Diphallie (Doppelpenis)

Das Wort „Diphallie“ bezeichnet eine seltene Doppelfehlbildung des Penis. Weltweit sind ungefähr 100 Fälle bekannt. In der Regel kann der Doppelpenis chirurgisch korrigiert werden, jedoch bleiben die Betroffenen meist unfruchtbar. Bei uns findest Du die wichtigsten Informationen zu dieser seltenen Fehlbildung.


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Zuletzt aktualisiert: 12. März, 2020



Was versteht die Medizin unter Diphallie?

Die Diphallie ist eine Doppelfehlbildung des Penis, die sehr selten auftritt. Hierbei ist das Glied des Mannes entweder vollständig oder teilweise ein zweites Mal angelegt. Der Doppelpenis besteht bei den betroffenen Männern seit der Geburt. Da Diphallie so selten auftritt, sind die Ursachen, aus medizinischer Sicht, noch nicht vollständig erforscht. Mediziner gehen jedoch stark davon aus, dass es während der embryonalen Phase zu Fehlern in der Entwicklung gekommen ist und sich so der Doppelpenis gebildet hat. Bei einer Diphallie können sich die Penisse nebeneinander, übereinander oder in einigem Abstand voneinander befinden. Dabei kann sich sowohl die Größe als auch die Form der beiden Penisse stark voneinander unterscheiden. In den meisten Fällen sind die Betroffenen unfruchtbar.

Die Diphallie ist eine Doppelfehlbildung des Penis, die sehr selten auftritt

Wie sehen die Symptome einer Diphallie aus?

Bei einer Diphallie treten häufig Probleme beim Wasserlassen auf. Dabei tröpfelt der Urin meist unkontrolliert aus einem der beiden Penisse und der Urinstrahl ist oftmals Fällen schwächer als gewöhnlich. In einigen Fällen funktionieren auch beide Glieder und der Urin fließt dabei aus beiden ab. Zudem sind die meisten Betroffenen gänzlich unfruchtbar. In einigen Fällen leiden die Patienten zudem unter weiteren Fehlbildungen.

Wie ist der Verlauf einer Diphallie?

Die Doppelfehlbildung des Penis kann vor allem auf der psychischen Ebene des Mannes einen ernsten Verlauf nehmen. Betroffene empfinden vor allem ein Minderwertigkeits- und Schamgefühl. Dabei hängt der Leidensdruck des Patienten stark von dem Zeitpunkt der Diagnose und der Behandlung ab. Zudem spielen die begleitenden Fehlbildungen und die Persönlichkeit des Betroffenen selbst eine entscheidende Rolle. Aus medizinischer Sicht lassen sich die Fehlbildungen des Genitaltrakts beheben, wobei die Unfruchtbarkeit bestehen bleiben kann.

Welche verschiedenen Arten der Diphallie gibt es?

Ärzte unterscheiden vor allem zwischen drei verschiedenen Arten von Diphallie.

  • Diphallus bifidus: Dabei ist der Penis zweigeteilt und die Chirurgen versuchen mithilfe eines operativen Eingriffes das gespaltene Glied zusammenzuführen.
  • Diphallus glandularis: Hierbei liegt die Peniseichel doppelt vor, daher wird der überzählige Penis bei der OP abgetrennt.
  • Komplette Diphallie: Bei dieser Art liegen zwei vollständige Penisse vor und der Doppelpenis ist am Schambein befestigt.

Ärzte unterscheiden zwischen drei verschiedenen Arten von Diphallie

Was sind die Ursachen für eine Diphallie?

Eine Diphallie tritt so selten auf, dass die Ursachen aus medizinischer Sicht noch nicht gänzlich erforscht sind. Jedoch sind sich Forscher einig, dass vor allem Fehler in der embryonalen Entwicklung, also während der Embryonalphase, zu einem Doppelpenis führen. Die Embryonalphase, in der sich die Organe bilden, ist zwischen der zweiten und zehnten Schwangerschaftswoche. In dieser Phase ist der Embryo besonders für schädliche Substanzen, wie Alkohol, Nikotin und Drogen anfällig. Diese Substanzen könnten eine Diphallie begünstigen, denn die richtige Trennung der einzelnen Zellverbände kann so verhindert werden. In diesem Zusammenhang kann es auch zu weiteren Fehlbildungen im Körper kommen.

Wie lässt sich eine Diphallie diagnostizieren?

Die Diagnose einer Diphallie ist recht einfach, denn die Fehlbildung besteht seit Anfang an und wird meist unmittelbar nach der Geburt festgestellt. Den Doppelpenis kann der Arzt bereits mit bloßem Auge erkennen, daher handelt es sich hierbei um eine Blickdiagnose. Meist fragt der Arzt, ob die Mutter während der Schwangerschaft bestimmte Medikamente oder schädliche Substanzen eingenommen hat.

Geht der Betroffene erst im Erwachsenenalter zum Arzt, so fragt er den Patienten meist nach möglichen Problemen beim Geschlechtsverkehr oder beim Urinieren. Diagnostiziert der Arzt eine Diphallie, sucht er den Körper nach weiteren Fehlbildungen ab. Per Ultraschall kann er Erkrankungen der inneren Organe feststellen. Auf diese Weise können beispielsweise doppelte Nieren erkannt werden. Zudem spielt der Ultraschall eine entscheidende Rolle, wenn der Mediziner die operative Behandlung plant. Mit dem Ultraschallgerät kann er die einzelnen Schwellkörper des Doppelpenis erkennen.

Welche Folgen hat eine Diphallie für den Betroffenen?

Eine häufige Folge der Diphallie sind weitere Fehlbildungen am Körper, vor allem in den inneren Organen, denn wenn es während der embryonalen Entwicklung zu einem Fehler kommt, so können häufig auch weitere Fehlbildungen entstehen. Herzrhythmusstörungen sind auch eine mögliche Folge. Dabei muss weder der Doppelpenis noch die weitere Fehlbildung bedrohlich für die Gesundheit des Betroffenen sein. Bei einem Doppelpenis ist eines der beiden Glieder oftmals stärker ausgebildet als das andere. Da eine Diphallie meist von weiteren Fehlbildungen der Genitalien begleitet wird, liegt häufig eine Spaltung des Hodensacks oder eine Entwicklungsstörung der Harnröhre vor.

Ganz egal, ob sich der Patient für oder gegen eine Behandlung entschieden hat, der psychische Druck ist kaum vermeidbar

Betroffene können sich natürlich auch gegen eine Behandlung entscheiden, sollten sie keine negativen Begleiterscheinungen verspüren. In den meisten Fällen sind die Betroffenen vollkommen unfruchtbar. Bei Diphallie treten sowohl erektile Probleme auf, als auch Schwierigkeiten beim Urinieren. Folglich kann es auch zu psychischen Problemen kommen, die mit der Doppelfehlbildung einhergehen. Ganz egal, ob sich der Patient für oder gegen eine Behandlung entschieden hat, der psychische Druck ist kaum vermeidbar.

Wie lässt sich eine Diphallie behandeln?

Die operative Behandlung ist die einzige Therapie eines Doppelpenis. Jedoch muss nicht jeder Doppelpenis behandelt werden, vor allem wenn er keine Bedrohung für die Gesundheit des Betroffenen darstellt. Dabei ist in allen Fällen der Wunsch des Betroffenen oder der Eltern bei der Geburt ihres Babys ausschlaggebend. Die Operation ist recht aufwendig, da die Chirurgen bei der OP vorsichtig vorgehen müssen, um die Nerven der Geschlechtsteile nicht zu verletzen. Ein Ziel ist ebenfalls, den Betroffenen das kontrollierte Wasserlassen und die sexuelle Erektion zu ermöglichen.

Je nach Art des Doppelpenis gehen die Chirurgen unterschiedlich vor. Bei einem Diphallus bifidus versuchen die Ärzte, das gespaltene Glied zusammenzuführen. Dabei kann beispielsweise die Harnröhre neu angelegt werden. Bei einer wahren Diphallie hingegen, bei der zwei eigenständige Penisse vorhanden sind, wird der überzählige Penis abgetrennt. Der Eingriff bei einem kompletten Diphallus bifidus ist meist komplizierter und aufwendiger, da dabei die Spaltung bis zum Becken vorgenommen wird. In diesem Fall ist der Doppelpenis am Schambein befestigt, daher liegt auch ein höheres Komplikationsrisiko vor.

Kann man eine Diphallie vorbeugen?

Eine Diphallie kannst Du selbst nicht vorbeugen, denn es ist eine Fehlbildung, mit der man geboren wird. Der Doppelpenis ist auch nicht vererbbar, denn die Betroffenen sind meist unfruchtbar. Da eine Fehlbildung während der ersten Wochen der Schwangerschaft entsteht, kann aber jede Mutter sehr wohl dazu beitragen einer Diphallie entgegenzuwirken. Die werdende Mutter sollte einen möglichst gesunden Lebensstil führen und vollkommen auf schädliche Substanzen verzichten. Denn Mittel wie Alkohol, Nikotin, Drogen und Medikamente gelten als Hauptverursacher für Fehlbildungen. So sollten sich Frauen während der Schwangerschaft vor allem im 1. Schwangerschaftsdrittel von all den schädlichen Einflüssen fernhalten, da sonst das Erbgut in den Zellen geschädigt werden kann.

Eine Diphallie kannst Du selbst nicht vorbeugen, denn es ist eine Fehlbildung, mit der man geboren wird

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Bei der Kostenübernahme hängt es davon ab, wie notwendig der Eingriff aus medizinischer Sicht ist. Informiere Dich vor dem Eingriff auf jeden Fall bei Deiner Krankenkasse, denn wenn es sich um einen rein ästhetischen Eingriff handelt, kann es gut sein, dass Du für die Kosten selbst aufkommen musst. Bei negativen Folgen für Deine Gesundheit, übernimmt Dein Versicherungsträger normalerweise einen Teil oder sogar die gesamten Kosten für den operativen Eingriff.


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Plastische Chirurgie
Dr. med. Timo A. Spanholtz

Dr. med. Timo A. Spanholtz

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie

Odenthaler Straße 19 , Bergisch-Gladbach

Das Wichtigste zusammengefasst

Diphallie ist eine Doppelfehlbildung des Penis, die sehr selten auftritt


Der Doppelpenis tritt so selten auf, dass die Ursachen aus medizinischer Sicht noch nicht gänzlich erforscht sind


Die operative Behandlung ist die einzige Therapie eines Doppelpenis


Da eine Fehlbildung während der ersten Wochen der Schwangerschaft entsteht, kann jede Mutter selbst dazu beitragen einer Diphallie entgegenzuwirken

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