Genitalherpes gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Viele Betroffene empfinden die Diagnose zunächst als beunruhigend oder schambesetzt, obwohl Herpes-simplex-Viren weit verbreitet sind und viele Infektionen unbemerkt bleiben. Nach einer Ansteckung verbleiben die Viren dauerhaft im Körper und können später erneut Beschwerden im Genitalbereich verursachen. Ausbrüche lassen sich mit antiviralen Medikamenten verkürzen und lindern. Bei häufigen Beschwerden kann eine längerfristige Behandlung außerdem die Zahl der Rückfälle reduzieren.
Das Wichtigste in Kürze
Genitalherpes wird durch Herpes-simplex-Viren vom Typ HSV-1 oder HSV-2 verursacht. HSV-2 ist weltweit die wichtigste Ursache, aber auch HSV-1 kann durch oral-genitalen Kontakt eine genitale Infektion auslösen. Typisch sind schmerzhafte Bläschen oder offene Stellen im Genital- und Analbereich. Beim ersten symptomatischen Ausbruch können zusätzlich Fieber, Abgeschlagenheit und geschwollene Lymphknoten auftreten.
Die Viren bleiben lebenslang im Körper. Antivirale Medikamente können Beschwerden und Dauer eines Ausbruchs verringern und bei einer Suppressionstherapie die Häufigkeit weiterer Schübe reduzieren. In der Schwangerschaft ist eine ärztliche Begleitung besonders wichtig. Das Risiko für das Neugeborene ist vor allem dann erhöht, wenn sich die Mutter erstmals gegen Ende der Schwangerschaft mit HSV infiziert.
Was ist Genitalherpes und welches Virus steckt dahinter?
Genitalherpes, medizinisch Herpes genitalis genannt, ist eine Infektion der Haut und Schleimhäute im Genitalbereich mit Herpes-simplex-Viren. Dabei kommen zwei Typen infrage: HSV-1 und HSV-2. HSV-2 ist vorwiegend mit genitalen Infektionen verbunden. HSV-1 verursacht überwiegend Lippenherpes, kann aber beispielsweise durch oral-genitalen Kontakt ebenfalls Genitalherpes auslösen. In mehreren Ländern werden genitale HSV-1-Infektionen zunehmend beobachtet.
Nach der ersten Infektion verbleiben Herpes-simplex-Viren lebenslang in Nervenzellen. Dort können sie inaktiv bleiben und später reaktiviert werden. Dann gelangen sie entlang der Nerven wieder zur Haut oder Schleimhaut und können erneut Beschwerden verursachen. Genitalherpes gehört damit zur Gruppe der Herpes-Infektionen.
Wie verbreitet ist Genitalherpes?
Herpes-simplex-Viren sind weit verbreitet. Nach Angaben des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit tragen rund 70 Prozent der Bevölkerung HSV-1 und etwa 20 Prozent HSV-2 in sich. Diese Zahlen beschreiben Infektionen mit den jeweiligen Virustypen und nicht ausschließlich symptomatischen Genitalherpes. In Deutschland wird der Anteil der Menschen mit HSV-2 auf etwa zehn bis 15 Prozent geschätzt.
Viele Infektionen verlaufen ohne erkennbare oder nur mit sehr milden Beschwerden. Für Deutschland wird geschätzt, dass nur etwa zehn bis 30 Prozent der Menschen mit HSV-2 deutliche Erkrankungssymptome entwickeln. Auch die WHO weist darauf hin, dass die meisten HSV-Infektionen asymptomatisch oder unbemerkt verlaufen. Dadurch kann das Virus weitergegeben werden, ohne dass die infizierte Person von ihrer Infektion weiß.
Wie wird Genitalherpes übertragen?
Die Übertragung erfolgt vor allem durch direkten Kontakt mit infizierter Haut oder Schleimhaut beim vaginalen, analen oder oralen Sex. Besonders hoch ist das Risiko bei Bläschen oder offenen Stellen. HSV kann jedoch auch ausgeschieden und übertragen werden, wenn die Haut unauffällig aussieht und keine Beschwerden bestehen.
Auch oral-genitaler Kontakt ist relevant, weil HSV-1 aus dem Mundbereich auf die Genitalien übertragen werden kann. Bei aktivem Lippenherpes sollte deshalb auf Oralsex verzichtet werden. Eine Ansteckung über gemeinsam benutzte Handtücher, Bettwäsche oder Toilettensitze gilt dagegen als sehr unwahrscheinlich.
Ein erster bemerkter Ausbruch muss nicht unmittelbar nach der Ansteckung auftreten. Die Infektion kann bereits Monate oder Jahre zurückliegen, bevor Genitalherpes erstmals erkannt wird. Deshalb lässt sich anhand eines neuen Ausbruchs meist nicht feststellen, wann oder von welchem Partner die Infektion übertragen wurde.
Welche Symptome treten bei Genitalherpes auf?
Typisch sind kleine Bläschen oder offene, häufig schmerzhafte Stellen im Genitalbereich. Bei Frauen können unter anderem Vulva, Scheide und Gebärmutterhals betroffen sein, bei Männern Penis, Vorhaut oder Hodensack. Veränderungen können außerdem am Damm, rund um den After, am Gesäß oder an den Innenseiten der Oberschenkel auftreten. Vor einem Ausbruch können Kribbeln, Jucken oder Brennen auftreten.
Die Bläschen können aufbrechen und nässende oder schmerzhafte Wunden hinterlassen. Beim Abheilen können sie verkrusten. Schmerzen beim Wasserlassen sind ebenfalls möglich, insbesondere wenn Urin mit betroffenen Haut- oder Schleimhautstellen in Kontakt kommt. Wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, unterscheidet sich deutlich von Mensch zu Mensch.
Wie unterscheiden sich erster Ausbruch und wiederkehrende Schübe?
Der erste bemerkte Ausbruch ist nicht automatisch mit der Erstinfektion gleichzusetzen. Eine HSV-Infektion kann lange unbemerkt bestehen, bevor erstmals typische Beschwerden auftreten. Wenn es zu einem ersten symptomatischen Ausbruch kommt, kann dieser stärker verlaufen als spätere Schübe. Möglich sind dann neben den Hautveränderungen auch Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen und geschwollene Lymphknoten.
Ohne Behandlung dauert die Abheilung eines ersten ausgeprägten Ausbruchs im Durchschnitt etwa 20 Tage. Wiederkehrende Schübe sind meist milder und kürzer und heilen durchschnittlich innerhalb von etwa zehn Tagen ab. Diese Zeitangaben sind Durchschnittswerte und können individuell deutlich abweichen.
Wie häufig Genitalherpes wiederkehrt, hängt unter anderem vom Virustyp ab. Genitale HSV-2-Infektionen verursachen deutlich häufiger Rezidive als genitale HSV-1-Infektionen. Mögliche Auslöser können beispielsweise Infekte, psychische Belastung, Menstruation oder lokale Reizungen sein. Allerdings lässt sich bei vielen Schüben kein bestimmter Auslöser erkennen.
Wie stellt der Arzt Genitalherpes fest?
Das Erscheinungsbild kann bereits auf Genitalherpes hinweisen, reicht für eine sichere Diagnose aber nicht immer aus. Bei frischen Bläschen oder offenen Stellen kann ein Abstrich genommen werden. Mit einem PCR-Test beziehungsweise einem anderen molekularbiologischen Nachweis lässt sich das Erbgut des Virus nachweisen und feststellen, ob HSV-1 oder HSV-2 vorliegt. Diese Unterscheidung ist hilfreich, weil genitale HSV-2-Infektionen häufiger wiederkehren als genitale HSV-1-Infektionen.
Die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen ist wichtig. Veränderungen im Genitalbereich können beispielsweise auch durch Feigwarzen, Syphilis oder andere Hauterkrankungen verursacht werden. Je nach Beschwerden und individuellem Risiko können deshalb weitere Untersuchungen auf sexuell übertragbare Infektionen sinnvoll sein. Bei Genitalherpes empfiehlt die CDC außerdem einen HIV-Test.
Eine Blutuntersuchung auf typspezifische HSV-Antikörper kann in bestimmten Situationen ergänzend eingesetzt werden, vor allem wenn keine Hautveränderungen vorhanden sind. Sie zeigt jedoch nicht zuverlässig, wann die Infektion stattgefunden hat oder an welcher Körperstelle sich das Virus befindet.
Wie wird Genitalherpes behandelt?
Genitalherpes lässt sich derzeit nicht heilen, weil Herpes-simplex-Viren dauerhaft im Körper verbleiben. Die Beschwerden können jedoch mit antiviralen Medikamenten behandelt werden. Wirkstoffe wie Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir hemmen die Virusvermehrung und können Dauer und Stärke eines Ausbruchs verringern.
Bei einem ersten symptomatischen Ausbruch wird eine systemische antivirale Behandlung empfohlen. Bei späteren Schüben wirkt eine episodische Behandlung am besten, wenn sie möglichst früh begonnen wird, idealerweise bereits bei ersten Vorzeichen oder kurz nach Beginn der Hautveränderungen. Eine starre Vorgabe von „innerhalb der ersten Stunden“ ist dafür nicht notwendig.
Antivirale Cremes oder Salben werden bei Genitalherpes nicht empfohlen, weil ihr klinischer Nutzen gering ist. Das liegt jedoch nicht daran, dass die Viren im Genitalbereich grundsätzlich „zu tief“ für äußerliche Präparate sitzen. Entscheidend ist vielmehr, dass systemisch eingenommene antivirale Medikamente bei genitalem Herpes wirksamer sind.
Bei häufigen oder besonders belastenden Schüben kann eine längerfristige Suppressionstherapie sinnvoll sein. Sie reduziert bei Menschen mit häufig wiederkehrendem HSV-2 die Zahl der Rezidive deutlich und kann zusätzlich das Übertragungsrisiko auf einen nicht infizierten Partner senken. Ob eine solche Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem von Häufigkeit und Schwere der Ausbrüche sowie von der persönlichen Belastung ab.
Was kann man bei einem Ausbruch selbst tun?
Neben der antiviralen Behandlung können einfache Maßnahmen die Beschwerden lindern. Die betroffene Haut sollte möglichst schonend gepflegt werden. Locker sitzende Kleidung oder Unterwäsche kann Reibung reduzieren. Kühlende Auflagen oder lauwarme Sitzbäder werden von manchen Betroffenen als angenehm empfunden. Bei stärkeren Schmerzen können nach ärztlicher oder pharmazeutischer Rücksprache auch Schmerzmittel infrage kommen.
Bläschen und offene Stellen sollten möglichst wenig berührt werden. Nach einem Kontakt solltest Du Dir gründlich die Hände waschen, damit das Virus nicht versehentlich auf andere Körperstellen, insbesondere die Augen, übertragen wird.
Solange Bläschen, offene Stellen oder typische Vorzeichen eines Ausbruchs bestehen, sollte auf vaginalen, analen und oralen Sex verzichtet werden. In dieser Phase ist das Übertragungsrisiko besonders hoch. Eine Übertragung ist allerdings auch in beschwerdefreien Zeiten möglich.
Was bedeutet Genitalherpes in der Schwangerschaft?
Genitalherpes erfordert in der Schwangerschaft besondere Aufmerksamkeit, weil HSV während der Geburt auf das Kind übertragen werden kann. Neonataler Herpes ist selten, kann für ein Neugeborenes aber schwerwiegend sein. Entscheidend für das Risiko ist vor allem, wann die Mutter die Infektion erworben hat.
Besonders hoch ist das Übertragungsrisiko bei einer erstmaligen genitalen HSV-Infektion kurz vor der Geburt. Die CDC gibt bei einer Neuinfektion nahe am Geburtstermin ein Übertragungsrisiko von etwa 30 bis 50 Prozent an. Bei bereits länger bestehendem, wiederkehrendem Genitalherpes liegt das Risiko dagegen unter einem Prozent.
Bei bekanntem wiederkehrendem Genitalherpes kann gegen Ende der Schwangerschaft eine antivirale Suppression eingesetzt werden, um Ausbrüche zum Geburtstermin zu reduzieren. Wann damit begonnen wird, richtet sich nach der jeweiligen Leitlinie und individuellen Situation. Eine antivirale Behandlung kann das Risiko senken, verhindert eine Übertragung auf das Kind aber nicht vollständig.
Ob eine vaginale Geburt oder ein Kaiserschnitt empfohlen wird, hängt vom Befund zum Zeitpunkt der Geburt und davon ab, ob es sich um eine erstmalige oder wiederkehrende Infektion handelt. Bei aktiven genitalen Läsionen oder typischen Vorzeichen zu Beginn der Geburt wird häufig ein Kaiserschnitt empfohlen, um das Übertragungsrisiko zu verringern. Bei Frauen mit bekanntem Genitalherpes ohne Läsionen oder Vorzeichen ist dagegen grundsätzlich eine vaginale Geburt möglich.
Wie kann man einer Übertragung auf den Partner vorbeugen?
Einen vollständigen Schutz vor Genitalherpes gibt es nicht, weil HSV auch ohne sichtbare Hautveränderungen ausgeschieden werden kann. Kondome können das Übertragungsrisiko reduzieren, schützen aber nicht vollständig, da infektiöse Hautbereiche außerhalb der vom Kondom bedeckten Fläche liegen können.
Während eines Ausbruchs oder bei typischen Vorzeichen sollte auf sexuelle Kontakte verzichtet werden. Auch ein offenes Gespräch mit Sexualpartnern über die Infektion ist sinnvoll, damit gemeinsam über Schutzmaßnahmen entschieden werden kann.
Bei symptomatischem genitalem HSV-2 kann eine tägliche Suppressionstherapie zusätzlich das Übertragungsrisiko reduzieren. Für genitale HSV-1-Infektionen ist ein entsprechender Effekt auf die Übertragung dagegen nicht ausreichend untersucht.
Eine Impfung gegen HSV-1 oder HSV-2 steht derzeit nicht zur Verfügung. Ob Stress, Schlaf oder andere Lebensstilfaktoren einzelne Ausbrüche beeinflussen, ist individuell unterschiedlich. Eine verlässliche Vorbeugung von Rezidiven durch bestimmte Lebensstilmaßnahmen ist bisher nicht belegt.
Wann sollte man mit Genitalherpes zum Arzt gehen?
Wenn Du zum ersten Mal Bläschen, offene Stellen oder andere schmerzhafte Veränderungen im Genitalbereich bemerkst, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll. So lässt sich feststellen, ob tatsächlich Genitalherpes oder eine andere Erkrankung vorliegt. Bei frischen Läsionen kann außerdem ein Abstrich für den Virusnachweis genommen werden.
Ärztlicher Rat ist auch sinnvoll, wenn die Beschwerden sehr stark sind, häufig wiederkehren oder Dich psychisch belasten. Probleme beim Wasserlassen, sehr ausgedehnte Hautveränderungen oder ein geschwächtes Immunsystem sind weitere Gründe für eine zeitnahe Abklärung.
Besonders wichtig ist eine ärztliche Untersuchung bei Verdacht auf Genitalherpes während der Schwangerschaft. Über MOOCI findest Du Hautärzte und andere geeignete Fachärzte im deutschsprachigen Raum, die Genitalherpes diagnostizieren und behandeln können.
Quellen
Centers for Disease Control and Prevention (2021): Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines, 2021 – Genital Herpes. Zur Webseite
World Health Organization (2025): Herpes simplex virus – Fact sheet. Zur Webseite
Korr, G., Thamm, M., Czogiel, I. et al. (2017): Decreasing seroprevalence of herpes simplex virus type 1 and type 2 in Germany leaves many people susceptible to genital infection: time to raise awareness and enhance control. BMC Infectious Diseases, 17(1), 471. DOI: 10.1186/s12879-017-2527-1
Corey, L., Wald, A., Patel, R. et al. (2004): Once-Daily Valacyclovir to Reduce the Risk of Transmission of Genital Herpes. New England Journal of Medicine, 350(1), 11–20. DOI: 10.1056/NEJMoa035144
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