Morbus Bowen

Auch wenn der Morbus Bowen harmlos aussieht, solltest Du ihn definitiv nicht unterschätzen. Übersehen oder als Schuppenflechte verkannt, stellt er eine Hautkrebsvorstufe dar. Früherkennung rettet hierbei Leben. Worauf Du achten solltest und was zu tun ist, falls die Erkrankung bei Dir festgestellt wurde, erfährst Du bei uns!


AUTOR

Dr. med. Benjamin Gehl

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Miriam Ankrah

Online-Redaktion


Letztes Update: 12. November, 2019



Was versteht die Medizin unter Morbus Bowen?

In der Medizin versteht man unter dem Begriff Morbus Bowen eine bösartige Haut- oder Schleimhautveränderung. Als sogenanntes „Carcinoma in situ“ stellt er eine Krebsvorstufe dar. Die bösartig veränderten Zellen begrenzen sich bei dieser Erkrankung auf die Haut und wachsen nicht weiter in das Körpergewebe ein. Erstmals beschrieben hat diese Hautveränderungen der Hautarzt John Bowen, nach dem die Krankheit Morbus Bowen benannt wurde.

Morbus Bowen

Wie sehen die Symptome bei der Bowen-Krankheit aus?

Obwohl sich die Erkrankung an jeder Stelle der Haut entwickeln kann, bildet sie sich meist in Hautfalten von Händen, Gesicht, Oberkörper oder Unterschenkeln. Die rot-schuppigen Hautveränderungen des Morbus Bowen können Betroffene zu Beginn leicht mit anderen Hautkrankheiten verwechseln. Vor allem die Schuppenflechte ähnelt der Erkrankung sehr. Doch im Gegensatz zu dieser kommt es bei der Bowen-Krankheit in aller Regel nur zu einer einzigen Hautläsion. Patienten können den Morbus Bowen durch seine sehr scharfe Begrenzung und teilweise Verhornung erkennen. Diese können dem Schorf nach einer Verletzung ähnlich sehen. Sieht ein Hautfleck verdächtig aus, solltest Du in jedem Fall den Hautarzt aufsuchen.

Die Erkrankung kann ebenfalls die Schleimhaut von Mundraum, Anus oder Genitalien betreffen. Diese Sonderform des Morbus Bowen nennen Mediziner Erythroplasie oder Erythroplasie de Queyrat. Mit Abstand am häufigsten tritt sie an Eichel, Vorhaut und Scheide auf. Dort bildet sie rötliche, scharf begrenzte Flecken mit matter Oberfläche. Sie sind zu Beginn sehr klein, wachsen aber stetig und können im späteren Verlauf auch größere Flächen bedecken.

Weil weder der Morbus Bowen noch seine Unterform, die Erythroplasie, schmerzhaft sind, gehen Betroffene meist erst spät zum Facharzt zur Abklärung. In den meisten Fällen entdecken Mediziner die Krankheit deshalb im Rahmen einer anderen Untersuchung.

Welche Ursachen hat Morbus Bowen?

Die Ursachen des Morbus Bowen sind vielfältig und reichen von Umwelteinflüssen über Infektionen bis hin zu Giftstoffen. UV-Licht, die ultraviolette Strahlung, die im Sonnenlicht enthalten ist, kann unter anderem bösartige Zellveränderungen auslösen, die zu der Hautkrebsvorstufe führen. Gerade die Erythroplasie, der Morbus Bowen der Schleimhäute, wird aber auch durch eine Infektion mit dem Humanen Papilloma-Virus (kurz HPV) ausgelöst. Dieser Virus, der als Verursacher von Gebärmutterhalskrebs Schlagzeilen machte und gegen den mittlerweile eine Impfung existiert, kann auch andere Krankheiten verursachen, unter anderem den Morbus Bowen. Schließlich verursachen auch Giftstoffe, genauer gesagt krebsauslösende Chemikalien, den Morbus Bowen. Vor allem das bekannte Gift Arsen stört die Reparaturmechanismen von Hautzellen und kann deshalb zu der Hautkrebsvorstufe führen.

Wie diagnostiziert der Arzt Morbus Bowen?

Der Morbus Bowen ist zunächst eine Blickdiagnose. Ärzte erkennen ihn in vielen Fällen im Rahmen anderer Untersuchungen, weil das Fehlen von Symptomen Patienten in Sicherheit wiegt. Um ihn mit Sicherheit zu beweisen, müssen Hautärzte, beziehungsweise Gynäkologen, Urologen oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, bei Schleimhautveränderungen eine Gewebeprobe aus dem veränderten Hautareal entnehmen. In diesem können Experten dann unter dem Mikroskop zelluläre Veränderungen feststellen.

Zu diesen gehört zum Beispiel eine erhöhte Replikationsrate, die als eine Verdunkelung der Zellen im Mikroskop zu sehen ist. Allerdings durchbrechen die Hautzellen bei der Bowen-Erkrankung nicht die Grenze zum darunterliegenden Gewebe, die Basalmembran. Sobald die veränderten Zellen diese überschreiten, was geschieht, solltest Du den Morbus Bowen nicht entfernen lassen, spricht die Medizin von Hautkrebs.

Morbus Bowen

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Morbus Bowen ist eine Erkrankung der zweiten Lebenshälfte. Kaum ein Patient ist unter vierzig Jahren. Auch ein Geschlechterunterschied lässt sich unter den Erkrankten feststellen: Deutlich mehr Männer erkranken an ihm. Zudem trifft er, aufgrund der höheren UV-Licht-Empfindlichkeit, vermehrt hellhäutige Menschen. Letzteres trifft aber nicht auf die Schleimhaut-Variante der Bowen-Krankheit, die Erythroplasie de Queyrat, zu. Diese verursacht in den weitaus meisten Fällen der HPV-Virus, daher zeigt sich hier keine Verbindung zwischen einem Hauttyp und der Erkrankung.

Welche Folgen hat Morbus Bowen für die Patienten?

Unbehandelt kann der Morbus Bowen, wie auch die Erythroplasie, in Hautkrebs übergehen. Deswegen ist eine Entfernung des veränderten Gewebes sehr wichtig. Nach der Entfernung des betroffenen Hautareals bildet sich in den meisten Fällen eine Narbe.

Welche nicht-operativen Behandlungsmethoden gibt es?

Prinzipiell sollten Patienten die Hautveränderungen des Morbus Bowen zügig entfernen lassen. Dies muss aber nicht mit einer Operation geschehen. Auch nicht-operative Methoden können die krankhaft veränderte Haut zerstören und somit der Hautkrebs-Entstehung vorbeugen. Zum einen können Patienten eine Lasertherapie erwägen, bei der die Laserstrahlung die bösartigen Zellen zum natürlichen Zelltod anregt. Ähnlich wirkt auch die Kryotherapie, die die Zellen durch Vereisung zerstört. Schließlich kann man auch lokale Chemotherapeutika verwenden, um die Zellen des Morbus Bowen abzutöten.

Diese Medikamente benutzt man normalerweise als Infusionen zur Therapie von vielen Krebsarten. Allerdings kann man sie auch lokal auf bösartig veränderte Hautareale auftragen und so das betroffene Hautgebiet behandeln, ohne den gesamten Körper mit dem Medikament zu belasten. Ist die Schleimhaut vom Morbus Bowen im Sinne einer Erythroplasie betroffen, so müssen Mediziner gelegentlich auch eine Strahlentherapie durchführen, um das bösartige Gewebe verlässlich zu entfernen.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Je nachdem, wie die Hautveränderung bei der Bowen-Erkrankung beschaffen ist, empfiehlt sich aber die einfache Entfernung des erkrankten Gebiets während einer Operation. Die Entscheidung, welche Methode am sinnvollsten für den einzelnen Patienten ist, trifft hierbei im individuellen Fall der Hautarzt. In den meisten Fällen ist nur eine lokale Anästhesie nötig, sodass der Patient während der Operation wach sein kann und keine weiteren Risiken durch die Narkose hat.

Wichtig ist im Rahmen der Operation in jedem Fall eine Entnahme des Hautrandes des operierten Gebiets, um Reste des Morbus Bowen zu entdecken und im Notfall in einem zweiten Eingriff herauszuschneiden. Denn wenn nicht alle bösartigen Zellen entfernt sind, können diese sich weiter vermehren und sich womöglich unbemerkt zu einem Hautkrebs entwickeln.

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Weil man die Morbus Bowen Operation in den weitaus meisten Fällen unter Lokalanästhesie durchführen kann, müssen Patienten nichts Bestimmtes vor einer Operation beachten. Auch die Angst vor Schmerzen ist unbegründet, da sehr gut möglich ist, die unter der Haut verlaufenden Nerven gut mit einem zuvor unter die Haut gespritzten Schmerzmittel zu hemmen.

Morbus Bowen

Wie verläuft die Operation bei einem Bowen-Karzinom?Vor der Operation spritzt Dir der Hautarzt zunächst ein sogenanntes Lokalanästhetikum, ein nervenbetäubendes Medikament, unter die Haut des betroffenen Gebiets. Ist die Haut betäubt, so schneidet der Hautarzt großzügig um die betreffende Hautveränderung heraus, stillt die Blutung und vernäht die Stelle, falls nötig. Danach kommt ein Pflaster drauf, um die Wunde zu schützen.

Was muss ich nach der Operation beachten?

Die Wunde muss nach der Operation noch eine Zeit lang verheilen. Falls der Hautarzt genäht hat, müssen nach sieben bis zehn Tagen außerdem die Fäden gezogen werden. Vor allem sollten betroffene die Hautstelle weiterhin im Blick behalten. Bildet sich noch mal ein ähnlicher Fleck, solltest Du unbedingt den Hautarzt aufsuchen.

Was kann ich nach der Operation tun, um die Heilung zu verbessern?

Da die Haut am besten ausheilt, wenn Du sie in Ruhe lässt, ist wenig zu tun. Um die Wunde nicht unter Spannung zu setzen, ist es unter Umständen nötig, bestimmte Bewegungen zu unterlassen bis die Wunde verheilt ist. Zudem kannst Du die Haut mit Salben bei der Narbenheilung unterstützen.

Wann kann ich nach der Operation wieder arbeiten oder Sport betreiben?

Abhängig von der Größe des entfernten Areals und der ausgeführten Arbeit, muss der Patient im Einzelfall einige Tage zuhause bleiben. Zumeist kann man aber sofort wieder arbeiten. Auf Sport solltest Du zumindest bis zum Ziehen der Nähte, falls notwendig, warten.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Behandelt man den Morbus Bowen nicht, kann er sich zu Hautkrebs entwickeln, der weitreichende und mitunter tödliche Folgen hat. Entfernt man die Hautkrebsvorstufe aber frühzeitig, ist in der Regel keine Komplikationen zu erwarten. Allerdings kann sich die Bowen-Krankheit immer wieder neu bilden, regelmäßige Kontrollen sind also wichtig.

Wie sieht die Prognose aus?

Mit ausreichender Therapie hat der Morbus Bowen für die Patienten keine weiteren Folgen. Allerdings steigt mit der ersten Erkrankung das Risiko für neuerliche Gewebeveränderungen in der Haut und Betroffene sollten sich regelmäßig beim Hautarzt zur Kontrolle vorstellen.

Morbus Bowen

Kann ich Morbus Bowen vorbeugen?

Um dem Morbus Bowen vorzubeugen, solltest Du direktes UV-Licht auf der Haut meiden und immer Sonnenschutz verwenden. Zudem kannst Du dich vor dem anderen Verursacher der Krankheit, dem HPV-Virus, durch eine Impfung schützen.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Morbus Bowen auftreten.

 

Quellen

AWMF

MSD Manual

PubMed


Dauer Dauer

Abhängig von Behandlung

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

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Das Wichtigste zusammengefasst

Der Morbus Bowen ist eine bösartige Hauterkrankung, die sich ohne Therapie zu Hautkrebs weiterentwickeln kann


Die Erkrankung bildet einen rötlich-unebenen, teilweise verhornten Fleck auf der Haut, der schnell wächst und sich nur schwer von gutartigen Veränderungen unterscheiden lässt


UV-Licht, HPV-Viren und einige Giftstoffe können die Erkrankung auslösen


Die Therapie des Morbus Bowen besteht in der frühzeitigen Entfernung des betroffenen Hautareals