Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) ist eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels. Der Verlauf dieser Krankheit ist oft schleichend und häufig von keinen Beschwerden begleitet, weshalb sie in vielen Fällen lange unentdeckt bleibt. Mögliche Symptome reichen von Kurzatmigkeit und Schwäche bis zu stechenden Brustschmerzen im Falle einer gleichzeitigen Herzbeutelentzündung. Wenn Du vor Kurzem einen grippalen Infekt hattest und solche Symptome zeigst, dann musst Du unbedingt einen Arzt aufsuchen, denn in schweren Fällen führt eine Myokarditis zu plötzlichem Herzversagen und dem Tod. Hier kannst Du alles Wichtige über die Herzmuskelentzündung erfahren.


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Zuletzt aktualisiert: 12. August, 2020



ICD-10-GM-2020 I51.4

Was versteht die Medizin unter einer Herzmuskelentzündung?

Eine Myokarditis ist eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels. Eine Herzmuskelentzündung kann in jedem Alter auftreten, besonders häufig jedoch zwischen 20 und 50 Jahren. Die Ursachen können infektiöser oder nicht-infektiöser Art sein. Die virale Myokarditis ist die häufigste Form einer Herzmuskelentzündung. Um eine Entzündung, des Herzmuskels zu diagnostizieren, werden verschiedene Verfahren angewandt, beispielsweise EKG, Röntgen, Echokardiografie, Labortests oder ein Herz-MRT. Diese Erkrankung verläuft oft schleichend und ohne Beschwerden, weshalb sie häufig unentdeckt bleibt. Neben einer Myokarditis kann gleichzeitig eine Perikarditis auftreten, eine Entzündung des bindegewebigen Herzbeutels. In schweren Fällen führt eine Herzmuskelentzündung zum plötzlichen Tod.
 
Eine Herzmuskelentzündung kann durch Viren verursacht werden

Was sind die Symptome einer Herzmuskelentzündung?

Die Symptome einer Herzmuskelentzündung variieren sehr stark. Viele Patienten zeigen keine körperlichen Beschwerden und bemerken keine typischen Symptome. Mögliche Symptome sind Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Leistungsschwäche, Schwindel und Ödeme. Manchmal leiden die Betroffenen auch unter Schwäche, grippeähnlichen Beschwerden, Appetit- und Gewichtsverlust, Herzrasen und leicht bläulichen Verfärbungen von Haut und Schleimhäuten.
 
Falls neben der Myokarditis auch eine Herzbeutelentzündung (Perikarditis) vorliegt, so leiden die Patienten unter Brustschmerzen, die bis in den Hals, die Schultern und die Trapeziusloge ausstrahlen. Durch Husten, Schlucken, Bewegung und Atmung wird dieser Schmerz häufig verstärkt. Symptome einer infektiösen Myokarditis sind Fieber und Muskelschmerzen. Bei einer Überempfindlichkeitsmyokarditis kommt es häufig zu Ausschlägen und vergrößerten Lymphknoten.
 
Bei Kleinkindern kann die Krankheit ebenfalls ohne Symptome verlaufen und im schlimmsten Fall zum Herztod führen. Neugeborene oder junge Säuglinge leiden unter Apathie, Fieber oder Trinkschwäche. Bei älteren Kindern sind die Symptome ebenfalls sehr verschieden. In den meisten Fällen geht der Erkrankung eine Virusinfektion voraus. Die Symptome reichen von Brustschmerzen, Atembeschwerden, Magendarmbeschwerden bis hin zu Herzrhythmusstörungen.

Welche Ursachen hat eine Herzmuskelentzündung?

Um die Ursachen für eine Herzmuskelentzündung herauszufinden, muss zuallererst zwischen einer infektiösen und einer nicht-infektiösen Herzmuskelentzündung unterschieden werden.
 
Bei einer infektiösen Myokarditis sind Viren (wie Herpes, Influenza, Hepatitis oder HIV), Bakterien (z.B. Pneumokokken, Meningokokken oder Borrelien), Pilze (vor allem Candida), Einzeller (Trypanosomen und Toxoplasmen) und Parasiten (Trichinen und Echinokokken) mögliche Auslöser. 50 % der Herzmuskelentzündungen werden durch Viren ausgelöst. In den USA sind die häufigsten viralen Ursachen das Parvovirus B19 und das humane Herpesvirus 6. In Entwicklungsländern wird eine Myokarditis häufig durch rheumatische Karditis, die Chagas-Krankheit oder AIDS verursacht. Oft geht der Herzmuskelentzündung eine einfache Virusinfektion voraus wie eine Erkältung, ein grippaler Infekt oder eine Durchfallerkrankung. Besonders häufig verursacht das Coxsackie B-Virus eine Myokarditis.
 
Bakterien verursachen besonders im Rahmen einer bakteriellen Blutvergiftung, bei der die Herzklappen betroffen sind, eine Herzmuskelentzündung.
 
Pilze lösen nur selten eine Myokarditis aus. In der Regel haben die Patienten ein geschwächtes Immunsystem infolge einer Erkrankung (AIDS), einer Chemotherapie oder durch die Einnahme immunschwächender Medikamente.
 
Bei einer nicht-infektiösen Herzmuskelentzündung sind nicht Krankheitserreger die Ursache. Meistens leiden Betroffene unter einem fehlregulierten Immunsystem, wodurch Autoimmunerkrankungen entstehen. Rheumatische Erkrankungen, Gefäßentzündungen oder Bindegewebsentzündungen zählen zu den Autoimmunerkrankungen und führen zu einer Herzmuskelentzündung.
 
Eine Strahlentherapie bei Krebserkrankungen, ein Herzinfarkt oder eine Herzoperation sind weitere mögliche Ursachen. Auch Allergien, beispielsweise gegen Medikamente (Überempfindlichkeitsmyokarditis), Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, rheumatisches Fieber oder Bindegewebs- bzw. Blutgefäßerkrankungen können zu einer Myokarditis führen. Darüber hinaus sind auch Giftstoffe im Rahmen einer Infektion wie Diphtherie oder Scharlach potenzielle Ursachen. Toxische Formen der Myokarditis können durch Alkohol, Blei, Kupfer oder Quecksilber ausgelöst werden.
 
Eine seltene Form der Herzmuskelentzündung ist die Riesenzellenmyokarditis. Die Ursache für diese Erkrankung ist unklar, es ist jedoch wahrscheinlich, dass ein Zusammenhang mit einem Autoimmunmechanismus besteht. Betroffene haben häufig Arrhythmien oder einen Herzblock und die Prognose für Patienten, die unter dieser Krankheit leiden, ist eher schlecht.
 
Eine Herzmuskelentzündung muss sofort behandelt werden, da ansonsten bleibende Schäden entstehen können

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Herzmuskelentzündung?

Bestimmte Faktoren können eine Herzmuskelentzündung begünstigen und stellen somit ein hohes Risiko dar. Besonders Menschen mit einem geschwächten Immunsystem zählen zu dieser Risikogruppe, da sich Infektionen leichter im Körper ausbreiten und auf das Herz übergreifen. Auch Autoimmunerkrankungen oder Infektionserkrankungen wie Diphterie erhöhen das Risiko einer Myokarditis.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Wenn Du vor ein paar Tagen oder auch Wochen einen grippalen Infekt hattest und nun Symptome einer Herzmuskelentzündung zeigst, dann solltest Du unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Herzmuskelentzündung?

Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten. Zuallererst führt der Arzt ein Gespräch mit dem Patienten durch und erkundigt sich nach den Beschwerden bzw. ob in letzter Zeit Infekte wie eine Grippe oder eine Magen-Darm-Infektion aufgetreten sind. Darüber hinaus fragt der Mediziner, ob bereits bestimmte Erkrankungen, beispielsweise Herzerkrankungen oder Bindegewebe- und Blutgefäßerkrankungen vorliegen.
 
Nach diesem Schritt führt ein Arzt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei werden das Herz sowie die Lunge mit einem Stethoskop abgehört, der Brustkorb abgeklopft und der Puls und Blutdruck gemessen. Bei dem Abhorchen der Lunge können Rasselgeräusche auf eine Herzschwäche hindeuten. Um eine beginnende Herzschwäche zu diagnostizieren, sucht der Mediziner nach weiteren möglichen Anzeichen wie Wasseransammlungen (Ödeme) in den Unterschenkeln.
 
Danach werden verschiedene Methoden herangezogen wie EKG, Röntgen oder Echokardiografie. Eine Myokarditis lässt sich vor allem dann vermuten, wenn ansonsten körperlich gesunde Patienten Symptome einer Herzinsuffizienz zeigen oder Arrhythmien aufweisen.
 
Bei einer Elektrokardiografie (EKG) erfolgt die Messung der elektrischen Aktivität des Herzmuskels. Dadurch werden Veränderungen der Herzaktivität, wie im Falle einer Herzmuskelentzündung, nachgewiesen. Typische Veränderungen der Herzaktivität sind ein beschleunigter Herzschlag (Herzrasen), zusätzliche Schläge (Extrasystolen) oder Herzrhythmusstörungen. Die meisten Veränderungen treten jedoch nur vorübergehend auf, daher ist es sinnvoll, zusätzlich eine Langzeit-Elektrokardiografie durchzuführen. Hier zeichnet ein kleiner Rekorder mit Klebeelektroden auf dem Brustkorb den Herzschlag über mindestens 24 Stunden bis zu sieben Tagen auf. In dieser Zeit soll sich der Patient möglichst frei bewegen, denn somit erhält der Arzt Informationen über die Herzfrequenz und den Herzrhythmus im normalen Tages- bzw. Nachtverlauf.
 
Mithilfe eines Herzultraschalls (Echokardiografie) kann ein Mediziner sowohl die Struktur als auch die Funktion des Herzmuskels beurteilen und beispielsweise vergrößerte Herzkammern oder eine Pumpschwäche erkennen. Dabei werden die Größe und Funktion der vier Herzkammern sowie der Blutfluss vom linken Vorhof in die linke Herzkammer bestimmt. Besonders diese Herzkammer wird genau untersucht, da sie die größte Pumpleistung erbringt.
 
Auch Wandbewegungsstörungen werden mithilfe eines Herzultraschalls entdeckt. Wenn diese Untersuchung bereits in einer frühen Phase der Erkrankung durchgeführt wird, kann der Arzt unterscheiden, ob es sich um eine milde oder schwere Verlaufsform handelt. Infolge einer Herzmuskelentzündung kommt es manchmal zu einem sogenannten Perikarderguss. Hierbei sammelt sich Flüssigkeit zwischen dem Herzbeutel und dem Herzmuskel. Ein solcher Erguss lässt sich ebenfalls im Ultraschall erkennen.
 
Eine Blutuntersuchung dient dazu, Entzündungswerte im Blut zu untersuchen. Wenn Herzmuskelzellen aufgrund einer Myokarditis geschädigt werden, werden Herzenzyme wie Troponin-T oder Kreatinkinase freigesetzt. Diese sind dann in einer erhöhten Menge im Blut nachweisbar. Auch eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) deutet auf eine Entzündung hin. Falls sich im Blut Antikörper gegen spezielle Viren oder Bakterien finden lassen, dann ist das ein Anzeichen für eine Infektion. Auch Autoantikörper, also Antikörper gegen körpereigene Strukturen, sind im Blut nachweisbar und deuten darauf hin, dass sich die Herzmuskelentzündung aufgrund einer Autoimmunerkrankung entwickelt hat. Bei einer Überempfindlichkeitsmyokarditis fertigt der Arzt ebenfalls ein Blutbild an.
 
Die Diagnose einer Herzmuskelentzündung kann der Arzt durch unterschiedliche Methoden stellen
 
Eine weitere Diagnosemöglichkeit ist die Herzkatheteruntersuchung. Diese führt der Spezialist durch, um eine Verringerung des Blutflusses zum Herzen auszuschließen. Bei dieser Untersuchung führt der Mediziner ein Katheter über eine kleine Einstichstelle am Handgelenk oder an der Leiste in ein Blutgefäß ein und schiebt ihn bis zum Herzen vor. Der Arzt stellt dann anhand von Röntgenkontrastmitteln und einer Röntgenröhre die drei Herzkranzgefäße dar, welche für die Durchblutung des Herzens sorgen.
 
Um eine Herzschwäche festzustellen, erstellt der Arzt eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Falls eine Herzschwäche vorliegt, ist das Herz vergrößert. Aufgrund der dadurch bedingten schwachen Pumpkraft des Herzens bildet sich häufig ein Rückstau an Flüssigkeit in der Lunge, welcher durch die Röntgenaufnahme sichtbar wird.
 
Damit ein Arzt die geschädigten oder entzündeten Herzareale von den gesunden unterscheiden kann, ist eine Magnetresonanztomografie des Herzens notwendig (Kardio-MRT). Allerdings gibt dieses Verfahren keine Auskunft darüber, welche Erreger die Entzündung verursacht haben.
 
Findet der Arzt trotz der verschiedenen Untersuchungen keine Erklärung, ist zur Diagnosesicherung eine Gewebeentnahme aus der rechten und linken Herzkammer erforderlich. Zuerst erfolgt die örtliche Betäubung der Eintrittsstelle des Katheters, danach führt ein Mediziner den Katheter über eine große Vene und das Venensystem in das Herz. Mit einer kleinen Zange entnimmt der Arzt eine kleine Menge Gewebe (Myokardbiopsie) und bringt dies in ein Labor. Dort findet eine Untersuchung des Gewebes auf Entzündungszellen und Krankheitserreger statt. Da die Diagnose aber davon abhängt, ob die Gewebeprobe tatsächlich von einem erkrankten Bereich entnommen wurde, ist es nicht sinnvoll, basierend auf diesem Test eine endgültige Diagnose zu stellen. Denn nur weil eine Myokardbiopsie nicht auf eine Herzmuskelentzündung hinweist, kann diese dennoch nicht ausgeschlossen werden.
 
Darüber hinaus kommt dieses Verfahren allerdings nur selten zur Anwendung, da es zu Komplikationen wie dem Riss des Herzmuskels (Myokardruptur) oder dem Tod kommen kann. Daher sollte die Myokardbiopsie hauptsächlich bei Patienten mit plötzlich auftretendem Herzversagen, Arrhythmien, Herzblockaden oder bei Verdacht auf eine Riesenzellenmyokarditis durchgeführt werden.

Wie lässt sich eine Herzmuskelentzündung behandeln?

Die Behandlung einer Myokarditis erfolgt je nach Symptomen und Auslösern. Die vollständige körperliche Schonung und die Behandlung einer möglichen Grunderkrankung sind jedoch die wichtigsten Bestandteile jeder Myokarditisbehandlung. Hierbei sollte jede Form von körperlicher Anstrengung vermieden werden, da sonst lebenslange Schäden am Herzmuskel und den Herzklappen entstehen. Welche Form der Belastung erlaubt ist, teilt Dir Dein Arzt in der Regel mit. Nach einer leichten Herzmuskelentzündung sind kurze Spaziergänge meistens erlaubt, allerdings darfst Du dabei Anzeichen wie Atemnot auf keinen Fall ignorieren.
 
Bei einer besonders starken Erkrankung muss der Patient auf einer Intensivstation verbleiben, um Herzaktivität, Puls, Sauerstoffsättigung und Blutdruck durchgehend überwachen zu können.
 
Wenn die Ursache der Herzmuskelentzündung bekannt ist, steht vor allem die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei einer bakteriellen Myokarditis verschreibt der Arzt Antibiotika gegen die Krankheitserreger. Auch gegen andere Erreger wie Pilze oder Parasiten werden gezielt Medikamente wie Antimykotika und Antiprotozoika eingesetzt.
 
Da die Erreger einer infektiösen Myokarditis aber meistens Viren sind und es noch keine Medikamente gegen eine virale Herzmuskelentzündung gibt, besteht die Behandlung aus körperlicher Schonung und Bettruhe. In besonderen Fällen erfolgt die Behandlung der Myokarditis mit Kortison, welches entzündungshemmend ist und das Immunsystem unterdrückt. Dies ist vor allem sinnvoll bei einer Fehlregulation des Immunsystems.
 
Wenn die Herzmuskelentzündung durch Medikamente oder Toxine verursacht wird, dann wird die Behandlung mit diesen Substanzen beendet und der Patient mit Kortikosteroiden behandelt. Bei einer Riesenzellenmyokarditis verschreibt der Arzt ebenfalls Kortikosteroide und eine immunsuppressive Therapie.
 
Neben der Ursache der Herzmuskelentzündung müssen auch dadurch entstandene Erkrankungen wie eine Herzinsuffizienz oder eine Herzrhythmusstörung behandelt werden. Um das Herz zu entlasten, verschreibt der Mediziner Medikamente wie ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten, Betablocker oder Diuretika (wassertreibende Medikamente). In manchen Fällen ist eine Operation wie ein linksventrikuläres Herzunterstützungssystem notwendig. Ist das Herz so stark und dauerhaft geschädigt, dass es seine Funktion nicht mehr erhalten kann, benötigt der Patient ein Spenderherz im Rahmen einer Herztransplantation.
 
Bei einer Herzmuskelentzündung ist sehr viel Ruhe wichtig
 
Bei lang anhaltenden Herzrhythmusstörungen ist manchmal ein Herzschrittmacher unumgänglich. Im Laufe einer Herzmuskelentzündung kann es zu einem Perikarderguss kommen. Um diesen zu behandeln, führt der Arzt eine Perikardpunktion durch, bei der die Flüssigkeit im Herzbeutel mit einer dünnen, feinen Hohlnadel abgesaugt wird.
 
Sollte der Spitalsaufenthalt bei einem schweren Verlauf mehrere Wochen andauern oder sollte die Bettruhe für einen längeren Zeitraum eingehalten werden, besteht die Gefahr einer Blutgerinnselbildung in den Beinvenen (Thrombose). Um dies zu vermeiden, erhalten die Patienten Blutgerinnungshemmer. Auch Wochen nach der Erkrankung und der Behandlung muss sich der Patient weiterhin schonen. In der Regel entscheidet der Arzt, wann eine Vollbelastung und ein stufenweiser Leistungsaufbau wieder möglich sind. Der Betroffene bleibt jedoch arbeitsunfähig, solange Zeichen einer Herzschwäche bestehen. Sollte er sich dennoch nicht schonen, ist ein Rückfall mit schweren gesundheitlichen Folgen sehr wahrscheinlich.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Myokarditis?

Eine Herzmuskelentzündung kann junge und alte Menschen gleichermaßen betreffen. Auch herzgesunde Patienten können an einer Myokarditis erkranken. In der Regel verläuft die Krankheit gut, wenn sich die Betroffenen körperlich schonen. In etwa 80 % der Fälle verursacht die Erkrankung keine bleibenden Schäden (vor allem bei einer Virus-Myokarditis). Es ist allerdings möglich, dass Ärzte bei einem EKG (Elektrokardiogramm) Extraschläge des Herzens feststellen, welche allerdings harmlos sind.

Welche Komplikationen können bei einer Myokarditis auftreten?

Mögliche Komplikationen einer Myokarditis sind eine Herzschwäche sowie eine Herzrhythmusstörung.
 
Etwa jeder sechste Patient leidet infolge einer Herzmuskelentzündung unter einer chronischen Herzschwäche. Hierbei werden die Herzmuskelzellen zu Narbengewebe umgebaut und die Herzhöhlen erweitern sich. Die Wände des Herzmuskels können sich nicht mehr ausreichend zusammenziehen, wodurch die Pumpleistung des Herzens in schweren Fällen vollständig zusammenbricht und zum plötzlichen Herztod führt. Um dies zu verhindern, verschreibt der Arzt Medikamente wie ACE-Hemmer, AT1-Rezeptor-Antagonisten oder Betablocker, um das schwache Herz zu entlasten.
 
Bei einer Herzrhythmusstörung schlägt das Herz unregelmäßig und schnell. Dadurch entsteht das Risiko von Kammerflimmern und der Patient wird mit einem Defibrillator versorgt, der automatisch einen starken elektrischen Impuls abgibt und den Herzrhythmus normalisiert. Für den Kreislauf ist ein normaler Herzrhythmus sehr bedeutend, da sich das Herz nach jedem Herzschlag mit Blut füllt und sich auf die nächste Kontraktion vorbereitet. Bei einem unregelmäßigen Rhythmus kann sich das Herz allerdings nicht richtig füllen oder entleeren, wodurch es zu einem Kreislaufzusammenbruch mit plötzlichem Herztod kommen kann.

Wie ist die Prognose bei einer Herzmuskelentzündung?

Bei der Prognose spielen die Erreger, die Art der Entzündung und die Schäden am Herzmuskel eine wesentliche Rolle.
 
Etwa 50 bis 80 % aller Patienten können sich jedoch vollständig von einer Myokarditis erholen. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die Betroffenen schonen und die verschriebenen Medikamente einnehmen. Nimmt man jedoch keine Medikamente ein oder belastet den Körper zu früh, so kann dies schwerwiegende Risiken für die Gesundheit bedeuten.
 
Die übrigen Betroffenen leiden meist unter Spätfolgen, die meist eine Funktionsstörung des Herzens bedeutet. Diese Funktionsstörung fällt aber unterschiedlich stark aus und nur ein sehr geringer Teil der Erkrankten muss mit einer starken Verschlechterung des Gesundheitszustandes rechnen. In seltenen Fällen ist eine Herztransplantation notwendig.

Wie lange dauert eine Herzmuskelentzündung?

Eine Herzmuskelentzündung kann entweder akut oder chronisch sein, wodurch auch die Dauer der Krankheit unterschiedlich ist. Eine akute Myokarditis dauert durchschnittlich sechs Wochen. Wie bei jeder Erkrankung hängt dies allerdings auch von der Schwere der Erkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Darüber hinaus ist sehr schwer festzustellen, wann die Krankheit vollständig abgeheilt ist. Daher empfehlen Mediziner sich weitere Wochen zu schonen, um schwerwiegende Spätfolgen zu vermeiden.
 
Eine Myokarditis kann allerdings auch chronisch sein, das bedeutet, dass sie länger andauert als eine akute Herzmuskelentzündung. Hierbei ist die Funktion des Herzens stark eingeschränkt und es entwickelt sich eine Herzinsuffizienz, die mit Medikamenten behandelt wird.

Wie kann ich einer Herzmuskelentzündung vorbeugen?

Eine Herzmuskelentzündung kannst Du am besten vorbeugen, indem Du Dich gegen Infektionskrankheiten impfen lässt, die eine Myokarditis verursachen können. Dazu zählen die Impfungen gegen Grippe und Diphtherie. Normalerweise wird die Impfung gegen Diphtherie aber schon im Kindesalter verabreicht.
 
Darüber hinaus ist es besonders wichtig, grippale Infekte richtig auszukurieren. Das bedeutet den Körper ausreichend zu schonen, denn eine verschleppte Infektion führt sonst zu einer Herzmuskelentzündung. Besonders Sportler und Leistungssportler sollten bei einer schweren Infektion mindestens vier Wochen lang keinen Sport treiben.
 
Menschen, die bereits einmal diese Erkrankung hatten, sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, sich erneut eine Myokarditis zuzuziehen.
 
Generell sollten körperliche Belastung, Stress sowie Alkohol vermieden werden. Bakterielle Haut- und Schleimhautentzündungen sind unbedingt rechtzeitig mit Antibiotika zu behandeln, weil sie sehr häufig Auslöser einer Herzmuskelentzündung sind.
 
Ein gesunder Lebensstil stärkt das Immunsystem und kann somit eine Herzmuskelentzündung vorbeugen. Alkhol, Stress und körperliche Belastungen sollten vermieden werden

Wie viel kostet die Behandlung einer Herzmuskelentzündung?

In Deutschland übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Klinikaufenthalt und die gesamte Therapie. Bei einer Herzmuskelentzündung ist es jedoch oft hilfreich nach der Krankenhausbehandlung eine Anschlussrehabilitation in einer Reha-Einrichtung durchzuführen. Diese Reha muss vom behandelnden Krankenhaus beantragt und vom jeweiligen Kostenträger im Voraus genehmigt werden. Für Patienten, die noch nicht in Pension sind, übernimmt die Rentenversicherung in der Regel die Kosten. In Österreich fällt für eine Behandlung in einem Reha-Zentrum ein einkommensabhängiger Selbstbehalt an. In der Schweiz fällt bei einigen Behandlungen zunächst ein Selbstbehalt an, bevor die Krankenkasse greift. Erkundige Dich am besten bei Deinem Arzt oder bei Deiner Versicherung.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für eine Herzmuskelentzündung?

In Deutschland übernimmt die Krankenkasse die Kosten für den Klinikaufenthalt und die Therapie, sowie für eine Reha-Behandlung, wenn der Betroffene bereits pensioniert ist. In Österreich übernimmt die Sozialversicherung die Kosten während des Spitalsaufenthaltes. Solltest Du Dir unsicher sein, ob bzw. welche Kosten übernommen werden, frage am besten direkt bei Deiner Krankenkasse nach. In der Schweiz kann es gut sein, dass Du einen Teil der Kosten selbst tragen musst und die Krankenkasse erst ab einer gewissen Grenze den Rest übernimmt. Wie viel der Selbstbehalt ausmacht, solltest Du im Vorfeld mit Deinem Versicherungsträger absprechen.

 


Dauer Dauer

Mehrere Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Mehrere Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Stadium

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Myokarditis hat viele verschiedene Ursachen. Zuallererst ist aber festzustellen, ob es sich um eine infektiöse oder nicht-infektiöse Herzmuskelentzündung handelt. Bei einer infektiösen Myokarditis sind Viren, Bakterien, Pilze, Einzeller und Parasiten mögliche Auslöser. Bei der nicht-infektiösen Form sind nicht Krankheitserreger die Ursache, sondern meistens ein fehlreguliertes Immunsystem, welches zu Autoimmunerkrankungen führt. Darüber hinaus können Allergien gegen Medikamente, Giftstoffe oder eine vorausgegangene Herzoperation zu einer Herzmuskelentzündung führen


Die Diagnose erfolgt in mehreren Schritten. Zuerst führt der Arzt ein Gespräch mit dem Patienten durch, um sich nach den Beschwerden zu erkundigen, herauszufinden, ob in letzter Zeit Infekte aufgetreten sind und um zu erfahren, ob bereits bestimmte Erkrankungen vorliegen. Danach führt der Mediziner eine körperliche Untersuchung durch. Diese besteht aus dem Abhorchen des Herzens und der Lunge, dem Abklopfen des Brustkorbs sowie dem Messen von Puls und Blutdruck. Nach diese zwei Schritten werden verschiedene Methoden wie EKG, Röntgen, Kardio-MRT, Echokardiografie sowie Blutuntersuchungen herangezogen


Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen und Auslösern der Erkrankung. Dabei ist es sowohl wichtig, die Grunderkrankung als auch mögliche Komplikationen wie eine Herzschwäche oder Herzrhythmusstörung zu behandeln. Die wichtigsten Bestandteile jeder Myokarditisbehandlung sind vollständige körperliche Schonung und die Behandlung der Grunderkrankung. Bei einer bakteriellen Myokarditis verschreibt der Arzt Antibiotika gegen die Krankheitserreger. Auch gegen Pilze oder Parasiten gibt es spezielle Medikamente. Eine Riesenzellenmyokarditis, sowie Herzmuskelentzündungen aufgrund von Medikamenten oder Toxinen werden mit Kortikosteroiden behandelt. Bei einem sehr schweren Verlauf reicht dies jedoch nicht aus und der Patient muss auf einer Intensivstation behandelt werden


Um eine Myokarditis vorzubeugen, solltest Du Dich gegen Infektionskrankheiten wie Grippe oder Diphtherie impfen lassen und diese auch regelmäßig auffrischen. Darüber hinaus musst Du grippale Infekte unbedingt vollständig auskurieren, da eine verschleppte Infektion das Risiko einer Herzmuskelentzündung enorm erhöht. Hattest Du bereits einmal eine Herzmuskelentzündung, dann bist Du einem besonders hohen Risiko ausgesetzt und solltest nach einer Infektionskrankheit sehr vorsichtig sein. Generell sollten körperliche Belastung, Stress und Alkohol vermieden werden

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