Stenose

Der Begriff Stenose kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie “Verengung”. In der Medizin wird er für alle Arten der Verengung im Sinne einer Reduktion des Durchmessers einer röhrenförmigen Struktur verwendet. Gemeint sind meist entweder Gefäße oder Organe. Eine Stenose kann im Verlauf immer mehr zunehmen und zur kompletten Verlegung des betroffenen Hohlraums führen. Ziel der Therapie ist es stets - egal welches Organ oder welche Struktur betroffen ist - diesen vollständigen Verschluss zu verhindern.


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Zuletzt aktualisiert: 28. August, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Stenose?

Unter einer Stenose versteht der Arzt ganz allgemein eine Verengung. Betroffen sein können neben Gefäßen auch Hohlorgane, sekretführende Ausführungsgänge, Herzklappen oder Leitungsbahnen von Nerven. Je nachdem, welche Struktur betroffen ist, entstehen unterschiedliche Krankheitsbilder und Symptome.

Die Stenose bezeichent allgemein eine Verengung von Hohlräumen im Körper.

Welche Arten von Stenosen gibt es?

Stenose von Blutgefäßen
 
Eine sehr häufige Form der Stenose ist die von Blutgefäßen. Diese wird in erster Linie durch arteriosklerotische Plaques oder entzündliche Veränderungen ausgelöst. Es kommt dabei zu Ablagerungen an der Innenseite von Gefäßwänden und Reaktionen von Thrombozyten (Blutplättchen), die insgesamt zu einer Verengung des Gefäßdurchmessers führen.
 
Stenosen können theoretisch alle Arterien betreffen, der Spezialist spricht dann hierbei von unterschiedlichen Diagnosen: KHK (koronare Herzkrankheit = Stenose der Herzkranzgefäße), paVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit = zunehmende Verengung der Beingefäße), caVK (zerebrale arterielle Verschlusskrankheit = Stenose der zuführenden Blutgefäße des Gehirns, zum Beispiel auch Carotisstenose).
 
Spinalkanalstenose
 
Dabei handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals, der das Rückenmark schützend umgibt. Auslöser hierbei sind meist entweder die Bandscheiben, die ihre ursprüngliche Form und Höhe verlieren und sich in den Wirbelkanal pressen, oder die Wirbelkörper selbst, die sich gegeneinander verschieben.
 
Stenosen von Herzklappen
 
Das menschliche Herz ist mit insgesamt vier Klappen ausgestattet, die den Blutfluss je nach Herzaktion regulieren. Stenosen an Herzklappen führen dazu, dass weniger Blut durch die Öffnung strömen kann. Alle vier Herzklappen können von dieser Form der Stenose betroffen sein.

Wie sehen die Symptome einer Stenose aus?

Je nach betroffener Struktur ist mit unterschiedlichen Symptomen zu rechnen. Stenosen von Blutgefäßen bergen die Gefahr, dass jene Organe und Gewebe, die das jeweilige Gefäß eigentlich versorgen sollte, nicht mehr genügend Sauerstoff erhalten. Eine solche Minderversorgung kann mit einem zunehmenden Funktionsverlust des Organs einhergehen und in einem akuten Verschluss des Gefäßes resultieren. Bei einem solchen plötzlichen und vollständigen Gefäßverschluss findet keine Blutversorgung mehr statt. Wird nicht umgehend ärztlich interveniert, kommt es zur Nekrose (Gewebeabsterben). Ein solches Akutereignis ist zum Beispiel der Herzinfarkt oder Schlaganfall.
 
Bei der Spinalkanalstenose ist die Einengung des Rückenmarks ein sehr häufiges Problem und geht mit Schmerzen in der Wirbelsäule einher, die in die Beine ausstrahlen können. Häufig sind die Schmerzen vor allem beim Stehen und Gehen sehr deutlich, die Gehstrecke kann durchaus reduziert sein. Auch Krämpfe, Kribbeln oder ein taubes Gefühl in den Beinen und Zehen können auftreten.
 
Die häufigste Herzklappenstenose ist die Aortenklappenstenose. Diese Form der Stenose betrifft jene Klappe, die zwischen linker Herzkammer und Aorta liegt. Kommt es zu einer Aortenklappenstenose, kann nicht genügend Blut aus dem Herzen in den Körper gepumpt werden, auch das Herz selbst wird unterversorgt. Häufigste Symptome sind Schwindel, plötzliche Bewusstlosigkeit, Atemnot, rasche Ermüdung und mangelnde Belastbarkeit.

Die Carotisstenose ist eine der häufigsten Formen der Stenose.

Was sind die Ursachen für eine Stenose?

Ursächlich für Stenosen in Blutgefäßen sind in erster Linie Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden (sogenannte “Gefäßverkalkung”), die vor allem durch zu hohe Blutfettwerte mit der Zeit gebildet werden. Diese Ablagerungen lösen an den Gefäßwänden zum einen eine entzündliche Reaktion aus, zum anderen spielen Blutgerinnungsfaktoren eine Rolle, denn Blutplättchen lagern sich an den arteriosklerotischen Plaques an und verengen das Gefäß noch stärker.
 
Die Spinalkanalstenose hingegen ist meist Folge von degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule, die mit dem zunehmenden Alter kaum vermeidbar sind. Sie gehören zu den typischen Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule.
 
Herzklappenstenosen können angeboren, aber auch erworben sein. Bei der erworbenen Herzklappenstenose stehen wie auch bei Gefäßstenosen ebenfalls Verschleißmechanismen und die Arteriosklerose als “Verkalkungsprozess” im Vordergrund. Es kommt zu Ablagerungen verschiedener Blutbestandteile an den Klappensegeln, wodurch diese in ihrer Beweglichkeit reduziert werden und sich der Durchmesser insgesamt verringert. Neben solchen degenerativen Prozessen stehen bei der Herzklappenstenosen vor allem Infektionen als Ursache im Vordergrund, bei denen sich bestimmte Keime (meist Bakterien) an den Herzklappen ablagern und zur Entzündungsreaktion führen.
 
Stenosen, die Hohlorgane und Ausführungsgänge betreffen (beispielsweise Verengungen im Magen-Darm-Trakt, in Ausführungsgängen des Gallensystems, der ableitenden Harnwege oder der Bauchspeicheldrüse), können sowohl auf Entzündungen, Konkremente (Gallen– oder Nierensteine) oder auf tumorartige Veränderungen zurückzuführen sein.

Wie ist der Verlauf einer Stenose?

Meist handelt es sich um langsam stattfindende Veränderungen, die der Körper lange toleriert und kompensiert. In diesem Stadium tritt meist auch keine Symptomatik auf. Stenosen von Blutgefäßen gehen lange Zeit mit keinen Beschwerden einher. Erst wenn die Sauerstoffversorgung nicht mehr ausreichend ist (beispielsweise bei weiterer Zunahme der Stenose oder Belastung), kommt es zu Symptomen.
 
Stenosen von Hohlorganen, die durch entzündliche Prozesse ausgelöst werden, werden meist sehr viel schneller symptomatisch. Bei Stenosen durch Raumforderungen wie Tumoren hängt der Verlauf davon ab, wie schnell dieser wächst. Auch Spinalkanalstenosen sind langsam fortschreitende Prozesse, im Gegensatz dazu stehen akute Bandscheibenvorfälle, die das Rückenmark sehr plötzlich einengen.

Wie lässt sich eine Stenose diagnostizieren?

An erster Stelle der Diagnostik steht das ausführliche Patientengespräch, die exakte Erhebung der Symptome und aller Risikofaktoren. Sowohl in der Diagnostik von Gefäßverengungen als auch der Spinalkanalstenose stehen bildgebende diagnostische Verfahren im Zentrum. Die Angiographie ist eine kontrastmittelunterstützte Bildgebung, bei der Verlauf und Abzweigungen der Gefäße genau dargestellt werden.
 
Auch in der Diagnostik von Herzklappenstenosen sind vor allem bildgebende Verfahren wegweisend – mit der Durchführung einer Echokardiographie (Herzultraschall) können die Herzklappen selbst sowie das Strömungsverhalten des Blutes beurteilt werden. In der Diagnostik der Spinalkanalstenose kommen CT und MRT zur Anwendung, Letzteres hat die Besonderheit, auch Nervenverläufe sehr genau darstellen zu können.

Spinalkanalstenosen betreffen vor allem Menschen höheren Alters.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Arteriosklerotische Veränderungen an den Gefäßwänden gehören zu den häufigsten Problemen der westlichen, industrialisierten Gesellschaft. Eine große Rolle spielen hierbei Ernährung (zu fett- und zuckerhaltig!) und mangelnde Bewegung. Weitere Risikofaktoren sind ein bestehender Diabetes mellitus (hierbei kommt es im Verlauf zusätzlich zur Ablagerung von Zuckermolekülen in den Blutgefäßen) und Nikotinkonsum.
 
Spinalkanalstenosen betreffen vor allem Menschen höheren Alters. Sie können aber auch bei jüngeren Personen im Rahmen des akuten Ereignisses des Bandscheibenvorfalls auftreten. Besonders häufig betroffen sind Menschen mit Übergewicht, Haltungsfehlern und Bewegungsmangel.

Welche Folgen hat eine Stenose für den Betroffenen?

Eine zunehmende Verengung der Blutgefäße muss bei guter Behandlung und Lebensstiländerung gar keine Folgen haben, kann allerdings auch sehr schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen.
 
Auf Dauer kommt es durch die Verringerung des Gefäßdurchmessers zum chronisch erhöhten Blutdruck und zur erhöhten Anstrengung für das Herz. Gefürchtet ist der plötzliche komplette Verschluss des Gefäßes, der mit einem dauerhaften Gewebsuntergang und Funktionseinbußen einhergehen kann. Ein Herzinfarkt kann beispielsweise das Herz so sehr schädigen, dass es zum plötzlichen Herzstillstand und Tod führen kann. Ein Schlaganfall hingegen kann die langfristige Lähmung einer Körperhälfte oder einzelner Körperteile bewirken.
 
Die Spinalkanalstenose hingegen ist in den meisten Fällen kein akut lebensbedrohliches Ereignis, geht allerdings häufig mit starken Schmerzen und durch die Bewegungseinschränkung mit einer deutlich reduzierten Lebensqualität einher. Bei hochgradigen Einengungen des Rückenmarks besteht zudem die Gefahr einer Lähmung der Beine und eines Verlusts des Gehvermögens.

Wie lässt sich eine Stenose behandeln?

Ziel der Behandlung von Stenosen jeglicher Form ist es, die Lebensqualität zu erhalten und mögliche Komplikationen zu verhindern. Auch die Behandlungsmethoden unterscheiden sich dabei grundlegend je nach Form der Stenose und des betroffenen Organs. Welche Art der Therapie gewählt zum Einsatz kommt, aber auch, ob und welche Operation durchgeführt werden muss, wird im persönlichen Gespräch gemeinsam mit dem betreuenden Spezialisten entschieden.
 
Bei der Stenose von Blutgefäßen ist die Reduktion von Risikofaktoren, die sowohl medikamentös als auch durch Lebensstiländerungen vorgenommen wird, der erste therapeutische Schritt. Medikamentös wird auf die Senkung von Blutfettwerten, Regulierung des Blutdrucks und Blutverdünnung gesetzt. Gleichzeitig wichtig sind ein absoluter Nikotinverzicht, tägliche Bewegung und eine gesunde Ernährung.
 
Liegt dennoch eine hochgradige Einengung eines Gefäßes vor, wird Dir der Spezialist eine operative Behandlung vorschlagen. Diese kann entweder als Bypass-Operation oder als minimalinvasive Gefäßausdehnung (Stent, Ballondilatation) erfolgen.
 
In der Therapie der Spinalkanalstenose gibt es sowohl konservative als auch operative Ansätze. Letztere sind allerdings nur sehr selten (bei großem Leidensdruck und Versagen aller anderen Methoden) notwendig. Zu den konservativen Formen zählt neben einer Optimierung der Schmerzmedikation die regelmäßige Bewegungs- und Physiotherapie, bei der Du die Rückenmuskulatur trainierst und Wirbelsäulen-stabilisierende und -schonende Haltungs- und Bewegungsformen lernst. Das Tragen eines Mieders hilft Dir zusätzlich die Wirbelsäule zu entlasten. Eine Wärmetherapie unterstützt die Durchblutung und Entspannung der Rückenmuskulatur.
 
Ist doch ein operativer Eingriff notwendig, so stehen mehrere Verfahren zur Auswahl, die darauf abzielen, den Druck auf das Rückenmark zu verringern. Dabei kann der Arzt entweder einengendes Gewebe operativ entfernen (Dekompressionsoperation) oder die einzelnen Wirbelkörper so verbinden, dass ein Verrutschen nicht mehr möglich ist.
 
Herzklappenstenosen können nur operativ behandelt werden. Eine Operation kommt jedoch nur dann infrage, wenn der Klappendurchmesser so gering ist, dass ein adäquater Blutfluss nicht mehr möglich ist und Symptome auftreten. Die Operation kann entweder invasiv (operativer, offener Zugang durch den Brustkorb) oder minimalinvasiv (Zugang über das Gefäßsystem mittels Katheter) geschehen.
 
Der invasive und offen-chirurgische Zugang stellt grundsätzlich für den Körper eine höhere Belastung dar. Die postoperative Erholungsphase dauert also dementsprechend länger, allerdings kann der Klappenersatz dadurch auch exakter durchgeführt werden. Beim minimalinvasiven Einsatz hingegen wird über das Gefäßsystem die neue Klappe an die richtige Stelle geschoben und dann über die alte Klappe gesetzt.

Welche Komplikationen kann eine Behandlung mit sich bringen?

Medikamentöse Behandlungsformen bergen stets das Risiko einer Intoleranz oder Entwicklung einer Allergie. Bestehen Bedenken oder treten Beschwerden auf, ist es dennoch wichtig, dass Du das Medikament nicht einfach selbstständig absetzt, sondern Dich stets mit Deinem Arzt besprichst.
 
Bei blutverdünnenden Medikamenten ist zu beachten, dass bei Stürzen, Schnitt- oder Schürfwunden stets daran gedacht werden sollte, dass die Blutungszeit erhöht ist und dass auch innere Blutungen möglich sind.
 
Bei operativen Therapien gelten wie für alle Operationen grundsätzlich folgende Risiken: Infektionsrisiko, Blutungsrisiko, Nachblutungen, Verletzung innerer Strukturen während der Operation. Vor allem Operationen am offenen Herzen sind besonders langwierig und belastend für den Körper. Außerdem bringen sie spezifische Risiken mit sich, da das Behandlungsteam eine Herz-Lungen-Maschine verwenden muss.

Die Koronare Herzkrankheit ist ebenfalls eine weitverbreitete Unterform der Stenose.

Wie kann ich eine Stenose vorbeugen?

Durch die Reduktion spezifischer Risikofaktoren kannst Du pathologischen Veränderungen der Wirbelsäule oder der Blutgefäße gut vorbeugen. Achte vor allem auf gesunde Ernährung, tägliche Bewegung, vermeide stundenlange sitzende Tätigkeiten und achte beim Sitzen oder Stehen auf eine gute Haltung. Zur Unterstützung eines geraden und gesunden Rückens gibt es ergonomische Sitze und spezielle Kissen, die den Rücken schonen und die Wirbelsäule in ihrer natürlichen Form stützen. Größter Risikofaktor für Gefäßerkrankungen ist das Rauchen. Die erste Empfehlung ist also stets der Rauchstopp!

Worauf sollte ich bei der Ernährung achten?

Vor allem im Prozess der Arteriosklerose spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Und fett- und zuckerreiche Ernährung erhöhen den Cholesterin- und Triglyceridspiegel im Blut und beschleunigen die Gefäßverkalkung. Zudem ist auch das Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus erhöht.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Bei Stenosen, die Gefäße, Herzklappen und innere Organe betreffen, kann es zu potenziell lebensbedrohlichen Akutereignissen kommen. Die Krankenkasse übernimmt daher vollständig alle anfallenden Kosten. Spezifische Therapieformen der Spinalkanalstenose (Physiotherapie, Rehabilitationsaufenthalte, Beschaffung eines Mieders) müssen ärztlich bewilligt und bei der Krankenkasse eingereicht werden, werden dann allerdings in der Regel auch übernommen.


Dauer Dauer

Je nach Form

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Behandlung

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu drei Tage

Das Wichtigste zusammengefasst

Als Stenosen bezeichnet der Mediziner ganz allgemein erworbene, aber auch angeborene Verengungen von Hohlräumen im Körper (Blutgefäße, Organe, Ausführungsgänge,...), die zu einer Abflussbehinderung (beispielsweise von Blut oder Mageninhalt) führen.


Die häufigsten Stenosen betreffen Blutgefäße und gehen auf arteriosklerotische Veränderungen der Gefäßwände (“Gefäßverkalkung”) zurück. Gefahr der Stenose in Gefäßen ist die Zunahme bis hin zum vollständigen Gefäßverschluss. Ein solches Akutereignis stellt beispielsweise der Herzinfarkt dar.


Zu den Risikofaktoren einer Gefäßstenose gehören Nikotinkonsum, hoher Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte sowie der Diabetes mellitus. Zu denen einer Spinalkanalstenose zählen vor allem hohes Alter, Bewegungsmangel und langjährige sitzende Tätigkeiten.


Die Therapie der Gefäß- und Spinalkanalstenose umfasst sowohl medikamentöse (Schmerztherapie, Einstellung von Blutzucker, -fetten, und Blutdruck) als auch chirurgische Behandlungsmethoden.

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