebensalter. Das macht die Methode wissenschaftlich interessant, aber nicht zu einem klinisch validierten Inflammaging-Test. Es ist nicht gezeigt, dass eine Verbesserung eines solchen Scores Erkrankungen verhindert oder die Lebensspanne verlängert.

Welche Vorbereitung ist vor Entzündungsmessungen sinnvoll?

Für alle Entzündungsmarker gibt es kein gemeinsames Standardprotokoll. hs-CRP muss beispielsweise nicht grundsätzlich morgens oder nüchtern bestimmt werden. Entscheidend ist vielmehr, dass eine akute Erkrankung oder andere vorübergehende Ursache bei der Interpretation berücksichtigt wird.

Auch Sport, Medikamente, Impfungen und andere Einflüsse können je nach untersuchtem Marker relevant sein. Ob eine Messung verschoben werden sollte, hängt deshalb vom konkreten Test und der medizinischen Fragestellung ab. Ärzte und Ärztinnen können einschätzen, welche Bedingungen für eine geplante Untersuchung wichtig sind.

Eine starre Regel wie „zwei Wochen nach jeder Impfung keine Blutabnahme“ gibt es nicht für sämtliche Entzündungswerte. Ebenso muss bei Frauen für solche Marker nicht grundsätzlich derselbe Zyklustag eingehalten werden. Präanalytik sollte testbezogen und nicht nach einem allgemeinen Inflammaging-Schema erfolgen.

Können Wearables Inflammaging erkennen?

Wearables messen keine Entzündung. Ruhepuls, Schlafdauer oder Hauttemperatur können sich bei Infekten oder anderen körperlichen Belastungen verändern und dadurch Hinweise auf Abweichungen vom persönlichen Ausgangswert liefern. Sie sind aber weder Inflammaging-Test noch Ersatz für eine medizinische Untersuchung.

In einer großen Fitbit-Auswertung standen Daten von rund 200.000 Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung, von denen etwa 47.000 die Kriterien der Hauptanalyse erfüllten. Veränderungen von Ruhepuls und Schlaf verbesserten auf Bevölkerungsebene die Erkennung grippeähnlicher Erkrankungswellen. Das ist interessant für epidemiologische Überwachung, erlaubt aber keine individuelle Diagnose einer Entzündung.

Auch die Hauttemperatur kann sich durch Menstruationszyklus, Umgebung und Schlaf verändern. Daraus folgt nicht, dass Blutwerte an solchen Tagen grundsätzlich unbrauchbar sind. Wearable-Daten sollten deshalb als ergänzende Alltagsinformationen und nicht als Entzündungsdiagnostik verstanden werden.

Welche Tests sind nicht sinnvoll?

Große Zytokin-Profile mit Dutzenden Botenstoffen wirken auf den ersten Blick besonders gründlich. Ohne validierte Referenzbereiche für gesunde Menschen und ohne klare Konsequenz aus einem auffälligen Ergebnis führen sie aber leicht zu Zufallsbefunden und Verunsicherung. Für die Diagnose von Inflammaging sind solche Panels nicht etabliert.

IgG-Tests auf Nahrungsmittel, mit denen angebliche Entzündungsauslöser gefunden werden sollen, werden von allergologischen Fachgesellschaften nicht zur Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten empfohlen. Auch Speichel-, Wangenabstrich- oder Haaranalysen, die ein persönliches Entzündungs- oder Immunalter versprechen, sind dafür nicht ausreichend validiert. Bioresonanz und vergleichbare Verfahren besitzen keine belastbare wissenschaftliche Grundlage.

Auch Zonulin wird häufig als Marker einer gestörten Darmbarriere angeboten. Kommerzielle Testverfahren sind jedoch methodisch umstritten, und ein einzelner Wert erlaubt keine zuverlässige Aussage über eine altersbedingte Darmdurchlässigkeit. Ähnlich problematisch ist es, Ferritin isoliert als Entzündungsmarker zu interpretieren, weil zahlreiche andere Ursachen den Wert verändern können.

Was kostet die Diagnostik und was zahlt die Krankenkasse?

Die Kosten hängen stark davon ab, welche Untersuchungen tatsächlich durchgeführt werden. Die folgenden Beträge sind deshalb nur Orientierungswerte für Selbstzahler und Selbstzahlerinnen und können je nach Labor, ärztlicher Leistung und Abrechnung deutlich abweichen. Wichtig ist außerdem: Es gibt kein medizinisch standardisiertes „Inflammaging-Paket“, sondern einzelne Laboruntersuchungen mit unterschiedlichen Fragestellungen.

Ein privat zusammengestelltes Basisprofil mit Blutbild, hs-CRP, Ferritin und üblichen Stoffwechselwerten kann ungefähr 150 bis 250 Euro kosten. Die eigentlichen Entzündungswerte machen davon häufig nur einen kleinen Teil aus. hs-CRP liegt einzeln meist im niedrigen zweistelligen Eurobereich, während sich NLR und LMR rechnerisch aus einem vorhandenen Differenzialblutbild ergeben.

Spezialmarker wie Interleukin-6, TNF-α oder Fibrinogen können je nach Labor ebenfalls jeweils im zweistelligen Eurobereich liegen. Eine differenzierte Bestimmung von Lymphozyten-Subpopulationen kann einen niedrigen dreistelligen Betrag erreichen. Kommerzielle Glykan-Uhren und vergleichbare Alterungstests kosten häufig mehrere hundert Euro.

Sehr umfangreiche privat angebotene Programme mit Immunprofilen, biologischen Altersuhren und genetischen Untersuchungen können insgesamt etwa 1.500 bis 3.000 Euro oder mehr kosten. Ein höherer Preis bedeutet allerdings nicht automatisch einen höheren medizinischen Nutzen. Vor solchen Untersuchungen sollte geklärt werden, welche konkrete Entscheidung von einem Ergebnis abhängen würde.

Was zahlt die Krankenkasse in Deutschland?

In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung Laboruntersuchungen, wenn dafür eine medizinische Indikation besteht. Das kann beispielsweise bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung, einen Immundefekt oder eine andere konkrete Erkrankung der Fall sein. Welche Werte notwendig sind, entscheiden Ärzte und Ärztinnen anhand der jeweiligen Fragestellung.

Der allgemeine Check-up ab 35 Jahren enthält weder routinemäßig hs-CRP noch Interleukin-6 oder andere spezielle Zytokine. Untersuchungen ohne medizinischen Anlass können als individuelle Gesundheitsleistungen angeboten und nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet werden. Private Krankenversicherungen erstatten abhängig von medizinischer Begründung und Tarif.

Was zahlt die Krankenkasse in Österreich?

Die österreichische Vorsorgeuntersuchung enthält ein festgelegtes Programm, aber keine allgemeine Inflammaging-Diagnostik mit Zytokinen oder Immunzellprofilen. Besteht ein begründeter medizinischer Verdacht, können Ärzte und Ärztinnen entsprechende Laboruntersuchungen über das reguläre Versorgungssystem veranlassen. Die Untersuchung dient dann der Abklärung einer konkreten Erkrankung und nicht der Bestimmung eines biologischen Entzündungsalters.

Bei Wahlärzten und Wahlärztinnen zahlst Du die Honorarnote zunächst selbst. Für erstattungsfähige Leistungen kann anschließend eine Kostenrückerstattung beantragt werden, deren Höhe sich am jeweiligen Kassentarif orientiert. Privat angebotene Longevity- und Immunprofile fallen nicht automatisch darunter.

Was zahlt die Krankenkasse in der Schweiz?

In der Schweiz können Laboranalysen über die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernommen werden, wenn sie ärztlich angeordnet, medizinisch begründet und nach den geltenden Vergütungsregeln abrechenbar sind. Zusätzlich gelten Franchise und Selbstbehalt. Ein allgemeines Inflammaging-Screening gehört nicht zur regulären medizinischen Vorsorge.

Untersuchungen auf eigenen Wunsch müssen deshalb häufig selbst bezahlt werden. Zusatzversicherungen können sich je nach Vertrag an bestimmten Check-ups beteiligen. Eine Glykan-Uhr oder ein vergleichbarer biologischer Alterstest gehört derzeit nicht zur etablierten klinischen Inflammaging-Diagnostik.

Welche Behandlungsansätze gibt es und wie ist ihr Zulassungsstatus?

Inflammaging selbst ist keine zugelassene Behandlungsindikation. Therapien richten sich nach konkreten Risikofaktoren und Erkrankungen, etwa Adipositas, Parodontitis oder koronarer Herzkrankheit. Für gesunde Menschen gibt es kein Medikament, das zur Senkung eines allgemeinen Inflammaging-Levels zugelassen wäre.

Bewegung, Gewicht und Ernährung

Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu den am besten untersuchten Maßnahmen für gesundes Altern. Bewegung verbessert Fitness, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-Gesundheit und kann bei vielen Menschen auch niedriggradige Entzündungsmarker beeinflussen. Diese Effekte sind klinisch relevant, ohne dass damit ein Hallmark direkt gemessen oder „zurückgesetzt“ werden müsste.

Auch eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht kann CRP und andere Entzündungsparameter senken. Besonders viszerales Fett ist eng mit metabolischen und inflammatorischen Veränderungen verbunden. Aus Studien lässt sich jedoch keine persönliche Formel ableiten, nach der jedes verlorene Kilogramm einen bestimmten CRP-Rückgang garantiert.

Eine mediterran geprägte Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Olivenöl und Fisch ist mit günstigen kardiometabolischen Effekten verbunden. Ausreichender Schlaf und Rauchstopp gehören ebenfalls zu den wichtigsten Maßnahmen für die allgemeine Gesundheit. Sie sollten nicht als spezifische Anti-Inflammaging-Therapie verstanden werden.

Parodontitis behandeln

Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats und kann die systemische Entzündungsbelastung beeinflussen. Eine Metaanalyse randomisierter Studien bei Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigte nach parodontaler Behandlung unter anderem günstigere CRP- und HbA1c-Werte. Das ist ein Argument dafür, eine bestehende Parodontitis konsequent zu behandeln.

Daraus folgt jedoch keine allgemeine Anti-Aging-Behandlung für Menschen mit gesundem Zahnfleisch. Die Therapie richtet sich nach einer echten zahnmedizinischen Diagnose. Parodontitisbehandlung ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine etablierte medizinische beziehungsweise zahnmedizinische Versorgung.

Impfungen im höheren Alter

Impfungen senken nicht direkt die altersassoziierte Grundentzündung. Sie schützen vor konkreten Infektionskrankheiten, deren Risiko und Schwere im höheren Alter häufig zunehmen. Damit sind sie ein wichtiger Bestandteil gesunden Alterns, aber keine Inflammaging-Therapie.

Ein gutes Beispiel ist der rekombinante Impfstoff gegen Gürtelrose. In einer großen Phase-III-Studie mit 13.900 auswertbaren Menschen ab 70 Jahren lag die Wirksamkeit gegen Herpes zoster über durchschnittlich 3,7 Jahre bei knapp 90 Prozent. Welche Impfungen empfohlen und übernommen werden, richtet sich nach den aktuellen Impfplänen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Canakinumab und Interleukin-1β

Canakinumab ist ein Antikörper gegen Interleukin-1β. Der Wirkstoff ist in Europa für bestimmte autoinflammatorische Erkrankungen und weitere klar definierte Indikationen zugelassen. Zur Behandlung von Inflammaging oder zur allgemeinen kardiovaskulären Vorbeugung bei Gesunden besteht keine Zulassung.

In der CANTOS-Studie wurden 10.061 Menschen untersucht, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten und ein hs-CRP von mindestens 2 Milligramm pro Liter aufwiesen. Unter der untersuchten mittleren Dosis sank der kombinierte Endpunkt aus Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulärem Tod relativ um etwa 15 Prozent gegenüber Placebo. Gleichzeitig traten mehr tödliche Infektionen auf, und die Gesamtsterblichkeit wurde nicht gesenkt.

Die Studie zeigt, dass bestimmte Entzündungswege bei Atherosklerose therapeutisch relevant sein können. Sie zeigt aber nicht, dass eine unspezifische Entzündungshemmung gesundes Altern verlängert. Für die kardiovaskuläre Sekundärprävention erhielt Canakinumab keine entsprechende Zulassung.

Niedrig dosiertes Colchicin

Colchicin ist ein älterer entzündungshemmender Wirkstoff, der inzwischen auch in bestimmten kardiologischen Situationen eingesetzt wird. Seit dem 24. Juli 2026 besteht eine EU-weite Zulassung von niedrig dosiertem Colchicin zur Sekundärprävention atherothrombotischer Ereignisse bei Erwachsenen mit seit mindestens sechs Monaten stabiler koronarer Herzkrankheit. Diese Zulassung gilt damit auch in Deutschland und Österreich.

In Deutschland gibt es zusätzlich ein Colchicin-Präparat für Menschen mit atherosklerotischer koronarer Herzkrankheit nach kürzlich erlittenem Herzinfarkt. Die dazugehörige Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses wurde im August 2026 abgeschlossen. Das ist eine konkrete kardiologische Indikation und keine Behandlung eines erhöhten Entzündungswerts bei Gesunden.

Eine zentrale Studie ist LoDoCo2 mit 5.522 Menschen mit chronischer koronarer Herzkrankheit. Der kombinierte Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall und bestimmten koronaren Eingriffen trat nach median 28,6 Monaten bei 6,8 Prozent unter Colchicin und bei 9,6 Prozent unter Placebo auf. Nichtkardiovaskuläre Todesfälle waren unter Colchicin numerisch häufiger, der Unterschied war statistisch nicht gesichert.

In COLCOT wurden 4.745 Menschen kurz nach einem Herzinfarkt untersucht. Der kombinierte kardiovaskuläre Endpunkt trat nach knapp zwei Jahren bei 5,5 Prozent unter Colchicin und bei 7,1 Prozent unter Placebo auf. Auch diese Ergebnisse gelten für Menschen mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung und nicht für gesunde Personen mit leicht erhöhtem hs-CRP.

In der Schweiz besteht nach dem aktuell verfügbaren Produktstatus keine entsprechende Zulassung zur kardiovaskulären Sekundärprävention. Dort bleibt eine solche Anwendung daher von der konkreten Zulassungssituation abhängig. Colchicin besitzt außerdem relevante Wechselwirkungen und kann bei Nieren- oder Leberfunktionsstörungen besondere Vorsicht beziehungsweise Dosisanpassungen erfordern.

Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D

Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D werden häufig mit entzündungshemmenden Effekten beworben. In der großen VITAL-Studie wurden 25.871 zunächst gesunde Erwachsene über median 5,3 Jahre untersucht. Weder Vitamin D noch ein Gramm Omega-3-Fettsäuren täglich reduzierten die jeweiligen primären Endpunkte aus schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen beziehungsweise Krebs.

Bei Omega-3 zeigte sich in sekundären Auswertungen ein Signal für weniger Herzinfarkte. Solche Nebenergebnisse sind interessant, reichen aber nicht als Beleg für eine allgemeine Anti-Inflammaging-Therapie. Ein bestehender Nährstoffmangel sollte behandelt werden, unabhängig davon, ob dadurch ein Hallmark beeinflusst wird.

Auch Curcumin, Resveratrol und andere Pflanzenstoffe werden im Zusammenhang mit Entzündungswegen untersucht. Für gesunde Menschen fehlt jedoch ein überzeugender Nachweis, dass solche Präparate altersassoziierte Erkrankungen verhindern oder die Lebensspanne verlängern. Veränderungen einzelner Laborwerte reichen dafür nicht aus.

Experimentelle Ansätze

Senolytika und andere Wirkstoffe, die seneszente Zellen oder deren entzündliche Botenstoffe beeinflussen sollen, werden beim Menschen weiterhin untersucht. Auch Hemmstoffe bestimmter Zytokine werden für kardiovaskuläre und andere Erkrankungen erforscht. Eine zugelassene medikamentöse Therapie des normalen Inflammaging gibt es daraus bislang nicht.

Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure ist ebenfalls keine allgemeine Anti-Aging-Maßnahme. Bei gesunden älteren Menschen zeigte eine große Primärpräventionsstudie keinen ausreichenden Nutzen, während relevante Blutungen zunahmen. Der Einsatz richtet sich deshalb nach konkreten kardiovaskulären Indikationen und individuellem Risiko.

Welche Ärzte und Ärztinnen sind zuständig?

Erste Anlaufstelle sind meist Ärzte und Ärztinnen für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin. Dort können erhöhte Entzündungswerte eingeordnet und häufige Ursachen wie Infektionen, metabolische Erkrankungen oder andere entzündliche Prozesse abgeklärt werden. Ein auffälliger Laborwert sollte nicht automatisch dem Alter zugeschrieben werden.

Bei bestehender koronarer Herzkrankheit ist die Kardiologie für die Frage einer entzündungshemmenden Zusatztherapie zuständig. Auffällige Immunzellbefunde, ungewöhnlich häufige Infekte oder der Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung können eine Abklärung in Immunologie oder Rheumatologie notwendig machen. Blutbildveränderungen und klonale Hämatopoese gehören in die Hämatologie.

Bei Parodontitis sind Zahnärzte und Zahnärztinnen mit entsprechendem Schwerpunkt zuständig. Entzündliche Hauterkrankungen werden durch Ärzte und Ärztinnen für Dermatologie behandelt. Fachärzte und Fachärztinnen für Labormedizin können bei ungewöhnlichen oder komplexen Laborbefunden die Auswahl und Interpretation spezieller Tests unterstützen.

Über die MOOCI-Arztsuche findest Du Ärzte und Ärztinnen dieser Fachrichtungen, auch mit Schwerpunkt Prävention und Longevity. Sinnvoll ist eine Praxis, die erhöhte Entzündungswerte zunächst nach medizinisch behandelbaren Ursachen abklärt. Ein großes Markerpanel allein ersetzt diese Einordnung nicht.

Wie oft ist eine Kontrolle sinnvoll?

Für Inflammaging gibt es keine festgelegten Kontrollintervalle. Weder hs-CRP noch NLR, IL-6, TNF-α, Immunzellprofile oder eine Glykan-Uhr sollten bei gesunden Menschen automatisch alle sechs oder zwölf Monate wiederholt werden. Der Abstand richtet sich immer nach dem konkreten Befund und der medizinischen Fragestellung.

Bei einem auffälligen CRP kann eine Wiederholungsmessung sinnvoll sein, wenn eine vorübergehende Ursache wie ein Infekt abgeklungen ist. Wie schnell kontrolliert wird, hängt von Höhe des Wertes, Beschwerden und möglicher Ursache ab. Ein pauschales Drei-Monats- oder Jahresintervall gibt es nicht.

Dasselbe gilt für Ferritin oder Immunzell-Subpopulationen. Sie werden kontrolliert, wenn Ärzte und Ärztinnen einen medizinischen Grund dafür sehen. Eine Glykan-Uhr benötigt aus heutiger Sicht überhaupt kein routinemäßiges medizinisches Verlaufsmonitoring.

Auch die Messbedingungen unterscheiden sich je nach Laborwert. hs-CRP muss nicht grundsätzlich morgens oder nüchtern bestimmt werden, während bei anderen Tests spezielle Bedingungen relevant sein können. Es gibt deshalb kein einheitliches Präanalytik-Protokoll für Inflammaging.

Wo liegen die Grenzen dieses Erklärungsmodells?

Inflammaging ist ein Forschungsmodell und keine klinische Diagnose. Es gibt keinen Schwellenwert, ab dem ein Mensch „Inflammaging hat“, und keinen Marker, der sicher zwischen altersassoziierter Grundentzündung und einer versteckten Erkrankung unterscheiden kann. Ein erhöhter Entzündungswert sollte deshalb immer zunächst medizinisch eingeordnet werden.

Hinter einem erhöhten CRP oder anderen auffälligen Befunden können beispielsweise Infektionen, Adipositas, Parodontitis, Lebererkrankungen, rheumatologische Erkrankungen oder andere Ursachen stehen. In seltenen Fällen können auch schwerwiegendere Erkrankungen verantwortlich sein. Wer einen Befund vorschnell als normales Altern abtut, kann behandelbare Ursachen übersehen.

Auch die Richtung des Zusammenhangs ist nicht immer eindeutig. Chronische Entzündung kann Gewebe schädigen, während geschädigtes Gewebe wiederum Entzündungsreaktionen auslösen kann. Dadurch entstehen Rückkopplungen, die sich nicht mit einem einzelnen Laborwert erklären lassen.

Die kardiologischen Studien mit Canakinumab und Colchicin zeigen, dass gezielte Entzündungshemmung bei ausgewählten bereits erkrankten Menschen Gefäßereignisse reduzieren kann. Sie zeigen aber auch, dass Eingriffe in das Immunsystem Nebenwirkungen haben können. Entzündungsreaktionen sind schließlich notwendig für die Infektabwehr und Gewebereparatur.

Das Ziel kann deshalb nicht sein, Entzündung möglichst vollständig zu unterdrücken. Entscheidend ist ein ausgewogenes Immunsystem, das auf Gefahren reagieren und anschließend wieder in einen kontrollierten Zustand zurückkehren kann. Wie sich dieses Gleichgewicht bei einzelnen Menschen am besten messen lässt, ist weiterhin Gegenstand der Forschung.

Quellen

López-Otín C et al. Hallmarks of Aging: An Expanding Universe. Cell. 2023. https://doi.org/10.1016/j.cell.2022.11.001

Franceschi C et al. Inflamm-aging: An Evolutionary Perspective on Immunosenescence. Annals of the New York Academy of Sciences. 2000. https://doi.org/10.1111/j.1749-6632.2000.tb06651.x

Franceschi C et al. Inflammaging: A New Immune-Metabolic Viewpoint for Age-Related Diseases. Nature Reviews Endocrinology. 2018. https://doi.org/10.1038/s41574-018-0059-4

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Nidorf SM et al. Colchicine in Patients with Chronic Coronary Disease. New England Journal of Medicine. 2020. https://doi.org/10.1056/NEJMoa2021372

Tardif JC et al. Efficacy and Safety of Low-Dose Colchicine after Myocardial Infarction. New England Journal of Medicine. 2019. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1912388

Manson JE et al. Marine n-3 Fatty Acids and Prevention of Cardiovascular Disease and Cancer. New England Journal of Medicine. 2019. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1811403

Pilkington SM et al. Inflammaging and the Skin. Journal of Investigative Dermatology. 2021. https://doi.org/10.1016/j.jid.2020.11.006

European Medicines Agency. Colchicine Agepha Pharma: EPAR und Produktinformation, EU-Zulassung vom 24.07.2026. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/colchicine-agepha-pharma

European Medicines Agency. Ilaris: Canakinumab, EPAR und Produktinformation. https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/ilaris

Gemeinsamer Bundesausschuss. Nutzenbewertung Colxi, Colchicin bei atherosklerotischer koronarer Herzkrankheit nach kürzlich erlittenem Herzinfarkt. Beschluss 20.08.2026. https://www.g-ba.de/bewertungsverfahren/nutzenbewertung/1314/

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Häufige Fragen

Ist Inflammaging dasselbe wie eine chronische Entzündung bei Übergewicht?
Nein, aber beide Prozesse können sich überschneiden. Viszerales Fett kann auch bei jüngeren Menschen eine chronische niedriggradige Entzündungsaktivität fördern. Inflammaging beschreibt dagegen altersassoziierte Veränderungen, die aus mehreren Quellen entstehen können. Mit zunehmendem Alter können metabolische Entzündung und Inflammaging ineinandergreifen. Übergewicht ist deshalb ein möglicher Verstärker, aber keine Voraussetzung für den Hallmark. Auch normalgewichtige ältere Menschen können veränderte Entzündungsprofile aufweisen.
Ab welchem Alter beginnt Inflammaging?
Einen festen Beginn gibt es nicht. Verschiedene Teile des Immunsystems verändern sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten, und auch Entzündungsmarker entwickeln sich nicht bei allen Menschen gleich. Die Thymusinvolution beginnt beispielsweise schon relativ früh im Erwachsenenalter, während andere Veränderungen erst deutlich später messbar werden können. Lebensstil, Infektionen, Körperzusammensetzung, Medikamente und genetische Faktoren beeinflussen diesen Verlauf zusätzlich. Deshalb können zwei Menschen gleichen Alters sehr unterschiedliche Immun- und Entzündungsprofile haben. Ein bestimmtes Lebensalter eignet sich nicht als diagnostische Grenze.
Kann ich mein Immunalter bestimmen lassen?
Ein klinisch anerkanntes Immunalter gibt es derzeit nicht. Immunzellprofile, Glykan-Uhren und andere Forschungsverfahren können altersabhängige Muster erfassen. Daraus ergeben sich aber keine verbindlichen Referenzbereiche oder standardisierten Behandlungsempfehlungen. Wenn Du einen solchen Test als Selbstzahlerleistung erwägst, sollte vorher klar sein, was Du mit dem Ergebnis anfangen möchtest. Ärzte und Ärztinnen können einschätzen, ob stattdessen eine etablierte medizinische Untersuchung sinnvoller ist. Ein auffälliger experimenteller Score sollte keine Therapie auf eigene Faust auslösen.
Warum wirken Impfungen im Alter teilweise schwächer und sind trotzdem sinnvoll?
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Zusammensetzung des Immunsystems. Dadurch kann die Reaktion auf manche Impfstoffe schwächer oder weniger dauerhaft ausfallen. Gleichzeitig steigt bei vielen Infektionskrankheiten gerade im höheren Alter das Risiko für schwere Verläufe. Für bestimmte Erkrankungen wurden deshalb speziell angepasste oder adjuvantierte Impfstoffe entwickelt. Der rekombinante Gürtelroseimpfstoff erreicht beispielsweise auch bei älteren Menschen eine hohe Schutzwirkung. Welche Impfungen für Dich empfohlen sind, richtet sich nach Alter, Erkrankungen und dem Impfplan Deines Landes.
Sollte ich bei erhöhten Entzündungswerten entzündungshemmende Medikamente nehmen?
Nein, nicht auf eigene Faust. Ein erhöhter Wert sollte zuerst auf mögliche Ursachen untersucht werden. Oft ist die Behandlung dieser Ursache sinnvoller als eine unspezifische Unterdrückung der Entzündungsreaktion. Die positiven Studien mit Canakinumab oder Colchicin betreffen Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen und klar definiertem Risiko. Für gesunde Menschen mit leicht erhöhtem hs-CRP gibt es daraus keine medikamentöse Empfehlung. Auch niedrig dosierte Acetylsalicylsäure ist keine allgemeine Anti-Inflammaging-Therapie.
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Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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