Kinderzahnheilkunde

Gerade in der Zahnmedizin zeigt sich, Kinder sind keine kleinen Erwachsene. Ihr Gebiss wächst noch und stellt andere Ansprüche an Behandlung und Geräte. Nur weil Milchzähne ausfallen, sind sie nicht unwichtig, ganz im Gegenteil. Nur ein gesundes Milchgebiss legt den Grundstein für die lebenslange Zahngesundheit. Der Zahnarzt und selbst die Eltern brauchen bei den Terminen Geduld und Fingerspitzengefühl, denn das Kind steht zu jeder Zeit im Mittelpunkt.


AUTOR

Medizinischer Experte

CO-AUTOR

Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 21. Juni, 2021

INHALTSVERZEICHNISInhaltsverzeichnis

Die Kinderzahnheilkunde befasst sich mit der Zahn-, Mund- und Kiefergesundheit bei Kindern. Zum Unterschied zu den Erwachsenen entwickelt sich das Kiefer und Gebiss der Kinder noch. Und obwohl die Milchzähne ausfallen, übernehmen sie doch wichtige Funktionen, die die Zahngesundheit bis in das Erwachsenenalter hinein beeinflusst.

Weiterlesen
Ist das erste Zähnchen durchgebrochen, will es auch schon gepflegt werden. Am besten entwickeln die Eltern schon vor dem Zahnen ein Ritual, dann wird die spätere Mundhygiene nicht zur Qual.

Weiterlesen
Idealerweise besucht das Kind zum ersten Mal den Zahnarzt, wenn der erste Zahn durchgebrochen ist. Auf keinen Fall sollten Beschwerden der Grund für den ersten Zahnarzttermin sein. Die schlechten Erfahrungen schüren eine Angst, die die Zahnarztbesuche bis in das Erwachsenenalter hinein prägen.

Weiterlesen
An erster Stelle stehen Prophylaxe und Prävention. Ist das Kind an Karies erkrankt, stehen dem Zahnarzt verschiedene Behandlungsmethoden zur Auswahl. Ein wichtiger Teilbereich ist die Kieferorthopädie, da Zahn- und Kieferfehlstellungen im Erwachsenenalter weitreichende Folgen haben können.

Weiterlesen
Lachgas ist in der Kinderzahnmedizin weit verbreitet, da das Kind trotzdem ansprechbar bleibt. Während eine Oberflächenanästhesie nur auf die Stelle der Schleimhaut wirkt, betäubt eine Lokalanästhesie einzelne Zähne bis zum Kiefer. Bei einer Allgemeinanästhesie oder Vollnarkose muss das Kind beatmet werden.

Weiterlesen
Neben der täglichen gründlichen Reinigung ist der Rückgang von Karies bei Kindern wohl der Fluoridierung zu verdanken. Natürlich spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle, vor allem der Zuckerkonsum.

Weiterlesen
Je länger und öfter Schnuller oder Sauger verwendet werden, desto höher ist das Risiko von Kieferdeformationen. Ein Fläschchen als Einschlafhilfe ist mit ein Hauptgrund für frühkindliches Karies.

Weiterlesen
Viele Behandlungen in der Kinderzahnheilkunde wie eine Fluoridierung werden mittlerweile von den Krankenkassen übernommen. Ausgenommen sind hingegen bestimmte Füllungen und Desensibilisierungsbehandlungen.

Weiterlesen


Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Kinderzahnheilkunde beschäftigt sich mit der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bei Kindern, von der Geburt bis zur Pubertät.


Sobald das erste Zähnchen durchgebrochen ist, gehört es geputzt und von einem Zahnarzt kontrolliert. Je besser die Mundhygiene und je früher die Zahnarztbesuche, desto stressfreier sind sie. Dann entwickelt sich erst keine Angst vorm Zahnarzt.


Milchzähne übernehmen wichtige Funktionen bei der Entwicklung der Sprache, des Kiefers und des bleibenden Gebisses. Daher wird der Arzt im Falle von Karies mit Füllungen, Kronen oder Wurzelbehandlungen die Milchzähne als Platzhalter erhalten.


Fluorid schützt die Zähne, genauso wichtig ist eine gründliche Zahnreinigung und zuckerreduzierte Ernährung. Schnuller und Sauger erhöhen nicht nur das Risiko von Karies, sondern auch von Zahn- und Kieferfehlstellungen.

Worum handelt es sich bei der Kinderzahnheilkunde?

Die Kinderzahnheilkunde befasst sich mit allen speziellen Behandlungen und Untersuchungen im Bereich der Zähne, Mund und Kiefer von Kindern und zwar von Geburt an bis in die Pubertät. Die Zahnärzte absolvieren aber kein eigenes Studium, sondern eine Weiterbildung in Form eines Masterlehrganges.
 
Der Grundstein für die lebenslange Zahngesundheit wird in der Kindheit mit dem Milchgebiss gelegt, genau wie die Angst vorm Zahnarzt. Der Zahnschmelz der Milchzähne ist noch nicht so ausgereift und damit anfälliger für Karies. Kinder mit frühkindlichen Karies sind häufiger von Zahnschmerzen, Zahnfehlstellungen, Schmelzbildungsstörungen, Ess- und Sprachproblemen betroffen. Denn die Milchzähne dienen nicht nur der Nahrungszerkleinerung, für das Sprechen lernen sind sie genauso unverzichtbar wie für die Entwicklung des Gebisses und der bleibenden Zähne. Fehlen Milchzähne, kommt es zu Zahnfehlstellungen im permanenten Gebiss, mitunter auch zu Kieferfehlstellungen. In der Kindheit lassen sich diese Zahn- und Kieferfehlstellungen mithilfe der Kieferorthopädie leicht beheben, unbehandelt bereiten sie Erwachsenen kosmetische wie gesundheitliche Probleme wie beispielsweise die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD).

Kinderzahnheilkunde - Worum handelt es sich bei der Kinderzahnheilkunde?

Wie unterscheidet sich die Kinderzahnheilkunde von der Erwachsenenzahnheilkunde?

Kinder entwickeln sich noch, ihr Schädel wächst und ihre anatomischen Gegebenheiten sind anders als bei Erwachsenen. So sind für die Behandlung spezielle Geräte notwendig, die auch in einen kleinen Kindermund passen. Röntgenuntersuchungen werden mit einer möglichst geringen Strahlendosis durchgeführt und Narkosemittel müssen genau an das kleinere Blutvolumen angepasst werden.
 
Das Milchgebiss ist mit dem bleibenden Gebiss nicht zu vergleichen. Die ersten Milchzähne brechen oft zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat durch, bis zum dritten Geburtstag ist es mit seinen 20 Zähne komplett. Der Zahnschmelz ist nur halb so dick und besitzt einen geringeren Mineraliengehalt bei einer großen Porengröße. Das Dentin (Zahnbein) ist nicht so widerstandsfähig, die Pulpa (Zahnmark) im Verhältnis aber groß. Bei diesen Gegebenheiten kann Karies schnell den Zahnnerv erreichen, was wiederum zu starken Schmerzen führen kann. Karies ist bei Kindern oft heller gefärbt, nicht so braun wie bei Erwachsenen, weshalb Eltern den Befall meist erst entdecken, wenn es schon zu spät ist.

Kinderzahnheilkunde - Wie unterscheidet sich die Kinderzahnheilkunde von der Erwachsenenzahnheilkunde?

Mit ungefähr sechs Jahren brechen die erste bleibenden Zähne durch, 15-Jährige besitzen in der Regel das komplette Gebiss mit 32 Zähnen, wobei zwischen 16 und 25 Jahren noch Weisheitszähne durchbrechen können.
 
Eine gute Vertrauensbasis ist der Grundstein für jede medizinische Behandlung, doch ein Kinderzahnarzt muss mit mehr Fingerspitzengefühl arbeiten. Die geistige Entwicklung der Kinder ist noch nicht abgeschlossen, oft sind sie ängstlicher, weniger kooperativ und zeigen weniger Geduld. Die Patienten unterscheiden sich auch untereinander stark in Hinblick auf ihre Entwicklungsstufen, das macht jeden Termin für den Zahnarzt viel individueller. Der Arzt muss zügiger arbeiten, gleichzeitig das Vertrauen der Kindern und Eltern gewinnen sowie alle Beteiligten für die Mundhygiene motivieren. Die Zusammenarbeit mit den Assistenten ist enger, schließlich müssen sie die Kinder ablenken und durch die Behandlung führen. Erwachsene brauchen in der Regel länger bei ihren Terminen, sie kooperieren aber besser, daher können die Termine strenger geplant werden.

Wie und ab wann können Kinderzähne am besten gepflegt werden?

Kinderzahnheilkunde - Wie und ab wann können Kinderzähne am besten gepflegt werden?

Sobald ein Zahn durchgebrochen ist, muss er schon gepflegt werden. Das Zahnen ist oft eine schmerzhafte Angelegenheit, die Babys sind unruhig, haben ein schlechtes Allgemeinempfinden oder vielleicht sogar etwas Fieber. Am besten üben die Eltern mit ihrem Baby die Mundhygiene in einem entspannten Ritual, noch bevor es soweit ist. Jeden Abend nach dem Baden oder dem Wickeln kann die Mutter dem Kind mit einem Fingerling den zahnlosen Gaumen massieren. Babyzahnbürsten, Beißringe und andere für Babys geeignete Materialien bieten sich ebenfalls dafür an, aber nur unter Aufsicht.
Ist der erste Zahn durchgebrochen, reicht es, ihn einmal täglich mit einer weichen Babyzahnbürste mit einem kleinen runden Bürstenkopf und weichen abgerundeten Borsten zu putzen. Die Reinigung mit einem Wattestäbchen wird nicht mehr empfohlen.

Alle zwei bis drei Monate sollte die Zahnbürste erneuert werden, wenn die Kinder viel darauf herumkauen, sollte dies früher geschehen. Solange Babys noch nicht ausspucken können, sollte keine Zahnpasta verwendet werden. Erst mit ungefähr sechs Monaten empfiehlt sich eine erbsengroße Menge Zahnpasta mit 500 ppm Fluorid, das entspricht 0,005 Prozent. Am besten jedoch keine fruchtig oder nach Süßigkeiten schmeckende Zahnpasta, da diese eher zum Verschlucken animieren. Das zweite tägliche Zähneputzen erfolgt nur mit Wasser, erst mit zwei Jahren wird zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta geputzt, dann auch schon mit 1000ppm Fluorid.
 
Kinder ahmen ihre Eltern nach, daher sollten die Eltern sie bei ihrer täglichen Mundhygiene teilhaben lassen. Zusätzlich gibt es eine große Auswahl an Bücher, die das Kind an das Thema heranführen. Dass Kinder sich selbst die Zähne putzen wollen, ist vollkommen in Ordnung und erwünscht, denn auch das Zähneputzen muss geübt werden. Allerdings sollten die Eltern bis zum ungefähr neunten Lebensjahr immer nachputzen und mit Zahnseide und Interdentalbürsten die Zwischenräume reinigen. Ein besonderes Augenmerk muss auf den ersten dauerhaften Backenzahn (6er Molare) gelegt werden, idealerweise wird er quer geputzt. Am leichtesten ist das Putzen, wenn die Kinder liegen, so haben die Eltern einen guten Zugang zu allen Zähnen und können den Mund weghalten, das Abhalten der Lippe muss nämlich auch erst gelernt werden. Anfangs erlernen die Kinder die Schrubbtechnik, danach mit mehr Fingerfertigkeit die Rotationstechnik. Können sie gut mit der Handzahnbürste umgehen, dann können sie eine elektrische Zahnbrüste verwenden, am besten nach der KAI Methode. Mit der Zahnbürste wird jeder Zahn abgefahren, zuerst die Kauflächen, dann die Außenflächen und schließlich die Innenflächen. Um den Putzerfolg zu überprüfen, gibt es auch einen Plaque-Test in Tablettenform. Die Kautablette wird gekaut und anschließend ausgespuckt. Die noch vorhandenen Beläge färben sich daraufhin beispielsweise lila und zeigen so an, wo noch besser geputzt werden sollte.

Nach dem Essen sollten mindestens 30 Minuten vergehen, bevor die Zähne geputzt werden. Saure und süße Lebensmittel demineralisieren die Zähne, sie lösen Calcium und Phosphor aus dem Zahnschmelz, der daraufhin weich wird. Es dauert eine Zeit bis der Speichel die Zähne wieder remineralisiert hat. Wird in dieser Zeit geputzt, schadet es dem Zahnschmelz und den Zähnen, denn dann sind die Mineralien verloren.

 

Neben dem Zähneputzen können auch einfache Verhaltensweisen der Eltern die Mundhygiene ihres Kindes unterstützen. Einen heruntergefallenen Schnuller sollten Eltern nicht abschlecken, sondern abwaschen, denn mit dem Speichel werden Kariesbakterien übertragen. Statt ein Fläschchen zu kosten, kann die Temperatur am Handrücken getestet werden, für Brei einfach einen eigenen Löffel verwenden.

Kinderzahnheilkunde - Nach dem Essen sollten mindestens 30 Minuten vergehen

Wann sollte ich mit meinem Kind zum Kinderzahnarzt?

Kinderzahnheilkunde - Wann sollte ich mit meinem Kind zum Kinderzahnarzt?

Bereits mit dem ersten durchgebrochenen Zahn sollte der Zahnarzt eine Kontrolle durchführen, spätestens aber ab dem zweiten Lebensjahr. Eine halbjährliche Kontrolle gilt als Standard, der Zahnarzt wird sie aber nach dem individuellen Kariesrisiko festlegen.
Früherkennung und Prävention sind gerade bei Milchzähnen von unschätzbaren Wert, denn wenn Beschwerden auftreten, ist es meist schon zu spät und der Zahn löchrig.

Wie kann ich meinem Kind die Angst vor dem Kinderzahnarzt nehmen?

Viele kleine Kinder sind von Natur aus ängstlicher und zurückhaltender, da kann ein Zahnarztbesuch ziemlich einschüchternd wirken. Hat das Kind noch Zahnschmerzen, die eine größere Behandlung notwendig machen, sind das keine guten Voraussetzungen. Diese schlechten Erfahrungen führen oft zu einer großen Angst vorm Zahnarzt, die bis in das Erwachsenenalter hinein anhält.
 
Je früher ein Zahnarzttermin stattfindet, desto leichter gewöhnen sich Kinder daran. Sind die Zähne gesund und das Kind beschwerdefrei, kann der Zahnarzttermin auch Spaß machen. Gerade der erste Termin erfordert Geduld und Zeit. Sehr kleine Patienten kommen am besten vormittags, da sind sie meist freundlicher gestimmt, während der Arzt die Termine für Schulkinder am Nachmittag ansetzt.
 
Die Kinderzahnarztpraxis ist ganz auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt, damit sie sich wohl fühlen. Große Wartebereiche mit großzügigem Spielzeug und fröhlich gestaltete Behandlungszimmer bieten eine gemütliche Atmosphäre. Natürlich müssen Zahnarzt wie Assistenten eine freundliche, empathische Art im Umgang mit Kindern und auch untereinander besitzen. Dabei müssen Gesichtsausdruck und Tonfall sowie die Bewegungen und Gesten zueinanderpassen, sonst fällt Kindern der Vertrauensaufbau schwer. Die Kinder stehen zu jeder Zeit im Mittelpunkt. Die Assistenten und Zahnärzte begrüßen die Kinder persönlich mit einer nach vorne gebeugten Haltung und holen sie ab. Wenn der Arzt das Kind nach dem Namen fragt, sollten die Eltern sich zurückhalten und auch die Kinder antworten lassen, selbst wenn es länger dauern sollte.

Kinderzahnheilkunde - Wie kann ich meinem Kind die Angst vor dem Kinderzahnarzt nehmen?

Bei sehr ängstlichen Kindern und Patienten, die bereits schlechte Erfahrungen beim Zahnarzt gemacht haben, bietet sich eine Desensibilisierungsbehandlung an. Mit der Tell-Show-Do-Methode führen die Zahnärzte die Kinder langsam und behutsam an das Thema heran. Der Zahnarzt erklärt den Ablauf kindgerecht und zeigt die Instrumente mit eigenen, weniger bedrohlich klingenden Namen. Puppen oder die eigenen Kuscheltiere dürfen zuerst behandelt werden. Einige Praxen lagern die Geräte nicht sichtbar, so können sie weder Angst machen noch die Neugier wecken und die Behandlung in die Länge ziehen. Einige Stühle sehen auch den Liegen beim Kinderarzt ähnlich, die sind zwar für den Rücken des Zahnarztes nicht ideal, sie bewegen sich aber auch nicht und erzeugen so keine Angst.
 
Der Zahnarzt versucht, die Kinder stets miteinzubeziehen, so gewinnt er langsam das Vertrauen der Kinder. Die Eltern stehen idealerweise im Hintergrund und schweigen, sonst werden die Kinder zu stark eingeschüchtert. Vielleicht ist am Schluss eine kleine Behandlung wie eine Reinigung möglich, doch ist sie nicht zwingend erforderlich. Ein erster Termin dient prinzipiell dem Vertrauensaufbau. Dessen sollten sich die Eltern bewusst sein und nicht zu enttäuscht reagieren, denn Druck fördert nur die Angst. Dennoch werden die Kinder für ihre Leistung am Schluss gelobt.

Ist es bereits zu spät und das Kind hat Schmerzen, ist eine Behandlung unumgänglich. Hier arbeiten die Ärzte viel mit Ablenkung, beispielsweise mit Bildschirmen oder Bildern an der Decke – so wird die Behandlung zur Nebensache.

 

Vor der Behandlung sollten Eltern ihre Kinder zwar aufklären, aber nicht so detailreich, sie kennen in der Regel ja die Namen der Geräte nicht. Untersuchungen zu verharmlosen ist genauso kontraproduktiv wie zu übertreiben. Geschenke zu versprechen ist auch nicht hilfreich, so lastet der Druck auf den Kindern, eine Art Leistung zu erbringen. Außerdem stärkt der Zahnarzt durch seine eigene Schatzkiste mit kleinen Geschenken die Vertrauensbasis nochmal.

Kinderzahnheilkunde - Ist es bereits zu spät und das Kind hat Schmerzen

Oft genug haben Kinder keine Lust sich die Zähne zu putzen, doch sollte der Zahnarzt nie als Drohung herhalten, denn so wird nur Angst erzeugt. Am besten gehen Eltern mit gutem Beispiel voran und nehmen ihre Kinder zu ihren eigenen Zahnarztterminen mit.

Was sind die Behandlungsbereiche der Kinderzahnheilkunde?

Kinderzahnheilkunde - Was sind die Behandlungsbereiche der Kinderzahnheilkunde?

Auch in der Kinderzahnheilkunde ist eine Anamnese wichtig, die Erfahrung der Eltern mit Karies sowie ihr Ernährungs- und Hygieneverhalten und die Fluoridnutzung geben dem Arzt eine Vorstellung über das Kariesrisiko des Patienten.

Die wichtigsten Aufgaben der Kinderzahnärzte sind die Prophylaxe und Prävention, deshalb sind frühzeitige Kontrollen auch so wichtig. Zentraler Bestandteil ist die Aufklärung und Motivierung der Eltern und später der Kinder. Neben Putzkontrollen und einer professionellen Zahnreinigung, bei der er die Zähne gründlich auch in den Zahnzwischenräumen reinigt, kann der Zahnarzt die Zähne auch versiegeln. Ist es schon zu spät dafür, behandelt der Zahnarzt Karies je nach individueller Situation mit Füllungen, Kronen oder einer Wurzelbehandlung. Auch bei Unfällen, bei denen Zähne ausgeschlagen oder gelockert werden, ist der Zahnarzt die richtige Ansprechperson, denn schließlich erfüllen die Milchzähne wichtige Funktionen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Früherkennung von Zahn- und Kieferfehlstellungen, um die Patienten gegebenenfalls an einen Kieferorthopäden zu verweisen.

Welche Möglichkeiten stehen einem Kinderzahnarzt bei Karies und Fehlstellungen zur Verfügung?

Es gibt verschiedene Behandlungsmethoden bei Karies und Fehlstellungen, die der Zahnarzt je nach der individuellen Situation bestimmt.

Kinderzahnheilkunde - Zahnversiegelung

Zahnversiegelung

Eine Zahnversiegelung ist eine gängige Behandlung zur Kariesprävention, aber auch befallene Zähne können davon profitieren, da sie ein weiteres Ausbreiten der Kariesbakterien verhindert.

 

Die Backenzähne und Vormahlzähne besitzen Höcker und Furchen, sogenannte Fissuren. Wie tief diese sind, ist individuell verschieden. In sehr tiefen Fissuren bleiben vermehrt Nahrungsreste stecken, da weder der Speichel noch die Zahnbürste sie gut fortspülen und entfernen können. Vor der Versiegelung werden die Zähne gründlich mit einer professionellen Zahnreinigung gereinigt. Anschließend findet eine Konditionierung mit Phosphorsäure statt, dann spült das Kind gut aus. Wenn der Zahn gut getrocknet ist, dann füllt der Zahnarzt einen dünnflüssigen Kunststoff auf Kompositbasis in den Zahn und härtet ihn mit einem Licht eines Polymerisationsgeräts aus. Nach einer Politur trägt der Zahnarzt noch ein fluoridhaltiges Gel oder Lack auf, das die Zähne remineralisiert. Die nächsten zwei bis vier Jahre sind die Zähne durch diese Schutzschicht vor Essensreste und Bakterien geschützt.


Kinderzahnheilkunde - Füllungen

Füllungen

Sind die Zähne bereits von Karies befallen, dann kann der Zahnarzt eine Zahnfüllung einsetzen. Früher waren Amalgamfüllungen sehr beliebt. Amalgam ist kostengünstig, widerstandsfähig und sieben bis acht Jahre haltbar. Eingesetzt wurde es aufgrund seines unästhetischen Aussehens nicht im sichtbaren Bereich, sondern bei den Backenzähnen mit dem höchsten Kaudruck. Das enthaltene Quecksilber ist sowohl für den Körper als auch bei der Entsorgung für die Umwelt schädlich, mittlerweile ist es für Schwangere und Kinder unter 15 Jahren verboten.

 

Heute benutzt der Zahnarzt vor allem zahnfarbene Kunststofffüllungen aus Komposite oder Kompomere. Diese halten sechs bis zehn Jahre und schonen beim Austauschen im Vergleich zu anderen Füllungen die Zahnsubstanz. Allerdings ist die Verwendung aufwendig und zeitintensiv, außerdem müssen die Kinder mitarbeiten. Ähnlich sind Füllungen aus Keramik, auch sie sind zahnfarben und sehr stabil und besitzen mit acht bis zehn Jahren eine lange Haltbarkeit. Noch länger halten Goldinlays mit zehn bis fünfzehn Jahren, sie werden aber nur sehr selten eingesetzt. Für Milchzähne, die bald ausfallen, benutzen Zahnärzte gerne Glasionomerzement. Er lässt sich wesentlich einfacher verarbeiten, ist mit seiner zweijährigen Haltbarkeit aber nur eine provisorische Lösung.


Kinderzahnheilkunde - Milchzahn-Endodontie

Milchzahn-Endodontie

Schreitet Karies unbehandelt fort, dann erreicht sie die Zahnpulpa und den Zahnnerv, was schlimme Schmerzen mit sich bringt. Da die Pulpa so groß ist, kann sich leicht etwas entzünden. In diesem Fall führt der Zahnarzt eine Wurzelbehandlung durch, mit dem Ziel, den Milchzahn als Platzhalter für die bleibenden Zähne bis zu ihrem Durchbruch zu erhalten. Entweder entfernt er den infizierten Teil in einer Pulpotomie oder das gesamte Zahnmark in einer Pulpektomie. Beide Eingriffe erfordern eine Lokalanästhesie.

 

Zuerst wird der Zahn eröffnet, dann wird der Zahnarzt den Nerv amputieren, entweder den oberen Teil, oder, sollte Karies schon zu weit fortgeschritten sein, den gesamten Nerv (Wurzelamputation). Zudem entfernt der Arzt das Gewebe der Zahnkrone und des Wurzelkanals, anschließend desinfiziert er es und füllt es mit einem selbstdesinfizierenden Mittel, bevor er es bakteriendicht verschließt. In einigen Fällen kann der Arzt auch eine Wurzelfüllung machen. Nach der Wurzelbehandlung ist der Zahn geschwächt, deshalb erhält er oft eine Krone.

Kinderzahnheilkunde - dann wird der Zahnarzt den Nerv amputieren

Kinderzahnheilkunde - Milchzahnkronen

Milchzahnkronen

Es gibt vorgefertigte Kronen aus Edelstahl, Keramik oder Komposit, sie erhalten nicht nur die normale Kaufunktion, sondern fungieren auch als Platzhalter für die dauerhaften Zähne.


Kinderzahnheilkunde - Zahnfehlstellungen

Zahnfehlstellungen

Ein wichtiger Teil der Kinderzahnheilkunde beschäftigt sich mit Zahnfehlstellungen und Kieferfehlstellungen (Dysgnathien). Der obere und untere Zahnbogen sollten ineinander passen und für einen korrekten Schluss der Zähne (Okklusion) sorgen.

 

Das Dauernuckeln an Saugern, Schnullern und Daumen, Zahnunfälle oder ein früher Milchzahnverlust – all das kann zu Zahnfehlstellungen führen und das Kiefer verformen. Es gibt eine Vielzahl von Fehlstellungen wie ein Unterbiss, Überbiss, offener Biss, ein angeborener Engstand der Zähne oder verlagerte Zähne, die mit einem zahnmedizinischen Gerät korrigiert werden. Meist geschieht das im Alter von zehn bis dreizehn Jahren mit herausnehmbaren oder festen zahnmedizinischen Apparaturen, auch vereinfacht als Zahnspangen bezeichnet. In diesem Alter ist der Eingriff aufgrund des Wachstums des Kiefers noch leicht möglich, Korrekturen bei Erwachsenen erfordern eine längere Behandlungsdauer und oft eine Operation. Der Zahnarzt wird bei Anzeichen einer Zahnfehlstellung die Eltern an einen Kieferorthopäden verweisen.


Was macht der Arzt bei einem Milchzahnunfall?

Immer wieder kommt es zu Unfällen, die die Zähne betreffen. Bei den bleibenden Zähnen stellt dies einen Notfall dar, das Kind sollte sofort mit dem verlorenen Zahn in einer Zahnrettungsbox zum Zahnarzt. Bei Milchzähnen ist der Zahnarztbesuch kein dringender Notfall, da der herausgebrochene Zahn nicht wieder eingesetzt wird. Ist ein Zahn locker oder verschoben, dann sollte die Kontrolle bis zum nächsten Tag erfolgen. Wenn der Zahn abgebrochen ist oder total ausgeschlagen ist, dann ist der Zahnarztbesuch innerhalb der nächsten drei Tage wichtig. Ausnahmen bilden längere Blutungen oder wenn das Kind nicht mehr zubeißen kann – dies gehört sofort kontrolliert.

Der Zahnarzt hat in der Regel zwei Möglichkeiten. Handelt es sich um eine kleine Schmelzfraktur, wird der Zahnarzt abwarten und weiche Kost empfehlen. Kooperiert das Kind, deckt er die Fraktur und Dentinwunde mit einem Glasionomerzement ab. Ist allerdings die Pulpa beteiligt, dann entfernt der Zahnarzt den Zahn, um Entzündungen zu vermeiden. Andere Behandlungen machen aufgrund der kurzen Lebensdauer der Zähne oft keinen Sinn. Wenn der Milchzahn verschoben ist, dann untersucht der Zahnarzt die Lage zum Zahnkeim des bleibenden Zahns. Der bleibende Zahn könnte Durchbruchstörungen entwickeln, wenn der Milchzahn zu weit verschoben wurde. Zeitweise verschiebt sich der Zahn wieder in seine ursprüngliche Position, dies bezeichnet der Arzt als Reeruption. Wird der Milchzahn durch den Unfall in das Knochenfach gedrückt (Intrusion), kann er den Zahnkeim verletzen.

Kinderzahnheilkunde - Was macht der Arzt bei einem Milchzahnunfall?

Wackelt ein Milchzahn aufgrund eines Unfalls, darf er als wichtiger Platzhalter nicht herausgebrochen werden. Bei einem wackelnden Zahn, der beginnt auszufallen, gilt dasselbe, denn das würde nur Schmerzen und Blutungen mit sich bringen. Die Kinder dürfen aber selbst an ihren Zähnen herumwackeln.

Wie erfolgt bei Kindern die Behandlung von Strukturanomalien der Zähne?

Strukturanomalien sind irreversible Störungen des Zahnschmelzes und Dentins. Zu den Strukturanomalien des Zahnschmelzes zählen unter anderem die Molaren-Inzisiven-Hypermineralisation (MIH) oder die Amelogenesis imperfecta. Eine MIH äußert sich in einer leichten Form mit Flecken, die sich gut von einer Fluorose und Karies unterscheiden lassen. Bei einer schweren MIH zerbröckeln und zerbröseln die Zähne regelrecht.
 
Die Amelogenesis imperfecta zeichnet sich ebenfalls durch braune Verfärbungen der Zähne aus, daneben besteht wie bei der MIH eine erhöhte Temperaturempfindlichkeit und ein erhöhtes Kariesrisiko. In leichten Fällen können die Backenzähne versiegelt werden, um das Kariesrisiko zu senken. Außerdem bietet sich eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung an, um Plaque zu entfernen und die Zähne zusätzlich mit Fluoridlack zu schützen. In einigen Fällen helfen noch Füllungen, meistens setzt der Zahnarzt aber Milchzahnkronen, bis mit den bleibenden Zähnen die endgültigen Kronen eingesetzt werden können. Eventuell entfernt der Zahnarzt bei einem Engstand betroffene Zähne, um für die Backenzähne Platz zu machen.

Welche Narkosemöglichkeiten gibt es in der Kinderzahnheilkunde?

Kinderzahnheilkunde - Welche Narkosemöglichkeiten gibt es in der Kinderzahnheilkunde?

Das gängigste Narkosemittel in der Kinderzahnheilkunde ist Lachgas. Das Kind atmet ein Gemisch von 50 Prozent Lachgas und Sauerstoff über eine Nasenmaske ein. Lachgas erhöht die Schmerztoleranz und Kooperationsbereitschaft und erzeugt eine Tiefenentspannung und Euphorie. Trotz allem bleiben die Kinder noch ansprechbar und können auch noch Filme schauen, um sie von der Behandlung abzulenken. Eine Alternative bei sehr kleinen Eingriffen wäre noch die Hypnose, bei der die Kinder auch ansprechbar bleiben.

Eine Oberflächenanästhesie ist ein flüssiges Betäubungsmittel, der Arzt trägt es auf die Schleimhaut auf. Der Arzt verwendet sie, um den Würgereflex bei einem Abdruck oder die Schmerzen der nachfolgenden Spritze mit der Lokalanästhesie auszuschalten. Außerdem reduziert eine Oberflächenanästhesie die Bissverletzungen an Lippen, Wange und Zunge, die nach einer lokalen Betäubung öfters auftreten.
 
Zu einer Lokalanästhesie zählen die Infiltrationsanästhesie, bei der der Zahn umspritzt wird, beziehungsweise die intraligamentären Anästhesie, wenn nur ein Zahn betäubt wird. Zusätzlich gibt es die Leitungsanästhesie, bei der die Nerven gezielt blockiert werden, wenn der Zahnarzt Eingriffe am Kiefer vornimmt. Wenn Kinder absolut nicht kooperieren, sehr klein sind oder ein sehr großer Handlungsbedarf besteht, dann bleibt oft nur eine Allgemeinanästhesie, eine Vollnarkose bei der das Kind beatmet werden muss.

Welche Faktoren begünstigen gesunde Zähne bei Kindern?

Kinderzahnheilkunde - Kariesbakterien vermehren sich besonders in Belägen aus Speiseresten & Speichel

Kariesbakterien vermehren sich besonders in Belägen aus Speiseresten & Speichel

Kinderzahnheilkunde - Zuckerreiche Ernährung begünstigt die Entstehung von Karies

Zuckerreiche Ernährung begünstigt die Entstehung von Karies

Kinderzahnheilkunde - Achtung bei vermeintlich gesunden Produkten aus der Werbung wie z.B.: Quetschies

Achtung bei vermeintlich gesunden Produkten aus der Werbung wie z.B.: Quetschies

Kinderzahnheilkunde - Zahnfehlstellungen durch den falschen Einsatz von Schnullern & Saugern beim Fläschchen

Zahnfehlstellungen durch den falschen Einsatz von Schnullern & Saugern beim Fläschchen

Karies entsteht durch ein Ungleichgewicht von Demineralisierung des Zahnschmelzes und dessen Remineralisierung. Unbehandelt können sich sogar andere Organe des Körpers schmerzhaft entzünden. Kariesbakterien verstoffwechseln Kohlehydrate (Zucker) zu Säuren, die den Zahnschmelz angreifen und ihn weich machen. Besonders gut vermehren sie sich in Belägen aus Speiseresten und Speichel. Deshalb ist die gründliche Zahnreinigung, unterstützt durch regelmäßige Zahnarztkontrollen mit einer professionellen Zahnreinigung unerlässlich.
 
Am besten beginnen sich werdende Eltern schon in der Schwangerschaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Eine zuckerreiche Ernährung begünstigt nicht nur die Entstehung von Karies, sondern beeinträchtigt die Gesundheit auf vielfältige Weise. Leider müssen sich Eltern vielfach selbst informieren, denn die Werbung suggeriert oft den gegenteiligen Eindruck. So sind Quetschies bei Weitem keine Obst- und Gemüsejause, sondern in Wirklichkeit eine Süßigkeit. Die fehlende Produkttransparenz der Hersteller müssen die Eltern durch eigene Recherche ausgleichen. Ähnlich verhält es sich mit Schnullern und Sauger beim Fläschchen. Ihr Einsatz sollte gut überlegt und sorgsam sein, um keine Zahnfehlstellungen zu riskieren.

Welche Ernährung wirkt sich positiv auf die Zahngesundheit von Kindern aus?

Kinderzahnheilkunde - Welche Ernährung wirkt sich positiv auf die Zahngesundheit von Kindern aus?

Dass Zucker schlecht für die Zähne ist, wissen viele Eltern. Wo überall Zucker drinnen ist, ist vielen jedoch nicht bewusst. In Fertiggerichten, Saucen, Ketchup, Müsliriegeln, Leberwurst, Salami, Chips und Wasser mit Geschmack steckt mehr Zucker als vermutet. Die laut Hersteller zuckerfreien Lebensmittel beinhalten in der Regel keinen Kristallzucker, während Fructose (Fruchtzucker), Glukose (Traubenzucker) oder Maltose (Malzzucker) enthalten sein können. Mittlerweile gibt es eine internationale Marke, die Lebensmittel mit weniger Zucker kennzeichnet. Als Ersatz für Zucker können Erythrit, Xylit, Stevia und zum Beispiel Kokosblütenzucker verwendet werden, die meist eine ähnliche oder größere Süße aber weniger Kalorien und mehr Nährstoffe besitzen.

Normale Naschereien dürfen auch sein, dann aber nur einmal am Tag nach dem Essen und nicht öfters. Bei jedem Essen werden die Zähne demineralisiert, bei mehreren Mahlzeiten am Tag fehlt den Zähnen die notwendige Verschnaufpause zur Remineralisierung. Nach den Süßigkeiten sollten die Kinder ein Glas Wasser trinken, eine halbe Stunde später können sie auch die Zähne putzen. Zum Essen darf es auch ein Fruchtsaft sein, idealerweise eine Mischung aus einem Drittel Saft und zwei Dritteln Wasser. Nachts sollte außer Wasser nichts getrunken und gegessen werden. Auf Limonade und Cola sollten Kinder lieber ganz verzichten. Viele Lebensmittel wie Bonbons, Essig und Energydrinks schaden ebenfalls den Zähnen.
 
Frisches Obst hingegen gehört zu einer ausgewogenen Ernährung dazu, genauso wie Gemüse, Kartoffeln, Vollkorngetreide und Milcherzeugnisse. Langkettige Zuckermoleküle können von den Kariesbakterien schlechter verarbeitet werden und machen länger satt, diese dürfen auf dem Speiseplan stehen. Karotten und Sellerie befreien sogar von Zahnstein. Wichtig sind eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen A,C,D,E und K sowie Biotin, Folsäure, Fluorid und Calcium, das in Nüssen, Mandeln, Sesam, Käse und Milchprodukten steckt. Polyphenole verlangsamen den Stoffwechsel der Kariesbakterien, sie sind zum Beispiel in roten Weintrauben enthalten. Grüner Tee wirkt sogar antibakteriell.

Kinderzahnheilkunde - Welche Rolle spielt Fluorid in der Kinderzahnheilkunde?

Welche Rolle spielt Fluorid in der Kinderzahnheilkunde?

Obwohl sich der Zuckerkonsum in den letzten Jahren nicht reduziert hat, sind immer weniger Kinder von Karies betroffen. Ärzte führen das auf Fluorid zurück, das Salz, Trinkwasser und Zahnpasta zugesetzt wird. Fluorid hemmt die Demineralisierung und fördert die Remineralisierung des Zahnschmelzes. Neben dem pH-Wert ist die Calcium-/Phosphorkonzentration entscheidend. Fluorid verbindet sich mit Calcium, das sich auf porösen Oberflächen ablagert. Bei einem sauren pH-Wert zerfällt diese Verbindung und es lagert sich im Kristallgitter des Zahnschmelzes ab.
 
Zusätzlich hemmt Fluorid die Mundbakterien und die Bildung von Plaque, bei Zahnschäden kann es für einen Stillstand sorgen. Der Zahnarzt entscheidet über eine zusätzliche Fluoridgabe je nach Kariesrisiko und Essverhalten. Fluorid wird auch über die Nahrung aufgenommen, da kann es bei einer regelmäßigen Einnahme zu einer Überdosis und einer Schädigung der Zähne mit weißen bis braunen Flecken, einer sogenannten Fluorose kommen.
 
Fluorid kommt in vielen Zahnpflegeprodukten wie Fluoridtabletten oder speziellen Fluoridlacken vor. Der Vorteil liegt darin, dass der Lack nicht verschluckt werden kann und der Zahnarzt ihn punktgenau aufpinselt, wo Fluorid benötigt wird. Wird Fluorid geschluckt, wie Kinder es gerne mit Zahnpasta machen, dann wirkt es zwar systemisch, kommt aber kaum bis gar nicht an die Zähne. Deshalb raten Zahnärzte mittlerweile von Fluoridtabletten ab. Ausnahmen sind Lutschtabletten, durch das langsame Lutschen wird der Fluorid an die Zähne abgeben. Bei all den guten Eigenschaften von Fluorid, bewahrt es alleine aber nicht vor Karies, die tägliche Zahnpflege muss trotzdem sein.

Wie wirken sich Schnuller und Sauger auf die Zahngesundheit meines Kindes aus?

Kinderzahnheilkunde - Wie wirken sich Schnuller und Sauger auf die Zahngesundheit meines Kindes aus?

Obwohl die Zahl an Kindern, die an Karies erkranken, sinkt, steigen die Fälle vom sogenannten Nuckelflaschenkaries (Nursing-Bottle-Syndrom). Dieser stellt ein besonderes Problem dar, die Kinder sind noch sehr klein und unkooperativ, die Zerstörung, angefangen bei den Schneidezähnen, aber recht groß. Oft bleibt dem Arzt nur eine Vollnarkose, um die Kinder behandeln zu können.

Babys besitzen ein natürliches Saugbedürfnis, es beruhigt sie und schüttet Endorphine aus. Deshalb greifen viele Eltern zu einem Schnuller oder überlassen dem Kind in der Nacht ein Fläschchen. Schädlich ist ein Fläschchen, wenn es als Zwischenmahlzeit, nicht aufgrund von Hunger oder Durst, Einschlafhilfe und in den nächtlichen Wachphasen genutzt wird. Richtig problematisch sind gesüßter Tee oder Fruchtsäfte in der Flasche, diese erhöhen das Risiko von Frühkaries erheblich. Unschädliche gesunde Durstlöscher sind Wasser, Mineralwasser und ungezuckerter Tee.
 
Entgegen der landläufigen Meinung muss die Trinköffnung der Flasche nicht vergrößert werden, sonst kommt es zu Schluckbeschwerden. Kinder halten die zu große Öffnung entweder mit der Zunge zu oder sie lassen den Inhalt einfach den Hals hinunterlaufen ohne zu schlucken. Damit entwickelt sich die Mundmuskulatur nicht richtig, es kommt zu Zahnfehlstellungen. Ab dem Alter von sieben Monaten können Kinder aus einer Tasse statt aus einem Fläschchen trinken, ab dem dritten Lebensjahr brauchen die Kinder gar kein Fläschchen mehr.

Ein Schnuller oder das Daumenlutschen wirken sich ähnlich schlecht auf die Kieferentwicklung aus. Mit dem Schnuller oder dem Daumen werden die vorderen Zähne nach vorne gedrückt, während die hinteren Zähne nach hinten gedrückt werden. Zusätzlich wird die Zunge behindert, diese liegt in Ruhe am oberen Gaumen hinter den Zähnen. Dadurch entwickeln die Kinder häufiger Sprachstörungen wie Lispeln. Je länger und öfter die Kinder am Schnuller oder Daumen nuckeln, desto höher ist das Risiko, dass sich das Hart- und Weichgewebe verformt und es zu Kieferdeformationen und Zahnfehlstellungen kommt. Mit spätestens vier Jahren sollte der Schnuller abgewöhnt werden. Das Daumenlutschen kann mit bitterschmeckende Tinkturen, die vor dem Schlafengehen aufgetragen werden, unterbunden werden. Um den Kindern die Trennung vom Schnuller zu erleichtern, gibt es auch zu diesem Thema eine große Auswahl an Büchern.

Kinderzahnheilkunde - Ein Schnuller oder das Daumenlutschen wirken sich ähnlich schlecht auf die Kieferentwicklung aus.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Leistungen der Kinderzahnheilkunde?

Kinderzahnheilkunde - Kosten

Mittlerweile gehören viele Behandlungen der Kinderzahnheilkunde zu den Kassenleistungen. So übernimmt die Krankenkasse zwischen dem sechsten und 34. Lebensmonat Fluoridierungen und die Versiegelung der Zähne. Kontrollbesuche der Kinderprophylaxe und Putzkontrolle sowie Früherkennungsuntersuchungen werden wie auch der Großteil der kieferorthopädischen Maßnahmen ebenfalls vom Versicherungsträger bezahlt. Ausnahmen sind Desensibilisierungsbehandlungen und Füllungen aus Kunststoff und Keramik, dafür müssen die Eltern selbst bezahlen.


Über den Autor: Dr. Florian Lanza

Assistenzarzt auf der Universitätszahnklink in Wien


Dr. Florian Lanza ist als Assistenzarzt auf der Universitätszahnklink in Wien tätig und unterstützt MOOCI seit August 2019 als medizinischer Experte für den Bereich der Zahnmedizin.

Neben der konservierenden und ästhetischen Zahnheilkunde bildet er mit Begeisterung die nächste Generation an Zahnärzten aus.

Sein Anliegen ist es, dass mit der Aufklärungs- und Informationsarbeit bei MOOCI dazu beigetragen wird den Patienten absolute Transparenz zu bieten.

Du hast Fragen?

Wir helfen Dir gerne weiter.

AUF EINEN BLICK

Dauer Dauer

Je nach Behandlungsmethode

Ausfallzeit Ausfallzeit

Je nach Behandlungsmethode

Stationärer Aufenthalt Stationär

Je nach Behandlungsmethode

Top Ärzt*innen auf diesem Fachgebiet

Wichtige Punkte zusammengefasst

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Kinderzahnheilkunde beschäftigt sich mit der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde bei Kindern, von der Geburt bis zur Pubertät.


Sobald das erste Zähnchen durchgebrochen ist, gehört es geputzt und von einem Zahnarzt kontrolliert. Je besser die Mundhygiene und je früher die Zahnarztbesuche, desto stressfreier sind sie. Dann entwickelt sich erst keine Angst vorm Zahnarzt.


Milchzähne übernehmen wichtige Funktionen bei der Entwicklung der Sprache, des Kiefers und des bleibenden Gebisses. Daher wird der Arzt im Falle von Karies mit Füllungen, Kronen oder Wurzelbehandlungen die Milchzähne als Platzhalter erhalten.


Fluorid schützt die Zähne, genauso wichtig ist eine gründliche Zahnreinigung und zuckerreduzierte Ernährung. Schnuller und Sauger erhöhen nicht nur das Risiko von Karies, sondern auch von Zahn- und Kieferfehlstellungen.

Ärzt*innen in Deiner Umgebung finden

Standort
    Mehr laden
    Frage an MOOCI

    Du hast Fragen zu diesem Thema?

    • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.

    Die Experten bei MOOCI beantworten Deine Fragen!

    Frage an die MOOCI Experten stellen

    Experten bei MOOCI

    Schritt 1 von 2

    Frage an MOOCI Experten stellen

    Stelle hier Deine Frage!