Arteriosklerose gehört zu den Erkrankungen, die fast jeden Menschen betreffen und trotzdem selten jemand bei sich selbst vermutet. Die Gefäßverkalkung beginnt still, oft schon vor dem 20. Lebensjahr, und arbeitet sich über Jahrzehnte durch die Wände der Arterien. Wenn sie sich schließlich bemerkbar macht, geschieht das häufig plötzlich: als Herzinfarkt, als Schlaganfall oder als Schmerz in den Beinen beim Gehen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin die häufigste Todesursache, und hinter den meisten davon steht dieselbe Erkrankung der Blutgefäße.
Die gute Nachricht ist, dass Arteriosklerose heute besser verstanden wird als je zuvor. Ihre Ursachen sind bekannt, ihre Risikofaktoren lassen sich messen, und das Fortschreiten lässt sich mit Lebensstil und Medikamenten deutlich bremsen. Diese Seite erklärt Dir, was in Deinen Gefäßen passiert, welche Symptome auf eine fortgeschrittene Erkrankung hindeuten, wie Dein Arzt oder Deine Ärztin das Risiko einschätzt und was Du selbst tun kannst, damit aus Ablagerungen nie ein Notfall wird.
Das Wichtigste in Kürze
Arteriosklerose ist die häufigste Ursache für Herzinfarkt, Schlaganfall und die periphere arterielle Verschlusskrankheit im deutschsprachigen Raum. Die Ablagerungen in der Gefäßwand entstehen über Jahrzehnte und bleiben lange unbemerkt, weshalb die Früherkennung entscheidend ist.
LDL-Cholesterin, ApoB, Lipoprotein(a), Blutdruck, Blutzucker und Rauchen sind die Risikofaktoren, die Du kennen und beeinflussen solltest. Lebensstil und Medikamente können das Fortschreiten stoppen und Plaques stabilisieren, eine vollständige Heilung gibt es jedoch nicht.
Was ist Arteriosklerose und wie entsteht sie?
Arteriosklerose ist der Sammelbegriff für krankhafte Veränderungen der Arterienwand, die zu einer Verhärtung und Verengung der Gefäße führen. Im Alltag wird sie deshalb Arterienverkalkung genannt. Die mit Abstand häufigste Form ist die Atherosklerose, bei der sich fett- und cholesterinhaltige Ablagerungen in der innersten Schicht der Gefäßwand bilden. Weil beide Begriffe in Medizin und Medien fast gleichbedeutend verwendet werden, meint auch dieser Text mit Arteriosklerose in erster Linie die Atherosklerose.
Der Prozess beginnt mit einer Schädigung der Gefäßinnenhaut, dem Endothel. Bluthochdruck, Rauchen, hoher Blutzucker und Entzündungsbotenstoffe machen diese Schicht durchlässiger. Cholesterinreiche Partikel aus dem Blut, vor allem LDL-Partikel, wandern in die Gefäßwand ein und bleiben dort hängen. Der Körper reagiert wie auf einen Fremdkörper: Weiße Blutkörperchen wandern ein, nehmen das Cholesterin auf und verwandeln sich in sogenannte Schaumzellen. Aus diesen ersten Fettstreifen, die sich bei Obduktionen bereits bei jungen Erwachsenen finden, entwickeln sich über Jahre Plaques. Sie bestehen aus einem fetthaltigen Kern, Entzündungszellen, Bindegewebe und im späteren Verlauf aus Kalk.
Entscheidend ist, dass Arteriosklerose keine reine Ablagerung ist, sondern eine chronische Entzündung der Gefäßwand. Die Entzündung bestimmt, ob ein Plaque ruhig bleibt oder instabil wird. Ein stabiler Plaque mit dicker Bindegewebskappe kann Jahrzehnte bestehen und das Gefäß langsam verengen. Ein instabiler Plaque mit dünner Kappe und großem Fettkern kann einreißen. An der Rissstelle bildet sich ein Blutgerinnsel, das die Arterie innerhalb von Minuten verschließt. Genau das ist der Mechanismus hinter den meisten Herzinfarkten und vielen Schlaganfällen. Deshalb sind nicht nur die hochgradigen Engstellen gefährlich, sondern auch mittelgroße Plaques, die im Ultraschall oder in der Computertomographie noch harmlos aussehen.
Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?
Es gibt nicht die eine Ursache, sondern ein Zusammenspiel aus Veranlagung, Alter und beeinflussbaren Faktoren. Der wichtigste und am besten belegte Faktor ist die Menge cholesterintragender Partikel im Blut. Klassisch wird das LDL-Cholesterin gemessen. Genauer ist das Apolipoprotein B, kurz ApoB, das auf jedem gefäßschädigenden Partikel genau einmal vorkommt und damit die Partikelzahl zählt. Hinzu kommt das Lipoprotein(a), ein überwiegend erblich bestimmter Wert, der bei etwa jedem fünften Menschen erhöht ist und das Risiko unabhängig vom LDL steigert. Dieser Wert verändert sich kaum durch Ernährung und wird deshalb meist nur einmal im Leben bestimmt.
Bluthochdruck belastet die Gefäßwand mechanisch und beschleunigt die Bildung von Plaques an Verzweigungen und Kurven der Arterien. Rauchen schädigt das Endothel direkt, erhöht die Entzündungsaktivität und macht Plaques instabiler. Ein Diabetes mellitus beschleunigt die Arteriosklerose massiv, weil dauerhaft erhöhter Blutzucker Eiweiße in der Gefäßwand verändert und die Gefäße kleiner und größer Arterien gleichermaßen angreift. Übergewicht, vor allem das Bauchfett, Bewegungsmangel und eine Ernährung mit vielen gesättigten Fetten und Zucker wirken über Blutfette, Blutdruck, Insulinresistenz und Entzündung gleich mehrfach.
Nicht beeinflussbar sind Alter, Geschlecht und Genetik. Männer erkranken im Schnitt rund zehn Jahre früher als Frauen, deren Risiko nach den Wechseljahren aber deutlich steigt. Wenn in Deiner Familie Herzinfarkte oder Schlaganfälle vor dem 55. Lebensjahr bei Männern oder vor dem 65. bei Frauen aufgetreten sind, gilt das als eigenständiger Risikofaktor und rechtfertigt eine frühere Abklärung. Auch chronisch-entzündliche Erkrankungen wie Rheuma oder Schuppenflechte, eine chronische Nierenschwäche, Schlafapnoe und anhaltender Stress erhöhen das Risiko. Ein erhöhter Homocystein-Wert und eine dauerhaft niedriggradige Entzündung, messbar über das hochsensitive CRP, werden ebenfalls mit einem beschleunigten Verlauf in Verbindung gebracht.
Welche Symptome verursacht Arteriosklerose?
Über viele Jahre keine. Das ist das Tückische an dieser Erkrankung. Beschwerden entstehen erst, wenn ein Gefäß so stark verengt ist, dass der Blutfluss bei Belastung nicht mehr ausreicht, oder wenn ein Plaque einreißt und einen akuten Verschluss auslöst. Welche Symptome auftreten, hängt davon ab, welche Gefäßregion betroffen ist.
Sind die Herzkranzgefäße betroffen, spricht die Kardiologie von einer koronaren Herzkrankheit. Typisch ist die Angina pectoris, ein Druck- oder Engegefühl hinter dem Brustbein bei körperlicher oder seelischer Belastung, das in Ruhe nachlässt. Der Schmerz kann in den linken Arm, den Hals, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen. Bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Diabetes zeigt sich die Erkrankung häufig untypisch, etwa als Atemnot, Übelkeit oder ungewohnte Erschöpfung. Ein Herzinfarkt entsteht, wenn ein Herzkranzgefäß plötzlich vollständig verschlossen wird. Anhaltende Brustschmerzen, die länger als einige Minuten dauern und nicht auf Ruhe reagieren, sind ein Notfall.
Betrifft die Arteriosklerose die Halsschlagadern oder die Hirngefäße, drohen Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke, kurz TIA. Bei einer TIA treten Symptome wie eine plötzliche Sehstörung auf einem Auge, Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, Sprachstörungen oder Schwindel auf und verschwinden innerhalb von Minuten bis Stunden wieder. Viele Betroffene messen dem keine Bedeutung bei. Dabei ist eine TIA das deutlichste Warnsignal, das es gibt: Das Risiko für einen vollständigen Schlaganfall ist in den Tagen danach stark erhöht.
In den Beinen führt die Arterienverkalkung zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz pAVK. Sie ist auch als Schaufensterkrankheit bekannt, weil Betroffene nach einer bestimmten Gehstrecke wegen krampfartiger Wadenschmerzen stehen bleiben müssen und die Pause vor einem Schaufenster tarnen. Im weiteren Verlauf treten Schmerzen auch in Ruhe auf, die Haut wird blass und kühl, Wunden heilen schlecht. Die pAVK ist zugleich ein Marker dafür, dass auch Herz- und Hirngefäße betroffen sind.
Weniger bekannt sind zwei weitere Regionen. Verengte Nierenarterien können einen schwer einstellbaren Bluthochdruck und eine nachlassende Nierenfunktion verursachen. Und die kleinen Arterien des Penis reagieren besonders früh auf Gefäßschäden. Eine Erektionsstörung, die ohne erkennbare psychische Ursache neu auftritt, geht einem Herzinfarkt im Schnitt um drei bis fünf Jahre voraus und sollte deshalb immer auch als Anlass für eine Gefäßabklärung gesehen werden. Auch die Bauchschlagader kann betroffen sein, wo die Arteriosklerose zu einer Aussackung, dem Aortenaneurysma, führen kann.
Wie wird Arteriosklerose diagnostiziert?
Die Diagnostik verfolgt zwei Ziele: Sie schätzt Dein Risiko ab, bevor Du Beschwerden hast, und sie klärt bestehende Beschwerden ab. Am Anfang steht immer das Gespräch über Vorerkrankungen, Familie, Rauchen, Bewegung und Ernährung, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung mit Blutdruckmessung an beiden Armen, Abtasten der Fußpulse und Abhören der Halsschlagadern.
Das Labor liefert die Blutfette mit Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceriden, zunehmend ergänzt um ApoB und einmalig um Lipoprotein(a). Dazu kommen Nüchternblutzucker und HbA1c für den Zuckerstoffwechsel, Nierenwerte, gegebenenfalls das hochsensitive CRP als Entzündungsmarker und Homocystein. Diese Werte fließen in Risikoscores ein. In Europa ist der SCORE2 der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie verbreitet, der aus Alter, Geschlecht, Rauchen, Blutdruck und Cholesterin die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls in den nächsten zehn Jahren schätzt. In Deutschland wird zusätzlich der PROCAM-Score verwendet. Solche Scores sind ein Anhaltspunkt, kein Urteil, denn sie unterschätzen das Risiko bei jungen Menschen mit einzelnen stark erhöhten Werten oft erheblich.
Ob bereits Ablagerungen vorhanden sind, zeigen bildgebende Verfahren. Der Ultraschall der Halsschlagadern misst die Intima-Media-Dicke, also die Dicke der inneren Gefäßwandschichten, und macht Plaques direkt sichtbar. Der Knöchel-Arm-Index vergleicht den Blutdruck an Knöchel und Oberarm; ein erniedrigter Wert weist auf eine pAVK hin und ist einfach in der Hausarztpraxis zu bestimmen. Der Koronarkalk-Score, auch Kalzium-Score oder Agatston-Score genannt, wird mit einer Computertomographie ohne Kontrastmittel erhoben und quantifiziert die Verkalkung der Herzkranzgefäße. Ein Wert von null bei einem Menschen mittleren Alters spricht für ein niedriges Risiko in den nächsten Jahren, ein hoher Wert verschiebt die Behandlung in Richtung Medikamente. Die CT-Angiographie mit Kontrastmittel zeigt darüber hinaus nicht verkalkte Plaques und Engstellen. Das Belastungs-EKG prüft, ob das Herz unter Belastung ausreichend durchblutet wird, ist bei Menschen ohne Beschwerden aber weniger aussagekräftig als früher angenommen. Bei konkretem Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit folgen Stress-Echokardiographie, Herz-MRT oder die Herzkatheteruntersuchung.
Wie wird Arteriosklerose behandelt?
Die Behandlung ruht auf drei Säulen: Lebensstil, Medikamente und bei fortgeschrittener Erkrankung Eingriffe, die den Blutfluss wiederherstellen. Welche Kombination für Dich passt, hängt von Deinem Risiko, von bereits vorhandenen Plaques und von bestehenden Folgeerkrankungen ab.
Der Lebensstil ist die Grundlage jeder Therapie. Ein Rauchstopp senkt das Risiko für einen Herzinfarkt innerhalb weniger Jahre um etwa die Hälfte. Regelmäßige Bewegung, etwa 150 Minuten moderate Ausdauerbelastung pro Woche ergänzt um Krafttraining, verbessert Blutdruck, Blutfette und Insulinempfindlichkeit. Eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen, Olivenöl und Fisch bei wenig rotem und verarbeitetem Fleisch hat in Studien Herzinfarkte und Schlaganfälle verringert. Gewichtsabnahme bei Übergewicht, ausreichender Schlaf und ein Umgang mit Dauerstress gehören ebenfalls dazu.
Bei erhöhtem Risiko oder nachgewiesenen Plaques reicht der Lebensstil meist nicht aus, um das LDL-Cholesterin weit genug zu senken. Statine sind seit Jahrzehnten die am besten untersuchte Wirkstoffklasse. Sie hemmen die Cholesterinbildung in der Leber, senken das LDL um 30 bis 50 Prozent und wirken zusätzlich entzündungshemmend auf die Plaques. Reicht das nicht, wird Ezetimib ergänzt, das die Cholesterinaufnahme im Darm hemmt. Für Menschen mit sehr hohem Risiko oder erblich bedingter Fettstoffwechselstörung stehen PCSK9-Hemmer zur Verfügung, die als Spritze verabreicht werden und das LDL um weitere rund 60 Prozent senken. Neuere Wirkstoffe wie Bempedoinsäure und Inclisiran erweitern die Möglichkeiten. Die Zielwerte für LDL richten sich nach dem Risiko und liegen bei sehr hohem Risiko unter 55 Milligramm pro Deziliter, was ohne Medikamente kaum erreichbar ist.
Ein Bluthochdruck wird konsequent behandelt, meist mit einer Kombination aus zwei Wirkstoffen, mit einem Zielbereich, der individuell festgelegt wird. Ein Diabetes wird so eingestellt, dass die Gefäße geschützt werden, wobei einige neuere Diabetesmedikamente das Herz-Kreislauf-Risiko unabhängig vom Blutzucker senken. Thrombozytenhemmer wie Acetylsalicylsäure verhindern, dass sich an einem eingerissenen Plaque ein Gerinnsel bildet. Sie werden nach einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder bei pAVK eingesetzt, für Gesunde ohne nachgewiesene Erkrankung überwiegt inzwischen das Blutungsrisiko.
Ist ein Gefäß hochgradig verengt und verursacht Beschwerden, kann es mechanisch geöffnet werden. Bei den Herzkranzgefäßen geschieht das über einen Herzkatheter, bei dem die Engstelle mit einem Ballon aufgedehnt und mit einer Gefäßstütze, dem Stent, offen gehalten wird. Bei mehreren oder ungünstig gelegenen Engstellen wird eine Bypass-Operation erwogen, bei der die Engstelle mit einem körpereigenen Gefäß überbrückt wird. An der Halsschlagader wird eine hochgradige Verengung operativ ausgeschält oder mit einem Stent versorgt, in den Beinen kommen Ballon, Stent und Bypass ebenfalls zum Einsatz. Wichtig zu wissen: Ein Eingriff behandelt die eine Engstelle, nicht die Erkrankung. Die medikamentöse Therapie und der Lebensstil bleiben danach genauso wichtig wie zuvor.
Kann sich Arteriosklerose zurückbilden?
Eine vollständige Rückbildung verkalkter Plaques ist nach heutigem Wissen nicht möglich. Kalk lässt sich nicht auflösen. Was sich verändern lässt, ist der weiche, fetthaltige Anteil der Plaques und ihre Stabilität. Studien mit intravaskulärem Ultraschall deuten darauf hin, dass eine intensive LDL-Senkung auf sehr niedrige Werte das Plaquevolumen um einige Prozent verringern kann. Vor allem aber verändert sich die Zusammensetzung: Der Fettkern schrumpft, die Bindegewebskappe wird dicker, die Entzündung geht zurück. Ein solcher Plaque reißt seltener ein. Das erklärt, warum eine konsequente Therapie das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich senkt, obwohl die Engstelle im Bild kaum kleiner geworden ist.
Für Dich bedeutet das: Wer Risikofaktoren früh senkt, kann den Verlauf nicht nur bremsen, sondern die vorhandenen Ablagerungen in einen ungefährlicheren Zustand überführen. Angebote, die eine Entkalkung der Gefäße oder ein Auflösen von Plaques versprechen, sind mit Vorsicht zu betrachten. Für Chelattherapien, hochdosierte Vitamine oder spezielle Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine belastbaren Belege, dass sie Plaques abbauen.
Ab wann und wie solltest Du vorbeugen?
So früh wie möglich, denn Arteriosklerose ist eine Frage der kumulativen Belastung. Die Gefäßwand summiert über das Leben auf, wie vielen cholesterintragenden Partikeln, wie viel Druck, wie viel Zucker und wie viel Rauch sie ausgesetzt war. Wer mit 25 Jahren einen erhöhten LDL-Wert hat, trägt mit 50 eine deutlich höhere Gesamtlast als jemand, der denselben Wert erst mit 45 entwickelt. Genetische Studien an Menschen, die von Geburt an niedrige LDL-Werte haben, zeigen, dass eine lebenslang niedrige Belastung das Herzinfarktrisiko stärker senkt, als es die gleiche Senkung durch ein spät begonnenes Medikament kann.
Fachgesellschaften empfehlen deshalb eine erste Bestimmung der Blutfette im jungen Erwachsenenalter, bei familiärer Vorbelastung bereits im Kindesalter. Lipoprotein(a) sollte einmal im Leben gemessen werden, weil ein hoher Wert die anderen Risikofaktoren umso wichtiger macht. Blutdruck und Blutzucker gehören spätestens ab 35 regelmäßig kontrolliert. Wer raucht, gewinnt mit dem Rauchstopp mehr als mit jeder anderen Maßnahme. Und wer sich bewegt, ausgewogen isst und sein Gewicht hält, senkt gleich mehrere Risikofaktoren auf einmal.
Vorbeugung heißt aber nicht, dass Du alles allein tragen musst. Bei einem hohen Lipoprotein(a), einer familiären Hypercholesterinämie oder einer frühen Häufung von Gefäßerkrankungen in der Familie wird die Prävention zu einer ärztlichen Aufgabe, bei der Medikamente auch bei jungen, beschwerdefreien Menschen sinnvoll sein können. Ein Gespräch in der Hausarztpraxis, in einer kardiologischen Praxis oder in einer Lipidambulanz klärt, wo Du stehst.
Was zahlt die Krankenkasse in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung ab 35 Jahren alle drei Jahre die Gesundheitsuntersuchung, den früheren Check-up 35, mit Blutzucker, Lipidprofil, Blutdruck und Gespräch über Risikofaktoren. Zwischen 18 und 34 Jahren steht sie einmalig zu. Bestehen Beschwerden, ein erhöhtes Risiko oder eine bekannte Erkrankung, sind Ultraschall, Belastungs-EKG, Knöchel-Arm-Index und die weitere kardiologische Diagnostik Kassenleistung. Der Koronarkalk-Score bei Beschwerdefreiheit, ApoB und in vielen Fällen auch Lipoprotein(a) werden dagegen als individuelle Gesundheitsleistung abgerechnet. Für die CT-Untersuchung des Herzkalks kannst Du mit etwa 150 bis 400 Euro rechnen, für Lipoprotein(a) und ApoB mit jeweils 15 bis 40 Euro. Private Krankenversicherungen erstatten diese Leistungen je nach Tarif.
In Österreich bietet die jährliche Vorsorgeuntersuchung ab 18 Jahren mit e-card ein ähnliches Basisprogramm mit Blutfetten, Blutzucker, Blutdruck und Beratung. Bei auffälligen Werten oder Beschwerden übernimmt die Sozialversicherung die weiterführende Diagnostik in der Kardiologie. Kalzium-Score und erweiterte Lipidwerte ohne medizinische Indikation zahlst Du in der Regel selbst, die Preise sind mit Deutschland vergleichbar. In der Schweiz gibt es kein einheitliches Vorsorgeprogramm. Die Grundversicherung übernimmt ärztlich indizierte Untersuchungen, wobei Franchise und Selbstbehalt zu tragen sind. Reine Vorsorgeuntersuchungen ohne Beschwerden werden häufig nicht oder nur über Zusatzversicherungen erstattet.
Welche Rolle spielt Arteriosklerose für Longevity?
Wer lange gesund leben will, kommt an der Gefäßgesundheit nicht vorbei. Herz-Kreislauf-Erkrankungen verkürzen nicht nur das Leben, sie nehmen davor oft Jahre an Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit. Ein Schlaganfall mit 68 oder eine Herzschwäche nach dem zweiten Infarkt ist genau das, was Präventionsmedizin verhindern will. Deshalb steht die Arteriosklerose in jedem seriösen Longevity-Konzept an erster Stelle, noch vor Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen.
Der Longevity-Ansatz unterscheidet sich von der klassischen Versorgung vor allem im Zeitpunkt. Statt zu warten, bis ein Risikoscore im mittleren Alter eine Behandlung rechtfertigt, wird die kumulative Exposition über das ganze Leben betrachtet. ApoB wird früh gemessen und niedrig gehalten, Lipoprotein(a) einmal bestimmt, der Blutdruck bereits im leicht erhöhten Bereich behandelt, die Insulinresistenz erkannt, bevor sie zum Diabetes wird. Ein Koronarkalk-Score oder ein Ultraschall der Halsschlagader kann dabei helfen, das statistische Risiko durch einen tatsächlichen Befund zu ersetzen. Wichtig ist, dass diese Diagnostik in ärztlicher Hand bleibt und aus jedem Wert eine Entscheidung folgt. Werte zu sammeln, ohne sie einzuordnen, bringt nichts. Mit einem Arzt oder einer Ärztin, die Präventionsmedizin ernst nimmt, kannst Du aus einer Erkrankung, die fast jeden betrifft, eine werden, die Dich nicht mehr bestimmt.
Quellen
European Society of Cardiology / EAS: Guidelines for the management of dyslipidaemias
Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK
Deutsche Gesellschaft für Angiologie: S3-Leitlinie periphere arterielle Verschlusskrankheit
Deutsche Herzstiftung: Arteriosklerose
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Koronare Herzkrankheit
Bundesamt für Gesundheit Schweiz: Herz-Kreislauf-Erkrankungen
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