Plattenepithelkarzinom

Das Plattenepithelkarzinom ist nach dem Basalzellkarzinom die zweithäufigste bösartige Hautveränderung und lässt sich dem weißen Hautkrebs zuordnen. Größter Risikofaktor für die Entstehung dieses Hautkrebses ist eine starke, direkte und langandauernde Sonneneinstrahlung. Die Betroffenen sind im Durchschnitt etwa 70 Jahre alt, Männer sind häufiger betroffen als Frauen.


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 12. November, 2019



Was versteht die Medizin darunter?

Das Plattenepithelkarzinom, auch Spinaliom oder Stachelzellkarzinom genannt, ist ein maligner Tumor (Krebs), der von Haut oder Schleimhaut ausgeht, welche aus Plattenepithel besteht. Es entwickelt sich aus einer aktinischen Keratose, einer Hautkrebsvorstufe.

Plattenepithelkarzinom

Wie sehen die Symptome aus?

Tastbare Knoten, die auf der Oberseite eine feste schuppige Schicht oder Kruste haben, sind ein Warnzeichen für das Plattenepithelkarzinom. Die Kruste kann aufbrechen und im Anschluss nässen und bluten, allerdings verspürst Du in der Regel keine oder nur wenig Schmerzen.

Welche Ursache hat ein Plattenepithelkarzinom?

Die wichtigste Ursache für die Entstehung eines Plattenepithelkarzinoms ist eine starke chronische UV-Licht-Belastung, vor allem bei Personen, die empfindlich auf Sonnenlicht reagieren. Unerheblich ist dabei, ob es sich um natürliches oder künstliches UV-Licht handelt. Weitere begünstigende Faktoren sind radioaktive Strahlung, Behandlungen mit Licht- oder Röntgenbestrahlung, chronische Entzündungen und stark ausgeprägte Narben. Experten vermuten ebenfalls, dass eine Infektion mit HPV bei der Entstehung eine Rolle spielt.

Wie wird ein Plattenepithelkarzinom diagnostiziert?

Bereits anhand der typischen Hautveränderungen erkennt der Arzt sowohl die aktinische Keratose als auch das Plattenepithelkarzinom. Durch eine histologische Untersuchung, einer Gewebeprobe im Labor, kann er die Diagnose absichern.

Wer ist davon betroffen?

Am häufigsten sind Personen im höheren Alter betroffen, die häufig Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren und einen hellen Hautton haben. Außerdem haben Personen, die bereits eine aktinische Keratose entwickelt haben, an Xeroderma pigmentosum („Mondscheinkrankheit“) leiden, oder ein geschwächtes Immunsystem aufgrund von HIV oder Organtransplantationen haben, ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Plattenepithelkarzinoms. Auch Medikamente wie Cyclosporin A hemmen das Immunsystem und wirken daher krankheitsbegünstigend. Wenn Du in der Vergangenheit mit Arsen gegen Schuppenflechte behandelt wurdest, hast auch Du ein erhöhtes Risiko. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Welche Körperstellen können von einem Plattenepithelkarzinom betroffen sein?

Wie auch die Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms, die aktinische Keratose, bilden sich die Karzinome an Körperstellen, die besonders intensiv der Sonne ausgesetzt sind. Dazu gehören die Unterarme, die Handrücken, der Nasenrücken, die Stirn, die Ränder der Ohrmuscheln und die Unterlippe. Bei Männern ist auch die Kopfhaut häufig der Sonneneinstrahlung ausgesetzt. In seltenen Fällen sind auch Körperstellen wie der Mund, die Zunge und der Genitalbereich betroffen.

Plattenepithelkarzinom

Wie sieht der Verlauf bei einem Plattenepithelkarzinom aus?

Je früher Du eine Hautveränderung bemerkst und zum Arzt gehst und je früher das Karzinom behandelt wird, desto besser ist Deine Prognose. Da Tumoren, die kleiner als ein Zentimeter sind, selten metastasieren, haben Patienten hier sehr gute Heilungschancen. Meistens werden die Karzinome in diesem Stadium erkannt und können gut behandelt werden. Haben sich allerdings bereits Tochtergeschwülste ausgebildet, ist die Prognose deutlich ungünstiger und können gerade bei immunsupprimierten Patienten einen sehr aggressiven Krankheitsverlauf nehmen.

Welche Folgen hat ein Plattenepithelkarzinom für Betroffene?

Schmerzen hast Du zunächst nicht, allerdings kann das Plattenepithelkarzinom streuen, das heißt, die Krebszellen verbreiten sich über Lymphgefäße und Blutbahnen. Dadurch gestaltet sich die Behandlung deutlich schwieriger. Die entstehenden Läsionen empfinden Patienten häufig auch als kosmetisches Problem.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Neben chirurgischen und laserchirurgischen Methoden zur Entfernung des Plattenepithelkarzinoms gibt es noch die nicht-operativen Methoden. Nicht-operative Methoden setzen an der Hautoberfläche an und sind meistens bei einer Verdachtsdiagnose indiziert. Zu ihnen zählen unter anderem Kürettage, Elektrodesikkation, Vereisung (Kryotherapie), photodynamische Therapie, lokale Chemotherapie mittels 5-Fluorouracil-Creme, lokale Immuntherapie mittels Imiquimod-Creme und Strahlentherapie.

Wann muss ein Plattenepithelkarzinom operativ entfernt werden?

Prinzipiell sollte das Plattenepithelkarzinom bei einer gesicherten Diagnose immer chirurgisch entfernt werden, sofern es keine Gegenindikationen (zum Beispiel Alter des Patienten) gibt, da sich die Krankheit nur durch diese Methode zuverlässig heilen lässt.

Wie sieht die Prognose bei einem Plattenepithelkarzinom aus?

Die Prognose des Plattenepithelkarzinoms ist abhängig von Lokalisation und Größe des Tumors, Eindringtiefe und Differenzierungsgrad des Tumors, sowie dem Zustand Deines Immunsystems. Allgemein lässt sich sagen, dass die Prognose sehr gut ist, wenn der Tumor noch nicht gestreut hat. Haben sich allerdings bereits Metastasen gebildet, ist die Behandlung deutlich erschwert und auch die Prognose ist schlechter.

Plattenepithelkarzinom

Gibt es auch Hausmittel, welche bei einem Plattenepithelkarzinom helfen können?

Bevor Du Hausmittel, die zwar weit verbreitet, jedoch sehr umstritten sind, gegen das Plattenepithelkarzinom anwendest, solltest Du auf jeden Fall mit einem Arzt sprechen. Die Möglichkeiten zur alternativen Behandlung sind breit gefächert. Diskutiert werden folgende umstrittene Techniken: Du kannst Deinen Tumor im frühen Stadium mit Ingenol mebutate behandeln. Der Stoff ist im Saft der Garten-Wolfsmilch zu finden und führte Studien zufolge bereits nach wenigen Tagen zu einer vollständigen Abheilung des Tumors. Ein weiteres Hausmittel ist die Wunderknolle Ingwer. Neben der Linderung von Blähungen und Übelkeit wird ihm auch eine krebshemmende Wirkung nachgesagt. Koche dafür den Ingwer einige Minuten im Wasser auf und trinke es dann über den Tag verteilt. Alternativ kannst Du den Ingwer aber auch einfach Deinen Mahlzeiten zugeben.

Andere Heilpflanzen sind Mistel, Brennnessel, Salbei und Aloe Vera. Wenn Du allerdings lieber auf die Wirkung von ätherischen Ölen setzt, können Kamille, Rosmarin, Oregano, Weihrauch und Thymian bei der Behandlung des Plattenepithelkarzinoms helfen. Du kannst die Öle anwenden, wie Du möchtest, zum Beispiel kannst Du sie beim Kochen anstatt der üblicherweise verwendeten Öle oder Fette benutzen. Sprich mit einem Experten über diese Techniken, da meist nur die Schulmedizin bei gesicherter Diagnose eine definitive Lösung anbietet.

Ist weißer Hautkrebs ansteckend?

Der weiße Hautkrebs ist nicht ansteckend.

Kann ich ein Plattenepithelkarzinom selbst entfernen?

Nein! Du solltest niemals versuchen, ein Plattenepithelkarzinom selbst zu entfernen. Suche dafür lieber einen Dermatologen auf. Er desinfiziert die Stelle und entfernt das gesamte Karzinom, sodass die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs gering ist. Versuchst Du, dies selber zu tun, riskierst Du eine Infektion der Wunde sowie eine unvollständige Entfernung, woraus dann wiederum ein Plattenepithelkarzinom resultiert.

Wie kann ich diese Art von weißem Hautkrebs vorbeugen?

Die gute Nachricht: Du kannst dieser Art von weißem Hautkrebs effektiv vorbeugen, indem Du Dich mäßig und nicht zu häufig UV-Strahlungen aussetzt. Sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen, die Du ergreifen solltest, sind das Vermeiden der Mittagssonne etwa zwischen elf und 15 Uhr, der Verzicht auf Solariumsbesuche und auch das Aufsuchen von Schatten sowie das Tragen von Sonnenschutzkleidung. Achte vor allem bei Kindern auf hinreichenden Sonnenschutz, dazu eignen sich Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (UV-A und UV-B Schutz). Alle zwei Jahre solltest Du bei Deinem Hautarzt ein Hautkrebsscreening durchführen lassen, ab dem 35. Lebensjahr zahlen diesen sogar die Krankenkassen. Etwa jedes halbe Jahr solltest Du Dich selber auf Hautveränderungen untersuchen. Aber auch die Teilnahme an der Krebsnachsorge ist wichtig, da ein alter Tumor auch wieder auftreten kann. Sofern dieser rechtzeitig erkannt wird, stehen die Chancen für eine dauerhafte Heilung gut.

Plattenepithelkarzinom

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Kosten für die Diagnose und Therapie von aktinischen Keratosen und Plattenepithelkarzinomen werden vollständig von den Krankenkassen übernommen. Falls Du trotzdem Zweifel haben solltest, dann kannst Du gerne unsere Spezialisten kontaktieren.

 

Quellen

MSD Manual

AWMF Leitlinien

JDDG


Dauer Dauer

5-20 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Das Plattenepithelkarzinom ist die zweithäufigste bösartige Hautveränderung


Symptome sind tastbare Knoten, welche aufplatzen und nässen können, allerdings keine oder kaum Schmerzen verursachen


Am häufigsten betroffen sind Personen mit hellem Hauttyp, einer aktinischen Keratose, Xeroderma pigmentosum oder einem geschwächten Immunsystem, generell sind ältere Personen sowie Männer überproportional häufig betroffen


Operative Behandlungsmethoden: chirurgisch und laserchirurgisch; Nicht-operative Behandlungsmethoden: Kürettage, Elektrodesikkation, Vereisung (Kryotherapie), photodynamische Therapie, lokale Chemotherapie, lokale Immuntherapie und Strahlentherapie