Blasenentzündung (Cystitis)

Vielen Frauen ist das unangenehme Gefühl einer Blasenentzündung kein unbekanntes. Es zieht in der Beckengegend, man muss dauernd auf Toilette, doch viel Urin kommt nicht. Und wenn etwas kommt, brennt und sticht es dabei. Eine Blasenentzündung tritt in unterschiedlicher Intensität auf und hält unterschiedlich lange an. Manchmal fühlt es sich nur leicht unangenehm an, manchmal kann man an gar nichts anderes mehr denken, als an den nächsten Gang zur Toilette. Was uns, vor allem in den nass-kalten Monaten des Jahres, plagt, ist zwar unangenehm und stößt nicht immer auf vollstes Verständnis, stellt aber erst mal keine bedrohliche Erkrankung dar. Denn in vielen Fällen regelt der Körper die Situation für sich. Was Du tun kannst, um ihn dabei zu unterstützen und was es sonst über den verbreiteten Harnwegsinfekt zu wissen gibt, findest Du hier zusammengefasst.


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Zuletzt aktualisiert: 4. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Blasenentzündung (Cystitis)?

Ein Harnwegsinfekt ist eine durch Bakterien verursachte Entzündung der Schleimhaut oder der kompletten Wand der unteren Harnwege und vor allem der Harnblase. Dabei gelangen Bakterien, meist über die Harnröhre, in die Harnblase und vermehren sich dort stark, was eine Reaktion des Körpers am betroffenen Gewebe auslöst.
 
Es kommt zu einer Entzündung mit typischen Beschwerden, wie Brennen beim Wasserlassen, unangenehmen Gefühl in der Beckengegend und ständiger Harndrang.
In den allermeisten Fällen ist eine solche Blasenentzündung harmlos und verschwindet innerhalb weniger Wochen von selbst.
 
Junge sowie postmenopausale Frauen sind besonders häufig betroffen, wobei Frauen im Allgemeinen ein erhöhtes Vorkommen der Blaseninfektion verbuchen. Männer sind häufig erst in höherem Alter aufgrund der sehr häufig vorkommenden gutartigen Prostatavergrößerung betroffen.
 
Einer der bekannten, prämenopausalen Risikofaktoren ist der Geschlechtsverkehr, durch den Bakterien besonders leicht in die Harnwege geraten können. Die Blasenentzündung ist eine der häufigsten bakteriellen Infektionen, mit der viele Frauen oft mehrmals im Jahr zu kämpfen haben.

Eine Blasenentzündung kann durch viel trinken (vor allem Tee) gelindert werden.

Welche Ursachen hat eine Blasenentzündung?

In den meisten Fällen erfolgt die Entzündung der Harnblase durch eine aufsteigende (aszendierende) Infektion. Der häufigste Auslöser für akute Harnwegsinfekte sind Bakterien der Art Escherichia coli (E. coli), welche ein natürlicher Teil der Darmflora sind und, beispielsweise durch Geschlechtsverkehr, vom Darmausgang in die Harnröhre verschleppt werden.
 
Dort kommen sie normalerweise nicht vor und besitzen einen Krankheitswert. Von der Harnröhre gelangen die Bakterien in die Blase, vermehren sich dort schnell und lösen eine Entzündungsreaktion des Gewebes hervor. In seltenen Fällen kann eine Entzündung auch in den Nieren beginnen und sich von dort ausbreiten.

Was sind die Symptome einer Blasenentzündung?

Oft treten bei einer einfachen Blasenentzündung, welche auf den unteren Harntrakt beschränkt ist, nur leichte Beschwerden auf. Klassische und oft einzige Anzeichen sind häufiger Harndrang in kleinen Mengen (Pollakisurie) und Schmerzen/Ziehen beim Wasserlassen (Dysurie).
 
Seltener, aber trotzdem mit einer Blasenentzündung möglicherweise einhergehende Symptome sind ein vermehrt nächtlicher Harndrang (Nykturie), Schmerzen in der Blasengegend, eventuell Blut im Urin (Hämaturie) oder ein stark riechender, trüber Urin.
 
Wenn sich die Entzündung auch auf die oberen Harnwege ausbreitet, kann sich die Entzündungsreaktion verstärken und auf andere Organe wie die Niere ausweiten. In dem Fall kann es zusätzlich zu Rücken- und Flankenschmerzen, Schmerzen in der Nierengegend und Fieber kommen, das bei einer unkomplizierten Blasenentzündung nie auftritt.

Wer ist am häufigsten von einer Blasenentzündung betroffen?

Über Blasenentzündung klagen vor allem Kinder und sexuell aktive Frauen, sowie Frauen während oder nach den Wechseljahren. Auch Männer im fortgeschrittenen Lebensalter sind häufiger betroffen, oftmals im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sowie Menschen mit einer medikamentös herabgesetzten Abwehrschwäche sind besonders gefährdet.
 
Das erhöhte Vorkommen einer Blasenentzündung bei sexuell aktiven Frauen lässt sich auf eine, im Gegensatz zu Männern, kürzere Harnröhre zurückführen. Dadurch müssen Bakterien auf ihrem Weg zur Harnblase quasi einen kürzeren Weg zurücklegen.
 
Außerdem liegen bei Frauen die äußere Harnröhrenöffnung und die Analregion, in welcher die häufig Entzündung auslösenden Coli Bakterien beheimatet sind, näher beieinander als bei Männern.
 
Frauen während der Menopause gehören ebenfalls zur Risikogruppe, da durch die Hormonumstellung, und vor allem wegen eines Abfalls des Östrogenspiegels, die Schleimhaut der Harnröhre dünner wird und so eingeschleppte Keime leichter in die Harnblase vordringen können.
 
Häufiger Geschlechtsverkehr ist aufgrund der mechanischen Irritation der Vagina ein Risikofaktor für Frauen, weshalb die Blasenentzündung den Beinamen „Flitterwochen-Zystitis“ oder „Flitterwochenkrankheit“ trägt.
Während der Schwangerschaft sind Frauen besonders gefährdet. Dies liegt zum einen an der Umstellung des Hormonhaushaltes, zum anderen an einem durch die wachsende Gebärmutter verursachten Druck auf die Harnröhre.
 
Bei Männern im fortgeschrittenen Alter ist die Ursache einer Blasenentzündung häufig eine gutartige Vergrößerung der Prostata und damit einhergehend eine Verengung der Harnröhre, wodurch der Urin nicht mehr richtig abfließen kann und sich Bakterien leichter vermehren.

Eine Blasenentzündung kann auch chronisch werden, dann hilft nur mehr die Einnahme von Antibiotika.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Blasenentzündung?

Für eine genaue Diagnose wird zunächst der Urin untersucht. Meistens wird dazu Mittelstrahlharn herangezogen, das bedeutet, dass der Urinstrahl in der Mitte des Wasserlassens abgefangen wird und nicht direkt am Anfang oder am Ende (wichtig Genitalien gut vorher reinigen, um eine Verunreinigung zu vermeiden).
Mithilfe eines Urinteststreifens wird analysiert, ob Entzündungszeichen, wie weiße Blutkörperchen (Leukozyten), Abfallprodukte von Bakterien (Nitrit), Blutbeimengungen, vermehrte Schleimbildung, sowie rote Blutkörperchen (Erythrozyten) im Harn sind.
 
Noch genauer als der Streifentest ist eine mikroskopische Analyse im Labor, bei der der Urin und darin enthaltene Teilchen eingehender untersucht werden können. Eine Urinkultur dient zur genauen Bestimmung des Erregers sowie der Keimzahl und zur Erstellung eines Antibiogramms, damit eine gezielte Antibiotikatherapie gegeben werden kann.
 
Eine Blutuntersuchung mit Bestimmung der Infektparameter (Leukozyten und CRP) wird nur zur Diagnose herangezogen bei dringlichem Verdacht auf eine Nierenbeteiligung (Pyelonephritis), dann kann auch eine Ultraschalluntersuchung der Harnblase und Niere erfolgen.
 
Vermutet man eine chronische Blasenentzündung, kann zur Ermittlung der Ursachen eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) mit gleichzeitigen Gewebeproben und eine Ausscheidungsurographie zur Beurteilung der Abflusswege durchgeführt werden.

Wie wird eine Blasenentzündung behandelt?

Da eine einmalig auftretende Blasenentzündung keine bedrohliche Erkrankung darstellt, meist unkompliziert verläuft und in der Regel innerhalb weniger Wochen von selbst ausheilt, wird nicht immer eine aktive Therapie eingeleitet.
 
Die Behandlung zielt hauptsächlich auf die raschere Linderung der Symptome ab. Häufig wird auch ein Antibiotikum, beispielsweise Fosfomycin oder Nitrofurantoin verschrieben, welches jedoch nicht leichtfertig genommen werden sollte.
 
Du solltest also zusammen mit deinem Arzt abwägen, wie belastend Deine Symptome sind und auf Antibiotika erst zurückgreifen, wenn ein selbstständiges Ausheilen zu unangenehm für Dich wäre.
 
Eine symptomatische Schmerztherapie mit nichtsteroidalen- Antirheumatika wie Ibuprofen und krampflösenden Medikamente wie Buscopan oder Spasmo-Urgenin kann unterstützend ebenfalls eingenommen werden.
 
Zusätzlich wird empfohlen, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und regelmäßig auf Toilette zu gehen. Auch lokale Wärme, zum Beispiel mittels Wärmflasche, zeigt Wirkung.

Was kann ich selbst tun?

Als wichtigste Vorbeugung gegen eine Blasenentzündung und als allgemeine Hygienemaßnahme, sollten Frauen nach dem Geschlechtsverkehr immer auf Toilette gehen, damit verschleppte und in die Harnröhre oder in deren Nähe gelangte Bakterien sofort ausgespült werden.
 
Hilfreich ist auch die Vermeidung von Unterkühlung. Du solltest darauf achten, dass Du Dich stets warm hältst, zum Beispiel durch Kleidung, die Unterleib, Nierenbereich und die Füße warm hält. Nässe und Kälte solltest Du vermeiden, verzichte darauf, Dich längere Zeit auf einen kalten Untergrund zu setzen.
 
Das A und O ist hier auch eine angemessene Intimhygiene. Achte darauf, den Intimbereich regelmäßig aber nicht zu aggressiv zu reinigen. Seife beispielsweise sollte nicht direkt in den Intimbereich gelangen, da diese den pH-Wert irritiert. Auch Intimspülungen und parfümierte Bodylotion haben im Genitalbereich nichts verloren.
 
Es sollte immer frische Unterwäsche getragen werden, am besten aus Baumwolle.
Viel trinken, vor allem von Fruchtsäften (der Favorit ist hier Cranberrysaft) und häufiges Wasserlassen führen zu einem verdünnten Urin und einem gründlich gespülten Harntrakt.
 
Bei häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen stehen verschiedene pflanzliche Therapeutika mit unter anderem Mannose. Ebenso können Präparate mit Senföl, Kapuzinerkresse und Meerrettich erfolgreich bei der unkomplizierten und der häufig wiederkehrenden Blasenentzündung eingesetzt werden.
 
In besonders schweren Fällen von wiederkehrenden Blasenentzündungen stehen auch Impfstoffe mit abgeschwächten Erregern wie Urovaxom zum Schlucken und Strovac zum Injizieren zur Verfügung.
 
Zudem kann lokale Wärme etwa durch Wärmflaschen, warme Umschläge oder Sitzbäder zugefügt werden. Falls es bei Dir bereits brennt und Anzeichen einer Entzündung vorliegen, solltest Du vorübergehend auf Kaffee und Alkohol, sowie auf Zitrussäfte verzichten.

Eine Blasenentzündung kann durch das Einnehmen von Cranberries gelindert werden.

Welche Folgen kann eine Blasenentzündung haben?

Eine unbehandelte Blasenentzündung kann in vielen Fällen etwas länger andauern, als ein mit Antibiotika therapierter Infekt. In seltenen Fällen können die Erreger von der Harnblase in die Nieren aufsteigen und dort zu einer Nierenbeckenentzündung führen, was eine ernsthafte Erkrankung darstellt.
 
Unter Umständen kann eine Blasenentzündung auch chronisch werden, das bedeutet, sie kehrt dauernd wieder oder heilt nie richtig aus. In diesem Fall kann der Harnwegsinfekt Dein Immunsystem schwächen.
 
Bei Verdacht auf eine (schwere) Blasenentzündung oder Fieber, empfiehlt sich also der Weg zum Arzt, um dort abklären zu lassen, welche Maßnahmen angemessen sind.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten für den Arztbesuch und die Diagnosestellung werden von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Sollte Dir der Arzt ein Antibiotikum verschreiben, wird auch dieses in der Regel von der Krankenversicherung abgedeckt. Andere Hilfsmittel zur Vorbeugung oder Eigenbehandlung (warme Wickel, Schmerzmittel etc.) werden normalerweise nicht übernommen.
 
Bei Fragen zu diesem oder einem anderen medizinischen Thema steht Dir unser Forum zur Verfügung. Hier kannst Du Dich mit anderen Mitgliedern austauschen und unsere Ärzte kontaktieren!


Dauer Dauer

Je nach Schweregrad

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Ein Harnwegsinfekt ist eine durch Bakterien verursachte Entzündung der Schleimhaut oder der kompletten Wand der unteren Harnwege und vor allem der Harnblase und entsteht, wenn Bakterien in die Harnröhre gelangen.


Typische Symptome sind Brennen beim Wasserlassen und starker Harndrang auch bei kleinen Mengen an Urin.


Frauen sind aufgrund ihrer anatomischen Eigenschaften, wie einer kürzeren Harnröhre und einem geringen Abstand zwischen Darmausgang und Harnöffnung, häufiger von einem Harnwegsinfekt betroffen als Männer.-


Zur Vorbeugung empfiehlt sich der Toilettengang nach jedem Geschlechtsverkehr, eine gewissenhafte aber pH-Wert freundliche Intimpflege, das Warmhalten der Beckengegend und häufiges Trinken, vor allem von Säften mit Beeren.

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