Plazentainsuffizienz

Die Plazenta versorgt das Kind während der Schwangerschaft mit Nahrung und Sauerstoff. Bei einer Plazentainsuffizienz ist die Durchblutung des Mutterkuchens gestört und es kommt zu einer Mangelversorgung des Kindes mit wichtigen Nährstoffen. Die Krankheit verläuft akut, subakut oder chronisch. Eine akute Plazentainsuffizienz führt zu einer plötzlichen Sauerstoff-Mangelsituation des Kindes (Hypoxie) und im schlimmsten Fall verstirbt das Ungeborene im Mutterleib. Hier kannst Du alles Wichtige über die Plazentainsuffizienz erfahren.


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Zuletzt aktualisiert: 29. September, 2020



ICD-10-GM-2020 O43.

Was versteht die Medizin unter einer Plazentainsuffizienz?

Bei einer Plazentainsuffizienz kommt es zu einer Störung des fetomaternalen Kreislaufs. Dabei ist die Durchblutung des Mutterkuchens gestört und der Stoffaustausch kann nicht stattfinden. Die Plazentainsuffizienz kann akut, subakut oder chronisch sein. Diese Erkrankung ist ein lebensbedrohlicher Zustand für Mutter und Kind und muss unbedingt behandelt werden.
 
Unter einer Plazentainsuffizienz ist eine Durchblutungsstörung des Mutterkuchens zu verstehen

Was ist die Plazenta und was ist ihre Funktion?

Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, bildet sich nach der Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut. Während der Schwangerschaft versorgt sie das Kind über die Nabelschnur mit Nahrung und Sauerstoff. Sie ist außerdem dafür zuständig, Abfallprodukte aus dem Stoffwechsel des Ungeborenen abzutransportieren. Die sogenannte Plazentaschranke trennt die Blutkreisläufe von Mutter und Kind und ermöglicht ausschließlich die Aufnahme von Nähr- und Sauerstoffmolekülen. Viele schädliche Stoffe werden vom Kind ferngehalten, leider können Alkohol, Nikotin, Krankheitserreger und Wirkstoffe aus Medikamenten die Plazentaschranke passieren. Eine weitere Funktion der Plazenta ist die Produktion der Hormone Progesteron und Östrogen. Progesteron lässt die Gebärmutter wachsen und Östrogen bereitet den Körper auf das Stillen vor. Nach der Geburt des Kindes löst sich die Plazenta und rutscht kurz nach dem Kind aus der Scheide.

Welche Formen der Plazentainsuffizienz gibt es?

Es gibt drei Formen der Plazentainsuffizienz. Die akute Form tritt innerhalb weniger Minuten bis Stunden auf und ist lebensbedrohlich für das Kind. In diesem Fall ist eine umgehende Entbindung oder häufig sogar ein Kaiserschnitt notwendig. Eine subakute Plazentainsuffizienz entwickelt sich innerhalb weniger Tage. Wenn sich diese Erkrankung über mehrere Wochen oder sogar Monate erstreckt, ist die Rede von einer chronischen Insuffizienz der Plazenta. Hierbei muss eine strenge Überwachung von Mutter und Kind erfolgen, allerdings ist es oft möglich, das Ungeborene über die volle Dauer der Schwangerschaft auszutragen.

Was sind die Symptome einer Plazentainsuffizienz?

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz bemerken die Betroffenen oft keine Symptome, weshalb sie meist bei einer Vorsorgeuntersuchung aufgedeckt wird. Mögliche Anzeichen dafür sind Krämpfe und Blutungen sowie abnehmende Kindesbewegungen. Eine vorzeitige Plazentalösung äußert sich durch plötzlich einsetzende und starke Unterbauchschmerzen, einen Wehensturm und eine dunkle, vaginale Blutung. Eine geht häufig mit einer akuten Plazentaablösung einher. In diesem Fall kommt es zu einer schmerzlosen, hellroten, vaginalen Blutung. Das Vena-Cava-Kompressionssyndrom führt zu Schwindel und teilweise sogar zu Ohnmacht.
 
Die Symptome einer chronischen Plazentainsuffizienz äußern sich hauptsächlich beim Kind, welches auf vielfältige Weisen auf die Mangelversorgung reagiert. Es kommt zu verschiedenen Veränderungen, welche metabolisch, endokrin, vaskulär, biophysikalisch oder hämatologisch sein können. Mögliche Symptome sind eine erhöhte Insulinausschüttung, ein Anstieg von Glukagon und des Blutflusses, eine Abnahme von Cholesterin, eine Verzögerung des Wachstums sowie eine Veränderung des Immunsystems und der Herzfrequenz. Ebenfalls typische Merkmale sind Verkalkungen der Plazenta sowie eine geringe Fruchtwassermenge (Oligohydramnion).

Welche Ursachen hat eine Plazentainsuffizienz?

Wenn der Blutfluss im kindlichen oder mütterlichen Anteil der Plazenta vermindert wird, kommt es zu einer akuten Plazentainsuffizienz. Mögliche Ursachen dafür sind ein Blutdruckabfall, ein Wehensturm im Zuge der Geburt oder das Vena-Cava-Kompressionssyndrom. Hierbei übt das Kind Druck auf die untere Hohlvene aus und löst eine Kreislaufstörung der Mutter aus. Weitere Ursachen sind eine vorzeitige Lösung der Plazenta, Nabelschnurprobleme, Nikotin, Alkohol, Schwangerschaftsintoxikation oder eine Rhesus-Inkompatibilität.
 
Die Plazenta ist dazu da, das Ungeborene mit den wichtigsten Nährstoffen zu versorgen und Schadstoffe
 
Die Ursache für eine chronische Plazentainsuffizienz ist ein verlangsamtes Wachstum des Ungeborenen. In diesen Fällen besteht meistens eine Grunderkrankung der Mutter, wie Bluthochdruck, Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus oder Anämie (Blutarmut). Eine niedrige Gewichtszunahme während der Geburt sowie ein geringer Body-Mass-Index der Mutter bereits vor der Geburt begünstigen eine chronische Plazentainsuffizienz. Auch genetisch bedingte Faktoren können eine entscheidende Rolle spielen.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Plazentainsuffizienz?

Rauchen stellt einen großen Risikofaktor für viele Erkrankungen, aber auch während einer Schwangerschaft dar. Aufgrund der schlechteren Durchblutung ist eine chronische Plazentainsuffizienz möglich. Die verschiedenen Stoffwechselprodukte, die das Rauchen verursacht, haben ebenfalls einen negativen Einfluss auf die Plazenta. Weitere Risikofaktoren sind Diabetes mellitus, Bluthochdruck, chronisch niedriger Blutdruck (Hypotonie) und Herzfehler. Auch Mehrlingsschwangerschaften, Erkrankungen wie Präeklampsie und Eklampsie sowie Schwangerschaften, die den Geburtstermin um eine oder zwei Wochen überschreiten, können zu einer Plazentainsuffizienz führen. Sogenannte intrauterine Infektionen, bei denen die Erreger von der Mutter zum Kind gelangen, sind ein Risikofaktor.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn Symptome wie Krämpfe oder Blutungen auftreten, solltest Du einen Frauenarzt aufsuchen. Dieser führt eine Ultraschalluntersuchung durch und ermittelt die Ursache für die Symptome. Im Falle einer drohenden Frühgeburt muss die Betroffene umgehend ins Krankenhaus. Dort findet bis zur Geburt eine Überwachung durch Ärzte statt. Wenn eine Frau während der Schwangerschaft unter einer Plazentainsuffizienz gelitten hat, muss sie nach der Geburt zu weiteren Nachsorgeuntersuchungen.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Plazentainsuffizienz?

Eine akute Plazentainsuffizienz fällt einem Arzt häufig im Zuge einer Ultraschalluntersuchung oder wegen Veränderungen im CTG auf. Eine Kardiotokografie (CTG) misst die Wehentätigkeit der Mutter und die Herzfrequenz des Kindes. Wenn der Mediziner eine Verlangsamung der Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum, eine Dezeleration, des Ungeborenen feststellt, kann eine akute Plazentainsuffizienz vorliegen. Dieser verlangsamte Herzschlag entsteht aufgrund der Mangelversorgung mit Sauerstoff. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt eine vorzeitige Lösung der Plazenta sowie ein vermindertes Größenwachstum des Kindes feststellen.
 
Die Doppler-Sonografie dient dazu, Blutströmungsgeschwindigkeiten zu messen und somit ungewöhnliche Veränderungen zu erkennen. Um eine chronische Plazentainsuffizienz festzustellen, zieht der Spezialist verschiedene Kriterien heran. Es werden die fetale Bewegungsaktivität, der Herzschlag des Kindes sowie die dopplersonografische Durchblutung, das Gewicht des Kindes und die Fruchtwassermenge herangezogen. Darüber hinaus lassen sich auch bildgebende Verfahren wie MRT sowie ein Wehenbelastungstest (Oxytocin-Belastungstest) oder, in seltenen Fällen eine Fruchtwasserspiegelung, (Amnioskopie) heranziehen.
 
Mit unterschiedlichen Methoden lässt sich eine Plazentainsuffizienz feststellen

Wie lässt sich eine Plazentainsuffizienz behandeln?

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz muss der Arzt sofort Maßnahmen wie eine Kaiserschnittentbindung oder Zangen- oder Saugglockengeburt treffen. Wenn sich die Plazenta zu früh löst, leitet der Arzt die Geburt ebenfalls verfrüht ein. Bei der chronischen Form sind Bettruhe, regelmäßige Ultraschalluntersuchungen und Kardiotokografien (CTG) wichtig. Die Insuffizienz an sich lässt sich leider nicht behandeln. Darüber hinaus findet eine Therapie der Ursachen der Plazentainsuffizienz wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck statt. Bei einer schweren Sauerstoffunterversorgung des Kindes muss der Arzt die Geburt vor dem Geburtstermin einleiten. Falls das Kind noch nicht geburtsreif ist, setzt der Mediziner Medikamente zur Beschleunigung der Lungenreife ein. Es besteht kein weiterer Handlungsbedarf, wenn das Kind zwar klein ist, sich jedoch gut weiterentwickelt. Auf alle Fälle muss eine Behandlung der Ursache der chronischen Plazentainsuffizienz stattfinden.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Plazentainsuffizienz?

Der Krankheitsverlauf ist je nach Schweregrad der Plazentainsuffizienz unterschiedlich. Das Risiko einer Totgeburt ist im Vergleich zu einer komplikationslosen Schwangerschaft allerdings höher. Je früher der Arzt diese Erkrankung diagnostiziert, umso schneller kann eine Behandlung erfolgen und Komplikationen lassen sich verhindern. Eine Heilung ist leider nicht immer möglich und in seltenen Fällen verstirbt das Kind im Mutterleib. Um dies zu verhindern und das Kind zu schützen, wird sehr häufig ein Kaiserschnitt durchgeführt oder die Geburt früher eingeleitet.

Welche Komplikationen können bei einer Plazentainsuffizienz auftreten?

Oft leiden die Betroffenen aufgrund der Plazentainsuffizienz unter starken Blutungen und Krämpfen. Dies führt zu starken Schmerzen und häufig zur Reizbarkeit der Patientin. Auch Unruhe und Angstgefühle können auftreten. Da das Ungeborene unterversorgt ist, kann es zu Fehlbildungen oder Missbildungen kommen. Im schlimmsten Fall verstirbt das Kind noch im Mutterleib oder kurz nach der Geburt. Die Betroffenen brauchen aus diesem Grund oft eine psychologische Betreuung. Wenn der Arzt die Geburt frühzeitig einleitet, sind unterschiedliche Komplikationen möglich, die auch das Leben der Mutter in Gefahr bringen können.
 
In manchen Fällen ist ein Kaiserschnitt notwendig, um das Leben der Mutter und des Kindes zu schützen

Welche Auswirkungen hat eine Plazentainsuffizienz auf Schwangerschaft und Geburt?

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz kommt es zu einer plötzlichen Sauerstoff-Mangelsituation (Hypoxie). Diese ist oft tödlich für das Ungeborene, daher erfolgt in der Regel ein Kaiserschnitt. Eine chronische Plazentainsuffizienz bedeutet eine schleichende Mangelversorgung des Kindes mit wichtigen Nährstoffen. Der Fötus entwickelt sich dadurch nur mangelhaft, solange er sich jedoch weiterentwickelt, besteht keine akute Lebensgefahr. Fall es zu einem Wachstumsstillstand kommt, muss der Arzt die Geburt verfrüht einleiten. Kinder, die im Mutterleib nur unzureichend mit Nährstoffen versorgt wurden, neigen im Alter zur Entwicklung verschiedener Erkrankungen. Dazu zählen Diabetes, starkes Übergewicht, Bluthochdruck und Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose).

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Plazentainsuffizienz?

Die Kosten bei einer Plazentainsuffizienz übernehmen die Krankenkassen in der Regel.

 


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Das Wichtigste zusammengefasst

Bei einer akuten Plazentainsuffizienz bemerken die Betroffenen oft keine Symptome. Mögliche Anzeichen sind Krämpfe, Blutungen und abnehmende Kindesbewegungen. Das Vena-Cava-Kompressionssyndrom führt zu Schwindel und teilweise sogar zu Ohnmacht. Die Symptome einer chronischen Plazentainsuffizienz äußern sich hauptsächlich bei dem Kind. Es kommt zu verschiedenen Veränderungen, welche metabolisch, endokrin, vaskulär, biophysikalisch oder hämatologisch sein können. Weitere Symptome sind Verkalkungen der Plazenta und eine geringe Fruchtwassermenge (Oligohydramnion)


Mögliche Ursachen für eine akute Plazentainsuffizienz sind Blutdruckabfall, ein Wehensturm im Zuge der Geburt oder das Vena-Cava-Kompressionssyndrom. Eine vorzeitige Lösung der Plazenta, Nabelschnurprobleme, Nikotin, Alkohol, Schwangerschaftsintoxikation oder eine Rhesus-Inkompatibilität führen ebenfalls zu einer Plazentainsuffizienz. Die Gründe für eine chronische Plazentainsuffizienz sind häufig eine Grunderkrankung der Mutter wie Hypertonie


Eine Kardiotokografie (CTG) misst die Wehentätigkeit der Mutter und die Herzfrequenz des Kindes. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung stellt der Arzt eine vorzeitige Lösung der Plazenta sowie ein vermindertes Größenwachstum des Kindes fest. Um eine chronische Plazentainsuffizienz festzustellen, zieht der Arzt die fetale Bewegungsaktivität, der Herzschlag des Kindes sowie die dopplersonografische Durchblutung, das Gewicht des Kindes und die Fruchtwassermenge heran. Darüber hinaus können auch bildgebende Verfahren wie MRT sowie ein Wehenbelastungstest (Oxytocin-Belastungstest) oder in seltenen Fällen eine Fruchtwasserspiegelung (Amnioskopie) durchgeführt werden


Bei einer akuten Plazentainsuffizienz müssen sofort Maßnahmen wie eine Kaiserschnittentbindung oder Zangen- oder Saugglockengeburt getroffen werden. Wenn sich die Plazenta zu früh löst, wird die Geburt ebenfalls verfrüht eingeleitet. Bei der chronischen Form sind Bettruhe, regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen und Kardiotokografien (CTG) wichtig. Darüber hinaus therapiert der Spezialist die Ursachen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck der Plazentainsuffizienz

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