Lymphödem

Bei einem Lymphödem kommt es zu extremen Schwellungen von Körperteilen, da der Abfluss der Lymphflüssigkeit gestört ist. Für die Betroffenen bedeutet das nicht nur eine Erschwerung des alltäglichen Lebens, sondern starke Schmerzen. Doch was sind die genauen Ursachen, wie lässt sich das Lymphödem diagnostizieren und was kann getan werden? Wir klären auf!


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Zuletzt aktualisiert: 24. Januar, 2020



Was versteht die Medizin unter einem Lymphödem?

Das Lymphödem ist ein Krankheitsbild, bei dem es durch eine Behinderung des Lymphabflusses zum Übertritt von Flüssigkeit ins Gewebe und damit zur Schwellung kommt. Die Lymphflüssigkeit enthält einerseits zahlreiche Stoffwechselprodukte, die aus dem Gewebe abtransportiert werden, andererseits ist sie essenzieller Teil des Immunsystems, denn hierdurch werden Krankheitserreger in die Zwischenstationen des Lymphkreislaufes, die Lymphknoten, gebracht, wodurch eine Antwort des Immunsystems ausgelöst werden kann.

Das Lymphödem ist ein Krankheitsbild, bei dem es durch eine Behinderung des Lymphabflusses zum Übertritt von Flüssigkeit ins Gewebe und damit zur Schwellung kommt

Wie sehen die Symptome von einem Lymphödem aus?

Das Lymphödem zeigt sich symptomatisch als Schwellung, die meist an den Extremitäten, also Beinen oder Armen, auftritt. In weiterer Folge kam es zu oberflächlichen Hautveränderungen und durch die Einschränkung des Immunsystems auch zu Infektionen kommen.

Welche Stadien des Lymphödems gibt es?

Es werden insgesamt 4 Stadien unterschieden:

 

  • Latenzstadium: Pathologischer Lymphabfluss, jedoch noch keine sichtbaren Ödeme.
  • Reversibles Lymphödem: Eine Schwellung ist sichtbar, bildet sich jedoch durch Hochlagerung zurück.
  • Irreversibles Stadium: Die Schwellung bildet sich auch mit Hochlagerung nicht zurück – erste Hautveränderungen lassen sich erkennen, das Ödem verhärtet sich insgesamt und lässt sich mit den Fingern kaum mehr eindrücken.
  • Elefantiasis: Die Schwellung nimmt enorm zu, sodass Betroffene bei alltäglichen Bewegungen stark eingeschränkt sind. Die Wundheilung der Haut verschlechtert sich, insgesamt wird die Haut nicht mehr zu Genüge versorgt, es treten Ekzeme, Geschwüre und Bläschen auf.

Was sind die Ursachen des Lymphödems?

Primäres Lymphödem
Hierbei handelt es sich um eine schon in der Embryonalphase beginnende Fehlanlage der Lymphgefäße und des Lymphsystems. Bei schweren Formen sind Betroffene nicht lebensfähig, bei weniger schweren Formen kommt es zu immer wieder auftretenden Lymphödemen.

 

Sekundäre Formen
Hierbei sind die Abflussstörungen im Laufe des Lebens erworben. Dies geschieht allen voran nach Durchtrennung von Lymphgefäßen beispielsweise bei größeren Operationen oder nach Unfällen. Auch Entzündungen oder Infektionen (Elefantiasis tropica als Infektion des Lymphsystems durch eine bestimmte Wurmart) der Lymphgefäße oder chronische Abflussstörungen im venösen Gefäßsystem begünstigen die Erkrankung. Außerdem ist das Lymphödem mit Tumorerkrankungen assoziiert – dies liegt zum einen an der Tumorerkrankung selbst, da in erster Linie bei verschiedenen Blutkrebsformen das gesamte Immunsystem und vor allem die Lymphknoten mit reagieren, zum anderen an der Therapie, die bei gewissen Krebsarten eine Bestrahlung oder operative Entfernung der Lymphknoten umfasst.

Wie erfolgt die Diagnose eines Lymphödems?

Die Erkrankung stellt eine Blickdiagnose dar. Vor allem an den Beinen können Ödeme allerdings auch im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten, daher sind Differenzialdiagnosen zuerst stets auszuschließen. Oftmals ist die Anamnese wegweisend (Operationen, Verletzungen, Krebserkrankungen in der Krankengeschichte).
Zur diagnostischen Absicherung kann das Stemmer´sche Zeichen dienen – dabei lässt sich die Haut von Zehen oder Fingern nicht mehr abheben. Zusätzlich werden oftmals Ultraschalluntersuchungen durchgeführt, wodurch das Gewebe unter der Haut besser beurteilt werden kann.

Die Erkrankung stellt eine Blickdiagnose dar

Wo können Lymphödeme auftreten?

Meist sind die Extremitäten betroffen, allen voran die Beine. Eine einseitige massive Schwellung spricht meist für ein Lymphödem. In selteneren Fällen sind allerdings auch Gesicht, Hals oder Genitale (männlicher Hoden) betroffen.

Was sind die Folgen eines Lymphödems?

Unbehandelt schreitet die Entwicklung des Lymphödems immer weiter fort und führt zu oben beschriebenen Veränderungen bis zu Stadium 4. Der eingeschränkte Lymphabfluss und damit auch eingeschränkte Abfluss von Proteinen, Nährstoffen, Elektrolyten und sonstigen Abbauprodukten des Stoffwechsels führt nicht nur zu Veränderungen der Haut, sondern zu funktionellen und strukturellen Veränderungen von Gewebe, Schleimhäuten und inneren Organen, die auf die mangelnde Versorgung zurückzuführen sind.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Am häufigsten betroffen sind vor allem Personen, die entweder eine Tumorerkrankung mit Therapie durchmachen oder durchgemacht haben, oder solche, die einen größeren operativen Eingriff hinter sich haben.

Kann man selbst etwas gegen Lymphödeme tun?

Ergänzend zu den ärztlich-therapeutischen Maßnahmen, die bei Auftreten eines Lymphödems unbedingt durchgeführt werden sollten, sind ausreichend Bewegung, eine ausgewogene, gesunde und fettarme Ernährung, sowie das Vermeiden von Übergewicht Maßnahmen, die für einen raschen Therapieerfolg unterstützend sind. Auch bestimmte chronische Erkrankungen wie beispielsweise ein Diabetes mellitus oder eine Bluthochdruckerkrankung können den Heilungsverlauf eines Lymphödems negativ beeinflussen, daher ist eine gute Therapieeinstellung und Einhaltung der notwendigen Medikation erforderlich.

Welche nicht-operativen Behandlungen gibt es bei einem Lymphödem?

Ziel der Therapie ist die Wiederherstellung des Lymphabflusses durch unterschiedliche Entstauungsmechanismen (= komplexe physikalische Entstauungstherapie). Die unterschiedlichen Therapieansätze werden meist in Kombination angewendet.

 

Kompressionsstrümpfe oder Kompressionsbandagen, die um die betroffene Extremität angebracht werden, üben mechanischen Druck auf das Gewebe und die Muskulatur aus und sollen dadurch den Weitertransport der Lymphflüssigkeit ermöglichen. Die manuelle Lymphdrainage ist ein Verfahren, bei dem spezifisch ausgebildete Therapeuten mit unterschiedlichen Griffen eine Mobilisierung der Flüssigkeitsansammlung und eine Aufhebung des Lymphstaus erreichen sollen. Bewegungstherapie und sportliche Betätigung aktivieren Muskelpumpen und führen durch den Druckanstieg im Gewebe ebenfalls zu einer Mobilisierung der Lymphflüssigkeit. Vor allem Schwimmen, Radfahren und Nordic Walking werden hier als effektive Maßnahmen empfohlen. Da die Gefäßversorgung der Haut durch den hohen Druck des Lymphödems eingeschränkt wird, ist eine adäquate Pflege von außen umso wichtiger. Wunden, Ekzeme, oder allergische Reaktionen der Haut müssen umgehend ärztlich behandelt werden, da das Risiko von Infektionen und nur noch weiterer Schädigung besteht.

Wann ist eine Operation des Lymphödems notwendig?

Auch chirurgische Interventionen sind bei Defekten des Lymphsystems möglich. Indikationen dafür sind vor allem das Versagen konservativer (= nicht-operativer) Therapiemöglichkeiten oder aber eine langstreckige Unterbrechung von Lymphbahnen, wie sie beispielsweise bei primären, angeborenen Lymphödemen oder aber bei großflächigen Ausräumungen oder Verletzungen von Lymphbahnen vorkommt.

Bewegungstherapie und sportliche Betätigung aktivieren Muskelpumpen und führen durch den Druckanstieg im Gewebe ebenfalls zu einer Mobilisierung der Lymphflüssigkeit

Was muss ich vor einer Operation beachten?

Wie vor jedem operativen Eingriff muss eine umfassende Aufklärung durch den behandelnden Arzt stattfinden, bei der über den genauen Ablauf, Risiken und Komplikationen sowie über die möglicherweise notwendige Nachsorge aufgeklärt wird. Solltest Du bestimmte Medikamente zu Dir nehmen, dann musst Du dies Deinem Arzt mitteilen, denn einige Medikamente, wie beispielsweise Aspirin, Plavix oder Thrombo ASS musst Du etwa 14 Tage vor dem Eingriff absetzen. Gegebenenfalls kann Dir Dein Arzt ein Ersatzmedikament verschreiben.

Wie verläuft eine OP beim Lymphödem?

Prinzipiell gibt es bei drei Möglichkeiten an operativen Verfahren:

 

  • Rekonstruktive Maßnahmen: Mikrochirurgische Wiederherstellung kleinster zerstörter, pathologisch veränderter oder entzündeter Lymphbahnen.
  • Lymphgefäß- oder Lymphknotentransplantation: Wie der Begriff „Transplantation“ schon verrät, wird hierbei ein Lymphgefäß beziehungsweise ein Lymphknotenpaket vom Oberschenkel entnommen und an den Ort der Lymphbahnunterbrechung, die mittels Floureszenzverfahren dargestellt werden, transplantiert.
  • Anastomoseverfahren: Eine Anastomose wird in der Medizin eine künstlich geschaffene Verbindung zwischen zwei Hohlräumen (beispielsweise Gefäßen oder auch darum Teilen) verstanden. Bei diesem mikrochirurgische Verfahren werden unterbrochene Lymphgefäße mit Venen verbunden, sodass ein Abfluss wieder möglich ist.

Gibt es Nebenwirkungen bei der Behandlung?

Neben den allgemeinen Risiken, die mit einem operativen Eingriff verbunden sind, wie einem Infektionsrisiko, einem Blutungsrisiko sowie einer möglichen Verletzung von Nerven und Gefäßen, sind außerdem einige spezifische Risiken beziehungsweise negative Faktoren zu nennen. Zum einen ist die Operation nicht immer zu 100% erfolgreich, sodass das eigentliche Problem nicht behoben werden kann, zum anderen kann es zu einer postoperativen Bildung von Narbengewebe oder von Fisteln (= unnatürliche Verbindung zwischen zwei Gewebeteilen) kommen.

Was muss ich nach einem operativen Eingriff beachten?

Oftmals sind trotz operativen Eingriffs dennoch konservative Maßnahmen parallel durchzuführen.

Wie kann ich ein Lymphödem vorbeugen?

Maßnahmen wie manuelle Lymphdrainagen oder Kompressionstherapien sind auch ohne bereits bestehende Ödeme nach größeren operativen Eingriffen oder Lymphknotenentfernung bei bösartigen Krebserkrankungen indiziert und können ein Entstehen verhindern. Ein normaler Body-Mass-Index und eine kalorienreduzierte Ernährung können in Kombination mit regelmäßiger Bewegung und Gymnastik ebenfalls vorbeugend wirken. Extreme Temperaturunterschiede (zum Beispiel ein Saunabesuch oder Eisbäder) sowie Einschnürungen durch enge Kleidung oder kleinere Verletzungen der betroffenen Gliedmaßen sollten unbedingt vermieden werden.

Ein normaler Body-Mass-Index und eine kalorienreduzierte Ernährung können in Kombination mit regelmäßiger Bewegung und Gymnastik ebenfalls vorbeugend wirken.

Werden die Behandlungskosten von der Krankenkasse übernommen?

Bei einem nachweislich vorliegenden sowohl primären als auch sekundären Lymphödem kommt die Krankenkasse für den Großteil der Therapiekosten auf, sofern die notwendigen Maßnahmen von einem Facharzt verordnet wurde. Es bleiben 10% der Kosten in einigen Fällen als Selbstbehalt vom Patienten zu bezahlen. Präventive Maßnahmen sind meist selbst zu zahlen.


Dauer Dauer

Bis zu 6 Stunden

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis zu 14 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 7 Tage

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Das Wichtigste zusammengefasst

Das Lymphödem ist eine Erkrankung, bei der es in Folge unterbrochener oder gestauter Lymphgefäße zu einem Stau und nachfolgend zu einem Übertritt von Flüssigkeit ins Gewebe kommt. Resultat ist eine zunehmende Schwellung des betroffenen Körperteils


Man unterscheidet primäre (angeborene) und sekundäre (erworbene) Ursachen. Zu Letzteren gehören stattgefundene operative Eingriffe, Unfälle mit Gewebsverletzung, Infektionen, Entzündungen oder Tumorerkrankungen und Chemotherapien


Die konservative Form der Therapie ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie. Dazu zählen Bewegungstherapien, manuelle Lymphdrainagen sowie Kompressionsverfahren


Auch operative, mikrochirurgische Verfahren stehen zur Verfügung, dazu zählen Rekonstruktions-, Transplantations- und Anastomoseverfahren

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