Keratoakanthom

Eine Vielzahl an Hauterscheinungen können auf eine Hautkrebsform hindeuten. Kommt es zu einer einzelnen, hellroten, knotigen Struktur mit einer zentralen, dunklen, kraterartigen Vertiefung, so kann dies hinweisend für ein Keratoakanthom sein. Allgemein wird diese Krebsart als eher gutartig angesehen mit besonders günstiger Prognose. Allerdings kann dieser in ein bösartiges Karzinom übergehen und darf aus diesem Grund nicht unbeachtet bleiben. Keratoakanthome weisen eine rasante Wachstumsdynamik auf, besitzen jedoch auch ein hohes Potenzial zur Selbstheilung. Während in rund 50 Prozent der Fälle eine spontane Rückbildung eintritt, besteht die übliche Therapie in der operativen Entfernung mittels örtlicher Betäubung.


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Medizinische Expertin

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Cand. med.

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Zuletzt aktualisiert: 4. Juni, 2020



ICD-10-GM-2020 L85.5

Was versteht die Medizin unter einem Keratoakanthom?

Bei einem Keratoakanthom handelt es sich um eine gutartige Wucherung der Haut, die sich aus den Zellen des Haarfollikels entwickelt. Derzeit wird es einheitlich als Variante des aggressiven Plattenepithelkarzinoms der Haut gewertet, das als Krebsvorstufe wirkt. Oberflächlich ist der keratingefüllte Krater seitlich gut abgrenzbar, jedoch verursacht dieser in tieferliegenden Schichten kleine Entzündungen, sogenannte Mikroabszesse. Feine Gefäße können unter Umständen sichtbar sein, müssen aber kein Indiz für ein bösartiges Geschehen darstellen.
 
Das Keratoakanthom kommt vorwiegend an lichtexponierten Hautarealen vor und betrifft vor allem ältere Personen ab dem 60. Lebensjahr, wobei Männer deutlich häufiger zur Ausbildung einer solchen Entartung neigen als Frauen. Obwohl die Entstehungsursache bislang nicht geklärt ist, werden UV-Strahlung, Virusinfektionen, ein geschwächtes Immunsystem und genetische Komponenten mit der Hautentartung assoziiert.
 
Auch krebserregende Substanzen wie Nikotin, Teer, Mineralöle oder traumatisch-irritative Anwendungen, wie spezielle Hautpeelings, werden mit dem Keratoakanthom in Verbindung gebracht.

Männer ab 60 Jahren sind am häufigsten von einem Keratoakanthom betroffen.

Was sind die Anzeichen für ein Keratoakanthom?

Die Vorsilbe „kerato“ (dt. Verhornung) weist auf ein charakteristisches Merkmal des Tumors hin: Er besitzt eine obere, verhornte Schicht, aus der ein Hornkegel mit einer Art Hornpfropf hervorgeht. Unter einer Verhornung kannst Du Dir eine verdickte, schwielige Hautschicht vorstellen, die sich hart, trocken und rau anfühlt. Im Inneren ist dieses kegelartige Gewächs dunkel pigmentiert.

Welche Ursachen hat ein Keratoakanthom?

Die genaue Ursache für diese Form des Hautkrebses ist bislang unklar. Da Keratoakanthome jedoch vorwiegend an Stellen auftreten, die ganzjährig dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, ist ein Zusammenhang mit starker oder andauernder UV-Strahlung naheliegend.
 
Auch humane Papillomaviren (HPV), die oftmals zur Bildung von Hautwarzen führen, stehen in Verdacht an der Entstehung von unterschiedlichen Hautkrebsarten beteiligt zu sein. Patienten mit einem geschwächten oder medikamentös unterdrückten Immunsystem, wie beispielsweise nach einer Organtransplantation, neigen besonders zur Ausbildung dieser speziellen Tumorform.
 
Neben den bereits beschriebenen Faktoren können auch chemische Schadstoffe oder Hautreizungen das Auftreten von Keratoakanthomen begünstigen. Die genetische, vererbte Komponente, ist als Ursache ebenfalls nicht auszuschließen. 

Wie und wo zeigt sich das Keratoakanthom?

Der Tumor bildet sich vorwiegend an Körperarealen mit großer UV-Belastung, wie Kopf, Gesicht, Händen, Unterarmen oder Nacken. Keratoakanthome wachsen äußerst schnell trichterartig nach oben und beinhalten eine eingebuchtete, meist dunkle, verhornte Mitte.
 
In der Regel wird dieser Hautkrebstyp ein bis maximal drei Zentimeter groß. Das schnelle Wachstum lässt sich durch die Anbindung an ein Haarfollikel erklären, sodass eine Größenzunahme an das Haarwachstum angepasst ist.
 
Im Zentrum eines solchen Gewächses sind feine Blutgefäße, sogenannte Teleangiektasien, zu erkennen. In der Lederhaut, einer tiefer liegenden Hautschicht, findet mit der Bildung des Keratoakanthoms ein entzündlicher Gewebeprozess statt.

Wie diagnostiziert der Arzt ein Keratoakanthom?

Eine eindeutige Diagnose kann Dein Arzt nur anhand einer Gewebeprobe stellen, da Keratoakanthome starke Ähnlichkeiten mit dem bösartigen Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) haben. Auch an eine sogenannte aktinischen Keratose oder ein Basalzellkarzinom (Basaliom) sollte gedacht werden.
 
Für eine Gewebeuntersuchung muss der gesamte Tumor erfasst werden, da das histologische Bild in den einzelnen Probearealen variieren kann. Unter einer örtlichen Betäubung entfernt der Chirurg die verdächtige Hautstelle und das Gewebe im Labor feingeweblich bewertet.
 
Sollte es sich in Deinem Fall um ein Keratoakanthom handeln, erkennt der Pathologe die charakteristischen, zentralen Verhornungszonen. Nach der Entfernung stellen sich am Wundgrund rasch Reparaturprozesse der Haut ein, sodass ein lokalplastischer Wundverschluss oder ein Hauttransplantat nicht notwendig sind.

Ein Keratoakanthom äußert sich durch Wucherungen an der Haut.

Wie wird ein Keratoakanthom behandelt?

Bei dieser Tumorform kommt es oft zu einer eigenständigen Rückbildung, jedoch können hierbei erhebliche Narben zurückbleiben. Die Kombination einer Operation mit der Injektion von Methotrexat oder 5-Fluoruracil führt meist zum besten kosmetischen Ergebnis. Methotrexat und 5-Fluoruracil sind Arzneimittel, die dazu genutzt werden, das Zellwachstum zu hemmen.
 
Außerdem verringert eine zeitnahe chirurgische Entfernung zum einen die Wahrscheinlichkeit einer bösartigen Weiterentwicklung, zum anderen kann im Rahmen der histologischen Untersuchung ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem Tumor doch um ein aggressives Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) handelt. Weißer Hautkrebs oder andere Vorstufen bösartiger Hautveränderungen haben häufig, vor allem im Anfangsstadium, große Ähnlichkeit mit dem Keratoakanthom.
 
Die Therapie der ersten Wahl stellt die chirurgische Exzision dar. Hierbei werden in die Tiefe und zur Seite zwei bis drei Millimeter mehr entfernt, um tatsächlich das gesamte entartete Gewebe zu erwischen und einen zusätzlichen Sicherheitsabstand zu haben. Alternativ kann der Arzt die Hautläsion mithilfe eines scharfen Löffels ausschaben.
 
In diesem Fall sollte anschließend eine 5-Fluoruracil-Creme (beispielsweise Efudix) aufgetragen werden. Die Efudix-Behandlung solltest Du, für den von Deinem Arzt vorgegebenen Behandlungszeitraum, drei- bis viermal täglich wiederholen. Auch die Kombination von Ausschabung und chirurgischer Vereisung oder Ausschabung und Verödung der Tumorbasis kann alternativ angewendet werden.

Welche Komplikationen können bei einem Keratoakanthom auftreten?

Keratoakanthome werden als Vorstufe, eine sogenannte Präkanzerose, für ein bösartiges Plattenepithelkarzinom angesehen. Unbehandelt besteht somit das Risiko einer aggressiven Entartung mit den damit einhergehenden Beschwerden einer Krebserkrankung.
 
Außerdem werden die schnell wachsenden Knoten häufig als ästhetisch störend empfunden. Der damit verbundene Leidensdruck kann damit Deine Lebensqualität deutlich einschränken, woraus nicht selten Minderwertigkeitskomplexe, ein verringertes Selbstwertgefühl oder gar Depressionen resultieren.
 
Wenn sich das Keratoakanthom von selbst zurückbilden sollte, kommt es zu keinen weiteren Komplikationen. Unter Umständen bleibt eine kleine, schwindende Narbe über. Im Falle einer chirurgischen Entfernung, die grundsätzlich zu empfehlen ist, kommt es nur selten zur Narbenbildung. Hier solltest Du verstärkt auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten.
 
Falls notwendig kannst Du Dich bei Deinem Arzt über eine Narbenkorrektur mittels Lasertherapie informieren. Ansonsten handelt es sich bei dem Eingriff um eine minimal-invasive Operation, die in lokaler Betäubung durchgeführt wird und kaum Risiken mit sich bringt.

Ein Keratoakanthom tritt vor allem an sonnenexponierten Hautstellen auf.

Wie ist die Prognose bei einem Keratoakanthom?

Grundsätzlich hat das Keratoakanthom, bei dem in rund 50 Prozent der Fälle eine spontane Heilung zu erwarten ist, eine sehr gute Prognose. Vor allem dann, wenn der Arzt es bereits zu Beginn seiner Entwicklung chirurgisch entfernt. Regelmäßige hautärztliche Vorsorgeuntersuchungen vergrößern die Chance, Keratoakanthome und andere Hautkrebsformen frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Welche Folgen hat ein Keratoakanthom für Betroffene?

Prinzipiell ist der Übergang zu einer bösartigen Krebsform oder der Befall des umliegenden Gewebes stets möglich. Bösartige Transformationen, die aus dem Boden eines Keratoakanthoms entstehen, kommen in rund sechs Prozent der Fälle bei vorwiegend alten Menschen vor.
 
Bei verdächtig erscheinenden Hautläsionen solltest Du Dich an einen Hautarzt wenden, um eine frühe Diagnose und Therapie sicherzustellen. Auch wenn eine spontane Heilung möglich ist, kann aus der Krebsvorstufe ein Plattenepithelkarzinom entstehen. Absiedlungen dieses Tumors in andere Organe sind wiederum möglich und können potenziell lebensbedrohliche Folgen haben.

Wie unterscheidet sich ein Keratoakanthom von einem Plattenepithelkarzinom?

Das Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) ist eine bösartige Entartung der Haut mit einem aggressiven Wachstumsmuster. Es entsteht meist auf dem Boden einer Krebsvorstufe, der sogenannten Präkanzerose.
 
Das klinische Erscheinungsbild eines Plattenepithelkarzinoms kann variieren, entspricht in der Regel aber einer stark verhornenden, fleckenförmigen Hautveränderung oder einem flachen Geschwür mit einem erhabenen Rand. Diese bösartige Entartungsform kann in andere Organe streuen oder umliegendes Gewebe befallen, ein Keratoakanthom dagegen metastasiert nicht.
 
Obwohl das Keratoakanthom wegen seines raschen Wachstums und der halbkugelartigen Wuchsform in der Klinik meist vom Plattenepithelkarzinom unterschieden werden kann, ist eine sichere Differenzierung in einzelnen Fällen schwierig. Die definitive Abgrenzung kann nur histologisch erfolgen und sollte am ganzen Präparat erfolgen.

Die Prognose bei einem Keratoakanthom ist sehr gut, in 50 Prozent der Fälle wickelt es sich selbst zurück.

Wie viel kostet die Behandlung eines Keratoakanthoms?

Solltest Du Dich dazu entscheiden, das Keratoakanthom bei einem Privat- oder Wahlarzt entfernen zu lassen, musst Du mit Kosten ab 200 Euro rechnen. Einige Krankenkassen übernehmen auch in diesem Fall nach Einreichung der nötigen Dokumente einen Teil der Kosten. Genauere Informationen dazu erhältst Du jedoch bei Deinem Versicherungsträger.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung eines Keratoakanthoms?

Grundsätzlich werden alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapieleistungen von Deinem Sozialversicherungsträger übernommen. Bei einzelnen Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt anfallen.


Dauer Dauer

Je nach Krankheitsverlauf

Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Keratoakanthome sind schnell wachsende gutartige Hauttumoren, die sich in 50 Prozent der Fälle spontan zu- rückbilden


In erster Linie sind Männer ab dem 60. Lebensjahr davon betroffen, zumeist an lichtexponierten Körperstellen


Sie sind oft schwer von bösartigen Plattenepithelkarzinomen (Spinaliomen) zu unterscheiden und können im Spätstadium in ein solches übergehen


Da zum Zeitpunkt der Diagnose nicht von einer spontanen Rückbildung ausgegangen werden kann, erfolgt die Therapie mittels operativer Entfernung

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