Zervixinsuffizienz (Muttermundschwäche)

Du bist schwanger und verspürst ein Druckgefühl in Deiner Scheide? Du hast Blutungen, Schmierblutungen oder unerklärliche Unterleibs- oder Rückenschmerzen? Diese Beschwerden können Symptome für eine frühzeitige Öffnung Deines Gebärmutterhalses (Zervixinsuffizienz) sein. Kannst Du all diese Symptome bei Dir beobachten, solltest Du einen Arzt aufsuchen und Dich durchchecken lassen.


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Zuletzt aktualisiert: 29. September, 2020



ICD-10-GM-2020 N88.3

Was versteht die Medizin unter einer Zervixinsuffizienz?

Eine Zervixinsuffizienz ist eine Schwäche und vorzeitige Öffnung des Gebärmutterhalses (Zervix) vor der 37. Schwangerschaftswoche. Die Zervixinsuffizienz kann eine Folge des Wachstums von Baby und Gebärmutter sein. Diese drücken stark auf Deinen Gebärmutterhals. Der Gebärmutterhals wird weicher und kürzer, wodurch sich Dein Muttermund während der Schwangerschaft früher öffnen kann und Du Dein Kind im schlimmsten Fall frühzeitig gebärst. Normalerweise ist die Zervix bis zum Beginn der Wehen fest verschlossen, um Gebärmutter und Kind vor Infektionen zu schützen.
 
Die Zervixinsuffizienz ist die Verkürzung und Öffnung des Gebärmutterhalses ohne Wehen, welche zur Entbindung des Kindes im zweiten Drittel der Schwangerschaft führen kann. Der Arzt – oder ein anderes medizinisches Personal – kann eine Zervixinsuffizienz erst feststellen, nachdem Du schwanger geworden bist. Am häufigsten tritt eine Gebärmutterhalsschwäche zwischen dem 4. und 6. Schwangerschaftsmonat auf. Somit ist das Risiko einer Frühgeburt erhöht. Rund ein Viertel aller Frühgeburten sind auf eine Zervixinsuffizienz zurückzuführen.

Was ist der Gebärmutterhals?

Der Gebärmutterhals ist die Öffnung Deiner Gebärmutter. Dieser befindet sich auf der „äußeren Seite“, also Richtung Geburtskanal. Der Gebärmutterhals (Zervix) spielt bei Schwangerschaft und Geburt eine zentrale Rolle. Er ist während Schwangerschaft und Geburt sehr fest verschlossen, um Dein Baby sicher in der Gebärmutter zu halten und Bakterien und Viren am Eindringen zu hindern. Gegen Ende der Schwangerschaft verkürzt sich die Zervix und beginnt sich zur Geburt immer weiter zu öffnen. Ist der Gebärmutterhals voll geöffnet, ist er etwa zehn Zentimeter breit.

Eine Zervixinsuffizienz ist eine häufige Ursache für Frühgeburten.

Was sind die Symptome einer Zervixinsuffizienz?

Frauen weisen sehr unterschiedliche Symptome für eine Zervixinsuffizienz auf, manchmal fehlen diese sogar gänzlich, sodass sie das Kind völlig überraschend vor dem eigentlichen Geburtstermin gebären. Bei manchen Frauen sind die Symptome allerdings deutlich früher zu erkennen.
 
Häufig auftretende Symptome sind ein Druckgefühl in der Scheide, Blutungen oder Schmierblutungen, unklare Unterleibs- oder Rückenschmerzen sowie Scheidenausfluss. Manche Frauen vernehmen menstruationsähnliche Schmerzen, einen Druck nach unten sowie ein Ziehen oberhalb des Schambeins oder im Rücken.
 
Erst bei den Vorsorgeuntersuchungen können Dein Arzt und Deine Hebamme feststellen, dass sich Dein Muttermund geöffnet hat. Die Länge Deines Gebärmutterhalses kann Deinem Arzt oder Deiner Hebamme Hinweise darauf geben, wie hoch das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt ist.

Welche Ursachen hat eine Zervixinsuffizienz?

Mediziner können die Frage, welche Faktoren eine Zervixschwäche verursachen, nicht eindeutig beantworten. Die Ursachen, warum sich der Muttermund vorzeitig verkürzt und/oder öffnet, sind vielseitig und nicht immer feststellbar. In den meisten Fällen ist die Ursache für eine Zervixinsuffizienz nicht bekannt.
 
Gelegentlich lässt sich dieser Defekt auf eine Operation, eine Komplikation am Muttermund bei früheren Schwangerschaften oder eine Infektion zurückführen. Körperliche Überanstrengung – zum Beispiel viel Heben und schweres Tragen – oder Stress während der Schwangerschaft können ebenfalls eine Zervixinsuffizienz bedingen. Auch Rauchen während der Schwangerschaft kann eine Zervixinsuffizienz hervorrufen.
 
Der Mediziner kann einen Verdacht auf eine Muttermundschwäche bei solchen Patientinnen äußern, die mindestens zwei Fehlgeburten nach der 15. Schwangerschaftswoche hatten. Es gibt allerdings bestimmte Faktoren, die das Risiko einer Zervixschwäche erhöhen. Beispielsweise kann eine zum Zeitpunkt der Geburt bestehende (angeborene) Bindegewebeerkrankung oder eine Verletzung des Gebärmutterhalses Auslöser sein.
 
Ebenfalls können ein Geburtsfehler der Gebärmutter – Fehlbildung der weiblichen Geschlechtsorgane – sowie vorangegangene Fehlgeburten im zweiten Schwangerschaftsdrittel das Risiko einer Zervixinsuffizienz erhöhen. Auch eine allgemeine Bindegewebsschwäche kann ein typischer Risikofaktor sein. Der Gebärmutterhals kann auch bei früheren Entbindungen verletzt worden sein. Mussten Ärzte ein größeres Gewebestück des Gebärmutterhalses zur Biopsie entnehmen (Konusbiopsie) oder Instrumente zur Weitung des Gebärmutterhalses verwenden, können Verletzungen entstanden sein.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Zervixinsuffizienz?

Der Arzt konnte eine Muttermundschwäche früher erst nach der ersten Fehl- oder Frühgeburt diagnostizieren. Zwar kann Dein Gynäkologe durch eine Tastuntersuchung während der Schwangerschaft eine Muttermundschwäche feststellen, allerdings gilt die transvaginale Ultraschalluntersuchung als die zuverlässigste Diagnosemethode. Der Mediziner führt diese durch, wenn er bei Dir den Verdacht auf eine Zervixinsuffizienz haben sollte.
 
Die transvaginale Ultraschalluntersuchung – kurz TVUS – ist eine Untersuchung, bei der der Mediziner einen Befund visuell darstellt, um Deine Vagina und die Strukturen, die sie umgeben, mithilfe einer Endosonografie zu untersuchen. Die Endosonografie ist eine Variante der Sonografie. Bei einer Sonografie wendet der Doktor einen Ultraschall für die Untersuchung von organischem Gewebe an.
 
Die Untersuchung erfolgt in Steinschnittlage, dabei liegst Du auf dem Rücken. Deine Beine sind im Hüftgelenk um circa 90° gebeugt, Deine Knie sind ebenfalls stark angewinkelt. Lege Deine Unterschenkel so auf Stützen, sodass sie etwa 50-60° voneinander abgespreizt sind. Der Doktor stülpt einen Operationshandschuh oder eine spezielle Gerätehülle über den Schallkopf. Er überstreicht den Schallkopf anschließend mit Gleitgel. Dies erleichtert es ihm, den Schallkopf in Deine Vagina einzuführen. Über den Monitor kann er Ultraschallbilder zeitsynchron sehen und beurteilen. Er kann auffällige Strukturen speichern, vermessen und zur Dokumentation ausdrucken.
 
Bei der Endosonografie führt der Doktor einen Schallkopf in Deinen Unterleib mithilfe eines Endoskops oder einer Sonde ein. Bei einem Endoskop handelt es sich um ein schlauch- und röhrenförmiges medizinisches Instrument zur Diagnostik und Therapie in Körperhöhlen und Hohlorganen.
 
Ab der 20. Schwangerschaftswoche misst Dein Frauenarzt die Länge Deines Gebärmutterhalses, die etwa 30-40 Millimeter betragen sollte. Ist sie bereits vor der 24. Schwangerschaftswoche unter 25 Millimeter verkürzt, erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt. Der Mediziner leitet eine vorbeugende Behandlung ein.
 
Obwohl Du die Zervixlänge selbst nicht messen kannst, kannst Du Deinen Gebärmutterhals abtasten. Achte während Deiner Schwangerschaft ganz besonders auf Hygiene, denn Du bist besonders anfällig für Infektionen! Fühlt sich Dein Gebärmutterhals hart an, sollte alles in Ordnung sein. Ist dein Gebärmutterhals allerdings weich, so kann dies auf eine Gebärmutterhalsschwäche hindeuten. Nun ist eine gynäkologische Untersuchung sinnvoll.
 
Dein Arzt fragt Dich nach den genauen Symptomen und Deiner Vorgeschichte. Er könnte folgende Fragen stellen:
 

  • Haben Sie Schmerzen? Wenn ja, seit wann und wie häufig treten diese auf?
  • Sind Ihnen andere Besonderheiten in der Schwangerschaft wie zum Beispiel vermehrte Kreuzschmerzen oder Unterleibsschmerzen aufgefallen?
  • Wie viele Schwangerschaften und Geburten hatten Sie bereits?
  • Hatten Sie früher bereits Fehlgeburten in einer späteren Schwangerschaft und hat sich der Muttermund dabei ohne Wehen schmerzfrei geöffnet?

 
Durch eine vaginale Untersuchung kann Dein Arzt nun feststellen, ob Du an einer Zervixinsuffizienz leidest. Bei Verdacht auf eine Zervixinsuffizienz führt er an Dir eine Ultraschalluntersuchung Deines Gebärmutterhalses durch. Bei einer Zervixinsuffizienz sind der verkürzte Gebärmutterhals und der im schlimmsten Fall schon leicht geöffnete Muttermund gut zu erkennen. Der Gebärmutterhalskanal kann dabei wie ein Trichter geformt sein. In vereinzelten Fällen kann die Fruchtblase bis in die Scheide vorfallen.

Leidest Du an einer Zervixinsuffizienz ist Bettruhe essenziell.

Wie behandelt der Arzt eine Zervixinsuffizienz?

Du musst eine Zervixinsuffizienz behandeln lassen, um eine drohende Frühgeburt zu verhindern. Droht diese bereits, so versucht der Arzt, die Schwangerschaft um mindestens 48 Stunden zu verlängern, um Zeit zu gewinnen und die Schwangere in ein Frühgeborenen-Spezialzentrum zu verlegen und um die Lungenreifung des Fötus mit Medikamenten zu beschleunigen.
 
Ist der Muttermund bereits geöffnet, die Wehen haben jedoch noch nicht eingesetzt, kann es in vielen Fällen helfen, wenn Du Dich körperlich schonst und eventuell sogar das Bett hütest. Mit regelmäßigen Messungen des pH-Werts in der Scheide kannst Du überprüfen, ob Du im „sauren“ Bereich liegst und so vor Infektionen geschützt bist. So kannst Du Scheideninfektionen vorbeugen.
 
Leidest Du bereits sehr früh in der Schwangerschaft an einer Muttermundschwäche, so kann Dein behandelnder Arzt Deinen Gebärmutterhals unter Narkose ungefähr im 4. Schwangerschaftsmonat mit einem Kunststoffbändchen (Cerclage) zunähen. Die Cerclage ist eine Verstärkung des Muttermundes mit nicht resorbierbarem Nahtmaterial. Dieses Verfahren nennt man „Muttermundverschluss“. Der Mediziner legt ein Kunststoffbändchen mit wenigen Stichen um Deinen Gebärmutterhals und zieht es anschließend wie einen Tabakbeutel zu. Er entfernt die Naht erst eine oder zwei Wochen vor dem Entbindungstermin.
 
In leichteren Fällen kann statt der Cerclage ein Cerclage-Pessar eingesetzt werden. Das Cerclage-Pessar ist ein Ring aus weichem Gummi, der ohne Narkose einfach über Deinen Muttermund gestreift wird. Hat der Arzt eine Cerclage bei Dir gelegt, solltest Du bis zur Entbindung keinen Geschlechtsverkehr mehr haben. Viele Experten raten nur Schwangeren, die bereits eine Früh- oder eine Spätgeburt hatten oder eine Zervixlänge von weniger als 25 mm haben, zu einer Cerclage. Bei einem bereits erweiterten Gebärmutterhals kann in manchen Fällen eine Notfall-Cerclage effektiv sein.

Was kann ich selbst bei einer Zervixinsuffizienz tun?

Die meisten Ärzte verschreiben Dir bei einer Zervixinsuffizienz keine Bettruhe, weil sich dadurch das Risiko von Thrombose und Muskelschwund erhöht. Kurze Spaziergänge und leichtes Yoga sind sehr gut für Dich. Du solltest allerdings Stress vermeiden und Deinen Körper schonen. Daher solltest Du eine Zeit lang auf Sport und Sex verzichten. Liegen sollte den Großteil Deines Tages ausmachen, denn Liegen hält den Druck auf Deinen Gebärmutterhals gering. Besonders gut ist es, wenn Du dabei Deine Füße hoch lagerst.

Was muss ich bei einer Zervixinsuffizienz sonst noch beachten?

In den meisten Fällen kannst Du nicht spüren, wenn sich Deine Zervix öffnet und verkürzt. Weil die Gebärmutterhalsschwäche häufig keine Symptome hat, ist sie schwer zu erkennen. Frauenärzte empfehlen allerdings bei erhöhtem Risiko Folgendes:
 

  • Vermeide Stress
  • Schone Deinen Körper
  • Treibe keinen Sport
  • Verzichte auf Geschlechtsverkehr
  • Leg dich nieder (dadurch hältst Du den Druck auf Deine Gebärmutter gering) und lagere dabei Deine Füße hoch.
  • Mach kurze Spaziergänge oder sehr leichtes Yoga

Auch kurze Spaziergänge und Yoga können bei einer Zervixinsuffizient helfen.

Welche Folgen hat eine Zervixinsuffizienz für Betroffene?

Eine Zervixinsuffizienz kann eine vorausgehende Konisation (operativen Eingriff am Muttermund) bedeuten. Sie kann mit vorausgegangenen tiefen Verletzungen der Zervix – normalerweise nach vaginaler Entbindung oder Kaiserschnitt – einhergehen. Außerdem kann sie zu Müller-Gang-Anomalien führen. Der Müller-Gang ist eine jener Anlagen der Geschlechtsorgane, die bei beiden Geschlechtern vorhanden sind.
 
In der durchschnittlichen Schwangerschaft liegt die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt bei etwa 9 Prozent. Ist Deine Zervix kürzer als 25 Millimeter, steigt das Risiko einer Zervixinsuffizienz auf ein Fünftel. Ist sie kürzer als 20 Millimeter, so erhöht sich das Risiko auf ein Viertel. Bei einem Wert bereits unter 15 Millimeter steigt das Risiko einer Frühgeburt auf 50 Prozent.
 
Eine Zervixinsuffizienz geht mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt oder eine Fehlgeburt einher. Bei Muttermundschwäche kann der Arzt Deinen Gebärmutterhals unter Narkose ungefähr im vierten Schwangerschaftsmonat zunähen (Muttermundverschluss, Cerclage). Schwangere mit bekannten Risikofaktoren sollten regelmäßig zur ärztlichen Kontrolle gehen. Meistens kann der Arzt eine Zervixinsuffizienz nicht vor der ersten Frühgeburt entdecken.

Wie kann ich einer Zervixinsuffizienz vorbeugen?

Leider gibt es keine zuverlässige Vorbeugung einer Frühgeburt bei einer Zervixinsuffizienz. Allerdings kannst Du mithilfe folgender Handlungsempfehlungen das Risiko einer Frühgeburt senken.
 

  • Verzichte vollständig auf Nikotin
  • Vermeide starkes Über- oder Untergewicht mithilfe einer Ernährungsberatung
  • Achte bei einem körperlich oder seelisch belastenden Beruf auf Ausgewogenheit

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Zervixinsuffizienz?

Nach der Diagnose gibt Dir Dein Arzt sehr genaue Anweisungen. Du wirst krankgeschrieben und bekommst ein Beschäftigungsverbot unterteilt. Deine Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Diagnose und Behandlung Deiner Zervixinsuffizienz.


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Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Zervixinsuffizienz ist eine Schwäche und vorzeitige Öffnung des Gebärmutterhalses (Zervix).


Häufig auftretende Symptome können ein Druckgefühl in der Scheide, Blutungen oder Schmierblutungen, unklare Unterleibs- oder Rückenschmerzen sowie ein Scheidenausfluss sein.


Bei der transvaginalen Ultraschalluntersuchung (TVUS) – kann Dein Arzt einen Befund visuell darstellen, um Deine Vagina und die Strukturen, die sie umgeben, mithilfe einer Endosonografie zu untersuchen. Bei der Endosonografie führt der Arzt einen Schallkopf in deine Scheide mithilfe eines Endoskops oder einer Sonde ein.


Vermeide Stress und schone Deinen Körper. Verzichte außerdem eine Zeit lang auf Sport und Geschlechtsverkehr. Verringere den Druck auf Deine Gebärmutter, indem Du viel liegst. Besonders gut ist es, wenn Du die Füße hochlagerst. Kurze Spaziergänge und leichtes Yoga tun Deinem Körper ebenfalls gut.

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