Kinderzahnheilkunde

In der Kinderzahnheilkunde dreht sich alles um die Prävention und Zahnbehandlung des Kindergebisses. Viele glauben, Milchzähne bräuchten keine besondere Pflege, weil sie ohnehin ausfallen. Das ist jedoch ein großer Irrtum. Die Milchzähne haben einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Kiefers und der Zahngesundheit im Erwachsenenalter. Karies-Erreger können sich von den Milchzähnen auf die bleibenden Zähne übertragen. Ebenso kann es zu Zahnfehlstellungen kommen, wenn die Milchzähne zu früh verloren werden, denn sie dienen als Platzhalter im Kindergebiss.


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Zuletzt aktualisiert: 20. März, 2020



Wie unterscheiden sich Kinderzähne von den Zähnen von Erwachsenen?

Der wesentlichste Unterschied zwischen Kinderzähnen und Zähnen von Erwachsenen ist, dass das Gebiss von Kindern bis ins Jugendalter wächst. Für die Behandlung von Kindern gibt es andere Behandlungskonzepte, als für die Behandlung von Erwachsenen. Dabei berücksichtigt der Arzt die unterschiedlichen psychologischen Begleitumstände, sowie die geistige Entwicklung des Kindes.
 

Der wesentlichste Unterschied zwischen Kinderzähnen und Zähnen von Erwachsenen ist, dass das Gebiss von Kindern bis ins Jugendalter wächst
 

Wann kommt welcher Zahn?

Bevor die Zähne aus dem Zahnfleisch blicken, bereitet sich der Körper schon darauf vor. Die Zähne wachsen oberhalb der Milchzahnwurzel im Kieferknochen. Beim ersten Backenzahn beginnt dieser Prozess bereits bei der Geburt. Sichtbar wird er allerdings erst etwa im Alter von sechs Jahren. Bis zum Alter von acht Jahren kommen die mittleren Schneidezähne zum Vorschein. Üblicherweise erfolgt der Wechsel den Milchzähnen zu den bleibenden Zähnen zuerst in der unteren Reihe der Schneidezähne und dann in der oberen Reihe.
 
Im Alter von acht bis neun Jahren wechseln die seitlichen Schneidezähne. Bis zum elften Lebensjahr erfolgt der Wechsel der Eckzähne im Unterkiefer. Von zehn bis zwölf folgt der erste Backenzahn, von elf bis 13 der Eckzahn im Oberkiefer sowie der zweite Backenzahn. Von zwölf bis 14 wächst der zweite große Backenzahn. Und im Alter von 17 bis 30 Jahren wächst schließlich der dritte Backenzahn, der auch als Weisheitszahn bekannt ist.

Wie läuft der Zahnwechsel ab?

Der Wechsel von den Milchzähnen zu den bleibenden Zähnen erstreckt sich vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr. Meist unbemerkt bricht im Alter von etwa sechs Jahren der erste bleibende Backenzahn durch. Grundsätzlich verläuft der Zahnwechsel in zwei Phasen. Zwischen dem sechsten und dem achten Lebensjahr wächst der erste bleibende Backenzahn, gefolgt von den Schneidezähnen. Danach folgt eine Pause von etwa einem bis zwei Jahren.
 
Die zweite Phase des Zahnwechsels ist gekennzeichnet vom Wachsen der zweiten Backenzähne und dem Wechsel der übrigen Zähne. Im Normalfall ist der Zahnwechsel im Alter von etwa 14 Jahren abgeschlossen.

Was sind die Behandlungsbereiche der Kinderzahnheilkunde?

Behandlungen im Mund-, Rachen- und Kieferbereich von Kindern und Jugendlichen sind Teil der Kinderzahnheilkunde. Einerseits sind Vorsorgeuntersuchungen ein wichtiger Grundpfeiler, es gibt aber auch vielfältige Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Zähne. Dazu zählen beispielsweise die Prophylaxe von Karies durch Fluorid, die Therapie von Karies aber auch die Behandlung von Fehlstellungen der Zähne.
 
Einerseits sind Vorsorgeuntersuchungen ein wichtiger Grundpfeiler, es gibt aber auch vielfältige Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Zähne
 

Wie und ab wann können Kinderzähne am besten gepflegt werden?

Im Idealfall beginnt die Zahnpflege sofort nach dem Zahnen des Kindes. Also ab dem Zeitpunkt wo die ersten Zähne sichtbar werden. Es gibt spezielle Zahnpasten für Kinder, bei denen die Inhaltsstoffe auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt sind. Ein Verschlucken der Zahnpasta bleibt außerdem ohne Folgen. Ebenso stehen spezielle Zahnbürsten für Kinder zur Verfügung.
 
Spätestens mit der Vollendung des zweiten Lebensjahres sollten Kinder zweimal täglich ihre Zähne putzen. Das Putzen sollte von den Eltern mindestens bis ins Schulalter überwacht werden. Bringe Deinem Kind bei, wie es seine Zähne putzen soll. Eine mögliche Technik ist die KAI-Methode. Dabei putzt Du zuerst die Kauflächen, gefolgt von den Außenseiten und schließlich den Innenseiten der Zähne. Milchzähne sind nicht so widerstandsfähig wie die bleibenden Zähne. Es ist daher besonders wichtig diese gründlich zu Putzen, um die Entstehung von Karies zu verhindern.

Wann sollte ein Kind zum ersten Mal zum Zahnarzt?

Nach dem zweiten Geburtstag wird auch der erste Besuch beim Zahnarzt fällig. Wie bei Erwachsenen auch, sollten Kinder etwa alle 6 Monate zum Zahnarzt gehen. Auch wenn alle Zähne gesund erscheinen, solltest Du Dein Kind regelmäßig zum Zahnarzt bringen. Einerseits können mögliche Probleme so früh erkannt werden. Andererseits hat das Kind dadurch die Chance ein Vertrauen zum Zahnarzt aufzubauen und sich an die fremde Person zu gewöhnen. Wenn später eine Behandlung nötig ist, kann diese Vertrautheit sehr hilfreich sein.

Wie nimmt man dem Kind die Angst vor dem Zahnarzt?

Eine angeborene Angst vor dem Zahnarzt gibt es nicht, sondern entsteht. Sie kann sich von den Eltern auf das Kind übertragen, wenn diese selbst große Angst vorm Zahnarzt haben. Aber auch, wenn sie ihrem Kind beispielsweise damit drohen, es zum Zahnarzt zu bringen, wenn es seine Zähne nicht putzt, kann sich eine Phobie vor dem Zahnarzt entwickeln.
 
Bringe Dein Kind möglichst früh zum Zahnarzt. Ärzte empfehlen den ersten Besuch ab dem zweiten Lebensjahr. Wenn Du Dein Kind zum Kontrolltermin zum Zahnarzt bringst, bekommt es außerdem die Chance auf ein positives Erlebnis und darauf ein Vertrauen zum Zahnarzt aufzubauen. Dieses Vertrauen ist extrem hilfreich, sofern es doch einmal Probleme mit den Zähnen gibt. Zögere den ersten Besuch nicht hinaus, bis Dein Kind Schmerzen hat.
 
Wie bei Erwachsenen auch, sollten Kinder etwa alle 6 Monate zum Zahnarzt gehen
 

Was bedeutet die Diagnose Karies für das Kind?

Kranke Milchzähne haben negative Folgen für die später nachkommenden bleibenden Zähne. Es kann zu Zahnfehlstellungen kommen. Ein Kariesbefall bei Kindern gehen außerdem mit starken Schmerzen und Entzündungen einher. Das kann das gesamte Immunsystem des Kindes negativ beeinflussen.

Was kann man aktiv gegen Karies tun?

Karies ist eine Infektionskrankheit. Kinder stecken sich damit an, meist bei ihren Eltern. Obwohl Babys noch keine Zähne haben, erfolgt die Infektion meist schon im Babyalter. Eltern schlecken den Schnuller, den Löffel oder das Saugende der Trinkflasche ab und stecken so ihr Kind an. Ab etwa einem Jahr solltest Du Deinem Kind beibringen aus einer Tasse zu trinken.
 
Du solltest Deinem Kind auch keine gesüßten Getränke oder Fruchtsäfte geben, da Zucker die Entstehung von Karies begünstigt. Nach dem Zähneputzen am Abend sollte das Kind nur noch Wasser trinken. Süßigkeiten ganz zu vermeiden ist keine gute Lösung, aber es gibt Süßigkeiten die zwar süß schmecken und dennoch zahnfreundlich sind. Diese erkennst Du beispielsweise daran, dass auf der Verpackung ein Zahnmännchen aufgedruckt ist.
 
Achte darauf, dass Dein Kind nicht über den ganzen Tag verteilt nascht. Besser ist es nur einmal täglich Süßwaren zu essen und danach die Zähne ordentlich zu reinigen. Auch Süßes aus dem Bio-Supermarkt, das Rohr- oder Fruchtzucker enthält, ist schädlich für die Zähne. Sei ein gutes Vorbild für Dein Kind und putze Deine Zähne morgens und abends. So motivierst Du Dein Kind, das nachzumachen.

Wie werden Karies und Zahnfehlstellungen behandelt?

Die Art der Behandlung richtet sich danach, wie stark die Zähne durch den Kariesbefall zerstört wurden. Zur Auswahl stehen Kompositfüllungen, die zahnfarben und daher nicht sichtbar sind. Sie haben eine Haltbarkeit von fünf bis zehn Jahren. Zur provisorischen Versorgung eignet sich glasionomer Zement. Er gibt Fluorid an den Zahn ab, hat jedoch nur eine Haltbarkeit von einem Jahr.
 
Sind die Zähne stark zerstört, ist eine Milchzahnkrone oft die einzige Möglichkeit zur Erhaltung des Zahns. Der Arzt befestigt die Krone mit Zement am Milchzahn. Dort verbleibt sie bis dieser herausfällt. Amalgamfüllungen sollten bei Kindern unter sechs Jahren, sowie bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht verwendet werden. Zahnfehlstellungen werden mit verschiedenen Formen von Zahnspangen korrigiert.
 
Zähneputzen ist bereits ab dem ersten Zahn wichtig
 

Welche Faktoren begünstigen gesunde Zähne?

Eine gute Mundhygiene ist ein wesentlicher Grundpfeiler für die Gesunderhaltung der Zähne. Sobald die Zähne durchgebrochen sind, solltest Du damit beginnen Deinem Kind beizubringen, wie es seine Zähne putzt. Achte bei der Auswahl von Zahnbürste und Zahnpasta auf die Altersangaben auf der Verpackung. Nachdem Dein Kind fertig geputzt hat, solltest Du das Ergebnis kontrollieren und gegebenenfalls nachputzen.
 
Präventivmaßnahmen zur Vorbeugung von Karies sind das Fluoridieren der Zähne sowie die Versiegelung der Fissuren. Dafür reinigt der Zahnarzt die Zähne zuerst gründlich und raut anschließend die Kauflächen mit einem Säuregel auf. Danach gießt er dünnflüssigen Kunststoff auf und härtet diesen mit Licht aus.

Welche Anästhesieformen werden in der Kinderzahnheilkunde verwendet?

Eine Möglichkeit um das Kind zu beruhigen ist Kinderhypnose. Dabei schickt der behandelnde Arzt das Kind mithilfe bestimmter Techniken in eine Fantasiewelt. Ein Trancezustand wird erreicht und die Behandlung wird vom Kind nebensächlich wahrgenommen. Eine weitere Möglichkeit ist die Verabreichung von Lachgas über eine Gesichtsmaske. Es entsteht ein Gefühl von Geborgenheit und Entspannung. Ebenso reduziert Lachgas das Schmerzempfinden.
 
Ist die notwendige Behandlung mit Schmerzen verbunden, kann eine Lokalanästhesie zum Einsatz kommen. Das ist zum Beispiel beim Präparieren im Zahnbereich, dem Anlegen von Matrizen oder auch beim Herausnehmen von Zähnen der Fall.
 
Ist eine etwas größere Behandlung nötig, ist auch die Sedierung eine Option. Sie kommt bei konservierenden Behandlungen von zwei bis drei Zähnen zum Einsatz. Dabei dämpft der Arzt das zentrale Nervensystem durch die Verabreichung von Psychopharmaka, um einen Dämmerzustand zu erreichen. Bei größeren Behandlungen ist auch eine Vollnarkose eine Möglichkeit. Auch bei Kleinkindern mit besonders großer Angst vor der Zahnarztbehandlung, sowie bei geistig oder körperlich behinderten Kindern stellt die Vollnarkose eine Alternative dar.

Inwiefern begünstigen Schnuller und Saugen Zahnfehlstellungen und Kieferdeformationen?

Dauerhaftes Saugen und Nuckeln am Schnuller oder an der Trinkflasche beeinträchtigen die Zahngesundheit. Grundsätzlich ist ein Schnuller aber nicht schädlich für das Kindergebiss. Bei übermäßigem Gebrauch kann es aber zu Zahnfehlstellungen kommen. Mit etwa zwei bis spätestens drei Jahren sollte die Entwöhnung vom Schnuller starten.
 
Dauerhaftes Saugen und Nuckeln am Schnuller oder an der Trinkflasche beeinträchtigen die Zahngesundheit
 

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen üblicherweise zumindest einen Teil der Kosten für die zahnärztliche Behandlung von Kindern. Die Kostenübernahme ist abhängig von der Notwendigkeit und der Art der erforderlichen Behandlung. Nähere Informationen dazu erhältst Du von Deinem behandelnden Arzt oder direkt bei der Krankenkasse.


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Dr. med. univ. et med. dent. Babette B. Habitzl

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Fachärztin für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Perfektastraße 40/4 , Wien

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Dr. med. dent. Jörg Hannesschläger

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Das Wichtigste zusammengefasst

Die Gesunderhaltung der Milchzähne ist wichtig, da im Kindesalter die Basis für ein gesundes Gebiss im Erwachsenenalter gelegt wird


Ab dem zweiten Lebensjahr solltest Du die Zähne Deines Kindes regelmäßig reinigen und das Zähneputzen beibringen


Der erste Besuch beim Zahnarzt sollte nach dem zweiten Geburtstag erfolgen. So kann Dein Kind Vertrauen zum Zahnarzt aufbauen


Damit Du Dein Kind nicht mit Karies ansteckst, solltest Du darauf verzichten, Löffel oder Schnuller Deines Kindes abzuschlecken

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