Bauchfellkrebs (Peritonealkarzonose)

Das Bauchfell ist eine dünne Haut, die das Innere des Bauchraums auskleidet und die dort gelegenen Organe umschließt. Wenn sich ein Tumor im Bauchraum ausbreitet und Tumorzellen auf das Bauchfell übergehen, spricht man von einer Peritonealkarzinose. Es handelt sich dabei um eine besonders schwere Form der Krebserkrankung, deren Heilungschancen in der Regel eher gering sind. Welche Ursachen einer Peritonealkarzinose zugrunde liegen, wie sie diagnostiziert und behandelt wird sowie alle weiteren wichtigen Informationen zu diesem Krankheitsbild findest Du hier!


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Zuletzt aktualisiert: 21. September, 2020



ICD-10-GM-2020 C78.6

Was versteht die Medizin unter einer Peritonealkarzinose?

Unter einer Peritonealkarzinose versteht die Medizin den Befall des Bauchfells mit bösartigen Tumorzellen. Zu Deutsch wird dieses Krankheitsbild als Bauchfellkrebs bezeichnet. Meistens entsteht der Tumor nicht direkt am Peritoneum, sondern entspringt anderen Krebsgeschwülsten der Organe des Bauchraums und geht dann auf das Bauchfell über. Da die Krankheit in der Regel über eine lange Zeit hinweg symptomlos verläuft, kann ein Arzt sie häufig erst in einem stark fortgeschrittenen Stadium entdecken.
 
Ärzte unterscheiden zwischen einer diffusen und einer lokalisierten Peritonealkarzinose. Wenn sich die Tumorknoten im gesamten Bauchraum oder auf der Oberfläche der Organe im Bauchraum gebildet haben, sprechen Mediziner von diffusem Bauchfellkrebs. Wenn sich hingegen einzelne Tumorknoten in einem begrenzten Gebiet gebildet und noch nicht weiter ausgebreitet haben, ist von einem lokalisierten Bauchfellkrebs die Rede.

Die Prognose bei einer Peritonealkarzinose gestaltet sich oft als schwierig.

Wie häufig ist Bauchfellkrebs und wer ist davon betroffen?

Jährlich erkranken in Deutschland rund 20 000 Menschen an Bauchfellkrebs. In der Regel sind von dieser Erkrankung Personen betroffen, die an weiteren Tumoren im Bauchraum leiden. Die Entwicklung von Bauchfellkrebs ohne Krebsbefall anderer Körperregionen ist sehr unwahrscheinlich.
 

Was ist das Bauchfell und wozu dient es?

Das Bauchfell (Peritoneum) ist eine dünne, glatte Haut, die das Innere des Bauchraums auskleidet und die meisten dort gelegenen Organe einschließt. Seine Oberfläche ist mit eineinhalb bis zwei Quadratmetern sehr groß.
 
Es besteht aus einer inneren und einer äußeren Gewebeschicht, wobei die innere direkt auf den Bauchorganen liegt und die äußere sich an der Innenseite der Bauchwand und des Zwerchfells befindet. Das Bauchfell produziert eine Flüssigkeit, die als Schmiermittel fungiert. Es ermöglicht den Organen, sich untereinander zu verschieben sowie hin- und hergleichten zu können, ohne aneinander zu reiben. Dieses sogenannte Bauchwasser sorgt so unter anderem dafür, dass sich die Darmschlingen bei der Verdauung gut gegeneinander bewegen können.
 

Was sind die Symptome bei einem Bauchfellkrebs?

In anfänglichen Stadien äußert sich ein Bauchfellkrebs oftmals kaum. Die Symptome sind dann meistens noch eher unspezifisch. Beispielsweise empfinden die Betroffenen dann Bauchschmerzen oder leiden an Verdauungsstörungen wie Verstopfung.
 
Außerdem möglich sind Harnverhalt oder Nierenstau und auch ein Darmverschluss kann auf einen Bauchfellkrebs hindeuten. Mit der Ausbreitung des Tumors steigern sich auch die Schmerzen, die mit der Erkrankung einhergehen. Da im Bauchfell besonders viele Nerven verlaufen, leiden die Betroffenen bei stark ausgeprägten Peritonealkarzinosen an intensiven Schmerzen.
 
Ebenso als Symptom gilt die Verhärtung der Bauchmuskeln. Diese bildet der Körper, um die Organe des Bauchraums zu schützen, weshalb Ärzte sie auch als Abwehrspannung bezeichnen.
 

Welche Ursachen hat ein Bauchfellkrebs?

Nur selten entsteht Bauchfellkrebs durch Tumorzellen, die sich am Peritoneum selbst bilden. In den meisten Fällen stellen die Krebszellen von Primärtumoren die Ursache von Bauchfellkrebs dar. Fortgeschrittene Tumore bilden Tochtergeschwülste, die sich im umliegenden Gewebe ausbreiten. Diese werden in der Medizin als Metastasen bezeichnet.
 
Wenn sich in einem Organ des Bauchraums ein Tumor bildet, der aufgrund seiner Größe Metastasen bildet und die Krebszellen dieser Tochtertumore auf das Bauchfell übergreifen, dann kommt es zu einer Peritonealkarzinose. Häufig gelten Tumore in Dünn- und Dickdarm, Bauchspeicheldrüse oder Eierstöcken als Auslöser für Bauchfellkrebs.
 
Das vom Bauchfell produzierte Bauchwasser ist zwar wichtig für die Beweglichkeit der Organe, sorgt aber im Fall eines Tumors im Bauchraum dafür, dass sich die Krebszellen leichter ausbreiten und in weiterer Folge auch umliegende Organe und das Peritoneum befallen können. In seltenen Fällen kann der Bauchfellkrebs aber auch durch Tumore verursacht werden, die sich nicht im Bauchraum befinden. Dazu zählen beispielsweise Geschwülste der Brustdrüse.

Typische Symptome für Bauchfellkrebs sind Bauchschmerzen und Verstopfung.

Wie diagnostiziert der Arzt eine Peritonealkarzinose?

Wenn Dein Arzt den Verdacht hat, dass Du an einer Peritonealkarzinose erkrankt bist, kann er zunächst eine Computertomografie  anordnen. Bei dieser schmerzfreien Methode wird das Innere des Bauchraums auf Unregelmäßigkeiten untersucht. Meistens liefert die CT-Untersuchung allerdings nur bei stark ausgeprägten Tumoren am Bauchfell eine eindeutige Diagnose.
 
Ebenso kann Dein Arzt eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) durchführen. Dieses Verfahren gilt als die sicherste Methode, um eine Peritonealkarzinose zu erkennen. Dein Arzt führt dabei über einen kleinen Schnitt in der Haut ein Endoskop in den Bauchraum ein. An diesem befinden sich eine Lichtquelle sowie eine Kamera, die eine gründliche Untersuchung des Bauchinnenraums ermöglichen. Mithilfe dieser Methode kann Dein Arzt überprüfen, ob sich Unregelmäßigkeiten im Gewebe oder Tumore an den Organen Deines Bauchraums oder an Deinem Bauchfell befinden.
 
Da die Peritonealkarzinose insbesondere in anfänglichen Stadien kaum Symptome mit sich bringt, bleibt sie oft für lange Zeit unbemerkt. Oft wird ein Bauchfelltumor erst bei der chirurgischen Entfernung des Primärtumors von einem Arzt entdeckt.
 

Welche Therapiemöglichkeiten stehen dem Arzt bei einem Bauchfellkrebs zur Verfügung?

Lange Zeit galt Bauchfellkrebs als kaum therapierbar. Mittlerweile konnten Ärzte Methoden entwickeln, die eine Behandlung des Tumors ermöglichen. Die Therapie einer Peritonealkarzinose erfordert allerdings das gemeinsame Wirken mehrerer medizinischer Fachdisziplinen und die Zusammenarbeit von Spezialisten aus verschiedenen Bereichen. Zur Behandlung von Bauchfellkrebs bieten sich mehrere Optionen an.
 
Operative Behandlungsmöglichkeiten
Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Tumore im Bauchraum so gut wie möglich zu reduzieren. Dafür entfernt ein Chirurg die erkrankten Teile des Bauchfells. Die äußere Schicht des Bauchfells kann von einem Spezialisten von der Bauchwand abgetrennt und entfernt werden. Die innere Schicht, die unmittelbar auf den Organen des Bauchraums liegt, kann allerdings nicht ohne Weiteres beseitigt werden, da sie direkt an den Organen haftet und teilweise mit diesen verschmilzt.
 
Um sie zu entfernen, muss der Arzt auch den Teil des Organs, auf dem der entsprechende Teil des Bauchfells liegt, abtrennen. Das führt dazu, dass zur vollständigen Beseitigung des Tumors oft ein sehr großer chirurgischer Eingriff notwendig ist. Aus diesem Grund empfehlen Ärzte eine operative Entfernung der Geschwülste meistens nur dann, wenn eine komplette Tumorentfernung möglich ist oder nach dem Eingriff nur ein sehr kleiner Teil der Krebszellen erhalten bleibt, der mithilfe einer Chemotherapie bekämpft werden kann.
 
Wenn sich der Tumor in umliegende Gewebe ausgebreitet hat und im Vorhinein abzusehen ist, dass eine vollständige Entfernung durch einen operativen Eingriff nicht möglich ist, oder diese die Entfernung von zu großen Organteilen erfordern würde, raten Spezialisten in der Regel von dieser Behandlungsmethode ab.
 
Hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC)
Dabei handelt es sich um eine Chemotherapiespülung des Bauchraums. Diese erfolgt im Rahmen eines operativen Eingriffs, wobei die gesamte Operation mehrere Stunden dauert. Ein Spezialist spült dabei den Innenraum des Bauchraums mit einer auf rund 42 Grad Celsius erhitzten Medikamentenlösung aus. Mithilfe spezieller medizinischer Instrumente verteilt er die Flüssigkeit im Bauch. Die Flüssigkeit kann aufgrund ihrer hohen Temperatur besser in kleine Resttumore eindringen und diese im besten Fall komplett beseitigen. Diese Methode ist insbesondere bei kleineren Tumoren am Bauchfell sowie bei Krebsbefall von Magen und Darm, der sich auf das Bauchfell ausgebreitet hat, sinnvoll.
 
Pressurized Intraperitoneal Aerosol Chemotherapy (PIPAC)
Bei stark fortgeschrittenen Peritonealkarzinosen empfehlen Spezialisten oft eine Pressurized Intraperitoneal Aerosol Chemotherapy. Diese Therapie zeichnet sich dadurch aus, dass ein Arzt im Rahmen einer Bauchspiegelung unter Narkose Chemotherapeutika im Bauchraum versprüht, die sich dann wie ein Nebel ausbreiten. Die eingesetzten Arzneimittel sind dieselben, die Ärzte auch bei konventionellen Chemotherapien verwenden. Allerdings werden sie bei der PIPAC-Behandlungsmethode mit Gas zu Aerosol vermengt und können sich so deutlich besser im Bauchraum verteilen. Zudem entsteht bei der Therapie ein Unterdruck im Bauch, der das Eindringen der Medikamente in den Tumor erleichtert.
 
Diese Methode ist insbesondere bei Tumoren sinnvoll, die durch Krebserkrankungen im Magen oder in den Eierstöcken ausgelöst wurden. Sie wird speziell bei Patienten angewendet, die über längere Zeit hinweg Chemotherapiemedikamente über die Venen verabreicht bekommen haben, denn in diesem Fall entwickeln die Betroffenen häufig unerwünschte Nebenwirkungen.
 
Außerdem kann es vorkommen, dass das Medikament nach einer gewissen Zeit nicht mehr wirksam ist. Insbesondere dann stellt die PIPAC-Methode eine sinnvolle Therapieoption dar, zumal sie für die meisten Patienten weniger belastend ist als ein großer operativer Eingriff. Die Heilungschancen sind bei dieser Therapie zwar sehr gering, allerdings können die Tumore des Bauchfells damit gut behandelt werden, sodass sich die Lebenszeit und -qualität der Betroffenen oft erhöht.
 
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die intraperitoneale Immuntherapie. Ärzte verabreichen den Patienten dabei Antikörper, die das Wachstum des Tumors vermeiden und damit die weitere Ausbreitung verhindern.

Eine Heilung des Bauchfellkrebs ist eher unwahrscheinlich, die Lebensdauer- und qualität lässt sich jedoch enorm steigern.

Wie ist die Prognose bei einer Peritonealkarzinose?

Die Diagnose einer Peritonealkarzinose bedeutet in der Regel, dass der Betroffene an einer weit fortgeschrittenen Tumorerkrankung leidet, deren Prognose meistens eingeschränkt ist. Das bedeutet, dass eine Heilung in den meisten Fällen als eher unwahrscheinlich gilt und die Behandlung das Ziel verfolgt, die Lebenszeit des Patienten zu verlängern und die Beschwerden, die mit der Krankheit einhergehen, so gut es geht zu minimieren.
 
In manchen Fällen kann die Therapie des Tumors allerdings eine Heilung ermöglichen. Das ist dann der Fall, wenn sich in der Bauchhöhle erst wenige Tumorzellen befinden und eine große Wahrscheinlichkeit besteht, dass alle Tumorherde chirurgisch entfernbar sind.
 
Wenn diese Behandlungsmethode möglich ist und erfolgreich verläuft, bleibt den Betroffenen die Hoffnung auf eine Heilung. In vielen Fällen ist diese allerdings unwahrscheinlich. Die Erfolgschancen der Therapie sind individuell und die Prognose einer Peritonealkarzinose hängt maßgeblich davon ab, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, wie groß der Tumor ist und in welchem Ausmaß er sich im Bauchraum ausgebreitet hat.
 

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung einer Peritonealkarzinose?

Die Kosten für die Behandlung einer Peritonealkarzinose und die in der Therapie eingesetzten Medikamente übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Ob in speziellen Fällen ein Selbstbehalt zu entrichten ist oder Kosten anfallen, für die die Versicherung nicht aufkommt, ist individuell zu klären.


Dauer Dauer

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Ausfallzeit Ausfallzeit

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Stationärer Aufenthalt Stationär

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Das Wichtigste zusammengefasst

Das Bauchfell kleidet das Innere unseres Bauchraums aus und umschließt die darin liegenden Organe. Wenn eines dieser Organe von Krebszellen befallen ist und sich diese im Bauchraum ausbreiten, kann ein Tumor am Bauchfell entstehen. Dann sprechen Ärzte von einer Peritonealkarzinose. Es handelt sich dabei um eine sehr schwere Krebsart, an der in Deutschland jährlich rund 20.000 Personen erkranken.


In anfänglichen Stadien macht sich eine Peritonealkarzinose oftmals nicht bemerkbar, weshalb sie häufig erst spät entdeckt wird. Wenn sich der Tumor ausbreitet, empfinden die Betroffenen Bauchschmerzen, leiden an Verstopfung, Nierenstau oder Darmverschluss. Auch die Verhärtung der Bauchmuskeln gilt als Symptom.


Ärzte diagnostizieren Bauchfellkrebs mittels CT-Untersuchungen oder Bauchspiegelungen, in vielen Fällen werden Tumore am Bauchfell allerdings erst bei der operativen Entfernung von Primärtumoren entdeckt.


Die Behandlung von Bauchfellkrebs kann durch einen operativen Eingriff, mithilfe verschiedener Chemotherapien oder mit einer Immuntherapie durchgeführt werden. Je nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung wählen Ärzte eine der Therapieoptionen. In jedem Fall erfordert die Behandlung die Zusammenarbeit von Spezialisten mehrerer medizinischer Fachbereiche. Da eine Peritonealkarzinose meistens mit einer weit fortgeschrittenen Tumorerkrankung im Bauch einhergeht, sind die Heilungschancen in der Regel gering. Die Therapie verfolgt allerdings das Ziel, die Lebenszeit und -qualität der Patienten zu steigern.

Dr. Benjamin Gehl

Dr. Simone Hermanns

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