Leberzirrhose (Schrumpfleber)

Die Leber ist eines der größten Organe des menschlichen Körpers und erfüllt viele lebenswichtige Aufgaben. Sie produziert einerseits die Gallenflüssigkeit, die für die Aufnahme von Fetten und Vitaminen aus dem Darm verantwortlich ist. Andererseits verarbeitet und speichert die Leber Nährstoffe aus Deinem Darm und baut Giftstoffe aus Deinem Blut ab. Sie ist somit auch an Deiner Immunabwehr beteiligt. Außerdem produziert sie Eiweiße für den Transport von Nährstoffen zu anderen Organen und regelt Deine Blutgerinnung. Eine Lebererkrankung kann somit schwerwiegende Folgen für Deine Gesundheit haben.


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Zuletzt aktualisiert: 27. Juli, 2020



ICD-10-GM-2020 K74 + K70.3

Was versteht die Medizin unter einer Leberzirrhose?

Eine Leberzirrhose ist das Endstadium einer Leberschädigung. Zunächst vermehrt sich das Bindegewebe der Leber und es bilden sich kleine Narben. Fachärzte bezeichnen dies als Leberfibrose. Im Verlauf der Erkrankung bilden sich schließlich größere Knoten. Das Lebergewebe wandelt sich nach und nach in Bindegewebe um und vernarbt. Dabei ersetzt das Narbengewebe das intakte, gesunde Lebergewebe und behindert so den Blutfluss durch Deine Leber.
 
Je weiter dieser Prozess fortschreitet, umso schlechter kann die Leber ihre lebenswichtigen Aufgaben, wie Stoffwechsel- und Entgiftungsfunktionen, erfüllen. So entsteht ein chronisches Leberversagen. Mediziner sprechen dann von einer Leberzirrhose oder Schrumpfleber. Weil sich bei einer Schrumpfleber die Organstruktur verändert, kann das Blut schlechter durch die Leber hindurchfließen. Es staut sich also vor der Leber, wodurch sich unter anderem Krampfadern, wie etwa in der Speiseröhre (sogenannte Ösophagusvarizen), bilden können.

Welche allgemeinen Symptome weisen anfangs auf eine Leberzirrhose hin?

Die Leber ist für viele Stoffwechsel- und Entgiftungsvorgänge verantwortlich. Kommt es nun aufgrund einer Leberzirrhose zu einer Leberfunktionsstörung, kann dies gefährliche Folgen für Deine Gesundheit haben. Allerdings macht sich eine Leberzirrhose oft nicht sofort bemerkbar. Viele Betroffene bleiben zu Beginn der Erkrankung jahrelang beschwerdefrei.
 
Die ersten Symptome einer Leberzirrhose sind Müdigkeit, leichte Erschöpfbarkeit und Leistungsschwäche. Auch Blähungen, Appetitmangel oder Übelkeit können im Anfangsstadium der Zirrhose auftreten. Solltest Du an Leberzirrhose leiden, merkst Du dies auch, indem Du Gewicht verlierst und in Deinem Oberbauch ein Völle- oder Druckgefühl verspürst. Zunehmendes Schwitzen und psychische Verstimmungen können ebenfalls auf eine Leberzirrhose hinweisen.
 
Auch Symptome der Grunderkrankung, also der eigentlichen Ursache der Leberzirrhose, weisen auf eine Schrumpfleber hin. Zu diesen Grunderkrankungen zählt unter anderem die Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson), welche sich durch Gedächtnisstörungen, Psychosen sowie Zitter- und Krampfanfällen zeigt.

Erste Anzeichen einer Leberzirrhose sind Müdigkeit, Erschöpfung und Leistungsmangel.

Was sind die spezifischen Symptome einer Leberzirrhose?

Sollte sich die Leberzirrhose bereits im fortgeschrittenen Stadium befinden, so kannst Du spezifische Symptome, sogenannte Leberhautzeichen, beobachten:
 
Einerseits kann Deine Haut recht dünn und grau-fahl werden, was Mediziner als Hautatrophie bezeichnen. Andererseits kann sich Deine Haut sowie die Lederhaut Deiner Augen gelb färben, auch Gelbsucht (Ikterus) genannt. Diese entsteht dadurch, dass Deine Galle weniger Sekret (Gallenflüssigkeit) in Deinen Darm abgibt. So können weniger Fette und fettlösliche Vitamine aufgenommen werden. Ein Gallenstau (Cholestase) kann somit Gelbsucht, Juckreiz (Pruritus) oder Xanthelasmen verursachen. Letztere sind gelbliche Plaques, die dadurch entstehen, dass sich Cholesterin im Gewebe Deines Ober- und Unterlids ablagert.
 
Achte außerdem auf Dein Gesicht, denn eine Leberzirrhose kann sogenannte Gefäßspinnen (Spider-Naevi) hervorrufen. Du erkennst sie an kleinen, sichtbaren Gefäßverzweigungen, die sich stern- oder spinnenförmig in Deinem Gesicht oder auf Deiner Brust ausbreiten. Auch Rötungen Deiner Handinnenflächen (Palmarerythem) und Deiner Fußsohlen (Plantarerythem) können auf eine Leberzirrhose hinweisen.
 
Solltest du schmerzhafte Risse in Deinen Mundwinkeln (Mundwinkelrhagaden) oder auffällig rot-glänzende Lippen (Lacklippen) haben, könnte dies auch auf eine Leberzirrhose hinweisen. Auch Juckreiz ist ein spezifisches Symptom der Schrumpfleber. Verhärtung und Verdickung der Handinnenflächen (Dupuytren-Krankheit) oder Weißfärbung Deiner Fingernägel können auch von einer Leberzirrhose ausgelöst werden.
 
Außerdem kannst Du unter Umständen verstärkte Venenzeichnungen an Deinem Bauch (Caput medusae) sowie Schwellungen Deiner Beine oder Deines Bauches beobachten.

Welche Ursachen hat eine Leberzirrhose?

Der häufigste Auslöser einer Leberzirrhose ist eine Leberschädigung durch übermäßigen Alkoholkonsum oder Alkoholmissbrauch. Welche Alkoholmengen genau zu Leberzirrhose führen, ist sehr individuell. Bei Männern kann ein täglicher Konsum von 40 Gramm Alkohol permanente Leberschäden verursachen, bei Frauen ist dies schon bei 20 Gramm der Fall. Bei hohem Alkoholkonsum erhöht sich das Risiko für eine Fettleber, was in weiterer Folge auch zu einer Schrumpfleber führen kann.
 
Auch eine Leberentzündung (Hepatitis B oder C) ist eine Ursache der Schrumpfleber. Sie wird durch einen bestimmten Virustyp ausgelöst. Dein Facharzt kann diese Viren in fast allen Körperflüssigkeiten – Blut, Sperma, Urin oder Speichel – nachweisen. Diese chronische Leberentzündung bewirkt, dass Deine Leberzellen mit der Zeit absterben und vernarben, wodurch letztlich eine Leberzirrhose entstehen kann.
 
Außerdem können Leber- und Gallenkrankheiten eine Leberzirrhose auslösen. Fachärzte identifizieren eine immunbedingte Leberentzündung (Autoimmunhepatitis), eine chronische Entzündung der kleinen Gallengänge in der Leber sowie chronische Entzündungen und Vernarbungen der mittleren und größeren Gallengänge oft als Ursachen der Leberzirrhose.
 
Auch Stoffwechselkrankheiten wie die Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose), die Kupferspeicherkrankheit (Morbus Wilson) oder Mukoviszidose können Ursachen der Schrumpfleber sein. Mukoviszidose ist eine angeborene Stoffwechselerkrankung, bei der Körperflüssigkeiten viel zäher als üblich sind.
 
Zusätzlich identifizieren Fachärzte auch diverse Tropenkrankheiten wie Bilharziose oder Leberegelbefall und Herzerkrankungen wie chronische Rechtsherzschwäche (Rechtsherzinsuffizienz) als Auslöser. Neben diesen Fällen können auch Giftstoffe wie Tetrachlorkohlenstoff oder Arsen und Medikamente wie Methotrexat (bei Krebs und Autoimmunerkrankungen) als Ursachen identifiziert werden.
 
Außerdem kann eine Herzschwäche der Auslöser einer Leberzirrhose sein, wenn sich beispielsweise Blut in der Leber zurückstaut und so das Organ schädigt. Wenn Blutgerinnsel oder Tumore die Lebervenen verstopfen, so wird das Lebergewebe nicht mehr mit ausreichend Nährstoffen versorgt.
 
In einigen Fällen können auch Spezialisten keine Ursache der Leberzirrhose feststellen. Dann liegt eine sogenannte kryptogene Leberzirrhose vor.

Alkoholmissbrauch ist ein großer Risikofaktor für die Entstehung einer Leberzirrhose.

Welche Risikofaktoren begünstigen eine Leberzirrhose?

Zu leberschädigenden Stoffen zählt in erster Linie Alkohol. Vor allem in Industrieländern ist die Fettleber eine weitverbreitete Ursache der Leberzirrhose. Eine Fettleber, also eine mit Fettzellen umlagerte Leber, tritt oft gemeinsam mit Übergewicht und Diabetes mellitus (einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel) auf.
 
Auch leberschädigende Medikamente können Deiner Leber auf Dauer schädigen. Solltest Du bereits an Leberzirrhose leiden, empfiehlt es sich, bestimmte Medikamente nur dann einzunehmen, wenn es medizinisch unbedingt notwendig ist. Sprich dies am besten mit Deinem Facharzt ab.

In welche Stadien kann eine Leberzirrhose unterteilt werden?

Leberzirrhose lässt sich in verschiedene Stadien einteilen. Dafür verwenden Mediziner den sogenannten Child-Pugh-Score. Dieser berücksichtigt fünf Kriterien, die einen Hinweis darauf geben, wie weit die Schrumpfleber schon fortgeschritten ist.
 
Die Child-Pugh-Kriterien sind:

  • Bauchwassersucht (Aszites), welche Dein Facharzt im Ultraschall beurteilt
  • Hirnschädigung durch die Lebererkrankung (hepatische Enzephalopathie)
  • Albumin-Konzentration im Blut: Albumin ist ein Eiweiß (Protein), das Deine Leber herstellt. Bei einer Leberzirrhose produziert Deine Leber weniger Albumin
  • Bilirubin-Konzentration im Blut: Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin. Normalerweise baut Deine Leber dieses Abbauprodukt weiter ab. Bei einer Leberzirrhose häuft sich Bilirubin aber im Blut an.
  • Quick-Wert: Dieser Wert für die Blutgerinnung ist von Gerinnungsfaktoren abhängig, die Deine Leber produziert. Bei Leberzirrhose bildet Deine Leber weniger Gerinnungsfaktoren. Dadurch sinkt der Quick-Wert. Fachärzte bestimmen die Blutgerinnung oft mit dem INR-Wert, der sich umgekehrt zum Quick-Wert verhält.

Dein Arzt prüft jedes Kriterium und vergibt jeweils unterschiedlich Punkte. Alle erzielten Punkte ergeben zusammengezählt den Child-Pugh-Score, der zwischen fünf und fünfzehn Punkten liegt. Eine Leberzirrhose mit der leichtesten Ausprägung hat somit den Wert fünf, während die stärkste Ausprägung die Gesamtpunktzahl von fünfzehn erreicht.

Basierend auf den unterschiedlichen Punktespannen ergeben sich drei Stadien der Leberzirrhose:

  • Das leichteste Stadium der Zirrhose ist das Stadium Child A mit einer Gesamtpunktzahl von fünf bis sechs.
  • Das Stadium Child B entspricht einem Child-Pugh-Score von sieben bis neun.
  • Child C ist das höchste Stadium der Leberzirrhose und hat die Punktwerte zehn bis fünfzehn.

Anhand des Stadiums kann Dein Facharzt abschätzen, wie hoch das Sterberisiko für die folgenden zwölf Monate ist. Im ersten Jahr ist die Sterblichkeit noch sehr gering. Sie steigt allerdings mit Fortschreiten der Zirrhose.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Leberzirrhose?

Dein Facharzt erhebt zunächst bestehende Symptome sowie Risikofaktoren wie Alkoholmissbrauch und leberschädigende Substanzen wie Medikamente, die eine Leberzirrhose verursachen könnten.
 
Daraufhin kontrolliert Dein Arzt Deine Leber durch eine körperliche Untersuchung: Im Frühstadium der Leberzirrhose kann Dein Facharzt Deine Leber noch ertasten, da sie noch relativ fest ist und einen stumpfen Rand haben sollte. Im weiteren Verlauf der Zirrhose verkleinert sich Deine Leber allerdings durch den knotigen Umbau, weshalb sie Dein Arzt oft nicht mehr ertasten kann. Zusätzlich stellt er häufig eine vergrößerte Milz oder Hinweise auf Bauchwasser (Aszites) fest. Dein Facharzt achtet außerdem auf andere Anzeichen einer Lebererkrankung, wie Spider-Naevi (Gefäßspinnen) oder Gelbsucht.
 
In weiterer Folge führt Dein Spezialist eine Blutuntersuchung durch. Dabei sind die Leberwerte GOT und GPT meist normal bis leicht erhöht, der Wert Gamma-GT ist meist mäßig erhöht. Bilirubin (ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffs Hämoglobin) befindet sich am Anfang meist im Normbereich und steigt mit zunehmender Umwandlung Deines Lebergewebes, wodurch es einen Gallenrückstau verursacht. Auch die alkalische Phosphatase – eine Enzymaktivität, die aus Leber, Galle, Knochen, Darm und Plazenta (bei Schwangeren) stammt – kann erhöht sein.

Die Leberzirrhose ist das Endstadium einer Lebererkrankung, wobei die Fettleber sich häufig in eine Schrumpfleber entwickelt.
 
Außerdem untersucht der Facharzt, ob sich ein Mangel an roten oder weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen in Deinem Blutbild abzeichnet. Ein Mangel an Blutplättchen sowie an Vitamin K-abhängigen Gerinnungsfaktoren kann Deine Blutgerinnungswerte verändern. Durch weitere Bluttests kann Dein Spezialist Ursachen der Leberzirrhose identifizieren und so das Ausmaß der Leberschädigung sowie die damit verbundenen Auswirkungen auf Deinen Körper abschätzen.
 
Außerdem kann Dein Arzt mithilfe von Ultraschall und Computertomographie (CT) eine detaillierte Diagnose aufstellen. Dabei kann er die knotige Architektur und die Veränderungen Deiner Lebergefäße darstellen, was ihm eine genauere Prognose ermöglicht. Im Zuge einer solchen Elastographie untersucht er die Elastizität Deines Lebergewebes. Eine verminderte Elastizität Deiner Leber weist auf vermehrtes Bindegewebe und somit auf eine fortgeschrittene Leberzirrhose hin. Oft nimmt Dein Facharzt eine Gewebeprobe aus Deiner Leber (Leberbiopsie), um die Diagnose zu bestätigen.

Wie wird eine Leberzirrhose behandelt?

Erkennt Dein Facharzt die Ursache der Leberzirrhose rechtzeitig, so kann die richtige Behandlung das Fortschreiten der Schrumpfleber aufhalten und die Beschwerden lindern. Sind durch die Leberzirrhose allerdings schon Schäden entstanden, kann auch ein Spezialist diese nicht mehr rückgängig machen.
 
Bei jeder Leberzirrhose-Therapie behandelt Dein Facharzt, so gut es geht, die auslösende Grunderkrankung. Bei einer Leberentzündung (Hepatitis) verschreibt Dir Dein Spezialist zum Beispiel bestimmte Medikamente zu deren Behandlung.
 
Die gezielte Behandlung von Komplikationen ist bei Leberzirrhose sehr wichtig: Solltest Du an Bauchwassersucht leiden, so verschreibt Dir Dein Facharzt harntreibende Medikamente (Diuretika), um die angesammelte Flüssigkeit auszuschwemmen. Zudem solltest Du Dich natriumarm ernähren. In schweren Fällen der Bauchwassersucht kann unter Umständen eine sogenannte Punktion notwendig sein. Dabei sticht Dein Facharzt mit einer dünnen Nadel in Deinen Bauchraum und leitet die angesammelte Flüssigkeit über einen Schlauch ab.
 
Oft verschreibt Dir Dein Facharzt blutdrucksenkende Medikamente, welche nicht nur Deinen Blutdruck, sondern auch den Druck in den Krampfadern der Speiseröhre senken. Somit wird die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Deine Blutgefäße platzen.
 
Sollte eine Krampfader allerdings platzen, so versucht Dein behandelnder Chirurg, die geplatzte Krampfader über eine Magenspiegelung zu veröden oder sie zu unterspritzen. Sollte das nicht möglich sein, so muss eine Metall-Gefäßstütze zur Druckentlastung vor Deine Leber eingebaut werden. Diese dient als Kurzschlussverbindung zwischen Pfortader und Lebervene.
 
Auch ohne akute Blutungen kann Dein Facharzt durch das Anlegen eines Blutabstroms (Implantation einer Kurzschlussverbindung) die Pfortader und somit die Krampfadern in Deiner Speiseröhre entlasten. Durch diese Maßnahme können die Krampfadern verschwinden und auch die Bauchwassersucht kann so gut behandelt werden.
 
Sollte es sich allerdings um eine schwere, stark fortgeschrittene Leberzirrhose handeln, ist eine Lebertransplantation oft die letzte Chance zur Genesung.

Welche Komplikationen kann eine fortgeschrittene Leberzirrhose verursachen?

Eine fortgeschrittene Schrumpfleber kann unter anderem Störungen Deines Stoffwechsels bewirken: Patienten mit Leberzirrhose nehmen oft ab. Vor allem die Muskelmasse bildet sich im Laufe der Krankheit zurück. Außerdem kannst Du Störungen Deines Zuckerstoffwechsels beobachten, was Diabetes hervorrufen kann. Ist die Leber nicht mehr in der Lage, wichtige Eiweiße, wie Gerinnungsstoffe, herzustellen, können vermehrt Blutungen auftreten.
 
Zusätzlich kann eine Leberzirrhose hormonelle Störungen hervorrufen: Deine Leber kann bei einer Schädigung zum Beispiel die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) nicht mehr richtig abbauen. Du erkennst dies an folgenden Symptomen: Bei Männern kommt es zur Brustentwicklung (Gynäkomastie), zu einem Verlust der Bauchbehaarung (Bauchglatze), zur Schrumpfung der Hoden sowie zur Abnahme des sexuellen Verlangens oder der Potenz. Bei Frauen zeigen sich Symptome im Ausbleiben oder der Unregelmäßigkeit der Regelblutung (Amenorrhoe).
 
Nachdem sich bei einer Leberzirrhose das Lebergewebe in Bindegewebe umwandelt, also vernarbt, nimmt die Organfunktion der Leber ab. Bei einer weit fortgeschrittenen Zirrhose kann die Leber den Verlust an funktionsfähigen Zellen nicht mehr ausgleichen. Dabei kann unter anderem eine Bauchwassersucht (Aszites) auftreten: Durch die Ansammlung von Flüssigkeit vergrößert sich der Bauchumfang und der Bauch wölbt sich vor. Im Liegen dehnt sich die Flüssigkeit im Bauch zu den Seiten hin aus. Sie kann auch auf das Zwerchfell drücken, wodurch sie Atemprobleme verursacht.
 
Außerdem können Patienten mit Leberzirrhose unter Pfortaderhochdruck (portale Hypertension) leiden. Die Pfortader sammelt das Blut verschiedener Bauchorgane (Magen, Darm, Milz) und bringt es zur Leber. Bei fortgeschrittener Leberzirrhose staut sich dieses Blut vor der vernarbten Leber auf, wodurch ein Pfortaderhochdruck entsteht. Du erkennst dies anhand von Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) oder im Magen. Die Venen in der Speiseröhre dienen nämlich als Ersatzweg für große Mengen an Blut, das vom Bauchraum zum Herzen befördert werden muss. Derartige Krampfadern verursachen zunächst keine Symptome.
 
Gefährlich wird es jedoch, wenn die Speiseröhrenkrampfadern platzen sollten: Dabei kann es zu lebensgefährlichem Blutverlust kommen, den Du unter anderem an Bluthusten (Hämoptyse) erkennst. Kommt das Blut der geplatzten Ader in die Atemwege, kann dies zu Ersticken oder einer schweren Lungenentzündung führen. Das Blut der geplatzten Speiseröhrenkrampfader kann auch über den Magen in den Darm gelangen und so den Stuhl schwarz färben. Der Facharzt bezeichnet dies als Teerstuhl. Speiseröhrenkrampfadern zeigen sich auch durch das Erbrechen von rotem oder schwarz geronnenem Blut.
 
Eine Krampfaderblutung in der Speiseröhre ist lebensgefährlich. Solltest Du derartige Anzeichen verspüren, müssen diese umgehend ärztlich behandelt werden. Bei einer portalen Hypertension können sich außerdem Krampfadern im Enddarm und im Bereich des Darmausganges (Hämorrhoiden) sowie Ödeme in den Beinen bilden.

Zu den Komplikationen und Folgen einer Leberzirrhose zählen Libidoverlust und Impotenz.

Zusätzlich kann sich Deine Milz vergrößern (Splenomegalie), da sie nun vermehrt Blutzellen abbauen muss, die durch die Vernarbung Deiner Leber nicht weitergeleitet werden können. Dadurch kann sich Dein Bauchumfang vergrößern und Du könntest eventuell unter Atemnot durch Bauchwasser (Aszites) leiden, was eine Bauchfellentzündung durch angelagerte Bakterien (bakterielle Peritonitis) hervorrufen kann. Zusätzlich kann Atemnot und Leistungsabfall durch Lungenhochdruck (portale Hypertonie) ausgelöst werden. Auch die Funktionen Deiner Niere können durch Leberzirrhose gestört werden, was Fachärzte als hepatorenales Syndrom bezeichnen.
 
Außerdem kann eine Leberzirrhose Veränderungen im Blut hervorrufen. Dabei kommt es zu einer Verminderung der roten und weißen Blutkörperchen sowie der Blutplättchen. Durch den erhöhten Pfortaderdruck entsteht ein Blutrückstau in die Milz, welche daraufhin vermehrt Blutzellen abbaut (Hypersplenismus). Eine Abnahme der roten Blutkörperchen resultiert in einer reduzierten Sauerstoffaufnahme. Die Reduktion der weißen Blutkörperchen zeigt sich in einem geschwächten Abwehrsystem. Außerdem verursacht eine Verminderung Deiner Blutplättchen eine erhöhte Blutungsneigung (Koagulopathie).
 
Die leberbedingte Gehirnerkrankung (hepatische Enzephalopathie) ist die wichtigste Komplikation der Leberzirrhose. Dabei kommt es zu Störungen des Gehirnstoffwechsels. Diese Gehirnerkrankung entsteht durch einen Anstieg an Giftstoffen wie Ammoniak im Blut, da die Leber Dein Blut nicht mehr richtig entgiften kann. Rund 70 Prozent der Betroffenen zeigen derartige Anzeichen. Dies erkennst Du an erheblichen Bewegungs-, Verhaltens- und Bewusstseinsstörungen.
 
Solltest Du unter einer Leberzirrhose leiden, untersucht Dich Dein Facharzt vorsorglich auf Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom), der sich durch Druckschmerzen im rechten Oberbauch bemerkbar machen kann. Dies ist gefährlich, da in frühen Stadien des Leberzellkrebses keine Symptome auftreten und der Krebs somit unbemerkt bleiben kann.
 
Im Leberzirrhose-Endstadium kann die Leber schließlich ihre Aufgaben als zentrales Stoffwechselorgan nicht mehr erfüllen. Alle Leberfunktionen brechen zusammen – es kommt zu einem akuten Leberversagen, was tödliche Folgen haben kann.

Wie ist die Prognose einer Leberzirrhose?

Bei bekannter Leberzirrhose werden bestimmte Untersuchungen in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Dabei vereinbarst Du mit Deinem behandelnden Arzt regelmäßig Kontrolltermine, die Du unbedingt einhalten musst. Nur so kann Dein Arzt den Krankheitsverlauf korrekt prognostizieren und eine passende Behandlung einleiten.
 
Dein Facharzt muss die Leberschädigung laufend überprüfen, damit er Komplikationen so früh wie möglich erkennen kann. Dazu führt er Blutuntersuchungen sowie Ultraschall-Untersuchungen oder Computertomographien (CT) durch.
 
Dein Arzt untersucht außerdem, ob sich Krampfadern in Deiner Speiseröhre oder in Deinem Magen gebildet haben. Dafür führt er eine Kontrollmagenspiegelung (Gastroskopie) durch, sodass er Krampfadern früh erkennen und dementsprechend behandeln kann.
 
Zusätzlich empfehlen viele Spezialisten, dass sich Leberzirrhose-Patienten gegen Hepatitis A und B impfen lassen sollen, um weitere Leberschädigungen durch eine Virusinfektion zu vermeiden.

Wie soll ich mich bei einer Leberzirrhose ernähren?

Solltest Du an einer Leberzirrhose leiden, empfehlen Mediziner eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung. Dein Facharzt informiert Dich, abhängig von Deinem Ernährungs- und Gesundheitszustand, wie Du Dich am besten ernähren solltest und ob eine spezielle „Leber-Diät“ notwendig ist. Beispielsweise sollten sich übergewichtige Leberzirrhose-Patienten mit einer Fettleber fettarm und kalorienreduziert ernähren, was in Verbindung mit regelmäßiger Bewegung beim Abnehmen hilft.
 
Sollte die Leberschädigung bereits Gehirnstörungen hervorgerufen haben (hepatische Enzephalopathie), so solltest Du dringend Giftstoffe in Deinem Blut verringern. Mediziner empfehlen hierbei eine eiweißarme Ernährung, wodurch weniger giftiges Ammoniak in Deinem Körper entsteht. Den Giftstoff Ammoniak kannst du zum Beispiel auch mit Laktulose, einem leichten Abführmittel, ausscheiden. Dies solltest Du aber im Vorhinein mit Deinem Facharzt besprechen.
 
Grundsätzlich müssen alle Leberzirrhose-Patienten auf einen geregelten Stuhlgang achten, sodass möglichst viele Giftstoffe über den Darm ausgeschieden werden können. Dafür ernährst Du Dich am besten ballaststoffreich und nimmst genügend Flüssigkeit zu Dir. Dein zuständiger Facharzt kann Dich im Hinblick auf Deine tägliche Trinkmenge beraten. In bestimmten Fällen, wie zum Beispiel bei Bauchwassersucht, solltest Du nämlich nicht zu viel Flüssigkeit zu Dir nehmen.

Bei einer Leberzirrhose ist eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung essenziell.

Wie kann ich einer Leberzirrhose vorbeugen?

Um eine Leberzirrhose zu vermeiden, sollte Dein Facharzt eine etwaige Leberbelastung oder -erkrankung möglichst früh erkennen und konsequent behandeln.
 
Außerdem solltest Du leberschädigende Stoffe meiden. Dazu zählt vor allem Alkohol, denn übermäßiger Alkoholkonsum kann Deiner Leber dauerhaft schädigen und schließlich zu Leberzirrhose führen. Auch eine Schutzimpfung gegen Hepatitis hilft, eine Leberzirrhose vorzubeugen. Bei übergewichtigen Patienten kann eine Ernährungsumstellung und regelmäßige Bewegung das Risiko für die Entstehung einer Fettleber (also einem Vorstadium der Leberzirrhose) verringern.
 
Wenn Du bereits an einer Lebererkrankung leidest, solltest Du potenziell leberschädigende Medikamente vermeiden. Sprich deshalb jegliche medikamentöse Behandlung zuerst mit Deinem Facharzt im Vorhinein ab.

Was ist der Unterschied zwischen einer Leberzirrhose und einer Fettleber?

Bei übermäßigem Alkoholkonsum muss Deine Leber sehr viel Alkohol abbauen, wodurch sie vermehrt Giftstoffe produziert. Diese bewirken, dass Deine Leber zunächst sehr viel Fett einlagert, wodurch eine sogenannte Fettleber entsteht. Dabei lagern sich vermehrt Fettzellen in den Leberzellen (Hepatozyten) ein. Dies ist Experten zufolge schon bei 20 bis 30 Prozent der westlichen Bevölkerung der Fall. In diesem Stadium sind die Veränderungen im Lebergewebe teilweise noch gut behandelbar.
 
Hält der übermäßige Alkoholkonsum an, so sterben die im Fett eingelagerten Zellen ab und werden durch Bindegewebe (Narbengewebe) ersetzt, was Mediziner als Leberfibrose bezeichnen. Sobald einmal Narben- und Bindegewebe entstanden ist, kann dies nicht mehr rückgängig gemacht werden. Schreitet die Leberfibrose weiter fort, so kommt es letztlich zu Leberzirrhose. Eine Fettleber ist somit eine Vorstufe der Leberzirrhose.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Leberzirrhose?

Die Krankenversicherungsträger übernehmen alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen zur Behandlung der Schrumpfleber. Dein behandelnder Arzt rechnet grundsätzlich direkt mit Deinem Krankenversicherungsträger ab.
 
Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt (Behandlungsvertrag) für Dich anfallen. Du kannst aber auch einen Wahlarzt, also einen Arzt ohne Kassenvertrag, in Anspruch nehmen. Bei bestimmten medikamentösen Behandlungen ist in manchen Fällen eine Bewilligung der Krankenversicherungsträger erforderlich
 
Je nach Krankenversicherung kann es allerdings sein, dass Du Dich bei den Kosten für bestimmte Hilfsmittel beteiligen musst. Für Medikamente auf „Kassenrezept“ musst Du eine Rezeptgebühr entrichten. Dafür gelten allerdings individuelle Bestimmungen, worüber Du Dich am besten bei Deinem Krankenversicherungsträger informierst.

 


Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

-

Stationärer Aufenthalt Stationär

-

Das Wichtigste zusammengefasst

Eine Leberzirrhose (Schrumpfleber) ist eine weitverbreitete Störung der inneren Leberstruktur. Sie ist das Endstadium einer Leberschädigung, wobei das normale Lebergewebe dauerhaft durch nicht funktionierendes Narbengewebe ersetzt wird.


Eine Leberzirrhose entsteht allmählich durch anhaltende Belastungen der Leber, wie durch Alkoholmissbrauch, durch leberschädigende Medikamente oder durch eine chronische virusbedingte Leberentzündung (Hepatitis B und C).


Weil sich das Lebergewebe in Bindegewebe umwandelt, also vernarbt, kann das Blut schlechter durch die Leber hindurchfließen. Es staut sich also vor der Leber, weshalb sie ihre lebenswichtigen Funktionen, wie Stoffwechsel- und Entgiftungsfunktionen, nicht mehr ausreichend erfüllen kann.


Die Geschwindigkeit und Ausprägung der Schrumpfleber sind sehr individuell und werden daher auch unterschiedlich behandelt. Eine Leberzirrhose kann in der Regel nicht rückgängig gemacht werden. Erkennt Dein Facharzt die Leberzirrhose früh genug, so kann er sie bremsen und die Ursachen beheben.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

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