Ringelröteln (Erythema infectiosum)

Ringelröteln sind eine ansteckende Kinderkrankheit, die manchmal zu Hautausschlag und erkältungsartigen Beschwerden führt, oft aber auch nur einen milden Verlauf nimmt. Sie hat nichts mit der ähnlich klingenden Erkrankung Röteln gemein. Die Ringelröteln werden durch das Parvovirus B19 verursacht und meist über Tröpfcheninfektion übertragen. Eine bestimmte Therapie ist nicht erforderlich. Schwangere sollten den Kontakt zu Erkrankten meiden.


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Zuletzt aktualisiert: 28. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter Ringelröteln?

Bei Ringelröteln oder auch Erythema infectiosum genannt, handelt es sich um eine häufige Viruserkrankung, die in erster Linie die roten Blutkörperchen befällt. Manchmal tritt ein charakteristischer Hautausschlag auf. Die Inkubationszeit beträgt etwa fünf bis zehn Tage. Ab Ausbruch des typischen Hautausschlags bist Du nicht mehr infektiös.

Bei Ringelröteln oder auch Erythema infectiosum genannt, handelt es sich um eine häufige Viruserkrankung

Wie sehen die Symptome von Ringelröteln aus?

Oftmals verlaufen die Ringelröteln mild und fieberfrei, sodass der Allgemeinzustand der Betroffenen nicht beeinträchtigt ist. In manchen Fällen treten leichte Erkältungssymptome mit dem charakteristischen Hautausschlag auf. Die Ringelröteln verlaufen oft in zwei Phasen.

 

Die Prodromalphase beginnt etwa ein bis zwei Wochen nach der Infektion und dauert zwei bis drei Tage. Symptome können Kopfschmerzen und Fieber, seltener Halsschmerzen und Juckreiz, noch seltener Husten, Bauchschmerzen oder Gelenkschmerzen sein. Bei Kindern verläuft die Erkrankung oft leichter als bei Erwachsenen, besonders die Gelenkbeschwerden sind bei erkrankten Erwachsenen recht häufig. Sie treten in den Händen, Hand- und Kniegelenken sowie im Knöchel auf.

 

Im Anschluss an diese erste Phase folgt ein symptomfreier Zeitraum von circa sieben bis zehn Tagen. Danach bildet sich der charakteristische Hautausschlag, welcher wiederum in drei Phasen verläuft. In der ersten Phase bildet sich ein leuchtend roter Ausschlag auf den Wangen, gleichzeitig eine auffallende Blässe um den Mund und leichtes Fieber. Die zweite Phase dauert etwa ein bis vier Tage und umfasst einen punktuellen Hautausschlag auf den Schultern, den Oberarmen, dem Oberkörper und manchmal auf den Oberschenkeln.

 

Während der Ausschlag langsam verblasst, bildet sich ein gitterartiges Muster (Marmorierung) auf der Haut, wobei Handflächen und Fußsohlen meist nicht betroffen sind. Phase drei kann sehr lange andauern, da der Ausschlag über Wochen oder sogar Monate immer wieder auftreten kann. Mögliche Ursachen hierfür können körperliche Aktivitäten, eine Reizung oder Überhitzung der Haut durch Baden oder Sonne sein. Der juckende Ausschlag ist für Erwachsene besonders unangenehm.

Welche Ursachen haben Ringelröteln?

Die Ursache der Ringelröteln ist eine Infektion mit dem Parvovirus B19. Da die Erkrankung bereits vor dem Ausbrechen ansteckend sind, sind die Viren recht verbreitet. Zudem können sie recht lange auch auf Oberflächen überleben, wodurch eine schnelle Ansteckung weiterer Menschen möglich ist.

Wie kann ich mich mit Ringelröteln anstecken?

Meist erfolgt die Ansteckung von Mensch zu Mensch, also über Niesen, Husten oder Sprechen des Erkrankten. Dabei werden die Viren über winzige Speicheltröpfchen in der Luft weitergegeben. Auch wenn ein Erkrankter beispielsweise in die Hand niest und diese dann einem gesunden Menschen reicht, kann sich dieser infizieren, wenn er die Erreger anschließend unwissentlich auf die Schleimhäute von Nase oder Mund verteilt. Schwangere können die Erreger an das Ungeborene weitergeben, auch wenn sie selbst keine Symptome zeigen. Du kannst Dich auch über verunreinigte Gegenstände wie Türklinken oder Spielzeug infizieren, da die Erreger sehr widerstandsfähig sind. In sehr seltenen Fällen ist eine Übertragung der Viren auch über Blutkonserven möglich.

Meist erfolgt die Ansteckung von Mensch zu Mensch, also über Niesen, Husten oder Sprechen des Erkrankten

Wie erfolgt die Diagnose von Ringelröteln?

Ärzte müssen bei Verdacht auf Ringelröteln diese von anderen Krankheiten abgrenzen, die ebenfalls mit Hautausschlag einhergehen. Dazu zählen Masern, Röteln, Windpocken, Scharlach oder Drei-Tage-Fieber. Dazu stellt der Arzt im Anamnesegespräch bestimmte Fragen, wie zum Beispiel wann die Ausschläge aufgetreten sind, wie hoch das Fieber ist, wie der Verlauf bis jetzt war, wie der Impfstatus des Erkrankten ist, welche Symptome aufgetreten sind und ob Personen in der Umgebung erkrankt sind. Zeigt der Betroffene den charakteristischen Ausschlag, kann der Arzt die Diagnose meist rasch stellen, in anderen Fällen kann er eine Blutuntersuchung vornehmen. Bei Schwangeren wird die Blutuntersuchung schon bei Kontakt mit einer erkrankten Person oder bei bloßem Verdacht vorgenommen. Häufig werden in diesem Zusammenhang auch weitere regelmäßige Kontrollen bis in die Spätschwangerschaft empfohlen.

Welche Folgen können Ringelröteln für Betroffene haben?

In den allermeisten Fällen heilt die Erkrankung folgenlos aus. Gelegentlich können besonders bei Frauen oder Mädchen vorübergehende Gelenkbeschwerden oder Gelenkentzündungen auftreten. Menschen mit einer Immunschwäche oder mit bestimmten erworbenen oder vererbten Blutkrankheiten wie Thalassämie oder Sichelzellanämie können in Folge der Ringelröteln eine bedrohliche Blutarmut entwickeln. Andere Komplikationen wie Leber-, Hirn-, Hirnhaut- oder Herzmuskelentzündungen treten meist nur in Zusammenhang mit anderen Krankheiten oder einem schwachen Immunsystem auf.

Wer ist am häufigsten von Ringelröteln betroffen?

Meist sind Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 15 Jahren betroffen, es können aber auch Erwachsene daran erkranken. In diesem Fall verläuft die Erkrankung schwerer als bei einer Infektion im Kindesalter.

Was ist der Unterschied zwischen Ringelröteln und Röteln?

Obwohl der Name der Krankheiten ähnlich ist, haben Ringelröteln und Röteln medizinisch gesehen nichts gemeinsam, da sie von unterschiedlichen Viren ausgelöst werden. Auch der Ausschlag unterscheidet sich: Bei Röteln treten kleine, rosafarbene oder rote Flecken zunächst hinter den Ohren und später am ganzen Körper auf. Bei Ringelröteln hat der Ausschlag eine typische Girlandenform. Für Röteln existiert eine Impfung (zusammen mit Masern, Mumps und Windpocken), für Ringelröteln allerdings nicht.

Wie gefährlich sind Ringelröteln während einer Schwangerschaft?

Hat eine schwangere Frau noch keine Antikörper gegen Ringelröteln im Blut und erkrankt, können die Viren auf das ungeborene Kind übertragen werden (Embryofetopathie). Das führt dazu, dass dessen Blutbildung in den Zellen der Leber und des Knochenmarks lebensgefährlich geschädigt werden kann und es deshalb zu einer Fehl- oder Totgeburt kommt. Wird die Infektion der Mutter allerdings früh erkannt, überwachen die Ärzte das Kind mit engmaschigen Ultraschall-Kontrollen und leiten gegebenenfalls Behandlungen, wie Bluttransfusionen, über die Nabelschnurgefäße ein.

Hat eine schwangere Frau noch keine Antikörper gegen Ringelröteln im Blut und erkrankt, können die Viren auf das ungeborene Kind übertragen werden

Wie lassen sich Ringelröteln behandeln?

Meist verläuft die Erkrankung harmlos und heilt von selbst aus, Betroffene benötigen keine Therapie. Liegt eine Immunschwäche vor, kann der Arzt Immunglobuline verschreiben. Bei übermäßiger Anämie (Blutarmut) besteht die Möglichkeit rote Blutkörperchen zu transfundieren.

Kann ich Ringelröteln mit Hausmitteln behandeln?

Du kannst bestimmte Cremes und Salben verwenden, um den Juckreiz zu mildern und das Hautbild zu verbessern. Zinkhaltige Salben, Mittel gegen Insektenstiche oder Salben gegen Sonnenbrand spenden Feuchtigkeit und unterstützen die Heilung der Haut. Du solltest viel trinken, um den Körper bei der Heilung zu unterstützen, gleichzeitig unterstützt Du so auch Deine Haut mit viel Feuchtigkeit.

Kann ich ein zweites Mal an Ringelröteln erkranken?

Das ist sehr unwahrscheinlich. Wenn Du die Infektion bereits einmal durchgemacht hast, bist Du von da an immun, da der Körper während der Krankheit Antikörper bildet, die das ganze Leben lang bestehen bleiben.

Sind Ringelröteln meldepflichtig?

Nein, Ringelröteln sind nicht meldepflichtig.

Gibt es einen Impfstoff gegen Ringelröteln?

Gegen Ringelröteln gibt es im Gegensatz zu Röteln keinen Impfstoff.

Liegt eine Immunschwäche vor, kann der Arzt Immunglobuline verschreiben

Wie kann ich Ringelröteln vorbeugen?

Da es noch keinen Impfstoff gegen die Erkrankung gibt, ist die beste Vorbeugung die Einhaltung der üblichen Hygieneempfehlungen wie regelmäßiges Händewaschen, Benutzung von Einmalhandtüchern und keinem gemeinsamen Gebrauch von Geschirr und Besteck. In der Schwangerschaft solltest Du den Kontakt zu Erkrankten meiden. Hast Du bereits ein älteres Kind in einer Betreuungseinrichtung, in welcher Ringelröteln aufgetreten sind, solltest Du überlegen, ob Du das Kind für diese Zeit anderweitig betreuen lassen kannst.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten des Bluttests für Schwangere nur, wenn es im Umkreis der Frau einen Fall von Ringelröteln gab. Ansonsten übernehmen sie in der Regel die anfallenden Kosten zur Diagnostik und Behandlung der Erkrankung. Im besten Fall klärst Du das mit Deinem Sozialversicherungsträger ab, um auf Nummer sicher zu gehen.


Dauer Dauer

Bis zu 4 Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Ca. 7 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Ringelröteln sind eine ansteckende Kinderkrankheit, die manchmal zu Hautausschlag und erkältungsartigen Beschwerden führt, oft aber auch nur mild verläuft


Die Ansteckung erfolgt meist von Mensch zu Mensch oder in einigen Fällen auch über verunreinigte Gegenstände. Seltener kannst Du Dich auch über virushaltige Blutkonserven anstecken


Abzugrenzen von Röteln: Wird durch unterschiedliche Erreger hervorgerufen und weist verschiedene Muster des Ausschlags auf. Außerdem existiert für Röteln im Gegensatz zu den Ringelröteln ein Impfstoff


Für Schwangere ist eine Infektion gefährlich, da sie sich auf das ungeborene Kind übertragen kann und dessen Blutbildung in den Zellen der Leber und des Knochenmarks lebensgefährlich schädigen kann

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