Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)

Das akute Nierenversagen ist durch einen plötzlichen Abfall der Nierenfunktion gekennzeichnet. Da sich die Substanzen, die eigentlich mit dem Urin ausgeschieden werden sollten, nun im Blut ansammeln, kommt es bei den Betroffenen häufig zu Vergiftungserscheinungen. Das akute Nierenversagen resultiert häufig aus Operationen oder Unfällen. Dabei muss der Arzt sofort handeln, da sich der Patient in Lebensgefahr befindet. Die chronische Niereninsuffizienz wird auch als chronische Nierenschwäche bezeichnet und beschreibt das allmähliche Nachlassen der Nierenfunktion über Monate oder Jahre hinweg. Meist sind beide Nieren von der Nierenschwäche betroffen, die Ursachen sind oft bestimmte Vorerkrankungen. Im Gegensatz zu einer akuten Niereninsuffizienz können sich die Schäden, die bei einer chronischen Nierenschwäche entstehen, nicht wieder zurückbilden.


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Zuletzt aktualisiert: 22. Juli, 2020



ICD-10-GM-2020 N17-N19

Wo befinden sich die Nieren und was sind ihre Aufgaben?

Der Mensch besitzt im Normalfall zwei Nieren, die beidseits in der Flanke liegen und für einen ausgeglichenen Wasser- und Salzhaushalt des Körpers sorgen. Außerdem filtern und reinigen sie das Blut, indem sie Stoffwechselprodukte und Giftstoffe als Urin aus dem Körper ausscheiden.
 
Zunächst entsteht bei der Filtration aus dem Blut etwa die zehnfache Menge an sogenanntem Primärharn. Im Rahmen der Passage entlang eines sehr feinen Kanalsystems gewinnt der Körper Wasser und lebenswichtige Salze zurück und mengt dem Urin weitere Gifte und Abfallprodukte des Stoffwechsels bei.
 
Darüber hinaus regulieren die Nieren Deinen Hormonhaushalt und regulieren auf diese Weise auch Deinen Blutdruck. Sie schütten zum Beispiel die Hormone Renin und Erythropoetin aus, die unter anderem für den Knochenstoffwechsel und die Blutbildung zuständig sind. Außerdem aktivieren sie das bislang inaktive Vitamin D3 im Körper und regulieren den Säure-Basen-Haushalt.
 
Die Nieren bestehen aus kleinen Funktionseinheiten, sogenannten Nephronen, die für die Filtration und die Reinigung des Blutes zuständig sind. Sind mehr als die Hälfte der Nephronen zerstört, kann die Niere ihrer Filterfunktion nicht mehr in ausreichendem Maße nachkommen. In weiterer Folge reichern sich Giftstoffe und überschüssiges Wasser im Körper an.

Was versteht die Medizin unter einer Niereninsuffizienz?

Bei der Niereninsuffizienz ist die Nierenfunktion so sehr gestört, dass die Nieren die Abbauprodukte des Stoffwechsels nicht mehr ausreichend ausscheiden können. Eine akute Nierenschädigung zeichnet sich durch den schnellen Verlust der Nierenfunktion innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen aus, was dazu führt, dass sich stickstoffhaltige Substanzen im Blut anreichern.
 
Die Urinmenge kann dabei reduziert sein, muss es aber nicht. Eine akute Schädigung der Nieren kann durch innere sowie äußere Faktoren zustande kommen. Als chronische Nierenkrankheit (CKD) bezeichnet die Medizin eine langwährende, fortschreitende Verschlechterung der Nierenfunktion. Die Symptome entwickeln sich langsam.

Bei einer Niereninsuffizienz nimmt die Funktion der Niere innerhalb kurzer Zeit drastisch ab.

Welche Formen von Niereninsuffizienz gibt es?

Es gibt zwei Formen der Niereninsuffizienz, das akute Nierenversagen sowie die chronische Niereninsuffizienz. Das akute Nierenversagen tritt oft in Folge von Operationen oder Unfällen auf, die chronische Niereninsuffizienz entwickelt sich hingegen über Monate und Jahre hinweg und wird unter anderem durch Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck begünstigt.

In welche Stadien wird ein akutes Nierenversagen eingeteilt?

Beim akuten Nierenversagen lassen sich vier Stadien unterscheiden, in denen die Erkrankung verläuft. Die erste Phase nennt sich Schädigungs- oder Initialphase und dauert nur einige Stunden oder Tage an. In der Oligo- oder anurischen Phase geht die Harnausscheidung deutlich zurück, bis der Körper nur noch wenig (im Falle einer Oligurie) oder de facto gar keinen Harn (Anurie) mehr ausscheidet. Diese Phase dauert in der Regel in etwa zehn Tage lang an.
 
In der Erholungsphase erholen sich die Nieren wieder und produzieren immer mehr Harn, bis zu fünf Liter oder mehr am Tag. Die Phase dauert circa drei Wochen. Die letzte Phase, die Wiederherstellungsphase zeichnet sich dadurch aus, dass die Nierenzellen ihre Funktion wieder aufnehmen. Ein vollständiges Ausheilen des Nierenversagens ist aber nicht in jedem Fall möglich. Dieses Stadium kann bis zu zwei Jahre dauern.

Wie erfolgt die Klassifikation der chronischen Niereninsuffizienz?

Eine chronische Niereninsuffizienz verläuft in fünf Stadien. Für die Einteilung ist die GFR, die glomeruläre Filtrationsrate, von großer Bedeutung. Sie beschreibt, wie groß die Blutmenge ist, die die Nieren pro Minute filtern können, und verschlechtert sich mit zunehmender Niereninsuffizienz. Gesunde Nieren haben eine GFR von etwa 95 bis 110 ml pro Minute. Im ersten Stadium der Niereninsuffizienz beträgt der Wert noch mehr als 90 ml pro Minute. Auch der Kreatinin-Spiegel im Blut ist normal, allerdings befindet sich mehr Eiweiß im Urin als gewöhnlich, was auf eine Störung der Nierenfunktion hinweist.
 
Bei einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt manchmal schon erste krankhafte Veränderungen der Nieren feststellen, meist wird die Niereninsuffizienz in diesem Stadium aber nur durch Zufall entdeckt. Betroffene haben häufig noch keine Beschwerden, allerdings können sich bereits Wassereinlagerungen im Gewebe oder verfärbter Urin bilden. Im zweiten Stadium der Niereninsuffizienz haben Betroffene einen GFR zwischen 60 und 89 ml pro Minute. Trotzdem zeigen sich im Blut aber normalerweise noch keine Auffälligkeiten. Die gestörte Filterleistung kann der Arzt nur durch eine gezielte Untersuchung der Nierenfunktion feststellen.
 
Im Niereninsuffizienz-Stadium drei beträgt die GFR nur noch zwischen 30 und 59 ml pro Minute. Das bedeutet, dass die Filterfunktion der Nieren nun so sehr verringert ist, dass die Blutwerte von Kreatinin und Harnstoff ansteigen und es spätestens zu diesem Zeitpunkt zu Beschwerden kommt. Es treten zum Beispiel Bluthochdruck, ein Leistungsabfall oder eine rasche Ermüdbarkeit auf. Auch die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt deutlich zu.
 
Wenn die GFR noch weiter sinkt, etwa auf einen Wert von 15 bis 29 ml pro Minute, dann sprechen Mediziner vom Niereninsuffizienz-Stadium vier. Durch die deutlich verringerte Nierenfunktion kommt es zu immer stärker werdenden Beschwerden wie zum Beispiel Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Juckreiz oder Nerven- und Knochenschmerzen. Außerdem bilden sich vermehrt Ödeme, zum Beispiel an den Beinen oder im Gesicht
 
Das fünfte und letzte Stadium der Niereninsuffizienz zeichnet sich durch eine GFR unter 15 ml pro Minute aus. In der Medizin bezeichnet man es auch als terminale Niereninsuffizienz, also Niereninsuffizienz im Endstadium. Die Nierenfunktion ist nun extrem eingeschränkt, möglich ist auch ein völliger Ausfall der Nierenfunktion. Sie können das Blut nun nicht mehr reinigen und die Betroffenen benötigen nun umgehend ein Nierenersatzverfahren, da es ansonsten zu einer Vergiftung des Körpers durch harnpflichtige Substanzen kommt.
 
Mögliche Verfahren sind die Blutwäsche, die Bauchwäsche oder eine Nierentransplantation. Leider sind die Wartelisten für eine Spenderniere sehr lang, weswegen sich die Betroffenen auf eine jahrelange Wartezeit und damit einhergehende regelmäßige Dialysebehandlungen einstellen müssen. So gut die Dialyse zum heutigen Zeitpunkt schon funktioniert, die Nieren kann sie trotzdem nicht vollständig ersetzen.
 
Ein Teil der harnpflichtigen Substanzen lagert sich in die Haut ein, wodurch sich diese gelblich verfärbt und juckt. Manche Patienten entwickeln während der Behandlung auch Wadenkrämpfe, Wahrnehmungsstörungen, Herzrhythmusstörungen oder Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit. Trotz diesen starken Nebenwirkungen ist die Dialyse heutzutage die einzige Methode für Betroffene, die Wartezeit bis zum Erhalt einer Spenderniere zu überbrücken.

Eine Niereninsuffizienz äußert sich unter anderem durch starken Juckreiz am ganzen Körper.

Was sind die Symptome bei einem akuten Nierenversagen?

Bei einer akuten Nierenschwäche scheiden Betroffene häufig weniger Urin als üblich aus. Daher kommt es des Öfteren zu Wassereinlagerungen zum Beispiel in den Beinen, die in infolgedessen anschwellen. Im Blut steigen die Werte von Kreatinin und Harnstoff, da harnpflichtige Stoffe im Körper zurückbleiben. Des Weiteren sind Elektrolytstörungen möglich, also Störungen im Salzhaushalt. Im Blut steigen dann zum Beispiel die Kalium-Werte.
 
In weiterer Folge kommt es zu einer Übersäuerung, die unter Umständen lebensbedrohlich werden kann. Manchmal treten aber auch gar keine Symptome auf, die sicher auf eine Nierenschwäche zurückzuführen sind. In diesen Fällen treten nur Beschwerden der auslösenden Grunderkrankung auf.

Was sind die Symptome einer chronischen Niereninsuffizienz?

Bei einer chronischen Nierenschwäche gleicht das gesunde Nierengewebe den Funktionsverlust noch aus, weswegen Betroffene zu Beginn der Erkrankung häufig noch keine Symptome haben. Bei einem weiteren Voranschreiten der Niereninsuffizienz kommt es zu unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Wassereinlagerungen oder häufigerem nächtlichen Wasserlassen.
 
Außerdem entwickeln sich zunehmend Störungen in verschiedenen Organen, da sich vermehrt Giftstoffe im Blut ansammeln. So kann es zu starken Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Blutungen kommen. Auch Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Herzprobleme oder eine Verfärbung der Haut sowie Juckreiz sind Symptome, die bei einer chronischen Niereninsuffizienz auftreten.
 
Weitere Symptome sind ein erhöhter Blutdruck, ein heller, wenig gefärbter Urin, Blutarmut, Knochenbeschwerden, Gefühlsstörungen durch Nervenschäden, Störungen der Geschlechtsorgane mit ausbleibender Menstruation, Impotenz sowie Gerinnungsstörungen, die mit der Ausbildung von blauen Flecken einhergehen. Ohne Therapie droht den Betroffenen eine lebensbedrohliche Harnvergiftung, die unter anderem zu einer Bewusstseinsveränderung bis hin zum Koma führen kann.

Welche Ursachen hat ein akutes Nierenversagen?

Welche Ursachen der Niereninsuffizienz zugrunde liegen, ist abhängig davon, ob es sich bei Dir um ein akutes Nierenversagen oder eine chronische Nierenschwäche handelt. Die Ursachen des akuten Nierenversagens lassen sich grob in drei Bereiche unterteilen.
 
In ungefähr 60 Prozent der Fälle eines akuten Nierenversagens liegt die Ursache „vor“ der Niere: Plötzlich werden die Nieren deutlich weniger durchblutet. Dies kann zum Beispiel durch einen Kreislaufschock bei einem Unfall oder einer Operation geschehen, aber auch Blutgerinnsel in den Arterien der Nieren oder Medikamente können der Grund für das akute Nierenversagen sein.
 
Natürlich kann auch die Niere selbst für ein akutes Nierenversagen verantwortlich sein. Dies ist zum Beispiel bei einer Schädigung der Tubuli durch einen lang andauernden Sauerstoffmangel oder eine toxische Schädigung durch Medikamente oder Kontrastmittel möglich. Auch eine schwere Entzündung der Glomeruli, also eine Nierenentzündung, kann zu einer akuten Niereninsuffizienz führen.
 
Schlussendlich können die Ursachen auch „hinter“ der Niere liegen. Dies ist der Fall, wenn der Abfluss des Urins hinter der Niere behindert ist. Wenn Du zum Beispiel eine vergrößerte Prostata, Nierensteine, Entzündungen oder Tumore hast, die zu einer Verlegung der ableitenden Harnwege führen, kann daraus eine akute Niereninsuffizienz resultieren.

Welche Ursachen hat eine chronische Niereninsuffizienz?

Die Ursachen der chronischen Niereninsuffizienz sind vielfältig. Unter anderem können Zystennieren, Erkrankungen der Blutgefäße der Niere oder eine Arteriosklerose (Verkalkung) der Nierengefäße eine chronische Nierenschwäche verursachen. Weitere mögliche Ursachen sind eine diabetische Nephropathie, also eine Schädigung der Nieren durch Diabetes mellitus, Entzündungen der Nieren wie eine chronische Glomerulonephritis oder eine interstitielle Nephritis sowie wiederholte Nierenbeckenentzündungen.
 
Der Arzt kann allerdings nicht immer die Ursache zweifelsfrei feststellen, in etwa zehn Prozent der Fälle bleibt sie unbekannt. Demnach sollten alle Erkrankungen, die potenziell zu einem Nierenversagen führen könnten, so früh und so gut wie möglich behandelt werden.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung einer Niereninsuffizienz?

Bei einer akuten Niereninsuffizienz können Medikamente, die zu Veränderungen der Nierendurchblutung führen, ein Nierenversagen hervorrufen. So gilt unter anderem die Einnahme oder der Einsatz von Röntgenkontrastmittel, ACE-Hemmern oder Antibiotika als Risikofaktor für ein akutes Nierenversagen. Auch Nierensteine oder eine vergrößerte Prostata sind als Risikofaktoren zu betrachten.
 
Die chronische Nierenschwäche kann zudem durch die Einnahme von frei verkäuflichen Medikamenten wie Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac begünstigt werden, besonders bei langer und regelmäßiger Einnahme. Generell ist ein Rückgang an Nierengewebe als Risikofaktor für die Entstehung einer chronischen Niereninsuffizienz zu sehen.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei einer Niereninsuffizienz?

Bei einem akuten Nierenversagen handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, der meist bei Intensivpatienten auftritt. Hier liegt die Sterblichkeit bei etwa 50 bis 80 Prozent. Wenn der Arzt das akute Nierenversagen allerdings rechtzeitig behandelt und der Patient nicht schon durch andere Vorerkrankungen sehr geschwächt ist, können sich die Nieren auch wieder erholen. Nur in wenigen Fällen verschlechtert sich die Nierenfunktion im weiteren Verlauf wieder langsam.
 
Auch bei einer chronischen Niereninsuffizienz ist der Zeitpunkt der Feststellung der Erkrankung essenziell zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs. Je früher sie festgestellt und behandelt wird, desto besser sind auch die Erfolgsaussichten der Behandlung. Leider ist eine vollständige Heilung meist nicht mehr möglich, da sich ein Verlust an funktionsfähigem Nierengewebe nicht mehr rückgängig machen lässt. Bei Männern und älteren Patienten verläuft eine chronische Nierenschwäche meist schneller als bei Frauen und jüngeren Patienten.
 
Auch hohe Blutzucker- und Blutdruckwerte sowie Übergewicht und Rauchen wirken sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus. Eine chronische Niereninsuffizienz kann die Lebenserwartung der Betroffenen verkürzen, besonders, wenn ein Diabetes mellitus die Ursache der Erkrankung ist. Manche Patienten sterben an den Folgeschäden der kranken Nieren, wie zum Beispiel an Erkrankungen des Herz- und Gefäßsystems.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Bei einem Verdacht auf eine Niereninsuffizienz solltest Du sofort einen Arzt aufsuchen oder den Notarzt rufen, da es sich um einen potenziell lebensbedrohlichen Zustand handelt und eine rechtzeitige Intervention immens wichtig ist!

Die Niereninsuffizienz ist ein medizinsicher Notfall, der dringend behandelt werden muss.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Niereninsuffizienz?

Der Arzt befragt Dich in dem Anamnesegespräch zu Deinen Symptomen und Deiner Vorgeschichte. Diese können ihm dann bereits erste Hinweise auf eine Nierenschwäche liefern. Das wichtigste Hilfsmittel zur Diagnostik einer Niereninsuffizienz ist die Kontrolle der Nierenwerte im Blut sowie eine Urin-Untersuchung.
 
Mithilfe dieser Werte kann der Arzt den Schweregrad der Erkrankung einschätzen und den Verlauf durch wiederholte Kontrollen überwachen. Regelmäßige Blutuntersuchungen sind essenziell, um Veränderungen der Blutwerte durch die Nierenschwäche früh zu erkennen. Weitere Diagnosemethoden sind die Ultraschalluntersuchung oder eine Röntgenaufnahme der Nieren.

Wie wird eine Niereninsuffizienz behandelt?

Der Arzt behandelt zunächst die Grunderkrankung, die zu der Nierenschwäche geführt hat. Auch eine chronische Niereninsuffizienz lässt sich durch eine gute medizinische Betreuung häufig verzögern. Du solltest mit Deinem Arzt einen Ernährungsplan erarbeiten und daraufhin Deine Ernährung umstellen.
 
Außerdem stellt der Arzt Deinen Blutdruck mithilfe von Medikamenten ein. Er überprüft Deine aktuelle Medikation, da Du möglicherweise nierenschädigende Stoffe von nun an vermeiden musst. Außerdem wird er Dir empfehlen, das Rauchen zu unterlassen und keinen oder nur mäßig Alkohol zu trinken. In bestimmten Fällen verordnet der Arzt weitere Medikamente wie Diuretika, Phosphatbinder und Vitamin D-Präparate.

Was kann ich selbst tun?

Auch Du selbst kannst einen wesentlichen Beitrag dabei leisten, das Fortschreiten einer chronischen Nierenschwäche positiv zu beeinflussen. Achte dazu auf eine nierenschonende Ernährung. Sie besteht aus wenig Salz und Eiweiß (maximal 0,6-0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht), wenig Fett, Phosphat und Kalium. Außerdem solltest Du nicht rauchen und möglichst wenig Alkohol konsumieren.
 
Regelmäßige Bewegung kann ebenfalls helfen, solange Du Dich nicht überanstrengst und Dein Blutdruck durch den Sport steigt. Vermeide potenziell nierenschädigende Medikamente und nimm regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahr. Halte Dich an die Behandlungsempfehlungen Deines Arztes und suche ihn bei jeglicher Verschlechterung Deines Zustandes auf.

Wie ist die Prognose bei einer Niereninsuffizienz?

Die Prognose einer akuten Nierenschwäche ist sehr stark von der Erkrankung abhängig, die zu der Nierenschwäche geführt hat. Außerdem ist es von Bedeutung, wie weit die Nieren schon geschädigt sind. Bei der akuten Niereninsuffizienz ist grundsätzlich eine vollständige Heilung möglich. Anders sieht es bei der chronischen Nierenschwäche aus, diese lässt sich leider nicht heilen. Die Niereninsuffizienz verläuft in fünf Stadien. Das Ziel der medizinischen Behandlung ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Ist sie schon weit vorangeschritten, kann nur noch eine Dialyse oder eine Nierentransplantation helfen.

Welche Folgen hat eine Niereninsuffizienz für Betroffene?

Wenn die Nieren versagen, kann das Blut nicht mehr gereinigt werden. Deswegen müssen sich Betroffene regelmäßig einer Blutreinigung (Dialyse) unterziehen. Meistens müssen sie dreimal in der Woche zu einer Hämodialyse in ein Dialysezentrum kommen, damit ihr Blut dort in einem Dialyseapparat gereinigt wird.
 
Die Maschine entfernt die Stoffwechselprodukte aus dem Blutkreislauf, die nicht mehr von den Nieren ausgeschieden werden können. Manche Patienten bevorzugen allerdings die Bauchfelldialyse, die sie zu Hause durchführen können. Die anderen Funktionen der Niere können dadurch erhalten bleiben, indem Betroffene blutdrucksenkende Medikamente und blutbildende Hormone zu sich nehmen.
 
Du siehst also, Betroffene müssen von nun an ihr Leben umstrukturieren und können zum Beispiel nur dorthin in den Urlaub fahren, wo ein Dialysezentrum in der Nähe ist. Außerdem müssen sie eine strikte Diät einhalten und dürfen nicht mehr uneingeschränkt viel trinken. All diese Dinge bedeuten für die Betroffenen eine sehr starke Einschränkung der Lebensqualität. Außerdem sind Folgeerkrankungen bei einer Niereninsuffizienz häufig.

Welche Ernährung empfehlen Ärzte bei einer Niereninsuffizienz?

Bei einer akuten Niereninsuffizienz kann es zu einem verstärkten Eiweißabbau und zu Fettstoffwechselstörungen kommen. Achte daher auf Deine Kalorienzufuhr und nimm am Tag etwa 35 bis 40 Kilokalorien pro Kilogramm Körpergewicht zu Dir. Außerdem solltest Du in etwa so viel trinken, wie Du am Tag zuvor durch Urin ausgeschieden hast. Wenn Du nur wenig Flüssigkeit verloren hast, solltest Du Dich kalium-, natrium- und eiweißarm ernähren. Ist die Urinausscheidung hingegen zu hoch, solltest Du mehr Kalium und Natrium durch die Ernährung zuführen, um den Verlust an Mineralsalzen auszugleichen. Um den Flüssigkeitsverlust zu beheben, solltest Du ausreichend trinken.
 
Bei einer chronischen Niereninsuffizienz solltest Du ebenfalls auf eine verringerte Eiweißzufuhr achten, da diese das Fortschreiten der Niereninsuffizienz bremsen kann. Nimm deswegen pro Tag nicht mehr als 0,6 bis 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht zu Dir. Außerdem sollte das Eiweiß eine hohe biologische Wertigkeit besitzen. Das bedeutet, dass es aus vielen Eiweißbausteinen bestehen sollte, die der Körper nicht selbst bilden kann.
 
Die Kombination verschiedener Proteinquellen sichert die Versorgung mit allen wichtigen Verbindungen. Ideal sind zum Beispiel Kartoffel und Ei, Bohnen und Ei, Milch und Weizen, Ei und Weizen sowie Hülsenfrüchte und Weizen. Übrigens kannst Du auch auf eiweißarme Spezialprodukte wie eiweißarmes Mehl und daraus hergestellte Produkte wie Brot und Gebäck zurückgreifen. Beachte jedoch, dass die kontrollierte Eiweißzufuhr nur für Patienten gilt, die noch keine Dialyse benötigen.

Die Niereninsuffizienz und ihre Symptome, wie zum Beispiel Kopfschmerzen und Müdigkeit, begeleiten Betroffene ein Leben lang.
 
Da sich eine chronische Nierenschwäche auch auf den Knochenstoffwechsel negativ auswirkt, empfehlen Ärzte ihren Patienten eine phosphatarme Nierendiät. Die empfohlene Phosphatmenge liegt bei 0,8 bis einem Gramm pro Tag. Meide am besten Lebensmittel wie Nüsse, Müsli, Innereien und Vollkornbrot. Auch einige Milchprodukte wie Milch, Joghurt, Buttermilch, Schmelzkäse, Kochkäse und Dosenmilch liefern viel Phosphat. Wähle stattdessen lieber Käsesorten wie Quark, Frischkäse, Camembert, Briekäse, Mozzarella, Harzer Roller oder Limburger. Auch bei Wurstwaren solltest Du auf den Phosphatgehalt achten.
 
Besonders im fortgeschrittenen Stadium der Niereninsuffizienz solltest Du Dich kaliumarm ernähren. Ärzte empfehlen hier eine tägliche Kaliumzufuhr von 1,5 bis 2 Gramm. Meide daher kaliumreiche Lebensmittel und Getränke. Dazu zählen Obst- und Gemüsesäfte, Trockenobst (Rosinen, Datteln, Feigen), Nüsse, Bananen, Aprikosen, Avocado, Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen), Tomaten, Spinat, Mangold, Brokkoli, Grünkohl, Rosenkohl, Fenchel, Oliven, Sprossen und Keime, Pilze (frisch und getrocknet), sowie Kartoffeltrockenprodukte (Kartoffelchips, Kartoffelknödel und Kartoffelpüree).
 
Wenn Du eine Dialyse benötigst, ist eine begrenzte Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig. Du solltest in etwa so viel Flüssigkeit zuführen, wie Du am Tag davor durch die Urinausscheidung verloren hast plus einen halben Liter zusätzlich. Bedenke dabei, dass Du einen Teil des Flüssigkeitsbedarfs auch über die Nahrung abdeckst.

Kann ich einer Niereninsuffizienz vorbeugen?

Du kannst versuchen, Erkrankungen vorzubeugen, die oft ursächlich bei der Entstehung einer chronischen Nierenschwäche sind. Dazu zählen zum Beispiel Diabetes mellitus und Bluthochdruck. Um vorzubeugen, solltest Du Dich regelmäßig körperlich betätigen, Dich gesund und salzarm ernähren, Übergewicht und Adipositas vermeiden und Deinen Alkohol- und Nikotinkonsum einschränken. Wenn Du diese Erkrankungen frühzeitig erkennst und behandeln lässt, kannst Du auch der Entstehung einer Nierenschwäche entgegenwirken.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Niereninsuffizienz?

Die Sozialversicherungsträger übernehmen die Kosten für die Diagnose und die Therapie einer Niereninsuffizienz. Bei bestimmten Krankenkassen kann für Dich ein Selbstbehalt anfallen. Wenn Du aufgrund eines chronischen Nierenversagens stationär in einem Krankenhaus behandelt werden musst, fällt pro Tag ein Kostenbeitrag an, den Du selbst übernehmen musst – den Rest bezahlt Deine Krankenkasse. Falls Du Fragen zur (anteiligen) Kostenübernahme bestimmter Untersuchungen oder Therapien hast, frage am besten direkt bei Deinem Versicherungsträger nach.

 


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Medizin unterscheidet die akute von der chronischen Nierenschwäche. Beide Formen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Ursachen, ihrer Symptome, ihrer Behandlung und ihrer Prognose.


Beide Formen sind potenziell lebensbedrohlich und erfordern sofortige medizinische Abklärung.


Nach einer akuten Nierenschwäche können sich die Nieren wieder regenerieren, eine chronische Niereninsuffizienz ist eine fortschreitende Erkrankung, die nur gebremst werden kann.


Ist die Erkrankung bereits weit fortgeschritten, benötigen Patienten eine Dialyse, bis sie eine Spenderniere erhalten.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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