Blutvergiftung (Sepsis)

Der Begriff der Blutvergiftung beziehungsweise der Sepsis, wie der Zustand in der medizinischen Fachterminologie genannt wird, wird immer wieder im Zusammenhang mit zahlreichen unterschiedlichen Erkrankungen und Infektionen beschrieben und bezeichnet stets einen lebensbedrohlichen Zustand. Doch was ist eine Sepsis? Und welche sind die genauen Mechanismen, die zu einer Blutvergiftung führen? Diese und weitere Fragen sollen im Folgenden geklärt werden.


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Zuletzt aktualisiert: 4. Juni, 2020



Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, handelt es sich um einen potenziell lebensbedrohlichen Zustand, der zu einem Multiorgan- und Kreislaufversagen führen kann


Ursache der Sepsis ist ein Übergehen von pathogenen Erregern (meist Bakterien, seltener auch Viren, Pilze oder andere Parasiten) in den Blutkreislauf, was zu einer fulminanten Reaktion des Immunsystems führt. Diese Immunreaktion bewirkt zwar einerseits eine Bekämpfung des Erregers, andererseits führen einige dieser Reaktionen auch zu Schädigung und Funktionsverlust wichtigster Organsysteme


Eine Sepsis wird als medizinischer Notfall angesehen und daher rasch und mit unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten gleichzeitig behandelt. Dazu gehört einerseits die Bekämpfung des Erregers selbst, beispielsweise durch Antibiotikagabe, andererseits die Sicherung lebenswichtiger Organe und Erhaltung des Herz-Kreislauf-Systems


Eine Prognose lässt sich nur schwer vorhersagen, da die Erholung und Rehabilitation individuell von mehreren Faktoren wie beispielsweise dem Alter, dem grundsätzlichen Gesundheitszustand, der Schwere und dem Fortschritt der Sepsis oder aber der Zeit bis zum Beginn einer adäquaten Therapie abhängt. Auch mit Behandlung versterben circa 30 % der Patienten, bei vielen die einen septischen Schock initial überleben, verbleiben allerdings schwerwiegende Organschäden, die im Laufe der nachfolgenden Monate dennoch zum Tod führen

Hinweis: Dieser Beitrag dient zur Information über die Blutvergiftung. Es ist jedoch möglich, dass einzelne der hier aufgeführten Leistungen noch nicht von unseren Ärzten angeboten werden. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Dir bald für weitere Behandlungsfelder einen Spezialisten bieten zu können. Bei Fragen zu unserem Leistungsspektrum kannst Du Dich gerne jederzeit bei uns melden!

Was versteht die Medizin unter einer Blutvergiftung?

Als Sepsis wird eine schwerwiegende Erkrankung des gesamten Organismus, also des Herz-Kreislauf-Systems und der inneren Organe, bezeichnet. Eine Sepsis geht stets von einer lokalen Entzündung und Infektion durch Viren, Bakterien, Pilze oder andere Mikroorganismen aus.

Eine Sepsis geht stets von einer lokalen Entzündung und Infektion durch Viren, Bakterien, Pilze oder andere Mikroorganismen aus

Was sind die Ursachen für einer Sepsis?

Grund und Ursprung einer Sepsis ist eine lokale Organ- oder Wundentzündung (zum Beispiel Lungenentzündung, Blasen- oder Nierenbeckenentzündungen, Infektionen des Magen-Darm-Trakts, Infektionen der Haut oder der Weichteile), die durch unterschiedliche Erreger und Organismen ausgelöst werden kann. Kann Dein Immunsystem diese Infektion nicht beherrschen und bekämpfen oder erkennt sie zu spät, sodass keine medizinische Intervention stattfindet, können die Erreger sich ausbreiten und dabei auch in die Blutbahn gelangen.

Befinden sich die Erreger erst einmal in Deinem Blutkreislauf, kommt es wiederum zu einer Reaktion Deines Immunsystems. Diese ist aber aufgrund der Erregerlast so stark, dass alle dadurch in Gang gesetzten Mechanismen zusammen innere Organe und Blutgefäße massiv schädigen. Bei dieser überschießenden Immunreaktion, auch SIRS (Systemic Inflammatory Response Syndrome) genannt kommt es zu einer Freisetzung von Entzündungszellen und Botenstoffen, die zu einer Erhöhung der Durchlässigkeit der Blutgefäße, dadurch vermehrter Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe, Blutdruckabfall, herabgesetzter Pumpleistung des Herzens und daraus resultierender verminderter Sauerstoffversorgung der inneren Organe führen. Vor allem Leber, Niere und das Herz selbst reagieren sehr sensibel auf die reduzierte Sauerstoffzufuhr und büßen daher an Funktionen ein. Es kann zum Kreislauf- bis hin zum (Multi)Organversagen kommen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Sepsis und SIRS?

Während bei einer Sepsis eine Infektion und Erreger im Körper nachweisbar ist, ähnelt die SIRS zwar einer Sepsis, allerdings ohne eine ersichtliche Infektion. Die SIRS kann als Vorbote für eine Sepsis sein, allerdings ist dies kein Muss. Von einer Sepsis spricht die Medizin also nur dann, wenn sich in Deinem Blut Keime vorfinden lassen.

Um die Diagnose einer möglichen SIRS stellen zu können, müssen mindestens zwei von vier SIRS-Kriterien erfüllt sein. Darunter fällt beispielsweise eine Körpertemperatur unter 36 oder über 38 Grad Celsius oder auch eine Herzfrequenz höher als 90 Schläge pro Minute. Allerdings muss gesagt werden, dass sich diese Diagnoseform erst ab dem 16. Lebensjahr anwenden lässt und oftmals aufgrund einer geringen Spezifität nicht wirklich als valide angesehen werden kann. Es gibt jedoch verschiedene klinische Parameter, anhand derer sich erkennen lässt, ob eine SIRS vorliegt.

Eine Sepsis wird durch Keime im Blut ausgelöst

Wie sehen die Symptome einer Blutvergiftung aus?

Die Symptome entsprechen denen eines Kreislaufschocks (Blutdruckabfall, erhöhter Puls und erhöhte Atemfrequenz), hinzu kommen Fieberschübe, ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Schüttelfrost und diverse Symptome der einzelnen Organfunktionsverluste (verminderte bis keine Harnausscheidung bei Nierenversagen sowie Gelbfärbung der Haut mit zunehmender Verwirrung bei Leberversagen).

Wie diagnostiziert der Arzt eine Sepsis?

Wichtige diagnostische Schritte sind zum einen die Erhebung etwaiger Risikofaktoren, die körperliche Untersuchung und Befragung nach Symptomen und erhöhte Entzündungszeichen im Blut. In einigen Fällen gestaltet sich die Fokussuche, also die Suche nach dem Ursprung der Blutvergiftung, schwierig. Hier sind zusätzliche Blutabnahmen sowie bildgebende diagnostische Methoden nützlich.

Wie ist der Verlauf einer Sepsis?

In den meisten Fällen entwickelt sich eine Sepsis beziehungsweise ein septischer Schock recht schnell und fulminant und führt innerhalb weniger Stunden bis Tage zum Kreislaufversagen. Unbehandelt endet eine Sepsis fast immer tödlich, je nach Schweregrad beträgt selbst die Letalität einer behandelten Sepsis bis zu 30%.

Welche Formen der Blutvergiftung gibt es?

Man kann innerhalb des Krankheitsbildes Sepsis einerseits zwischen der sogenannten Neugeborenensepsis, der Sepsis im Erwachsenenalter und andererseits nach den unterschiedlichen Erregern unterscheiden. Bei der Neugeborenensepsis gelten etwas abgeänderte Diagnosekriterien, im Grunde handelt es sich aber um dieselben immunologischen Vorgänge, die in diesem Fall durch eine von der Mutter auf das Neugeborene übertragene Infektion erfolgen. Beispiele für die häufigsten Formen nach Erregerart ist die Meningokokkensepsis (ausgehend von einer Hirnhautentzündung) oder die Streptokokkensepsis (oft ausgehend von einer Wundinfektion).

Häufig ist noch eine Einteilung in drei Stadien der Sepsis anzutreffen, die allerdings neueren Kriterien zufolge nicht mehr gültig sein soll. Während bis vor Kurzem zwischen einer „einfachen“ Sepsis (symptomatische oder labordiagnostische Zeichen einer Entzündung), einer schweren Sepsis  (Hinweis auf Versagen mindestens eines Organs) und einem septischen Schock (Schocksymptomatik) unterschieden wurde, entfällt neueren Begriffsdefinitionen zufolge das Stadium der schweren Sepsis.

In den meisten Fällen entwickelt sich eine Sepsis beziehungsweise ein septischer Schock recht schnell und fulminant und führt innerhalb weniger Stunden bis Tage zum Kreislaufversagen

Welche Folgen und Folgeschäden hat eine Blutvergiftung für den Betroffenen?

Die Folgen die Patienten sind in der Regel recht unterschiedlich und hängen in erster Linie vom Fortschritt der Erkrankung bis zum Greifen der Therapie ab. Vor allem Personen mit schweren Formen und kurzfristigen Einschränkungen der Organfunktionen müssen meist über lange Zeit intensivmedizinisch überwacht und betreut werden und verzeichnen meist einen langen Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben, viele bleiben allerdings auch im normalen Alltag eingeschränkt. In zahlreichen Fällen führt der lange Krankenhausaufenthalt zu psychischen Beeinträchtigungen (beispielsweise Depressionen oder posttraumatischen Stresssyndrom) oder verschlechtert bereits bestehende Vorerkrankungen.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Besonders häufig betroffen sind Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen (Diabetes mellitus, Dialysepatienten, Patienten mit alkoholischen Lebererkrankungen), Patienten, die in Pflegeeinrichtungen mit besonders hoher Keimlast leben, Patienten, deren Immunsystem entweder durch eine Erkrankung oder medikamentös (beispielsweise im Rahmen einer Chemotherapie) unterdrückt ist, oder auch Patienten, die sich in stationärer Behandlung im Krankenhaus befinden und Fremdmaterialien wie zum Beispiel einen Blasenkatheter erhalten haben. All diese Faktoren sorgen zum einen für ein höheres Grundrisiko eine Infektion zu erleiden und zum anderen für ein höheres Risiko, dass sich eine Infektion ausbreitet.

Wie lässt sich eine Blutvergiftung behandeln?

Die Behandlung der Sepsis beruht auf mehreren Säulen:

Erregernachweis und Abnahme wichtigster Blutparameter

Da es sich bei Verdacht auf eine Sepsis stets um einem medizinischen Notfall handelt, beginnt Dein Arzt eine Therapie auch ohne exakten Erregernachweis, diesen holt er parallel nach, um die medikamentöse Therapie gegebenenfalls anzupassen. Gleichzeitig bestimmt er Parameter im Blut, die Informationen über den Grad der Entzündungsreaktion sowie über einzelne Organfunktionen geben. Die ständige Überwachung dieser Parameter ist unerlässlich, um bei eventueller Verschlechterung sofort reagieren zu können. Aufrechterhaltung des Kreislaufs: Herz-Kreislauf- und Atemfunktion werden mittels Medikamenten-, Sauerstoff- und Flüssigkeitsgabe reguliert.

Besonders häufig betroffen sind Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen

Antibiotische Therapie

Da in der Mehrzahl der Fälle eine bakterielle Infektion Ursache der Sepsis ist, beginnt Dein Arzt stets eine intravenöse antibiotische Breitbandtherapie

Schmerztherapie

Bei fulminanten Krankheitsbild kommen Schmerz- und Beruhigungsmittel zum Einsatz, eventuell auch eine Sedierung.
Gegebenenfalls Entfernung einer Infektionsquelle: Sollte der Verdacht bestehen, dass die Infektion ursprünglich von einem Katheter oder einer Venenverweilkanüle ausgeht, sind diese unverzüglich zu entfernen.

Wie kann ich eine Blutvergiftung vorbeugen?

Gezielt vorbeugen kannst Du eine Sepsis leider nicht, allerdings ist es ratsam bei bestimmten Personengruppen mit besonders hohem Risiko gesteigerte Vorsichts- und erweiterte Hygienemaßnahmen anzuwenden. Gerade in Krankenhäusern oder in Pflegeeinrichtungen ist eine adäquate Wundversorgung mit regelmäßigem Verbandswechsel, regelmäßige Überprüfung und Inspektion von Kathetern oder Venenverweilkanülen und eine erhöhte Sensibilität für mögliche Infektionen, die einer raschen Intervention bedürfen, zu empfehlen.


AUF EINEN BLICK

Dauer Dauer

7-10 Tage

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu mehreren Monaten

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 10 Tage

Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, handelt es sich um einen potenziell lebensbedrohlichen Zustand, der zu einem Multiorgan- und Kreislaufversagen führen kann


Ursache der Sepsis ist ein Übergehen von pathogenen Erregern (meist Bakterien, seltener auch Viren, Pilze oder andere Parasiten) in den Blutkreislauf, was zu einer fulminanten Reaktion des Immunsystems führt. Diese Immunreaktion bewirkt zwar einerseits eine Bekämpfung des Erregers, andererseits führen einige dieser Reaktionen auch zu Schädigung und Funktionsverlust wichtigster Organsysteme


Eine Sepsis wird als medizinischer Notfall angesehen und daher rasch und mit unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten gleichzeitig behandelt. Dazu gehört einerseits die Bekämpfung des Erregers selbst, beispielsweise durch Antibiotikagabe, andererseits die Sicherung lebenswichtiger Organe und Erhaltung des Herz-Kreislauf-Systems


Eine Prognose lässt sich nur schwer vorhersagen, da die Erholung und Rehabilitation individuell von mehreren Faktoren wie beispielsweise dem Alter, dem grundsätzlichen Gesundheitszustand, der Schwere und dem Fortschritt der Sepsis oder aber der Zeit bis zum Beginn einer adäquaten Therapie abhängt. Auch mit Behandlung versterben circa 30 % der Patienten, bei vielen die einen septischen Schock initial überleben, verbleiben allerdings schwerwiegende Organschäden, die im Laufe der nachfolgenden Monate dennoch zum Tod führen

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