Mumps (Parotitis epidemica, Ziegenpeter, Rubula infans)

Mumps ist eine hoch ansteckende akute Virusinfektion, von der meist Kinder betroffen sind. Umgangssprachlich ist Mumps auch unter den Bezeichnungen „Ziegenpeter“ oder „Tölpel“ bekannt. Bei der Erkrankung schwellen die Ohrspeicheldrüsen seitlich am Kopf beziehungsweise am Hals stark an. Komplikationen sind selten, aber nicht ausgeschlossen. Wir haben die wichtigsten Informationen für Dich zusammengestellt.


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Zuletzt aktualisiert: 18. März, 2020



Was versteht die Medizin unter Mumps?

Mumps, Parotitis epidemica oder auch Rubula infans ist eine akute, generalisierte Virusinfektion, die hauptsächlich die Speicheldrüsen befällt und eine lebenslange Immunität hinterlässt. Der Erreger ist das Mumpsvirus, welches zu der Gruppe der Paramyxoviren gehört.

Welche Formen von Mumps gibt es?

Bei etwa einem Drittel der Infizierten verläuft die Erkrankung subklinisch, also ohne oder lediglich mit unspezifischen Symptomen. Beim Rest bildet sich die klassische Mumps-Erkrankung mit Schwellung der Ohrspeicheldrüsen aus.

Mumps ist eine akute Virusinfektion, die hauptsächlich die Speicheldrüsen befällt und eine lebenslange Immunität hinterlässt

Wie sehen die Symptome von Mumps aus?

Die Erkrankung löst nicht bei allen Infizierten Symptome aus, mindestens vier von zehn Infizierten bleiben symptomfrei oder haben nur leichte Symptome. Zunächst sind die Symptome sehr unspezifisch, zum Beispiel können Appetitlosigkeit, Fieber oder Kopf- und Gliederschmerzen auftreten, die Patienten fühlen sich kränklich, schlapp und unwohl. Da das Virus in die Mundspeicheldrüsen eintritt, kann sich außerdem ein trockenes Gefühl im Mund sowie Schluckbeschwerden äußern. Besonders bei kleinen Kindern ist Vorsicht geboten, bei ihnen kann Mumps oftmals mit einem einfachen grippalen Infekt verwechselt werden.

Was sind die Ursachen für Mumps?

Die Ursache für Mumps ist eine Infektion mit dem hochinfektiösen Mumpsvirus. Auch wenn keine Symptome auftreten, können Infizierte das Virus weitergeben. Das Virus reagiert gegenüber Umwelteinflüssen sehr empfindlich und “überlebt” dementsprechend nicht lang auf Oberflächen wie beispielsweise auf Türklinken.

Wie kann Mumps übertragen werden?

Am häufigsten ist die Infektion über Tröpfchen. Das bedeutet, wenn ein Infizierter in Deiner Nähe hustet, niest oder spricht, gelangen winzige Speicheltröpfchen in die Luft, in denen sich das Virus befindet. Atmet ein gesunder Mensch diese nun ein, kann er sich mit der Erkrankung angesteckt haben. Eine Ansteckung ist aber auch über Schmierinfektion (gemeinsame Nutzung von Gegenständen) oder direkten Speichelkontakt (Küssen) möglich.

Wie lässt sich Mumps diagnostizieren?

Der Arzt erkennt die Erkrankung meistens schon anhand der charakteristischen Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. Er fragt dann, ob Du zuvor Kontakt mit anderen an Mumps erkrankten Personen hattest und ob Du geimpft bist. Um die Diagnose zu sichern, stehen verschiedene Laboruntersuchungen zur Verfügung, normalerweise sind diese aber nicht nötig. Veranlasst der Arzt einen Bluttest, kann er mithilfe des IgM-Antikörpertests spezifische Antikörper nachweisen. Dazu reichert er Dein Blutserum mit Mumps-Viren an. Liegt ein Virus vor, bilden sich IgM-Antikörper, die schon an ersten Tag der Erkrankung auftreten und so eine Infektion bestätigen.

Mädchen ohne und mit Mumps

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Ursprünglich erkrankten am häufigsten Kinder im Alter von etwa vier bis zehn Jahren an Mumps. Durch die gestiegenen Impfzahlen allerdings hat sich der Erkrankungsgipfel auf etwa 25 Jahre verschoben, oftmals erkranken auch Jugendliche und Erwachsene. Bei ihnen verläuft die Erkrankung in der Regel gravierender. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Welche Folgen hat Mumps für den Betroffenen?

Bei Mumps-Infektionen gilt das Infektionsschutzgesetz. Das bedeutet, dass Du bei einer bestätigten oder vermuteten Mumps-Erkrankung vorübergehend keine Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten besuchen oder dort tätig sein darfst. Gleiches gilt auch für Personen, in deren Wohngemeinschaft ein Krankheits- oder Verdachtsfall aufgetreten ist, falls sie die Infektion noch nicht durchgemacht haben oder noch keinen vollständigen Impfschutz besitzen. Als Betroffener bist Du verpflichtet, die Gemeinschaftseinrichtung zu informieren. Des Weiteren handelt es sich bei Mumps um eine meldepflichtige Krankheit. Das heißt, dass nicht nur der Arzt, sondern auch die Gemeinschaftseinrichtung das zuständige Gesundheitsamt in Kenntnis setzen muss. Das Gesundheitsamt oder der Arzt legen dann fest, wann Du die Einrichtung wieder besuchen beziehungsweise wann Du dort wieder tätig sein darfst.

Wie ist der Verlauf von Mumps?

Ein bis zwei Tage nach Beginn der Erkrankung schwellen die Ohrspeicheldrüsen infolge der Entzündung deutlich an. Selten ist nur eine der beiden Drüsen geschwollen. Die Schwellung führt zu den für die Erkrankung typischen „Hamsterbacken“. Durch den Druck auf den Gehörgang, durch Kauen und weites Öffnen des Mundes entstehen Ohrenschmerzen, weswegen manche Patienten für die Dauer der Erkrankung nur weiche oder flüssige Nahrung aufnehmen können. In seltenen Fällen schwellen nicht nur die Ohrspeicheldrüsen, sondern auch die paarigen Speicheldrüsen im Unterkiefer oder unter der Zunge an. Auch die benachbarten Lymphknoten können sich vergrößern. Nach etwa einer Woche klingt die schmerzhafte Drüsenschwellung wieder ab.

Durch kühlen kann die Schwellung zurückgehen

Welche Komplikationen können bei Mumps auftreten?

Männer nach der Pubertät sind gefährdeter, im Anschluss an Mumps Komplikationen zu erleiden. Etwa 15 bis 30% entwickeln eine Hodenentzündung, wohingegen nur ein Prozent der Frauen an einer Eierstockentzündung erkrankt. Sie tritt etwa nach vier bis acht Tagen nach den ersten Krankheitssymptomen (Ohrspeicheldrüsenentzündung) auf und klingt innerhalb einer Woche wieder ab. Wenn beide Hoden entzündet sind, kann daraus Impotenz resultieren. Bei bis zu zehn Prozent der Betroffenen breitet sich das Mumps-Virus weiter auf das Zentralnervensystem aus. Daraus kann sich eine Mumps-Enzephalitis, also eine durch das Mumps-Virus hervorgerufene Gehirnentzündung, entwickeln.

 

Vor allem bei Kleinkindern kann eine Hirnhautentzündung (Meningitis) folgen. Etwa vier Prozent der Patienten leiden danach an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, ebenfalls vier Prozent der Patienten entwickelten Taubheit, Schilddrüsenentzündungen oder Anämien als Spätfolge. In seltenen Fällen können Entzündungen der Brustdrüsen oder eine Entzündung des Herzmuskels auftreten. Ob es einen Zusammenhang zu der Entwicklung von Diabetes mellitus gibt, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar.

Wie lässt sich Mumps behandeln?

Mumps selber kann nicht ursächlich behandelt werden. Die Behandlung besteht lediglich in einer Linderung der Symptome. Dazu verordnet der Arzt Bettruhe, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr durch Tee oder (stilles) Wasser, sowie bei Bedarf schmerzlindernde oder fiebersenkende Medikamente.

Kann ich selbst etwas gegen Mumps tun?

Da die Erkrankung selbst nicht behandelt werden kann, kannst Du auch selbst auf genügend Ruhe sowie eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung achten. Da saure Flüssigkeiten die Speicheldrüsen anregen, solltest Du lieber auf Tee oder stilles Wasser zurückgreifen. Gegen die Schwellung der Ohrspeicheldrüsen können warme Ölverbände und eine gute Mundhygiene helfen. Auch das Kühlen der Schwellung kann Betroffenen Linderung verschaffen.

Wie kann ich Mumps vorbeugen?

Du kannst Mumps am besten vorbeugen, indem Du Dich oder Dein Kind impfen lässt. Die Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln (MMR) wird ab dem elften bis 14. Lebensmonat für alle empfohlen. Eine zweite Impfdosis sollte frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung erfolgen. In Ausnahmefällen kann die Impfung auch schon ab einem Alter von neun Monaten durchgeführt werden, wenn das Kind vor dem vollendeten elften Lebensmonat in eine Gemeinschaftseinrichtung aufgenommen wird. Vor einer geplanten Schwangerschaft solltest Du Deinen Impfstatus überprüfen lassen und die Impfung gegebenenfalls nachholen. Wenn Du weißt, dass in Deinem Umkreis jemand an Mumps erkrankt ist, halte Dich, soweit es geht, fern, ansonsten gelten die gängigen Hygieneempfehlungen. Hattest Du Kontakt mit einem Mumps-Erkrankten und bist bislang nicht geschützt, dann kannst Du innerhalb von drei Tagen eine MMR-Impfung als sogenannte Riegelungs-Impfung erhalten.

Eine Impfung gegen Mumps ist empfehelenswert

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ja, die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Diagnostik und Behandlung der Erkrankung. Auch für die Impfung kommen die gesetzlichen Krankenkassen auf, bei beruflich bedingten Impfungen oftmals auch der Arbeitgeber.


Dauer Dauer

Bis zu 14 Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei Mumps handelt es sich um eine hoch ansteckende akute Virusinfektion, die hauptsächlich die Speicheldrüsen befällt und nach überstandener Krankheit eine lebenslange Immunität hinterlässt. Die STIKO empfiehlt eine Impfung


Mumps verläuft häufig subklinisch, ansonsten können unspezifische Krankheitssymptome oder Appetitlosigkeit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein trockenes Gefühl im Mund oder Schluckbeschwerden auftreten


Bei Männern ist die häufigste Komplikation eine Hodenentzündung und dadurch die Gefahr von Impotenz, bei allen Geschlechtern kann auch eine Meningitis oder eine Enzephalitis folgen. Seltenere Komplikationen sind Bauchspeicheldrüsenentzündungen, Taubheit, Schilddrüsenentzündungen, Anämien, Entzündungen der Brustdrüsen oder eine Entzündung des Herzmuskels


Mumps kann nicht ursächlich behandelt werden, lediglich symptomatisch mittels ausreichender Bettruhe und Flüssigkeitszufuhr, Wickeln und gegebenenfalls schmerzstillenden oder fiebersenkenden Medikamenten

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