Bauchspeicheldrüsen – Entzündung (Pankreatitis)

Das Pankreas (Bauchspeicheldrüse) ist ein wichtiges und für viele Vorgänge im menschlichen Körper notwendiges Organ. Die Bauchspeicheldrüse produziert sowohl Hormone (beispielsweise Insulin) als auch Verdauungsenzyme, die vor allem für die Fettverdauung unerlässlich sind. Es handelt sich um ein längliches Organ mit einem zentralen Ausführungsgang, der in den Darm mündet. Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse ist nicht nur äußerst schmerzhaft, sondern kann bei schweren Verläufen auch zu weitreichenden Komplikationen führen.


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Zuletzt aktualisiert: 4. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann sowohl als akutes, als auch als chronisches Ereignis auftreten und führt zu einem (vorübergehenden) Funktionsverlust des Organs.

Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann sowohl als akutes, als auch als chronisches Ereignis auftreten

Was sind die Ursachen für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Grundsätzlich entsteht die Pankreatitis durch ein Überangebot an Verdauungsenzymen, die zu einer Selbstzersetzung des Organs führen. Als häufigste Gründe für ein solches Überangebot kann entweder ein massiver Fett- oder Alkoholkonsum in kurzer Zeit oder aber eine Verlegung des Ausführungsganges durch einen Gallenstein angesehen werden. Der Verdauungssaft kann dabei nicht adäquat umgesetzt werden, wodurch zu viel im Gangsystem der Drüse verbleibt und die Selbstzersetzung beginnt.
Weitere eher seltene Ursachen für eine Pankreatitis sind:

  • Autoimmunprozesse
  • Medikamente
  • Infektionskrankheiten (Mumps)
  • Entzündungsreaktionen in Folge von endoskopischen Untersuchungen
  • Tumore
  • genetische Ursachen (anatomische Veränderungen des Ausführungsganges)

Wie sehen die Symptome einer Bauchspeicheldrüsenentzündung aus?

Vordergründiges Symptom ist sehr starker stechender Schmerz unterhalb des Brustbeins, der gürtelförmig bis in den Rücken ausstrahlt. Hinzu kommen können Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Fieber sowie Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten.

Wie ist der Verlauf einer Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Die Pankreatitis hat viele unterschiedliche Gesichter und Verlaufsformen, leichte Entzündungen führen zu einer vollständigen Regeneration des Organs, massivere Formen können auf Nachbarorgane übergreifen, zu inneren Blutungen bis hin zum Kreislaufschock und Tod führen. Jede Form der Pankreatitis muss auf jeden Fall im Krankenhaus therapiert und überwacht werden, um auf mögliche Komplikationen vorbereitet zu sein. Auch bei schneller Erleichterung der Symptome sind Nachbehandlungen und gewisse Einschränkungen in der Ernährung notwendig.

Die Pankreatitis hat viele unterschiedliche Gesichter und Verlaufsformen, leichte Entzündungen führen zu einer vollständigen Regeneration des Organs

Welche Formen der Pankreatitis gibt es?

Man unterscheidet zwischen unterschiedlichen Schweregraden der akuten Pankreatitis:

Milde (ödematöse) Pankreatitis

Ca. 85% der Bauchspeicheldrüsenentzündungen verlaufen milde. Es kommt zu akut einsetzenden starken Beschwerden, die sich allerdings rasch bessern. Der Funktionsverlust des Organs ist nicht dauerhaft, es kommt zu keinen Organnekrosen und die Patienten erholen sich in der Regel vollständig. Das Risiko, dass es zu weiteren akuten Entzündungsschüben kommt, ist allerdings erhöht, weshalb regelmäßige Kontrollen und vorbeugende Maßnahmen einzuhalten sind.

Schwere (nekrotisierende) Pankreatitis

Hierbei kommt es zur fulminanten Entzündungsreaktion, die nicht nur das Organ selbst durch nekrotische Veränderungen nachhaltig schädigt, sondern auch Auswirkungen auf andere Organe und das gesamte Herz-Kreislauf-System haben kann. Ein Funktionsverlust des Pankreas geht nicht nur mit Störungen der Fettverdauung einher, sondern führt auch zu Schwankung der Blutzuckerhaushalte, da das Hormon Insulin nicht mehr produziert werden kann. Dies resultiert in zu hohen beziehungsweise zu niedrigen Blutzuckerwerten, die sowohl akut lebensbedrohlich sein können (diabetisches Koma), als auch langfristig enorme Schäden im gesamten Körper anrichten können. Die Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann auf andere Organe (beispielsweise Leber und Niere) übergreifen, was bis zum Organversagen führen kann. Außerdem kann es zu Durchblutungsstörungen und einem erhöhten Flüssigkeitsbedarf kommen, weshalb auch das Herz-Kreislauf-System versagt. Ebenfalls können massive innere Blutungen auftreten.

Wie lässt sich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung diagnostizieren?

Die Diagnostik stützt sich vor allem auf 3 Säulen:

  • Symptome: Massive gürtelförmige Oberbauchschmerzen sind typisch für die Pankreatitis. Ist eine Verlegung durch einen Gallenstein ursächlich, können kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch hinzukommen, da zusätzlich eine Entzündung der Gallenblase bestehen kann.
  • Blutuntersuchung: Beweisend für eine akute Pankreatitis sind die zwei Blutwerte Lipase und Amylase, die im Rahmen der Entzündung erhöht sind.
  • Bildgebende Diagnostik: In erster Linie wird ein Ultraschall des Bauches durchgeführt. Dadurch kann festgestellt werden, ob Gallensteine Auslöser für die akute Entzündung sind und ob die Bauchspeicheldrüse auffällige Veränderungen aufweist, beziehungsweise Entzündungsreaktionen des umgebenden Gewebes vorliegen. In weiterer Folge kann eine Computertomografie (CT) durchgeführt werden, in der sich die Bauchspeicheldrüse genauer darstellt und somit etwaige Komplikationen und Folgeerscheinungen besser beurteilen lassen.

Gesunde Bauchspeicheldrüse

Bauchspeicheldrüsenentzündung

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Die Pankreatitis betrifft vor allem Alkoholiker, da Alkohol die Bauchspeicheldrüse erwiesenermaßen nachhaltig schädigt. Alkoholiker sind zudem gefährdet mehrere akute Entzündungsschübe zu durchlaufen und eine chronische Pankreatitis (die weniger schmerzhaft verläuft und keine vollständige Regeneration des Organs mehr zulässt) zu entwickeln.

Welche Folgen hat eine Bauchspeicheldrüsenentzündung für den Betroffenen und welche Komplikationen können auftreten?

Komplikationen treten de facto nur bei schweren Verlaufsformen auf, dazu zählen vor allem Nekrosen der Bauchspeicheldrüse, massiver Flüssigkeitsverlust der bis zum Herz-Kreislauf-Versagen führen kann, Versagen anderer Organe (allen voran an der Niere und der Leber), Abszessbildungen oder innere Blutungen. Kommt es zu einem dauerhaften Versagen der Pankreasfunktion, müssen dessen Hormone und Verdauungsenzyme lebenslänglich substituiert werden. Da ein Teil der Bauchspeicheldrüse das für die Zuckeraufnahme in die Muskulatur notwendige Hormon Insulin erzeugt, werden Patienten, deren Bauchspeicheldrüse ihre Funktion eingestellt hat, zu Diabetikern. Diese müssen lebenslänglich Insulin spritzen, um typische Komplikationen zu vermeiden. Auch die beiden wichtigsten Verdauungsenzyme, die Lipase für die Fettverdauung und die Amylase für die “Verdauung und Spaltung” von Kohlenhydraten, müssen substituiert werden.

Wie lässt sich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung behandeln?

Die Form der Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und den Symptomen des Betroffenen. In jedem Fall muss das Organ entlastet werden und Du solltest mit einer großzügigen Flüssigkeitstherapie beginnen. Zumindest in den ersten Stunden bis Tagen nach dem Eintreten der Symptome sollte eine Nahrungskarenz eingehalten werden. Bei schweren Verläufen kann diese länger notwendig sein, sodass eventuell eine parenterale (intravenöse) Ernährung eingeleitet werden muss.

Um die Schmerzen zu lindern, ist zusätzlich eine Schmerztherapie notwendig. Bei schweren Verläufen, beginnenden Nekrosen der Bauchspeicheldrüse und großflächigen Entzündungsreaktionen des umliegenden Gewebes wird außerdem mit einer antibiotischen Medikation therapiert. Ca. 10 bis 15% der Patientn müssen in der Intensivstation überwacht werden, da die Gefahr besteht, dass andere Organe versagen. Je nachdem, ob und wie sehr dies der Fall ist, sind weitere Behandlungsmaßnahmen notwendig.

Im Falle einer Verlegung durch einen Gallenstein wird häufig eine sogenannte ERCP durchgeführt, bei der die Pankreas- und Gallengänge mittels Kontrastmittel gut dargestellt werden und gleichzeitig Gallensteine oder Verlegungen der Gallengänge behandelt werden können.

Wie kann ich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung vorbeugen?

Der wichtigste Schritt, um einer (weiteren Phase einer) Bauchspeicheldrüsenentzündung vorzubeugen, ist eine dauerhafte Alkoholabstinenz, zumal übermäßiger Alkoholkonsum die häufigste Ursache darstellt. Sind bei Betroffenen Gallensteine bekannt, wird der behandelnde Arzt zur Gallenblasenentfernung raten und die Ernährung umstellen. Hat bereits ein akutes Ereignis einer Pankreatitis stattgefunden, sollte auch übermäßiger Fett- und Zuckerkonsum langfristig vermieden werden.

Zu fettiges Essen kann eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse entzünden

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Ja, die Krankenkassen übernehmen in der Regel alle anfallenden Kosten.


Dauer Dauer

Bis zu 14 Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 14 Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Pankreatitis handelt es sich um eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse - ein Organ, das sowohl lebenswichtige Hormone als auch Verdauungsenzyme produziert


Bei einem akuten Entzündungsereignis kommt das durch übermäßige Enzymproduktion oder Verlegung des Pankreasausführungsganges zu einer beginnenden Selbstverdauung (Autophagie) des Organs


Man unterscheidet zwei Formen der Pankreatitis, nämlich eine milde, ödematöse und eine schwere, nekrotisierende Form. Bei Letzterer kann es nicht nur zu ausgeprägten Schäden des Organs selbst, sondern zu massiven Flüssigkeitsverlust, inneren Blutungen sowie Organ- und Herz-Kreislauf-Versagen kommen. Die Sterberate der schweren Form beträgt bis zu 40%. Eine Pankreatitis stellte daher immer einen rasch zu behandelnden Notfall dar


Die Therapie der Pankreatitis richtet sich nach der Ausprägung der Symptome und des bildgebenden Befundes. Jede Pankreatitis wird in erster Linie mit Flüssigkeitszufuhr und Fastenkur behandelt, je nach Schwere und Symptomatik müssen zusätzlich Antibiotika und schmerzhemmende Medikamente angewendet beziehungsweise muss eine intensive Behandlung des Kreislaufes und anderer Organe vorgenommen werden

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