Vitiligo (Weißfleckenkrankheit)

Bei Vitiligo handelt es sich um eine ungefährliche, nicht ansteckende Hauterkrankung, die vor allem bei jungen Menschen vor dem 20. Lebensjahr auftritt. Die Krankheit beruht auf einer Pigmentstörung, die zu weißen pigmentfreien Hautflecken am ganzen Körper führt. Rund 1,5 Millionen Menschen sind im mitteleuropäischen Raum davon betroffen. Eine vollständige Heilung gibt es bislang nicht. Lediglich ein Fortschreiten der Krankheit kann mit der richtigen Behandlung verhindert werden. Vitiligo ist nicht schmerzhaft, viele Betroffene leiden aber unter der psychischen Belastung.


AUTOR

Medizinische Expertin

CO-AUTOR

Online-Redaktion

Dieser Text wurde nach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst und von Medizinern geprüft.


Zuletzt aktualisiert: 26. Februar, 2020



Was versteht die Medizin unter der Vitiligo?

Als Ursache der Vitiligo vermutet man in der Medizin eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Pigmentzellen der Haut (Melanozyten) angreift und zerstört. Insbesondere im Gesicht und an Händen und Füßen entstehen plötzlich weiße Flecken. Deshalb heißt Vitiligo oftmals auch Weißfleckenkrankheit. Betroffene haben keine Schmerzen, leiden aber an den psychischen Folgen der Krankheit. Bis heute konnte nicht eindeutig festgestellt werden, wie es zu dieser Erkrankung kommt.
 
Die Medizin geht von genetischen Faktoren aus, da häufig auch Familienmitglieder von der Krankheit betroffen sind. Eine dauerhafte Rückfärbung der Haut ist bis dato nicht möglich, jedoch kann die Ausbreitung der Flecken auf den restlichen Körper durch geeignete Therapien verhindert werden. Betroffene sollten ihr Immunsystem stärken, auf eine gesunde Ernährung achten und die Sonne meiden.

Als Ursache der Vitiligo vermutet man in der Medizin eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Pigmentzellen der Haut (Melanozyten) angreift und zerstört

Welche Formen von Vitiligo gibt es?

Anhand der Ausdehnung und der Lage der weißen Flecken unterscheiden Mediziner drei verschiedene Formen der Vitiligo:
 
Lokale Vitiligo
 
Hierbei treten nur auf vereinzelten Körperstellen weiße Flecken auf. Sie entstehen innerhalb weniger Monate, breitet sich aber nicht weiter aus.
 
Generalisierte Vitiligo
 
Die häufigste Form der Vitiligo verläuft meist symmetrisch, wobei die Flecken großflächig an mehreren Körperstellen auftreten und die Anzahl der Flecken stetig zunimmt. Der Krankheitsverlauf kann dabei nicht vorhergesagt werden. Oft stehen andere Autoimmunerkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen mit dieser Form in Verbindung. Bei der generalisierten Vitiligo lässt sich zwischen der Vitiligo vulgaris und der Vitiligo acrofacialis unterscheiden. Bei Ersterer sind beide Körperhälften betroffen, bei der zweiten Form Gesicht, Hände und Füße.
 
Universelle Vitiligo
 
Bei der universellen Vitiligo sind über 80 Prozent der Körperoberfläche entfärbt. Damit ist diese Form die schwerste.
 
Eine weitere Unterscheidung findet in der Medizin aufgrund des Zeitpunktes des ersten Auftretens der Symptome statt:
 
Typ 1 Vitiligo
 
Diese Form tritt schon im Kindesalter auf, ist aber eher selten. Betroffene leiden häufig zusätzlich an Neurodermitis, haben viele Muttermale und stellenweise graue Haare.
 
Typ 2 Vitiligo
 
Diese Form beginnt nach der Pubertät und tritt bei etwa 85 Prozent aller Fälle von Vitiligo auf.

Wie sehen die Symptome der Vitiligo aus?

Typische Symptome der Vitiligo sind die plötzlich auftretenden weißen Flecken auf der Haut, die vorrangig an sonnenexponierten Stellen wie dem Gesicht oder den Händen sowie im Genitalbereich entstehen. Sie haben einen Durchmesser von einigen Millimetern bis Zentimetern und sind rund oder oval, können aber auch ineinander übergehen und sogenannte Herde bilden. Meist bleiben Betroffene ansonsten symptomlos, sehr selten kann ein Juckreiz entstehen.

Typische Symptome der Vitiligo sind die plötzlich auftretenden weißen Flecken auf der Haut

Häufig tritt die Weißfleckenkrankheit im Zusammenhang mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen (Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow), Diabetes mellitus Typ I oder kreisrundem Haarausfall auf, was eine Fehlreaktion des Immunsystems nahelegt, die zu einer Zerstörung der körpereigenen Pigmentzellen führt. Auch Störungen des Gehörs können begleitend auftreten.

Welche Ursachen hat die Vitiligo?

In der Medizin herrschen bisher verschiedene Hypothesen über die Ursache von Vitiligo vor. Spezialisten gehen davon aus, dass viele Faktoren zusammenspielen:
 
Genetische Veranlagung
 
Oft lässt sich eine familiäre Häufung beobachtet, was auf einen genetischen Ursprung schließen lässt. Dabei kommt es durch veränderte Enzyme zu einer Störung der Pigmentproduktion.
 
Autoimmunologische Prozesse
 
Häufig tritt die Weißfleckenkrankheit gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus, Erkrankungen der Schilddrüse und Lupus erythematosus, einer rheumatischen Erkrankung, auf.
 
Veränderungen des Nervensystems/psychische Faktoren
 
Die Annahme ist, dass der Körper aufgrund von Stress und innerer Unruhe selbstschädigende Stoffe produziert, die die Pigmentstruktur aus dem Gleichgewicht bringt.
 

  • Sonnenbrände und lokale Hautreizungen
  • Toxische Radikale: Aggressive Umweltschadstoff-Moleküle wie Wasserstoffperoxid lösen die Krankheit aus.

Welche Körperstellen sind besonders betroffen?

Die weißen Flecken entstehen meist symmetrisch, das heißt auf beiden Körperhälften. Es kann aber auch zu einem nicht-symmetrischen Verlauf auf nur einer Körperseite kommen. Grundsätzlich kann der gesamte Körper von Vitiligo betroffen sein. Am häufigsten jedoch tritt es an sonnenexponierte Stellen wie dem Gesicht, Hände und Füße auf. Im Gesicht entstehen die Flecken vorrangig um die Augen, auf den Augenlidern und um den Mund herum. Weitere beliebte Stellen sind die Ellenbogen, die Knie, Arme, die Gesäßfalte und der Genitalbereich oder die Schleimhäute. Auch die Haare, die an den betroffenen Stellen wachsen, können sich weiß färben. Selten können weiße Flecken auch am Innenohr beobachtet werden.

Am häufigsten jedoch tritt es an sonnenexponierte Stellen wie dem Gesicht, Hände und Füße auf

Wie diagnostiziert der Arzt die Vitiligo?

Wenn an Deinem Körper plötzlich weiße Stellen auftauchen, solltest Du einen Hautarzt konsultieren. Der Arzt führt zunächst ein ausführliches Anamnesegespräch mit Dir durch und Dich danach körperlich untersuchen, um andere Krankheiten auszuschließen. Er schaut dabei die betroffenen Stellen genau an und fotografiert diese eventuell ab, damit er den Verlauf dokumentieren kann. Dann betrachtet er die weißen Hautflecken mit einer speziellen UV-Lampe, dem sogenannten Wood-Licht, in dem die betroffenen Stellen weiß-gelb aufleuchten.
 
Zur Absicherung der Diagnose reizt der Mediziner gesunde Hautstellen mit einem Holzstäbchen. Solltest Du Vitiligo haben, entstehen dort ebenso weiße Flecken. Diese Methode ist auch als „Köbner-Phänomen“ bekannt. Um die Diagnose abzuschließen, kann der Spezialist auch eine Blutuntersuchung anordnen, bei der das Blut auf spezielle Antikörper, Schilddrüsenwerte und Zuckerwerte getestet wird.

Wer ist am häufigsten davon betroffen?

Die Krankheit tritt überwiegend vor dem 20. Lebensjahr in Erscheinung, wobei sie eigentlich in jedem Alter ausbrechen kann. Männer und Frauen sind gleichermaßen davon betroffen. Bei etwa 30 Prozent der Fälle sind auch andere Familienmitglieder erkrankt. In Österreich leiden um die 40-80.000 Menschen an der Weißfleckenkrankheit.

Wie ist der Krankheitsverlauf bei der Vitiligo?

Der Verlauf von Vitiligo kann sehr unterschiedlich sein. Im Wesentlichen schreitet die Krankheit immer weiter fort, die Flecken vermehren und vergrößern sich. Oft fließen sie in einzelne Herde zusammen. In sehr schweren Fällen kann es zu einer Depigmentierung des gesamten Körpers kommen. Nur im Einzelfall bilden sich schon bestehende Flecken wieder zurück. Vitiligo kann durch eine früh einsetzende Therapie verlangsamt oder sogar zum Stillstand gebracht werden. Deshalb ist es wichtig, dass Du bei den ersten Anzeichen zu einem Hautarzt gehst.

Welche Folgen hat die Vitiligo für den Betroffenen?

Im Normalfall entstehen für Betroffene durch die Krankheit keine Einschränkungen, außer wenn zusätzliche Gesundheitsstörungen wie Schilddrüsenfehlfunktionen hinzukommen. Dennoch leiden viele Patienten psychisch unter der Krankheit, da die Flecken für sie ein ästhetisches Problem darstellen. Fälschlicherweise glauben noch viele Menschen, dass Vitiligo ansteckend sei. Betroffene werden oftmals angestarrt und häufig gemieden. Sie sehen sich immer noch mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Ein Besuch einer Selbsthilfegruppe oder psychologische Unterstützung kann hier hilfreich sein.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Vitiligo ist nicht heilbar. Dennoch gibt es einige Behandlungsmöglichkeiten, um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten:



Eine Kombination aus der Fototherapie und oral verabreichten Psoralen oder Phenylalanin, Wirkstoffen, die die Haut lichtempfindlicher machen, ist eine weitere Art der Therapie

Nicht-medikamentöse Behandlung
 
Du kannst die weißen Flecken entweder kosmetisch mit hautfärbende Mitteln oder Selbstbräuner abdecken oder mit Ultraviolettlicht im Bereich von 311 nm bestrahlen lassen. Diese Anwendung heißt Fototherapie und führt bei den meisten Patienten zu einer Repigmentierung von etwa 75 Prozent. 

Eine Kombination aus der Fototherapie und oral verabreichten Psoralen oder Phenylalanin, Wirkstoffen, die die Haut lichtempfindlicher machen, ist eine weitere Art der Therapie. Die Medizin nennt sie auch Psoralen plus UV-A, kurz PUVA, und die Therapie dauert mit den benötigten 200 Behandlungen zwei bis drei Monate.
 
Sie kann zu einer Repigmentierung der Flecken führen, wobei nur bei 15-20 Prozent eine vollständige Rückfärbung erreicht werden kann. Diese Behandlung kann auch im sogenannten PUVA-Wasserbad stattfinden, bei der Patienten für 15 Minuten in einer mit Psoralen-Wasser gefüllten Badewanne verweilen. Das fördert die Aufnahme des Wirkstoffs, was wiederum die darauffolgende Bestrahlung positiv beeinflusst.
 
Medikamentöse Behandlung
 
Da es sich bei der Krankheit vermutlich um eine Autoimmunkrankheit handelt, verschreibt der Arzt Dir Medikamente, die das Immunsystem dämpfen. Diese sogenannten Immunsuppressiva sollen den Angriff des Immunsystems auf die Pigmentzellen verhindern. Vor allem Glukokortikoide (Kortison) und Calcipotriol kommen dabei in Form einer Creme zum Einsatz. Zusätzlich empfehlen Spezialisten häufig die Einnahme von Vitamin D. Neuere Präparate aus der Gruppe der Calcineurin- Antagonisten sind noch in der Testphase versprechen aber eine verbesserte immunsuppressive Wirkung.
 
Transplantation
 
Falls die Erkrankung sehr schwach ausgeprägt ist, kann der Spezialist in einer kleinen Operation körpereigene Farbpigmente – oder Melanozyten – an einer gesunden Hautstelle entnehmen, diese züchten und an den betroffenen Stellen wieder einpflanzen. Das Rückfallrisiko ist bei dieser Methode äußerst gering. Weiter Behandlungsmethoden wären das Bleichen der nicht betroffenen Hautstellen und die Einnahme von Ginkgo-Extrakt. Auch eine begleitende psychologische Behandlung ist bei vielen Betroffenen vonnöten.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Grundsätzlich treten keine Schmerzen oder Komplikationen bei der Krankheit auf. Da die weißen Flecken aber sehr lichtempfindlich sind und Sonnenbrände begünstigen, solltest Du den höchsten Lichtschutzfaktor bei Sonnencreme verwenden und Deine Haut vor der Sonne schützen. Damit reduzierst Du das Risiko an Hautkrebs zu erkranken.

Was kann ich zusätzlich tun?

Als Vitiligo-Patient solltest Du Stress reduzieren, auf eine gesunde Ernährung achten und Dein Immunsystem schützen. Bewege Dich viel und verzichte weitgehend auf Alkohol und andere Genussmittel, da diese Schübe begünstigen können. Verwende immer Sonnenschutzmittel mit besonders hohem Lichtschutzfaktor, um das Hautkrebsrisiko zu senken. Du kannst stark deckende Kosmetika wie Camouflage-Make-up verwenden, um die störenden Flecken im Gesicht zu kaschieren. Auch kann es hilfreich sein, Selbsthilfegruppen oder eine Psychotherapie zu besuchen.

Du kannst stark deckende Kosmetika wie Camouflage-Make-up verwenden, um die störenden Flecken im Gesicht zu kaschieren

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Die Krankenkassen übernehmen alle notwendigen Untersuchungen. Dein Arzt rechnet dabei direkt mit dem zuständigen Krankenversicherungsträger ab. Bei manchen Trägern kann es dennoch zu einem Selbstbehalt kommen. Bei einem Wahl- oder Privatarzt musst Du die Kosten selbst tragen. Diese bekommst Du bei einer bestehenden Zusatzkrankenversicherung teilweise zurück. Informationen dazu bekommst Du bei der jeweiligen Versicherung.


Dauer Dauer

-

Ausfallzeit Ausfallzeit

-

Stationärer Aufenthalt Stationär

-

Top Ärzte auf diesem Fachgebiet

Dermatologie
Prof. Dr. med. Hans Wilhelm Kaiser

Prof. Dr. med. Hans Wilhelm Kaiser

Facharzt für Haut und Geschlechtskrankheiten und Allergologie

Hauptstraße 21 , Tegernsee

Dermatologie
Priv. Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl, FAAAAI

Priv. Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl, FAAAAI

Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Pius-Parsch-Platz 1/3 , Wien

Dermatologie
Dr. med. Margit Meidinger

Dr. med. Margit Meidinger

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Mariahilfer Straße 95/Stiege1/3.Stock/Top 19 , Wien

Das Wichtigste zusammengefasst

Die Vitiligo oder Weißfleckenkrankheit ist eine ungefährliche, nicht ansteckende Hauterkrankung, die auf Pigmentstörungen beruht


Die Ursache konnte bis dato nicht genau festgestellt werden. Die Medizin geht von genetischen, autoimmunologischen und psychischen Faktoren aus


Die typischen Symptome sind weiße Flecken hauptsächlich im Gesicht, an den Händen und Füßen. Grundsätzlich kann der ganze Körper betroffen sein


Eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Mit der geeigneten Therapie kann ein Fortschreiten der Krankheit verhindert werden

Arzt finden