Asperger Syndrom

Das Asperger-Syndrom ist eine Art des Autismus und zählt zu den Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung. Es unterscheidet sich von anderen Formen des Autismus dadurch, dass die Sprachentwicklung in der Regel unbeeinträchtigt ist und keine Intelligenzminderung vorliegt. Es zeigen sich qualitative Beeinträchtigungen der gegenseitigen sozialen Interaktion. Betroffene haben oft ungewöhnliche, intensive und umschriebene Interessen, auch begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensweisen sind möglich. Anzeichen für das Vorliegen eines Asperger-Syndroms können fehlendes Interesse an Gleichaltrigen oder ungeschicktes Verhalten im Umgang mit ihnen sein. Häufig fehlt den Personen die intuitive Fähigkeit, Gefühle und soziale Situationen ausreichend zu verstehen und die Fähigkeit, angemessen Kontakt aufzunehmen. Betroffene fallen meistens in der Schule durch ihr abweichendes Sozialverhalten auf. Leider werden Asperger-Autisten manchmal nicht ernst genommen, da die Störung bei Laien direkt mit einer leichten Form des Autismus assoziiert wird. Diese Annahme ist falsch. Das Asperger-Syndrom gibt es in jeder Ausprägung.


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Zuletzt aktualisiert: 5. Oktober, 2020



ICD-10-GM-2020 F84.5
 

Was versteht die Medizin unter Asperger?

Das Asperger-Syndrom ist eine ungefähr ab dem dritten Lebensjahr auftretende Kontakt- und Kommunikationsstörung und zählt zum autistischen Formenkreis. Typisch für diese Autismus-Spektrum-Störung sind Einschränkungen im Interaktionsverhalten, mangelndes Einfühlungsvermögen, starke und oft sehr spezielle Interessen sowie das Festhalten an Gewohnheiten und Ritualen. Das Asperger-Syndrom zählt neben dem frühkindlichen Autismus, dem Rett-Syndrom und dem atypischen Autismus zu den schwerwiegenden Entwicklungsstörungen. Die Erkrankung ist neurologisch fundiert, die Ursache ist meist unbekannt.

Das Asperger-Syndrom ist eine ungefähr ab dem dritten Lebensjahr auftretende Kontakt- und Kommunikationsstörung und zählt zum autistischen Formenkreis

Wie sehen die Symptome von Asperger aus?

Es gibt eine Vielzahl an Symptomen, die auf ein Asperger-Syndrom hinweisen können. So sind Asperger-Autisten meist normal bis überdurchschnittlich intelligent. Bezüglich der Sprachentwicklung unterscheiden sich Asperger-Betroffene von Personen, die an anderen autistischen Erkrankungen leiden. Kinder mit Autismus zeigen keine verzögerte Sprachentwicklung, jedoch verwenden sich zum Beispiel im zweiten Lebensjahr bestimmte Begriffe, die Sprache ist pedantisch. Den Kindern mangelt es an emotionaler Wärme, die Sprache wirkt unter Umständen „technisch“ und für das jeweilige Alter ungewöhnlich gut entwickelt. In der Kommunikation mit anderen wirken die Betroffenen häufig unempathisch und nehmen die Befindlichkeiten und Gefühle ihres Gegenübers kaum wahr.
 
Asperger-Autisten sind außerdem in ihrer sozialen Interaktion eingeschränkt. Dies kann sich auf unterschiedliche Art und Weise auswirken. So haben sie zum Beispiel Schwierigkeiten damit, auf Emotionen zu reagieren, sind mitunter einzelgängerisch, haben Probleme damit, sich anderen Gleichaltrigen anzuschließen und vermeiden häufig den Blickkontakt. Außerdem bleiben die Betroffenen auf emotionaler Distanz und können sich sozialen Regeln nicht unterordnen. Asperger-Autisten haben Schwierigkeiten damit, eine sogenannte „Theory of Mind“ zu entwickeln. Dabei handelt es sich um ein Modell aus der Psychologie, welches die Fähigkeit beschreibt, sich in andere hineinzudenken, deren Perspektiven einzunehmen und nachfühlen zu können.
 
Die Motorik eines Asperger-Autisten wirkt ungeschickt, unbeholfen und linkisch. Sie ist geprägt von Koordinationsstörungen sowohl in der Grob- als auch in der Feinmotorik. Die Betroffenen haben meist sehr spezielle und ausgefallene Interessen. Sie bevorzugen dabei stereotype Verhaltensmuster wie zum Beispiel das Auswendiglernen von Tabellen, Baumarten, technischen Daten oder Ähnlichem. Oft wirkt es so, als befinde sich der Betroffene in seiner eigenen Welt. Kinder mit Asperger entwickeln häufig im Schulalter Verhaltensauffälligkeiten und verstoßen gegen soziale Regeln. Daher bleiben sie oft Einzelgänger mit speziellen Interessen.
 
Im Erwachsenenalter können die Betroffenen dieses Verhalten meist bis zu einem gewissen Grad kompensieren. In manchen Fällen entwickeln sie sich zu schwierigen und exzentrischen Persönlichkeiten, die mitunter intellektuelle Höchstleistungen vollbringen. Die soziale Kompetenz entwickelt sich jedoch nicht weiter. Im Erwachsenenalter können durch den sozialen Stress komorbide Störungen wie Depressionen, Angststörungen oder Zwänge entstehen. Besonders problematisch ist, dass den Betroffenen in der Regel die sozialen Regeln bekannt sind, sie diese aber nicht verstehen und sie nicht anwenden können.
 
Sie verstehen nicht, wenn sie durch Verhaltensauffälligkeiten oder fehlende Empathie andere Menschen irritieren oder verletzen und fühlen sich daher schnell ausgegrenzt oder abgelehnt. Asperger-Betroffene mit intellektuellen Defiziten haben häufig Probleme in der Motorik und der Wahrnehmung. Dies führt oft zu aggressivem Verhalten, welches auch gegen sie selbst gerichtet sein kann.
 

Welche Ursache hat Asperger?

Wodurch das Asperger-Syndrom verursacht wird, ist bislang nicht bekannt. Experten vermuten ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Man geht zum Beispiel davon aus, dass an der Entstehung des Asperger-Syndroms genetische Faktoren beteiligt sind. So haben viele Betroffene nahe Verwandte mit Asperger-Autismus oder ähnlichen Verhaltensweisen. Die Wissenschaft kennt mittlerweile mehrere genetische Veränderungen, die das Risiko erhöhen, eine autistische Störung wie das Asperger-Syndrom zu entwickeln.
 
Aktuelle Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch ein höheres Alter des Vaters oder der Mutter die Wahrscheinlichkeit für Asperger-Autismus und andere Autismus-Spektrum-Störungen erhöht. Erwiesene Risikofaktoren sind mütterliche Infektionen während der Schwangerschaft wie beispielsweise Röteln. Eventuell erhöhen auch (starke) Frühgeburtlichkeit, mütterlicher Diabetes sowie Unterzucker und Lungenfunktionsprobleme bei Neugeborenen das Risiko für das Asperger-Syndrom.

Wodurch das Asperger-Syndrom verursacht wird, ist bislang nicht bekannt. Experten vermuten ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren

Auch die Einnahme bestimmter Medikamente gegen Epilepsie (besonders Valproat) während der Schwangerschaft steht im Verdacht, ein Risikofaktor für die Entstehung autistischer Störungen zu sein. Zudem scheinen neurologische und biochemische Auffälligkeiten eine Rolle zu spielen. Hervorzuheben sind hier besonders Unregelmäßigkeiten der elektrischen Hirnströme, Abweichungen im Aufbau verschiedener Hirnregionen sowie eine veränderte anteilige Zusammensetzung der Neurotransmitter, der Botenstoffe im Gehirn.
 
Entgegen der Behauptung von Impfskeptikern, dass autistische Störungen wie auch das Asperger-Syndrom auf Impfstoffe oder deren Konservierungsstoffe zurückzuführen seien, gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege für diese Theorie.
 

Wer ist am häufigsten von Asperger betroffen?

Experten schätzen die Prävalenz des Asperger-Syndoms bei Kindern auf etwa 0,02 bis 0,03. Jungen sind dabei ungefähr achtmal häufiger betroffen als Mädchen. Leider liegen bislang noch keine repräsentativen Untersuchungen bezüglich der Prävalenz im Erwachsenenalter vor. Da allerdings die Kernsymptome autistischer Störungen trotz einer Veränderung des klinischen Erscheinungsbildes – Betroffene lernen, sich zu einem gewissen Grad anzupassen – im Laufe des Lebens bestehen bleiben, geht man davon aus, dass Erwachsene in etwa genauso häufig betroffen sind.
 

Welche Folgen hat Asperger für die Betroffenen?

Eine Asperger-Erkrankung wirkt sich stark auf zwischenmenschliche Beziehungen aus. So fällt es besonders Kindern schwer, Freundschaften zu anderen Kindern aufzubauen. Die anderen meiden solche „seltsamen“ Kinder oft. Auch die Schulzeit ist für die betroffenen Kinder eine herausfordernde Zeit. Vor allem in der Pubertät ist die soziale Ausgrenzung ein massives Problem. Viele entwickeln in dieser Zeit komorbide Störungen wie Depressionen oder Zwänge. Im Berufsleben kann Asperger zweierlei Folgen haben. Einige sind im Umgang mit Kollegen oder Kunden schnell überfordert, ecken mit ihrer sehr direkten, unempathisch und unhöflich wirkenden Art leicht an und können sich nur sehr schwer flexibel an verschiedene Anforderungen anpassen. In anderen Fällen können die Betroffenen ihr Spezialinteresse gewinnbringend für ihre berufliche Entwicklung nutzen. Außerdem können einige Asperger-Autisten ihre hohen kognitiven Fähigkeiten zur Erreichung beruflicher sowie privater Ziele nutzen.
 

Haben alle von Asperger Betroffenen eine spezielle Begabung?

Nein. Es kommt durchaus vor, dass Asperger-Betroffene eine sogenannte „Inselbegabung“ haben, meist haben sie allerdings lediglich sehr spezielle Interessen. Diese Personen können so sehr auf ihr Interessengebiet fixiert sein, dass sie in anderen Bereichen wenig Neugier und Aufmerksamkeit für Anderes aufbringen. Liegt jedoch tatsächlich eine Inselbegabung vor, können die Betroffenen diese im besten Fall gut in ihrer akademischen Laufbahn und ihrem Beruf anwenden.
 

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Wenn Du vermutest, dass Dein Kind oder Du selbst an Asperger leiden könntest, solltest Du entweder den Hausarzt aufsuchen oder direkt zu einem Spezialisten gehen. Spätestens, wenn ein Kind Verhaltensauffälligkeiten zeigt, die soziale Probleme nach sich ziehen – wie zum Beispiel Ausgrenzung in der Schule – sollte man das Kind untersuchen lassen. Je schneller eine mögliche Asperger-Störung diagnostiziert und behandelt wird, desto besser ist die Prognose für den Betroffenen.

Wenn Du vermutest, dass Dein Kind oder Du selbst an Asperger leiden könntest, solltest Du entweder den Hausarzt aufsuchen oder direkt zu einem Spezialisten gehen. Spätestens, wenn ein Kind Verhaltensauffälligkeiten zeigt, die soziale Probleme nach sich ziehen

Wie diagnostiziert der Arzt Asperger?

Die ersten Symptome zeigen sich bei Kindern meist nach dem dritten Lebensjahr. Hat der Kinderarzt den Verdacht, dass das Kind an Asperger leiden könnte, verweist er die Eltern an einen Kinder- und Jugendpsychiater. Dieser beurteilt dann anhand der Vorgeschichte sowie des Entwicklungsstandes des Kindes, ob es sich um eine Asperger-Erkrankung handeln könnte. Anhand von speziellen Diagnosekriterien kann er dann die Diagnose Asperger-Syndrom stellen. Dabei müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, wie zum Beispiel Probleme in der sozialen Interaktion. Dazu zählen Emotionslosigkeit, Kontaktschwierigkeiten, das Meiden von Blickkontakt sowie Schwierigkeiten im beruflichen und privaten Umfeld.
 
Wenn die betroffene Person erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wird, gibt es spezielle Fragebögen wie das Adult Asperger Assessment oder den Autismus-Spektrum-Quotienten, die dem Arzt oder dem Psychologen bei der Diagnose helfen. Außerdem konsultiert der Arzt oder der Psychologe andere Familienmitglieder wie die Eltern und die Geschwister, um das Verhalten des Patienten besser beurteilen zu können.
 

Wie lässt sich Asperger behandeln?

Bislang können Ärzte das Asperger-Syndrom nicht heilen. Sie können den Betroffenen jedoch helfen, ihren Alltag mit der richtigen Förderung zu meistern und sie zum Beispiel bei der Verbesserung sozialer Kompetenzen unterstützen. Allerdings kann das Asperger-Syndrom ganz verschieden stark ausgeprägt sein. Manche benötigen eine recht engmaschige Unterstützung, andere hingegen kommen ganz ohne Behandlung zurecht. Ob Du eine Behandlung benötigst, ist abhängig von Deinen individuellen Symptomen, dem Vorhandensein und der Stärke des Leidensdrucks.
 
Zu Beginn einer Therapie ist es wichtig, dass die Betroffenen sich und ihre Erkrankung verstehen und sich selbst mit ihren Stärken und Schwächen akzeptieren. Daher klärt der Arzt oder der Therapeut den Patienten zunächst im Rahmen einer Psychoedukation über seine autistische Störung auf.
 
Die Therapie zur Behandlung des Asperger-Syndroms setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen und wird an Deine individuellen Bedürfnisse angepasst. Wichtige Faktoren sind dabei Dein Alter, der Schweregrad der Störung mit den individuellen Symptomen sowie eventuelle Begleiterkrankungen oder -störungen. Aus psychotherapeutischer Sicht sind verhaltenstherapeutische Verfahren sinnvoll bei Asperger. Sie wurden vor allem für Kinder entwickelt und wird idealerweise schon als Frühintervention in jungen Jahren gesetzt. Um die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten in der Gruppe zu trainieren, eignen sich auch andere Therapiemaßnahmen wie soziales Kompetenztraining. Die Betroffenen trainieren dabei die Anwendung sozialer Regeln, üben sich in Gesprächsführung und machen ganz allgemein soziale Erfahrungen.
 
Manche Betroffene profitieren zusätzlich von Verfahren wie Musik-, Ergo- oder Physiotherapie. Auch eher ungewöhnliche Therapieverfahren wie Tiertherapie (Reittherapie, Delfintherapie, etc.) kann sich positiv auf das Befinden der Betroffenen auswirken. Andere Angebote umfassen eine aktive und eventuell unterstützte Freizeitgestaltung. Das kann zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Schach- oder Sportverein, Musizieren oder Tanzen sein.

Manche von Asperger betroffenen profitieren zusätzlich von Verfahren wie Musik-, Ergo- oder Physiotherapie

Eine Psychotherapie umfasst nicht nur die Behandlung des Asperger-Syndroms, sondern hilft auch bei komorbiden Erkrankungen oder Störungen wie zum Beispiel Depressionen. Liegen solche Begleiterkrankungen vor, kann Dein Arzt über die Gabe von Medikamenten entscheiden. Meist handelt es sich dabei um antidepressive Wirkstoffe, Medikamente gegen Hyperaktivität oder gegen Zwangshandlungen. Die medikamentöse Behandlung muss allerdings immer in ein umfassendes Therapiekonzept eingebettet sein. Die Behandlung mit Medikamenten kann jedoch auch Nachteile haben. Dazu zählen vor allem Sedierung und Gewichtszunahme.
 

Welche Nebenwirkungen kann die Behandlung von Asperger haben?

Bei der Behandlung von Asperger sind derzeit keine Nebenwirkungen bekannt. Lediglich eine medikamentöse Behandlung kann Nebenwirkungen haben, diese sind abhängig von dem verwendeten Wirkstoff. Manchmal ist in diesem Zusammenhang von Sedierung und/ oder Gewichtszunahme die Rede.
 

Was kann man selbst bei Asperger machen?

Du solltest Dich auf jeden Fall in ärztliche und/ oder psychotherapeutische Behandlung begeben, um die negativen Folgen der Erkrankung abzuschwächen. Besonders in der Psychotherapie kannst Du auch daran arbeiten, die positiven Seiten Deiner Persönlichkeit zu stärken und zu nutzen. Manchen Betroffenen hilft der Austausch mit anderen. Zum Beispiel bietet der Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus eine Selbsthilfegruppe an. Im Umgang mit anderen Menschen kann es helfen, diese direkt darauf hinzuweisen, dass Du an Asperger leidest. Dies kann das Verständnis fördern und Missverständnisse aufgrund Deines Verhaltens verhindern.
 

Wie ist die Prognose bei Asperger?

Viele Kinder, die am Asperger-Syndrom leiden, entwickeln als Heranwachsende Depressionen. Auch das Suizidrisiko ist bei Asperger-Autisten erhöht. Durch die Behandlung können sie jedoch lernen, mit der Funktionsstörung zu leben. Positiv ist, dass die Prognose bezüglich der sozialen Anpassung beim Asperger-Syndrom in der Regel besser als beim autistischen Syndrom ist. Etwa die Hälfte der Betroffenen führt im Erwachsenenalter ein relativ problemfreies Leben, führen Beziehungen und verfolgen eine akademische Laufbahn.
 

Kann man Asperger vorbeugen?

Die vorherrschende Meinung der Wissenschaftler ist, dass Du einem Asperger-Syndrom nicht vorbeugen kannst. Andere Quellen hingegen behaupten, dass Faktoren wie Belastung, Ernährung, das Alter der Mutter sowie eingenommene Medikamente bei der Entstehung von Autismus-Spektrum-Störungen wie dem Asperger-Syndrom eine Rolle spielen könnten. So steht Folsäure im Verdacht, nicht nur Neuralrohrdefekte beim ungeborenen Kind verhindern zu können, sondern auch dessen Autismus-Risiko zu verringern. Frauen, die schwanger werden wollen, sollten daher schon im Vorfeld Folsäure supplementieren. Werdende Mütter sollten des Weiteren darauf achten, dass ihr Impfstatus vollständig ist, da eine Infektion mit Röteln das Risiko für das Asperger-Syndrom erwiesenermaßen erhöht.
 

Was sollte das Umfeld im Umgang mit von Asperger Betroffenen beachten?

Eine Autismus-Spektrum-Störung wie zum Beispiel das Asperger-Syndrom beeinflusst nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch dessen Umfeld wie Familie und Freunde in emotionaler und praktischer Hinsicht. Die entstehenden alltäglichen Belastungen führen bei Angehörigen häufig dazu, dass diese sich selbst überfordern, eigene Bedürfnisse vernachlässigen und dadurch die eigenen Kräfte allmählich schwinden. Um sich selbst zu entlasten, kannst Du als pflegender Angehöriger verschiedene Arten von Hilfsangeboten in Anspruch nehmen. Dazu zählt zum Beispiel eine stundenweise oder mehrere Wochen andauernde Betreuung des Betroffenen oder eine Elternberatung und -schulung durch qualifizierte Psychotherapeuten.

Eine Autismus-Spektrum-Störung wie zum Beispiel das Asperger-Syndrom beeinflusst nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch dessen Umfeld wie Familie und Freunde in emotionaler und praktischer Hinsicht

Es gibt außerdem spezielle Kurse, in welchen Eltern und Angehörige theoretische Hintergründe über die Erkrankung und ihre Behandlungsmethoden erfahren. Außerdem erlernen sie in Form von Rollenspielen Strategien, wie sie in bestimmten Situationen reagieren können. Möglich ist auch ein Austausch mit anderen Angehörigen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen. All diese Interventionen führen oft dazu, dass sich das Familienklima beziehungsweise die Beziehung zwischen den Angehörigen und dem Betroffenen deutlich bessert.
 
Im Umgang mit Asperger-Patienten ist es wichtig, dass Angehörige versuchen, die Erkrankung zu akzeptieren und sie zu verstehen. Informiere Dich dazu ausführlich über das Asperger-Syndrom und die damit verbundenen Besonderheiten. Kläre außerdem alle Kontaktpersonen über die Erkrankung auf. Ein Kind mit Asperger sollte keinesfalls in seiner Entwicklung gehemmt werden, im Gegenteil, es sollte im richtigen Maße gefördert werden. Reagiere nicht überängstlich, traue dem Kind etwas zu, aber verlange nichts von ihm, das es (noch) nicht leisten kann. Vermeide auf jeden Fall Schuldzuweisungen gegenüber Dir selbst und anderen Familienmitgliedern.
 

Was kostet die Behandlung von Asperger?

Die Kosten für die Behandlung eines Asperger-Syndroms können stark variieren, je nachdem, welche Behandlungen Du durchführen lässt. Dies wiederum ist abhängig von der Schwere der Erkrankung sowie Deinem Leidensdruck, der durch das Asperger-Syndrom oder komorbide Störungen entsteht. Die Kosten setzen sich aus verschiedenen Faktoren zusammen, unter anderem aus dem Honorar des Arztes oder des Psychologen, bestimmten Therapien, den Kosten der Medikamente, sowie eventuellen Kosten für einen Spitalsaufenthalt.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Behandlung von Asperger?

Die Krankenversicherungsträger übernehmen alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen eines Asperger-Syndroms. Bei bestimmten Leistungen wie stationären Aufhalten oder Heilbehelfen können jedoch je nach Krankenversicherungsträger Kostenbeteiligungen anfallen. Außerdem solltest Du darauf achten, dass Du für bestimmte nicht medikamentöse Behandlungen zuerst eine Bewilligung der Versicherungsträger einholen musst, damit die Kosten übernommen werden.
 
Möchtest Du eine Psychotherapie in Anspruch nehmen, ist eine volle Kostenübernahme möglich und zwar in eigenen oder vertraglich gebundenen Einrichtungen der Krankenversicherungsträger, sowie in Institutionen, welche von öffentlicher Hand subventioniert werden. Auch hier sind Selbstbehalte für die Patienten möglich. Ansonsten kannst Du auch einen Antrag auf Kostenzuschuss durch Deine Krankenversicherung stellen, falls Du Dich dazu entscheidest, die Therapie bei einem niedergelassenen Therapeuten zu machen. Wird der Antrag genehmigt, erstattet Dir die Versicherung einen Teil des an den Psychotherapeuten bezahlten Honorars zurück.
 
Ein solcher Zuschuss ist allerdings nur möglich, wenn bei Dir eine sogenannte krankheitswertige Störung vorliegt. Die klinisch-psychologische Diagnostik in Österreich ist eine Leistung der sozialen Krankenversicherung, deren Kosten die Krankenversicherungsträger übernehmen. Die Kosten für die Behandlung oder die Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologen musst Du selbst tragen, da es sich um keine Kassenleistung handelt.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Das Asperger Syndrom ist eine Form des Autismus und zählt zu den Störungen der neuronalen und mentalen Entwicklung. Im Gegensatz zu anderen Formen des Autismus ist die Sprachentwicklung bei Asperger-Betroffenen in der Regel unbeeinträchtigt, auch liegt keine Intelligenzminderung vor. Asperger-Autisten weisen qualitative Beeinträchtigungen in der sozialen Interaktion auf, außerdem haben sie oft ungewöhnliche, intensive und klar umschriebene Interessen, auch begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensweisen sind typisch


Man geht davon aus, dass die Ursachen eines Asperger-Syndroms vielfältig sind. Mehrere genetische Faktoren sowie mütterliche Infektionen während der Schwangerschaft erhöhen erwiesenermaßen das Risiko für Asperger. Auch ein höheres Alter des Vaters oder der Mutter, (starke) Frühgeburtlichkeit, mütterlicher Diabetes sowie Unterzucker und Lungenfunktionsstörungen bei Neugeborenen, die Einnahme bestimmter Medikamente während der Schwangerschaft sowie neurologische und biochemische Auffälligkeiten stehen im Verdacht, das Asperger-Syndrom zu begünstigen. Impfungen verursachen keinerlei Autismus-Spektrum-Störungen


Asperger kann nicht geheilt werden. Jedoch kannst Du mit professioneller Hilfe lernen, damit umzugehen. Eine Behandlung des Asperger-Syndroms setzt sich aus einer individuellen Kombination verschiedener Verfahren wie der Verhaltenstherapie, sozialem Kompetenztraining, Musik-, Ergo- oder Physiotherapie, Tiertherapie, aktiver Freizeitgestaltung oder medikamentöser Behandlung zusammen


Asperger muss nicht unbedingt bedeuten, dass man als Betroffener kein normales Leben führen kann. Viele widmen sich in ihrem Beruf ihren Interessen, verfolgen akademische Karrieren und gründen eine Familie

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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