Was ist ein Hodenhochstand?
Ein Hodenhochstand (Hodenretention, Maldescensus testis) kann bei neugeborenen männlichen Babys entstehen. Dabei befinden sich ein oder beide Hoden nicht im Hodensack (Skrotum) und es liegt eine Lageanomalie der Keimdrüsen vor.
In der Regel entstehen bei einem männlichen Embryo die Hoden im Bauchraum. Während der Entwicklung im Mutterbauch wandern die Hoden über den Leistenkanal in den Hodensack. Vom Bauchfell aus erreichen sie im Normalfall im siebten Schwangerschaftsmonat den Leistenkanal und sollten anschließend in den Hodensack wandern, wo sie bei termingemäßer Geburt tastbar sind.
Wandert der Hoden in den ersten Monaten nach der Geburt nicht in die natürliche Position in den Hodensack zurück, ist eine Behandlung mittels Hormontherapie oder Operation notwendig.
Welche Formen von Hodenhochstand lassen sich unterscheiden?
Bei einem Hochstand unterscheiden Mediziner zwischen verschiedenen Formen:
- Bauchhoden (Kryptorchismus): Der Hoden ist in der Bauchhöhle verblieben und nicht Richtung Hodensack gewandert; er ist nicht tastbar und schwer lokalisierbar.
- Leistenhoden: Auch „Kanalhoden“ genannt – der Hoden steckt im Leistenkanal, der Bauchraum und Hodensack verbindet; als Schwellung tastbar.
- Gleithoden: Der Hoden liegt an der Eingangspforte zum Hodensack, lässt sich herunterziehen, gleitet aber wieder zurück (oft aufgrund eines zu kurzen Samenstrangs).
- Pendelhoden: Hoden liegen grundsätzlich im Hodensack, können aber z. B. bei Reizen in den Leistenkanal hochgezogen werden und von selbst zurückkehren.
- Hodenektopie: Der Hoden liegt abseits des üblichen Wegs an ungewöhnlichen Stellen (selten).
Wie sehen die Symptome bei einem Hodenhochstand aus?
Bei neugeborenen Jungen ist ein Hodenhochstand nicht schmerzhaft und zeigt keine Beschwerden. Erkennbar ist er daran, dass ein oder beide Hoden nicht im Hodensack tastbar sind.
Welche Ursachen hat ein Hodenhochstand?
Ursachen können u. a. anatomische Faktoren (z. B. enger Leistenkanal), hormonelle Störungen bei Mutter oder Kind (unzureichende Ausschüttung von Gonadotropinen/Testosteron) oder eine genetische Veranlagung sein.
Welche Folgen hat der Hodenhochstand für die Patienten?
Unbehandelt besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für einen bösartigen Hodentumor und eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit. Zudem sind Hodentorsion, Zeugungsunfähigkeit und Leistenbruch möglich. Eine Hodentorsion führt durch die Drehung des Hodens um den Samenstrang zu einer akuten Durchblutungsstörung und muss umgehend behandelt werden.
Wie diagnostiziert der Arzt einen Hodenhochstand?
In den meisten Fällen wird der Hodenhochstand bereits bei der Erstuntersuchung des Säuglings ertastet. Bei unklarer Lage, z. B. beim Pendelhoden, können Ultraschall und ggf. weitere bildgebende Verfahren erforderlich sein.
Wer ist am häufigsten davon betroffen?
Bei reifen männlichen Neugeborenen liegt die Häufigkeit eines Maldescensus bei 3–6 %. Frühgeborene sind deutlich häufiger betroffen (je nach Geburtsgewicht und -alter bis nahezu 100 % bei < 900 g). In den ersten sechs Lebensmonaten kann ein spontaner Abstieg noch erfolgen.
Welche Behandlungsmethoden gibt es?
Ziel ist die Hodenverlagerung in die natürliche Position, um Spätschäden zu verhindern. Bis zum Alter von etwa sechs Monaten wird oft beobachtet; anschließend kommen medikamentöse Maßnahmen oder eine Operation in Betracht.
Wie funktioniert eine medikamentöse Behandlung?
Die Hormontherapie soll den Hodenabstieg fördern und die Reifung der Keimzellen unterstützen. Fehlende Hormone werden in der Regel als Nasenspray verabreicht; die Therapie beginnt ab dem dritten Lebensmonat und dauert im Durchschnitt vier bis sieben Wochen.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Führt die Hormontherapie nicht zum Erfolg oder steigt der Hoden in den ersten sechs Monaten nicht von selbst ab, bringt der Kinderchirurg den Hoden operativ in den Hodensack und fixiert ihn dort (Orchidopexie).
Um Schäden wie Hodenkrebs oder Unfruchtbarkeit zu verhindern, sollte die Behandlung idealerweise bis zum ersten Lebensjahr abgeschlossen sein.
Was ist vor einer Operation zu beachten?
Sechs Stunden vor dem Eingriff sollte das Kind nüchtern sein (nicht essen oder trinken).
Wie verläuft die Operation bei einem Hodenhochstand?
Je nach Ausgangslage erfolgt der Eingriff minimalinvasiv oder über einen kleinen Schnitt. Der Leistenkanal wird über einen Hautschnitt eröffnet, Hoden und Samenstrang von Bindegewebe befreit und der Hoden in den Hodensack verlagert. Fasern des Hodenhebermuskels können durchtrennt werden; abschließend wird der Hoden mit einer Naht in der gewünschten Position fixiert.
Was ist nach der Operation zu beachten?
Nach Vollnarkose bleiben Kinder kurz unter Beobachtung und sind meist rasch wieder fit. Eine Aufsichtsperson sollte 24 Stunden nach dem Eingriff anwesend sein. In den ersten Tagen ist Schonung sinnvoll. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, da ein kurzer Samenstrang den Hoden später erneut hochziehen kann.
Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?
Der Eingriff gilt als risikoarm. Selten sind Verletzungen von Gefäßen oder Samenleiter möglich. Eine umfassende ärztliche Aufklärung erfolgt vorab.
Lässt sich der Hodenhochstand vorbeugen?
Eine sichere Vorbeugung ist kaum möglich. Eine gesunde Lebensweise während der Schwangerschaft kann das allgemeine Risiko für Entwicklungsstörungen senken. Bei familiärer Häufung sollten Eltern den Kinderarzt informieren.
Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?
Die Kosten für Diagnose und Therapie werden in der Regel von der Krankenversicherung übernommen, da eine medizinische Notwendigkeit besteht.
Wichtig: Wird der Hodenhochstand nicht rechtzeitig behandelt, steigen Risiken wie Hodentumor und eingeschränkte Fruchtbarkeit. Ziel ist die frühzeitige Verlagerung des Hodens in den Hodensack – idealerweise bis zum ersten Lebensjahr.
Quellen
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