Ulcus cruris (Unterschenkelgeschwür, offenes Bein)

Ulcus cruris ist eine Wunde am Unterschenkel, die aufgrund von Durchblutungsstörungen schlecht verheilt. Dabei kann ein Ulcus cruris auch chronisch und für den Betroffenen lebensbedrohlich werden.


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Zuletzt aktualisiert: 4. März, 2020



Was versteht die Medizin unter Ulcus cruris?

Ein Ulcus cruris wird auch offenes Bein oder Unterschenkelgeschwür genannt. Die Beingeschwüre werden meist durch venöse oder arterielle Durchblutungsstörungen verursacht. Aber auch kleinste Verletzungen am Knöchel können eine offene Wunde bilden, die sich über den gesamten Unterschenkel ausbreiten und somit nur schwer abheilen kann. Solch eine Wunde neigt zu Infektionen, die für den Betroffenen unter Umständen lebensgefährlich sein können. Daher ist die Behandlung häufig schwierig und kann Monate oder gar Jahre dauern.

Ein Ulcus cruris wird auch offenes Bein oder Unterschenkelgeschwür genannt

Welche Formen von Ulcus cruris gibt es?

Ärzte unterscheiden vor allem zwischen zwei verschiedenen Formen von Beingeschwüren, nämlich den venösen und arteriellen Beingeschwüren. Am häufigsten treten venöse Beingeschwüre auf, denn sie machen etwa 80-90 Prozent aller Beingeschwüre aus. Bei dieser Form von Ulcus cruris funktionieren die Klappen des Venensystems nicht. Diese Klappen verbinden im Normalfall die Venen der Beine miteinander und Sorgen dafür, dass das Blut aus den Beinen wieder zum Herzen zurücktransportiert wird und bei einer Lageänderung des Körpers, beispielsweise wenn Du aufrecht stehst, nicht wieder zurück in die Beine fließt.
 
Sind die Klappen defekt, führt das zu stark gefüllten Venen mit einem erhöhten Druck, wodurch Proteine und Flüssigkeit aus den Gefäßen ins umliegende Gewebe fließt. Dadurch schwillt das Bein an und die betroffene Hautregion am Unterschenkel wird nicht mehr optimal versorgt und kann sich bräunlich verfärben. Arterielle Beingeschwüre hingegen treten wesentlich seltener auf. Dazu kommt es, wenn die Durchblutung eindeutig geschwächt ist, beispielsweise durch eine Arterienverkalkung. Dadurch können die Beine bläulich aussehen. Die Betroffenen verspüren dabei starke Schmerzen und vor allem in der Nacht nehmen die Schmerzen zu.

Welche Symptome können auftreten?

Bei einem Unterschenkelgeschwür kann es vor allem zu Schwere- und Spannungsgefühlen in den Beinen kommen. Zudem können Krämpfe in den Waden auftreten, die vor allem in der Nacht spürbar sind. Oft verspüren die Betroffenen zudem ein übermäßiges Wärmegefühl im jeweiligen Bein. Die Symptome richten sich jedoch auch nach dessen Ursache.

Was ist die Ursache für Ulcus cruris?

Ulcus cruris entsteht in vielen Fällen durch eine vererbte Bindegewebsschwäche. Dadurch sind die Venen erweitert und die Klappen können so ihre Funktion nicht mehr vollständig erfüllen. In weiterer Folge entsteht ein Rückstau in den Venen und der Druck erhöht sich. Zudem kann ein Unterschenkelgeschwür durch Diabetes oder rheumatischen Erkrankungen begünstigt werden. Auch Infektionen und einfache Verletzungen des Unterschenkels können dazu führen.

Wann muss ich zum Arzt gehen?

Wenn Du Hautverfärbungen am Unterschenkel oder Krampfadern erkennst, so solltest Du Dich von einem Arzt untersuchen lassen, um der Entstehung von Beingeschwüren vorzubeugen. Sollten jedoch bereits tiefe Wunden entstanden sein, dann solltest Du dringend einen Arzt aufsuchen, um die Erkrankung frühzeitig zu diagnostizieren und einer Fortbildung entgegenzuwirken zu können.

Der Arzt kann ein Ulcus cruris im Normalfall anhand der Anamnese und einer körperlichen Untersuchung des Patienten diagnostizieren

Wie diagnostiziert der Arzt Ulcus cruris?

Der Arzt kann ein Ulcus cruris im Normalfall anhand der Anamnese und einer körperlichen Untersuchung des Patienten diagnostizieren. Das Ulcus cruris wird dabei in seiner Größe und Form genau dokumentiert und die arteriellen Fußpulse werden geprüft und der Beinumfang gemessen. Ein Abstrich zur Keimidentifizierung oder eine Gewebeprobe können ebenfalls helfen, eine korrekte und umfangreiche Diagnose zu stellen. Um bei sehr tiefen Geschwüren eine Knochenbeteiligung auszuschließen, kann eine Röntgenaufnahme nützlich sein. Meist führt der Arzt auch eine Dopplersonografie durch. Darunter versteht die Medizin eine Blutfluss- Geschwindigkeitsmessung der Venen und Arterien per Ultraschall.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Männer und Frauen sind fast gleich oft von einem Beingeschwür betroffen. Die Gefahr, ein Ulcus cruris zu entwickeln, nimmt erst mit steigendem Alter zu. Das heißt, Menschen unter 40 Jahren sind davon kaum betroffen. Bei über 80-Jährigen tritt das Ulcus cruris dagegen ziemlich häufig auf.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Um ein offenes Bein zu behandeln, versucht der Arzt zunächst die Ursachen, die eine Entwicklung eines Ulcus cruris begünstigt haben, zu beseitigen. Daher ist die Behandlung oftmals schwierig und ein langwieriger Prozess, der meist mehrere Monate dauern kann. Bei Erwachsenen im hohen Alter kann die Behandlung sogar mehrere Jahre dauern, da ältere Patienten vielen Risikofaktoren und Komplikationen ausgesetzt sind. Aber auch nach der Therapie sollten die Betroffenen regelmäßig zu einer Kontrolluntersuchung.
 
In erster Linie versucht der behandelnde Arzt, die offene Wunde zu versorgen, damit sie schnell wieder abheilen kann. Bei venösen Beingeschwüren reinigt der Arzt die Wunde und schützt sie mit komprimierenden Verbänden vor Infektionen. Bei arteriellen Beingeschwüren hingegen kann eine chirurgische Behandlung der Arterienverkalkung den Heilungsprozess beschleunigen. Nur in einigen Fällen müssen die Wunden bei einem offenen Bein durch eine operative Hautverpflanzung geschlossen werden. Operative Methoden können auch angewandt werden, um die Wunde zu reinigen, vorhandene Gefäßbeläge abzutragen und die Heilung zu beschleunigen, wenn die Beingeschwüre stärker ausgeprägt sind.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei Ulcus cruris?

Die Prognose eines Ulcus cruris richtet sich nach dem Alter und Gesundheitszustand des Patienten, der Form des Beingeschwürs und den vorliegenden Erkrankungen. Grundsätzlich heilt ein venöses Unterschenkelgeschwür besser und schneller ab als ein arterielles Ulcus cruris. Jedoch besteht bei den venösen Geschwüren die Gefahr, dass sie sich innerhalb kurzer Zeit wieder nachbilden. Um diese Gefahr zu senken, sollten sich Betroffene nach der Therapie oft bewegen und die Kompressionsstrümpfe auch nach dem Abheilen des Ulcus cruris tragen.

Die Prognose eines Ulcus cruris richtet sich nach dem Alter und Gesundheitszustand des Patienten, der Form des Beingeschwürs und den vorliegenden Erkrankungen

Bei einer konsequenten Therapie kann ein Ulcus cruris innerhalb weniger Monate wieder abheilen. Bei älteren Menschen kann sich die Heilung jedoch um einiges verzögern, da sich bei ihnen die Haut nur mehr eingeschränkt regenerieren kann. Bleibt ein Ulcus cruris lange Zeit unbehandelt, dann steigt das Risiko für schwerwiegende Folgen. Speziell bei einem arteriellen offenen Bein besteht die Gefahr, dass das Gewebe vollkommen abstirbt und somit eine Amputation des betroffenen Beines oder Fußes nötig wird. Rauchen und Diabetes mellitus erhöhen das Risiko für eine Amputation.

Welche Folgen hat Ulcus cruris für die Betroffenen?

Wird das Ulcus cruris nicht behandelt, kann es sich zu einer chronischen Erkrankung entwickeln. Dadurch kann ein offenes Bein in einigen Fällen sogar lebensbedrohlich werden. Gefährlich sind vor allem entstandene Blutvergiftungen, Infektionen und Thrombosen. Im schlimmsten Falle wird das betroffene Gewebe geschädigt und es kommt zum Absterben des Gewebes, einer sogenannten Nekrose. Daher ist in einigen Fällen sogar eine Amputation nötig, um eine Ausbreitung der Nekrose zu verhindern.

Wie kann ich Ulcus cruris vorbeugen?

Um einem Unterschenkelgeschwür vorzubeugen, solltest Du Deine Beinvenen möglichst fit halten. Dabei kannst Du vor allem durch regelmäßiges Spazierengehen, Wandern und Fahrradfahren für eine optimale Durchblutung Deiner Beine sorgen. Um das Risiko der Entstehung eines offenen Beins zu verringern, solltest Du möglichst auf Alkohol und Nikotin verzichten. Stehst oder sitzt Du beispielsweise berufsbedingt lang, so kannst Du prophylaktisch Kompressionsstrümpfe tragen, um Deine Venen zu entlasten. Auch Wechselduschen mit abwechselnd kaltem und warmem Wasser sind sehr hilfreich, um Schädigungen der Venen zu verhindern.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Ein Ulcus cruris sollte immer professionell von einem Arzt behandelt werden, um mögliche Folgen zu vermeiden. Durch Fehlbehandlungen kann es zu eiternden Wunden kommen, die eine beträchtliche Tiefe haben können. Somit heilen sie umso schlechter. Zudem kann sich ein Unterschenkelgeschwür gefährlich entwickeln und am Ende zu einer Amputation führen. Eine entstandene Thrombose kann eine nachfolgende Embolie begünstigen. Eine Embolie bezeichnet die Verstopfung der Gefäße durch ein Blutgerinnsel, wodurch es zum Verschluss der Blutgefäße kommen kann.

Welche Hausmittel gibt es gegen Ulcus cruris?

Eine Behandlung mit Hausmittel solltest Du grundsätzlich nur nach Absprache mit dem Arzt durchführen. Unterstützende Hausmittel zur Beschleunigung des Heilungsprozesses sind unter anderem: Kräutersalben, Zinkeinnahme, Ringelblumensalben, Honigauflagen und bestimmte homöopathische Präparate. Du solltest aber auf keinen Fall den Arztbesuch durch eine Selbstbehandlung ersetzen, denn ein Ulcus cruris ist viel zu gefährlich, um es selbst zu behandeln!

Unterstützende Hausmittel zur Beschleunigung des Heilungsprozesses sind unter anderem: Kräutersalben, Zinkeinnahme, Ringelblumensalben, Honigauflagen und bestimmte homöopathische Präparate

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Behandlung nicht in allen Fällen. Die Kostenübernahme hängt vom jeweiligen Gesundheitszustand des Patienten und der Art der Behandlung ab. Informiere Dich am besten bei Deinem Versicherungsträger darüber.


Dauer Dauer

Je nach Schweregrad

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Schweregrad

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Schweregrad

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Das Wichtigste zusammengefasst

Ulcus cruris ist eine Wunde am Unterschenkel, die aufgrund von Durchblutungsstörungen schlecht verheilt


Ulcus cruris entsteht in vielen Fällen durch eine vererbte Bindegewebsschwäche


Um ein offenes Bein zu behandeln, versucht der Arzt die Ursachen zu beseitigen, die die Entwicklung des Ulcus cruris begünstigt haben


Um einem Unterschenkelgeschwür vorzubeugen, solltest Du Deine Beinvenen möglichst fit halten, beispielsweise indem Du regelmäßig spazieren gehst

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