Meningitis (Hirnhautentzündung)

Eine Meningitis oder Hirnhautentzündung ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, also der Hülle des zentralen Nervensystems. Sie betrifft insbesondere Kinder und Jugendliche, wobei etwa 70 Prozent der Fälle bei Kindern unter fünf Jahren auftreten. In Industriestaaten findet sich eine Meningitis eher selten, in nicht-industrialisierten Ländern zählt sie jedoch zu den häufigsten Krankheiten. Meist wird die Meningitis von Viren ausgelöst und lässt sich gut mit antiviralen Substanzen behandeln. Sind Bakterien Ursache der Krankheit, gilt es rasch zu handeln, da eine bakterielle Hirnhautentzündung als medizinischer Notfall gilt. Eine Meningitis ist leicht ansteckend, weshalb die Krankheit in Deutschland, Österreich und der Schweiz meldepflichtig sind. Weitere Informationen findest Du im folgenden Text.


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Zuletzt aktualisiert: 26. August, 2020



ICD-10-GM-2020 G03.

Was versteht die Medizin unter einer Meningitis?

Unter einer Meningitis verstehen Mediziner eine Entzündung der Pia mater und der Arachnoidea mater, der beiden inneren Bindegewebsschichten, die das Gehirn und das Rückenmark umschließen. Insgesamt bestehen die Hirn- und Rückenmarkshäute aus drei dicht aneinanderliegenden Bindegewebsschichten, zwischen welchen Liquor, also die Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit, sowie Blutgefäße verlaufen. Diese drei Lagen bilden eine Schutzschicht für das Gehirn und das Rückenmark gegenüber mechanischen Einflüssen und größeren Temperaturschwankungen.
 
Unter einer Meningitis verstehen Mediziner eine Entzündung der Pia mater und der Arachnoidea mater, der beiden inneren Bindegewebsschichten, die das Gehirn und das Rückenmark umschließen
 
Der historische Begriff der Krankheit ist Streckfluss. Sie wird entweder durch Bakterien, Viren, Pilze oder andere Parasiten ausgelöst. Daneben kann sie aber auch aufgrund bestimmter Arzneimittel oder Erkrankungen, die nicht infektiös sind, entstehen. Typische Anzeichen sind Fieber, Kopfschmerzen und ein steifer Nacken. Um eine Meningitis zu diagnostizieren, wird Patienten etwas Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit mithilfe einer Hohlnadel im Zuge einer Lumbalpunktion entnommen. Damit kann der Arzt einen eventuellen Erreger nachweisen und die geeignete Therapie einleiten.
 
Ärzte klassifizieren eine Meningitis nach ihrem zeitlichen Verlauf und ihrem Auslöser. Dabei unterscheiden sie zwischen:
 

  • einer akuten bakteriellen Meningitis
  • einer viralen Meningitis
  • einer nicht-infektiösen Meningitis
  • einer rezidivierenden (wiederkehrenden) Meningitis und einer
  • subakuten oder chronischen Meningitis bei einer Krankheitsdauer von mehr als vier Wochen.

 
Vor allem bei der akuten bakteriellen Meningitis handelt es sich um einen schweren Verlauf der Krankheit. Sie stellt immer einen medizinischen Notfall dar und kann unbehandelt im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Welche Formen der Hirnhautentzündung gibt es?

Je nachdem, wie lange die Krankheit dauert oder wodurch sie ausgelöst wurde, unterscheiden Mediziner zwischen folgenden Formen:
 
Akute bakterielle Meningitis
Wie der Name schon sagt, sind die Ursache dieser Form der Hirnhautentzündung Bakterien. Diese verursachen eine rasch fortschreitende Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute und des flüssigkeitsgefüllten Raums zwischen den Hirnhäuten. Charakteristische Symptome sind Fieber und Kopfschmerzen, sowie ein steifer Nacken, der es unmöglich macht, das Kinn auf die Brust zu legen. Der Arzt diagnostiziert die Krankheit anhand einer Probe aus der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit und behandelt diese mit Antibiotika. Unbehandelt kann eine akute bakterielle Meningitis zu schwerwiegenden Folgeschäden oder sogar zum Tod führen. Vorbeugend lassen sich Impfungen einsetzen.
 
Eine weitere Unterteilung einer akuten bakteriellen Meningitis findet zwischen eitrig und nicht-eitrig statt:
 
Eitrige Meningitis
Die häufigsten Auslöser einer eitrigen Hirnhautentzündung sind unter anderem Meningokokken, Pneumokokken, Staphylokokken und Haemophilus influenza. Sie zeigt sich durch eine Eiteransammlung an den Großhirnhemisphären, also den beiden Gehirnhälften, weshalb sie auch Haubenmeningitis genannt wird.
 
Nicht-eitrige Meningitis
Diese Form tritt insbesondere als Begleiterscheinung anderer infektiöser Krankheiten, wie Borreliose, Tuberkulose oder Syphilis auf.
 
Virale Meningitis
Bei einer viralen Hirnhautentzündung sind, wie der Name schon sagt, Viren der Auslöser. Diese Form kommt häufiger vor als die bakterielle Variante. Bei den Erregern handelt es sich vorwiegend um Entero-Viren, FSME-Viren oder Herpes-Viren.
 
Nicht-infektiöse Meningitis
Diese Form der Hirnhautentzündung kann unterschiedliche Ursachen haben, wobei oft mehrere Faktoren verantwortlich sind. So können Krebszellen eine Entzündung der Hirnhäute ebenso auslösen wie Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten. Auch entzündliche Krankheiten oder Bindegewebskrankheiten oder entzündliche Erkrankungen der Gefäßwände können zu einem Ausbruch der Krankheit führen.
 
Je nach Auslöser unterscheidet die Medizin unterschiedliche Formen der Meningitis
 
Rezidivierende Meningitis
Eine rezidivierende oder wiederkehrende Meningitis kann durch Bakterien, Viren oder nicht-infektiösen Bedingungen verursacht werden. Meist liegt das Herpes-simplex-Virus Typ 2 einer Erkrankung zugrunde. Patienten leiden dabei an neurologischen Problemen wie Krampfanfällen oder Empfindungsstörungen. Im Normalfall erholen sie sich aber mit der richtigen Therapie vollständig.
 
Subakute und chronische Meningitis
Eine Hirnhautentzündung, die sich über Tage bis Wochen zieht, nennen Ärzte eine subakute Meningitis. Dauert die Krankheit länger als vier Wochen, sprechen Mediziner von einem chronischen Verlauf.
 
In der Regel empfinden Betroffene bei einer subakuten oder chronischen Meningitis kaum Schmerzen, weshalb der Arzt die Ursache oft nicht findet. Diese Form kommt eher selten vor und entwickelt sich zum Beispiel aus einer nicht vollständig ausgeheilten Mittelohrentzündung. Weitere Ursachen können Tuberkulose, Pilzinfektionen, Borrelien, Syphilis, Sarkoidose sowie chemische Substanzen oder Erreger und Krankheiten, wie in etwa HIV oder AIDS sein. Auch Tumore, welche in die Hirnhaut streuen, können Meningitis-Symptome auslösen. Besonders gefährdet sind Menschen mit einem schwachen Immunsystem.

Was sind die Symptome einer Meningitis?

Typischerweise treten anfangs grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Dazu kommen Übelkeit, Erbrechen und eine Nackensteifigkeit, bei der Betroffene ihr Kinn nicht mehr schmerzfrei Richtung Brustkorb führen können. Aufgrund der Schmerzen bei jeder Bewegung des Nackens verspannt sich die Muskulatur immer mehr, was wiederum die Steife verstärkt.
 
In wenigen Fällen leiden Patienten an Rückenschmerzen. Auch neurologische Ausfallserscheinungen wie Bewusstseinseintrübungen und eine verwaschene Sprache können auf eine Meningitis hindeuten. Manchmal treten auch Schwindel, eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Augen, Hörstörungen oder epileptische Anfälle auf. Schreitet die Krankheit fort, können Benommenheit und Teilnahmslosigkeit hinzukommen. Diesen Zustand nennen Ärzte Stupor. Innerhalb 24 Stunden können Erwachsene so schwer krank werden, Kinder noch schneller, dass die Krankheit zum Koma oder sogar zum Tod führt.
 
Handelt es sich um eine durch Meningokokken ausgelöste Form der Hirnhautentzündung, sind neben den Hirnhäuten oft der Blutkreislauf und viele andere Organe infiziert. Infolgedessen kann das Gewebe an manchen Stellen absterben. Blutungen können unter der Haut auftreten und einen rötlich-violetten Ausschlag mit winzigen Punkten oder größeren Flecken verursachen. Blutungen können zudem im Verdauungstrakt oder in anderen Organe auftreten.
 
Der Patient kann Blut erbrechen oder Blut im Stuhl haben. Auch in den Nebennieren können Blutungen vorkommen, wodurch diese ihre Funktion einstellen. Unbehandelt kann es zu einem schnellen Absinken des Blutdrucks kommen, welcher zu einem Schock und letztendlich zum Tod führen kann. Mediziner nennen dieses Phänomen Waterhouse-Friderichsen-Syndrom.

Wie äußert sich eine Hirnhautentzündung bei Kindern?

Je nach Alter der Kinder zeigen sich unterschiedliche Symptome. So weisen Neugeborene und Säuglinge häufig Probleme mit dem Saugen, Erbrechen, Reizbarkeit, Unruhe, unwillkürliches Kauen, Starren oder eine Schwerfälligkeit auf. Hinzu kommt ein Anschwellen der weichen Stellen zwischen den Schädelknochen, da sich der Hirndruck erhöht. Bei etwa einem Drittel der Säuglinge kommt es zudem zu Krampfanfällen. In wenigen Fällen werden die Nerven im Gesichtsfeld durch die Bakterien geschädigt, was zu einer Veränderung der Augen sowie Lähmungserscheinungen im Gesicht führen kann.
 
Eine Meningitis kann sich unter anderem mit Fieber bemerkbar machen
 
Bei Kindern beginnt eine akute bakterielle Meningitis meist mit einem generellen Krankheitsgefühl, Fieber, Reizbarkeit und Erbrechen sowie Halsschmerzen, Husten und einer laufenden Nase. Dann können ein steifer Nacken, Verwirrtheit oder ein verringertes Aufmerksamkeitsniveau hinzukommen. Auch eine Lichtempfindlichkeit lässt sich in manchen Fällen beobachten. Im Laufe der ersten drei bis fünf Tage verschlechtert sich der Gesundheitszustand. Gerade bei der kleineren Patientengruppe schreitet die Krankheit rasch voran. Etwa 15 Prozent aller stationär aufgenommenen Kinder sind zum Aufnahmezeitpunkt bewusstlos oder fast bewusstlos.

Welche Folgen hat eine Meningitis für Betroffene?

Vor allem bei Kindern kann es zu schwerwiegenden Folgeschäden wie Hörstörungen, Epilepsie, Lernbehinderungen, Verhaltensauffälligkeiten oder einer Intelligenzminderung kommen. Daneben können altersunabhängige motorische wie sensible Ausfälle auftreten, welche in manchen Fällen eine langandauernde Rehabilitationszeit notwendig macht.

Welche Ursachen hat eine Meningitis?

Eine Meningitis kann unterschiedliche Ursachen haben, wobei die häufigsten Auslöser Viren oder Bakterien sind.
 
Bakterien als Auslöser: Bakterien übertragen sich meist über eine Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen von Mensch zu Mensch. Doch auch über rohe Nahrungsmittel, wie Käse oder andere Milchprodukte, kann es zu einer Ansteckung kommen. Die Neugeborenen-Meningitis stellt einen Sonderfall dar und wird in den meisten Fällen durch Darmbakterien wie Escherichia coli verursacht. Die Bakterien wandern dabei über das Blut oder direkt über die Nasenschleimhaut oder Haut zu den Hirnhäuten.
 
Indem sie die Blut-Liquor-Schranke überwinden, gelangen sie von dort in den sogenannten Subarachnoidalraum, der Spalt zwischen der zweiten und dritten Hirnhaut, also der Arachnoidea mater und der Pia mater, in dem auch die Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit zirkuliert. Die Folge ist eine Entzündung, die zu einem erhöhten Hirndruck und zu einer Minderdurchblutung des Gehirns führen kann.
 
Je nach Alter der Person, Zugangsweg der Erreger und Stärke des Immunsystems können unterschiedliche Bakterienstämme für eine Meningitis verantwortlich sein:
 
Altersgruppe
 
Neugeborene und junge Kleinkinder
Zu den am meisten verbreiteten Krankheitserregern einer bakteriellen Infektion in diesem Alter gehören Streptokokken der Gruppe B, Escherichia oder E. Coli Bakterien und Listeria monocytogenes. Die Krankheit kann hierbei auch direkt bei der Geburt von der Mutter übertragen werden, wenn das Neugeborene den Geburtskanal passiert.
 
Ältere Kleinkinder, Kinder und junge Erwachsene
In dieser Altersgruppe kommen am häufigsten Meningokokken, Pneumokokken oder der Erreger Haemophilus influenzae Typ B als Auslöser infrage. Eine durch Meningokokken verursachte Erkrankung wird im Fachjargon auch Meningokokkenmeningitis genannt und kann innerhalb weniger Stunden zum Koma oder Tod führen. Diese Form der Hirnhautentzündung ist hoch ansteckend und entsteht dadurch, dass Bakterien einer Infektion der oberen Atemwege in den Blutkreislauf gelangen.
 
Eine Ansteckung mit dem Erreger Haemophilus influenzae Typ B tritt heutzutage nur noch in Gebieten auf, wo die Durchimpfungsrate niedrig ist. Diese Form der Meningitis betrifft hauptsächlich Kinder zwischen zwei Monaten und sechs Jahren.
 
Vor allem bei Kindern kann es zu schwerwiegenden Folgeschäden wie Hörstörungen, Epilepsie, Lernbehinderungen, Verhaltensauffälligkeiten oder einer Intelligenzminderung kommen
 
Erwachsene im mittleren und fortgeschrittenen Alter
Vor allem Pneumokokken können in diesem Alter eine Meningitis auslösen.
 
Erwachsene im zunehmenden Alter
Da das Immunsystem im Alter immer schwächer wird, steigt das Erkrankungsrisiko. Vor allem Bakterien wie Listeria monocytogenes oder E. coli können zu einem Ausbruch führen.
 
Zugangsweg
 

  • Eine bakterielle Meningitis kann auf verschiedene Arten erworben werden:
  • Bakterien einer anderen Infektion gelangen in den Blutkreislauf und damit in andere Körperbereiche.
  • Bakterien einer anderen Infektion breiten sich im Gehirn auf die Hirnhäute aus.
  • Durch eine Wunde am Schädel oder den Hirnhäuten.
  • Im Zuge eines chirurgischen Eingriffs am Gehirn oder dem Rückenmark.
  • Bei einer Drainage im Gehirn, welche der Arzt anbringt, um den erhöhten Druck im Schädel zu mindern.
  • Bakterien dringen aufgrund eines Geburtsfehlers im Schädel oder im Rückenmark in die Hirnhäute ein.

Stärke des Immunsystems
Je stärker das Immunsystem, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung. Erkrankungen, die von vornherein das Immunsystem schwächen, erhöhen demnach das Risiko einer bakteriellen Meningitis. Dies schließt Folgendes ein:
 

  • Personen, die mit Kortison oder Immunsuppressiva, also Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, behandelt werden, wie in etwa bei einer Krebs- oder Autoimmunerkrankung.
  • Personen, die sich einer Chemotherapie unterziehen.
  • Personen mit AIDS oder einer angeborenen Immunschwächeerkrankung.
  • Personen, deren Milz entfernt wurde.
  • Personen, die Probleme mit der Bildung von Antikörpern haben.

Viren als Auslöser
Die Ansteckung erfolgt bei Viren wie bei Bakterien über eine Tröpfcheninfektion. Die Inkubationszeit beträgt etwa zwei bis vierzehn Tage. Zu den häufigsten Erregern einer viralen Meningitis zählen Enteroviren, Mumps- und Herpesviren. Auch FSME-Viren oder Borrelien, beide übertragen durch Zecken, können eine Hirnhautentzündung zur Folge haben.
 
Andere Auslöser
Zu den weiteren Auslösern einer Meningitis zählen Pilzinfektionen, Parasiten wie der Bandwurm, Einzeller – sogenannte Protozoen, die zu einer Toxoplasmose, einer Infektionskrankheit, führen können, Krebserkrankungen und entzündliche Erkrankungen, wie Sarkoidose, eine Erkrankung der Lunge, oder die Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Meningitis?

Ein Risikofaktor ist das Alter. So tritt eine Meningitis bei Babys bis zu einem Jahr, Kleinkindern, Teenagern und jungen beziehungsweise sehr alten Menschen besonders häufig auf. Vor allem bei Teenagern trägt das Sozialverhalten, wie Rauchen, Küssen, Clubbing, der Besuch von Veranstaltungen und Ähnlichem weiter zu einem erhöhten Ansteckungsrisiko bei. Rekruten und Schüler, die sich in größeren Gruppen auf engstem Raum aufhalten, tragen ebenso ein erhöhtes Erkrankungsrisiko in sich.
 
Auch Personen mit einem schwachen Immunsystem oder Immundefekten beziehungsweise einer fehlenden funktionstüchtigen Milz sowie Laborpersonal und Menschen, die in Gebieten mit einem hohen Ansteckungsrisiko reisen, erkranken häufiger an einer Hirnhautentzündung als gesunde Menschen.
 
Vor allem Teenager sind häufig von einer Meningitis betroffen

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Meningitis?

Die Erreger breiten sich meist über die Blutbahn bis in die Hirnhäute aus und verursachen dort eine Entzündung. Als Folge kann es zu Blutgerinnungsstörungen, Einblutungen in die Haut oder einer Blutvergiftung, medizinisch Sepsis genannt, kommen. Die Erreger können jedoch auch in andere Körperbereiche oder Organe vordringen und dort zu Komplikationen oder im schlimmsten Fall zu einem Multiorganversagen führen.
 
Unbehandelt kann die Krankheit auch schwerwiegende Folgeschäden wie Entwicklungs- und Hörstörungen, Krampfanfälle, Lähmungen sowie große Organ- und Gewebeschäden verursachen. In manchen Fällen müssen Patienten Gliedmaßen abnehmen lassen, da das abgestorbene Gewebe eine erneute Infektion auslösen kann.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Da sich die Krankheit durch sehr unspezifische Symptome bemerkbar machen kann, solltest Du bei jedem vagen Verdacht sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Meningitis?

In der Regel kann ein erfahrener Arzt eine Meningitis-Diagnose schon aufgrund der geschilderten Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung stellen. Er fragt zudem nach dem Impfstatus, einem eventuellen Kontakt zu einer infizierten Person oder einem Zeckenbiss. Doch sollte dringend abgeklärt werden, ob es sich um eine virale oder bakterielle Form der Hirnhautentzündung handelt, um passende Therapieschritte einzuleiten. Die wichtigsten Schritte zu einer Meningitis-Diagnose sind:
 
Ein ausführliches Anamnesegespräch über Deine Krankengeschichte und Deine Beschwerden
 
Eine körperliche Untersuchung
In einem Test versucht der Arzt, Dein Kinn zum Brustkorb zu führen. Damit kann er eine eventuelle schmerzhafte Nackensteife festzustellen. Gleichzeitig ziehen die Patienten typischerweise reflexartig die Beine an, was Mediziner Brudzinski-Zeichen nennen. Diese Reaktion entsteht aufgrund von Schmerzen, die durch die leichte Dehnung der Hirn- und Rückenmarkshäute beim Kopfneigen entstehen. Ein weiteres Anzeichen einer Erkrankung ist die Unfähigkeit von Patienten, im Sitzen ein Bein gerade auszustrecken, da dies zu Schmerzen führt.
 
Ärzte nennen dies das Symptom Kernig-Zeichen. Als dritter Hinweis dient das sogenannte Lasègue-Zeichen. Dabei bewegt der Arzt ein gestrecktes Bein beim liegenden Patienten langsam nach oben. Sollte dieser plötzlich vom Rücken in das Bein einschießende Schmerzen verspüren, deutet alles auf eine Reizung der Hirnhäute hin.
 
Auch die Haut kann Anzeichen auf eine Erkrankung geben, da dort in schweren Fällen kleine Einblutungen auftreten können, welche sich in Form von kleinen blauen oder bräunlichen Punkten zeigen. In einem späteren Verlauf werden diese Punkte zu größeren Flecken, welche sich auch mit einem durchsichtigen Glas im Zuge eines Glas-Tests nicht mehr wegdrücken lassen.
 
Weitere Untersuchungen
Beim geringsten Verdacht auf eine Meningitis ordnet der Arzt weitere Untersuchungen in einer Klinik an:
 

  • Blutabnahme: Durch das Anlegen einer Bakterienkultur im Labor lässt sich der Erreger nachweisen. Der Arzt kann daraufhin ein geeignetes Antibiotikum auswählen.
  • Lumbalpunktion: Mithilfe einer Hohlnadel entnimmt der Arzt in Höhe der Lendenwirbelsäule etwas Nervenwasser, medizinisch Liquor genannt, aus dem Rückenmarkskanal. Diese Probe lässt er anschließend im Labor nach möglichen Erregern untersuchen.
  • Computertomografie oder Magnetresonanztomografie: Diese Untersuchung kann einen erhöhten Hirndruck anzeigen. Falls dies der Fall ist, darf keine Lumbalpunktion durchgeführt erfolgen. Die bildgebenden Verfahren können zudem Hinweise auf die Herkunft der Erreger geben

Die Meningitis muss schnell behandelt werden. Meist kommen hierfür Antibiotika zum Einsatz

Wie lässt sich eine Meningitis behandeln?

Bei einem Verdacht sollte schnell mit der Behandlung in einer Klinik oder einem Krankenhaus begonnen werden, um die Krankheit frühzeitig zu stoppen. Dabei bekommst Du ein Einzelzimmer, um eine mögliche Ansteckung auszuschließen. Noch bevor die Testergebnisse der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit feststehen, musst Du mit einer Antibiotikatherapie beginnen. Dabei kommt meist ein Breitbandantibiotikum zum Einsatz, welches gegen viele Bakterienstämme hilft. In der Regel bekommst Du das Antibiotikum intravenös, da es über die Vene verabreicht schneller seine Wirkung entfalten kann. Je nach später festgestellten Krankheitserreger ändert der Mediziner das Arzneimittel oder behält es bei.
 
Um eine Schwellung des Gehirns und einen zu hohen Hirndruck zu verhindern, könnte der Spezialist Dir ein Kortison zuführen. Du solltest jedoch auch auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, wobei Du in der Regel auch diese intravenös verabreicht bekommst.
 
Sollten Viren für die Meningitis verantwortlich sein, bekommst Du in manchen Fällen antivirale Substanzen. Normalerweise behandelt der Arzt aber nur die Symptome, wobei fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz kommen. Um einen epileptischen Anfall zu vermeiden, kann es sein, dass Du weitere Arzneimittel bekommst. Sollten andere Ursachen als Bakterien oder Viren vorliegen, dann verschreibt Dir der Arzt ein geeignetes Gegenmittel, wie in etwa ein Wurmmittel oder ein Pilzmittel. Stecken andere Grunderkrankungen, wie Krebs oder AIDS, hinter der Meningitis, werden diese gezielt behandelt.

Welche Komplikationen können bei einer Meningitis auftreten?

Als mögliche Komplikation kann es bei einer Meningitis-Infektion zu einer Blutvergiftung kommen. Betroffene bekommen hohes Fieber, fühlen sich schwach und leiden unter einem schweren Krankheitsgefühl mit Kreislaufbeschwerden. In sehr schweren Fällen kann es zu einem sogenannten Waterhouse-Friderichsen-Syndrom kommen, welches zu einem Schock, Koma oder einem Multiorganversagen führen kann. Zudem können Blutgerinnungsstörungen und kleine Thrombosen auftreten, die sich durch kleine bläulich-braune Punkte zeigen. Die Folge können Blutungen in der Haut, den Schleimhäuten und den inneren Organen sein. Der Blutdruck kann dabei stark abfallen und einen Schockzustand bis hin zu einem Koma hervorrufen, wodurch eine künstliche Beatmung notwendig ist.
 
Eine weitere Komplikation könnte ein erhöhter Druck innerhalb des Schädels oder eine Schwellung des Gehirns sein. Dazu richtet der Arzt Dein Bett auf und leitet Dir über Deine Vene Kortison zu. Auch eine Beeinträchtigung der Hirnnerven und damit verbundene Störungen der Augenkontrolle, der Gesichts- und Kopfbewegungen und des Schluckens sowie des Gehörs können in manchen Fällen auftreten. Außerdem kann es zu Lähmungen, Sensibilitätsstörungen und Bewegungsstörungen in den von den betroffenen Hirnregionen versorgten Körperarealen kommen. Weitere mögliche Komplikationen sind Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall zur Folge haben können, überschüssige Flüssigkeit im Gehirn oder eine Eiteransammlung an der äußeren Schicht der Hirnhäute.

Wie ist die Prognose bei einer Meningitis?

Die Prognose einer Meningitis hängt von der Art der Erkrankung, dem allgemeinen Gesundheitszustand der Person und vom Beginn der Behandlung ab. Dabei ist zu sagen, dass eine virale Meningitis nur selten tödlich ist und eher zur spontanen Heilung neigt. Eine bakterielle Hirnhautentzündung verläuft hingegen unbehandelt fast immer tödlich, wobei eine Meningokokken-Meningitis mit etwa fünf Prozent die niedrigste Sterblichkeitsrate hat. Listerien führen bei circa 30 Prozent der Fälle zum Tod. Das höchste Sterblichkeitsrisiko mit knapp 80 Prozent haben Erkrankungen im Kleinkind- oder hohem Alter. Neugeborene zum Beispiel können in 20 bis 30 Prozent der Fälle an einer bakteriellen Hirnhautentzündung sterben.

Was kann ich selbst bei einer Meningitis tun?

Am besten schützt Du Dich durch Impfungen gegen Erreger, die eine Meningitis hervorrufen können. Solltest Du in Kontakt mit einer infizierten Person kommen, solltest Du sofort einen Arzt aufsuchen. Eine Selbstbehandlung ist nicht möglich.

Wie kann ich einer Meningitis vorbeugen?

Durch routinemäßige Impfungen lässt sich eine Erkrankung vorbeugen. Dabei kommen Impfungen gegen folgende Erreger zum Einsatz
 

  • Meningokokken
  • Pneumokokken
  • Haemophilus influenzae
  • FSME
  • Masern- und Mumps-Viren

 
Im Verdachtsfall solltest Du schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, welcher Dir vorbeugend ein Breitbandantibiotikum verschreibt.

Ist eine Meningitis ansteckend?

Da eine Meningitis hoch ansteckend ist, solltest Du jeglichen Kontakt zu erkrankten Menschen meiden. Bei Verdacht einer Erkrankung solltest Du sofort eine Klinik oder ein Krankenhaus aufsuchen, um andere Menschen vor einer Ansteckung zu schützen. Zudem ist es wichtig zu wissen, dass eine Meningitis in Deutschland, Österreich und der Schweiz der Meldepflicht unterliegt.

Wie viel kostet die Behandlung/Impfung einer Meningitis?

Die Behandlungskosten richten sich nach dem verwendeten Medikament beziehungsweise den eingesetzten Untersuchungsmethoden. Zudem kann im Falle eines Krankenhausaufenthaltes ein Selbstbehalt anfallen. Informationen dazu bekommst Du bei Deinem behandelnden Arzt.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung/Impfung einer Meningitis?

Die Krankenkassen übernehmen alle Kosten für notwendige Untersuchungen und Behandlungsmethoden. Sollte ein Krankenhausaufenthalt notwendig sein, kann ein Selbstbehalt für Dich anfallen. Frage dazu am besten bei Deinem Krankenversicherungsträger nach.


Dauer Dauer

Bis zu 3 Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 3 Wochen

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 3 Wochen

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Meningitis ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, welche das Gehirn umhüllen. Am häufigsten wird eine Meningitis durch Bakterien oder Viren verursacht. Weitere mögliche Auslöser können Pilze, andere Grunderkrankungen oder Parasiten sein


Typische Anzeichen einer Hirnhautentzündung sind grippeähnliche Beschwerden, wie hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, schmerzhafte Nackensteifigkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit oder Bewusstseinstrübungen bis hin zu Bewusstlosigkeit sowie neurologische Ausfälle und epileptische Anfälle


Der Arzt diagnostiziert eine Meningitis über die Krankengeschichte des Patienten, eine körperliche Untersuchung, eine Blutprobe und eine Entnahme und Analyse von Nervenwasser im Zuge einer Lumbalpunktion sowie bildgebende Verfahren


Die Meningitis muss sofort behandelt werden, da vor allem die bakterielle Form ansonsten zum Tod führen kann

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