Magenspiegelung (Gastroskopie)

Die Magenspiegelung gehört definitiv nicht zu den angenehmsten Behandlungen, allerdings lassen sich mit ihr viele Erkrankungen oder zumindest deren Auslöser erkennen. Was genau es mit der Magenspiegelung auf sich hat und wie diese verläuft, erfährst Du hier.


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Zuletzt aktualisiert: 15. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Magenspiegelung?

Als Magenspiegelung (Gastroskopie) bezeichnet die Medizin die Untersuchung des oberen Teils des Verdauungstrakts mit dem Ziel, Aufschluss über eine mögliche Magen-Darm-Erkrankung zu geben. Durch eine eingeführte Kamera kann der Arzt Deine Magenschleimhaut von innen betrachten und ein hochauflösendes, digitales Bild davon auf einem Monitor erzeugen. Gegebenenfalls können mithilfe einer kleinen Zange auch Proben des Gewebes entnommen und anschließend im Labor untersucht werden. Eine Sedierung (Dämmerschlaf) kann auf Deinen Wunsch hin erfolgen, ist bei diesem Eingriff in der Regel aber nicht notwendig.

Als Magenspiegelung (Gastroskopie) bezeichnet die Medizin die Untersuchung des oberen Teils des Verdauungstrakts mit dem Ziel, Aufschluss über eine mögliche Magen-Darm-Erkrankung zu geben

Was sind Gründe für eine Magenspiegelung?

Eine Gastroskopie wird normalerweise bei den folgenden Beschwerden durchgeführt:
 

  • Langanhaltende Übelkeit
  • Häufiges Erbrechen / Bluterbrechen
  • Schluckbeschwerden
  • Anhaltende Schmerzen oder Druckgefühl im Oberbauch
  • Chronischer Husten
  • Sodbrennen
  • Blutiger oder schwarzer Stuhlgang

 
Sodbrennen entsteht bei Reizung oder Entzündung der Schleimhaut in der Speiseröhre durch übersäuerten Magensaft. Blutiger oder schwarzer Stuhlgang sowie blutiges Erbrechen können Anzeichen für eine starke innere Blutung sein.

Wann ist eine Magenspiegelung notwendig und was diagnostiziert sie?

Die Magenspiegelung wird sowohl als diagnostisches Mittel, als auch zur Therapie im Magen-Darm-Bereich eingesetzt. Erkannte Krankheiten können nämlich teilweise direkt behandelt werden.
 
Bei Verdacht auf folgende Erkrankungen ist eine Untersuchung mittels Magenspiegelung sinnvoll:
 

  • Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm (Ulkusleiden)
  • Magenschleimhautentzündung (Gastritis)
  • Magenpolypen
  • Infektion mit Helicobacter pylori (kann Magenkrebs auslösen)
  • Verletzungen oder Entzündungen der Schleimhäute
  • Gut- und bösartige Veränderungen der Schleimhaut
  • Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)

 
Eine Gastroskopie als Behandlung bei bestehender Krankheit wird unter anderem notwendig zur:
 

  • Entfernung von verschluckten Fremdkörpern
  • Abtragung kleiner Geschwülste (Polypen)
  • Stillung von Blutungen in Speiseröhre, Magen oder Zwölffingerdarm
  • Aufdehnen von Verengungen der Speiseröhre mit flexiblen Dehnungsstäben (Bougies)
  • Entfernen von gut – und bösartigen Tumoren im Frühstadium

Die Magenspiegelung wird sowohl als diagnostisches Mittel, als auch zur Therapie im Magen-Darm-Bereich eingesetzt

Was ist vor der Magenspiegelung zu beachten?

Zur Magenspiegelung musst Du nüchtern erscheinen. Das heißt, Du solltest mindestens sechs bis acht Stunden vor der Untersuchung nichts mehr essen und zwei Stunden vorher nichts mehr trinken. Auch das Rauchen solltest Du spätestens ab dem Abend vor dem Eingriff einstellen, da Nikotin die Produktion von Magensaft anregt, welcher wiederum die Sicht erschweren oder zum Erbrechen führen kann. Außerdem solltest Du gegebenenfalls herausnehmbare Zahnprothesen vor dem Eingriff entfernen.

Wie läuft eine Magenspiegelung ab?

Vor der eigentlichen Untersuchung wird der Arzt Dich im Anamnesegespräch nach Deiner Krankheitsgeschichte fragen und Dich über Vorbereitung, Nachsorge und möglichen Komplikationen und Beschwerden aufklären. Falls Du blutverdünnende Medikamente – dazu gehören auch Schmerzmittel wie Aspirin oder Diclofenac – einnimmst, solltest Du das dem Arzt in diesem Gespräch mitteilen. Für die Untersuchung wirst Du gebeten, Dich auf die linke Seite zu legen. Zum Schutz Deiner Zähne und der empfindlichen Geräte bekommst Du einen Beißring, der mit den Zähnen festgehalten und im Nacken mit einem Gummiband fixiert wird. Er soll verhindern, dass Du auf den Schlauch beißt. Normalerweise erhältst Du lediglich eine örtliche Betäubung des Rachens, welche den Würgereiz unterdrücken soll. Eine Vollnarkose wird nur angewendet, wenn es notwendig erscheint oder Du dies wünschst.
 
Zum Einführen des Endoskopieschlauchs, ist aktives „Schlucken“ erforderlich. Das funktioniert auch, wenn Du vorher ein Betäubungsmittel verabreicht bekommen hast.
Das Endoskop, an dessen Ende sich eine kleine Videokamera befindet, wird nun durch den Mund in die Speiseröhre eingeführt und bis zum Zwölffingerdarm vorgeschoben.
Wenn Du Dich im Wachzustand befindest, ist es hier besonders wichtig, Ruhe zu bewahren und langsam durch die Nase ein- und auszuatmen. Den Speichel, der sich während des Eingriffs sammelt, solltest Du nicht schlucken, sondern einfach aus dem Mund fließen lassen, er wird aufgefangen.
 
Damit sich die Schleimhäute entfalten, wird über das Gerät Luft abgegeben und der Magen somit aufgedehnt. Die Luft wird nach der Untersuchung wieder abgesaugt. Am Ende des Schlauchs befindet sich neben der Kamera zudem eine starke Lichtquelle, welche das präzise Einführen des Geräts und die Betrachtung des Inneren des Verdauungstraktes ermöglicht. Der Arzt kann nun die gesamte Wand von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm begutachten.
 
Dabei achtet er auf folgende Veränderungen:
 

  • Schleimhautveränderungen durch Entzündungen oder Geschwüre
  • Narbenbildung
  • bösartige Veränderungen
  • Verletzungen

 
Sollte der Arzt Auffälligkeiten feststellen, können im selben Schritt, mithilfe einer kleinen Zange, Gewebeproben entnommen werden, die später untersucht werden.
Die gesamte Untersuchung dauert in etwa 15 – 30 Minuten und ist nur wenig schmerzhaft.

Das Endoskop, an dessen Ende sich eine kleine Videokamera befindet, wird nun durch den Mund in die Speiseröhre eingeführt und bis zum Zwölffingerdarm vorgeschoben

Was ist nach der Magenspiegelung zu beachten?

Während der ersten 30 Minuten nach der Untersuchung solltest Du erst mal noch nichts essen oder trinken. Die Betäubung des Rachens kann noch nachwirken und somit Deinen Schluckreflex beeinträchtigen. Etwa eine Stunde nach der Untersuchung kannst Du die Nahrungsaufnahme dann aber wie gewohnt fortsetzen. Eventuell kann unmittelbar nach der Magenspiegelung ein unangenehmes, taubes Gefühl im Rachenbereich oder eine leichte Heiserkeit entstehen. Dies bedarf meist keiner Behandlung und verschwindet von selbst wieder. Solltest Du Dich für eine Sedierung entschieden haben, darfst Du bis 24 Stunden nach dem Eingriff kein Auto fahren oder Maschinen bedienen, da die Schlafmittel noch nachwirken können.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die Magenspiegelung ist generell eine sehr sichere Routineuntersuchung und für den Patienten nicht schmerzhaft. Dennoch empfinden sie viele Patienten, vor allem wegen des „Schluckens“ des Endoskop-Schlauches, als unangenehm. Nur in seltenen Fällen kommt es vor oder nach der Untersuchung zu Komplikationen. Dazu zählen:
 

  • Gebissschäden bei lockeren Zähnen oder Prothesen,
  • Blutungen nach Probenentnahme (Biopsie)
  • Lungenentzündung durch Verschlucken (Aspiration)
  • vorübergehend unzureichende Atmung
  • vorübergehende Herzrhythmusstörungen
  • selten Verletzung der Speiseröhren-Magen-Darm-Wand durch das Endoskop und
  • sehr selten Infektionen

 
Blutungen stellen heute nur sehr selten ein bedrohliches Problem dar, da diese meist selbstlimitierend verlaufen oder aber vom Arzt mittels blutstillender Maßnahmen erfolgreich behandelt werden können. Verletzungen der Speiseröhre bis hin zum Durchbruch (Perforation) der Magenwand oder des Zwölffingerdarms sind möglich, kommen aber insgesamt nur sehr selten vor. Genauere Informationen erfährst Du von Deinem behandelnden Arzt im Aufklärungsgespräch.

Gibt es alternative Untersuchungsmethoden?

In vielen Fällen kann auch eine bildgebende Untersuchung (zum Beispiel mittels eines CTs des Magenbereiches) Aufschluss über Erkrankungen und Veränderungen in Magen und Speiseröhre geben. Infektionen mit Helicobacter pylori beispielsweise können oftmals auch über einen Stuhl-Test und somit nicht-invasiv nachgewiesen werden. Eine sich noch in Entwicklung befindliche, aber vielversprechende Alternative zur Magenspiegelung ist die sogenannte Kolonkapsel, praktisch eine Minikamera zum Runterschlucken.
 
Auf dem Weg durch den Magen-Darm-Trakt sollen Ärzte die Kamera stoppen, rauf und runter bewegen und drehen können, um somit den Blickwinkel der Kamera gezielt einzustellen und brauchbare Bilder der Magenwände zu erhalten. Privatärztlich findet diese Technik seit Jahren Anwendung, auf die standardisierte Anwendung dieses Vorgehens im klinischen Alltag muss allerdings noch ein wenig gewartet werden.

In vielen Fällen kann auch eine bildgebende Untersuchung Aufschluss über Erkrankungen und Veränderungen in Magen und Speiseröhre geben

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Magenspiegelung?

Liegt eine medizinische Notwendigkeit für eine Magenspiegelung vor, werden die Kosten in der Regel vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Neue Techniken, wie zum Beispiel die Kolonkapsel sollten abgefragt werden, da nicht immer alle Kosten von der Kasse getragen werden.

 


Dauer Dauer

15-30 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Keine

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Magenspiegelung (Gastroskopie) bezeichnet die Untersuchung des oberen Teils des Verdauungstrakts


Beschwerden, die eine Magenspiegelung notwendig machen, sind vor allem Schmerzen oder Druck im Oberbauch, lang anhaltende Übelkeit und/oder häufiges Erbrechen und Bluterbrechen, Beschwerden beim Schlucken usw


Bei der Magenspiegelung erkannte Krankheiten oder Auffälligkeiten können häufig im selben Schritt behandelt oder näher untersucht werden


Liegt eine medizinische Notwendigkeit für eine Magenspiegelung vor, werden die Kosten in der Regel vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen

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