Asperger Syndrom

Beim Asperger Syndrom handelt es sich um eine Form von autistischen Entwicklungsstörungen. Asperger geht mit einem eingeschränkten Einfühlungsvermögen einher, genauso wie mit oft ungewöhnlichen Interessen und mangelhafter sozialer Kompetenz. Spezielle Therapien helfen Betroffenen dabei, soziale Fähigkeiten zu trainieren und ihre Stärken sinnvoll einzusetzen.


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Online-Redaktion

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Zuletzt aktualisiert: 4. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Asperger Syndrom?

Das Asperger Syndrom ist eine Erkrankung des autistischen Formenkreises und gehört zur Gruppe der tief greifenden mentalen und neuronalen Entwicklungsstörungen. Die Erkrankung äußert sich unter anderem in Kommunikations- und Kontaktstörungen. Ebenso weist ein Großteil der Betroffenen eine überdurchschnittliche Intelligenz im Gegensatz zu den anderen Autismusformen auf. Jedoch geht das Asperger Syndrom auch mit Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion einher.
 
Das Asperger Syndrom ist eine Form von Autismus

Wie häufig ist das Asperger Syndrom und wer ist davon betroffen?

Männer sind vom Asperger Syndrom etwa achtmal so häufig betroffen wie Frauen. Von 10.000 Kindern sind in etwa zwei bis drei vom Asperger Syndrom betroffen. Das entspricht in etwa 0,02 bis 0,03 Prozent aller Kinder.

Was sind die Symptome bei einem Asperger Syndrom?

Erste Symptome des Asperger Syndroms zeigen sich meist erst nach dem dritten Lebensjahr. Davor gibt es keine Auffälligkeiten im Hinblick auf kommunikative oder sprachliche Fähigkeiten. Später ist die Sprachentwicklung oft ungewöhnlich gut für das jeweilige Alter. Die Sprache wirkt mitunter technisch und es mangelt an emotionaler Wärme. Die Kommunikation ist oft nicht empathisch und ohne Rücksicht auf das Gegenüber. Einen Dialog zu führen kann für ein Kind mit Asperger ein großes Problem sein. Sie passen sich im Gespräch nicht an ihr Gegenüber an und auch Selbstgespräche sind häufig.
 
Die betroffenen Kinder haben Probleme bei sozialen Interaktionen, wenn sie zum Beispiel mit Gleichaltrigen spielen. Oft haben die Kinder große Probleme dabei sich auf andere Menschen und soziale Situationen einzustellen. Selbst zeigen sie oft keine Mimik und den Gesichtsausdruck anderer können sie schwer interpretieren. Eine weitere Schwierigkeit für Betroffene ist es Freundschaften aufzubauen. Oft haben sie gar kein Interesse an sozialen Kontakten oder Freundschaften. Sie neigen zu Einzelgängertum. Betroffene neigen dazu, Blickkontakt zu vermeiden und es fällt ihnen schwer sich sozialen Regeln unterzuordnen. Sie können sich nicht in andere hineindenken oder die Perspektive eines anderen einnehmen.
 
In manchen Fällen läuft die motorische Entwicklung verzögert ab. Die Motorik ist oft unbeholfen, ungeschickt und geprägt von Koordinationsstörung in der Grob- und Feinmotorik. Meist erfolgt eine Diagnose jedoch erst im Vorschul- oder Schulalter. Betroffene sind oft ungewöhnlich intelligent und haben spezielle, ausgefallene Interessen. Sie leben oft in ihrer „eigenen Welt“. Menschen mit Asperger Syndrom nehmen Details viel besser wahr, als Menschen ohne Asperger Syndrom. Abstraktes, Sprache oder Objekte können sie besonders gut wahrnehmen, während sie eher Probleme dabei haben Gesichter zu erkennen. Sie haben Schwierigkeiten das „große Gesamtbild“ zu erkennen.
 
Menschen mit dem Asperger Syndrom ziehen sich häufig zurück

Welche Ursachen hat das Asperger Syndrom?

Die Ursachen sind bisher ungeklärt, jedoch vermuten Mediziner, dass ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren für die Entstehung von Asperger verantwortlich ist. Als ein wesentlicher Faktor nimmt die Medizin genetische Faktoren an. Durch eine genetisch bedingte Fehlsteuerung verbinden sich neuronale Netzwerke in den ersten Lebensjahren nicht ausreichend. Das beeinträchtigt die Informationsverarbeitung. Weiterhin tragen vermutlich auch Komplikationen in der Phase um die Geburt herum (Perinatalperiode) zur Entstehung dieser Erkrankung bei.

Welche Risikofaktoren begünstigen ein Asperger Syndrom?

Genetische Faktoren spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung des Asperger Syndrom. Diese Form des Autismus kommt innerhalb von Familien gehäuft vor. Auch ein höheres Alter der Eltern spielt eine Rolle bei der Entwicklung dieser Form von Autismus. Erkrankt die Mutter während der Schwangerschaft an Röteln oder Diabetes, kann dies das Risiko eines Asperger Syndroms erhöhen, ebenso wie Lungenfunktionsprobleme und Unterzuckerung beim Neugeborenen. Die Entstehung des Asperger Syndroms steht jedoch nicht wie früher vermutet mit Impfstoffen in Verbindung.

Wie diagnostiziert der Arzt ein Asperger Syndrom?

Die Diagnosestellung erfolgt durch einen Kinder- und Jugendpsychiater. Zur Untersuchung gehört ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen. Dabei klärt der Arzt Informationen über verschiedene Erkrankungen ab. Auch Informationen anderer Personen aus dem Umfeld des Kindes sind hilfreich. Dazu zählen neben Verwandten auch Freunde, Lehrer oder Erzieher. Zusätzlich führt der Arzt eine psychiatrische, neurologische, körperliche und labormedizinische Untersuchung durch.
 
Screening-Fragebögen wie die Australian Scale for Asperger’s Syndrom (ASAS) oder der Autism Diagnostic Observation Schedule (ADOS) unterstützen den Arzt bei der Diagnosestellung. Bei Erwachsenen dienen dem Arzt der Autismus Spektrum Quotient (AQ) und der Empathie Quotient (EQ) als Hilfsmittel. Eine Diagnose im Erwachsenenalter gestaltet sich dabei etwas schwieriger. Die Betroffenen entwickeln nämlich Bewältigungsstrategien, um möglichst „normal“ zu erscheinen. Ein Arztbesuch erfolgt dann häufig erst wegen Folgeerkrankungen wie Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen.

Ist das Asperger Syndrom behandelbar?

Eine Heilung für das Asperger Syndrom gibt es bislang nicht. Zudem erfordert die Diagnose Asperger Syndrom nicht zwingend eine Therapie. Viele Betroffene sind durchaus in der Lage sich sozial anzupassen, im späteren Leben einem Beruf nachzugehen und ihren Alltag zu meistern.
 
Menschen mit dem Asperger Syndrom brauchen meist eine besondere Förderung, dafür kommen Therapien infrage
 
Bei stark ausgeprägten Symptomen ist jedoch eine Therapie ab dem Kindesalter wichtig. Im Normalfall erfolgt eine Langzeittherapie. Mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen kann der Therapeut individuelle Fähigkeiten des Kindes fördern und Defizite verringern. Auch die Förderung sozialer, kommunikativer und lebenspraktischer Fähigkeiten ist Teil dieses Therapieansatzes. Weitere Therapien, die bei Betroffenen je nach Bedarf infrage kommen sind Tiertherapie, Musiktherapie, Ergotherapie, sowie soziales Kompetenztraining. Eine Therapie in Form von Medikamenten erfolgt nur sehr selten. Manche Betroffene leiden zusätzlich an einer Aufmerksamkeitsstörung, wie ADHS. Eine Behandlung erfolgt dann individuell mit entsprechenden Medikamenten.

Welche Stärken haben Menschen mit einem Asperger Syndrom?

Die Sprachentwicklung betroffener Kinder setzt meist früh ein. Oft können sie schon sprechen, bevor sie laufen können. Sie entwickeln einen ausgefallenen und großen Wortschatz. Eine weitere Stärke Betroffener ist ihre überdurchschnittliche Intelligenz. Spezialinteressen oder Inselbegabungen stellen sich oft im Berufsleben als vorteilhaft heraus. Menschen mit Asperger Syndrom haben meist eine beeindruckende Denkfähigkeit und zeichnen sich durch originelle Ideen und ihre Fähigkeiten im abstrakten und logischen Denken aus. Oft sind diese Menschen besonders loyal, aufrichtig und zuverlässig und haben einen starken Gerechtigkeitssinn. Anerkennung und Lob motivieren Kinder mit Asperger Syndrom.

Welche Folgen hat das Asperger Syndrom für Betroffene?

Im Schulalter entwickeln betroffene Kinder oft Verhaltensauffälligkeiten und verstoßen gegen soziale Regeln, sie bleiben eher Einzelgänger. Sie werden zu schwierigen und oft exzentrischen Persönlichkeiten. Betroffene sind nicht selten zu intellektuellen Höchstleistungen fähig. Allerdings entwickeln sie keine Sozialkompetenz, sind emotional distanziert und in ihrer sozialen Interaktion gestört. Aufgrund der mangelnden Fähigkeit soziale Regeln anzuwenden entsteht ein sozialer Stress, der im Erwachsenenalter zu Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen führen kann.

Was bedeutet das Asperger Syndrom für Familienmitglieder?

Die Diagnose eines Asperger Syndroms betrifft niemals nur den Patienten selbst, sondern auch seine Familienmitglieder. Die Störung sollte keinesfalls nur als negativ beurteilt werden. Betroffene haben oft besondere individuelle Fähigkeiten und Stärken. Ein behutsamer und liebevoller Umgang mit viel Einfühlungsvermögen gegenüber dem Betroffenen ist wichtig. Viele Betroffene empfinden beispielsweise Körperkontakt als unangenehm. Es ist besser solche Eigenarten zu respektieren, anstatt zu versuchen den Betroffenen „umzuerziehen“. Hilfreich für Betroffene ist auch das ständige Wiederholen von sozialen und kognitiven Lernprozessen.
 
Menschen mit dem Asperger Syndrom sind durchus in der Lage soziale Kompetenzen zu erlernen

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkasse übernehmen die Kosten für die Diagnose eines Asperger Syndroms. Je nach erforderlicher Therapie kann es sein, dass Deine Krankenkasse einen Selbstbehalt verrechnet. Genauere Informationen darüber erhältst Du direkt bei Deiner Krankenkasse oder bei Deinem behandelnden Arzt.
 
Bei Fragen zu diesem oder einem anderen medizinischen Thema steht Dir unser Forum zur Verfügung. Hier kannst Du Dich mit anderen Mitgliedern austauschen und unsere Ärzte kontaktieren!


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Das Asperger Syndrom ist eine Erkrankung des autistischen Formenkreises


Die Erkrankung geht mit einer Beeinträchtigung von Kommunikations- und Kontaktfähigkeiten, sowie Problemen im sozialen Alltag einher


Die Ursachen des Asperger Syndroms sind bisher nicht eindeutig geklärt. Genetische Faktoren spielen dem aktuellen Forschungsstand zufolge eine wesentliche Rolle


Eine Behandlung erfolgt je nach Bedarf in Form einer Verhaltenstherapie

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