Gestose (Schwangerschaftsvergiftung)

Unter einer Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung wird eine Reihe von schwangerschaftsbedingten Krankheiten zusammengefasst. Ursächlich ist eine Anpassungsstörung des Körpers an die Veränderungen während der Schwangerschaft. Häufige Beschwerden sind Kopfschmerzen, Augenbeschwerden, Übelkeit oder Bauchschmerzen. Die Gestose tritt frühestens in der 20. Schwangerschaftswoche ein und kann unter anderem mit blutdrucksenkenden Mitteln behandelt werden. Bei schweren Verläufen kann die Krankheit jedoch zu einer Frühgeburt oder im schlimmsten Fall sogar zum Tod der Mutter und des Kindes führen.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Gestose?

Die Medizin versteht unter einer Gestose eine Krankheit, die durch die Veränderungen im Körper während einer Schwangerschaft ausgelöst wird. Fälschlicherweise gingen Ärzte früher davon aus, dass es sich bei dieser Erkrankung um eine Vergiftung handelt, weshalb sie die Krankheit als Schwangerschaftsvergiftung bezeichneten. Dieser Begriff ist heutzutage aufgrund neuester Ursachenforschung veraltet. Heute verwenden Mediziner neben dem Terminus der Gestose auch den Ausdruck der Präeklampsie, die je nach Erscheinungsbild und Verlauf wiederum andere Bezeichnungen erhält.
 
Grundsätzlich unterscheiden Ärzte zwischen einer Frühgestose, wie zum Beispiel der morgendlichen Übelkeit zwischen zweitem und viertem Schwangerschaftsmonat und Spätgestosen, die nach dem 20. Schwangerschaftsmonat eintreten können.
 
Die Spätgestosen zeichnen sich durch einen zu hohen Blutdruck aus, unterscheiden sich aber in ihrer restlichen Symptomatik. So leiden Betroffene einer Präeklampsie auch an einem Eiweißverlust über den Urin, medizinisch Proteinurie genannt, und an Wasseransammlungen (Ödeme).

Getose in der Schwangerschaft

Welche Formen von Gestose werden unterschieden?

Grundsätzlich unterscheiden Ärzte zwischen einer Früh- und einer Spätgestose. Die Frühgestose tritt im ersten Drittel der Schwangerschaft auf und umfasst vor allem Symptome wie Übelkeit und Erbrechen, welche aber meist um die 12. Schwangerschaftswoche wieder verschwinden und keine Auswirkungen auf Mutter und Kind haben.
 
Gefährlicher sind die Spätgestosen, die im letzten Drittel der Schwangerschaft auftauchen und je nach Verlauf unterschiedliche Auswirkungen haben können. Dazu zählen:
 

  • Präeklampsie (EPH-Gestose):Die Präeklampsie kennzeichnet sich durch drei messbare Symptome: Wassereinlagerungen oder Ödeme, die sich in Form von geschwollenen Beinen zeigen, durch Proteinurie, das sind Eiweißausscheidungen im Urin und durch Bluthochdruck oder Hypertonie.
  • Eklampsie: Eine Eklampsie zeigt sich durch einen besonders schweren Verlauf, bei dem es zu Krampfanfällen bis zur Ohnmacht der Mutter kommen kann. Die Krämpfe haben keine neurologischen Ursachen. Vor allem bei Erstgebärenden und Mehrlingsschwangerschaften kann es zu dieser Form der Gestose kommen. Als Komplikationen können zudem lebensbedrohliche Thrombosen, Hirnödeme sowie akutes Nierenversagen auftreten. Nach der Geburt stabilisiert sich der Zustand der Mutter recht schnell, wobei es in seltenen Fällen zu einem Organschaden kommen kann.
  • HELLP-Syndrom:Diese Form ist besonders schwer zu erkennen und kann dadurch recht schnell zum Tod führen, da die Blutgerinnung und die Leberfunktion gestört sind. Hämolyse (Zellzerfall), erhöhte Leberwerte (Elevated Liver Enzyms) Typische und erniedrigte Blutplättchen (Low Platelets). Typische Symptome sind starke Oberbauchschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen. Doch auch hier gilt, dass die Beschwerden nach der Geburt rasch abnehmen und sich der Zustand der Mutter normalisiert.
  • Pfropf-Gestose:Davon sprechen Ärzte, wenn die Frau vor der Schwangerschaft schon an Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder einer Nierenerkrankung litt und zusätzlich dazu in der Schwangerschaft eine Gestose ausbildet.

Was sind die Symptome einer Gestose?

Zu den ersten Anzeichen einer Gestose können zählen Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen, Bluthochdruck, eine erhöhte Ausscheidung von Eiweiß über den Urin, eventuell eine verminderte Urinmenge trotz normaler Flüssigkeitsaufnahme, plötzliche starke Gewichtszunahme, Sehstörungen und Wassereinlagerungen.
 
Hinzu können bei schwereren Verläufen Krampfanfälle, Kopfschmerzen und Schmerzen im rechten Oberbauch hinzukommen. Bleibt die Krankheit lang unentdeckt, kann es zudem zu Organschäden der Galle, Leber und Haut kommen. Auch das Blut, die Nerven und die Gelenke können von den Auswirkungen der Erkrankung betroffen sein.

Es gibt zahlreiche Faktoren, die die Entstehung einer Gestose begünstigen.

Welche Ursachen hat eine Gestose?

Die genauen Ursachen einer Gestose konnten bis heute nicht festgestellt werden, jedoch gehen Mediziner von einer gestörten Implantation des Trophoblasten (äußere Zellschicht der Fruchthöhle) aus, was zur Folge hat, dass die Blutgefäße in der Gebärmutterschleimhaut nicht so umgebaut und erweitert werden wie eigentlich in der Schwangerschaft notwendig (Verzehnfachung des Blutflusses in der Schwangerschaft).
 
Dabei kommt es zu einer Störung im Mutterkuchen, der sogenannten Plazenta, welche zu Veränderungen an den Blutgefäßen der Schwangeren führen (Endothelveränderungen) und deren Immunsystem aktiviert. Es bilden sich Wassereinlagerungen und die Blutgerinnung wird aktiviert, was zu einem erhöhten Blutdruck führt. Man kann hier auch von einer Form der mütterlichen Abwehr gegen den genetisch fremden Feten sprechen.
 
Neuere Studien weisen zudem auch auf eine veränderte Genexpression blutgefäßbildender (angiogener) Faktoren hin sowie auf Störungen im Hormonstoffwechsel des Gelbkörperhormons.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Gestose?

Es gibt zahlreiche Faktoren, die die Entstehung einer Gestose begünstigen. Frauen, die bereits an einer Gestose erkrankt waren oder Fälle in ihrer Familie verzeichnen, sind besonders gefährdet. Auch bereits vorhandene Blutgerinnungsstörungen oder erhöhter Blutdruck und Autoimmunerkrankungen, wie systemischer Lupus erythematodes oder Zuckerkrankheit, zählen zu den Risikofaktoren.
 
Frauen, die älter als 40 Jahre alt oder adipös sind, gehören ebenfalls zu der Risikogruppe. Bei Erkrankungen der Nieren, Mehrlingsschwangerschaften, bei einem großen Mutterkuchen oder Schwangerschaft in besonders jungen oder alten Jahren, besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko, an einer Gestose zu erkranken.

Wie ist der Krankheitsverlauf einer Gestose?

Die Verläufe einer Gestose unterscheiden sich in ihrem Schweregrad. Präeklampsie in etwa kann sich im weiteren Verlauf zu einer Eklampsie oder einem HELLP-Syndrom entwickeln, wobei eine Eklampsie auch ohne vorherige Symptome recht plötzlich entstehen und für die Mutter und das Kind lebensbedrohlich werden kann.
 
Doch vor allem für Mütter kann eine Gestose schwerwiegende Folgen haben. So kann eine Hirnblutung, Nierenversagen oder ein Leberriss drohen. Der Zustand des Ungeborenen kann durch eine vorzeitige Plazentalösung im Zuge eines HELLP-Syndroms kritisch werden. Auch das Wachstum kann sich aufgrund des Bluthochdrucks verzögern.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Gestose?

Bei Verdacht auf eine Gestose solltest Du ehestmöglich einen Frauenarzt aufsuchen. Dieser befragt Dich zu bestehenden oder vorangegangen Erkrankungen und eventuellen früheren Schwangerschaften sowie derzeitigen Beschwerden.
 
Danach misst er mindestens zweimal im Abstand von sechs Stunden beziehungsweise stündlich Deinen Blutdruck und überprüft Dein Gewicht. Eine rasche Gewichtszunahme kann auf Wassereinlagerungen hindeuten. Des Weiteren nimmt der Spezialist eine Urinprobe und kontrolliert dieses nach Eiweißbeständen.
 
Um die Leberwerte, Blutgerinnung, Nieren- und weiter Werte zu eruieren, nimmt Dir der Arzt Blut ab und untersucht es im Labor. Bei Verdacht auf eine Veränderung der Leber, kann der Arzt eine Ultraschalluntersuchung oder Magnetresonanztomografie anordnen.
 
Der Arzt führt im Normalfall auch eine Kardiotokografie, kurz CTG, durch, mit der er den Herzschlag des ungeborenen Kindes sowie die Wehen Tätigkeit überwachen kann. Eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über die Blutversorgung des Babys sowie dessen Wachstum geben.

Getose und die Blutversorgung des Babys

Wie wird eine Gestose behandelt?

Eine Gestose kann während der Schwangerschaft nicht geheilt werden. Deshalb gilt es, die Symptome zu bekämpfen und den Zustand der Mutter und des Kindes bis zur Geburt zu stabilisieren. Nach der Geburt verschwinden die Beschwerden im Normalfall wieder vollständig.
 
Im Grunde hängt die Art der Behandlung von der Form und vom Schweregrad der Erkrankung ab. Bei einer frühen Diagnose beziehungsweise einem leichten Verlauf reichen oft schon körperliche Schonung, Stressvermeidung oder Bettruhe aus, um einem schnellen Fortschreiten der Erkrankung vorzubeugen.
 
Wassereinlagerungen können durch Hochlagern der Beine, Tragen von Stützstrümpfen oder 37 °C warmen Bäder gemildert werden. In leichten Fällen können Schwangere zunächst ambulant versorgt werden, sollten in regelmäßigen Abständen, meistens einmal pro Woche zur Kontrolle zu ihrem Gynäkologen gehen. In schwereren Fällen findet die Behandlung stationär statt.
 
Im Krankenhaus überwacht der Arzt Deinen Blutdruck ständig und stellt Dich eventuell auf blutdrucksenkende Medikamente ein, um Komplikationen wie eine Hirnblutung zu verhindern. Diese musst Du bis etwa drei Monate nach der Geburt einnehmen, wobei die Dosis langsam reduziert wird. Zusätzlich bekommst Du hoch dosiertes Magnesium, um das Entstehen einer Eklampsie vorzubeugen.
 
Um das Ungeborene weiterhin zu beobachten, nehmen Ärzte regelmäßige CTGs vor. Sollte die Schwangere die 37. Schwangerschaftswoche bereits vollendet haben, wird in der Regel die Geburt eingeleitet, da das Baby außerhalb des Mutterleibs überlebensfähig ist. Zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche kann es zu einer Entbindung kommen, wenn der Zustand des Ungeborenen kritisch wird.
 
Bis zur 25. Schwangerschaftswoche bevorzugen Ärzte eine medikamentöse Therapie. Vor der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche müssen die Spezialisten individuell entscheiden, da die Entwicklung und hier im Speziellen die Lungenreifung des Babys noch nicht abgeschlossen ist. Sollte der gesundheitliche Zustand der Mutter eine frühzeitige Entbindung notwendig machen, spritzt ihr der Mediziner Glukokortikoid zum Beispiel Betamethason, um die Lungenreifung zu beschleunigen.
 
Bei einem HELLP-Syndrom ist jedoch die sofortige Entbindung meist durch einen Kaiserschnitt notwendig, da die Situation sonst sowohl für die Mutter als auch für das Kind lebensbedrohlich werden kann.

Kann ich einer Gestose vorbeugen?

Grundsätzlich solltest Du regelmäßig zu den Vorsorgeuntersuchungen bei Deinem Frauenarzt gehen, damit er eine Gestose oder andere Komplikationen frühzeitig feststellen und ihnen entgegenwirken kann. Dabei kontrolliert Dein Arzt regelmäßig Deinen Blutdruck und ab der 20. Schwangerschaftswoche den Eiweißgehalt in Deinem Urin. Sollte Dein Blutdruck zu hoch sein, kann eine Langzeit-Blutdruckmessung über 24 Stunden sinnvoll sein.
 
Solltest Du schon in einer früheren Schwangerschaft eine Präeklampsie gehabt haben, musst Du vorsorglich spätestens ab der 16. Schwangerschaftswoche bis zur 34. Schwangerschaftswoche Acetylsalicylsäure, also Aspirin, einnehmen, um das Risiko einer erneuten Erkrankung zu senken. Da auch eine Mangelernährung zu den eventuellen Ursachen einer Gestose zählt, solltest Du während einer Schwangerschaft keine Diät durchführen und auf eine gesunde Ernährung achten.

Meistens verschwinden die Symptome nach der Geburt vollständig.

Welche Folgen hat eine Gestose für Mutter und Kind?

Meistens verschwinden die Symptome nach der Geburt vollständig. Spätschäden für Mutter und Kind sind nur selten zu erwarten, jedoch ist deren medizinische Versorgung nach der Geburt sicherzustellen.
 
In Ausnahmefällen kann es jedoch zu Blutgerinnungsstörungen, Lebererkrankungen, Nierenversagen, Thrombosen, Netzhautschäden, einer Plazentainsuffizienz oder zu Wachstumsverzögerungen oder dem Absterben des Embryos kommen. Die Entwicklung einer Gestose ist bis zu 14 Tage nach der Geburt möglich, deshalb ist bei Symptomen wie Kopfschmerzen, Augenflimmern oder Oberbauchschmerzen nach der Geburt auch immer an eine Gestose zu denken.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen alle Kosten für notwendige Vorsorgeuntersuchungen und Untersuchungen im Verdachtsfall. Auch bei einem stationären Aufenthalt übernehmen die Krankenversicherungsanstalten die Behandlungskosten. Für die Unterbringung können Gebühren entstehen. Informationen dazu findest Du auf den jeweiligen Webseiten der Krankenhäuser. Falls Du einen Wahlarzt hinzuziehen möchtest, musst Du die Kosten selbst tragen und bekommst nach Einreichung bei Deinem Versicherungsträger Anteile zurück.


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keinte

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht nötig

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Gestose oder Präeklampsie gehört zu den Erkrankungen während der Schwangerschaft, die mit Bluthochdruck, Wasseransammlungen und Eiweißausscheidungen über den Urin einhergehen.


Die Medizin unterscheidet zwischen der Frühgestose und der Spätgestose.


Häufig macht die Gestose im Verlauf eine Geburtseinleitung notwendig. In seltenen Fällen kommt es zu schweren Komplikationen mit sofortiger Entbindung, die im schlimmsten Fall auch zum Tod von Mutter und Kind führen können.


Im Normalfall verschwinden die Beschwerden nach der Geburt. Manchmal sind ein Krankenhausaufenthalt und die Einnahme von Blutdrucksenkenden Medikamenten notwendig.

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