Frühgeburt

Eine Schwangerschaft ist ein besonders bewegendes und emotionales Erlebnis im Leben einer Familie. Kommt es jedoch zu einer Frühgeburt, so begleiten diese Glücksgefühle auch Angst und Sorge. Kinder, die noch vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, gelten als Frühgeburt. Dank intensivmedizinischer Behandlung und Fortschritten in der Medizin haben die Frühchen jedoch sehr gute Chancen sich gesund weiterzuentwickeln. Welche Risiken mit einer Frühgeburt verbunden sind, wie Du sie vorbeugen kannst und wie es mit der Finanzierung der Untersuchungen aussieht, erfährst Du im nachstehenden Beitrag.


AUTOR

Medizinische Expertin

CO-AUTOR

Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 9. September, 2020



ICD-10-GM-2020 P07.2+P07.3

Was versteht die Medizin unter einer Frühgeburt?

Ein Neugeborenes gilt als Frühgeburt, wenn es noch vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) das Licht der Welt erblickt, also früher als drei Wochen vor dem errechneten Termin. Dabei teilen Ärzte die Frühchen nach der Schwangerschaftsdauer oder dem Geburtsgewicht in drei unterschiedliche Gruppen auf – mäßig frühe, sehr frühe oder extrem frühe Frühgeborene.
 
Bei den mäßig frühen Frühgeborenen zeichnen die Ärzte bei der Geburt ein Körpergewicht von unter 2500 Gramm auf. Diese Kinder kommen meistens zwischen der 32. und der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Sehr frühe Frühchen werden mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm beziehungsweise zwischen der 28. und der 31. Schwangerschaftswoche geboren. Extrem frühe Frühgeborene wiegen bei der Geburt unter 1000 Gramm beziehungsweise werden noch vor der 28. Schwangerschaftswoche entbunden.
 
Es gibt auch Kinder, die mit einem Geburtsgewicht von nur 500 Gramm auf die Welt kommen und dank den modernen medizinischen Technologien überleben, jedoch nur selten ohne bleibende Schäden. Insgesamt machen etwa fünf bis zehn Prozent aller Geburten Frühgeburten aus.

Einige Frühchen wiegen nicht einmal 500 Gramm.

Was sind die Anzeichen für eine drohende Frühgeburt?

 
Das deutlichste Anzeichen für eine Frühgeburt sind vorzeitige Kontraktionen (=Wehen). Die Gebärmutter zieht sich in den letzten Wochen der Schwangerschaft immer wieder leicht zusammen und bereitet sich durch Übungs- und Senkwehen auf die Geburt vor. Wenn die Kontraktionen allerdings über einen längeren Zeitraum und in kürzeren Abständen (mehr als dreimal stündlich) auftreten und von einem Ziehen im unteren Rücken begleitet sind, so handelt es sich um vorzeitige Wehen. Die Mutter hat gleichzeitig das Gefühl, dass das Gewicht des Kindes sich nach unten drückt, manchmal sind die Signale einer Frühgeburt auch mit Blutungen verbunden.
 
Ein weiteres Anzeichen ist ein vorzeitiger Blasensprung und/oder eine zu frühe Gebärmutterhalsverkürzung bei gleichzeitigem Erweichen und Erweiterung des Muttermundes (Zervixinsuffizienz). Kontaktiere am besten gleich Deinen Arzt, wenn Du erste Anzeichen für eine Frühgeburt bemerkst, und lass Dich untersuchen.
 

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es für eine Frühgeburt?

Da die Ursachen vielfältig sind, sind sie bei mehr als 40 Prozent der Frühgeburten unklar. Experten vermuten jedoch, dass es sich dabei um ein multifaktorielles Geschehen handelt, das durch gewisse Risikofaktoren begünstigt wird.
 
Zu den Risikofaktoren, die mit dem mütterlichen Körper zusammenhängen, gehören Allgemeinerkrankungen wie zum Beispiel (Scheiden-)Infektionen oder hormonelle Erkrankungen, Fehlbildungen der Gebärmutter oder Wucherungen (Myome) der Gebärmuttermuskelschicht sowie schwangerschaftsbedingte Erkrankungen wie Bluthochdruck, Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes. Auch eine Leistungsschwäche des Mutterkuchens (Plazentainsuffizienz), das mütterliche Alter (unter 20 oder über 35 Jahre) und vorangegangene Fehlgeburten sind mögliche Ursachen.
 
Außerdem spielen sozial oder wirtschaftlich schwierige Verhältnisse, psychische Belastung sowie ein hoher Nikotin- oder Alkoholkonsum eine ausschlaggebende Rolle. Die Ursachen vom Kind aus sind unter anderem Mangelentwicklung, Chromosomenstörungen, Fehlbildungen sowie eine Mehrlingsschwangerschaft.
 

Wie kann ich einer Frühgeburt vorbeugen?

Werdende Mütter können das Risiko für eine Frühgeburt senken, wenn sie auf Alkohol und Nikotin verzichten, Unter- und Übergewicht sowie psychisch und physisch belastende Situationen vermeiden. Da in manchen Fällen der berufliche Alltag der Schwangeren eine hohe Belastung darstellt, kann der Arzt vorsorglich ein reduziertes Pensum bis hin zum Beschäftigungsverbot anordnen. Darüber hinaus sind regelmäßige ärztliche Untersuchungen immens wichtig, da diese die Gefahr einer Frühgeburt verringern.
 

Wie erfolgt die Behandlung einer drohenden Frühgeburt?

Kommt es zu einer Frühgeburt und den damit verbundenen vorzeitigen Wehen, so behandelt sie der Arzt mit sogenannten Tokolytika (Wehenhemmer). Dadurch gewinnt er Zeit und kann der Mutter zusätzlich Kortison verabreichen, welches die Lungenreife des Kindes unterstützt.
 
Im Falle eines vorzeitigen Blasensprungs wägt der Arzt die Gefahren einer Infektion und das Risiko einer Frühgeburt ab. Besteht die Möglichkeit die Schwangerschaft noch aufrechtzuerhalten, so versucht der Arzt die Geburt hinauszuzögern, denn dadurch kann sich das Kind noch länger im Mutterleib weiterentwickeln. Von welchen medizinischen Maßnahmen er dabei Gebrauch macht, hängt von der Schwangerschaftswoche und den möglichen Risiken für Mutter und Kind ab.
 
Vorsorglich verschreibt der Arzt gegen potenzielle Infektionen wirkende Antibiotika. Besteht jedoch durch eine Aufrechterhaltung der Schwangerschaft Gefahr für Mutter und Kind, zum Beispiel wenn die Mutter Fieber hat, so leitet der Arzt die Geburt rasch ein.
 

Wie ist der Ablauf einer Frühgeburt?

Wenn das Aufhalten einer Frühgeburt nicht mehr möglich ist, dann leitet der Arzt die Entbindung ein. Ob die Entbindung vaginal oder per Kaiserschnitt abläuft, entscheidet er je nach Schwangerschaftsdauer und der Lage des Kindes. Kommt es zu einer vaginalen Entbindung, so führt der Arzt häufig einen Dammschnitt durch, um den noch sehr weichen Kopf des Kindes vor zu starkem Druck zu schützen.
 
Generell gilt, dass alle Frühgeburten vor der 34. Schwangerschaftswoche in einem Perinatalzentrum stattfinden, denn das dortige Personal ist explizit auf die Entbindung und Betreuung von Frühchen spezialisiert.

Nach einer Frühgeburt werden die Frühchen in einen Brutkasten gelegt, der die Entwicklung des Kindes begünstigt.

Wie gestaltet sich die Zeit nach einer frühzeitigen Geburt?

Nach der Geburt legt das medizinische Personal das Frühgeborene rasch in einen Brutkasten auf der Intensivstation. Im Brutkasten sind Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Sauerstoffgehalt so geregelt, dass sich das Kind bestmöglich entwickeln kann. Das Baby ist außerdem an viele Geräte angeschlossen, welche die Atmung und den Herzschlag überwachen. Benötigt das Frühgeborene irgendwelche Medikamente, zum Beispiel gegen Atemprobleme, so kriegt es diese per Infusion. Über eine Magensonde erhält es alle nötigen Nährstoffe, da es häufig noch nicht selbst trinken kann.
 
Da die meisten Organe des Kindes noch unterentwickelt sind, muss der Arzt das Frühgeborene auf mögliche Risiken untersuchen. Dazu gehören Unreife der Atmung, des Zentralen Nervensystems, der Augen, der Haut, der Nieren und des Darmes. Nach Bedarf kann ein Frühgeborenes eine Behandlung gegen Atemprobleme, Antibiotika für Infektionen, Bluttransfusionen für eine Anämie oder eine Laseroperation wegen einer Augenkrankheit erhalten. Darüber hinaus führt der Arzt aufgrund von Herzproblemen manchmal besondere Bildgebungsverfahren wie etwa eine Echokardiographie durch.
 
Prinzipiell werden alle Frühgeburten erst dann aus dem Krankenhaus entlassen, wenn sie selbstständig atmen, über den Mund gefüttert werden können, eine normale Körpertemperatur aufrechterhalten können und an Gewicht (um die 2 Kilogramm) zugenommen haben. Nach der Entlassung überwachen die Ärzte das Kind im Rahmen von regelmäßigen Untersuchungen auch weiterhin auf Entwicklungsstörungen und ordnen bei Bedarf eine Physio-, Ergo- oder logopädische Therapie an.
 

Wie können Eltern ihrem Frühchen helfen?

Die meisten Eltern fühlen sich hilflos und haben Angst, wenn ihr Baby noch im Brutkasten liegen muss. Dennoch können sie viel machen, um zur gesunden Entwicklung ihres Kindes beizutragen. Eltern sollten ihr Frühgeborenes so oft wie möglich besuchen und ihm liebevolle Zuwendung zeigen.
 
Durch die sogenannten Känguru-Methode können Eltern eine besonders emotionale Bindung zu ihrem Baby aufbauen und so die frühe „Trennung“ ein wenig ausgleichen. Dabei legt die Mutter oder der Vater sich das nur in einer Windel bekleidete Kind auf die nackte Brust. Das Kind hört ihren Herzschlag, ihre Stimmen, riecht ihre Haut und fühlt sich geborgen.
 

Welche Komplikationen können bei einer Frühgeburt auftreten?

Die Organsysteme des Kindes sind bei einer Frühgeburt noch unterentwickelt, was zu Komplikationen führen kann. Bei einer unreifen Lunge kann es zu Funktionsstörungen wie dem Atemnotsyndrom kommen, das zu Atempausen oder vollständigen Atemaussetzern von 20 Sekunden oder länger (=Frühgeborenenapnoe) oder sogar Atemnot führt. Frühchen sind anfälliger für Infekte, sowohl bakterieller als auch viraler Herkunft. Auch die Blutgefäße sind noch nicht vollständig ausgereift und sind sehr dünn. Daher können in einigen Fällen Gehirn- oder andere Blutungen auftreten.
 
Ein unterentwickelter Verdauungstrakt führt zu Komplikationen wie häufigem Ausspucken der Nahrung (Reflux), schlechter Verdauung der zugeführten Muttermilch oder Säuglingsnahrung sowie Problemen mit dem Saug- und Schluckreflex. Frühgeborene neigen außerdem zur Hyperbilirubinämie. Dabei kann die Leber des betroffenen Kindes das Bilirubin (=gelber Gallenfarbstoff) nur langsam aus dem Blut filtern. Das hat zur Folge, dass sich das gelbe Pigment ansammelt und eine Gelbsucht verursacht. Diese hat in der Regel jedoch einen leichten Verlauf und bildet sich von selbst zurück.
 
Weiters weisen Frühgeborene unterentwickelte Nieren auf, die den Salzgehalt, die Elektrolyte sowie den Wasserhaushalt schlecht selber regulieren können. Dies führt zu Wachstumsdefiziten und einer Säureansammlung im Blut (metabolische Azidose).
 
Darüber hinaus haben frühgeborene Kinder unterentwickelte Augen (Frühgeborenen-Retinopathie, Schielen, Kurzsichtigkeit, schlimmstenfalls Erblindung), Schwierigkeiten bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels (Unterzuckerung oder zu hoher Blutzuckerspiegel) und der Temperatur (Hypothermie – rascher Abfall der Körpertemperatur) sowie Probleme mit dem Herzen (offenes Blutgefäß – Persistierender Ductus Arteriosus PDA).
 

Wie hoch ist die Überlebenschance bei einer Frühgeburt?

Bei einer Frühgeburt ab der 24. Schwangerschaftswoche haben Babys heutzutage dank der intensivmedizinischen Betreuung bereits weitaus bessere Überlebenschancen. Ab der 28. Woche liegen diese bereits bei 95 Prozent. Obwohl sie zu früh auf die Welt gekommen sind, entwickeln sich die meisten Frühchen zu gesunden Kindern und Erwachsenen.
 
Je unreifer ein Kind bei der Geburt ist, desto höher ist das Risiko, dass es bleibende Beeinträchtigungen davonträgt. Mäßig frühe Frühgeborene (zwischen 32. und 37. SSW) holen in ihrer Entwicklung meist schnell auf. Sehr früh Geborene (zwischen 28. Und 31. SSW) liegen in ihrer Entwicklung meist noch über Jahre zurück, schließen jedoch meist irgendwann auf. Extrem unreife Frühgeborene entwickeln sich jedoch nur selten völlig gesund.
 

Wie ist der Mutterschutz bei einer Frühgeburt geregelt?

Der Mutterschutz dient zum Schutz der Gesundheit der schwangeren und stillenden Mutter sowie ihres Kindes. Dabei ermöglicht er die Fortführung ihrer Erwerbstätigkeit, schützt sie vor einer unberechtigten Kündigung und sichert ein Einkommen in der Zeit, in der eine Beschäftigung verboten ist.
 
In Österreich darfst Du im Normalfall in den letzten acht Wochen vor dem Entbindungstermin nicht mehr arbeiten, es gilt eine sogenannte Schutzfrist. Sollte Gefahr für Dich oder Dein Kind bestehen, so können Dich Dein Arbeitgeber sowie ein Facharzt früher freistellen. Im Falle einer Frühgeburt verlängert sich diese Schutzfrist. Der Mutterschutz nach der Entbindung dauert acht Wochen. Solltest Du jedoch eine Frühgeburt haben, verlängert sich der Schutz nach der Entbindung auf mindestens zwölf Wochen.
 
Auch in Deutschland gilt die Schutzfrist nach der Entbindung. Diese dauert im Normalfall acht Wochen, wird jedoch auf zwölf Wochen verlängert, wenn Du eine Frühgeburt hast.
 
In der Schweiz fängt der Mutterschutz normalerweise erst mit der Geburt des Kindes an. Wenn Du jedoch eine Frühgeburt hast und Dein Frühchen mindestens drei Wochen im Krankenhaus bleiben muss, kannst Du einen Aufschub der Mutterschaftsentschädigung beantragen. Wird der Antrag bewilligt, so fängt der bezahlte 14-wöchige Mutterschaftsurlaub erst an dem Tag an, an welchem Dein Kind mit Dir nach Hause geht.

Eine Frühgeburt bedeutet für jedes einzelne Familienmitglied eine große Herausforderung.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für zusätzliche Untersuchungen und Behandlungen bei einer Frühgeburt?

Deine Krankenkasse übernimmt die Kosten für alle Untersuchungen, Behandlungen sowie die Betreuung nach der Entlassung aus der Krankenanstalt. Sie finanziert einen täglichen Hebammen-Hausbesuch ab dem Tag der Entlassung bis zum sechsten Tag nach der Geburt. Darüber hinaus erhältst Du von der Krankenkasse während des Mutterschutzes Wochengeld.


Dauer Dauer

-

Ausfallzeit Ausfallzeit

-

Stationärer Aufenthalt Stationär

-

Das Wichtigste zusammengefasst

Ein Kind gilt als Frühgeburt, wenn es noch vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommt.


Mediziner unterscheiden zwischen mäßig frühen (unter 2500 Gramm Geburtsgewicht, zwischen 32. und 37. SSW), sehr frühen (unter 1500 Gramm Geburtsgewicht, zwischen 28. und 31. SSW) und extrem frühen Frühgeborenen (unter 1000 Gramm Geburtsgewicht, noch vor der 28. SSW).


Fünf bis zehn Prozent aller Geburten sind Frühgeburten.


Die Krankenkasse übernimmt im Rahmen des Mutterschutzes die Kosten für alle (Nach-)Untersuchungen und Behandlungen, die mit der Frühgeburt zusammenhängen.

Anfrage Stellen