Analfissur – Wenn der Gang auf die Toilette schmerzt!

Die Analfissur ist ein schmerzhafter Riss in der Analhaut, wodurch besonders der Stuhlgang mit starken Schmerzen verbunden ist. Betroffene vermeiden es deswegen, den Darm zu entleeren, was wiederum zu einer Verstopfung führt. Die folgenden Stuhlgänge sind daher umso schmerzhafter. Es entwickelt sich ein Teufelskreis, aufgrund dessen die Analfissur oft über Wochen oder Monate bestehen bleibt.


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Zuletzt aktualisiert: 24. Januar, 2020



Was versteht die Medizin unter einer Analfissur?

Analfissuren sind schmerzhafte, meist längsverlaufende Einrisse oder Ulcera des Analkanals, welche zum Beispiel durch harten Stuhl oder Fremdkörper entstehen können. Ärzte differenzieren aufgrund des weiteren therapeutischen Vorgehens den akuten vom chronischen Verlauf bei einer Analfissur. Die akute Analfissur ist ein Schleimhauteinriss oder ein anodermales Ulcus (Geschwür) ohne Sekundärveränderungen und spricht meist gut auf konservative Therapien an. Die chronische Analfissur hingegen besteht, wenn ein Einriss oder ein Ulcus mit einem Randwall sowie einer Vorpostenfalte vorliegt, in manchen Fällen zeigt sich auch eine zentrale Fistel.

Analfissur

Was sind die Ursachen einer Analfissur?

Die häufigste Ursache für eine Analfissur ist Verstopfung. Diese wird durch falsche Ernährung und mangelnde Bewegung begünstigt. Pressen Betroffene dann beim Stuhlgang zu stark, können sich leicht Fissuren bilden. Auch bestimmte Magen-Darm-Erkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder dauerhafter Durchfall können zu den schmerzhaften Einrissen führen. Liegt bereits eine Verletzung der Analhaut vor, verkrampft sich der Schließmuskel. Dies führt wiederum zu starkem Pressen auf der Toilette und weitere Fissuren bilden sich.

 

Auch ein Elastizitätsverlust der Analhaut gehört zu den möglichen Auslösern. Der Elastizitätsverlust geht meist auf Entzündungen in den benachbarten Bereichen zurück, zum Beispiel auf Analfisteln oder Abszesse. Bestimmte Sexualpraktiken wie der Analverkehr oder das Einführen von Gegenständen in den Enddarm erhöhen das Risiko für die Entstehung von Analfissuren. Weitere Ursachen können Hämorrhoiden, Tuberkulose, Syphilis oder eine HIV-Infektion/ AIDS sein.

Welche Symptome treten bei einer Analfissur auf?

Stechende Schmerzen, Schleimabsonderungen, Brennen und Juckreiz im Analbereich, besonders während des Stuhlgangs, weisen auf einen Riss in der empfindlichen Analhaut hin. Viele Betroffene vermeiden daher den Stuhlgang, was zu Verstopfung führt. Auch (hellrotes) Blut im Stuhl kann vorkommen. Hast Du eine Fissur in der Schließmuskelregion, so kann sich verstärkt Bindegewebe bilden und der Schließmuskel dadurch verhärten.

Wie diagnostiziert der Arzt die Analfissur?

Leidest Du an einer Analfissur, solltest Du Dich nicht schämen, einen Arzt aufzusuchen. Am besten gehst Du direkt zu einem Proktologen, dem Facharzt für den Bereich des Enddarms. Zunächst stellt er Dir im Rahmen des Anamnesegesprächs Fragen zu Deinen Beschwerden und der Krankengeschichte. Dabei fragt er Dich zum Beispiel, ob Du Schmerzen, vor allem beim Stuhlgang hast, ob sich Blut im Stuhl befindet, ob Du an einer Verstopfung leidest, wegen welcher Du beim Stuhlgang stark pressen musst oder ob Du im Gegenteil an Durchfall leidest und ob bei Dir Krankheiten wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa bekannt sind. Im Anschluss an das Gespräch untersucht er Deinen äußeren Analbereich und den Enddarm mit seinem Finger. Damit Dir die Untersuchung keine Schmerzen bereitet, betäuben Proktologen die Stelle vorher.

 

Die Analfissur stellt sich dem Arzt als schmerzhaftes Geschwür oder schmerzempfindlicher Strang dar, zusätzlich ist meist der Schließmuskel verkrampft. Besteht außerdem der Verdacht, dass andere Erkrankungen die Ursache Deiner Beschwerden sein könnten, veranlasst der Arzt eine Enddarmspiegelung. Mithilfe dieser Methode kann er mögliche Gewebeveränderungen erkennen und zur weiteren Abklärung eine Gewebeprobe nehmen. Ist er sich immer noch unsicher, kann sich eine Darmspiegelung, eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) anschließen.

Analfissur

Wer ist am häufigsten von einer Analfissur betroffen?

Männer sind etwas häufiger von Analfissuren betroffen als Frauen, der Altersgipfel liegt etwa zwischen 30 und 40 Jahren.

Welche Folgen hat eine Analfissur für den Betroffenen?

Da der Stuhlgang mit starken Schmerzen verbunden ist, schieben viele Betroffene diesen sehr lange auf. So kommt es aber zu Verstopfungen, die die Schmerzen noch mehr verschlimmern. Weiters haben Betroffene oft Hemmungen, bei Beschwerden im Analbereich einen Arzt aufzusuchen, da es ein sehr schambehaftetes Thema ist. Allerdings solltest Du Dich wirklich nicht schämen, da der Arzt empathisch und professionell arbeitet und Dir so Deine Angst nimmt.

Können Analfissuren chronisch werden?

Ja. Heilt die Fissur nicht komplikationslos aus, beziehungsweise kommt es zu einer Infektion aufgrund der Darmbakterien, kann die Analfissur chronisch werden. Das bedeutet, dass die Beschwerden länger als sechs Wochen andauern.

Welche nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Meistens ist eine konservative Behandlung der Analfissur ausreichend, um das Problem zu beheben. Wichtig ist allerdings eine konsequente Behandlung. Verschiedenste Mittel helfen gegen den schmerzhaften Riss am After. Dazu zählen schmerzstillende Salben, Zäpfchen und Analtampons, die zusätzlich eine entzündungshemmende und abschwellende Wirkung haben. Leidest Du an extrem starken Schmerzen, kann Dir Dein Arzt zudem Schmerztabletten verschreiben oder die betroffene Region lokal betäuben, um den Schmerzkreislauf zu unterbrechen und somit die Heilung zu beschleunigen.

 

Um die Verspannung des Schließmuskels zu beheben und so die Abheilung der Fissur zu fördern, eignen sich sogenannte Analdehner. Das konische Kunststoffstäbchen kannst Du mit einem Gleitmittel in den After einführen und dort zwei bis dreimal täglich für etwa fünf bis zehn Minuten belassen. Ein relativ neuer Ansatz ist die Verwendung des Nervengifts Botulinumtoxin. Es lähmt den inneren Schließmuskel für mehrere Monate und wirkt Muskelverkrampfungen entgegen.

Analfissur

Wann muss eine operative Behandlung erfolgen?

Leidest Du seit mehreren Wochen oder sogar Monaten unter dem schmerzhaften Analriss, ohne dass die Wunde abheilt, muss eine Operation erfolgen. Tendenziell lassen sich akute Analfissuren meistens konservativ behandeln, während chronische Analfissuren signifikant häufiger operativ entfernt werden müssen.

Wie verläuft die Operation einer Analfissur?

Bei der sogenannten Fissurektomie entfernt der Chirurg die chronische Fissur samt vernarbtem Gewebe und eventuellen Analfisteln. Am Ende des Eingriffs vernäht der Arzt die Wunde nicht, deswegen dauert die Heilung etwa vier bis sechs Wochen. Ein alternatives Operationsverfahren stellt die Sphinkterotomie dar. Der Chirurg durchtrennt dabei vorsichtig einen Teil des Schließmuskels. In nahezu allen Fällen führt dieser Eingriff zum Erfolg, da er den Druck auf die Fissur deutlich verringert. Allerdings sind gerade Patienten höheren Alters gefährdet, durch die Operation eine leichte Stuhlinkontinenz zu entwickeln, da der Schließmuskel nicht mehr vollständig funktioniert.

Welche Risiken und Komplikationen können auftreten?

Selten passiert es, dass die Fissur nicht komplikationslos ausheilt. In diesen Fällen kann sie sich zu einer chronischen Entzündung entwickeln, in deren Folge Analfisteln oder Analabszesse auftreten. Verletzt der Chirurg bei der operativen Entfernung der Analfissur versehentlich den Schließmuskel, kann Stuhlinkontinenz die Folge sein.

Was muss nach der Behandlung beachtet werden?

Nach der Operation musst Du die Wunde morgens, abends und nach jedem Stuhlgang waschen und trocknen. Du bekommst eine Lösung verschrieben, die Du etwa zwei bis drei Wochen lang anwendest. Sie macht den Stuhl weich und lindert so die Schmerzen beim Stuhlgang. Ein Verband ist nicht nötig, stattdessen kannst Du eine breite Damenbinde verwenden, um etwaige Verschmutzungen der Unterwäsche in den ersten Tagen zu verhindern.

Kann man Analfissuren vorbeugen?

Ja, Du kannst Analfissuren vorbeugen. Um Verstopfungen entgegenzuwirken, solltest Du auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten, also zum Beispiel Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse zu Dir nehmen. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (empfohlen sind etwa eineinhalb bis zwei Liter täglich) ist essenziell für die Vorbeugung von Analfissuren. Dadurch wird der Stuhl weicher und der Stuhlgang fällt leichter. Wendest Du bestimmte Sexualpraktiken wie zum Beispiel Analverkehr oder das Einführen von Gegenständen in den Enddarm an, solltest Du darauf achten, ausreichend Gleitmittel zu verwenden, um Rissen und Verletzungen vorzubeugen.

Analfissur

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Prinzipiell übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung einer Analfissur, eine Ausnahme bildet die Behandlung mit Botox®. Diese Methode wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.


Dauer Dauer

30-60 Minuten

Ausfallzeit Ausfallzeit

Bis 7 Tage

Stationärer Aufenthalt Stationär

Bis zu 3 Tage

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Das Wichtigste zusammengefasst

Hierbei handelt es sich um einen schmerzhaften Riss in der Analhaut, der besonders den Stuhlgang erschwert, allerdings führt die Verweigerung zu Verstopfungen, welche wiederum Fissuren begünstigen


Die Ursachen sind vielfältig, dazu zählen zu starkes Pressen beim Stuhlgang, Verstopfungen aber auch Durchfall, Hämorrhoiden, chronische Magen-Darm-Erkrankungen oder Infektionskrankheiten wie HIV, Syphilis oder Tuberkulose


Hauptsymptome sind stechende Schmerzen, Schleimabsonderungen, Brennen und Juckreiz im Analbereich sowie hellrotes Blut im Stuhl


Meistens lassen sich akute Analfissuren mit konservativen Methoden gut behandeln, schlägt die Behandlung allerdings nicht an und die Fissur wird chronisch, kann Dein Arzt mit verschiedensten Operationstechniken dagegenwirken. Bei den operativen Eingriffen besteht jedoch die Gefahr, dass es (im hohen Alter) zu einer Stuhlinkontinenz kommen kann

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