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Hallmarks of Aging

Die Hallmarks of Aging ordnen das Altern in zwölf biologische Prozesse, von denen sich nur…

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Warum altern Zellen, Gewebe und Organe, und warum geschieht das bei manchen Menschen schneller als bei anderen? Die Alterungsforschung versucht diese komplexe Frage seit Jahren mit verschiedenen Modellen zu ordnen, eines der bekanntesten sind die Hallmarks of Aging. Der Begriff taucht inzwischen auch in vielen Longevity-Angeboten auf, oft zusammen mit Tests und Therapien, deren Aussagekraft deutlich begrenzter ist, als die Werbung vermuten lässt.

Die Hallmarks helfen dabei, biologische Veränderungen des Alterns verständlich zu strukturieren. Sie sagen aber nicht, ob Du „gesund“ oder „zu schnell gealtert“ bist, und sie ergeben auch keine medizinische Diagnose. In diesem Beitrag erfährst Du, welche zwölf Merkmale zum Modell gehören, was sich davon beim Menschen tatsächlich untersuchen lässt und wo die Grenzen der heutigen Diagnostik liegen.

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Das Wichtigste in Kürze

Das Modell der Hallmarks of Aging stammt aus zwei viel zitierten Übersichtsarbeiten von 2013 und 2023. Die aktuelle Fassung beschreibt zwölf miteinander verbundene biologische Prozesse.

Viele Blutwerte, Funktionstests oder Aging-Uhren erfassen Begleiterscheinungen oder Gesundheitsrisiken. Sie sind keine direkten Messungen eines einzelnen Hallmarks.

Telomertests, epigenetische Uhren, Seneszenzmarker oder Mikrobiomanalysen gehören überwiegend noch in Forschung und Spezialdiagnostik. Für gesunde Menschen sind sie keine etablierte Standardvorsorge.

Medizinisch sinnvoll bleibt vor allem die Untersuchung konkreter Beschwerden und etablierter Risikofaktoren. Die Hallmarks können dabei als wissenschaftliche Landkarte dienen, nicht als Diagnoseplan.

Was sind die Hallmarks of Aging und woher stammt das Modell?

Die Hallmarks of Aging, auf Deutsch etwa Kennzeichen oder Merkmale des Alterns, gehen auf eine Forschungsgruppe um Carlos López-Otín zurück. Im Jahr 2013 veröffentlichte sie in der Fachzeitschrift Cell eine Übersichtsarbeit, die zahlreiche Erkenntnisse zum Altern von Säugetieren in neun Kategorien bündelte. Als Vorbild dienten die Hallmarks of Cancer, mit denen zuvor zentrale biologische Eigenschaften von Krebs systematisch geordnet worden waren.

Im Jahr 2023 erschien eine überarbeitete Fassung unter dem Titel „Hallmarks of Aging: An Expanding Universe“. Sie erweiterte das Modell von neun auf zwölf Merkmale. Neu aufgenommen wurden die gestörte Makroautophagie, chronische Entzündung und Dysbiose.

Für einen Hallmark formulierten die Autorinnen und Autoren drei grundlegende Kriterien. Der Prozess soll während des normalen Alterns auftreten, seine experimentelle Verstärkung soll altersbedingte Veränderungen beschleunigen und seine gezielte Beeinflussung soll altersbedingte Veränderungen abschwächen können. Diese Kriterien stammen vor allem aus der experimentellen Alternsforschung und dürfen nicht mit klinischen Diagnosekriterien beim Menschen verwechselt werden.

Die zwölf Merkmale werden in drei Gruppen eingeteilt. Primäre Hallmarks beschreiben vor allem Schäden und Veränderungen, die sich im Laufe des Lebens ansammeln, antagonistische Hallmarks sind zunächst schützende Reaktionen, die bei dauerhafter Aktivierung selbst problematisch werden können. Integrative Hallmarks beschreiben Veränderungen, die sich schließlich auf Gewebe, Organfunktionen und den gesamten Organismus auswirken.

Das Modell ist außerdem nicht endgültig abgeschlossen. In der Forschung werden weitere mögliche Merkmale diskutiert, zum Beispiel Veränderungen der mechanischen Eigenschaften von Zellen und Geweben oder Störungen der RNA-Verarbeitung. Die Zahl und Einteilung der Hallmarks kann sich deshalb mit neuen Erkenntnissen weiter verändern.

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Welche Hallmarks gehören zu den primären Ursachen?

Zu den primären Hallmarks zählen fünf Merkmale. Sie betreffen unter anderem das Erbgut, die Chromosomenenden, epigenetische Regulation, Proteine und zelluläre Abbauprozesse. Gemeinsam ist ihnen, dass sie grundlegende Veränderungen auf Zellebene beschreiben.

Genomische Instabilität

Unsere DNA wird ständig durch Stoffwechselprozesse, UV-Strahlung, Umweltfaktoren und Fehler bei der Zellteilung belastet. Reparatursysteme beheben viele dieser Schäden, andere bleiben bestehen oder führen zu Mutationen. Mit genomischer Instabilität ist die zunehmende Belastung des Erbguts und seiner Reparaturmechanismen im Laufe des Lebens gemeint.

Für diesen Hallmark gibt es keinen etablierten Routinetest bei gesunden Menschen. Forschungsmarker wie 8-OHdG können bestimmte oxidative DNA-Schäden anzeigen, messen aber nicht die gesamte genomische Instabilität und sind für allgemeine Longevity-Screenings nicht ausreichend validiert. Auch Hautkrebsscreenings oder genetische Untersuchungen verfolgen andere medizinische Fragestellungen und sind keine Hallmark-Tests.

Bei auffälliger familiärer Häufung bestimmter Krebserkrankungen kann eine humangenetische Beratung sinnvoll sein. Dort geht es jedoch um konkrete erbliche Krankheitsrisiken und nicht darum, das biologische Altern zu bestimmen. Für gesunde Menschen lässt sich genomische Instabilität derzeit nicht sinnvoll als einzelner klinischer Wert erfassen.

Telomerverkürzung

Telomere sind Schutzstrukturen an den Enden der Chromosomen. Sie verkürzen sich in vielen Zelltypen mit zunehmender Zahl der Zellteilungen, wobei Geschwindigkeit und Ausgangslänge von zahlreichen genetischen und äußeren Faktoren beeinflusst werden. Werden Telomere sehr kurz, kann das die weitere Teilungsfähigkeit bestimmter Zellen begrenzen.

Die Telomerlänge lässt sich beispielsweise in weißen Blutkörperchen bestimmen. Solche Werte schwanken jedoch stark zwischen Menschen, Zelltypen und Messverfahren und erlauben keine zuverlässige Aussage darüber, wie „alt“ eine einzelne Person biologisch ist. Als allgemeiner Longevity-Test hat die Telomerlänge deshalb bislang keinen etablierten klinischen Nutzen.

Etwas anderes gilt bei seltenen Erkrankungen der Telomerbiologie. Sehr kurze Telomere können dort im Rahmen einer gezielten hämatologischen oder humangenetischen Diagnostik relevant sein. Das ist jedoch eine spezielle medizinische Fragestellung und nicht mit kommerziellen Alterstests gleichzusetzen.

Epigenetische Veränderungen

Epigenetik beschreibt chemische und strukturelle Veränderungen, die beeinflussen, wie Gene abgelesen werden, ohne die eigentliche DNA-Sequenz zu verändern. Bestimmte Muster der DNA-Methylierung verändern sich im Laufe des Lebens relativ regelmäßig. Auf diesen Beobachtungen beruhen sogenannte epigenetische Uhren wie PhenoAge, GrimAge oder DunedinPACE.

Solche Modelle können aus einer Blut- oder anderen geeigneten Gewebeprobe rechnerische Alterungsmaße ableiten. Sie werden intensiv erforscht und zeigen in Bevölkerungsstudien Zusammenhänge mit Erkrankungen, Funktionseinschränkungen und Sterblichkeit. Für individuelle medizinische Entscheidungen bei gesunden Menschen sind sie derzeit aber noch nicht ausreichend klinisch validiert.

Eine epigenetische Uhr ist deshalb kein Bluttest, der Dein „wahres biologisches Alter“ eindeutig feststellt. Auch Veränderungen eines solchen Werts nach Ernährung, Training oder Nahrungsergänzung beweisen nicht automatisch einen gesundheitlichen Nutzen. In der Forschung sind diese Uhren sehr interessant, in der Routinevorsorge bleiben sie vorerst ergänzende Forschungsinstrumente.

Verlust der Proteostase

Proteine müssen hergestellt, korrekt gefaltet, repariert und bei Schäden wieder abgebaut werden. Dieses Gleichgewicht wird als Proteostase bezeichnet und verändert sich mit zunehmendem Alter. Fehlgefaltete oder beschädigte Proteine können sich in bestimmten Erkrankungen anreichern, besonders bekannt ist das aus neurodegenerativen Krankheiten.

Einen allgemeinen Bluttest auf den Hallmark „Verlust der Proteostase“ gibt es nicht. Albumin oder Präalbumin werden von Ernährung, Entzündung, Leberfunktion und anderen Erkrankungen beeinflusst und bilden die zelluläre Proteostase nicht zuverlässig ab. Sie sollten deshalb nicht als indirekte Hallmark-Marker eingeordnet werden.

Spezialisierte Biomarker wie Amyloid-β oder phosphoryliertes Tau können bei einer konkreten neurologischen Fragestellung eine Rolle spielen. Sie dienen beispielsweise der Abklärung neurodegenerativer Erkrankungen und sind kein allgemeines Screening für gesundes Altern. Bei entsprechendem Verdacht ist die Neurologie die richtige Anlaufstelle.

Gestörte Makroautophagie

Autophagie ist ein zelluläres Recycling- und Reinigungssystem. Dabei werden beschädigte oder nicht mehr benötigte Zellbestandteile zerlegt und ihre Bausteine wiederverwertet. Mit zunehmendem Alter können verschiedene Schritte dieses Prozesses beeinträchtigt werden.

Beim lebenden Menschen gibt es derzeit keinen klinisch etablierten Test, der die Autophagieleistung eines Organismus direkt misst. Ketonkörper, Blutzucker oder eine kontinuierliche Glukosemessung zeigen Stoffwechselzustände, aber nicht die Stärke oder Qualität der Autophagie. Auch Fasten oder Ketose lassen sich deshalb nicht einfach mit „mehr Autophagie“ gleichsetzen.

Autophagie bleibt damit eines der Hallmarks, das sich beim Menschen vor allem experimentell untersuchen lässt. Medizinische Untersuchungen sollten sich stattdessen an konkreten Beschwerden, Stoffwechselstörungen oder Erkrankungsrisiken orientieren. Für ein allgemeines Autophagie-Screening gibt es derzeit keine etablierte Untersuchung.

Welche Hallmarks sind antagonistische Antworten des Körpers?

Drei Hallmarks werden als antagonistisch bezeichnet. Sie können kurzfristig schützende Funktionen erfüllen, bei anhaltender oder übermäßiger Aktivität aber selbst zu altersbedingten Veränderungen beitragen. Dazu gehören die deregulierte Nährstoffsensorik, mitochondriale Dysfunktion und zelluläre Seneszenz.

Deregulierte Nährstoffsensorik

Zellen reagieren über Signalwege wie mTOR, AMPK, Sirtuine, Insulin und IGF-1 auf Energie- und Nährstoffverfügbarkeit. Diese Systeme steuern unter anderem Wachstum, Energiespeicherung und Reparaturprozesse. Mit zunehmendem Alter können sich ihre Regulation und ihr Zusammenspiel verändern.

Nüchternglukose und HbA1c sind etablierte klinische Marker des Glukosestoffwechsels. Sie können Diabetes oder Vorstufen davon erkennen helfen, messen aber nicht den Hallmark „deregulierte Nährstoffsensorik“ als Ganzes. Nüchterninsulin und HOMA-IR können in bestimmten Fragestellungen ergänzen, besitzen aber keine einheitlichen Grenzwerte für ein allgemeines Aging-Screening.

Auch IGF-1, Leptin oder Adiponektin sind keine Standardmarker des biologischen Alterns. Sie sollten nur bestimmt werden, wenn eine konkrete medizinische Fragestellung besteht. Für die Beurteilung des allgemeinen Stoffwechselrisikos sind etablierte Werte und klinische Risikofaktoren deutlich wichtiger.

Mitochondriale Dysfunktion

Mitochondrien stellen einen großen Teil der Energie bereit, die Zellen für ihre Arbeit benötigen. Im Alter verändern sich unter anderem ihre Energieproduktion, Qualitätskontrolle und mitochondriale DNA. Wie stark das geschieht, unterscheidet sich jedoch zwischen Geweben und Menschen.

Laktat, Coenzym Q10 oder Carnitin sind keine geeigneten allgemeinen Screeningwerte für eine altersbedingte mitochondriale Dysfunktion. Selbst bei echten mitochondrialen Erkrankungen kann die Labordiagnostik komplex sein und muss in einen konkreten klinischen Zusammenhang gestellt werden. Für gesunde Menschen gibt es deshalb keinen einfachen „Mitochondrien-Bluttest“.

Funktionstests wie die Spiroergometrie können dagegen wertvolle Informationen über die körperliche Leistungsfähigkeit liefern. Die gemessene VO₂max ist ein aussagekräftiger Marker der kardiorespiratorischen Fitness und hängt mit Gesundheit und Prognose zusammen. Sie misst aber nicht direkt den Hallmark der mitochondrialen Dysfunktion.

Zelluläre Seneszenz

Seneszente Zellen haben ihre Teilungsfähigkeit dauerhaft eingestellt, bleiben aber stoffwechselaktiv. Dieser Zustand kann kurzfristig sinnvoll sein, etwa bei Wundheilung oder als Schutz vor unkontrollierter Zellteilung. Wenn sich seneszente Zellen mit zunehmendem Alter anreichern, können ihre ausgeschütteten Botenstoffe jedoch umliegendes Gewebe beeinflussen.

Ein klinisch validierter Bluttest, der die Menge seneszenter Zellen im Körper zuverlässig bestimmt, existiert derzeit nicht. Entzündungsmarker wie hs-CRP, Interleukin-6 oder GDF-15 können durch sehr viele Prozesse verändert sein und lassen keine direkte Aussage über Seneszenz zu. Auch Handkraft oder körperliche Leistungstests messen Funktion und Frailty, nicht seneszente Zellen.

Die Seneszenzforschung ist für die Entwicklung neuer Therapien besonders interessant. Für die individuelle Vorsorge lässt sich dieser Hallmark aktuell aber nicht zuverlässig testen. Angebote, die einen konkreten „Seneszenz-Score“ versprechen, sollten deshalb kritisch geprüft werden.

Welche Hallmarks gelten als integrative Folgen?

Vier Merkmale werden als integrative Hallmarks eingeordnet. Sie beschreiben Veränderungen, die sich zunehmend auf die Funktion von Geweben und Organen auswirken können. Dazu zählen Stammzellerschöpfung, veränderte interzelluläre Kommunikation, chronische Entzündung und Dysbiose.

Stammzellerschöpfung

Viele Gewebe besitzen Stamm- oder Vorläuferzellen, die beschädigte oder verbrauchte Zellen ersetzen können. Mit zunehmendem Alter können Zahl, Funktion und Teilungsfähigkeit solcher Zellpopulationen nachlassen. Dieser Prozess unterscheidet sich jedoch stark zwischen Blut, Haut, Muskulatur, Darm und anderen Geweben.

Für eine allgemeine Stammzellerschöpfung gibt es keinen Routinetest. Retikulozyten zeigen beispielsweise die aktuelle Neubildung roter Blutkörperchen, Knochenmarker wie P1NP oder CTX den Knochenumbau. Sie messen aber keine allgemeine Stammzellreserve.

Auch Muskelmasse oder Wundheilung können sich im Alter verändern, lassen aber keine eindeutige Rückrechnung auf Stammzellen zu. Bei konkreten Problemen richtet sich die Diagnostik deshalb nach dem betroffenen Organ und nicht nach einem Hallmark-Panel. Je nach Fragestellung kommen zum Beispiel Hämatologie, Dermatologie, Orthopädie oder Geriatrie infrage.

Veränderte interzelluläre Kommunikation

Zellen kommunizieren über Hormone, Nervenimpulse, Immunbotenstoffe und zahlreiche lokale Signale miteinander. Dieses Netzwerk verändert sich im Laufe des Lebens und verbindet viele andere Hallmarks miteinander. Der Begriff umfasst deshalb wesentlich mehr als Veränderungen einzelner Hormone.

Sexualhormone, Schilddrüsenwerte, Cortisol oder IGF-1 können bei konkreten medizinischen Fragestellungen sinnvoll sein. Sie ergeben zusammengenommen aber keinen validierten Test auf „veränderte interzelluläre Kommunikation“. Eine breite Bestimmung ohne Beschwerden oder klinischen Verdacht ist deshalb nicht automatisch sinnvoll.

Auch die Präanalytik hängt vom jeweiligen Hormon ab. Manche Werte sind von Tageszeit, Zyklusphase, Medikamenten oder anderen Umständen abhängig, andere deutlich weniger. Welche Untersuchung sinnvoll ist, sollte deshalb von der medizinischen Frage ausgehen und nicht vom Hallmark selbst.

Chronische Entzündung

Mit „Inflammaging“ beschreibt die Forschung eine im Durchschnitt zunehmende niedriggradige Aktivierung bestimmter Entzündungswege im höheren Alter. Dieser Prozess wird mit zahlreichen altersassoziierten Erkrankungen in Verbindung gebracht. Ein einzelner Laborwert kann jedoch nicht feststellen, ob bei Dir „Inflammaging“ vorliegt.

Hs-CRP ist ein etablierter Entzündungsmarker und kann in bestimmten Situationen auch bei der kardiovaskulären Risikoeinschätzung ergänzen. Es reagiert aber ebenso auf Infekte, Zahnfleischentzündungen, Verletzungen oder intensive körperliche Belastung. Interleukin-6, TNF-α, Ferritin oder bestimmte Verhältnisse im Blutbild sind ebenfalls keine spezifischen Hallmark-Tests.

Bei auffälligen Entzündungswerten sollte deshalb nach einer medizinischen Ursache gesucht werden. Allgemeinmedizin und Innere Medizin sind dafür meist die ersten Anlaufstellen. Bei Hinweisen auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung kann eine rheumatologische Abklärung sinnvoll sein.

Dysbiose

Das Darmmikrobiom verändert sich im Laufe des Lebens, wobei Alter nur einer von vielen Einflussfaktoren ist. Ernährung, Medikamente, Erkrankungen, körperliche Aktivität, Frailty und Wohnumfeld können die Zusammensetzung ebenfalls stark verändern. Deshalb gibt es bislang kein allgemein anerkanntes Muster, das eindeutig ein „junges“ oder „gesundes“ Mikrobiom definiert.

Moderne Shotgun-Metagenomik kann sehr detailliert beschreiben, welche Mikroorganismen und genetischen Funktionen in einer Stuhlprobe vorhanden sind. Für gesunde Menschen lässt sich daraus derzeit aber keine allgemein validierte Diagnose oder Therapie ableiten. Kommerzielle Mikrobiomtests gehören deshalb nicht zur etablierten Routinevorsorge.

Bei konkreten Beschwerden sind dagegen gezielte gastroenterologische Untersuchungen sinnvoll. Calprotectin kann zum Beispiel bei Verdacht auf entzündliche Darmerkrankungen eingesetzt werden, Atemtests bei bestimmten Fragestellungen zu Kohlenhydratmalabsorption oder Dünndarmfehlbesiedlung. Diese Untersuchungen dienen der Diagnose konkreter Erkrankungen und nicht der Bestimmung des Hallmarks „Dysbiose“.

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Welche Hallmarks wirken über mehrere Organsysteme hinweg?

Viele der zwölf Hallmarks sind nicht auf ein einzelnes Organ begrenzt, sondern können in unterschiedlichen Geweben gleichzeitig auftreten. Epigenetische Veränderungen, mitochondriale Dysfunktion und chronische Entzündung sind dafür besonders anschauliche Beispiele, sie nehmen im ursprünglichen Modell aber keine grundsätzlich höhere Stellung als die übrigen Hallmarks ein. Auch Telomerveränderungen, Proteostase, Autophagie oder zelluläre Seneszenz können mehrere Organsysteme betreffen.

Für epigenetische Veränderungen gibt es mit DNA-Methylierungsuhren interessante Forschungsinstrumente. DunedinPACE wurde beispielsweise aus Veränderungen von 19 physiologischen und klinischen Parametern über mehrere Messzeitpunkte in der neuseeländischen Dunedin-Kohorte entwickelt und überträgt diese Informationen auf ein Methylierungsmuster im Blut. In weiteren Kohorten war der Wert mit Erkrankungen, Funktionseinschränkungen und Sterblichkeit assoziiert, für individuelle medizinische Entscheidungen ist er derzeit aber nicht ausreichend validiert.

Ähnlich wichtig ist die Unterscheidung bei anderen Messgrößen. Eine in der Spiroergometrie bestimmte VO₂max liefert wertvolle Informationen über die kardiorespiratorische Fitness, misst aber nicht direkt eine mitochondriale Dysfunktion. Ein hs-CRP kann Entzündungsaktivität anzeigen, ist jedoch kein spezifischer Test für den Hallmark der chronischen Entzündung.

Wie hängen die Hallmarks mit verschiedenen Körperbereichen zusammen?

Für den Alltag kann es hilfreich sein, das Modell aus Sicht der Organe zu betrachten. Herz, Muskulatur, Gehirn, Haut oder Stoffwechsel werden nicht von einem einzigen Hallmark geprägt, sondern von vielen biologischen Prozessen gleichzeitig. Diese Zuordnung ist allerdings ein Erklärungsmodell und keine klinisch validierte diagnostische Matrix.

Beim Herz-Kreislauf-System werden unter anderem Entzündungsprozesse, mitochondriale Funktion, Nährstoffsensorik und zelluläre Seneszenz erforscht. Für Deine tatsächliche Vorsorge sind jedoch etablierte Faktoren wie Blutdruck, Blutfette, Diabetes, Rauchen, Bewegung und familiäre Risiken wesentlich aussagekräftiger. Die Hallmarks können erklären helfen, warum solche Faktoren biologisch relevant sind, ersetzen aber keine klassische Risikobewertung.

Auch Muskel und Knochen werden durch mehrere Alterungsprozesse beeinflusst. Mitochondriale Funktion, Proteostase, Stamm- und Vorläuferzellen, Entzündung und Nährstoffsignalwege werden dabei intensiv untersucht. Für die Praxis sagen Muskelkraft, körperliche Leistungsfähigkeit, Sturzrisiko und bei entsprechender Indikation die Knochendichte aber mehr aus als ein vermeintlicher Hallmark-Test.

Beim Gehirn werden unter anderem Proteostase, Gefäßgesundheit, mitochondriale Prozesse, Entzündung und zelluläre Seneszenz untersucht. Gedächtnisprobleme oder andere neurologische Beschwerden sollten trotzdem mit etablierten neurologischen Verfahren abgeklärt werden. Spezielle Aging-Biomarker können eine solche Diagnostik derzeit nicht ersetzen.

Die Haut macht einige Alterungsprozesse besonders sichtbar. UV-Strahlung verursacht DNA-Schäden, während sich gleichzeitig Bindegewebe, Pigmentierung, Regeneration und Zellzusammensetzung verändern. Falten oder Pigmentflecken erlauben daraus aber keine Rückschlüsse darauf, wie stark andere Organe biologisch gealtert sind.

Was lässt sich heute sinnvoll messen und was bleibt Forschung?

Einen klinisch anerkannten Test für die zwölf Hallmarks gibt es nicht. Ärzte und Ärztinnen können stattdessen etablierte Gesundheitsrisiken, Organfunktionen und körperliche Leistungsfähigkeit untersuchen, die teilweise mit den biologischen Prozessen des Alterns zusammenhängen. Ein auffälliger Wert ist deshalb nicht automatisch ein auffälliger Hallmark.

Zu den medizinisch etablierten Untersuchungen gehören je nach Alter und persönlichem Risiko beispielsweise Blutdruck, Glukosestoffwechsel, Blutfette, Nieren- und Leberfunktion oder bestimmte Vorsorgeuntersuchungen. Auch Funktionstests wie Handkraft, Gehgeschwindigkeit oder eine Spiroergometrie können bei geeigneter Fragestellung wertvolle Informationen liefern. Welche davon sinnvoll sind, richtet sich nach Deinem Gesundheitszustand und nicht nach einem festen Longevity-Panel.

Anders sieht es bei epigenetischen Uhren, kommerziellen Telomertests oder umfassenden Mikrobiomanalysen aus. Diese Verfahren können wissenschaftlich interessante Daten liefern, ihre Bedeutung für Entscheidungen bei einer einzelnen gesunden Person ist aber bislang nicht ausreichend validiert. Für epigenetische Uhren wird inzwischen ausdrücklich davor gewarnt, aus einem individuellen Wert medizinische Entscheidungen abzuleiten.

Auch Tests auf zelluläre Seneszenz, Autophagie oder allgemeine Stammzellerschöpfung gehören derzeit nicht zur Routinediagnostik. Forschungsmarker wie p16-Signale, γ-H2AX, Zytokinprofile oder breite Proteomik-Analysen können in Studien nützlich sein, beantworten aber keine einfache Frage wie „Wie alt sind meine Zellen?“. Ein kommerzielles Angebot wird nicht automatisch klinisch sinnvoll, nur weil sich ein biologisches Molekül messen lässt.

Welche Untersuchungen sind für gesundes Altern tatsächlich sinnvoll?

Statt mit einem möglichst großen Laborpaket zu beginnen, ist eine risikobasierte Vorsorge sinnvoller. Dabei werden Alter, Vorerkrankungen, Beschwerden, Medikamente, Familiengeschichte und Lebensstil berücksichtigt und anschließend die Untersuchungen gewählt, aus denen tatsächlich eine medizinische Konsequenz entstehen kann. Gesetzliche Vorsorgeprogramme bieten dafür einen vernünftigen Ausgangspunkt.

Je nach persönlicher Situation können zusätzliche Werte sinnvoll sein. Dazu gehören beispielsweise ein differenzierteres Lipidprofil, bei entsprechender Fragestellung ApoB oder eine einmalige Lipoprotein(a)-Bestimmung sowie bestimmte Laborwerte bei Verdacht auf Mangelzustände oder Organerkrankungen. Eine jährliche pauschale Bestimmung von Nüchterninsulin, HOMA-IR, Vitamin D, Homocystein, Cortisol, IGF-1, Leptin, Adiponektin und zahlreichen Mikronährstoffen ist für gesunde Menschen dagegen kein etablierter Standard.

Ähnlich gilt das für bildgebende Untersuchungen. Bildgebung sollte eine konkrete medizinische Frage beantworten und nicht allein durchgeführt werden, weil sie technisch verfügbar ist. Bei Untersuchungen ohne klare Indikation können Zufallsbefunde zusätzliche Diagnostik und unnötige Belastung nach sich ziehen.

Welche Aging-Tests sollte man kritisch betrachten?

Besonders vorsichtig solltest Du bei Angeboten sein, die aus zahlreichen Einzelwerten ein präzises „biologisches Alter“ oder einen vollständigen Hallmark-Score berechnen. Solche Zahlen können sehr überzeugend wirken, obwohl Referenzpopulationen, Messfehler und tatsächliche gesundheitliche Bedeutung häufig unklar sind. Transparenz über Methode, Validierung und mögliche Konsequenzen ist deshalb wichtiger als die Zahl auf dem Ergebnisblatt.

Auch kommerzielle Darmmikrobiomtests haben derzeit nur einen begrenzten klinischen Nutzen. Ein internationaler Expertenkonsens betont, dass die Evidenz für ihren breiten Einsatz in der medizinischen Routine noch unzureichend ist und Ergebnisse nicht ohne Weiteres in Ernährungs- oder Therapieempfehlungen übersetzt werden sollten. Besonders kritisch sind Angebote, die aus einer Stuhlprobe zahlreiche Erkrankungen oder konkrete Nahrungsergänzungsmittel ableiten.

Von IgG-Panels zur Diagnose vermeintlicher Nahrungsmittelunverträglichkeiten ohne geeignete medizinische Fragestellung raten allergologische Fachgesellschaften ab. Auch Bioresonanz, Kinesiologie sowie unspezifische Schwermetall- oder „Toxin“-Screenings ohne Expositionsverdacht liefern keine etablierte Hallmark-Diagnostik. Bei Speicheltests oder genetischen Untersuchungen kommt es dagegen auf die konkrete Fragestellung an, denn einzelne Verfahren können in der regulären Medizin durchaus sinnvoll sein.

Was kostet eine Hallmarks-of-Aging-Diagnostik?

Eine standardisierte medizinische „Hallmarks-Diagnostik“ mit festem Leistungsumfang und einheitlichem Preis gibt es nicht. Selbstzahlerangebote können von einzelnen Laborwerten bis zu großen Paketen mit Genetik, DNA-Methylierung, Bildgebung und Mikrobiomanalyse reichen, weshalb die Kosten erheblich variieren. Feste Preisstufen von einigen Hundert bis mehreren Tausend Euro würden deshalb eine Genauigkeit vortäuschen, die es auf dem Markt nicht gibt.

Vor einer Selbstzahleruntersuchung solltest Du deshalb klären, welche konkrete Frage der Test beantworten soll. Ebenso wichtig ist die Frage, welche Entscheidung von einem auffälligen oder unauffälligen Ergebnis abhängen würde. Wenn darauf keine klare Antwort möglich ist, ist der Nutzen der Untersuchung oft gering.

Was zahlt die Krankenkasse in Deutschland?

In Deutschland haben gesetzlich Versicherte zwischen 18 und 34 Jahren einmalig Anspruch auf den allgemeinen Gesundheits-Check-up. Ab dem Alter von 35 Jahren kann die Untersuchung alle drei Jahre in Anspruch genommen werden. Sie umfasst Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutdruck und je nach Altersgruppe beziehungsweise Risikoprofil bestimmte Laboruntersuchungen.

Darüber hinausgehende Untersuchungen werden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, wenn dafür eine medizinische Indikation besteht. Ein kommerzielles Longevity-Panel, eine epigenetische Uhr oder eine Mikrobiomanalyse bei einem gesunden Menschen gehören dagegen nicht zur allgemeinen Regelleistung. Bei privaten Versicherungen richtet sich die Erstattung nach medizinischer Notwendigkeit und dem jeweiligen Tarif.

Was zahlt die Krankenkasse in Österreich?

In Österreich können Personen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr mit Wohnsitz im Land einmal jährlich kostenlos an der Vorsorgeuntersuchung teilnehmen. Das Programm konzentriert sich auf etablierte Risiken und Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen. Es ist kein Screening auf die Hallmarks of Aging.

Zusätzliche Untersuchungen können bei einer medizinischen Indikation Kassenleistung sein. Werden sie dagegen allein als erweitertes Longevity-Paket gewünscht, müssen sie in der Regel privat bezahlt werden. Bei Wahlärzten und Wahlärztinnen gelten die üblichen österreichischen Regeln zur Kostenerstattung für tatsächlich erstattungsfähige Leistungen.

Was zahlt die Grundversicherung in der Schweiz?

Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt in der Schweiz die in der Krankenpflege-Leistungsverordnung definierten Präventionsmaßnahmen. Anders als in Österreich gibt es keinen pauschalen jährlichen Erwachsenen-Check-up, der unabhängig von Risiko und Indikation sämtliche allgemeinen Vorsorgewerte abdeckt. Welche Untersuchungen übernommen werden, richtet sich nach den gesetzlichen Voraussetzungen und der konkreten medizinischen Situation.

Liegt eine Erkrankung oder ein begründeter Krankheitsverdacht vor, können notwendige ärztliche Untersuchungen und Laboranalysen über die Grundversicherung abgerechnet werden. Franchise und Selbstbehalt bleiben dabei zu berücksichtigen. Epigenetische Uhren, kommerzielle Mikrobiomtests oder umfassende Hallmark-Pakete gehören nicht zur normalen Grundversorgung.

Welche Behandlungsansätze beeinflussen gesundes Altern?

Für gesundes Altern ist die beste Evidenz nicht an einem einzelnen Hallmark-Test festzumachen. Regelmäßige körperliche Aktivität, Rauchverzicht, ausreichender Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und die Behandlung von Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten oder Diabetes senken nachweislich Gesundheitsrisiken und erhalten körperliche Funktion. Dass solche Maßnahmen gleichzeitig Signalwege beeinflussen, die in der Hallmarks-Forschung untersucht werden, liefert eine plausible biologische Erklärung, ist aber nicht der eigentliche Wirknachweis.

Besonders gut belegt ist eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Bewegung verbessert kardiorespiratorische Fitness, Muskelkraft, Insulinsensitivität und zahlreiche weitere gesundheitlich relevante Endpunkte. Du musst dafür nicht wissen, ob sich gleichzeitig ein bestimmter Seneszenz- oder Methylierungsmarker verändert.

Gibt es Medikamente gegen das Altern?

Derzeit ist kein Arzneimittel mit der Indikation zugelassen, bei gesunden Menschen das biologische Altern zu verlangsamen oder die Lebensspanne zu verlängern. Verschiedene bekannte Medikamente werden trotzdem in der Longevity-Forschung untersucht, weil sie Signalwege beeinflussen, die auch in den Hallmarks vorkommen. Eine interessante biologische Wirkung ist aber nicht mit einer nachgewiesenen Anti-Aging-Therapie gleichzusetzen.

Metformin

Metformin ist ein etabliertes Medikament zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Es wird seit Jahren als möglicher Geroprotektor diskutiert, für die routinemäßige Einnahme gesunder Menschen fehlen jedoch klinische Endpunktdaten, die einen Anti-Aging-Nutzen belegen. Eine Einnahme allein mit dem Ziel, das Altern zu verlangsamen, entspricht deshalb keiner zugelassenen Indikation.

Rapamycin und Sirolimus

Sirolimus, auch als Rapamycin bekannt, hemmt den mTOR-Signalweg und kann die Lebensspanne verschiedener Modellorganismen einschließlich Mäusen verlängern. Beim Menschen gibt es bislang keinen Nachweis, dass eine Einnahme bei Gesunden die Lebensspanne verlängert. Eine solche Anwendung wäre deshalb experimentell und nicht für gesundes Altern zugelassen.

Das Arzneimittel Rapamune ist in der EU zur Vorbeugung einer Abstoßung nach Nierentransplantation sowie zur Behandlung bestimmter Patienten und Patientinnen mit sporadischer Lymphangioleiomyomatose zugelassen. Deutschland und Österreich unterliegen dabei der europäischen Arzneimittelzulassung, während die Schweiz eigene Zulassungsverfahren hat. Keine dieser Zulassungen umfasst die Verlangsamung des normalen Alterns.

Semaglutid

Semaglutid ist je nach Präparat für Typ-2-Diabetes beziehungsweise zur Gewichtsregulierung bei Adipositas und bestimmten Menschen mit Übergewicht zugelassen. Bei diesen Erkrankungen kann eine Behandlung erhebliche gesundheitliche Vorteile haben. Daraus folgt aber keine Indikation zur Einnahme durch normalgewichtige gesunde Menschen mit dem Ziel, länger zu leben.

Senolytika

Senolytika sollen gezielt seneszente Zellen beseitigen und sind ein aktives Forschungsgebiet. Die Kombination aus Dasatinib und Quercetin wurde bereits in kleinen Humanstudien untersucht, doch in einer randomisierten Phase-2-Studie bei postmenopausalen Frauen wurde der primäre Endpunkt zur Knochenresorption nicht erreicht. Solche Ergebnisse zeigen, wie weit der Weg von überzeugenden Tierexperimenten zu einer wirksamen Therapie beim Menschen sein kann.

Dasatinib ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel zur Behandlung bestimmter Leukämien und kein Anti-Aging-Medikament. Quercetin und Fisetin werden dagegen unter anderem als Nahrungsergänzung angeboten, besitzen aber keine zugelassene Indikation zur Senolyse oder Verlangsamung des Alterns. Selbstversuche mit Medikamentenkombinationen aus der Senolytika-Forschung sind deshalb nicht mit einer etablierten Behandlung gleichzusetzen.

Hormontherapie

Hormone sollten nicht allein eingesetzt werden, um einen vermeintlich jugendlichen Laborwert wiederherzustellen. Eine menopausale Hormontherapie kann bei entsprechenden Beschwerden und nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoll sein, Testosteron bei einem medizinisch gesicherten Hypogonadismus. Beide Therapien haben konkrete medizinische Indikationen, sind aber keine allgemeine Verjüngungsbehandlung.

Wie sind Stammzellen, Exosomen und andere Zelltherapien einzuordnen?

Zell- und gewebebasierte Therapien sind ein besonders sensibler Bereich der Longevity-Medizin. Ob ein Verfahren als Arzneimittel gilt und unter welchen Bedingungen es eingesetzt werden darf, hängt von Verarbeitung, Produkt und Anwendungszweck ab. Begriffe wie „Stammzelltherapie“ oder „Exosomentherapie“ sagen allein noch nichts darüber aus, ob ein konkretes Angebot zugelassen, wirksam oder sicher ist.

Die europäischen Arzneimittelbehörden warnen ausdrücklich vor unregulierten Advanced Therapy Medicinal Products. Solche Produkte dürfen in der EU nur unter den vorgesehenen regulatorischen Voraussetzungen eingesetzt werden, beispielsweise nach Zulassung, in einer genehmigten klinischen Studie oder unter eng definierten nationalen Ausnahmen. Die Bezeichnung „individueller Heilversuch“ ist deshalb kein Freibrief für kommerziell angebotene Zell- oder Gewebeprodukte.

Für Exosomen beziehungsweise extrazelluläre Vesikel gibt es ebenfalls keine etablierte Anti-Aging-Behandlung. Die Forschung dazu ist dynamisch, klinische Wirksamkeit und langfristige Sicherheit sind für Longevity-Anwendungen aber nicht nachgewiesen. Vor kommerziellen Angeboten sollte deshalb besonders sorgfältig geprüft werden, welchen regulatorischen Status das konkrete Produkt besitzt.

Was ist von NAD-Infusionen zu halten?

NAD⁺ ist ein wichtiges Molekül des Zellstoffwechsels, dessen Konzentration sich mit dem Alter verändern kann. Daraus ist ein großer Markt für NAD-Infusionen sowie Vorstufen wie Nicotinamid-Ribosid und Nicotinamid-Mononukleotid entstanden. Eine Veränderung eines NAD-bezogenen Biomarkers bedeutet aber noch keinen belegten gesundheitlichen Anti-Aging-Effekt.

Eine systematische Übersicht von 2026 fand bei oralen NAD-Vorstufen zwar zuverlässig biochemische Veränderungen, aber uneinheitliche und häufig fehlende Effekte auf klinisch relevante Stoffwechsel-, Gefäß- und Funktionsparameter. Für intravenöses oder intramuskuläres NAD⁺ fanden die Autorinnen und Autoren keine geeigneten klinischen Outcome-Studien zu Anti-Aging- oder Wellness-Anwendungen. NAD-Infusionen können deshalb derzeit nicht als evidenzbasierte Therapie zur Verlangsamung des Alterns bezeichnet werden.

Welche Ärztin oder welcher Arzt ist zuständig?

Der sinnvollste Einstieg ist meist die hausärztliche oder internistische Praxis. Dort können etablierte Risiken und Beschwerden eingeordnet und nur die Untersuchungen veranlasst werden, aus denen sich tatsächlich eine Konsequenz ergibt. Das ist für die Prävention meist wertvoller als ein möglichst großes Hallmark-Labor.

Je nach Befund können anschließend spezialisierte Fachrichtungen hinzukommen. Hormonelle Erkrankungen gehören beispielsweise in die Endokrinologie, körperliche Leistungsdiagnostik in Sportmedizin oder Kardiologie und konkrete genetische Fragestellungen in die Humangenetik. Bei Darmbeschwerden ist die Gastroenterologie, bei Gedächtnisstörungen die Neurologie und bei Hautveränderungen die Dermatologie zuständig.

Wenn Du eine umfassendere präventivmedizinische Einordnung suchst, kannst Du über die MOOCI-Arztsuche nach Ärztinnen und Ärzten mit entsprechendem Schwerpunkt suchen. Vor kostenintensiver Diagnostik sollte klar besprochen werden, welches Ziel eine Untersuchung verfolgt und welche Konsequenz aus dem Ergebnis entstehen könnte. Ein guter Test beantwortet eine konkrete medizinische Frage und erzeugt nicht nur weitere Zahlen.

Wie oft sollten Werte kontrolliert werden?

Es gibt kein allgemeines Kontrollintervall für Aging- oder Hallmark-Marker. Wie oft ein Wert sinnvoll wiederholt wird, hängt vom jeweiligen Parameter, Ausgangsbefund, einer laufenden Behandlung und der klinischen Fragestellung ab. Ein HbA1c verhält sich zeitlich beispielsweise anders als ein CRP oder ein Hormonwert.

Nach einer Änderung einer medikamentösen Therapie oder des Lebensstils können bestimmte Stoffwechsel- oder Lipidwerte nach einigen Wochen bis Monaten erneut bestimmt werden. Andere Untersuchungen müssen ohne neuen Anlass gar nicht regelmäßig wiederholt werden. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt sollte das Intervall deshalb am konkreten Befund festmachen.

Für epigenetische Uhren oder kommerzielle Mikrobiomanalysen gibt es keine validierten medizinischen Retest-Intervalle. Empfehlungen wie „alle sechs Monate“ oder „frühestens nach drei Monaten“ sind keine allgemein anerkannten klinischen Standards. Eine wiederholte Messung ist nur dann sinnvoll, wenn der Messwert selbst ausreichend zuverlässig und seine Veränderung interpretierbar ist.

Lipoprotein(a) ist ein Sonderfall, weil der Wert weitgehend genetisch bestimmt ist und bei vielen Menschen eine einmalige Messung im Erwachsenenalter genügt. Auch die DNA-Sequenz verändert sich durch einen erneuten polygenen Risikotest nicht, die Interpretation solcher Scores kann sich mit neuen Modellen jedoch ändern. Deshalb sind auch genetische Ergebnisse immer im jeweiligen medizinischen Kontext zu betrachten.

Wo liegen die Grenzen des Hallmarks-Modells?

Die Hallmarks of Aging ordnen ein äußerst komplexes Forschungsfeld, erklären das Altern aber nicht vollständig. Kritikerinnen und Kritiker weisen darauf hin, dass sich die einzelnen Kategorien stark überschneiden und bei vielen Prozessen noch unklar ist, ob sie Ursache, Folge oder beides zugleich sind. Seneszente Zellen können beispielsweise Entzündung fördern, Nährstoffsignalwege beeinflussen Autophagie und das Mikrobiom interagiert mit dem Immunsystem.

Hinzu kommt, dass ein großer Teil der mechanistischen Evidenz aus Zellkultur und Tiermodellen stammt. Ein Eingriff, der bei einer Maus Lebensspanne oder einen bestimmten Hallmark verändert, muss beim Menschen weder dieselbe biologische Wirkung noch einen gesundheitlichen Vorteil haben. Gerade bei Longevity-Therapien ist diese Unterscheidung besonders wichtig.

Für Dich ergibt sich daraus eine einfache praktische Grenze. Ein Marker, der mit einem Hallmark zusammenhängt, misst nicht automatisch den Hallmark, und eine Veränderung eines Biomarkers beweist keinen längeren oder gesünderen Lebensverlauf. Als wissenschaftliche Landkarte ist das Modell sehr hilfreich, als Grundlage für einen vollständigen Gesundheitsscore oder ein Heilversprechen dagegen nicht.

Quellen

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López-Otín C, Blasco MA, Partridge L, Serrano M, Kroemer G. Hallmarks of Aging: An Expanding Universe. Cell. 2023;186(2):243–278. DOI: 10.1016/j.cell.2022.11.001

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Porcari S, Mullish BH, Asnicar F et al. International consensus statement on microbiome testing in clinical practice. Lancet Gastroenterology & Hepatology. 2025;10(2):154–167. PMID: 39647502. DOI: 10.1016/S2468-1253(24)00311-X

Gemeinsamer Bundesausschuss. Gesundheitsuntersuchungen („Check-up“). Anspruch einmalig zwischen 18 und 34 Jahren, ab 35 Jahren alle drei Jahre.

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs. Vorsorgeuntersuchung (Gesundheits-Check). Kostenlose Vorsorgeuntersuchung einmal jährlich ab dem vollendeten 18. Lebensjahr.

Bundesamt für Gesundheit Schweiz. Krankenversicherung: Massnahmen der medizinischen Prävention. Präventionsleistungen gemäß Krankenpflege-Leistungsverordnung.

European Medicines Agency. Rapamune (Sirolimus). Zugelassene Indikationen: Prophylaxe der Organabstoßung nach Nierentransplantation sowie sporadische Lymphangioleiomyomatose.

European Medicines Agency. Wegovy (Semaglutid). Zugelassen zur Gewichtsregulierung bei Adipositas beziehungsweise bestimmten Erwachsenen mit Übergewicht und Begleiterkrankungen.

European Medicines Agency und Heads of Medicines Agencies. Unregulated advanced therapy medicinal products pose serious risks to health. Gemeinsame Warnung, 2025.

Hickson LJ et al. Effects of intermittent senolytic therapy on bone metabolism in postmenopausal women: a phase 2 randomized controlled trial. 2024. PMID: 38956196.

Gallagher C, Emmanuel OO. NAD⁺ supplementation for anti-aging and wellness: A PRISMA-guided systematic review of preclinical and clinical evidence. Ageing Research Reviews. 2026;116:103057. PMID: 41655607.

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Häufige Fragen

Wie viele Hallmarks of Aging gibt es?
Die aktuelle Fassung von 2023 umfasst zwölf Hallmarks. Die ursprüngliche Publikation von 2013 beschrieb neun Merkmale, später kamen gestörte Makroautophagie, chronische Entzündung und Dysbiose hinzu. Da weitere Prozesse diskutiert werden, kann sich das Modell in Zukunft erneut verändern.
Kann ich meine Hallmarks of Aging testen lassen?
Einen klinisch validierten Test für alle zwölf Hallmarks gibt es nicht. Einzelne Laborwerte, Funktionstests oder Forschungsbiomarker können mit Alterungsprozessen zusammenhängen, messen die Hallmarks aber in der Regel nicht direkt. Angebote, die aus einem Blut- oder Stuhltest einen vollständigen Hallmark-Score berechnen, versprechen deshalb mehr, als derzeit wissenschaftlich abgesichert ist. Epigenetische Uhren oder Telomeranalysen können in Forschung und bestimmten Spezialfragen interessant sein. Sie sollten bei gesunden Menschen aber nicht allein über Therapien oder große Lebensstilentscheidungen bestimmen. Sinnvoller ist eine Kombination aus etablierter Vorsorge, persönlichem Risikoprofil und körperlicher Funktion.
Sind die Hallmarks of Aging eine Krankheit?
Nein, die Hallmarks beschreiben biologische Prozesse und sind keine einzelne Erkrankung. Auch Begriffe wie mitochondriale Dysfunktion oder Stammzellerschöpfung werden im Hallmarks-Modell anders verwendet als konkrete medizinische Diagnosen mit ähnlichen Bezeichnungen. Behandelt werden deshalb Erkrankungen, Symptome und nachgewiesene Risikofaktoren und nicht ein abstrakter Hallmark. Derzeit gibt es auch kein Arzneimittel mit der zugelassenen Indikation, normales Altern bei gesunden Menschen zu verlangsamen. Das schließt Forschung an solchen Therapien nicht aus. Es zeigt aber den Unterschied zwischen einem wissenschaftlichen Konzept und einer zugelassenen medizinischen Behandlung.
Was ist der Unterschied zwischen biologischem Alter und den Hallmarks of Aging?
Die Hallmarks beschreiben biologische Prozesse, die am Altern beteiligt sein können. Ein sogenanntes biologisches Alter ist dagegen ein berechneter Schätzwert, der je nach Test beispielsweise aus Blutwerten, körperlichen Funktionen oder DNA-Methylierung abgeleitet wird. Verschiedene Verfahren können deshalb bei derselben Person unterschiedliche Ergebnisse liefern. Epigenetische Uhren beruhen vor allem auf altersabhängigen Methylierungsmustern und stehen damit besonders nahe am Hallmark der epigenetischen Veränderungen. Sie erfassen die übrigen Prozesse höchstens indirekt. Ein niedrigeres berechnetes biologisches Alter beweist deshalb nicht, dass alle zwölf Hallmarks günstig beeinflusst wurden.
Ab welchem Alter lohnt sich eine Diagnostik zu Alterungsprozessen?
Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Sinnvolle Prävention beginnt mit den regulären Vorsorgeangeboten und der individuellen Beurteilung von Blutdruck, Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-Risiko, Bewegung, Rauchen und weiteren bekannten Einflussfaktoren. Welche Untersuchungen darüber hinaus sinnvoll sind, hängt stärker vom persönlichen Risiko als vom Geburtsdatum ab. Umfangreiche kommerzielle Aging-Panels sind dagegen auch im höheren Alter nicht automatisch sinnvoll. Entscheidend ist, ob ein Test eine konkrete Frage beantwortet und aus dem Ergebnis eine medizinisch sinnvolle Handlung folgt. Gerade bei sehr teuren Untersuchungen sollte diese Frage vor der Blutabnahme geklärt werden.
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Dr. Benjamin Gehl

Dr. Benjamin Gehl

Facharzt für plastische, ästhetische & rekonstruktive Chirurgie

Als Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie liegt die Leidenschaft von Dr. Gehl schon immer im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Aufgrund seiner Ausbildung, einer langjährigen Einsatzzeit in der rekonstruktiven und plastischen Chirurgie, sowie zahlreichen Auslandseinsätzen in Indien, Afrika und Amerika weiß er, welche Techniken und Behandlungen für medizinische Indikationen international Anwendung finden und State of the art sind. Weiterhin beschäftigt er sich täglich mit neuen Trends und Techniken in der operativen und nicht-operativen Chirurgie. Fortbildungen sowie Studien zählen genauso zu seiner Leidenschaft wie die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten zu den neuesten fachspezifischen Themen.

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