Druckgeschwür (Dekubitus)

Das Druckgeschwür oder auch der Dekubitus, wie er in der medizinischen Fachsprache bezeichnet wird, bezeichnet ein Wundliegen aufgrund eines dauerhaften, starken Drucks, der je nach Stadium die Haut und das darunter liegende Gewebe bis auf die Knochen schädigen kann. Besonders gefährdet sind deswegen bettlägerige Menschen sowie Personen, die im Rollstuhl sitzen. Durch eine sorgfältige Vorbeugung kannst Du das Druckgeschwür aber recht gut vermeiden.


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Zuletzt aktualisiert: 14. April, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Druckgeschwür?

Ein Druckgeschwür ist in der Medizin unter dem Namen Dekubitus bekannt. Es handelt sich dabei um eine schlecht und langsam heilende Wunde infolge einer Minderdurchblutung der Haut und/oder des darunter liegenden Gewebes.
 
Die typischen Geschwüre sind die Folge von kompressiv-ischämischen Gewebsläsionen aufgrund von einer übermäßig hohen Druckeinwirkung auf alle Gewebeschichten, einschließlich der Blutgefäße. Der Dekubitus ist medizinisch gesehen keine eigenständige Krankheit, sondern entsteht im Allgemeinen durch fehlende Bewegung beziehungsweise auch schlechte Pflegequalität.
 
Ein Druckgeschwür, auch Dekubitus genannt, entsteht durch einen ständigen Druck auf eine einzige Hautstelle. Vor allem Rollstuhlfahrer und Bettlägrige sind davon betroffen

Wie sehen die Symptome bei einem Druckgeschwür aus?

Ein Druckgeschwür schmerzt und juckt meistens. Wenn allerdings die Empfindungsfähigkeit gestört ist, können selbst schwerwiegende Geschwüre schmerzlos sein.

Welche Ursachen hat ein Druckgeschwür?

Bei Patienten, die sich nicht oder nur kaum bewegen können, kommt es bei einer falschen Lagerung zu einer Komprimierung der versorgenden Blutgefäße in den betroffenen Gewebepartien. Durch die mangelnde Blutversorgung entsteht eine Unterversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie), Nährstoffen und es sammeln sich immer mehr Stoffwechselprodukte an, sodass es zur krankhaften Übersäuerung im Gewebe kommt.
 
Es kommt zu einer Ausdehnung und Steigerung der Durchlässigkeit kleiner Blutgefäße und Kapillaren. Dadurch entstehen Wassereinlagerungen verschiedener Größe, Blasen und Thromben. Schließlich kommt es zu Nekrosen, also zum Absterben des Gewebes, die sich im Laufe der Zeit als Geschwür manifestieren.

Wie verläuft ein Dekubitus? (Stadien)

Der Dekubitus kann in vier Stadien eingeteilt werden. Ein Druckgeschwür ersten Grades liegt vor, wenn auf Deiner Haut eine Rötung auftritt, die auf Fingerdruck nicht verschwindet (Fingertest nach Phillips). Dabei ist die Haut unverletzt, aber schmerzempfindlich. Außerdem kann der Bereich verhärtet und wärmer als seine Umgebung sein. Bei Druckentlastung heilt die Haut vollständig ab.
 
Im zweiten Stadium breitet sich der Dekubitus bis in die Lederhaut, die sogenannte Dermis aus. Du kannst in diesem Stadium eine Blase oder eine offene, flache Hautstelle erkennen. Der Wundrand ist rot bis rosafarben, die betroffene Stelle schmerzt meist stark.
 
Ein Dekubitus dritten Grades ist durch eine Ausbreitung auf alle Hautschichten gekennzeichnet. Das subkutane Fettgewebe liegt frei, Knochen, Sehnen und Muskeln allerdings sind noch nicht sichtbar. Am Randbereich der gesunden Haut können sich manchmal „Taschen“ des tiefen, offenen Geschwürs bilden. Der Wundrand ist entzündet, allerdings hast Du weniger Schmerzen als bei einem Druckgeschwür zweiten Grades.
 
In Grad vier sind nun alle Hautschichten sowie das subkutane Fettgewebe und das Periost (die Knochenhaut) betroffen. Die Knochen, Sehnen und Muskeln liegen nun frei, auch Beläge und Schorfbildungen können als Zeichen einer Nekrose vorliegen. Wenn die Nekrose, also das Absterben von Gewebe, so weit fortgeschritten ist, dass auch die Nervenzellen betroffen und geschädigt sind, nehmen Betroffene daher weniger bis schließlich keinen Schmerz mehr wahr.

Wie diagnostiziert der Arzt ein Druckgeschwür?

Ein Dekubitus ist meist schon mit dem bloßen Auge erkennbar. Daher sollte bei Personen, die aufgrund eines oder mehrerer Faktoren zur Risikogruppe zählen, regelmäßig eine Kontrolle der besonders anfälligen Körperbereiche durchgeführt werden. Wenn dies möglich ist, sollte auch der Patient selbst lernen, wie er seine Haut auf Dekubitus untersuchen kann.
 
Der Patient kann dann, wie auch der Arzt, den sogenannten Fingertest durchführen. Dazu drückt er mit dem Finger auf die verdächtige, bereits gerötete Hautstelle. Wenn die Haut nach dem Loslassen nicht deutlich blasser als vorher erscheint, handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Druckgeschwür ersten Grades.
 
Ein Dekubitus ist leich zu diagnostizieren. In einem Fortgeschrittenen Stadium ist die Wunde bereits sehr groß
 
Der Arzt kann gegebenenfalls bei Unklarheiten oder trotz Druckentlastung zunehmender Rötung eine Gewebeprobe der betroffenen Stelle nehmen, um eine Infektion oder eine bösartige Entartung der Wunde zu erkennen. Besteht bereits eine offene Wunde, kann der Arzt auch zunächst einen Abstrich aus dem Wundbett entnehmen und im Labor mögliche Erreger bestimmen.
 
Faktoren wie Fieber, Schüttelfrost sowie ein unangenehmer, fauliger Geruch aus der Wunde können ebenfalls auf eine Infektion hinweisen. Nicht nur das Gewebe, auch das Blut kann auf Erreger untersucht werden. Ist der Dekubitus bereits weit fortgeschritten, führt der Arzt unter Umständen noch eine Röntgenuntersuchung durch. So kann er feststellen, ob sich das Druckgeschwür schon bis zum Knochen ausgebreitet hat.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Am häufigsten sind Personen vom Dekubitus betroffen, die sehr lange liegen oder sitzen, ohne sich zu bewegen. Daher sind vor allem ältere Patienten, die aufgrund von einer akuten oder chronischen Erkrankung bettlägerig sind, sowie Personen im Rollstuhl besonders gefährdet.
 
Personen mit dünner, unelastischer Haut, wie sie häufiger bei älteren Patienten auftritt, sowie Personen, welche an Diabetes leiden oder aufgrund einer Erkrankung regelmäßig Medikamente wie Kortison nehmen müssen, gehören ebenfalls zur Risikogruppe.
 
Weitere begünstigende Faktoren sind eine reduzierte Schmerzempfindlichkeit, ein geringer Körperfettanteil, Inkontinenz, die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln, Übergewicht, mangelnde Pflege, Mangel- oder Unterernährung sowie bereits bestehende Hautkrankheiten und Reizungen.

Welche Folgen hat das Druckgeschwür für die Patienten?

Neben den körperlichen Folgen wie Schmerzen, Infektionsgefahr und Nekrosen leiden die Betroffenen auch an einer psychischen Belastung. Durch das Druckgeschwür sind sie deutlich in ihrem täglichen Leben eingeschränkt, was sogar zu Depressionen und sozialem Rückzug führen kann. Auch nachdem ein Dekubitus ausgeheilt wurde, haben die Betroffenen ein erhöhtes Rückfallrisiko. In Extremfällen kann ein Druckgeschwür lebensgefährlich sein.

Welche Körperstellen sind besonders gefährdet?

Körperstellen, an denen sich zwischen Haut und Knochen nur wenig Fettgewebe befindet, sind besonders gefährdet, einen Dekubitus zu entwickeln. Vor allem Knorpel- und Knochenvorsprünge sind prädestiniert dafür.
 
Außerdem ist die Körperstelle, an der ein Dekubitus auftritt, abhängig davon, wie der Patient gelagert wird. In Rückenlage kann er am Hinterkopf, an den Schulterblättern und an der Wirbelsäule, an den Ellbogen, an den Flächen über dem Steißbein, sowie an Fersen und Fußknöcheln auftreten.
 
In Seitenlage sind die Ohrmuschel, das Schultergelenk, der obere Teil des Oberschenkelknochens, die Knie und die Fußknöchel gefährdet. Ein Druckgeschwür kann auch in sitzender Haltung auftreten, wie bei Rollstuhlfahrern. In diesem Fall können der Hinterkopf, die Schulterblätter, die Flächen über dem Steißbein, sowie die Fersen betroffen sein.

Welche Behandlungs- und Therapiemethoden gibt es?

Die Dekubitus-Therapie unterteilt sich in zwei Bereiche, einerseits die Lokaltherapie und andererseits die Kausaltherapie. Der Arzt setzt die Lokaltherapie ein, um den Dekubitus zu versorgen und die Abheilung zu unterstützen.
 
Ist das Druckgeschwür bereits weit fortgeschritten, hilft meist nur noch eine Operation
 
Bei einem Druckgeschwür ersten Grades ist es daher meist ausreichend, die betroffene Stelle sorgfältig zu pflegen und zu entlasten. Wenn ein Dekubitus fortgeschritteneren Grades vorliegt, muss der Arzt diesen zunächst vom abgestorbenen Gewebe befreien.
 
Das sogenannte Débridement kann entweder chirurgisch mit einem Skalpell, mithilfe von Enzymen oder im Rahmen der sogenannten Madentherapie durch Fliegenlarven erfolgen. Anschließend desinfiziert der Arzt die Wunde, bedeckt sie mit feuchten Wundauflagen und reinigt sie regelmäßig. Eine weitere Methode, die zu den Lokaltherapien zählt, ist die Vakuumversiegelungsmethode.
 
Die Kausaltherapie zielt im Gegensatz zur Lokaltherapie direkt auf die Ursache des Druckgeschwürs ab. Daher ist das oberste Ziel der Behandlung eine Druckentlastung des betroffenen Gebiets.
 
Bei liegenden Patienten kommen zum Beispiel spezielle Dekubitusmatratzen oder Spezialbetten zum Einsatz, für Rollstuhlfahrer gibt es spezielle Sitzkissen zur Druckentlastung. Angehörige oder eigens geschultes Personal sollte die Patienten regelmäßig umlagern.
 
Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle in der Kausaltherapie. Eine proteinreiche Kost mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen fördert die Heilung der Haut und beugt einer Mangelernährung vor. In manchen Fällen bekommen Patienten eine Spezialnahrung verabreicht. Leidet der Betroffene an Schmerzen, können Schmerzmittel Linderung verschaffen.
 
Um zu verhindern, dass der Patient immer auf derselben Stelle liegt, eignen sich bei Möglichkeit spezielle Bewegungsübungen. Wenn der Betroffene auch an psychischen Begleiterkrankungen leidet, zählt auch deren Behandlung zur Kausaltherapie, da Depressionen zum Beispiel den Behandlungserfolg einschränken können.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Liegt ein Dekubitus vierten Grades vor, ist fast immer ein chirurgischer Eingriff nötig, bei leichtgradigen Druckgeschwüren ist dies meist nicht notwendig.

Wie verläuft die Operation bei einem Druckgeschwür?

Im Rahmen des Eingriffs schneidet der Arzt das Druckgeschwür heraus und entfernt auch, falls nötig, einen Teil des Knochens. Ist das Druckgeschwür schon sehr ausgedehnt, kann der Arzt auch eine plastisch-chirurgische Operation planen.
 
Dabei transplantiert er gesunde Haut und Weichteilgewebe von anderen Bereichen des Körpers auf die durch den Dekubitus zerstörte Körperpartie. Zusätzlich bekommst Du ein Antibiotikum verabreicht, um eine Keimbesiedlung der betroffenen Stellen und eine Ausbreitung der Infektion zu verhindern.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Wenn Du Dich nicht schnell in Behandlung begibst, breitet sich das Geschwür in tiefere Gewebeschichten aus. Im weiteren Verlauf stirbt das Gewebe ab und muss operativ entfernt werden. Auch das Risiko für eine Infektion der Wunde ist groß.
 
Wenn der infizierte Dekubitus schon in den Knochen hineinragt, können sich die Erreger auch dort ausbreiten. Daraus kann sich dann eine Knochenentzündung (Ostitis) und eine Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) entwickeln.
 
Wenn sich die Keime noch weiter im Körper ausbreiten, können Komplikationen wie Knochenabszesse oder eine Blutvergiftung auftreten. Wenn sich das Druckgeschwür großflächig auf der Haut ausbreitet, können Mangelerscheinungen auftreten, da die Person über die offene Wunde laufend wichtige Mineralstoffe und Proteine verliert.

Wie kann ein Dekubitus vorgebeugt werden?

Glücklicherweise kannst Du dem Dekubitus gut vorbeugen. Es gibt spezielle Anti-Dekubitus-Hilfsmittel, wie zum Beispiel Schaumstoffmatratzen, Gel- oder Luftkissen, Schaffellauflagen oder spezielle Sitzkissen für Rollstuhlfahrer. Außerdem solltest Du darauf achten, bettlägerige Patienten regelmäßig umzulagern und zu mobilisieren.
 
Des Weiteren ist ein häufiges Wechseln von Kleidung und Bettwäsche der Personen wichtig. Natürlich ist auch die Hautpflege sowie eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr essenziell.
 
Der Dekubitus lässt sich vorbeugen, indem eine gute Lagerung der Patienten stattfindet, sie also nicht immer auf der selben Stelle liegen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Den größten Teil der Kosten für Vorbeugung und Behandlung eines Dekubitus übernimmt die Krankenkasse des Betroffenen. Die Krankenkasse prüft dabei den Leistungsanspruch, genehmigt die Versorgung entsprechend den gesetzlichen Vorschriften und erstattet dann die damit verbundenen Kosten.
 
 
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Das Wichtigste zusammengefasst

Der Dekubitus bezeichnet ein Wundliegen von meist bettlägerigen Patienten oder Personen im Rollstuhl aufgrund eines dauerhaften, starken Drucks auf verschiedene Körperpartien. Besonders betroffen sind Körperstellen, an denen sich zwischen Haut und Knochen nur wenig Fettgewebe befindet


Durch richtige Lagerung, häufiges Umlagern und spezielle Anti-Dekubitus-Hilfsmittel kannst Du das Risiko für die Entwicklung eines Druckgeschwürs verringern


Es gibt vier Stadien des Dekubitus, je früher Du mit der Behandlung beginnst, desto größer sind die Heilungschancen und desto geringer ist Dein Risiko für Komplikationen


Eine Operation ist meist nur im vierten Stadium notwendig, vorher kann der Arzt mit anderen Lokal- und Kausaltherapien gute Ergebnisse erzielen

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