Helicobacter pylori-Infektion

Heliobacter pylori ist ein Magenkeim, genauer gesagt eine Bakterienart, die den Magen besiedelt. Häufig ist eine Infektion mit Helicobacter pylori ungefährlich und verursacht keine Komplikationen. Wenn sich die Bakterien allerdings in der Magenschleimhaut einnisten und deren Schutzschicht angreifen, können Entzündungen entstehen, die zu Symptomen wie Sodbrennen führen, oder Erkrankungen wie eine Magenschleimhautentzündung nach sich ziehen können.


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Zuletzt aktualisiert: 17. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter Helicobacter pylori?

Helicobacter pylori ist ein weitverbreitetes Magenpathogen, ein sogenanntes gramnegatives Bakterium. Es besiedelt den Verdauungstrakt und spielt eine große Rolle bei der Entstehung einer Gastritis, der peptischen Ulkuskrankheit, Adenokarzinomen des Magens sowie niedrig malignen Lymphomen des Magens. Die Infektion kann asymptomatisch verlaufen oder sich in verschiedenen Ausprägungen einer Dyspepsie äußern.

Wie wird Helicobacter pylori übertragen?

Experten zufolge nistet sich das Bakterium meist schon in der Kindheit im Magen ein und kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Sie vermuten, dass Helicobacter pylori hierzulande vermutlich hauptsächlich von Mund zu Mund, also oral-oral weitergegeben wird, zum Beispiel, wenn eine infizierte Mutter ihr Kind auf den Mund küsst.
 
Im Erwachsenenalter hingegen ist die Gefahr, sich bei einer infizierten Person anzustecken, verschwindend gering. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass das Immunsystem ab einem gewissen Alter so gut entwickelt ist, dass es das Bakterium abwehren kann.
 
In Entwicklungsländern, in welchen die hygienischen Standards geringer sind, kommt es wahrscheinlich auch zu einer Übertragung über den Stuhl, also fäkal-oral. Um Dein Risiko für eine Infektion mit Helicobacter pylori zu verringern, solltest Du gewisse Hygienemaßnahmen einhalten. Die wichtigste Regel lautet: Nach dem Toilettengang solltest Du die Hände mit Seife und warmem Wasser für mindestens 20 Sekunden gründlich waschen und anschließend gut abtrocknen.

Das Helicobacter pylori-Bakterium nistet sich bereits in der Kindheit im Magen ein.

Welche Krankheiten kann Helicobacter pylori hervorrufen?

Helicobacter pylori kann mehrere verschiedene Erkrankungen hervorrufen. Dazu zählen eine bakterielle Typ-B-Gastritis, Magen- oder Darmgeschwüre, Magenkarzinome, ein MALT-Lymphom oder Sonderformen einer Gastritis wie Autoimmungastritis, lymphozytäre Gastritis oder Riesenfaltengastritis.
 
Auch außerhalb des Magen-Darm-Traktes kann sich die Infektion zeigen, und zwar durch eine idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP), eine chronisch-rezidivierende Urtikaria, eine Eisenmangelanämie oder durch Morbus Parkinson. Die häufigste Erkrankung allerdings, die das Bakterium hervorruft, ist mit etwa 90 Prozent der Fälle die bakterielle Typ-B-Gastritis.

Was sind die Symptome einer Helicobacter pylori-Infektion?

Oft verläuft eine Infektion mit Helicobacter pylori ohne Symptome, sodass die Betroffenen nicht merken, dass sie infiziert sind. Eine akute Helicobacter pylori-Infektion hingegen macht sich durch mehrere Symptome bemerkbar.
 
Betroffene können unter Unwohlsein oder Übelkeit leiden, manche müssen erbrechen. Auch Schmerzen oder Druck im Oberbauch, ständiges Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Sodbrennen, Blähungen, Durchfall, Aufstoßen, Mundgeruch und Magenschmerzen können auf eine Helicobacter pylori-Infektion rückführbar sein.
 
Typisch ist außerdem, dass die Beschwerden während oder nach einer Mahlzeit kurzzeitig nachlassen, dies nennen die Ärzte den sogenannten Nüchternschmerz. Fällt Dir auf, dass sich Dein Stuhl schwarz verfärbt hat, solltest Du so bald wie möglich einen Arzt konsultieren. Es könnte sich hierbei bereits um ein Anzeichen eines Magengeschwürs oder einer schwerwiegenden Entzündung im Magen handeln.

Welche Ursachen hat Helicobacter pylori?

Das Bakterium Helicobacter pylori wird häufig schon in den ersten zwei Lebensjahren oral-oral oder fäkal-oral übertragen. Fast die Hälfte aller Menschen weltweit tragen den Keim in sich. In westlichen Ländern beträgt die Prävalenz etwa zehn bis 60 Prozent, in den Entwicklungsländern kann sie nahezu bei 100 Prozent liegen.
 
Mithilfe des Enzyms Urease wandelt Helicobacter pylori den Harnstoff in basisches Ammoniak um und überlebt so im sauren Milieu des Magens. Die Infektion kann zu einer Schleimhautentzündung und -schädigung führen. Helicobacter pylori ist sehr widerstandsfähig und verbleibt ein Leben lang im Magen, außer es wird mit einem geeigneten Antibiotikum entfernt.

Eine Helicobacter pylori-Infektion führt zu unterschiedlichen Magen-Darm-Beschwerden und einem generellen Unwohlsein im Magen.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Helicobacter pylori-Infektion?

Mit der richtigen Behandlung kann der Arzt den Magenkeim vollständig beseitigen. Nur selten kehrt die Erkrankung wieder zurück. Bei viele Menschen, die an einer nachgewiesenen Helicobacter pylori-Infektion leiden, gehen die Beschwerden zu einem großen Teil auf einen Reizmagen zurück.
 
Daher kann es sein, dass auch nach einer erfolgreichen Behandlung der Infektion, Beschwerden bestehen bleiben. Allerdings kann eine Infektion mit Helicobacter pylori auch zu Erkrankungen wie Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüren, Zwölffingerdarmgeschwüren oder bestimmten Krebsarten führen, weswegen Du Dich auf jeden Fall in ärztliche Behandlung begeben solltest.
 
Manche Patienten vertragen allerdings eine Antibiotikabehandlung nur schlecht. Falls Du während der Behandlung Beschwerden wie anhaltenden Durchfall bekommen solltest, konsultiere Deinen Arzt. Die Infektion verläuft jedoch in vielen Fällen völlig symptomfrei.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Infektion mit Helicobacter pylori?

Um eine Infektion mit dem Magenbakterium nachzuweisen, solltest Du Dich im besten Fall an einen Gastroenterologen wenden. Zur Diagnostik stehen Deinem Arzt verschiedene Verfahren zur Verfügung. Nach einem ausführlichen Anamnesegespräch kann der Arzt zwischen verschiedenen invasiven oder nicht-invasiven Methoden wählen.
 
Zu den invasiven Verfahren zählen die Gastroskopie (Magenspiegelung), die Biopsie (Gewebeuntersuchung) sowie der Nachweis von Bakterienkulturen. Zu den nicht-invasiven Verfahren zählt die Blutprobe (Antikörpernachweis mittels ELISA) die Stuhl- (Antigentest im Stuhl) und Speichelprobe und der Harnstoff-Atemtest.
 
Der Harnstoff-Atemtest eignet sich nicht nur, um eine Infektion nachzuweisen, sondern liefert nach mehreren Wochen medikamentöser Therapie auch Hinweise auf die Wirksamkeit der Behandlung.

Die Helicobacter pylori-Infektion wird meist mit der Triple-Therapie behandelt, dabei werden mehrere Medikamente gleichzeitig eingesetzt.

Wie wird eine Helicobacter pylori-Infektion behandelt?

Die Behandlung einer Helicobacter pylori-Infektion besteht aus der Gabe von Antibiotika und dem Einsatz eines Protonenpumpenhemmers. Die Protonenpumpenhemmer dienen der Verringerung der Produktion von Magensäure. In Bereichen mit niedrigen Resistenzen verwendet der Arzt die sogenannte Triple-Therapie an, die in circa 70 bis 80 Prozent zum Erfolg führt.
 
Die Gründe für ein Therapieversagen sind vielfältig, zum Beispiel kann bei Dir eine Antibiotikaresistenz vorliegen, oder Du hast vielleicht die Medikamente nur unregelmäßig eingenommen. Auch Rauchen kann die Wirksamkeit der Medikamente abschwächen. Wenn also bei Dir die Dreifach-Therapie nicht funktioniert hat, verordnet der Arzt im Anschluss daran die sogenannte Vierfach-Therapie.
 
Dafür nimmst Du für ein bis zwei Wochen lang ergänzend zum Protonenpumpenhemmer und den beiden Antibiotika ein drittes Antibiotikum oder ein Präparat mit antibakteriell wirksamen Bismut, einem Mineral, ein. Da die Magenschleimhaut durch die Infektion häufig geschädigt ist, kann Dir Dein Arzt nach Abschluss der Behandlung zur Einnahme von säurehemmenden Medikamenten wie Antacida oder Protonenpumpenhemmern raten.
 
Außerdem kannst Du durch eine magenschonende Ernährung auch selbst die Heilung unterstützen. Teile Dir die tägliche Nahrungsmenge auf mehrere, kleine Mahlzeiten auf. Leichte Vollkost oder Kaltauszüge aus entzündungshemmenden Heilpflanzen wie Isländisch Moos, Leinsamen und Eibisch eignen sich gut. Um Deine Mahlzeiten zuzubereiten, solltest Du Dein Essen vorzugsweise dämpfen, dünsten oder in Folie garen.
 
Von scharfen, kräftig gebratenen oder frittierten Gerichten, Zitrusfrüchten, schwer verdaulichen Lebensmitteln wie Weißkohl, Lauch und Paprika, sowie von stark erhitzten Fetten, Alkohol und Kaffee solltest Du hingegen vorerst lieber die Finger lassen. Außerdem kann es durch oralen Plaque zur Reinfektion kommen, deshalb ist ergänzend zur medikamentösen Therapie eine Parodontitis beziehungsweise Zahnreinigung zu empfehlen.

Wie häufig sind Helicobacter pylori-Infektionen?

Infektionen mit Helicobacter pylori sind recht häufig. Mit steigendem Lebensalter nimmt auch der Anteil an Personen zu, die den Keim in sich tragen. Im Alter von 60 Jahren sind etwa 50 Prozent der Menschen infiziert. Es gibt Personengruppen, die besonders häufig infiziert sind, wie zum Beispiel Afro- und Lateinamerikaner und Asiaten.
 
Das Bakterium wird besonders leicht durch engen Kontakt übertragen, weswegen der Keim gehäuft in Familien oder in Pflegeheimen auftritt. Wenn Du bereits einmal erfolgreich gegen Helicobacter pylori behandelt wurdest, ist eine erneute Infektion mit dem Magenkeim sehr unwahrscheinlich.

Bei einer Helicobacter pylori-Infektion sollte auf eine gesunde, leichte und basische Ernährung geachtet werden.

Wie sinnvoll sind Helicobacter pylori-Selbsttests?

Durch eigene Internetrecherche bist Du vielleicht schon auf diverse Anbieter gestoßen, die Selbsttests auf Helicobacter pylori anbieten. Diese sollen Antikörper im Blut oder Bestandteile des Bakteriums, sogenannte Antigene, im Stuhl nachweisen. Da die Antikörper im Blut aber auch nach einer überstandenen Infektion noch nachweisbar sind, ist der Antikörpertest für das Vorliegen einer akuten Infektion nicht aussagekräftig.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Für die Diagnose und eine ärztlich indizierte Behandlung einer Erkrankung kommen die Krankenkassen in aller Regel auf. Unsere Spezialisten stehen Dir ebenfalls bei allen Fragen zur Seite.


Dauer Dauer

Ein bis zwei Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Helicobacter pylori ist ein Magenkeim, der bei vielen Menschen vorkommt und oft keine Symptome verursacht. Er kann aber auch zu vielerlei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes führen, welche gegebenenfalls sehr ernst sein können.


Die Symptome umfassen Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen oder Druck im Oberbauch, ständiges Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Sodbrennen, Blähungen, Durchfall, Aufstoßen, Mundgeruch, Magenschmerzen, Nüchternschmerz sowie schwarzen (blutigen) Stuhl.


Die Behandlung erfolgt meist mittels der Triple-Therapie oder falls diese nicht anschlägt, mittels der Vierfach-Therapie.


Selbsttests sind selten aussagekräftig. Um eine Infektion nachzuweisen, solltest Du Dich an Deinen Arzt wenden.

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