Binge Eating (Esssucht)

Wiederholte Essattacken, bei der der Betroffene keine Kontrolle mehr über sein Essverhalten hat und daher riesige Mengen an Nahrung verschlingt, meist im Geheimen - bei diesem Verhalten handelt es sich um eine Binge-Eating-Störung oder Esssucht. Betroffene leiden meist auch an einem geringen Selbstwertgefühl. Viele sind übergewichtig, denn anders als bei der Ess-Brech-Sucht (Bulimie), würgen Betroffene das Essen nach dem Verzehr nicht wieder herauf, um es zu erbrechen. Das bedeutet aber nicht, dass alle übergewichtigen oder adipösen Menschen an einer Binge-Eating-Störung leiden. Das ist nur etwa bei einem Drittel der übergewichtigen Menschen der Fall.


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Zuletzt aktualisiert: 1. September, 2020



ICD-10-GM-2020 F50.9

Was versteht die Medizin unter Binge Eating?

Bei einer Binge-Eating-Störung erleiden Betroffene wiederholte Essattacken mit Kontrollverlust. Es folgen aber keine Handlungen, um die übermäßige Nahrungszufuhr wieder auszugleichen, daher haben Betroffene häufig Übergewicht. Um eine Binge-Eating-Störung handelt es sich, wenn der Betroffene über einen Zeitraum von drei Monaten mindestens einmal die Woche eine Essattacke erleidet.
 
Da es sich beim Binge Eating um ein Phänomen handelt, dass erst seit wenigen Jahren als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt wird, gibt es noch wenige gesicherte Forschungsergebnisse zu den Ursachen. Es existieren biologische Auslöser für Binge Eating, eine wesentliche Rolle spielen aber psychologische und soziale Faktoren. Die Essattacken dienen häufig dazu, unangenehme Gefühle auszugleichen.

Essen ist das einzige, woran Betroffene der Binge-Eating-Störung bei ihren Attacken denken können.

Was sind die Symptome von Binge Eating?

Regelmäßige und wiederkehrende Essattacken sind ein typisches Zeichen und das zentrale Symptom einer Binge-Eating-Störung. Bei einem solchen Anfall kann der Betroffene für einen Zeitraum von mehreren Stunden nicht mehr aufhören zu essen. Hunger oder Genuss sind dabei nur nebensächlich.
 
Die Betroffenen verschlingen wahllos Nahrungsmittel, so als ob sie süchtig nach Essen wären. Typisch für so einen solchen oft mehrere Stunden andauernden Essanfall ist der Verlust der Kontrolle. Der Betroffene hat das Gefühl, die Kontrolle darüber verloren zu haben, den Fressanfall zu stoppen oder nicht kontrollieren zu können, was er isst.
 
Die Menge an Nahrung, die Betroffene während eines Anfalls zu sich nehmen, ist deutlich mehr, als gesunde Menschen in einem vergleichbaren Zeitraum verzehren könnten. Auch die Geschwindigkeit, mit der sie das tun, ist deutlich erhöht. Die Anfälle treten unabhängig vom Hungergefühl auf und werden meist verheimlicht.
 
Oft können Betroffene erst dann aufhören zu essen, wenn ihnen schlecht wird, sie Bauchschmerzen bekommen und sich ein unangenehmes Völlegefühl einstellt. Nicht selten verheimlichen sie ihre Essanfälle und empfinden Schuld, Scham und Ekel, wenn der Anfall vorbei ist. Dennoch versuchen Betroffene nicht, die übermäßige Nahrungszufuhr im Anschluss durch Sport, Erbrechen oder Medikamente wieder auszugleichen. Aus diesem Grund leiden viele Betroffene an Übergewicht.
 
Zwischen den Essanfällen essen Betroffene nur sehr unregelmäßig. Nicht selten kommt es auch zu längeren Phasen, in denen sie Diät halten. Figur und Gewicht sind Themen, mit denen sich Betroffene beschäftigen, allerdings weniger intensiv als Bulimiker oder Magersüchtige.
 
Binge Eating ist nicht bloß „harmloses“ Überessen, wie es die meisten schon einmal getan haben wie beispielsweise bei einem Buffet voller leckerer Speisen. Betroffene einer Binge-Eating-Störung verspüren keinerlei Genuss beim Essen. Sie stopfen die Nahrung regelrecht in sich hinein und werden dabei von negativen Gefühlen wie Schuld, Ekel oder Scham begleitet. Fressattacken laufen außerdem meist im Geheimen ab.
 
Obwohl die meisten Betroffenen übergewichtig sind, ist Übergewicht kein Symptom einer Binge-Eating-Störung. Allerdings ist ein Großteil der Erkrankten aufgrund der dauerhaft erhöhten Nahrungszufuhr übergewichtig. Das Übergewicht erzeugt dann einen zusätzlichen Leidensdruck. Betroffene entwickeln nicht selten ein negatives Verhältnis zu sportlicher Betätigung und körperlicher Aktivität. Es gibt aber auch Betroffene mit Normalgewicht.

Wie lässt sich Binge Eating von Bulimie und Adipositas abgrenzen?

Sowohl die Binge-Eating-Störung also auch die Bulimie sind von Essattacken gekennzeichnet. Während Bulimie-Patienten nach der Nahrungsaufnahme Maßnahmen einleiten, um die Kalorien wieder loszuwerden, ist dies bei Patienten mit einer Binge-Eating-Störung nicht der Fall.
 
Das heißt, nach dem Essen führen sie kein Erbrechen herbei, nehmen keine Abführmittel und versuchen auch nicht durch exzessive sportliche Aktivität die Kalorien abzubauen. Im Durchschnitt haben Betroffene mit einer Binge-Eating-Störung daher einen höheren Body-Mass-Index als Bulimiker.
 
Fast immer führt eine Binge-Eating-Störung zu Fettleibigkeit. Nur weil jemand adipös ist, bedeutet das aber nicht, dass er auch an einer Binge-Eating-Störung leidet. Zur Diagnose von Adipositas dient rein der Body-Mass-Index, der anzeigt, dass das Körpergewicht deutlich über der Norm liegt.
 
Eine Binge-Eating-Störung hingegen ist eine psychische Störung. Es zeigt sich, dass Menschen mit einer Binge-Eating-Störung ein geringeres Selbstwertgefühl haben und auch deutlich unzufriedener mit dem eigenen Körper sind als Menschen, die „nur“ übergewichtig sind. Auch die wiederkehrenden, unkontrollierbaren Essattacken sind kein Symptom von Adipositas. Zudem leiden Menschen mit einer Binge-Eating-Störung oft auch an anderen psychischen Problemen wie Depressionen oder Angststörungen.

Bei der Binge-Eating-Störung leiden Betroffene unter unkontrollierbaren Essattacken.

Welche Ursachen hat Binge Eating?

Die genaue Ursache für die Entwicklung einer Esssucht ist unklar. Mediziner vermuten einen Mix aus psychologischen, sozialen und biologischen Gründen. Es sind einige Faktoren bekannt, die zur Entstehung einer Binge-Eating-Störung beitragen. So spielen etwa körperliche Einflüsse eine Rolle. Menschen, die häufig Diät halten oder einen erhöhten Body-Mass-Index haben, haben ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Binge-Eating-Störung.
 
In manchen Fällen hat eine Binge-Eating-Störung genetische Ursachen. Das kann zum Beispiel eine Fehlregulation des Hypothalamus sein. Der Hypothalamus kontrolliert den Appetit. Eine andere körperliche Ursache für eine Binge-Eating-Störung kann auch ein dauerhaft niedriges Serotonin-Level im Gehirn sein.
 
Auf der psychologischen Ebene können etwa ein niedriges Selbstwertgefühl, Unzufriedenheit mit der eigenen Figur sowie die Meinung, dass das äußere Erscheinungsbild besonders wichtig ist, zur Entwicklung einer Binge-Eating-Störung beitragen. Emotionale Probleme können zum Auslöser einer Binge-Eating-Störung werden. Besonders traumatische Erfahrungen während der Kindheit können eine spätere Esssucht begünstigen.
 
Erlerntes Fehlverhalten, wie zum Beispiel Essen bei emotionaler Belastung, hat in der Kindheit oft noch harmlose Auswirkungen, kann aber im Erwachsenenalter zu größeren Problemen führen. Betroffene erwähnen häufig, dass sie Probleme dabei haben, ihre Emotionen zu regulieren und Impulse zu kontrollieren.
 
Nicht zuletzt hat auch das persönliche und familiäre Umfeld einen Einfluss. Haben Betroffene zum Beispiel Vorbilder mit einem riskanten Essverhalten oder erfahren nur wenig Unterstützung durch ihr soziales Umfeld, ist das Risiko ebenfalls erhöht.

Wie ist der Krankheitsverlauf beim Binge Eating?

Der Verlauf einer Binge-Eating-Störung ist oft sehr wechselhaft. Über mehrere Monate zeigen sich keinerlei Symptome, dann wiederum kommt es zu Phasen mit stark ausgeprägten Symptomen. Im Hinblick auf das Essverhalten im Allgemeinen zeigt sich ebenfalls eine gewisse Wechselhaftigkeit. Phasen, in denen die Betroffenen Diät halten, werden von Phasen abgewechselt, die durch ständiges Überessen gekennzeichnet sind.
 
Die Essanfälle können im Laufe der Zeit zu einer starken Gewichtszunahme und Übergewicht führen. Dadurch steigt wiederum das Risiko anderer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Störungen, Gelenkproblemen oder Diabetes. Eine Binge-Eating-Störung schlägt sich auch auf die Psyche nieder. Psychische Probleme wie Depressionen oder Ängste können durch eine Binge-Eating-Störung verstärkt werden.
 
In besonders stark ausgeprägten Fällen kann Binge Eating zum Tod führen. Dies ist vor allem der Fall, wenn der Betroffene zusätzlich an einer psychischen Erkrankung leidet. Das Suizidrisiko ist in diesem Fall deutlich erhöht.

Wer ist am häufigsten vom Binge Eating betroffen?

Das Durchschnittsalter, in dem eine Binge-Eating-Störung diagnostiziert wird, liegt etwas höher als bei anderen Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht. Betroffen sind in erster Linie junge Erwachsene und Menschen in der Lebensmitte. Kinder erkranken nur sehr selten an einer Binge-Eating-Störung.
 
Binge Eating wurde erst Mitte der 90er als eigenständiges Krankheitsbild beschrieben. Daher ist es noch weniger erforscht als andere Essstörungen und es gibt nur Schätzungen über die Gesamtzahl der Betroffenen. Es gibt weniger Menschen mit einer Binge-Eating-Störung als Bulimiker oder Magersüchtige. Medizinern zufolge sind zwischen einem und vier Prozent der Bevölkerung von einer Binge-Eating-Störung betroffen.
 
Obwohl es einen signifikanten Unterschied in der Anzahl der erkrankten Frauen und Männer gibt, ist dieser geringer als bei Bulimie oder Magersucht. Auf drei Frauen mit Binge-Eating-Störung kommen zwei Männer, die esssüchtig sind.

Welche Folgen hat das Binge Eating für Betroffene?

Binge Eating äußert sich sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene. Auf körperlicher Ebene führt die kontinuierlich erhöhte Kalorienzufuhr über kurz oder lang zu Übergewicht. Dadurch steigt auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenk- oder Bandscheibenproblemen sowie Stoffwechselerkrankungen. Atem- und Schlafstörungen nehmen ebenfalls zu. Auch Gicht und Krampfadern können Folgen von Übergewicht sein.
 
Auf psychischer Ebene sind vor allem Schuldgefühle und Scham aufgrund der Essanfälle zu erwähnen, die zum ständigen Begleiter des Betroffenen werden. Sie fühlen sich schuldig und schämen sich wegen des Verlusts der Kontrolle. Nicht selten führt das zu depressiven Verstimmungen und einem sinkenden Selbstwertgefühl.

Da Betroffene nach den Essattacken keine Gegenmaßnahmen einleiten, sind sie häufig übergerwichtig.

Welche Risikofaktoren begünstigen das Binge Eating?

Ein Risikofaktor für die Entstehung einer Binge-Eating-Störung ist kindliches Übergewicht. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Betroffene immer wieder mit abwertendem Verhalten aufgrund seines Übergewichts oder seines Essverhaltens konfrontiert ist.
 
Im Allgemeinen erhöhen ein geringes Selbstwertgefühl, traumatische Erlebnisse und Depression in der Kindheit das Risiko, später esssüchtig zu werden. Menschen, die sich schwertun, die Kontrolle über ihre Gefühle zu behalten oder die sehr belastende Erlebnisse haben, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko.

Wie diagnostiziert der Arzt Binge Eating?

Die Diagnose erfolgt häufig erst spät. Die Betroffenen verheimlichen ihre Fressattacken, weshalb Außenstehende das Problem oft erst spät erkennen. Doch wie bei vielen anderen Erkrankungen auch, verbessert sich die Prognose einer Binge-Eating-Störung wesentlich, umso früher die Diagnose erfolgt. Daher ist es wichtig, dass Du zum Hausarzt gehst, wenn Du bei Dir Symptome einer Esssucht bemerkst.
 
Zu Beginn der Untersuchung steht ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt, in dem er Dich zu den Essanfällen befragt. Wie häufig kommen diese vor? Wie ist Dein Essverhalten während eines Anfalls? Wie fühlst Du Dich während und nach einem Anfall? Wie häufig sind die Essanfälle? Unternimmst Du nach einem Essanfall Schritte, um die Kalorien wieder abzubauen, wie etwa Erbrechen oder die Einnahme von Abführmitteln? Wie zufrieden bist Du mit Deinem Körper?
 
Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung, um festzustellen, ob es körperliche Ursachen für die Symptome gibt. In dieser Untersuchung ermittelt der Arzt auch den Body-Mass-Index und überprüft Blutzucker-, Blutfett- und Harnsäurewerte.
 
Handelt es sich tatsächlich um eine Binge-Eating-Störung, erfolgt eine Überweisung an einen Psychotherapeuten. Dieser stellt dann fest, ob noch weitere psychische Störungen vorliegen. Der „Eating Disorder Examination“-Test von Fairburn und Cooper hat sich als zuverlässiges Instrument bei der Diagnose von Essstörungen erwiesen.

Welche Behandlungs- und Therapieformen kommen beim Binge Eating zum Einsatz?

Eine Binge-Eating-Störung bedarf einer psychotherapeutischen Behandlung. Die Behandlung erfolgt entweder ambulant oder stationär. Vor allem, wenn die Symptome der Binge-Eating-Störung stark ausgeprägt sind und der Betroffene erhebliche körperliche oder psychische Probleme hat, ist der Aufenthalt in einer Klinik ratsam.
 
Schwerpunkte der Behandlung sind das Informieren der Patienten über die Essstörung, die Veränderung der Essgewohnheiten, ein gesünderer Lebensstil mit mehr Bewegung, die positive Veränderung der Selbstwahrnehmung und das Erlernen von Strategien, um einen Rückfall zu vermeiden. Kognitive Verhaltenstherapie sowie interpersonelle Therapie haben sich als besonders hilfreich erwiesen.
 
Grundannahme der kognitiven Verhaltenstherapie ist, dass Betroffene das erlernte ungesunde Essverhalten auch wieder verlernen können. Der Patient muss ein Tagebuch führen und darin Essgewohnheiten und Gefühle festhalten. So können die Auslöser der Fressanfälle identifiziert werden.
 
Auch Ernährungsberater sind Teil der Therapie. Sie unterstützen den Patienten dabei, eine ausgewogene und regelmäßige Art der Ernährung zu etablieren. Mit dem Psychotherapeuten arbeitet der Patient an der Verbesserung des Selbstwertgefühls. Sie lernen auch Strategien zur Stressbewältigung und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
 
Bei der interpersonellen Therapie stehen die aktuelle Lebenssituation des Betroffenen und seine zwischenmenschlichen Beziehungen im Fokus. Patienten erlernen Strategien, um Konflikte mit anderen besser zu lösen. Die soziale Kompetenz erhöht sich, dadurch verringert sich das Verlangen, bei Problemen zum Essen zu greifen.
 
Wenn der Betroffene auch an einer Depression oder einer anderen affektiven Störung leidet, muss zuerst diese behandelt werden. Andernfalls ist es für den Patienten nicht möglich, die Essstörung zu überwinden. In diesen Fällen erfolgt häufig eine Kombination aus medikamentöser und psychotherapeutischer Therapie.

Wie lernen Patienten ihr Essverhalten zu normalisieren?

Damit Du etwas an Deinem Essverhalten verändern kannst, musst Du dieses erst einmal kennenlernen. In Therapiesitzungen erklärt daher ein Therapeut, wie Du ein Tagebuch über Dein Essverhalten und Deine Emotionen anlegst. So können die Auslöser für die Essanfälle identifiziert werden.
 
Bei der Normalisierung des Essverhaltens helfen auch gemeinsame Aktivitäten, wie zum Beispiel Einkaufen von Lebensmitteln, gemeinsames Kochen und anschließendes Essen mit der Gruppe.
 
Wichtig ist auch zu lernen, die Essattacken zu kontrollieren. Sie dienen häufig dazu, unangenehme Gefühle auszugleichen. In solchen Fällen müssen Betroffene also lernen, dass Essen ihre Probleme nicht löst, sondern diese nur auf später verschiebt. Sie müssen lernen „echten Hunger“ von einem „emotionalen Loch“ zu unterscheiden.
 
Um daran arbeiten zu können, ist es wichtig, das eigene Essverhalten zu reflektieren und zu erkennen, in welchen Situationen es zu Essanfällen kommt. Ein „emotionales Loch“ kannst Du nicht mit Essen füllen. Vielleicht fehlt Dir der Kontakt zu Freunden oder Du bist auf der Suche nach mehr Wertschätzung im Job oder einem neuen Hobby. Essen löst keines dieser Probleme.

Wie ist die Prognose beim Binge Eating?

Umso eher die Diagnose gestellt wird, umso besser ist auch die Prognose. Binge Eating wird erst seit Kurzem als eigenständige psychische Störung anerkannt. Aus diesem Grund gibt es noch nicht so viele Studien zum Verlauf und der Prognose von Binge Eating. Es liegt nahe, dass die Prognose etwas günstiger ist als bei anderen Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie. Ein Jahr nach dem Ende der Therapie berichten je nach Studie 30 bis 80 Prozent der Patienten von einer deutlichen Besserung im Vergleich zum Zeitraum vor der Therapie.
 
Nach zwölf Jahren hat etwa zwei Drittel der Betroffenen die Essstörung überwunden. Die Rückfallquote nach diesem Zeitraum liegt deutlich unter zehn Prozent. Jedoch leidet ein Viertel der Betroffenen nach Ablauf dieser zwölf Jahre noch immer an einer affektiven Störung oder einer Angststörung. Etwa jeder Zehnte neigt zum Missbrauch von Substanzen, wie zum Beispiel übermäßigen Alkoholkonsum.
 
Im Alltag sind geregelte Mahlzeiten und mehr Achtsamkeit beim Essen wichtig. Anders als zum Beispiel bei der Alkoholsucht ist es bei einer Esssucht nicht möglich, den Auslöser komplett zu streichen, denn Menschen müssen essen. Um einen Rückfall zu vermeiden, ist daher eine engmaschige Kontrolle wichtig.

Um die Binge-Eating-Störung zu behandeln, ist ein kontrolliertes Essverhalten und das Führen eines Ernährungstagebuches essenziell.

Was können Angehörige von Binge Eatern unterstützend tun?

Eine allgemeingültige Handlungsanweisung für Angehörige gibt es leider nicht. Hier muss auf die Bedürfnisse des Betroffenen Rücksicht genommen werden. Für manche Patienten ist Unterstützung auf dem Weg der Genesung wesentlich. Das kann zum Beispiel gemeinsames Kochen, Essen oder körperliche Aktivität sein.
 
Andere wiederum fühlen sich durch solches Verhalten eingeengt. Die so entstandene Unzufriedenheit gleichen Betroffene dann schlimmstenfalls durch erneute heimliche Essattacken aus.
 
In jedem Fall sollten Angehörige den Betroffenen ansprechen, wenn sie ungewöhnliches Essverhalten bemerken. Angehörige können eine wichtige Stütze und Motivation dabei sein, sich Hilfe zu holen. Eine psychische Störung einzugestehen, ist für viele Betroffene schwer und es kann ein langer Weg dorthin sein.

Wie viel kostet die Behandlung Binge Eating?

Eine Essstörung erfordert eine psychotherapeutische Behandlung. Diese kann entweder ambulant oder stationär erfolgen. Eine Sitzung bei einem Psychotherapeuten kostet in etwa 60 bis 100 Euro.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung von Binge Eating?

Die Krankenkasse übernimmt zumindest einen Teil der Kosten für die Diagnose und Therapie einer Binge-Eating-Störung. Je nach Versicherungsträger kann ein Selbstbehalt anfallen.
 
Für bestimmte Leistungen, wie zum Beispiel eine notwendige Psychotherapie bei einem niedergelassenen Therapeuten, gibt es die Möglichkeit, einen Antrag auf einen Kostenzuschuss bei der Krankenkasse zu stellen. Die Behandlung einer Essstörung erfolgt im Normalfall in spezialisierten Kliniken, die Verträge mit den Krankenkassen haben. Der Versicherungsträger übernimmt dann im Normalfall die Kosten zur Gänze.
 
Genauere Informationen dazu erhältst Du direkt bei Deinem behandelnden Arzt, Psychotherapeuten oder der Krankenkasse.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Beim Binge Eating handelt es sich um eine Essstörung, die sich in Form von wiederkehrenden Essattacken äußert. Der Betroffene verliert während eines Anfalls die Kontrolle. Genuss spielt beim Verschlingen der Nahrung während einer solchen Attacke keine Rolle.


Die Ursachen von Binge Eating sind noch wenig erforscht. Es handelt sich um einen Mix aus biologischen, psychologischen und sozialen Aspekten.


Die Diagnose ist oft schwer, da die Betroffenen ihre Essattacken verheimlichen. Aber eine frühzeitige Diagnose verbessert die Prognose wesentlich.


Bei der Behandlung spielt vor allem die Psychotherapie eine wichtige Rolle. Diese erfolgt entweder ambulant oder stationär in einer Spezialklinik.

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