Keuchhusten (Pertussis)

Beim Keuchhusten handelt es sich um eine durch Bakterien hervorgerufene Erkrankung der Atemwege, was sich mit starken Hustenanfällen bemerkbar macht. Die Krankheit ist hochansteckend und muss unbedingt behandelt werden. Da sie bei Kindern und Jugendlichen stärker verläuft als bei Erwachsenen, zählt sie zu den Kinderkrankheiten. Die Zahl der an Pertussis erkrankten Erwachsenen steigt jedoch stetig an. Wir haben die wichtigsten Informationen für Dich!


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Zuletzt aktualisiert: 5. Juni, 2020



Was versteht die Medizin unter Keuchhusten?

Keuchhusten (Pertussis) ist eine hoch ansteckende, bakterielle Infektion der oberen Atemwege, die vom Bakterium Bordetella pertussis übertragen wird. Seit 2013 ist nicht nur die Erkrankung selbst, sondern auch ein Verdacht meldepflichtig. Die Erkrankung ist gekennzeichnet von starken Hustenanfällen und einem langwierigen Verlauf. Im Volksmund ist Keuchhusten daher auch als 100-Tage-Husten bekannt.

Keuchhusten (Pertussis) ist eine hoch ansteckende, bakterielle Infektion der oberen Atemwege

Wie sehen die Symptome von Keuchhusten aus?

Zu Beginn der Erkrankung treten Schnupfen, Reizhusten und eventuell Fieber auf. Nach etwa ein bis zwei Wochen kommt es zu starken, krampfartigen Hustenanfällen, die mitunter bis zum Erbrechen führen können. Die Hustenattacken können für Wochen oder sogar Monate anhalten. Tritt die Erkrankung im Erwachsenenalter auf verläuft sie meist milder und wird vom Arzt unter Umständen fälschlicherweise als hartnäckige Erkältung oder Bronchitis verkannt.

Was sind die Ursachen für Keuchhusten?

Ursache für den Keuchhusten ist das Bakterium Bordetella pertussis oder auch Bordetella parapertussis genannt. Das kleine stäbchenförmige Bakterium vermehrt sich auf den Schleimhäuten der Atemwege. Es produziert ein spezielles Gift, das die Schleimhäute zerstört, das umliegende Gewebe schädigt und so die Abwehrkräfte schwächt. Die Erkrankung tritt das ganze Jahr über auf, in Mitteleuropa jedoch vor allem im Herbst und Winter.

Wie wird Keuchhusten übertragen?

Keuchhusten überträgt sich durch Tröpfcheninfektion (in einem Abstand von bis zu einem Meter), also durch Sprechen, Husten, Niesen beziehungsweise über die Atemluft. Auch durch Küssen, das Verwenden von gleichem Besteck oder trinken aus demselben Glas kann eine Übertragung erfolgen. Die ersten Symptome treten normalerweise sieben bis zehn, selten 21 Tage nach dem Kontakt mit dem Erreger auf.

 

Bei Kontakt mit dem Erreger erkrankten in etwa 80 bis 90 Prozent der Nicht-geimpften ebenfalls an Keuchhusten. Vor allem während der ersten beiden Krankheitswochen ist Keuchhusten sehr ansteckend. Ohne eine Behandlung mit Antibiotika besteht eine Ansteckungsgefahr bis etwa fünf Wochen (3 Wochen nach Erreichen des Stadiums 2) nach Krankheitsbeginn. Zudem können auch Personen mit Impfschutz die Erreger weitergeben.

Wie lässt sich Keuchhusten diagnostizieren?

Meist erfolgt die Diagnose anhand der typischen Symptome wie Husten und die charakteristischen Atemgeräusche. Zur Absicherung entnimmt Dir der Arzt einen Rachenabstrich, um eine Kultur anzulegen. Das Ergebnis liegt nach etwa sieben Tagen vor. Die praktischste Methode zur Diagnose ist jedoch ein PCR-Test. Dafür entnimmt der Arzt eine Sekretprobe des Nasen-Rachen-Raums, die anschließend laboranalytisch untersucht wird.

 

Hustet ein Kind länger als eine Woche, solltest Du einen Arzt aufsuchen. Bei einem Säugling hingegen solltest Du bereits erste Erkältungssymptome ärztlich abklären lassen. Erwachsene, die länger als zwei Wochen an einem hartnäckigen Husten leiden, sollten ebenfalls ihren Arzt aufsuchen, um eine Infektion mit Keuchhusten auszuschließen.

Meist erfolgt die Diagnose anhand der typischen Symptome wie Husten und die charakteristischen Atemgeräusche

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Die Zahl der Betroffenen hat in den letzten Jahren zugenommen. Vor allem unter Erwachsenen stieg die Zahl der Erkrankten. Aufgrund der Schutzimpfung ist Keuchhusten heute keine typische Kinderkrankheit mehr. Im Erwachsenenalter ist der Verlauf meist milder, daher bleibt die Erkrankung häufig unerkannt. Gefährlich ist die Erkrankung vor allem für Säuglinge und Neugeborene, jedoch erkrankt nur etwa ein Prozent der Säuglinge an Keuchhusten.

Welche Folgen hat Keuchhusten für den Betroffenen?

Lungenentzündungen sind eine häufige Folgeerscheinung bei betroffenen Kindern. Etwa ein Viertel erkrankt daran. Beinahe ebenso häufig sind Ohrinfektionen. In seltenen Fällen kann es bei erkrankten Säuglingen aufgrund von Sauerstoffmangel während eines Krampfanfalls zu einer Schädigung des Gehirns kommen. Im schlimmsten Fall können Atemnot und Atemstillstand auftreten, was im Verdacht steht, den plötzlichen Kindstod auszulösen. Eine weitere Folgeerscheinung, die vor allem bei jungen Patienten auftreten kann, ist eine Hirnhautentzündung (Keuchhusten-Enzephalophatie), die mit Krämpfen und Bewusstlosigkeit einhergeht.

 

Kinder und Jugendlichen, die an einer Grunderkrankung der Atemwege, wie zum Beispiel Asthma bronchiale, leiden, machen häufiger einen schwereren Verlauf durch, als Kinder ohne Grunderkrankung.

 

Die meisten Erkrankten erholen sich zwar langsam, dafür vollständig. Keuchhusten ist in der Regel nicht tödlich. Die häufigsten Sterbefälle treten bei erkrankten Kindern vor dem 1. Geburtstag auf und haben eine Lungenentzündung oder Komplikationen im Gehirn zur Ursache.

 

Eine überstandene Infektion bedeutet keine lebenslange Immunität, jedoch ist der Verlauf einer erneuten Infektion üblicherweise nur leicht. Eine erneute Infektion wird daher häufig nicht erkannt.

Wie sieht der Verlauf von Keuchhusten aus?

Keuchhusten verläuft in drei Stadien:

 

Stadium catarrhale (erkältungsartiges Stadium)
Die ersten Symptome ähneln einer Erkältung und umfassen Niesen, Schnupfen, Heiserkeit, leichten Husten, manchmal eine Bindehautentzündung. Fieber tritt nur selten auf. Es dauert ein bis zwei Wochen und der Patient ist während dieser Zeit besonders ansteckend.

Eine rasche Behandlung mittels Antibiotika ist ratsam

Stadium convulsivum (Anfallsstadium)
In dieser Phase tritt der für die Erkrankung typische trockene Husten auf. Krampfartige Hustenanfälle sind bei vielen Patienten gefolgt von einem keuchenden Einatmen. Heraufwürgen von zähem Schleim und Erbrechen können ebenso auf einen Hustenanfall folgen. Häufig leiden Betroffene vor allem nachts unter starken Hustenanfällen. 
Auch in diesem Stadium tritt Fieber nur selten auf. Viele Patienten leiden jedoch an Appetit- und Schlaflosigkeit. Dieses Stadium dauert drei bis sechs Wochen. Bei jugendlichen oder erwachsenen Erkrankten tritt anstelle dieses Stadiums häufig nur ein trockener Husten auf.

 

Stadium decrementi (Erholungsstadium)
Die Symptome werden schwächer. Dieses Stadium dauert sechs bis zehn Wochen. Es ist jedoch möglich, dass kalte Luft, körperliche Anstrengung und Zigarettenrauch einen Reizhusten auslösen und das über mehrere Monate.

 

Bei Babys hingegen ist der Verlauf schwerer und es können Komplikationen wie Lungenentzündung, Mittelohrentzündung oder Entzündungen des Gehirns entstehen. Ebenso sind lebensgefährliche Atemstillstände möglich.

Wie lässt sich Keuchhusten behandeln?

Eine rasche Behandlung mittels Antibiotika ist ratsam. Dies sorgt einerseits für eine schnellere und unkompliziertere Genesung, andererseits senkt es die Ansteckungsgefahr und somit das Verbreitungsrisiko.

Wie kann ich Keuchhusten vorbeugen?

Eine Schutzimpfung kann eine Ansteckung mit Keuchhusten am einfachsten verhindern. Dies ist vor allem für Personen im Umfeld von Neugeborenen zu empfehlen. Die Schutzimpfung ist Teil des kostenlosen Impfprogramms und wird im 3., 5. und 12. Lebensmonat verabreicht (Sechserimpfung Diptherie, Tetanus, Pertussis, Poliomyelitis, Haemophilus infl. B, Hepatitis B). Eine Auffrischung erfolgt im Schulalter und sollte dann bis zum 60. Lebensjahr alle zehn Jahre, danach alle fünf Jahre aufgefrischt werden. Auch eine überstandene Erkrankung bietet keinen lebenslangen Schutz vor einer erneuten Erkrankung.

Kann ich selbst etwas gegen Keuchhusten tun?

Achte darauf, dass Dein Impfschutz aufrechterhalten bleibt. Wenn Du nicht sicher bist, ob Du bereits gegen Keuchhusten geimpft wurdest, kannst Du eine Titerbestimmung durchführen lassen. Dafür nimmt Dir der Arzt etwas Blut ab, um zu bestimmen, ob der darin enthaltene Antikörper-Wert noch genügend Schutz vor einer Ansteckung bietet.

 

Kommt es dennoch zu einer Erkrankung achte auf viel Ruhe und trinke viel (Wasser, ungesüßter Tee). Kommt es häufig zu Erbrechen, nimm viele kleine und leichte Mahlzeiten zu Dir. Eine kühle, feuchte Raumluft lindert die Symptome zusätzlich. Erkrankte Kinder brauchen viel Zuneigung und jemanden, der ihnen während der Hustenanfälle beisteht und sie beruhigt. Erkrankte Babys müssen unbedingt ins Krankenhaus. Dort wird ihre Atmung überwacht und Schleim, den sie nicht selbstständig abhusten können, abgesaugt.

Erkrankte Kinder brauchen viel Zuneigung und jemanden, der ihnen während der Hustenanfälle beisteht und sie beruhigt

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Grundimmunisierung und die erste Auffrischung im Schulalter sind Teil des kostenfreien Impfprogrammes. Danach solltest Du alle zehn Jahre eine Auffrischung mit dem Kombinationsimpfstoff Diptherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung (Polio) durchführen. Die Kosten für die Impfung liegen bei etwa 60 Euro, die meist nicht mehr von der Krankenkasse übernommen werden.


Dauer Dauer

4 bis 6 Wochen

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Nicht notwendig

Das Wichtigste zusammengefasst

Keuchhusten ist keine Kinderkrankheit, verläuft bei jungen Patienten jedoch schwerer als bei Erwachsenen. Vor allem bei Säuglingen kann die Erkrankung unter Umständen zum Tod führen


Die bakterielle Infektion der oberen Atemwege ist besonders langwierig und gekennzeichnet von starken Hustenanfällen. Zudem ist sie ansteckend und muss unbedingt professionell behandelt werden


Am einfachsten vorbeugen kannst Du einer Erkrankung, indem Du darauf achtest, den Impfschutz aufrechtzuerhalten


Bei Keuchhusten gilt Meldepflicht!

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