Scheidentrockenheit

Obwohl sie zahlreiche Frauen betrifft, ist sie heute immer noch ein Tabuthema: die Scheidentrockenheit. Unabhängig davon, ob sie ein einmaliges oder ein langfristiges Problem darstellt, wird die Scheidentrockenheit nur selten thematisiert. Dabei ist die Scheidentrockenheit mit einem langen Leidensweg verbunden. Betroffene werden außerdem oft stigmatisiert, da die Scheidentrockenheit häufig mit psychischen Problemen in Verbindung gebracht wird. Die Scheidentrockenheit ist jedoch nicht immer ein psychisches Problem, eine Vielfalt an Ursachen kann dafür verantwortlich sein.


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Zuletzt aktualisiert: 8. Mai, 2023

INHALTSVERZEICHNISInhaltsverzeichnis

Die Scheidentrockenheit liegt vor, wenn in der weiblichen Scheide nicht genügend Feuchtigkeit produziert wird.

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Die weibliche Vagina ist ein muskulöser Schlauch, der die Vulva mit der Gebärmutter verbindet. Ein Teil des Gebärmutterhalses ragt in die Vagina, dieser wird als Portio bezeichnet und enthält eine Öffnung. Die Vagina ist von Schleimhaut ausgekleidet, die allerdings keine Drüsen enthält.

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Die Scheidentrockenheit ist ein relativ weit verbreitetes Problem, das rund ein Drittel aller Frauen betrifft.

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Die Feuchtigkeit der Vagina erfüllt einige wichtige Aufgaben. Sie verhindert, dass die Schleimhautanteile aneinander reiben und dabei zu kleinen Verletzungen führen. Des Weiteren ist sie essenzieller Faktor in der Aufrechterhaltung des Scheidenmilieus beziehungsweise der Scheidenflora. Wie auch der Magen-Darm-Trakt ist die weibliche Vagina natürlicherweise von Bakterien besiedelt, die keine Krankheiten hervorrufen, sondern funktionelle Bestandteile sind.

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Am häufigsten ist die Scheidentrockenheit auf hormonelle Ursachen zurückzuführen. Das Hormon Östrogen führt in der Pubertät nicht nur zum Wachstum der Geschlechtsorgane, es übt maßgeblichen Einfluss auf das Scheidenmilieu aus und fördert Durchblutung und Regeneration der vaginalen Schleimhaut.

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Die Scheide besitzt physiologischerweise ein saures Milieu mit einem niedrigen pH-Wert. Diese typische Vaginalflora verhindert die Besiedelung und Infektion durch “schlechte” Keime und unterliegt einem gewissen Gleichgewicht, das von außen, beispielsweise durch Waschen mit basischen Produkten wie Seife, gestört werden kann.

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Scheidentrockenheit kann nicht nur Folge unterschiedlicher Erkrankungen sein, sondern auch als Symptom auf einige Erkrankungen hinweisen. Dazu gehört beispielsweise die Multiple Sklerose, bei der die Impulsübertragung über Nervenbahnen deutlich herabgesetzt ist und dadurch auch die sexuelle Erregbarkeit und Funktion der Geschlechtsorgane eingeschränkt ist.

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Vor allem Medikamente, die Einfluss auf den Hormonhaushalt nehmen, können mit einer Scheidentrockenheit assoziiert sein. Das wohl häufigste Präparat ist die Antibabypille, die dem Körper zwar weibliche Geschlechtshormone zuführt, im Endeffekt jedoch trotzdem zu einem Östrogenmangel in der Vagina führt.

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Zu den häufigsten Folgen zählen zum einen immer wiederkehrende Infektionen mit Bakterien und Pilzen, die in seltenen Fällen in die Harnblase oder in den Uterus und Eierstöcke wandern können.

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Grundsätzlich gibt es keinen endgültigen Zeitpunkt, zu dem man zum Arzt gehen muss. In vielen Fällen bleibt Scheidentrockenheit daher ein unausgesprochenes Problem. Meist sind es allerdings die beiden beschriebenen Folgen, die Betroffene zum Arzt führen: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und vaginale Infektionen.

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Wichtig für die ärztliche Diagnostik ist ein ausführliches Gespräch, in dem Dir der Arzt detaillierte Fragen zu den Symptomen, zu regelmäßig eingenommenen Medikamenten, zur Routine in der Intimhygiene und zu Grunderkrankungen stellen wird. Dadurch kann er sich häufig schon ein Bild über die möglichen Ursachen machen. Auch Fragen zum Sexualleben und zu Faktoren wie Stress oder psychischen Druck können wegweisend sein.

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Estriol ist jenes Präparat, das am häufigsten zu hormonellen Behandlung von vaginaler Atrophie bei Östrogenmangel und Scheidentrockenheit eingesetzt wird. Es ist sowohl als Vaginalgel, als Creme oder als Tablette verfügbar.

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Ist eine hormonelle Veränderung im Vordergrund der Ursachen, so kann man mit Östrogenpräparaten Abhilfe schaffen. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sowohl eine lokale als auch systemische Anwendung der Östrogenpräparate ist möglich. Bei einer lokalen Behandlung kannst Du auf Cremes, Salben oder Zäpfchen zurückgreifen. Zur systemischen Anwendung der Östrogenpräparate zählt zum Beispiel die orale Einnahme von Östrogen-Tabletten.

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Wer nicht auf teure Produkte aus der Apotheke zurückgreifen möchte, kann sich auch durch unterschiedliche Hausmittel helfen. Oliven- oder Kokosöl können als natürliches Gleitmittel verwendet werden wobei bei der zusätzlichen Anwendung von Kondomen Vorsicht geboten sein sollte.

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Bei Neigung zur Scheidentrockenheit solltest Du auf das Tragen von Tampons verzichten und stattdessen zum Beispiel auf Menstruationstassen zurückgreifen. Diese helfen, nicht in das natürliche, feuchte Klima der Vagina eingreifen zu müssen und die trockene Schleimhaut nicht zusätzlich zu reizen.

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Meist handelt es sich um einen schleichenden und langsam zunehmenden Prozess, der in sexueller Lustlosigkeit, erhöhter psychischer Belastung und sogar Angst vor dem Geschlechtsverkehr resultieren kann. Denn ohne die notwendige Feuchtigkeit der Scheide kommt es zum Lubrikationsmangel und dadurch zu Schmerzen beim Eindringen (Dyspareunie).

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Beim Sex kann auf unterschiedliche Gleitmittel zurückgegriffen werden. Hier sind wasser-, öl- und silikonbasierte Produkte zu unterscheiden. Wasserbasierte Gleitgele sind gut verträglich und hautschonend, ziehen jedoch rasch ein und müssen daher wiederholt aufgetragen werden.

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Wichtiger Teil der Vorbeugung ist zum einen eine adäquate Intimhygiene. Vermeide basische Hygieneartikel wie Seife. Auch Duschgels solltest Du nicht allzu häufig zur Reinigung verwenden, meist reicht das Waschen mit klarem Wasser aus.

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Die Kosten der Behandlung hängen natürlich von der Dauer und von den Ursachen ab. Bei einer vorübergehenden Scheidentrockenheit, deren Auslöser beispielsweise ein Medikament ist, ist das Absetzen des Medikaments der beste Weg, um dem Problem entgegenzuwirken und teure Therapien zu vermeiden. Handelt es sich allerdings um ein dauerhaftes Problem beziehungsweise ist ein Hormonmangel Ursache, zieht sich die Behandlung in die Länge.

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Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Konsultation des Arztes und die durchzuführende Diagnostik. Die Therapien mit den verschiedenen Feuchtigkeitssalben, Gleitgelen oder Präparaten zur Wiederherstellung der Scheidenflora musst Du jedoch in der Regel selbst bezahlen.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Scheidentrockenheit handelt es sich um keine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom, das zahlreiche Ursachen haben, beziehungsweise auf unterschiedliche Erkrankungen hinweisen kann


Bei der Scheidentrockenheit wird in der weiblichen Vagina zu wenig Feuchtigkeit produziert, sodass es zu Symptomen wie Schmerzen (beim Geschlechtsverkehr) oder gehäufter Neigung zu Infektionen kommen kann


Häufigste Ursache der Scheidentrockenheit ist der Östrogenmangel, der meist entweder als Folge der Wechseljahre oder aufgrund von bestimmten Medikamenten, Schwangerschaft und Stillzeit beziehungsweise in Zusammenhang mit einer Chemotherapie auftreten kann


Zu den häufigsten Therapieansätzen zählt die (lokale) Verabreichung von Östrogenen, die Wiederherstellung des natürlichen Scheidenmilieus, die Anwendung von Gleitmitteln bei schmerzhaften Geschlechtsverkehr, das Vermeiden von Risikofaktoren sowie psycho- und paartherapeutische Ansätze

ICD-10-GM-2020 N89.8

Was versteht die Medizin unter Scheidentrockenheit?

Die Scheidentrockenheit liegt vor, wenn in der weiblichen Scheide nicht genügend Feuchtigkeit produziert wird. Einen tatsächlichen Richtwert ab wie wenig Flüssigkeit man von “ungenügend” sprechen kann, gibt es dabei nicht. Hier liegen hohe individuelle Schwankungsbreiten vor und in der Regel fällt das Problem erst auf, wenn bestimmte Symptome auftreten.

Wie ist die Vagina aufgebaut?

Die weibliche Vagina ist ein muskulöser Schlauch, der die Vulva mit der Gebärmutter verbindet. Ein Teil des Gebärmutterhalses ragt in die Vagina, dieser wird als Portio bezeichnet und enthält eine Öffnung. Die Vagina ist von Schleimhaut ausgekleidet, die allerdings keine Drüsen enthält.
 
Das, was als Scheidensekret verzeichnet wird, ist eine Mischung aus in der Zervix gebildeten Schleim und einem sogenannten Transsudat (=aus den Blutgefäßen der Schleimhaut austretende Flüssigkeit). Im nach außen gerichteten Scheidenvorhof befinden sich zudem mehrere sehr kleine Drüsen (Bartholinische Drüsen und Paraurethraldrüsen), die ein Sekret erzeugen, welches den Scheideneingang und die Schamlippen befeuchtet.
 
Eine gesunde Vagina benötigt ausreichend Feuchtigkeit.

Wie häufig ist eine Scheidentrockenheit und wer ist davon betroffen?

Die Scheidentrockenheit ist ein relativ weit verbreitetes Problem, das rund ein Drittel aller Frauen betrifft. Vor allem in höherem Alter und nach den Wechseljahren nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Scheidentrockenheit zu.

Welche Symptome hat eine Scheidentrockenheit?

Die Feuchtigkeit der Vagina erfüllt einige wichtige Aufgaben. Sie verhindert, dass die Schleimhautanteile aneinander reiben und dabei zu kleinen Verletzungen führen. Des Weiteren ist sie essenzieller Faktor in der Aufrechterhaltung des Scheidenmilieus beziehungsweise der Scheidenflora. Wie auch der Magen-Darm-Trakt ist die weibliche Vagina natürlicherweise von Bakterien besiedelt, die keine Krankheiten hervorrufen, sondern funktionelle Bestandteile sind.
 
Diese sogenannten Döderlein-Bakterien (Milchsäurebakterien) erzeugen ein saures Milieu, dass das Überleben anderer Bakterien oder Pilze beeinträchtigt und damit Infektionen verhindert. Die Scheidentrockenheit und damit der Mangel an Döderlein-Bakterien geht daher häufig auch mit Infektionen des Urogenitaltrakts einher.
 
Zudem ist die Befeuchtung der Vagina natürlich ein unverzichtbarer Vorgang beim Geschlechtsverkehr, der beim Eindringen des Penis vor Verletzungen und Schmerzen schützt und die für den Höhepunkt möglicherweise notwendige Reibung ermöglicht. Sexuelle Erregung erhöht daher im Normalfall die Produktion von Feuchtigkeit – zum einen steigt die Durchblutung der Vagina, zum anderen die Aktivität der Geschlechtsdrüsen.

Welche Ursachen hat eine Scheidentrockenheit?

Am häufigsten ist die Scheidentrockenheit auf hormonelle Ursachen zurückzuführen. Das Hormon Östrogen führt in der Pubertät nicht nur zum Wachstum der Geschlechtsorgane, es übt maßgeblichen Einfluss auf das Scheidenmilieu aus und fördert Durchblutung und Regeneration der vaginalen Schleimhaut. Ein Mangel an Östrogen lässt die Schleimhaut daher atrophieren, es kommt also zur Gewebeabnahme, die Haut wird dünner und häufig nicht mehr zur Genüge durchblutet. Dadurch nimmt in Folge auch die Menge an Scheidensekret ab.
 
Häufigste Ursache für einen Östrogenmangel ist eine ganz natürliche: nämlich die Wechseljahre, in denen die Östrogenspiegel im Blut deutlich abnehmen.
 
Darüber hinaus gibt es auch zahlreiche andere Faktoren, die mit einem Östrogenmangel einhergehen. Während Schwangerschaft und Stillzeit unterliegt der Körper erheblichen Hormonschwankungen, sodass vorübergehend auch Scheidentrockenheit auftreten kann.
 
Frauen mit Untergewicht zeigen häufig Hormonmangelerscheinungen, die mit einem veränderten beziehungsweise nicht vorhandenen Zyklus, Unfruchtbarkeit und auch Scheidentrockenheit einhergehen aufgrund einer hormonellen Fehlschaltung, die zu einem Östrogenmangel führt.
 
Chemo- und Hormontherapien, die bei bestimmten Krebsformen Anwendung finden, können ebenfalls mit einem Östrogenmangel einhergehen. Während bei Hormontherapien gezielt die Östrogenspiegel im Blut gesenkt werden, führt die Chemotherapie zu nachhaltigen Schäden der Zellen in den Eierstöcken, weshalb auch die Östrogensynthese betroffen sein kann.
 
All jene Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck sowie ungesunde Angewohnheiten wie Nikotinkonsum, die zu Veränderungen und zunehmenden Verengung der Blutgefäße führen, können ebenso die Durchblutung der vaginalen Schleimhaut und dadurch die Befeuchtung der Scheide negativ beeinflussen.
 
Scheidentrockenheit belastet Betroffene unterschiedlich stark.

Wie kann eine übertriebene Intimhygiene zu Scheidentrockenheit führen?

Die Scheide besitzt physiologischerweise ein saures Milieu mit einem niedrigen pH-Wert. Diese typische Vaginalflora verhindert die Besiedelung und Infektion durch “schlechte” Keime und unterliegt einem gewissen Gleichgewicht, das von außen, beispielsweise durch Waschen mit basischen Produkten wie Seife, gestört werden kann. Übertriebene Intimpflege kann daher zu Infektionen mit unterschiedlichen Keimen und durch diese Infektionen bedingt zur Austrocknung führen.
 
Auch das übermäßige Tragen von Tampons führt zur Austrocknung, da diese die Eigenschaft besitzen, Feuchtigkeit aufzusaugen. Vermeide daher das Tragen von Tampons an Tagen, an denen keine Regelblutung besteht und achte auf ein regelmäßiges Auswechseln.

Auf welche Krankheiten kann eine Scheidentrockenheit hinweisen?

Scheidentrockenheit kann nicht nur Folge unterschiedlicher Erkrankungen sein, sondern auch als Symptom auf einige Erkrankungen hinweisen. Dazu gehört beispielsweise die Multiple Sklerose, bei der die Impulsübertragung über Nervenbahnen deutlich herabgesetzt ist und dadurch auch die sexuelle Erregbarkeit und Funktion der Geschlechtsorgane eingeschränkt ist.
 
Des Weiteren ist das Sjögren-Syndrom zu nennen, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Drüsenzellen angreift und in deren Funktion behindert.
 
Da sich Lust und Erregbarkeit zu einem großen Teil im Kopf abspielen, können auch psychische Belastungen, Angst und Stress vor allem im Zustand der sexuellen Erregung die Scheidenfeuchtigkeit reduzieren.

Welche Medikamente führen zu einer Scheidentrockenheit?

Vor allem Medikamente, die Einfluss auf den Hormonhaushalt nehmen, können mit einer Scheidentrockenheit assoziiert sein. Das wohl häufigste Präparat ist die Antibabypille, die dem Körper zwar weibliche Geschlechtshormone zuführt, im Endeffekt jedoch trotzdem zu einem Östrogenmangel in der Vagina führt. Durch die externe Zufuhr von Östrogenen setzt der Körper nämlich die eigene Hormonproduktion herunter.

Welche Folgen hat eine Scheidentrockenheit für Betroffene?

Zu den häufigsten Folgen zählen zum einen immer wiederkehrende Infektionen mit Bakterien und Pilzen, die in seltenen Fällen in die Harnblase oder in den Uterus und Eierstöcke wandern können.
 
Das Problem, unter dem betroffene Frauen häufig sehr stark leiden, ist der schmerzhafte Geschlechtsverkehr, der nicht nur zu kleinen Verletzungen durch Reibung führen kann, sondern vor allem eine enorme psychische Belastung darstellt.

Wann sollte ich mit einer trockenen Scheide zum Arzt gehen?

Grundsätzlich gibt es keinen endgültigen Zeitpunkt, zu dem man zum Arzt gehen muss. In vielen Fällen bleibt Scheidentrockenheit daher ein unausgesprochenes Problem. Meist sind es allerdings die beiden beschriebenen Folgen, die Betroffene zum Arzt führen: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und vaginale Infektionen. Spätestens wenn Symptome wie Schmerzen beim Urinieren, häufiges Aufsuchen der Toilette, übel riechender Ausfluss oder Fieber auftreten, solltest Du einen Arzt aufsuchen und die Infektionen behandeln.

Wie diagnostiziert der Arzt Scheidentrockenheit?

Wichtig für die ärztliche Diagnostik ist ein ausführliches Gespräch, in dem Dir der Arzt detaillierte Fragen zu den Symptomen, zu regelmäßig eingenommenen Medikamenten, zur Routine in der Intimhygiene und zu Grunderkrankungen stellen wird. Dadurch kann er sich häufig schon ein Bild über die möglichen Ursachen machen. Auch Fragen zum Sexualleben und zu Faktoren wie Stress oder psychischen Druck können wegweisend sein.
 
Natürlich wird der Spezialist auch eine gynäkologische Inspektion der Vulva und Vagina durchführen und eventuell einen Abstrich nehmen, um die Schleimhaut und mögliche Infektionen besser beurteilen zu können. Vermutet der Arzt bei Dir einen Östrogenmangel, kann er mittels Blutabnahme eine Abklärung Deines Hormonlevels durchführen.
 
Scheidentrockenheit führt zu starken Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Welche Rolle spielt der Wirkstoff Estriol bei Scheidentrockenheit?

Estriol ist jenes Präparat, das am häufigsten zu hormonellen Behandlung von vaginaler Atrophie bei Östrogenmangel und Scheidentrockenheit eingesetzt wird. Es ist sowohl als Vaginalgel, als Creme oder als Tablette verfügbar.
 
Aufgrund der nur lokalen Anwendung, können Nebenwirkungen wie Thrombosen oder eine Erhöhung des Krebsrisikos weitgehend verhindert werden. Estriol ist zudem ein Abbauprodukt des im Körper wirksamen Östrogens Estradiol und besitzt im Vergleich zu Estradiol eine schwach ausgeprägte hormonelle Wirkung, weshalb es ebenfalls weniger risikobehaftet ist.

Wie wird eine Scheidentrockenheit behandelt?

Ist eine hormonelle Veränderung im Vordergrund der Ursachen, so kann man mit Östrogenpräparaten Abhilfe schaffen. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sowohl eine lokale als auch systemische Anwendung der Östrogenpräparate ist möglich. Bei einer lokalen Behandlung kannst Du auf Cremes, Salben oder Zäpfchen zurückgreifen. Zur systemischen Anwendung der Östrogenpräparate zählt zum Beispiel die orale Einnahme von Östrogen-Tabletten.
 
Vor allem bei Frauen in den Wechseljahren, die aufgrund des Östrogenmangels häufig mit einer Reihe weiterer unliebsamer Symptome zu kämpfen haben, können diese durch eine systemische Behandlung ebenfalls gebessert werden, allerdings sind auch Nebenwirkungen weitaus häufiger.
 
Natürlich kann man auch auf hormonfreie Behandlungsmöglichkeiten zurückgreifen. Die Medizin empfiehlt hier unterschiedliche feuchtigkeitsspendende und schleimhautregenerierende Substanzen, die meist auf pflanzlicher Basis hergestellt werden. Diese unterliegen nicht der ärztlichen Verschreibungspflicht und können in Apotheken gekauft werden.
 
Mithilfe von künstlich zugeführten Döderlein-Bakterien kann die für die Scheidengesundheit so essenzielle Flora und der saure pH-Wert wieder hergestellt werden. Diese sind in der Apotheke als Vaginal-Kapseln erhältlich.
 
Kann der Arzt eine bakterielle oder Pilzinfektion nachweisen, kann er diese mit speziellen antibiotischen oder antimykotischen Salben oder Cremes behandeln. Diese musst Du dazu für einige Tage auf die vaginale Schleimhaut auftragen.
 
Sind bestimmte Medikamente mögliche Ursache der vermehrten Trockenheit der Vagina, sollte gemeinsam mit dem Gynäkologen ein mögliches Absetzen oder Umstellen der Medikamente besprochen werden. Aber Achtung – setze Medikamente niemals eigenständig ab! Zahlreiche Medikamente müssen langsam ausgeschlichen werden, zudem sollte stets gemeinsam mit dem Arzt entschieden werden, ob der Nutzen des Medikaments den Nebenwirkungen überwiegt.
 
Unter anderem kann die Verwendung von Kondomen eine trockene Scheide begünstigen.

Welche Hausmittel helfen gegen Scheidentrockenheit?

Wer nicht auf teure Produkte aus der Apotheke zurückgreifen möchte, kann sich auch durch unterschiedliche Hausmittel helfen. Oliven- oder Kokosöl können als natürliches Gleitmittel verwendet werden wobei bei der zusätzlichen Anwendung von Kondomen Vorsicht geboten sein sollte.
 
Die Öle können die empfindliche Latexschicht schädigen und durchlässig für Spermien machen. Bei der Verwendung von Kondomen solltest Du besser auf kompatible Gleitgele aus der Apotheke zurückgreifen. Die Anwendung von Naturjoghurt, das angeblich die Anzahl der Milchsäurebakterien in der Vagina wieder normalisieren soll, ist nicht zu empfehlen.

Wie kann die Menstruationstasse bei Scheidentrockenheit Abhilfe verschaffen?

Bei Neigung zur Scheidentrockenheit solltest Du auf das Tragen von Tampons verzichten und stattdessen zum Beispiel auf Menstruationstassen zurückgreifen. Diese helfen, nicht in das natürliche, feuchte Klima der Vagina eingreifen zu müssen und die trockene Schleimhaut nicht zusätzlich zu reizen.
 
Aber Vorsicht, wenn Du eine Spirale (Intrauterinpessare) trägst. Die Anwendung einer Menstruationstasse ist in diesem Fall nicht zu empfehlen, da es beim Entfernen zu einer Dislokation der Spirale kommen kann.

Wie hängen der Verlust der Libido und Scheidentrockenheit zusammen?

Meist handelt es sich um einen schleichenden und langsam zunehmenden Prozess, der in sexueller Lustlosigkeit, erhöhter psychischer Belastung und sogar Angst vor dem Geschlechtsverkehr resultieren kann. Denn ohne die notwendige Feuchtigkeit der Scheide kommt es zum Lubrikationsmangel und dadurch zu Schmerzen beim Eindringen (Dyspareunie).
 
Der Schmerz verhindert, dass Du den Geschlechtsverkehr genießen kannst, Du Dich beim Sex entspannst und dass es zum Orgasmus kommt. Es entsteht ein Teufelskreis. Denn mit der Unfähigkeit, den Sexualakt zu genießen, entsteht eine Angst, die als psychische Komponente die Scheidentrockenheit und das Schmerzempfinden steigert.
 
Hierbei empfiehlt der Arzt in vielen Fällen neben der symptomatischen Behandlung eine (Paar-)Psychotherapie. Im Rahmen dieser Therapie kannst Du gemeinsam mit dem behandelnden Therapeuten etwaigen Ängsten oder Belastungen auf den Grund gehen.

Was hilft gegen Scheidentrockenheit beim Sex?

Beim Sex kann auf unterschiedliche Gleitmittel zurückgegriffen werden. Hier sind wasser-, öl- und silikonbasierte Produkte zu unterscheiden. Wasserbasierte Gleitgele sind gut verträglich und hautschonend, ziehen jedoch rasch ein und müssen daher wiederholt aufgetragen werden.
 
Im Gegensatz zu ölbasierten Gleitmitteln kannst Du solche auf Wasserbasis bedenkenlos auch in Kombination mit Kondomen anwenden. Öl- und silikonbasierte Gleitmittel ziehen zwar nicht so rasch ein, weshalb Du sie auch länger verwenden kannst, sie sind jedoch nicht so schonend und außerdem schwerer zu entfernen.

Wie kann ich einer Scheidentrockenheit vorbeugen?

Wichtiger Teil der Vorbeugung ist zum einen eine adäquate Intimhygiene. Vermeide basische Hygieneartikel wie Seife. Auch Duschgels solltest Du nicht allzu häufig zur Reinigung verwenden, meist reicht das Waschen mit klarem Wasser aus. Auch die Verwendung von Tampons sollte eingeschränkt werden: Ratsam ist es, nur an Tagen mit starker Blutung auf diese zurückzugreifen! Zudem solltest Du Risikofaktoren wie Tabak- oder Alkoholkonsum vermeiden.
 
Die Prognose bei einer Scheidentrockenheit ist sehr gut.

Wie viel kostet die Behandlung bei einer Scheidentrockenheit?

Die Kosten der Behandlung hängen natürlich von der Dauer und von den Ursachen ab. Bei einer vorübergehenden Scheidentrockenheit, deren Auslöser beispielsweise ein Medikament ist, ist das Absetzen des Medikaments der beste Weg, um dem Problem entgegenzuwirken und teure Therapien zu vermeiden. Handelt es sich allerdings um ein dauerhaftes Problem beziehungsweise ist ein Hormonmangel Ursache, zieht sich die Behandlung in die Länge.
 
Befeuchtungscremes und -salben sind in der Apotheke erhältlich und kosten je nach Inhaltsstoff bis zu 20 Euro. Für Vaginalkapseln mit Döderleinbakterien musst Du mit circa 15 Euro rechnen. Spezielle Gleitgele kannst Du sowohl in der Drogerie als auch Apotheke kaufen. Diese kosten, je nach Produkt und Marke, ebenfalls zwischen fünf bis 15 Euro.
 
Für antibiotische oder pilzbekämpfende Therapien bei vorliegender Infektion muss der Arzt ein Rezept ausstellen, hier sind meist nur die Rezeptgebühren zu bezahlen.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung von Scheidentrockenheit?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Konsultation des Arztes und die durchzuführende Diagnostik. Die Therapien mit den verschiedenen Feuchtigkeitssalben, Gleitgelen oder Präparaten zur Wiederherstellung der Scheidenflora musst Du jedoch in der Regel selbst bezahlen.


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Über die Autorin: Dr. Simone Hermanns

Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe


Dr. med. Simone Hermanns ist als Fachärztin am Universitätsspital Zürich tätig und unterstützt MOOCI seit Februar 2020 als medizinische Expertin für den Bereich der Gynäkologie und Geburtshilfe.

Seit nunmehr 7 Jahren arbeitet sie voller Energie und Lebenslust als Ärztin in verschiedenen klinischen Fachbereichen in Deutschland und der Schweiz. Die Liebe zur Medizin entdeckte Sie besonders im operativen Bereich,da die Vielfältigkeit dieses Bereichs immer wieder aufs Neue fasziniert.

Bitte beachte, dass sämtliche zur Verfügung gestellten Inhalte zu den einzelnen Behandlungen, Abläufen, Preisen etc. generelle Informationen sind und je nach Ärzt*in und individuellem Fall und Ausgangslage variieren können.

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Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Bei der Scheidentrockenheit handelt es sich um keine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom, das zahlreiche Ursachen haben, beziehungsweise auf unterschiedliche Erkrankungen hinweisen kann


Bei der Scheidentrockenheit wird in der weiblichen Vagina zu wenig Feuchtigkeit produziert, sodass es zu Symptomen wie Schmerzen (beim Geschlechtsverkehr) oder gehäufter Neigung zu Infektionen kommen kann


Häufigste Ursache der Scheidentrockenheit ist der Östrogenmangel, der meist entweder als Folge der Wechseljahre oder aufgrund von bestimmten Medikamenten, Schwangerschaft und Stillzeit beziehungsweise in Zusammenhang mit einer Chemotherapie auftreten kann


Zu den häufigsten Therapieansätzen zählt die (lokale) Verabreichung von Östrogenen, die Wiederherstellung des natürlichen Scheidenmilieus, die Anwendung von Gleitmitteln bei schmerzhaften Geschlechtsverkehr, das Vermeiden von Risikofaktoren sowie psycho- und paartherapeutische Ansätze

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